Anmerkungen.

Anmerkungen.

Bei der Herstellung der Briefe für den Druck wurden folgende Grundsätze beobachtet:

Der große Wert des Briefwechsels besteht darin, daß er die Ergänzung zu den von den Verfassern selbst veröffentlichten Schriften und Aufsätzen bildet, daß aus ihm die Antriebe zur Abfassung und Veröffentlichung jener Schriften, ihr unmittelbarer und weiterer Zweck ersichtlich werden, daß er tiefere Einblicke in das geistige Werden, das wissenschaftliche Arbeiten und politische Wirken der Schreiber gewährt und damit zum besseren Verständnis ihres Schaffens beiträgt, und daß er schließlich über die persönlichen Verhältnisse und Schicksale der Freunde genauere Auskunft gibt, ihre Kämpfe für die Anforderungen des Daseins, ihre menschlichen Beziehungen, Freundschaften und Feindschaften, ihre intimeren Urteile über Freunde und Feinde, über politische, soziale und literarische Vorgänge, den Wandel in verschiedenen dieser Urteile, kurz jenes Mosaik der Lebensäußerungen uns unmittelbar vor Augen bringt, dessen Einzelheiten oft unwesentlich erscheinen, das aber erst in seiner Fülle ein naturtreues Bild der Menschen erstehen, ihren Charakter, ihre Lebensauffassung und Lebensführung richtig begreifen läßt.

Im Hinblick auf alles dieses sind die Briefe nur mit geringen Kürzungen zum Abdruck gebracht worden. Nur wo besonders intime Verhältnisse behandelt wurden, an die sich kein allgemeineres Interesse irgendwelcher Art knüpft, wo gleichgültige Dinge über ganz und gar gleichgültige Personen erwähnt werden, schienen Streichungen gerechtfertigt. Fortgelassen sind auch hier und dort mißfällige Bemerkungen über dritte Personen, doch betrifft dies nur solche Äußerungen, die kein politisches oder wissenschaftlichesUrteil einbegriffen, das nicht schon in vorhergegangenen Briefen deutlich ausgesprochen ist.

Unvermeidlich war dagegen eine gewisse philologische Behandlung der Briefe, und zwar namentlich der Briefe von Marx. Es handelt sich um den Gebrauch französischer und englischer Ausdrücke. Die betreffenden Stellen sind in den Briefen unverändert geblieben, aber in Rücksicht auf die proletarischen Leser sind den betreffenden Briefen Übersetzungsnoten beigegeben worden, von denen je nach Bedarf Gebrauch gemacht werden möge.

Zum zweiten war auch eine gewisse sprachliche Redaktion am deutschen Text einzelner Briefe nicht zu umgehen. Marx läßt sich zeitweise in seinen Briefen nicht weniger drastisch aus, als dies der Olympier Goethe zu tun pflegte, und gelegentlich tut es auch Engels. Es würde aber durchaus nicht in ihrem Sinn gehandelt sein, wenn die derben Ausdrücke unverändert im Druck wiedergegeben würden. Denn weder Marx noch Engels waren etwa doktrinäre Gegner zivilisierter Umgangsformen. Marx äußert sich vielmehr bei Gelegenheit sehr entrüstet darüber, daß einer seiner Briefe von den Empfängern unverändert in der „brutalen Sprache von Briefen“ veröffentlicht worden war. (Es handelt sich um den Brief an den Braunschweiger Ausschuß der Eisenacher Sozialdemokratie über die Annexion Elsaß-Lothringens.) Es sind daher Worte, die der deutsche Druck nun einmal nicht verträgt, durch andere ersetzt worden.

Hinsichtlich der Rechtschreibung wurden, da diese in dem sich über vierzig Jahre erstreckenden Briefwechsel selbst nicht streng durchgeführt ist, der Einheit und Einfachheit halber die heute üblichen Regeln beobachtet. Um den Stil der Verfasser möglichst wenig zu ändern, wurden Satzflüchtigkeiten, wie sie in hingeworfenen Briefen leicht unterlaufen, nur dann durch Ergänzungen verbessert, wenn es im Interesse der Deutlichkeit erfordert zu sein schien, und die ergänzenden Worte oder Teilworte in griechische Klammern gesetzt. Abkürzungen von Worten – Gebrauch von Zeichen für Vergleichungsworte und von Ziffern für Zahlworte usw. – wurden selbstverständlich nicht anders behandelt, wie regelrechte Kurzschrift behandelt worden wäre, das heißt durch das volle Wort ersetzt.

Es wird manchem Leser ein Kommentar des Briefwechsels nicht unerwünscht sein, und es ist auch die Abfassung eines solchen in Aussicht genommen. Aber da jeder Kommentar notwendigerweise mehr oder weniger Kritik mit sich bringt, erscheint es angemessen, seine Herausgabe nicht mit der Ausgabe des Briefwechsels selbst zu verbinden. In dieser sollen nur die Verfasser das Wort haben.

In den Vorbemerkungen zu den einzelnen Teilen, sowie im Namen- und Sachregister findet der Leser Nachweise, die ihm die Orientierung über Menschen und Dinge erleichtern werden.

Ed. Bernstein.


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