Chapter 16

1849

Bern, 7. Januar 1849.

Lieber Marx!

Nachdem ich mich jetzt während mehrerer Wochen sündhaften Lebenswandels von meinen Strapazen und Aventüren erholt habe, fühle ich erstens das Bedürfnis, wieder zu arbeiten (wovon der beiliegende magyaro-slawische Artikel ein schlagender Beweis), und zweitens das Bedürfnis nach Geld. Letzteres ist das dringendste, und wenn Ihr bei Ankunft dieses mir noch nichts geschickt haben solltet, so tut es doch gleich, denn ich bin seit mehreren Tagensans le sou,[1]und Pump ist in dieser lausigen Stadt keiner.

Wenn in dieser lausigen Schweiz nur irgend etwas vorfiele, um drüber schreiben zu können. Aber lauter Lokaldreck der lausigsten Art. Ein paar allgemeine Artikel drüber schick’ ich indes bald. Wenn ich noch lange im Ausland bleiben muß, so gehe ich nach Lugano, besonders wenn in Italien etwas losgeht, wie es den Anschein hat.

Aber ich denke immer, ich kann bald zurück. Dies faule Hocken im Ausland, wo man doch nichts Ordentliches tun kann und ganz außer der Bewegung steht, ist scheußlich unerträglich. Ich komme bald zu der Einsicht, daß es selbst im Untersuchungsarrest in Köln besser ist als in der freien Schweiz. Schreibe mir doch, ob denn gar keine Chance vorhanden, daß ich ebenso günstig behandelt werde wie Bürgers, Becker usw. usw.

Raveaux hat recht: selbst in dem oktroyierten Preußen ist man freier als in der freien Schweiz. Jeder Spießbürger ist hier zugleich Mouchard und Assommeur.[2]Davon habe ich in der Neujahrsnacht ein Exempel gesehen.

Wer Teufel hat neulich den langweiligen sittlich-religiösen Artikel aus Heidelberg über den Märzverein in die Zeitung gesetzt? Daß Henricus von Zeit zu Zeit einen Artikel aushaucht, habe ich ebenfalls mit Vergnügen bemerkt an dem Seufzer über das Ladenbergsche Zirkular, der sich durch zwei Nummern hinzieht.

Unsere Zeitung wird jetzt in der Schweiz sehr häufig zitiert; die Berner Zeitung nimmt viel und die Nationalzeitung, und dann geht das dieRunde durch alle Blätter. Auch in den Schweizer französischen Blättern wird sie, nach dem National usw. usw., viel zitiert, mehr als die Kölnische.

Die Annonce werdet ihr aufgenommen haben. Beiliegend ein Abdruck der unsrigen in der Berner Zeitung. Grüße die ganze Gesellschaft.

Dein E.

Gestern zu spät zur Post. Heute also noch die Bemerkung, daß die Neue Rheinische Zeitung seit dem 5. Januar hiernicht mehr eingetroffenist. Sieh doch nach, ob sie regelmäßig abgeschickt. Ich habe mich erkundigt, mit dem Abonnieren ist’s nichts. Ich müßte auf ein halbes Jahr abonnieren; so lange bleibe ich nicht und habe auch kein Geld. Wie gesagt, es ist wichtig, das sie herkommt, nicht bloß meinetwegen, sondern auch hauptsächlich, weil die uns günstige, von einem Kommunisten redigierte Berner Zeitung alles tut, um sie hieren vogue[3]zu bringen.

[1]Ohne einen Pfennig.

[2]Spitzel und Totschläger.

[3]In Mode.

Hamburg, 23. April 1849.Adresse: Kaufmann Rohde, Bleichenbrücke.(Unter Kuvert.)

Lieber Engels!

Dein Brief hat mich erst heute getroffen, da ich Bremen schon Mittwoch morgen verließ. In Bremen nichts. Rösing hat vor einem Jahre bankrott gemacht und lebt nur noch von den Zinsen des seiner Frau verbliebenen Kapitals. Also nichts.

Dagegen werde ich hier sicher loseisen.

Was die Unterschrift betrifft, kannWerresnicht unterzeichnen?

Was die einstweiligen Geldmittel betrifft, solange ich abwesend bin, so ist folgendes zu bemerken: Plochmann hat mir vor meiner Abreise in die Hand versprochen, jeden nötigen Vorschuß zu machen. Möglich, daß St. Naut aus Gewissenhaftigkeit keine Zuflucht zu dieser Quelle nimmt. Wenn es nötig ist, tuees selbst.

Die Zeitung ist diese Woche durch sehr mager, was mit meiner jetzigen Mission schlecht klappt.

Grüße meine Frau herzlich von mir und die anderen.

Schreibe jedenfalls umgehend und laßt den Kopf nicht sinken.Les choses marcheront.[1]

Dein K. Marx.

[1]Die Dinge werden vorwärts gehen.

Schreibe mir unter der Adresse: M. Ramboz, 45 Rue de Lille.

Paris, 45 Rue de Lille, 7. Juni 1849.

Lieber Engels!

Ich schreibe Dir in diesem Briefe wenig ausführlich. Erst sollst Du mir antworten, ob erunversehrtangekommen ist. Ich glaube, daß die Briefe wiedercon amore[1]erbrochen werden.

Es herrscht hier eine royalistische Reaktion, schamloser als unter Guizot, bloß vergleichbar mit der nach 1815. Paris istmorne.[2]Dazu die Cholera, die außerordentlich wütet. Trotzdem stand ein kolossaler Ausbruch des Revolutionskraters nie näher bevor als jetzt zu Paris. Die Details darüber später. Ich komme mit der ganzen revolutionären Partei zusammen und werde in einigen TagensämtlicheRevolutionsjournale zu meiner Verfügung haben.

Was die hiesigen pfälzisch-badischen Gesandten betrifft, so ist Blind, von einem wirklichen oder vermeintlichen Cholerafall erschreckt, einige Stunden von Paris aufs Land gezogen.

Quant à[3]Schütz ist folgendes zu bemerken:

Die provisorische Regierung setzt ihn in eine falsche Position, indem sie ihm keine Berichte schickt. Die Franzosen verlangendes faits,[4]und wo soll er sie hernehmen, wenn ihm kein Teufel schreibt? Es müssen ihm möglichst oft Depeschen zukommen. Es ist klar, daß er in diesem Augenblick nichts ausrichten kann. Das einzig Erreichbare ist, der pr[eußischen] Regierung Sand in die Augen zu streuen, indem man ihm möglich macht, häufig mit den Chefs der Montagnards[5]zusammenzukommen.

Daß er im übrigen wenig erfährt, versteht sich von selbst, da er nur mit einigenoffiziellenMontagnards zusammenkommt. Ich werde ihn übrigens immerau courant[6]halten.

Meinerseits muß ich verlangen, daß Du mir wenigstens zweimal die Woche regelmäßig und jedesmal, so oft etwas Wichtiges vorfällt, sofort schreibst.

In dem Feuilleton der Kölnischen Zeitung über die Pfälzer Bewegung,de d[ato]Dürkheim a. d. Hardt, heißt es unter anderem: „Auf Herrn Marx, den Redakteur der Rheinischen Zeitung, ist man nicht gut zu sprechen. Derselbe soll der provisorischen Regierung erklärt haben, seineZeit sei noch nicht gekommen, er werde sich vorläufig zurückziehen.“ Wie hängt das zusammen? Die elenden Deutschen hier, mit denen ich jedes Zusammentreffen übrigens vermeide, werden das breit durch Paris zu schlagen suchen. Ich halte es deshalb für gut, wenn Ihr in der Karlsruher oder Mannheimer Abendzeitung geradezu erzählt in einem Korrespondenzartikel, ich sei als Repräsentant desdemokratischen Zentralkomiteeszu Paris. Ich halte dies auch deshalb für nützlich, weil einstweilen, wo augenblicklich, unmittelbar noch kein Resultat hier zu erreichen ist, man die Preußen glauben machen muß, daß furchtbare Intrigen hier gespielt werden.Il faut faire peur aux Aristocrates.[7]

Ruge ist hier gleich Null. Was macht Dronke?

Du mußt übrigens sehen, daß Duirgendwo Geld für mich auftreibst, Du weißt, daß ich die letzten eingehenden Summen,pour faire honneur aux obligations de la Nouvelle Gazette Rhénane[8]verausgabt habe und in den jetzigencirconstances[9]kann ich weder ganz eingezogen wohnen und leben, noch weniger in Geldverlegenheiten geraten.

Wenn es Dir irgend möglich ist, so schicke mir einen französischen Artikel, worin Du die ganze ungarische Affäre resümierst.

Teile diesen Brief D’Ester mit. Grüße ihn bestens. Soll ich unter einer anderen Adresse schreiben, so gebt sie an.

M.

[1]Mit Wollust.

[2]Düster.

[3]Mit Bezug auf.

[4]Tatsachen.

[5]Führer der Bergparteiler.

[6]Auf dem laufenden.

[7]Man muß den Aristokraten Furcht einflößen.

[8]Um die Verpflichtungen der Neuen Rheinischen Zeitung einzulösen [„zu honorieren“].

[9]Umstände, Verhältnisse.

Vevey, Kanton de Vaud, 25. Juli 1849.

Liebe Frau Marx!

Sie sowohl wie Marx werden verwundert sein, daß ich so lange nichts habe von mir hören lassen.En voici les causes:[1]Denselben Tag, wo ich an Marx schrieb (von Kaiserslautern aus), kam die Nachricht, daß Homburg von den Preußen besetzt und somit die Kommunikation mit Paris abgeschnitten war. Ich konnte nun den Brief nicht mehr abschicken und ging zu Willich. In Kaiserslautern hatte ich mich von aller Befassung mit dersoi-disant[2]Revolution ferngehalten; als aber die Preußen kamen, konnte ich der Luft nicht widerstehen, den Krieg mitzumachen. Willich war der einzige Offizier, der etwas taugte, und so ging ich zu ihm und wurde sein Adjutant. Ich war in vier Gefechten,wovon zwei ziemlich bedeutend, namentlich das bei Rastatt, und habe gefunden, daß der vielgerühmte Mut des Dreinschlagens die allerordinärste Eigenschaft ist, die man haben kann. Das Kugelpfeifen ist eine ganz geringfügige Geschichte, und während des ganzen Feldzugs habe ich trotz vieler Feigheit kein Dutzend Leute gesehen, die sichim Gefechtfeig benahmen. Desto mehr aber „tapfere Dummheit“.Enfin,[3]ich bin überall glücklich durchgekommen, undau bout du compte[4]ist es gut, daß einer von der Neuen Rheinischen Zeitung dabei war, weil alles demokratische Lumpenpack in Baden und der Pfalz war und nun mit nicht getanen Heldentaten renommiert. Es würde wieder geheißen haben: die Herren der Neuen Rheinischen Zeitung seien zu feig, sich zu schlagen. Von allen den Herren Demokraten aber hat sich niemand geschlagen, außer mir und Kinkel. Letzterer hat sich bei unserem Korps als Musketier gestellt und sich ganz gut gemacht; im ersten Gefecht, das er mitmachte, bekam er den Streifschuß an den Kopf und wurde gefangen.

Nachdem unser Korps den Rückzug der badischen Armee gedeckt, gingen wir, 24 Stunden später als alle anderen, in die Schweiz und sind gestern hier in Vevey angekommen. Während des Feldzugs und des Marsches durch die Schweiz war es mir absolut unmöglich, auch nur eine Zeile zu schreiben. Jetzt aber beeile ich mich, Nachricht zu geben und um so schleuniger an Sie zu schreiben, als ich – irgendwo in Baden – gehört habe, Marx sei verhaftet in Paris. Wir bekamen nie Zeitungen zu sehen, erfuhren also nichts. Ob es wahr ist oder nicht, habe ich nie erfahren können. Sie begreifen die ängstliche Spannung, in der ich mich daher befinde; und ich bitte Sie aufs dringendste, mich von meiner Unruhe zu befreien und mir Gewißheit über Marx’ Schicksal zu verschaffen. Da ich keine Bestätigung dieses Gerüchtes von Marx’ Verhaftung gehört, so hoffe ich immer noch, daß es falsch ist. Daß aber Dronke und Schapper sitzen, daran kann ich kaum zweifeln. Genug, wenn Marx noch frei ist, so schicken Sie ihm doch diesen Brief zu, mit der Bitte, mir gleich zu schreiben. Sollte er sich in Paris nicht sicher fühlen, so ist er hier im Waadtland vollständig sicher. Die Regierung selbst nennt sich rot undpartisane de la révolution permanente.[5]In Genf ist es ebenso. Dort ist Schily aus Trier, der im Mainzer Korps ein Kommando führte.

Wenn ich von Hause einiges Geld bekomme, so gehe ich wahrscheinlich nach Lausanne oder Genf und sehe, was ich anfange. Unsere Kolonne, die sich brav geschlagen hat, ennuyiert mich, und hier kann man nichts machen. Willich ist im Gefecht brav, kaltblütig, geschickt und von raschem, richtigem Überblick, außer dem Gefecht aberplus ou moins[6]langweiliger Ideologe und wahrer Sozialist. Die meisten Leute vom Korps, mit denen man sprechen kann, sind anderswohin dirigiert.

Wenn ich nur erst die Gewißheit hätte, daß Marx frei ist! Ich habe oft daran gedacht, daß ich mitten unter den preußischen Kugeln an einem weit weniger gefährlichen Posten war als die anderen in Deutschland, und namentlich Marx in Paris. Also befreien Sie mich bald von dieser Ungewißheit.Tout à vous![7]

Engels.

Adresse: F. Engels,réfugié allemand,[8]Vevey, Suisse.

(Womöglich per Kuvert bis Thionville oder Metz.)

[1]Hier die Ursachen.

[2]Sogenannt.

[3]Kurzum.

[4]Schließlich, bezw. alles in allem.

[5]Anhängerin der Revolution in Permanenz.

[6]Mehr oder weniger.

[7]Ganz der Ihre.

[8]Deutscher Flüchtling.

Erste Hälfte August 1849.

Lieber Engels!

Ich habe sehr viele Unruhe für Dich ausgestanden und war wirklich erfreut, gestern einen Brief von Deiner Hand zu empfangen. Ich hatte Dronke (der hier ist) an Deinen Schwager schreiben lassen, um Auskunft zu erhalten. Der wußte natürlich nichts. Meine ganze Familie ist hier. Die Regierung hat mich nach Morbihan, den Pontinischen Sümpfen der Bretagne, ausweisen wollen. Bisher habe ich die Exekution verhindert. Soll ich Dir aber näher sowohl über meine Verhältnisse hier als über die allgemeinen schreiben, so mußt Du mir eine sicherere Adresse schicken, denn hier ist’s nicht sehr geheuer.

Du hast jetzt die schönste Gelegenheit, eine Geschichte oder ein Pamphlet über die badisch-pfälzische Revolution zu schreiben. Ohne Deine Teilnahme an dem Kriege selbst hätten wir mit unseren Ansichten über diesen Ulk nicht hervortreten können. Du kannst dabei die Stellung der Neuen Rheinischen Zeitung zur Demokratischen Partei überhaupt glänzend herausbeißen. Ich bin überzeugt, daß die Sache ziehen und Dir Geld einbringen wird.

Ich habe Unterhandlungen eingeleitet, um eine politisch-ökonomische Zeit(Monats-)schrift zu Berlin zustande zu bringen, die hauptsächlich von uns beiden geschrieben werden müßte.

Lupus ist auch in der Schweiz, ich glaube in Bern. Weerth war gestern hier, er etabliert eine Agentur in Liverpool. Der rote Wolff wohnt hier bei mir. Die finanziellen Verhältnisse sind natürlich sehr zerrüttet.

Freiligrath ist nach wie vor in Köln. Wäre meine Frau nicht in einemétat par trop intéressant,[1]so würde ich Paris gern, sobald es pekuniär möglich, verlassen.

Leb wohl. Grüße Weerth bestens und schreibe umgehend unter der Adresse: M. Ramboz, Rue de Lille 45.

Dein K. M.

[1]Etwas zu interessanter Zustand [das heißt hochschwanger].

Paris, 17. August 1849.

Lieber Engels!

Ich weiß nicht, ob Du meinen ersten Brief – Antwort auf Deinen ersten, meiner Frau zugeschickten Brief – richtig erhalten, da Deine Adresse sehr unbestimmt war. Ich hätte Dir auch auf den zweiten schon geantwortet, wenn nicht meine ganze hier anwesende Familie krank und ich so behindert gewesen wäre. Ich wiederhole Dir noch einmal, welche Angst ich und meine Frau Deinetwegen ausgestanden, und wie freudig wir überrascht waren, sichere Nachricht von Dir zu erhalten.

Aus dem Datum ersiehst Du, daß das Ministerium des Innern auf meine Reklamation mich einstweilen ungeschoren in Paris gelassen. Das Departement Morbihan, das man mir angewiesen, ist in dieser Jahreszeit tödlich – die Pontinischen Sümpfe der Bretagne. Über die Affäre vom 13. Juni Schriftliches mitzuteilen, wäre in diesem Augenblick unvorsichtig. Ich glaube nicht, ich weiß wenigstens nicht, ob das Briefgeheimnis respektiert wird.

Den allgemeinen Zustand hier kann ich Dir mit zwei Worten schildern: Dekomposition der Majorität in ihre ursprünglichen, einander feindseligen Elemente, Bonapartismus für immer kompromittiert, Malice unter den Bauern wegen der Beibehaltung der 75 Centimes, die Weinbauern wütend über die angedrohte Beibehaltung der Getränkesteuer, in der öffentlichen Meinung der Windzug schon wieder antireaktionär, in der prorogierten Kammer und im Ministerium die Reaktion ausschließlich werdend und mit der Beseitigung der Barrot-Dufaureschen Clique aus dem Kabinett beschäftigt. Sobald dies Faktum eintritt, kannst Du auf eine baldige revolutionäre Resurrektion [neue Erhebung] hoffen.

Ich weiß nicht, ob Du in der Schweiz Gelegenheit hast, die englische Bewegung zu verfolgen. Die Engländer haben sie genau bei dem Punkte wieder aufgenommen, wo sie durch die Februarrevolution unterbrochen wurde. Die Friedenspartei ist, wie Du weißt, nichts anderes als eine neue Verkleidung der Freetradepartei. Aber diesmal agiert die industrielle Bourgeoisie noch revolutionärer wie in der Anti-Cornleague-agitation. Zweierlei: 1. Die im Innern durch die Abschaffung der Korngesetze und der Navigationsakte an der Wurzel gefaßte Aristokratie soll auch in ihrer auswärtigen Politik, in ihrer europäischen Verzweigung, ruiniert werden. Umkehrung der Politik Pitts. Antirussisch-österreichisch-preußisch, mit einem Worte für Italien und Ungarn. Cobden hat förmlich mit dem Banne die Bankiers bedroht, die Rußland pumpen würden, einen wahren Feldzug gegen die russischen Finanzen eröffnet. 2. Allgemeine Stimmrechts-Agitation, um die Tenants [Pächter] ganz von dem Grundadel politisch zu trennen, den Städten absolute Majorität zu geben im Parlament, das Oberhaus zu nullifizieren. Finanzreform, um Kirche und politische Revenue des Adels abzuschneiden.

In beiden Agitationen Chartisten und Freetrader vereinigt. Harney und Palmerston scheinbar befreundet. In dem letzten in London gehaltenen Meeting O’Connor und Kolonel Thompson eine Seele.

Dieser ökonomische Feldzug gegen Feudalismus und heilige Allianz von unberechenbaren Folgen.

Ungarn famos. Aber dies lausige Preußen?Qu’en dis-tu?[1]Die blassen Canaillen werden jetzt fettgefüttert in Sachsen, Baden, der Pfalz. Wenn sie den Österreichern eine Armee zur Hilfe schicken, geschieht es so, daß sie selbst in Böhmen bleiben und sich da auffüttern lassen. Aber das elende Preußen – ich fürchte nur, daß es zu feig ist –perdu,[2]sobald es an der ungarischen Affäre, die jedenfalls in einenguerre universelle[3]aufgeht, sich beteiligt.

Meine Adresse: Monsieur Ramboz, 45 Rue de Lille.

Salut!Ch. M.

[1]Was sagst Du dazu?

[2]Verloren.

[3]Weltkrieg.

[Paris], 23. August 1849.

Lieber Engels!

Ich bin nach dem Departement Morbihan verwiesen, den Pontinischen Sümpfen der Bretagne. Du begreifst, daß ich auf diesen verkleideten Mordversuch nicht eingehe. Ich verlasse also Frankreich.

Nach der Schweiz gibt man mir keinen Paß, ich muß also nach London, und zwar morgen. Die Schweiz wird ohnehin bald hermetisch verschlossen sein, und die Mäuse mit einem Schlage würden gefangen sein.

Außerdem: In London habe ichpositiveAussicht, ein deutsches Journal zu stiften. Ein Teil der Gelder ist mirsicher.[1]

Du also mußt sofort nach London. Zudem erheischt es Deine Sicherheit. Die Preußen würden Dich doppelt erschießen: 1. wegen Baden, 2. wegen Elberfeld. Und was sollst Du in der Schweiz, wo Du nichts tun kannst? Du hast keine Schwierigkeit, nach London zu kommen, sei es unter dem Namen Engels, sei es unter dem Namen Meyer. Sobald Du erklärst, nach England zu wollen, erhältst Du einen Zwangspaß bis London von der französischen Gesandtschaft.

Ich rechnepositivdarauf. Dukannstnicht in der Schweiz bleiben.

Meine Frau bleibt einstweilen hier. Du schreibst an sie immer unter derselben Adresse: 45 Rue de Lille, M. Ramboz.

Dein K. M.

[1]Von Januar 1850 ab erschien dies Journal als Revue der Neuen Rheinischen Zeitung.


Back to IndexNext