[52]Außenhandel.
[53]Die Zölle herabsetzen.
[54]VII. Studie. Auflösung der Regierung in die ökonomische Organisation. Die Gesellschaft ohne Autorität. Es werden ausgemerzt die Kulte, die Justiz, die Administration, die Polizei, der öffentliche Unterricht, der Krieg, die Marine usw.
[Undatiert. Etwa 10. August 1851.]
Lieber Marx!
Die Schnellpost hat mich sehr ergötzt. Seit langer Zeit hatte ich keine so perfekte Salbaderei gelesen wie „A. Ruge an K. Heinzen“. Ich hätte nicht geglaubt, daß selbst zwei Esel wie Ruge und Heinzen aus dem dreijährigen Revolutionsstrudel so ganz unverändert und mit allen alten Phrasen, lächerlichen Manieren, Wendungen usw. usw. behaftet, auftauchen könnten wie diese zwei. Es ist der Clown der Kunstreitergesellschaft, der nach den halsbrechendsten Sprüngen aufs neue seinen Dienermacht und sagt:here we are again![1]und dann die ganze alte Leier seiner altbekannten Schnurren mit der größten Unbarmherzigkeit abermals ableiert. Ich sehe den literarischen Laxiermichel Ruge leibhaftig vor mir, wie er ernsthaft erklärt, daß „die gründliche Antwort auf die Tyrannei, die Anarchie und den Hochverrat ... eben der Geniestreich ist, auf den es ankommt“, und dann diesen Geniestreich selbst vollzieht, indem er entdeckt, daß der moderne Klassenkampf diesecessio plebis[2]ist, woran sich ungezwungen anknüpfen jener römische Schulmeister, dessen Namen ich vergessen, seine Fabel vom Magen und den Händen und andere dergleichen anmutige Tertianer- und Konrektorenerinnerungen mehr.Impayable[3]ist der Kerl, wo er einmal auf die „Verhältnisse“ zu sprechen kommt und dann gleich begütigend hinzusetzt: „Du weißt, ... daß ich unter den Verhältnissen nichts anderes verstehe als die Gedanken, welche jetzt die Köpfe der Menschen beherrschen!“ Die lahmen Versuche, geistreich-maliziöse Anspielungen zu machen, scheitern vollständig. Der Kerl ist so geschickt, daß jeder merkt, er hatmaliceauf jemand, aber auf wen und weshalb, und das sonstige Wie und Warum, das kriegt keiner heraus. Wenn der große Ruge als reiner Hanswurst sich herauswickelt, so ist der große Heinzen nicht weniger brillant in seiner in Permanenz erklärten Rüpelhaftigkeit. Die Manier, mit der der Kerl in seiner Note seinen alten Blödsinn über Kommunismus am 23. Juli 1851 dem Publikum mit genau denselben Worten wieder aufzudrängen sucht, wie im Sommer 1847 in der Deutschen Brüsseler Zeitung, ist von einer namenlosen Unverschämtheit.
Et pourtant[4]– die Kerle sind gezwungen, die Überlegenheit unserer Sachen durch ihre fortwährende Beschäftigung mit ihnen und noch mehr durch den Einfluß anzuerkennen, den diese Sachen trotz aller Hartnäckigkeit und Wut unbemerkt auf sie ausüben. Wo ist eine Phrase in der ganzen Sudelei, die nicht ein Plagiat, eine mißverstandene Entstellung unserer Sachen, eine durch sie hervorgerufene Anregung enthält!
Über den Londoner Ausgleichungsversuch hat Herr Meyen oder Herr Faucher in die halboffizielle Manteuffelsche Lithographierte Korrespondenz in Berlin einen albernen Artikel setzen lassen – bloß wir zwei hielten noch zusammen usw., die anderen seien alle einig und gegen uns. Von Freiligrath oder Wolff ist keine Rede. Der große Willich scheint sich nach der Auflösung der Armee der Zukunft wieder veranlaßt zu sehen,sich bei den großen Männern aller Parteien „als Charakter“ Anerkennung zu verschaffen – er soll ja bei ihren Versammlungen gewesen sein.A quoi tous ces coups de désespoir ont-ils abouti?[5]Und ist der große Sigel bei Dir gewesen?
Die Herren haben, wie ein von Julius mir zuadressierter deutscher Sozialtiftler aus Dessau mich eben versichert, dort verbreitet, Du schriebst in die Neue Preußische Zeitung, nach eigenem Geständnis; Du habest das Herrn Louis Drucker (!) selbst gesagt.En voilà une bonne![6]
Was den Proudhon angeht, so scheint der Mann ja Fortschritte zu machen. Die Phasen, durch die sich sein Unsinn entwickelt, nehmen jedenfalls erträglichere Gestalt an, und Herr Louis Blanc mag sich an diesen „hérésies“[7]die Zähne ausbeißen.Au bout du compte[8]kommt also Herr Proudhon jetzt auch dahin, daß der wahre Sinn des Eigentumsrechtes in der verkleideten Konfiskation alles Eigentums durch einen mehr oder weniger verkleideten Staat besteht und daß der wahre Sinn der Abschaffung des Staates die verstärkte Staatszentralisation ist. Oder was sindtoutes les communes de la république qui s’entendent pour égaliser entre elles les différences de qualité des terrains ainsi que les accidents de la culture,[9]mit ihren notwendigen Zubehören und Konsequenzen anders?
Wenn ich morgen Zeit habe, weiteres über diesen Sonderling. Den Artikel für Freitag kann ich diese Woche unmöglich liefern. Schreibe mir aber, und bald, in welcher Art er sein soll – ob ein einzelner beliebiger Artikel, oder ob Du eine Reihe haben willst, und zweitens, wie das Zeugs zu halten ist, denn ich kenne diepoliticsder New York Tribune durchaus nicht näher, als daß sie amerikanische Whigs sind. Und was Du sonst noch in dieser Beziehung mir mitteilen kannst, um mir auf die Beine zu helfen.
Dein F. E.
[1]Da sind wir wieder.
[2]Auszug der Plebejer.
[3]Unbezahlbar.
[4]Und doch.
[5]Was haben alle die Verzweiflungsstreiche ausgerichtet?
[6]Das ist mal eine gute [Geschichte], das heißt etwas Heiteres.
[7]Ketzereien.
[8]Am Ende des Dinges.
[9]Alle Gemeinden der Republik, die sich zu dem Zweck ins Einvernehmen setzen, alle Verschiedenheiten in der Güte der Bodenstücke, sowie die Zufälle der Bodenbewirtung untereinander auszugleichen.
[Undatiert. Etwa den 11. August 1851.]
Lieber Marx!
Gestern in meinen Glossen über Proudhon gestört, fahre ich heute fort. Ich abstrahiere einstweilen von den vielen Lücken des Rezepts, zum Beispiel, wie man nicht sieht, in welcher Weise die Fabriken aus den Händender Fabrikanten in die dercompagnies ouvrières[1]übergehen sollen, da zwar der Zins und die Grundrente, aber nicht der Profit abgeschafft wird (die Konkurrenz bleibt ja bestehen); ferner, was aus den großen Grundbesitzen werden soll, die ihr Land durch Lohnarbeiter exploitieren lassen, und andere dergleichen Mängel. Um über das Ganze als theoretischesensemble[2]urteilen zu können, müßte man das Buch selbst haben. Ich kann also nur insofern eine Meinung aussprechen als ich die einzelnen Maßregeln in ihrer Praktikabilität,le cas échéant[3]betrachte und zugleich untersuche, inwiefern sie zur Zentralisation der gesamten Produktivkräfte geeignet sind. Und auch hierzu müßte man eigentlich das Buch selbst haben, um alledéveloppements[4]zu sehen.
Daß Herr Proudhon endlich zur Einsicht der Notwendigkeit der mehr oder minder versteckten Konfiskation gekommen ist, ist, wie schon gesagt, ein Fortschritt. Es fragt sich nun, ob sein Konfiskationsvorwand praktikabel ist; denn wie bei allen diesen bornierten Kerls, die sich selbst vorlügen, dergleichen Gewaltmaßregeln seien keine Konfiskation, ist eben dieser Vorwand derpivot[5]des Ganzen. „Der Zins wird auf1/2oder1/4Prozent erniedrigt.“ Wie, davon sagen Deine Auszüge bloß, daß der Staat oder die unter der Hand und unter anderem Namen mit dem Staate verschmolzene Bank 500 Millionen Franken jährlich auf Hypotheken zu diesem Zins auspumpen soll. Ich schließe zudem, daß diese Herabsetzung graduell geschehen soll. Ist der Zins einmal so niedrig, so wäre die jährliche Abtragung aller Schulden usw. mit 5 bis 10 Prozentper annum[6]natürlich leicht. Aber den Weg, um dahin zu kommen, gibt Herr Proudhon nicht an. Hierbei fällt mir unsere neuliche Debatte über Herabsetzung des Zinsfußes durch Deinen Plan ein, eine ausschließlich privilegierte Nationalbank mit Monopol der Papiercurrency[7]und Ausschluß des Goldes und Silbers von der Zirkulation zu etablieren. Ich glaube, daß jeder Versuch, den Zinsfuß rasch und stetig herunterzudrücken, scheitern muß an der in jeder Revolution und Geschäftsstockung steigernden Notwendigkeit des Wuchers, des Kreditgebens an momentan geklemmte, in Verlegenheit schwebende, also momentan unsolide Leute. Wenn auch der Teil des Zinsfußes, der für wirkliche Remuneration des Leihens gilt, durch Masse von Kapital zu drücken ist, so bleibt der Teil, der die Assekuranz der Rückzahlung repräsentiert, und der geradein der Krisis enorm steigt. In jeder Revolution sind die Kaufleute der Regierung dankbar, die ihnen, nicht zu1/4oder1/2Prozent, sondern zu5 Prozentpumpt. Vergleiche 1848, Darlehenskassen usw. Der Staat und jede große zentralisierte Staatsbank kann aber, solange sie ihre Zweigbanken nicht bis in die kleinsten Nester organisiert und ihren Beamten lange kommerzielle Praxis gegeben hat, nur dem großen Commerce pumpen – sie pumpte sonst ins Blaue hinein. Und der kleine Commerce kann seine Waren ihr nicht verpfänden wie der große.Donc,[8]erstes Resultat jeder Herabsetzung des Zinses für die Regierungsvorschüsse = Vergrößerung des Profits der großencommerçants[9]und allgemeine Hebung dieser Klasse.
Der kleine Commerce würde nach wie vor gezwungen sein, sich an Zwischenhändler zu wenden, denen die Regierung zu1/2Prozent vorschösse, damit sie zu 5 bis 10 Prozent wieder ausleihen könnten. Das ist unvermeidlich – der kleine Commerce bietet keine Garantie, kann kein Pfand stellen. Also auch nach dieser Seite Hebung der großen Bourgeoisie – indirekte Herstellung einer großen Wucherklasse, Bankiers auf untergeordneter Stufe.
Die ganze ewige Dringerei der Sozialisten und Proudhons auf Herabsetzung des Zinses ist meiner Ansicht nach ein verklärter frommer Bourgeois- und Kleinbürgerwunsch. Solange Zins und Profit in umgekehrtem Verhältnis stehen, so lange kann sie nur zur Steigerung des Profits führen. Und solange es unsolide, garantielose und gerade deswegen erst recht geldbedürftige Leute gibt, so lange kann die Staatspumperei die Privatpumperei nicht aufheben, also nicht den Zinsfuß herabsetzen für alle Transaktionen. Der Staat, der zu1/2Prozent pumpt, würde gerade so dastehen gegenüber dem Wucherer, den er mit Geld versorgt, wie die französische Regierung von 1795, die 500 Millionen Steuern in Assignaten einnahm und sie für 3 Millionen wieder ausgab und, bloß um ihren „Kredit“, der schon klatsch war, zu erhalten, die Assignaten[10]in den Steuerzahlungen für voll, für das 200fache ihres direkten Wertes annahm – wie diese Regierung gegenüber den Güterspekulanten undagioteurs[11]von damals.
Proudhon ist zu naiv. Dercréditpersonnel trouveoderdoit trouver son exercice dans les compagnies ouvrières.[12]Das heißt das Dilemma entweder der Direktion und schließlich Administration und Reglementierung dieser Kompanien durch den Staat, was Proudhon doch nicht will, oder die Organisation des famosesten Assoziationsschwindels, des Schwindelsvon 1825 und 1845, reproduziert auf der Stufe des Lumpenproletariats und Kleinbürgertums. – Die allmähliche Herabsetzung des Zinsfußes durch kommerzielle und Zwangsmaßregeln so zur Hauptsache machen zu wollen, daß durch Verwandlung der Zinszahlung in Rückzahlung alle Schulden usw. liquidiert und alles reelle Vermögen in Händen des Staates oder der Kommunen zentralisiert wird, scheint mir vollständig impraktikabel 1. aus den angeführten Gründen; 2. weil es viel zu lange dauert; 3. weil das einzige Resultat, bei fortdauerndem Kredit des Staatspapiers, die Verschuldung des Landes an Ausländer werden müßte, da alles rückgezahlte Geld ins Ausland wandern würde; 4. weil es, selbst die Möglichkeit der Sache im Prinzip zugegeben, Unsinn wäre, zu glauben,Frankreich,la République, könne dies gegen England und Amerika durchführen; 5. weil der auswärtige Krieg und diepressure of the moment[13]im allgemeinen dergleichen systematische langsame, auf 20 bis 30 Jahre verteilte Maßregeln und vollends Geldzahlungen rein unsinnig macht.
Praktisch scheint mir die Geschichte nur die Bedeutung zu haben, daß man in einem gewissen Moment der revolutionären Entwicklung mit Hilfe einer Monopol-Staatsbank allerdings dahin kommen kann, zu dekretieren: Artikel 1: der Zins ist aufgehoben oder auf1/4Prozent beschränkt; Artikel 2: die Zinsraten werden wie bisher fortbezahlt und gelten als Rückzahlung; Artikel 3: der Staat hat das Recht, alle Immobilien usw. zum kuranten Taxwert zu kaufen und mit 5 Prozent in 20 Jahren abzuzahlen. Dergleichenkannvielleicht als direkter letzter Vorläufer der unverhohlenen Konfiskation einmal brauchbar werden; aber das [es] ist reine Spekulation, darüber zu grübeln, wann, wie und wo.
Jedenfalls ist dies Proudhonsche Buch, wie es scheint, viel irdischer als seine früheren – auch dieconstitution de la valeur[14]nimmt eine fleischlichere Gestalt an: die desjuste prix des boutiquiers.[15]Quatre francs, Monsieur, c’est le plus juste prix![16]Was die Aufhebung der Douane und die des Zinses miteinander zu tun haben, ist nicht klar. Daß Proudhon seit 1847 den Übergang von Hegel zu Stirner so vollständig gemacht hat, ist auch ein Fortschritt. Sage noch, daß er die deutsche Philosophie nicht versteht, wenn er sie bis auf die letzte Verfaulungsphase an seinem Kadaver durchmacht!
Schreibe bald und sage, was Du von Obigem hältst.
Dein F. E.
[1]Arbeiterkompanien.
[2]Zusammengehöriges.
[3]Den Fall gegeben.
[4]Entwicklungen.
[5]Angelpunkt.
[6]Für das Jahr.
[7]Papiergeld.
[8]Somit.
[9]Händler, Geschäftsleute.
[10]Staatspapiergeld, Kassenscheine.
[11]Geldhändler, Geldspekulanten.
[12]Der persönliche Kredit soll seinen Betrieb in den Arbeiterkompanien finden.
[13]Druck der Augenblicksumstände.
[14]Konstituierung des Wertes.
[15]Reelle Preis der Kleinkaufleute.
[16]Vier Franken, mein Herr, das ist der reellste Preis.
28 Deanstreet, Soho, 14. August 1851.
Lieber Engels!
Ich schicke Dir in ein oder zwei Tagen den Proudhon selbst, den Du mir aber, sobald gelesen, zurückschickst. Ich will nämlich – von wegen des Geldes – zwei bis drei Bogen über das Buch drucken lassen. Du teilst mir deswegen Deine Ansicht ausführlicher mit, als Du sonst im Raschschreiben pflegst.
Der Proudhonsche Witz – und das Ganze ist vor allem eine Polemik gegen den Kommunismus, so viel er auch davon stiehlt und so sehr er ihm in Cabet-Blancscher Verklärung erscheint – resümiert sich meiner Ansicht nach auf folgendes Räsonnement:
Der eigentliche Feind, der zu bekämpfen, ist das Kapital. Die rein ökonomische Affirmation des Kapitals ist der Zins. Der sogenannte Profit ist nichts anderes als eine besondere Form des Salärs. Den Zins heben wir auf, indem wir ihn in eineannuité, das ist jährliche Abschlagszahlung des Kapitals verwandeln. So wird der Arbeiterklasse – liesindustriellenKlasse – auf immer das Prä gesichert und die eigentliche Kapitalistenklasse zu einer stets verschwindenden Existenz verurteilt. Die verschiedenen Formen des Zinses sind Geldzins, Mietzins, Pachtzins. So wird die bürgerliche Gesellschaft beibehalten, gerechtfertigt und nur ihrermauvaise tendance[1]beraubt.
Dieliquidation sociale[2]ist bloß das Mittel, um die „gesunde“ bürgerliche Gesellschaft von vorn anfangen zu können. Rasch oder langsam,peu nous importe.[3]Über die Widersprüche, Unentschiedenheiten, Unklarheiten dieser Liquidation selbst will ich erst Dein Urteil hören. Aber der wahrhaft heilende Balsam der von vorn angefangenen Gesellschaft besteht in der Abschaffung des Zinses, das heißt in der perennierenden Verwandlung des Zinses in eineannuité. Dies, nicht als Mittel, sondern alsökonomisches Gesetzder reformierten bürgerlichen Gesellschaft aufgestellt, resultiert natürlich zweierlei:
1. Verwandlung der kleinen nichtindustriellen in industrielle Kapitalisten. 2. Verewigung der großen Kapitalistenklasse, dennau fond, wenn man die Sache im Durchschnitt nimmt, zahlt die Gesellschaft imgroßen und ganzen– den industriellen Profit abgerechnet – nie etwas anderes als dieannuité. Wäre das Gegenteil wahr, so würdedie Zins-von-Zinsenrechnung des Dr. Price eine Realität sein und der ganze Globus nicht hinreichen, das kleinste von Christo herrührende Kapital zuverzinsen. In der Tat aber ist mit Sicherheit zu behaupten, daß das zum Beispiel in England – also dem ruhigstbürgerlichen Lande – seit 50 oder 100 Jahren, sei es in Grund und Boden oder sonst angelegte Kapital sich – wenigstens dem Preise nach, worauf es hier ankommt – noch nie verzinst hat. Man nehme zum Beispiel die höchste Schätzung des Nationalreichtums von England, zum Beispiel 5 Milliarden. Also England produziert jährlich 500 Millionen. Der ganze Reichtum Englands also nur = die jährliche Arbeit Englands multipliziert mit 10. Also nicht nur, daß das Kapital sich nicht verzinst, esreproduziertsich nicht einmal, dem Werte nach. Und aus dem einfachen Gesetz. Der Wert [wird] ursprünglich bestimmt durch die ursprünglichen Produktionskosten, der Arbeitszeit nach, die ursprünglich nötig war, um die Sache herzustellen. Aber einmal produziert, wird der Preis des Produktes bestimmt durch die Kosten, die nötig sind, um es zureproduzieren. Und die Kosten der Reproduktion sinken beständig und [um] so rascher, je industrieller das Zeitalter. Also Gesetz der fortwährenden Entwertung des Kapitalwertes selbst, wodurch das sonst ins Absurde führende Gesetz der Renten und des Zinses gecheckt [gehemmt] wird. Es ist das auch die Erklärung des von Dir aufgestellten Satzes, daß keine Fabrik ihre Produktionskosten deckt. Proudhon kann die Gesellschaft also nicht neu gestalten durch die Einführung eines Gesetzes, das sieau fondjetzt ohne seinen Rat befolgt.
Das Mittel, womit Proudhon alles bewirkt, ist die Bank.Il y a ici un qui pro quo.[4]Das Bankgeschäft ist in zwei Teile aufzulösen: 1. DieVersilberungdes Kapitals. Hier gebe ich bloßGeldfürKapital, und das kann allerdings zu den bloßen Produktionskosten geschehen, also zu1/2oder1/4Prozent. 2.Vorschießen von Kapitalin der Form von Geld, und hier wird sich der Zins nach der Quantität des Kapitals richten. Was der Kredit hier tun kann, ist nur, vorhandenen, aber unproduktiven Reichtum durch Konzentration usw. usw. in wirkliches aktives Kapital zu verwandeln. Proudhon hält Nummer 2 für so leicht wie Nummer 1, und er wird,au bout du compte,[5]finden, daß, indem er eine illusorische Masse von Kapital in der Form von Geld anweist, er nur im besten Fall denZinsdes Kapitals reduziert hat, um seinenPreisin demselben Verhältnis zu erhöhen. Womit nichts gewonnen ist als der Mißkredit seines Papiers.
Den Zusammenhang der Douane mit dem Zins überlasse ich Dir im Original zu genießen. Die Sache war zu köstlich, um sie durch Verstümmlung zu verderben. Herr Proudhon erklärt sich weder genau, wie es mit dem Anteil der Kommune an Häusern und Land sich verhält – und gerade das hätte er den Kommunisten gegenüber tun müssen –, noch wie die Arbeiter in den Besitz der Fabriken kommen. Jedenfalls will er „des compagnies ouvrières puissantes“,[6]hat aber doch solche Angst vor diesen industriellen „Zünften“, daß er, zwar nicht dem Staate, wohl aber dersociétédas Recht vorbehält, sieaufzulösen. Als echter Franzose beschränkt er die Assoziation auf die Fabrik, weil er weder einenMoses and sonkennt, noch amidlothian farmer.[7]Der französische Bauer, der französische Schuster, Schneider,merchant[8]erscheinen ihm alsdes données éternelles et qu’il faut accepter.[9]Je mehr ich aber den Dreck treibe, um so mehr überzeuge ich mich, daß die Reform der Agrikultur, also auch der darauf basierten Eigentumssauerei, das Alpha und Omega der kommenden Umwälzung ist. Ohne das behält Vater Malthus recht.
Dem Louis Blanc usw. gegenüber ist die Schrift kostbar, namentlich durch die frechen Ergießungen über Rousseau, Robespierre, Gott, diefraternitéund ähnlichen Salbader.
Was nun die New York Tribune betrifft, so mußt Du mir jetzt, wo ich mit der Ökonomie die Hände voll habe, helfen. Schreibe eine Reihe von Artikeln über Germanien, von 1848 an. Geistreich und ungeniert. Die Herren sind sehrfrechim ausländischen Departement.
In ein paar Tagen schicke ich Dir zwei Bände Römisches. Nämlich „Économie Politique des Romains. Par Dureau de Lavalle.“[10]Ich habe das Buch (grundgelehrt) von Paris kommen lassen. Es werden Dir da Lichter aufgehen auch über den ökonomischen Hinterhalt der römischen Kriegsführung, der nichts anderes war als das –Cadaster. Wie schicke ich Dir die Sache am wohlfeilsten? Die zwei Bände sind dick. Den Artikel der Lith. Korr. mußt Du schießen oder in Abschrift zu erhalten suchen. Sobald Weydemeyer da ist, muß man die Esel Spießruten laufen lassenin New York. Dazu gehören alle Aktenstücke. Faucher ist Korrespondent der Neuen Preußischen Zeitung. Sigel hat sich noch nicht sehen lassen. Willich ist natürlich Mitglied derVerbrüderung der Emigration. Freitag hatten sie ihre erste Generalversammlung. Wir hatten einen Kundschafter da. Die Sitzung wurde eröffnet mit Verlesung (durchGeneralHaugh) des Artikels gegen uns in der Lith. Korr. Denn um uns leben, weben und sind sie. Dann noch allerlei mißliebige Katzbalgereiverträge beschlossen. Meldete sich für Preußen Herr Meyen, für England Oppenheim, für Frankreich Ruge, Kinkel für Amerika – und die Zukunft. Ich freue mich übrigens sehr, Dein Urteil über das Gesamtliche (?) zu hören.
[Karl Marx.]
[1]Schlechte Tendenz.
[2]Liquidation der Gesellschaft.
[3]Verschlägt uns nichts.
[4]Es liegt da eine Verwechslung vor.
[5]Am Schlusse der Rechnung.
[6]Machtvolle Arbeitergesellschaften.
[7]Moses & Sohn [eine große Firma der Herrenkonfektion in London].Midlothian-Pächter [Midlothian, eine Grafschaft in Südschottland, zeichnet sich durch hochentwickelte Landwirtschaft aus, die meist von wohlhabenden Pächtern betrieben ward].
[8]Kaufmann.
[9]Auf ewig gegebene Dinge, die man hinnehmen muß.
[10]Volkswirtschaft der Römer, von Dureau de Lavalle.
Manchester, 21. August 1851.
Lieber Marx!
Du erhältst hierbei einen beliebigen Artikel. Verschiedene Umstände haben konspiriert, das Ding schlecht zu machen. Erstens war ich seit Samstag zur Abwechslung einmal unwohl. Dann fehlte alles Material – reine Ärmelschüttelei und Aushelferei mit dem bloßen Gedächtnis. Dann die kurze Zeit und Arbeit auf Bestellung, fast totale Unkenntnis des Blattes und seines Leserkreises, also kein ordentlicher Plan möglich. Endlich die Unmöglichkeit, das Manuskript der ganzen Reihe zum Vergleichen zusammenzuhalten, also Notwendigkeit einesplus ou moinspedantisch-systematischen Anfangs, um Wiederholungen in den folgenden Artikeln zu vermeiden. Alles das, und meine ohnehin ganz aus der Übung gekommene Schreiberei dazu, haben das Ding sehr trocken gemacht, und wenn es sich durch etwas empfiehlt, so ist es durch kulanteres Englisch, das ich der Gewohnheit, seit acht Monaten fast nur Englisch zu sprechen und zu lesen, verdanke.Enfin, tu en feras ce que tu voudras.[1]
Den Proudhon habe ich zur Hälfte durch und finde Deine Ansicht vollkommen bestätigt. Sein Appell an die Bourgeoisie, sein Zurückgehen auf Saint-Simon und hundert andere Geschichten, schon im kritischen Teil, bestätigen, daß er die industrielle Klasse, Bourgeoisie und Proletariat, als eigentlich identisch und nur durch die Nichtvollendung der Revolution in Gegensatz gebracht ansieht. Die pseudo-philosophische Geschichtskonstruktion liegt ganz klar auf der Hand: vor der Revolution industrielle Klasse im Ansichsein, 1789 bis 1848 im Gegensatz, Negation;Proudhonsche Syntheseto wind up the whole with a flourish.[2]Mir kommt das Ganze als ein letzter Versuch vor, die Bourgeoisie theoretisch zu halten; unsere Prämissen über entscheidende historische Initiative der materiellen Produktion, Klassenkampf usw. usw. größtenteils adoptiert, meist verdreht und hierauf das Experiment gegründet, vermittels pseudo-hegelscher Eskamotage das Proletariat scheinbar in die Bourgeoisie zurückzunehmen. Den synthetischen Teil habe ich noch nicht gelesen. In den Angriffen gegen Louis Blanc, Robespierre, Rousseau sind hier und da nette Sachen, aber im ganzen kann man nichts Prätentiös-Flacheres lesen als seine Kritik der Politik, zum Beispiel bei der Demokratie, wo er, wie die Neue Preußische Zeitung und die ganze alte historische Schule, mit der Kopfzahl herankommt, und wo er sich nicht schämt, mit kleinen praktischen Bedenken, die eines Schuljungen würdig sind, Systeme aufzubauen. Und welche große Idee, daßpouvoir und liberté[3]unvereinbare Gegensätze sind, und daß keine Regierungsform ihm einen genügenden moralischen Grund angeben kann, weswegen er ihr gehorchen sollte!Par dieu, wozu brauchte man denn einpouvoir?
Übrigens bin ich überzeugt, daß Herr Ewerbeck ihm seine Übersetzung des Manifestes und vielleicht auch unter der Hand Übersetzungen aus Deinen Artikeln in der Revue hat zukommen lassen. Eine Anzahl Pointen sind unbedingt daraus gestohlen – zum Beispiel, daß das Gouvernement nichts ist als die Macht einer Klasse zur Niederhaltung der anderen und mit dem Verschwinden des Klassengegensatzes ebenfalls verschwindet. Dann viele Pointen über die französische Bewegung seit 1848. Ich glaube nicht, daß er das alles in Deinem Buche gegen ihn gefunden hat.
Ich schreibe dieser Tage ausführlicher über das Ding, sowie ich das Ganze gelesen habe. Inzwischen erwarte ich dieser Tage Weerth hier, der wie gewöhnlich auf einmal in Bradford auftaucht, und ich werde deshalb vielleicht genötigt sein, den Proudhon zwei oder drei Tage länger hier zu behalten.
Sage Lupus, daß ich mit Watts gesprochen habe und dieser sich alle Mühe geben wird, und mit aller Aussicht auf Erfolg, ihm hier eine Stelle zu verschaffen. Watts glaubt, daß seine Qualität als Exreichstagsmann hier vollständig hinreicht. Er kennt die ganze Sorte von Schulmeisternund Pfaffen der liberalen Couleur, und wenn er sich einmal in Bewegung setzt, wird er gewiß etwas ausrichten können. Ich werde ihn deshalb warm halten; sowie ich aber weiteres höre, werde ich es ihn wissen lassen. Übrigens ist der Watts trotz alledem doch noch ebenso erträglich als die übrige Sorte von Philistern. Da der Mann als Engländer, Sozialist, Doktor und Familienvater lebt, so muß man ihm zugute halten, daß er seit sieben Jahren Teetotaler ist und sogar Gelüste verspürt, Struvescher Grasfresser zu werden. Es ist schlimm, aber es ist ein Faktum, hier in Manchester ist durchschnittlich der ordinäre Spießbürger der umgänglichste Mensch; er säuft, er reißt Zoten, er ist Rebblkaner (wie Martens) und man kann über ihn lachen.
Was hörst Du Neues aus Deutschland? In Hamburg sind drei entlassen, einer neu verhaftet. Die Geständnisse des Schneidergesellen Nothjung laufen also darauf hinaus, daß er Emissär einer propagandistischen geheimen Verbindung sei –quelle découverte![4]
Dein F. E.
[1]Kurz, Du wirst daraus machen, was Du willst.
[2]Um das Ganze mit einem Hallo abzuschließen.
[3][Regierungs-]Gewalt und Freiheit.
[4]Welche Entdeckung!
28 Deanstreet, 25. August 1851.
Lieber Engels!
D’abord mes remerciements pour ton article.[1]Trotz allem Bösen, was Du ihm nachgesagt hast, war er famos und ist unverändert nach New York gesegelt. Du hast ganz den Ton für die Tribune getroffen. Sobald wir ihre erste Nummer erhalten, schicke ich sie Dir zu, und von da an regelmäßig.
Maintenanthabe ich eine ganze Ladung Emigrationsmist an Dich zu spedieren – und wenn Du einen Farmer in der Umgegend kennst, der den Guano dieser sauberen Vögel zum Dünger braucht, so kannst Du ein Geschäft machen.
Also, wie Dir schon bekannt, am Freitag, 8 August, fand die ersteoffizielleVersammlung der verbrüderten Emigration statt, worin besonders leuchteten: Der „Damm“, der präsidierte, Schurz Sekretär, Goegg, zwei Sigel, Fickler, Tausenau, Frank (der Österreicher-Biedermann), Willich, Borkheim, Schimmelpfennig, Johannes Ronge, Meyen, Graf Reichenbach, Oppenheim, Bauer-Stolp, der Hanebuch [Hamburger] Lüders, Haugh, A. Ruge, Techow, Schmolze (bayerischer Leutnant), Petzler, Böhler, Gehrke, Schärttner, Göhringer usw., Kinkel und Strodtmann natürlichnicht zu vergessen. Also die Hauptcliquen: 1. Ruge-Fickler, 2. Kinkel, 3. Tausenau. Die anderen independenten literarischen Bummler und Vereinbarer dazwischen. Der eigentliche Knotenpunkt, um den es sich bei dieser großen Haupt- und Staatsaktion handelte, war folgender: Ruge-Fickler-Tausenau-Goegg-Sigel-Haugh usw. wollten die Erwählung eines offiziellen Komitees teils zur Denunziation der Missetaten der Reaktion, teils zur Repräsentation der Emigration, teils zur „Aktion“-Agitation Deutschland gegenüber. Der dumme Ruge hatte dabei noch den Haken, daß er Ledru-Mazzini gegenüber als bevollmächtigt anerkannt [würde] und außer seinem Namen nun auch wirklich das Korpus der deutschen Flüchtlingschaft als Armee ihnen zu Gebot stellen könne. Herr Kinkel (mit ihm, außer Retter Schurz mit seinem Biographen, besonders Willich, Techow, Schmolze, Schimmelpfennig) dagegen wollte kein öffentliches Institut dieser Art, um den Ruge nicht mehr oder minder den Mazzini-Ledru gegenüber anerkennen zu müssen. Von vornherein war die Clique Ruge-Fickler entrüstet, als sie den Versammlungssaal über die Gebühr voll sah. Man war in geheimer Sitzung überein gekommen, nur die Notabilitäten zu berufen. Die Clique Kinkel aber hattele menu peuple[2]mitgebracht, um sich die Stimmenzahl zu sichern.
Die Sitzung wurde öffentlich mit dem Vorlesen des Schmierartikels der Lith. Korr. durch General Haugh, der gleichzeitig erklärte, es müßten Spione in der Gesellschaft sein, das Aktenstück könne mißbraucht werden usw. Willich unterstützte dies mit damals noch ungebrochenem Pathos und forderte die Verbrecher auf, sich lieber zu nennen. Erhob sich darauf Bauer-Stolp (den ich übrigens für einen regulären Spion halte), er begreife Willichs tugendhaftes Entsetzen nicht, da er in der ersten vorbereitenden Sitzung Herrn Schindler als Redakteur der Lith. Korr. ohne Widerspruch eingeführt habe. Dieser Inzident erledigt, stellte Tausenau unter vielem pathetisch-gemütlichen Ächzen und Krächzen, er glaubte sich vor einem Wiener Publikum zu befinden, seinen Antrag auf die Kommissionsernennung. Herr Meyen antwortete ihm, daß er keine Taten wolle, aber freiwillige Verträge. (?) Melden sich abgekarteterweise sofort Kinkel für Amerika und seine Zukunft, Oppenheim für England, Schurz für Frankreich, Meyen für Preußen. Tausenaus Antrag fällt mit Glanz durch, und er erklärt gerührt, daß er trotz seines Durchfalls seinengerechten Zorn auf dem Altar des Vaterlandes opfern und im Schoße der Verbrüderten bleiben werde. Aber sofort nahm die Clique Fickler-Ruge die drohende und gereizte Haltung geprellter schöner Seelen an.
Am Schlusse der Sitzung kommt Kinkel auf Schabelitz zu (der hier durchaus als unser Agent tätig war und als ein sehr nützlicher Agent, da er das Vertrauen sämtlicher Biedermänner besaß), erklärte ihn für einen braven Demokraten, erklärt die Basler National-Zeitung für ein ausgezeichnetes demokratisches Blatt und erkundigt sich unter anderem nach den Finanzen desselben. Schabelitz: Schlecht. Kinkel: Aber tun die Arbeiter denn nichts? Schabelitz: Alles, was wir von ihnen verlangen, sie lesen das Blatt. Kinkel: Die Arbeiter müßten mehr tun. Sie unterstützen auch uns nicht, wie sie sollten. Und Sie wissen, wir tun doch so viel für die Arbeiter. Wir tun alles, um sie zu „respektablen“, Sie verstehen mich wohl, um sie zu „ehrbaren Bürgern“ zu machen.En voilà une bonne.[3]
Die Sitzung der Vereinbarer vom 15. war wenig besucht und, wie die Engländer sagen, indifferent.
Unterdessen hatten sich große Dinge ereignet – am 17. – und der wahre Verlauf der Sache verlief sich, wie unser großer Arnold Ruge sagen würde, wie folgt:
Herr Kinkel berief Willich, Techow, Goegg, Sigel und noch einige zu sich und erklärte ihnen, daß er „160 Pfund durch Fischer aus New Orleans erhalten habe und beauftragt sei, diese Gelder zu verwenden unter Zuziehung der obenbenannten Männer und des HerrnFriedrich Engels“. Statt des letzteren hatte er Fickler eingeladen, der aber erklärt hatte, er habe mit den „Lumpen“ nichts zu schaffen. Herr Kinkel war gezwungen, den Brief vorzuzeigen, und da zeigte sich denn, daß diese Gelder sich schon seit drei Wochen anonym und inkognito in seiner Wohnung befanden, unschlüssig, ob sie ihr großes Herz der profanen Welt erschließen sollten oder nicht. Obgleich Kinkel mit Engelszungen sprach, so half das nicht. Es fand eine Separatsitzung der Clique Fickler-Ruge-Tausenau statt. Die Süddeutschen hatten nämlich unter der Hand gefunden, daß Arnold Ruge ein Narr ist. – Ruge in tiefem Grimme über die verlorenen 160 Pfund eröffnete nun den Freunden, daß vor mehr als zwölf Monaten Willich-Kinkel den Schimmelpfennig zu Mazzini geschickt, ihn als Emissär vorgestellt und [Mazzini] zu einer Agitationsreise nach Deutschland um Geldangegangen hatten. Mazzini gab ihm 1 000 Franken bar und 5 000 Franken in seinen italienischen Scheinen unter der Bedingung, nach zwölf Monaten ihm die 1 000 Franken und zwei Fünftel der untergebrachten italienischen Scheine zurückzuerstatten. Davon reiste Schimmelpfennig durch Frankreich und Deutschland. Die zwölf Monate waren vergangen, aber Kinkel-Schimmelpfennig, die 1 000 Franken und die italienischen Scheine ließen nichts mehr von sich hören. Jetzt, nachdem das Geld aus New Orleans angekommen, hatte Kinkel seine Abgesandten an Mazzini wieder geschickt, nicht um zu zahlen, sondern um zu renommieren und in eine Allianz mit ihm zu treten. Mazzini war zu delikat, sie an ihre Schuld zu mahnen, erklärte ihnen aber, er habe seine Verbindungen in Deutschland, könne daher keine neuen eingehen. Die Herren hatten sich auch, erzählte Arnold Ruge weiter, zu Ledru-Rollin begeben. Hier aber war Ruge zuvorgekommen, und da Ledru-Rollin sich schon als Präsidenten der französischen Republik betrachtet und entschlossen ist, sofort den Krieg nach außen zu führen, ihm Sigel als Obergeneral der deutschen Revolutionsarmee vorgestellt, mit dem Ledru-Rollin sich dann auch in strategische Gespräche eingelassen. Hier fuhr also Kinkel-Willich abermals ab. Nach diesen Enthüllungen Ruges lag also die Verworfenheit der Clique Kinkel-Willich offen vor den Augen der betörten schönen Seelen. Nun mußte eine Tat vollbracht werden, und welche andere Taten kennt Ruge als neue Kombinationen und Permutationen seines verschimmelten alten Zentralkomitees? Es wurde also die Bildung einesAgitationsklubsbeschlossen, der kein diskutierender, sondern „wesentlich arbeitender“ sein, nichtwords, sondernworksliefern und vor allem die Gesinnungsgenossen auffordern solle, Geldbeiträge zu liefern. Zusammensetzung: Fickler, Tausenau, Frank, Goegg, Sigel, Hordle, J. Ronge, Haugh, Ruge. Du erkennst sofort die Reformation Ruge-Ronge-Haugh. Aber bei näherer Ansicht zeigt sich, daß der wesentliche Bestandteil des Klubs 1. die westsüddeutschen Biedermänner Fickler, Goegg, Sigel, Hordle, 2. die ostsüddeutschen Tausenau, Haugh und Frank sind, daß der Klub also wesentlich alssüddeutschersich den „Preußen“ gegenüber gebildet hat und Ruge nur die Nabelschnur ist, die die Verbindung mit dem europäischen Zentralkomitee aufrecht erhält. Auch nennen sie jetzt die anderen Vereine schlechtweg „die Preußen“. Dieser Agitationsklub ernannte Tausenau zu seiner Exekutivgewalt und gleichzeitig zu seinem Minister des Auswärtigen. Es war das also einevollständige Absetzungdes Zentral-Ruge.Um ihm aber diese Pille zu versüßen, wurde ihm als Douceur gegeben die Anerkennung, daß man seine Stellung beim Zentralkomitee anerkennt, seine bisherige Tätigkeit und seine Vertretung des teutschen Volkes im Sinne des teutschen Volkes. Diesestestimonium paupertatiswirst Du gedruckt gelesen haben in der in fast allen englischen Blättern gebrachten Notiz, worin der Agitationsverein seine Geburt dem europäischen Publikum allerergebenst anzeigt und um gute Kundschaft bittet. Selbst dieses Douceur wurde dem unglücklichen Ruge verbittert, indem die Bauer-Fickler die unerträglicheconditio sine qua non[4]stellten, daß Ruge aufhöre, „sein dummes Zeug in die Welt zu schreiben“.
Ehe ich weiter erzähle, muß ich bemerken, daß in dem gesamtdemokratischen Verein wirohne Wissen der anderendurch einen zu unserem Bunde aus Köln geflüchteten Arbeiter namens Ulmer vertreten sind, ein Mensch, der bei uns sehr ruhig und schweigsam ist und von dem wir nie geglaubt hätten, daß er die Gesamtdemokratie im Schach halten würde. Aberindignatio facit poetam,[5]und derselbe stille Ulmer hat, wie er mir sagte, das „Genie“, daß er leicht wütend wird, am ganzen Körper zittert und dann wie ein Berserker losfährt. Trotz seiner schmächtigen Schneiderfigur hat er zudem als bester Turner von Mainz ein bedeutendes Bewußtsein physischer Kraft und Gesundheit. Außerdem den Kommunistenstolz der Unfehlbarkeit.
Am 22. August fand also die dritte Sitzung statt. Versammlung sehr zahlreich, da großer Skandal von wegen des hochverräterischen Agitationsvereins zu erwarten stand. Präsident: Meyen. Auch zugegen: Rudolf Schramm und Bucher. Die Clique Kinkel stellte den Antrag auf Bildung eines Flüchtlingskomitees. Nämlich Herr Kinkel will doch nicht als öffentlicher Mann von der Bühne treten. Er will auch nicht sich bei den ästhetisch-liberalen Bürgern Englands kompromittieren. Ein Flüchtlingskomitee ist politisch-philanthropisch, stellt außerdem Geldmittel zur Verfügung, vereinigt also alle wünschenswerten Bedingungen. Dagegen wurde von einem gewissen Hollinger und von Ulmer der Antrag gestellt, das Flüchtlingskomitee in einer allgemeinen Generalversammlung der Flüchtlinge zu wählen, worauf die Kinkelclique immer hinwies auf die Gefahr des Skandals, den die Leute hinter dem Rücken der Versammlung (nämlich wir Anonymi) machen würden. Aber sie hatten auchFeinde vorsich. Von dem Agitationsklub waren nur zugegen Goegg, Sigelund sein Bruder. Goegg wurde in das Flüchtlingskomitee gewählt; das gab eine Gelegenheit, 1. den Austritt Tausenaus zu erklären, 2. die Erklärung des Agitationsvereins abzulesen, 3. schließlich nach Verlauf der Debatte ihren Gesamtaustritt anzuzeigen. Großer Sturm.Techow und[Rudolf]Schramm hunzten den Arnold Ruge schrecklichab. Es wurde überhaupt sehrgeschimpft. Goegg antwortete den anderen überlegen, griff den zweideutigen Kinkel bitter an, der nur seine Trabanten antworten ließ, sich als Großmogul den Bart strich und durch den stets um ihn wedelnden Schurz Zettel schrieb, die er, wie die Vereinbarer in Berlin, unter seinen Getreuen zirkulieren ließ und nach der Zirkulation sein Schlußvotum niederschrieb. Nur als Goegg sagte, daß der Agitationsverein seine Erklärung in den englischen Blättern publizieren werde, antwortete Kinkelmajestätisch, daß er jetzt schon die ganze amerikanische Presse beherrsche, und daß schon die Anstalten getroffen seien, in kürzester Frist auch die französische Presse seiner Herrschaft zu unterwerfen. –
Außer diesem skandalschwangeren Thema liefen noch andere durch, die im Schoße der verbrüderten Demokraten selbst den gewaltigsten Sturm anregten, so daß es zu Faustdrohungen kam, furchtbares Toben und Geschrei, bis um 2 Uhr Mitternacht der Wirt durch Auslöschen der Lampen die Vereinbarungslustigen in undurchdringliche Nacht versenkte. Die zwei Pivots des Skandals [Rudolf] Schramm und Ulmer. Schramm nämlich in seiner Diatribe gegen Ruge machte gleichzeitig seinem Grimm gegen die Kommunisten Luft, was vielen Anklang fand, griff den Willich aufs gehässigste an und erklärte die Arbeiter für feig. Ulmer antwortete hierauf; verlangte aber seinerseits mit Hollinger – Freund von Sigel – Berufung einer allgemeinen Flüchtlingsversammlung zur Wahl eines Unterstützungskomitees. Er schuldigte Willich usw. direkt der Verschwelgung und Verschwendung der Flüchtlingsgelder an. Unaussprechlicher Tumult. Oswald Dietz springt vor, erklärt, er sei Kassierer des Flüchtlingskomitees der Great Windmillstreet und verlangt Widerruf. Ulmer erklärte, wenn die Herren es verlangten, werde er Beweise beibringen. Er widerrufe nichts. Willich in seiner bekannten Manier sucht ihn zu beschwichtigen und ladet ihn zu einer Privatauseinandersetzung auf seinem Zimmer ein. Aber Cato Ulmer bleibt unerschütterlich und sprach nicht ohne Anhang. Nebenbei bemerkt, hatte Schimmelpfennig, hinter Ulmer sitzend, während der Rede Goeggs fortwährend gegrunztund Lärm gemacht, als auf einmal Ulmer von seinem „Genie“ ergriffen wird, sich mit ausgestreckter Faust umwendet und dem Schramm zubrüllt: „Wenn Sie, elender Pfennigfuchser, nicht endlich das Maul halten, schmeiße ich Sie zum Fenster hinaus.“ Schramm wurde blaß wie Kreide, aber mit seiner preußischen Offizierscourage zu Rate gehend, entfernte er sich in den äußersten Winkel.
Willich war während dieser denkwürdigen Farce zu verschiedenen Malen und von allen Seiten, Goegg, Schramm, Hollinger, Ulmer usw., so derb gepackt worden, daß er sechsmal erklärte, er müsse austreten, wenn man seine würdige Persönlichkeit nicht außer Spiel ließe.
Nun aber neues Element des Skandals, von uns eigens zubereitet. Nämlich die Herren, die „höheren Flüchtlinge“, wie sie sich nennen, hatten die „niedrige Emigration“ ganz außer acht gelassen. – – –
Dieser „niederen Emigration“ haben nun Rumpf und Ulmer erklärt, nächsten Freitag kämen ihre Interessen vor in dem allgemeinen Emigrationsverein. Sie werden sich sämtlich, mit Knüppeln bewaffnet, dahin begeben, um ihre Ansprüche durchzusetzen. Ich habe sie nun durch Ulmer wissen lassen, Kinkel habe 160 Pfund für sie erhalten, die er wochenlang verheimlicht [hat], und die er nun mit Willich zu teilen gedenke. Sie würden überhaupt –et c’est vrai[6]– nur als Firma benutzt, um die Finanzen dieser Staatsmänner auf den Strumpf zu bringen. Ulmer wird der Redner sein, und da Schramm usw. nichts von dieser Auslandssendung wissen, wird der Skandal erbaulich werden von allen Seiten.
Du darfst erst einen – später aber notwendigen – Brief an Kinkel schreiben, sobald ich Dir über die Freitagsitzung berichtet. Was Du aber gleich tun mußt, ist, anFischernach New Orleans zu schreiben, ihm den ganzen Dreck klarzumachen und ihn wissen zu lassen, daß er nur noch unter der Firma „Freiligrath“, die ganz populär ist, Geld sammelt. Unsere Partei braucht es notwendig. Sie ist die einzig aktive, die einzig direkt mit Bundestag und Gott und Teufel im Kampfe stehende, und es fehlt uns alles Geld zur Agitation. Andererseits muß Geld geschaffen werden für unsere Eingekerkerten, die zum großen Teil durchaus ohne Mittel sind. Diese zwei Gesichtspunkte scheinen mir leicht dem Mann klar zu machen. Wenn er kann, soll er übrigens die Sammlung geheim machen, du unsere Wirksamkeit nur gestört wird durch jeden Zeitungsklatsch.
Vale faveque.[7]
Dein K. Marx.
Bemerken muß ich noch, daß der orthodoxe Stier Schapper durchaus nicht mit „Ungläubigen“ sich einläßt, vielmehr Willich erklärt hat, sie könnten ihm eher den Kopf einreißen, als daß er zu „den Hunden“ gehe.
Wenn manchmal jetzt meine Briefe um ein paar Tage ausbleiben, geschieht es, um vollständiger zu berichten.
[1]Voran meinen Dank für Deinen Artikel.
[2]Das gemischte [gewöhnliche] Volk.
[3]Das ist mal eine gute [Idee].
[4]Unerläßliche Bedingung.
[5]Die Empörung macht den Dichter.
[6]Und das ist wahr.
[7]Lebe wohl und bleibe mir gut.
[?] August 1851.
Lieber Engels!
Du liest zuerst wohl den Proudhon, da ich den zurück haben muß. Den Dureau habe ich ausgezogen, soweit ich ihn brauche. –
Apropos.Schreibe doch endlich an den Fischer in New Orleans.(Liebknecht ist jetzt sein stehender Korrespondent.) Es ist dies um so wichtiger, als gerade aus New Orleans die Kinkels, Ruges usw. Subsidien zu ziehen gedenken. Vergiß also nicht an den Mann zu schreiben, der sich in einem Brief an Liebknecht über Dein Schweigen beklagt.
Dein K. M.
[Undatiert. Ersichtlich vom 26. oder 27. August 1851.]
Lieber Marx!
Die homerischen Kämpfe der großen Männer im Streben nach Einheit haben mich wunderlich erheitert. Welche Iliade!
An Fischer ist geschrieben. Es ist aber doch positiv, daß ich in dem Brief an Kinkel mit genannt bin, damit ich mich bei Fischer nicht blamiere? Die Idee mit Freiligrath ist famos, das hat gewiß Deine Frau erfunden. Den F[ischer] aufzufordern, direkt fürunsereParteizwecke Geld aufzutreiben, geht durchaus nicht; kommt aber noch etwas – was ich nach diesen Erfahrungen der Amerikaner bezweifle –, so denke ich, wird mein Brief hinreichen, es in Freiligraths Hände zu spielen,et cela suffit.[1]
Über Proudhon morgen oder übermorgen. Weerths Anwesenheit und dann diese Schmiere, verbunden mit Kontorlasten, haben mich verhindert, das Ding ernsthaft anzufassen. Jedenfalls ist die Scharlatanerie großartig drin. Der zweite Teil, von der Liquidation an, ist bewundernswert durch die Verschmelzung der Girardinschen Reklame und der Stirnerschen Renommage. Dazu ist manches grammatisch und logisch reiner Gallimathias, von dem er selbst weiß, daß es absolut keinen Sinn hat. Dieserzweite Teil ist wirklich gar nicht ernsthaft zu behandeln, man kann’s beim besten Willen nicht.
Für die Tribune habe ich natürlich auch nichts machen können – nächste Woche Fortsetzung. Eiligst
Dein F. E.
[1]Und das genügt.
28 Deanstreet, 31. August 1851.
Lieber Engels!
Man verrechnet sich immer, wenn man auf entscheidende Krisen unter den demokratischen Herren rechnet. Ein Skandal, wie der vor vierzehn Tagen, erheischt mehrwöchentliche Erholung für dieseperformers.[1]Und so kam es denn gestern, Freitag den 29., zu nichts Bedeutendem.
D’abord.[2]Am Montag, den 25. August, wie ich Dir schon mitgeteilt, drohten Willich und Schapper mit ihrem Abtritt aus dem Flüchtlingskomitee der Great Windmill. Am folgenden Dienstag traten sie wirklich in offizieller Sitzung ab und löste sich das Komitee überhaupt in Wohlgefallen auf. Bei dieser Gelegenheit kam es zu bitteren Worten. Willich moralisierte und sittenpredigte, worauf ihm seine Laster entgegengehalten wurden. Der Hauptanklagepunkt gegen ihn aber war der, daß diesmal, wie schon bei einer früheren Gelegenheit, wo Rechenschaft abgelegt werden sollte über die Zwanzige von Pfunden, die in die Bürstenmacherei gesteckt sind, dafür gesorgt worden, daß Herr Lüssel (?), verantwortlicher Garant derselben, durchgebrannt war.
Freitag hatte sich General Sigel in der allgemeinen Sitzung der Vereinbarungslustigen eingefunden. Er hatte auf das Erscheinen der „niedrigen Emigration“ gerechnet, für die er einige gewaltige Lanzen mit Willich brach, der seiner Entrüstung über die sittenlose, früher von ihm uns gegenüber apotheosierte Lumpenherde freien Lauf ließ. Wer aber nicht erschien, war das Lumpenproletariat. Diejenigen, die sich vor den Türen des Areopag eingefunden, waren zu wenig zahlreich, um auf Erfolg rechnen zu können, und zogen sich deshalb zurück. Du weißt, daß es feige Patrone sind.
Lupus, der, aus alter Freundschaft zur Gräfin Reichenbach und ihrem ebenfalls hier anwesenden Bruder, von Zeit zu Zeit das Haus des Reichenbach frequentiert, fand gestern daselbst Herrn Techow, den er von der Schweiz her kannte. Kurz nachher erschien Willich in eigener Person und in Gesellschaft des tiefsinnigen Eduard Meyen. Lupus ging fort, als diese Größen Platz griffen.
Voilà tout ce que j’ai à rapporter pour le moment.[3]Mit den 160 amerikanischen Pfunden hat Kinkel teils direkt, teils durch seine Anhänger den „Respektablen“ und den „hommes d’état“[4]eine gewaltige Meinung von seiner Macht und seinen Verbindungen beizubringen gewußt. Der edle Willich aber hat durch Auflösung des Windmillkomitees das solideste Band zerrissen, das ihn mit der „Canaille“ verklitterte.Maintenant,[5]was Dich anbetrifft, so ist es positiv, daßFischerDich ausdrücklich genannt unter den Paten der 160 Pfund. General Sigel und Goegg teilten das angeblichau secret[6]ihrem Freund Schabelitz mit, in der Tat aber, wie ich glaube, um es Dir zukommen zu lassen. Nach meiner Ansicht hast Du nichts zu tun, als Herrn Kinkel zu schreiben, Du habest aus New Orleans die Nachricht über die Geldsendung und Deine Mitzurateziehung bei Verwendung desselben erhalten. Du fragtest ihn simplement, was mit dem Gelde geschehen oder beabsichtigt sei. Die Adresse Kinkels ist: Dr. phil. (so schreibt er sich auf seinen Visitenkarten) Kinkel, 1 Henstridge Villas, St. Johns Wood. Ich werde Dir zum Spaß einmal eine solche Visitenkarte zuschicken, die ganz Inhalt und Form einer Londoner Reklame für Heilung von Krähenaugenand so forth[7]hat.
Damit ich das große Ereignis nicht vergesse. In der Nummer vom 13. August kündet der unglückliche Heinzen an, daß Otto seine Kapitalien zurückgezogen und so er allein mit seinem geistigen Kapital zurückgeblieben, womit in dem industriellen Amerika ein Blatt nicht erscheinen könne. Er schreibt also eine Elegie über den Fall Hektors vor der Zeit. Und in derselben Nummer fordern Hoff und Kapp zu Aktienzeichnungen für eine neue Zeitung auf, die an die Stelle der Schnellpost treten solle. Und wie das Schicksal wunderliche Nücken hat, macht gleichzeitig die Staatszeitung dem edlen Heinzen – unter Enthüllung vieler seiner Geldgemeinheiten – einen Prozeß wegen Verleumdung, der ihn, wie er vorhersieht, in ein „Sittenverbesserungshaus“ bringen wird.Le pauvreHeinzen! Auch ist dieser große Mann jetzt moralisch entrüstet über Amerika und die „gemütsarmen Yankees“ und die „Deutsch-Amerikaner“, die ihnen nachschlagen, statt an der „Humanisierung der Gesellschaft“ zu arbeiten und für die großen politisch-sozialen Enthüllungen Arnold Ruges sich zu begeistern ...
Du hast sicher schon längst aus den Journalen ersehen, daß Girardin sich mit Ledru-Rollin liiert. Der glaubte auch schon der künftige französischeGroßmogul zu sein. Nun hat sich aber ein Gegenkomitee Lammenais-Michel (de Bourges)-Schölcher gebildet, das die „Vereinigten Staaten von Europa“ durch dieromanischen Völker– Franzosen, Spanier, Italiener – bewirken will, woran sich dann die Deutschen usw. anzukristallisieren haben. – Also, die Spanier (!) sollen uns zivilisieren!Mon Dieu, das übertrifft nach den Karl Heinzen, der die Feuerbach und Arnold Ruge unter die Yankee zur „Humanisierung“ einführen will. Der „Proscrit“ von Ledru-Rollin attackierte bitter das rivalisierende Komitee. Sie antworteten ihm mit gleicher Münze. Was aber noch bitterer für den Großmogulin partibus[8]ist: In Paris fand ein Konklave der ganzen Presse statt. Der Proscrit war auch durch einen Deputierten vertreten. Zweck: Einigung über einen gemeinschaftlichen Präsidenten. Der Proscrit fiel mit seinen Anträgen durch, und es wurde rein herausgesagt, die Herren in London hätten gut schwatzen, aus Frankreich selbst müsse das Erforderliche für Frankreich geschehen, Ledru-Rollin schneide sich sehr, wenn er sich für „die wichtige Person“ halte, wofür ihn Mazzini ausgibt.
Übrigens trennte sich der Konklave unter Skandal und ohne Resultat. Die einheitssüchtige Demokratie gleicht sich überall wie ein Ei dem anderen.
Addio!
Dein K. M.
[1]Theaterspieler.
[2]Erstens.
[3]Das ist alles, was ich im Augenblick zu berichten habe.
[4]Staatsmänner.
[5]Jetzt.
[6]Vertraulich.
[7]Und so weiter.
[8]In den Landesteilen [der Ungläubigen], das heißt ohne tatsächliche Macht.
Montag, 1. September 1851.
Lieber Marx!
Du mußt mich abermals entschuldigen.