[2]Das muß ein Ende nehmen.
[3]Das ist ein gutes Anzeichen.
[4]Außerhalb der Gesellschaft.
[5]Das ist zu stark.
28 Deanstreet, London, 27. Oktober 1852.
Lieber Engels!
Ich hatte Dir geschrieben, daß ich ein „Lithographiertes Zirkular“ über den Kölner Prozeß abfassen würde. Aus dem Lithographischen Zirkular ist jetzt ein Pamphlet von ungefähr drei Druckbogen geworden. Die Sache jetzt noch zu lithographieren, geht aus doppelten Gründen nicht: Erstens kommt eine so umfassende Lithographie sehr teuer zu stehen, während sie nichts einbringt, denn anstandshalber kann man solche lithographischen Rundschreiben nicht verkaufen. Zweitens liest kein Mensch, und es ist auch nicht zu verlangen, eine Lithographie, die den Inhalt von drei Druckbogen bringt.
Es bleibt also nichts übrig, als die Sache drucken zu lassen. In Deutschlandimpossible.[1]London ist der einzig mögliche Ort. Es wird auch möglich sein, Kredit zu erhalten, wenn ich nur im Bestande bin, einen Teil vorauszuzahlen. Ich ersuche Dich, hierüber mit Weerth und Strohn zu konsultieren. Es ist aber kein Tag zu verlieren. Wenn die Sache nicht jetzt kommt, hat sie kein Interesse mehr. Meine Broschüre ist keine Prinzipienrettung, sondern auf Darstellung der Tatsachen unddes Verlaufs gegründete Brandmarkung der Regierung. Ich selbst bin natürlichincapable,[2]auch nur einen Centime für die Sache beizutreiben. Ich habe gestern den von Liverpool her datierenden Rock versetzt, um Schreibpapier zu kaufen.
Das Empire marschiert famos. Bonaparte versteht es wie kein anderer darauf hinzuarbeiten, daß diesmal die Handelskrise Frankreich noch grausamer trifft als England.
Dein K. M.
[1]Unmöglich.
[2]Außerstande.
28 Deanstreet, 28. Oktober 1852.
[Marx an Engels ohne Anrede.]
Das Geld erhalten und heute das Paket mit dem Brief. In meinem letzten Schreiben an Dich und Weerth hatte ich absichtlich nichts erzählt, was im Falle des Erbrechens der Briefe die preußische Regierung weiter aufklären könnte über die gegen sie ergriffenen Schritte. Heute berichte ich im Detail. Ich denke, wir haben eine Kontermine gelegt, die den ganzen Regierungshumbug in die Luft sprengt. Die Herren Preußen sollen sehen,qu’ils ont à faire à plus fort.[1]
Montag erhielt Schneider II über Düsseldorf (an einen Kaufmann, Freiligraths Bekannten, adressiert) einen Brief von mir, dessen Inhalt in kurzem folgender: 1. 1847, während ich inBrüsselwar, wurde Cherval zu London durch Herrn Schapper und auf Vorschlag Schappers in den Bund aufgenommen, also nicht 1848 von mir zu Köln. 2. Von Ende Frühling 1848 bis Sommer 1850 wohnte Cherval fortwährend zu London, wie durch seinehousekeepers[2]bewiesen werden kann. Er hauste also nicht während dieser Zeit als Propagandist in Paris. 3. Erst [im] Sommer 1850 begab er sich nach Paris. Die bei ihm abgefangenen Papiere und seine Aussagen vor den Pariser Assisen beweisen, daß er Schapper-Willichs Agent war und unser Feind. Daß ChervalPolizeispion, wird durch folgendes bewiesen: 1. Wunderbare Flucht (nebst Gipperich) gleich nach der Verurteilung aus dem Pariser Gefängnis. 2. Ungestörter Aufenthalt in London, obgleichgemeinerVerbrecher. 3. Herr von Remusat (ich habe Schneider ermächtigt, ihn im Notfall zu nennen) erzählte mir, Cherval habe sich ihm als Agenten für den Prinzen von Orleans angeboten. Er habe darauf nach Paris geschrieben und folgende (mir in der Kopie vorgezeigte) Dokumente erhalten (füreinige Stunden zur Kopie), woraus folgt, daß Cherval erst preußischer Polizeiagent war, jetzt bonapartistischer ist. Die preußische Polizei schlägt ihm eine Geldsendung ab, weil das „double emploi“[3]sei und er von französischer Seite bezahlt worden. – Endlich habe ich Schneider einige einfache theoretische Auseinandersetzungen gemacht, wodurch er die Schapper-Willichschen Dokumente von den unserigen unterscheiden und die Differenz nachweisen kann.
Nebst dem Brief an Schneider II, den Du besorgt, ging dasselbe Aktenstück über Frankfurt a. M. (wo der alte Ebner ihn auf die Post legt und Quittung nimmt) an Advokat von Hontheim ab, und zwar Dienstag. Dasselbe Paket enthält: 1. einen Brief von Becker an mich mit Poststempel London und Köln versehen, woraus folgt, daß unser Verkehr vor allem buchhändlerischer Natur war; 2. zwei Einlagen von Daniels an mich in dem Beckerschen Briefe, worin er bloß von seinem Manuskript spricht; 3. zwei Ausschnitte aus den Protokollen von Hirsch; 4. einen Ausschnitt aus den Peoples Paper, worin Cherval glücklicherweise selbst seine Residenz anzeigt; 5. auf Seite 3 dieses Briefes befindlichen Brief (eigene Handschrift) des Herrn Stieber an mich, während der „Neuen Rheinischen Zeitung“.
Dienstag abend kam durch Gelegenheit ein Brief von Schneider II, woraus hervorgeht, daß sein erster durch die Post gesandter unterschlagen ist. Dagegen hatte er einen von hier registrierten Brief erhalten, den ich ihm durch Dronke schreiben ließ, worin ihm angezeigt worden, daßHenzehier 6 bis 8 Wochen bei Willich war, daß Willich von ihm unterhalten worden ist, daß Willich selbst hier damit renommiert hat, er habe dem Henze Instruktionen gegeben, wieergegen uns aufzutreten. Schneider schreibt, daß sämtliche Advokaten von der Unechtheit der Dokumente überzeugt, bittet dringend, ihm Beweise, namentlich auch, daß Frau Daniels nie an mich geschrieben.
Mittwoch hätte aus Geldmangelnichtsgeschehen können, wären nicht glücklicherweise Deine 2 Pfund eingesprungen. Ich habe also vor dem Police Court, Marlboroughstreet (before Mr. Wingham, magistrate of the Metropolitan District,[4]der sich die Sache erzählen ließ und sichfurieusement[5]für unsundgegendie preußische Regierung erklärte) zweierlei authentifizieren lassen:
1. Handschrift von Rings und Liebknecht, die, wie Schneider II schreibt, fastalleProtokolle des Hirsch unterzeichnet haben. Du weißt, daß Rings kaum schreiben kann, also famos von Hirsch zum Protokollführer bestimmt ist.
2. Habe ich von dem Wirt unseres Zusammenkunftslokals bezeugen lassen, daß seit März die „Society of Dr. Marx“[6](der Kerl kennt nur mich), ungefähr 16 bis 18 Mann, regelmäßig und nur einmal die Woche, nämlich am Mittwoch, zusammenkommt, und daß er und seinwaiter[7]uns nie eine Zeile haben schreiben sehen. Den Mist wegen des Mittwochs hat auch einer seiner Nachbarn, ein deutscher Bäckermeister und Hausbesitzer bezeugt. Beide Aktenstücke mit dem Siegel des Police Court sind imDuplikatabgefaßt. Das erste Exemplar desselben schickte ichvia[unlesbar] an G. Jung, der mir glücklicherweise vor drei Tagen geschrieben, er wohne in Frankfurt a. M. und Adresse gegeben. Jung wird selbst nach Köln die Sachen bringen oder ein Exemplar hinschicken. Der Brief, den er erhalten, ist an Schneider II gerichtet und enthält außer den angegebenen polizeilich-gerichtlich beglaubigten Dokumenten: a. Eine Kopie des ersten Briefes an Schneider nebst zwei abermaligen Ausschnitten aus Hirschs Protokollen. b. Ausschnitt aus einem Briefe von Becker an mich, wo glücklicherweise auf der Rückseite Londoner und Kölner Poststempel. Becker schreibt wörtlich wie folgt (weiter enthält das von mir hingesandte Stück nichts): „Der Willich schickt mir die lustigsten Briefe ....“ c. Drei Briefe von Bermbach an mich, woraus die Natur unseres Briefwechsels hervorgeht, und wovon der eine (vom März) zugleich die Antwort enthält auf mein Schreiben von wegen des Hirsch und der Denunziation der Frau Daniels und der bei ihr erfolgten Haussuchung. Dieser Brief beweist, daß sie nicht mit mir in Korrespondenz stand. d. Abschrift des Briefes von Stieber. e. Instruktion an Schneider, worin ich ihm unter anderem auch mitteile, daß diebeglaubigten DokumenteoderDuplikatDonnerstag, 28. Oktober, in einem registrierten Brief von London an ihn direkt unter seiner Adresse abgehen werden und gleichzeitig er über Düsseldorf von Kaufmann W. denRegistrationsscheinerhalten wird. Unterschlägt die Regierung also diesmal, so ertappen wir sie nachweislichau flagrant délit,[8]ohne daß es ihr gelingt, der Verteidigung etwas anderes zu entziehen als ein Duplikat.
Im Advertiser von künftigem Sonnabend (30. Oktober) wirst Du eine kurze Erklärung über die infamen Artikel der Times und Daily News finden. Sie ist gezeichnet: „F. Engels, F. Freiligrath, K. Marx, W. Wolff.“ Dasselbe in mehreren Wochenblättern.
Ich denke, die preußische Regierung wird diesmal in einer Weise blamiert werden, wie es selbst ihr noch nicht vorgekommen ist, und sich überzeugen, daß sie nicht mit den Tölpeln von Demokraten zu tun hat. Sie hat die Leute gerettet durch die Dazwischenkunft des Stieber. Selbst die Verhaftung des Bermbach ist ein Glück. Ohne dies konnten seine Briefe nicht hinübergesandt werden. Er hätte sich dagegen gesträubt, um nicht provisorisch gesetzt zu werden. Jetzt, wo er sitzt, ist allesall right. –
Besten Gruß an Weerth.
Dein K. M.
Über sichere ... Adressen hierhin das nächste Mal.
[Auf einer neuen Seite folgt die Abschrift des Briefes von Stieber aus den „Enthüllungen“, S. 46/47, und daran anschließend fährt Marx fort:]
Ich ersuche Dich nun, auf dem dritten, in Deinem Briefe angedeuteten Wege nach Köln folgende Zeilen an Schneider zu schreiben und sie ihmumgehendzukommen zu lassen.
„Stieber hat allerdings die 14 bis 16 der Willich-Schapperschen Clique zugehörigen Dokumentegekauft, aber er hat sie zugleichgestohlen. Er hat nämlich einen gewissenReuterfür bares Geld zum Diebstahl sollizitiert. Reuter war seit lange nicht gerade „Polizeibeamter“, wohl aberoccasionally à la tache[9]bezahlterspy[10]der preußischen Gesandtschaft. Er hatnieeiner Kommunistengesellschaft angehört, nicht einmal dem öffentlichen deutschen Arbeiterverein in London. Reuter wohnte in demselben Hause wie Dietz, der Sekretär und Archivar der Willich-Schapperschen Zentralbehörde. Reuter erbrach das Schreibpult von Dietz und gab irgendeinem, Stieber oder Schultze, die Papiere. Die Sache war längst herausgekommen vor den Kölner Assisenverhandlungen. Stechan erhielt nämlich während seiner Haft in Hannover mehrere von ihm an Dietz, als an den Sekretär des von Schapper präsidierten Flüchtlingskomitees gerichtete Briefe von dem Untersuchungsrichter vorgelegt. Stechan brannte bekanntlich durch aus dem Gefängnis. In London angekommen, schrieb er nach Hannover, um jene Briefe herauszuverlangen, damit er denReutervor den englischen Gerichten verfolgen könne:
1. Wegen Diebstahl mit Effraktion. [Widerrechtliches Aufbrechen.]
2. Wegen Falsums.[11]Er behauptet nämlich, in seinem – den Kölner Juries jetzt auch von Stieber vorgelegten – Briefe sei das „530 Taler, 500 für die Führer“interpoliert, von der Polizei hineingeschrieben. Er habe nur 30 Taler damals nach London geschickt und kein Wort vonFührerngesprochen.
Das Hannoversche Gericht ging natürlich nicht auf Stechans Verlangen ein. Derselbe Reuter hat die sämtlichen Dokumente durch Effraktion des Dietzschen Pultes gestohlen. Dietz und die Schappersche Clique entdeckten die Sache erst, als Stechan hier ankam.“
Soeben, lieber Engels, erhalte ich Euer Paket.Es ist also nicht nötig, daß Du Vorliegendes abschreibst.Ich werde es selbst direkt schicken unter einem der mir zugekommenen Kuverts.
Sage Weerth, daß er sich jetzt eine der „Minister“stellen, die Stieber zu meiner Disposition gestellt, für immer gesichert hat, wenn er den ihm zugedachten Gesandtschaftsposten in Paris nicht vorzieht.
Dein K. M.
Wenn Du mir wichtige Sachen zu schreiben hast, so tu es jetzt unter der Adresse: A. Johnson, Esq., Bullion Office, B. o. E. (Bank of England).
[1]Daß sie mit jemand, der stärker ist, zu tun haben.
[2]Wirtsleute.
[3]Doppelte Bestallung.
[4]Vor Mr. Wingham, Polizeirichter des Bezirkes für die Hauptstadt.
[5]Mit Leidenschaft.
[6]Verein des Dr. Marx.
[7]Kellner, Aufwärter.
[8]Auf frischer Tat.
[9]Gelegentlich nach dem Stück.
[10]Spion.
[11]Fälschung.
Manchester, 28. Oktober 1852. (I.)
Lieber Marx!
Gestern schickte ich Dir einen Band Dureau de la Malle und einen Brief per Carver & Co. Hiermit erhältst Du verschiedene kaufmännisch zugerichtete Kuverts mit inliegenden Enveloppen für Hontheim und Esser I, die weniger bei Bürgern Verdacht erregend sind als Schneider. Hältst Du es für passend, so kannst Du inliegend immer noch ein versiegeltes Kuvert für Schneider machen. Ich sehe indes nicht ein, warum Du nicht auch von Zeit zu Zeit die anderen Verteidiger durch ein paar Zeilen von ihrer Wichtigkeit überzeugen solltest. Auch wird ein kaufmännisches Petschaft beigelegt. Dein altes Weydemeyersches Wappen und das plumpeSsind nichts wert. Wende auch nach Manchester irgend ein anderessix penny-Petschaft an.
Schicke von Zeit zu Zeit weniger wichtige registrierte Briefe an Schneider, um die Kerls irre zu leiten und glauben zu machen, daß man den geheimen Weg drangegeben habe aus Mangel an Adressen.
Daß die Bürger, deren Adressen Du hier erhältst, die Briefe richtig besorgen, daran kann wohl kein Zweifel sein.
Mache doch die Advokaten auf die offenbarencrimesunddélits[1]aufmerksam, die die Polizei begeht, und sieh, daß sie auf Verhaftung des Stieber wegen falschen Eides und Zeugnisses antragen, der Kerl hat ja mit Deinem Kothesbrief effektiv Perjury[2]begangen.
Per Post heute abend mehr über gleichgültigere Sachen.
Dein F. E.
[1]Verbrechen und Vergehen.
[2]Meineid.
Manchester, 28. Oktober 1852. (II.)
Lieber Marx!
Hierbei ein Artikel für Dana – die Sache war nicht anders abzubrechen. Gelingt es mir, noch heute abend das Ganze fertigzubringen, so bringe ich’s später noch auf die Post. Einstweilen geht dies, damit Du doch wenigstensetwaszur Zeit erhältst. Übrigens kann Dana zur Abwechslung auch einmal mit3/4bis4/5Druckspalten zufrieden sein, besonders wenn er so langsam zahlt.
Ich würde mich gar nicht wundern, wenn der Kölner Prozeß noch einen Monat dauert. Am Montag scheint keine Sitzung gehalten worden zu sein – vielleicht war ein Angeklagter oder ein paar Geschworene krank, oder alle bedurften zwei Rasttage hintereinander. Namentlich bei den famosen Zeugen, die alle nichts auszusagen wissen. Dem Herrn Henze ist schon auf die Kappe gestiegen worden. Weerth traf diesen Edlen in Hamburg, wo er fürchterlich auf Dich schimpfte –cela t’acquitte de toute obligation envers lui.[1]Er gestand auch ganz offen das bürgerliche Motiv seiner Wut. Schreibe doch direkt –registered letter[2]– an einen der Advokaten und mache sie darauf aufmerksam, daß die Anklage ganz aus den Händen des Herrn Sädt in die des Mouchard Stieber übergegangen, der unter stillschweigendem Konsens des öffentlichen Ministeriums ganz neue juristische Theorien aufstellt:
1. daß es ein Verbrechen ist, wenn ein moralisch beim Prozeß Beteiligter vom Ausland den Advokaten Akten und sonstige Mitteilungen im Interesse der Angeklagten macht und die Polizeilügen eines Stieber als Lügen aufdeckt; daß es ebenfalls ein Verbrechen ist, dergleichen Briefe zu empfangen;
2. daß die Polizei dagegen das Recht hat, sich alle möglichen Verbrechen zu erlauben und sogar damit vor dem Gericht und dem Publikum öffentlich zu renommieren:
a.Diebstahl mit Einbruch– die Erbrechung des Pultes von Dietz und die Entwendung der Aktenstücke daraus;
b.Verleitung dazu, eingestandenermaßen durch Geldangebote; ebensoBestechung;
c.Diebstahl von Akten, die der Verteidigung gehören, indem man von Deinem Memoire für die Advokaten ein Stück abschneidet und zurückbehält; von der Brieferbrechung will ich nicht einmal sprechen, weil die Kerle da nachher wenigstens legale Formen vorzuschieben suchen;
d.falsches ZeugnisundMeineid, indem Herr Stieber absichtlich die Kölner als Beteiligte und Genossen von Cherval usw. hinstellt, was er selbst besser weiß und nachher auch zugibt; indem er namentlich schwört, daß ein Brief erst am 19. Oktober mit der Post in Köln angekommen sei, der schon am 15. da war, indem er seine ganze Lüge vom außerordentlichen Kurier erfindet usw.;
e.Fälschung, indem das angebliche Protokoll direkt von der Polizei geschmiedet und als echt vorgelegt wird, während uns alle Mittel abgeschnitten werden, den Gegenbeweis in die Hände der Verteidiger zu liefern.
Und so weiter.
Wenn die Advokaten sich brav und geschickt benehmen, so kann die Sache nicht mit der Verurteilung der Kölner, sondern mit der Arretierung des Herrn Stieber wegen Meineids und sonstiger preußischer Verbrechen gegen den gottlosen französischenCode pénalendigen.
Ich wollte Dir noch über was anderes schreiben, aber ich hab’s total vergessen, da ich mit Weerth, der eben nach Hause kommt, geplaudert habe.
Eben höre ich von ihm, daß Frau Daniels auch als Schutzzeugin zitiert ist –tant mieux.[3]Die Protokolle werden ein schönes Ende nehmen. Undce pauvre[4]Bermbach scheint gleich ohne weiteres mit aufs Angeklagtenbänkchen gewandert zu sein. Was sie nur diesem unschuldigen armen Teufel wollen mögen!
Dein F. E.
[1]Das enthebt Dich jeder Verpflichtung ihm gegenüber.
[2]Eingeschriebener Brief.
[3]Um so besser.
[4]Dieser arme.
28 Deanstreet, 2. November 1852.
Lieber Frederic!
Deinen Brief nebst 5 Pfund erhalten. 10 Schilling an Dronke gegeben.
Die Zeit ist jetzt vorbei, wo wir uns zu genieren haben, offen zu schreiben unter unseren direkten Adressen. Sonnabend (30. Oktober) erhielten die Advokaten die Masse der Dokumente, Sonntag den zweitenBrief von Frankfurt, gestern meinen letzten Brief mit der Deklaration vor dem Magistrat. Heute habe ich die im heutigen Morning Advertiser erschienene Deklaration an Schneider II direkt registriert geschickt, weniger, weil dies jetzt noch nötig ist, als damit die preußische Regierung sieht, daß wir Mittel haben, die Ehrlichkeit ihrer Post zu forcieren und im Gegenfall sie vor dem Londoner Publikum bloßzustellen.
Die Advokaten haben alles Nötige rechtzeitig erhalten, nämlichvor Schlußder Anklage. Gegenwärtig bin ich der Meinung, daß, sollte nicht ein neuer Inzident den Prozeß verlängern und eine neue Intervention unsererseits nötig machen, nichts mehr nach Köln abgeht. –
Was den mir fälschlich zugeschriebenen Wisch betrifft, so fehlt mir nur nochdie Adresse von Moses Heß, der in Lüttich haust. Ich werde ihm nämlich schreiben: „Erkläre mir, wem Du die Katechismen gegeben und wer sie kolportiert hat in Deutschland, sonst erkläre ich Dich in der Independence für einen Forger.[1]“ Moses wird schon herausrücken.
Vergiß nicht, mir den Schluß für Dana zu schicken. Donnerstag kommt das Parlament zusammen. Der Artikel ist schon jetzt etwas antiquiert.NachFreitag aber hätte er gar keinen Wert mehr.
Beste Grüße an Weerth und Strohn.
Dein K. M.
[1]Fälscher.
London, den 4. November 1852.
Lieber Engels!
Ich muß die paar Zeilen an Dich heute diktieren, da die perfiden Preußischen mich am Sitzen hindern.
Einliegend Brief von Schneider, der gestern abend ankam.
Du siehst, daß Simeon sein Manuskript zurück haben will.
Vehse erzählte mir gestern, Weerth habe ihn zu einem falschen Termin nach London bestellt, worüber ich ihm die gehörigen Aufklärungen gab.
Dein K. M.
Viele Grüße vom Sekretär, der Ehefrau Marx’.
Kossuth ist wütend über Marx, daß er seinendodge[1]mit Bonaparte, Vetter usw. dem Dana mitgeteilt, der aus diesen Notizen einen fulminanten Artikel gemacht hat.
[1]Winkelzug, Mogelei.
[Undatiert. Freitag, 5. November 1852.]
Lieber Marx!
... Die Aktenstücke sind also glücklich angekommen, auch der Brief Stiebers im Original. Jetzt wird die Sache heiter, sobald der edle öffentliche Ankläger geendigt haben wird. Etwas Alberneres, als was der Seckendorf sagt, ist doch selbst bei angestrengter saurer Arbeit des Gedankens nicht ans Licht zu fördern. Weil der Engels hat drucken lassen, daß die besten Kommunisten die couragiertesten Soldaten waren, deswegen muß Bürgers wegen Komplott verdonnert werden. Die Fragestellung schließe in sich, ob der Angeklagte denWillengehabt habe –suspect de suspicion d’incivisme[1]–, und daher sei es auchganz gleichgültig, ob der Angeklagte Mitglied des Bundes sei oder nicht – also Herr Seckendorf in seiner Verzweiflung an der Verurteilung von Daniels und Komp. fordert die Geschworenen direkt auf, auch den Bürgers und Röser freizusprechen! Der Kerl muß wenigstens acht Nächte durch starkbrandy and water[2]gesoffen haben, ehe es ihm so wüst und wirr im Kopfe werden konnte. In der ganzen Schmiere ist doch auch nicht ein Wortto the purpose.[3]Übrigens habe ich an der Freisprechung auch von Bürgers usw. keinen Moment mehr gezweifelt, seit der Präsident die Fragestellung bekannt gemacht. Es ist unmöglich, Bürgers’ Jammermanifest und seine Rundreisen in ein „Unternehmen“ zu verwandeln, das den Zweck hatte, die Staatsverfassung usw. Oder soll es in den Annalen der Geschichte heißen: Im Mai des Jahres 1851, während in London der Glaspalast eröffnet wurde, reiste der Schneider Nothjung von Berlin nach Leipzig, um die preußische Staatsverfassung umzustoßen und den Bürgerkrieg zu beginnen. Zudem ist das Protokollbuch fallen gelassen, und, wie Strohn behauptet, sind unter den Geschworenen v. Rath, v. Bianco, Leven, Leiden, Herstatt und noch einer ganz gut.
Ich glaube, wie sich die Sache jetzt entwickelt, auch, daß wir unter allen Umständen etwas publizieren müssen. Es wäre nur gut und sogar nötig, daß nach dem Prozeß Schneider und einer der Angeklagten nach London kämen – ich würde sehen, daß ich dann auf einen Samstag und Sonntag nach London käme, und wenn alles abgesprochen, könntest Dumit hierher gehen, und das Manuskript würde in einigen Tagen fertig sein. Inzwischen schreibe an den alten Ebner, ob er dies Broschürli nicht bei Löwenthal anbringen kann – meinetwegen auf halbe Rechte, für Gewinn wie Verlust, zwischen ihm und uns.
Den 6. November. Ich kam gestern aus physischen Gründen nicht zur Absendung des Obigen. Seitdem wieder eine Stieberiade in der Kölnischen Zeitung gelesen. Also das Originalprotokollbuch ist fallen gelassen, dagegen Herr Liebknecht in Gestalt einer Geldquittung von den Toten erstanden. Monsieur Hirsch und Komp. – denn es müssen ihrer mehrere sein – scheinen die dummen preußischen Polizisten gehörig um Geld beschwindelt zu haben.Il valait bien la peine,[4]einen Polizeileutnant nach London zu schicken, um diesen Bären angebunden zu erhalten, und dazu die Nachricht von derganz geheimenSitzung bei Dir.
Was ist das aber eine Geschichte mit dem Fleury, Dronkes Freund, der hier direkt und offen als Polizeiagent bezeichnet wird? – –
„Bürgers ist geständig, Mitarbeiter der Neuen Rheinischen Zeitung gewesen zu sein!“ Das ist natürlich hinreichend, ihn zum Galgen verurteilen zu lassen. So was ist mir doch noch nicht vorgekommen.
Heute abend wird die Kölnische Zeitung nun wohl die ersten Nachrichten darüber bringen, daß sich das Blättchen gewendet hat. Die Advokaten haben sehr richtig agiert, daß sie alles zurückhielten, wenn sie nur jetzt gehörig ins Geschirr gehen.
Dein F. E.
[1]Des Verdachtes schlechter Gesinnung verdächtig.
[2]Kognak mit Wasser, Grog.
[3]Zur Sache.
[4]Es lohnte sehr der Mühe.
28 Deanstreet, 10. November 1852.
Lieber Engels!
Einliegend Bericht meiner Frau über das gestrige Robert-Blum-Meeting. Sie war in der Galerie der Free Mason Tavern, wo es stattfand, mit Imandt.
Nun zu der Kölner Angelegenheit.
Ich in Bürgers’ usw. Stelle würde Herrn Becker keinesfalls erlaubt haben, auf Kosten aller anderen sich so unverschämt als denhomme supérieur[1]hinzupflanzen und zum Triumph der Demokraten den Charakter des ganzen Prozesses so sehr herabzudrücken. Sich verteidigen und sich eine Apologie auf fremde Kosten halten, sind zweierlei. Becker ist einerder Epigonen der Revolution, der viel Schlauheit, aber wenig Verstand [besitzt].
Die Regierung in ihrer Verzweiflung hatte, wie Du schon weißt, in dem nachträglichen Bericht des Goldheim, zu heroischen Mitteln ihre Zuflucht genommen, aber sich nur von neuem in die Falle geritten.
Die Aussage des Goldheim gab zwei Daten an die Hand: „Greiff“ und „Fleury“.
Ich stellte also Nachforschungen an (mietete zu diesem Zwecke selbst einen preußischen Mouchard) über Greiff. Ich erhielt so seine Adresse und fand, daß er 17 Victoria Road, Kensington, wohne. Dies ist aber das Haus des Herrn Fleury. Es war also konstatiert, daß Greiff bei Fleury wohnt. Ferner stellte sich heraus, daß Greiff hier offiziell nicht als „Polizeileutnant“, sondern als Attaché der preußischen Gesandtschaft figuriert. Endlich, daß er Sonnabend den 6. November von hier abgereist ist für einige Wochen, wahrscheinlich nach Köln. Er selbst erklärte, er reise aus Furcht vor den Marxianern ab. Fleury habe ihn geprellt usw.
Es war nun also klar, Greiff, der Vorgesetzte von Fleury, Fleury der Vorgesetzte von Hirsch. So hat sich die Sache auch herausgestellt.
Andererseits begaben sich Freitag den 5. November Imandt und Dronke zu Fleury, mit der Kölnischen Zeitung in der Hand. Er spielte natürlich den Überraschten, behauptete, keinen Greiff zu kennen, erklärte sich zu allen Erklärungen vor dem Magistrat bereit, wollte aber vorher seinen Advokat sprechen. Gab zwei Rendezvous, für Sonnabend den 6. November eines für 2, das andere für 4 Uhr, hütete sich aber wohl zu erscheinen und machte, daß die Polizei so einen neuen Tag gewann, an dem wir nicht operieren konnten, einige vorläufige Briefe nach Köln abgerechnet. Sonntag den 7. November endlich preßten ihm Dronke und Imandt eine Erklärung ab, die Du in der „Kölnischen“ lesen wirst. Ich schicke Dir Kopie davon, die ich in diesem Augenblick nicht finde. Nachdem sie die Erklärung in der Tasche, erklärten sie ihm, er sei Spion, Greiff wohne bei ihm, wir hätten alles das gewußt und mit der Polizei gespielt, während sie mit uns zu spielen glaubte. Er fuhr natürlich fort, seine Unschuld zu beteuern.
Endlich sandte ich Leute herum, um Hirschs Wohnung aufzutreiben. Es fand sich, daß er nicht weit von Fleury, ebenfalls in Kensington wohne.
Ehe ich nun weiter erzähle, noch eines. Dieganze Aussage des Goldheimwird Dir sehr klar, wenn Du erwägst: 1. daß am 30. Oktober (Sonnabend) Goldheim hier war und mit dem preußischen Gesandtschaftssekretär Albert sich zu Greiff und Fleury begab; 2.daß am Morgen desselben 30. Oktoberunsere Erklärung über die bevorstehenden Enthüllungen in fünf englischen Blättern erschien; 3. daß fürdenselben 30. OktoberFleury dem Imandt und Dronke ein Rendezvous gegeben, weil Dronke statt dem Imandt die französische Stunde für ihn übernehmen solle; 4. daßbevorStieber seinezweiteVernehmung mit den Enthüllungen über London gab, ichgleichnach seinererstenVernehmung über Cherval usw. eineErklärungin die „Kölnische Zeitung“, „Frankfurter Journal“ und „Nationalzeitung“ schickte, worin schon dem Stieber mit seinem Briefe an mich gedroht wurde. Diese Erklärung erschien zwar in keiner der Zeitungen, Post und Polizei hatten aber unstreitbar Notiz davon genommen.
So klärt sich die „Hellseherei“ Stiebers und die Allwissenheit seiner Polizeiagenten in London höchst prosaisch auf. Alles, was Goldheim sonst gesagt, warenFabulae.[2]Nach Köln habe ich aufverschiedenenWegen die nötige Erklärung über diese Dinge gelangen lassen neben Fleurys Erklärung.
Aber nun kommt ein Hauptwitz.
Es war natürlich meine Absicht, einen Warrant [Haftbefehl] gegen den Hirsch zu nehmen, wozu ich seine Wohnung ausgeforscht hatte. Ich erhielt die Adresse aber erst Sonnabend. Hatte ich den Warrant gegen Hirsch, so war ich sicher, daß dieser den Fleury und Fleury den Greiff hereinreiten würde.
Was geschieht? Willich, ganz im geheimen, begibt sich am Freitag mit Hirsch in Gegenwart Schärttners auf die Magistratur in Bowstreet, läßt Hirsch angeblich in einem dreifach gefertigten Dokument gestehen,daß er und Fleury seit einem halben Jahre ungefähr die falschen Protokolle fabriziert, schickt diese drei Dokumente 1. an Göbel, den Assisenpräsidenten, 2. an Schneider, 3. an die Kölnische Zeitung – und gibt dem Hirsch Geld zumEntrinnen, ja, läßt ihn selbst auf den Dampfer bringen, angeblich damit er selbst in Köln gesteht.
Wir alle erfuhren dies erst durch die Nachforschungen, die wir nach Hirsch angestellt, und zum Teil in Bowstreet, wo wir [den] Warrantherausnehmen wollten. Schapper erzählt dem Liebknecht, daß Willichihm kein Wortvon dem allen mitgeteilt. So hat Herr Willich uns die Handhabe der Prozedur, die wir in London selbst anstellen wollten, aus der Hand eskamotiert! – – –
Wie hoch dieser Fleury übrigens (ich habe ihnniegesehen) bei den Demokraten angesehen – Techow, bei seiner Abreise nach Australien, schrieb ihm noch vom Schiff einen Brief, worin er ihm bezeugt, daß Kopf und Herz ihm auf dem rechten Fleck sitzt. –
Hirsch hat gestanden, er habe Liebknechts Handschrift nachzumachen versucht und unter der Leitung des Kaufmanns Fleury (dieser Hund ist dabeivermögendund in eine sehrrespektableenglische Quäkerfamilie hineingeheiratet) gearbeitet, wie Fleury selbst unter Greiffs Leitung stand. So bestätigt sich vollkommen alles, was ich gleich aus dem von der Kölnischen Zeitung gegebenen Inhalt und Daten des Originalprotokollbuches herausdeduziert hatte und was von den Advokaten bis jetzt keiner gehörig exploitiert hat.
Daß die Kölner Angeklagten freikommen,alleohne Ausnahme, unterliegt nach meiner Ansicht keinem Zweifel.
Es ist mir lieb, wenn Du dem Strohn schreibst, er verpflichte mich sehr, wenn ergleicheinige Pfund mitschicke. Von den 4 Pfund 10 Schilling, die ich durch Dich erhalten, sind beinahe 3 Pfund für die Laufereien, Mouchards usw. draufgegangen. Es benutzen natürlich auch unsere armen Bundesfreunde die vielen Laufereien, Rendezvous usw., um eine ganz erträgliche Summe vonfaux frais de production[3]für Bier, Zigarren, Omnibus usw. herauszubeißen, die ich natürlich liquidieren mußte.
Die Gedichte von Freiligrath erhältst Du. –
Dein K. M.
Vehse gestern abgereist. Nach Frankfurt schon wegen unserer Broschüre geschrieben. Schreiben wir nicht, so bemächtigt sich Beckerad majoram gloriam Beckerii[4]der ganzen Geschichte.
[1]Überlegenen Mann.
[2]Fabeln.
[3]Produktionsunkosten.
[4]Zum höheren Ruhme Beckers.
28 Deanstreet, Soho, London, 16. November 1852.
Lieber Engels!
Wenn es Dir möglich ist, so mache für Freitag einen Tribuneartikel über die Kölner Affäre. Du kennst jetzt alles Material ebensogut wie ich, und ich habe seit vier bis fünf Wochen meine Hauslumpereien sosehr vernachlässigt über dempublic business,[1]daß ich diese Woche noch, auch beim besten Willen, nicht zum Arbeiten komme. –
Eine Erklärung für die englische Presse über die Kölner Angelegenheit wird heute abend konsultiert. Es wird kaum Zeit bleiben, sie Dir noch vorher zur Ansicht zuzuschicken. Machst Du aber eine solche, die bisDonnerstag morgennoch hier ist, so ist es mir lieber.
Gruß an Weerth.
Dein K. M.
Kossuth-Mazzini ließen sich am 5. bei dem Rugemeeting krank melden. Dafür erschienen sie am 10. bei den „Friends of Italy“.[2]Ledru-Rollin entschuldigte sich gar nicht.
[1]Öffentliche Angelegenheit.
[2]Freunde Italiens [Verein von Freunden der Befreiung Italiens].
28 Deanstreet, Soho, London, 19. November 1852.
Lieber Engels!
Der Bund hat sich vergangenen Mittwoch auf meinen Antrag hinaufgelöstund die Fortdauer des Bundes auch auf dem Kontinent fürnicht mehr zeitgemäß erklärt. Auf dem Kontinent hatte er übrigens ja seit der Verhaftung von Bürgers, Roeser faktisch schon aufgehört. Einliegend eine Erklärung für die englischen Blätter usw. Außerdem mache ich noch eine lithographierte Korrespondenz ausführlich über diePolizeischweinereienund für Amerika eine Aufforderung zu Geld für die Gefangenen und ihre Familien. Freiligrath Kassierer. Gezeichnet von allen unseren Leuten.
Dein K. M.
Samstag, 27. November 1852.
Lieber Marx!
Wenn ich Dir viel schaffen kann für den Druck der Broschüre, so wird es zwei bis drei Pfund höchstens sein – ich bin augenblicklich selbst fest. Aber drei Druckbogen, das gibt zwischen 10 bis 12 Pfund Kosten, mit Broschieren usw. noch mehr. Wenn die Sache nicht auf dem Kontinent und für Rechnung, wenigstens unter Beteiligung, eines Buchhändlers gedruckt wird, so kommt sie gar nicht herum. In Preußen usw. wird sie, wenn sie hinkommt, konfisziert, und die Buchhändler prellen uns. Wir werden also das Geld als der Geschichte geopfert ansehen müssen,denn heraus kommt in Pfund, Schilling, Pence gewiß nichts dabei. Es fragt sich nun, ob wir diesen Betrag jetzt daran setzen können; ob es nicht besser wäre, die Geschichte auf einen bis anderthalb Bogen zusammenzudrängen, damit die Kosten unseren Kräften etwas angemessener werden? Dezember und Januar sind meine zwei schwersten Monate im Jahre; vor Februar kann ich schwerlich an weitere Zahlungen für die Kosten denken. Lassen wir auf Kredit drucken, so hält uns der Drucker am Ende, wie dem Weydemeyer, die Exemplare zurück, bis er bezahlt ist. Und unter allen Umständen müssen wir doch vorher sehen, welche Möglichkeit der Verbreitung da ist; bis jetzt sehe ich aber so gut wie gar keine.
Weerth wird morgen nach London kommen, er segelt am 2. Dezember von Southampton ab. Seine Ausstaffierung ist ihm sehr teuer zu stehen gekommen. Strohn reist auch dieser Tage nach London und von da nach dem Kontinent. Bei den vielen Reisespesen, die sein Etablissement (noch dazu, wie ich höre, mit fremdem Kapital) ihm macht, wird auch von ihm nichts zu erpressen sein. So sind wir alle fest.
Meine Meinung ist, wenn Du nicht ganz gute buchhändlerische Wege zur Verbreitung hast, so wird die Geschichte gar nicht einmal bekannt und geht vorüber, wie alle in der Emigration gedruckte Literatur, ohne daß man in Deutschland die Geschichte zu sehen bekommt. Und das ist sehr schlimm, in mancher Beziehung sogar schlimmer, als wenn gar nichts geschähe. Denn es bewiese öffentlich, daß wir auf die ausländischen deutschen Winkelpressen angewiesen sind und gar nichts ausrichten können. Von der mit dem Bürgersschen Rundschreiben verknüpften Blamage haben wir uns in unsere mysteriöse literarische Position zurückziehen können, aber auch diese kann durch ein solches Geständnis unserer literarischen Ohnmacht kompromittiert werden. Die preußische Regierung würde sich freuen zu sehen, daß wir auf die Mittel der Publizität reduziert sind, die den Demagogen von 1831 im Exil zu Gebote standen und fast gleich Null waren. Es ist schlimm, daß es so ist, aber ich glaube, wir tun besser, wennwirdies wenigstens nicht an die große Glocke hängen. Und nach der Rheinprovinz, wohin doch der Hauptabsatz wäre, bringen wir kein Exemplar, ohne hundert Leute zu kompromittieren, seitdem das neue Verbrechen der hochverräterischen Korrespondenz [unlesbar] von der Jury anerkannt ist.
Ich werde Dir das Geld am 1. oder 2. Dezember schicken, überlege Dir die Sache noch einmal, und wenn Du glaubst, doch die Broschürebesser auf diesem Wege als gar nicht zu drucken, so suche wenigstens solche Arrangements zu treffen, daß wir mit dem Zahlen nicht in Verlegenheit kommen, denn, wie gesagt, vor Februar kann ich mich zu nichts verpflichten. – –
Grüße Deine Frau und Kinder bestens. In etwas über zwei Wochen bin ich in London.
Dein F. E.
Manchester, Montag, 29. November 1852.
Lieber Marx!
Es ist mir über beiliegendem Artikel 1 Uhr nachts geworden, aber morgen früh 9 geht noch eine Post. Ich will das Experiment versuchen, ob Du ihn noch zur Zeit für den Steamer erhältst (Dienstag abend per ersten Mail nach Liverpool), wo nicht, mußt Du ihn per Freitagsteamer senden.
Morgen muß ich aus der Stadt, komme ich früh genug wieder, so schicke ich Dir Geld.
Erhalte ich bald einen Artikel über England für die Tribune? Ich kann jetzt wieder arbeiten.
Cobden scheint in seinen Ministerhoffnungen von Graham und Russell etwas enttäuscht worden zu sein, diese scheinen ihn kühl abfahren zu lassen, sonst kann ich mir seine Wut am Freitag nicht erklären. Seit 1844 hat der Kerl nicht so ingrimmig gesprochen.He is a disappointed demagogue again,[1]solange wie es dauert. Übrigens ist es gut, daß die Tories in der Majorität waren, nun kriegen wir doch Disraelis Budget zu hören. Hätte der Kerl mehr Kenntnisse und Verstand und weniger Schlauheit und Diebsgelüste, so wäre nichts leichter, als denfreetraderneinfreetradebudget[2]zurecht zu machen, wobei ihnen grün und rot vor den Augen wird. Wenn sich die Kerle nur halten, bis die Krise kommt! Wir sinddécidément im excitement,[3]obgleich auch dies noch sehrpiano, pianogeht. Aber einerlei, die sechs Seitenjoint-stock[4]-Annoncen der heutigen Daily News, woraufhin sie schon die Times auszustechen glaubt, und dazu die zirka fünfzig bis achtzig ausländischen Eisenbahnen-, Goldminen-, Dampfschiffs- usw. Gesellschaften werden ihre unvermeidliche Wirkung nicht verfehlen. Der Geschmack „nach mehr“ bleibt nicht aus. Glücklicherweise ist der einzige Umstand, der die Baumwollindustrieüberproduktionfrühzeitig unterbrechen konnte, beseitigt; die neue Ernte wird weit überdrei Millionen Ballen, die größte also, die je da war, und Baumwolle geht wieder herunter; an Rohstoff wird’s also nicht fehlen. Jetzt nächstes Jahr eine Mißernte in Korn, und wir werden einen schönen Tanz erleben. Ohne eine solche ist bei den anormalen Verhältnissen, den wie Pilze wachsenden australischen und kalifornischen Märkten, wo ein Individuum zirka viermal soviel konsumiert als anderswo, weil fast keine Weiber und Kinder da sind und viel Gold in den Städten verludert wird, bei dem neuen Markt, den Kalkuttaer Häuser jetzt schon in Birma exploitieren, bei der Ausdehnung des Handels von Bombay und Karatschi mit dem Nordosten von Indien und den Grenzländern (diese speziell ist sehr groß) usw., schwerlich zu sagen, ob es im nächsten Jahre schon zu etwas Dezisivem [Entscheidendem] kommt.
Dein F. E.
[1]Er ist wieder ein enttäuschter Demagoge.
[2]Freihandelsbudget.
[3]Entschieden in der Erregung.
[4]Aktiengesellschafts-.
28 Deanstreet, Soho, London, 3. Dezember 1852.
Lieber Frederic!
Du würdest schon lange Antwort auf den Brief (mit der Einlage des Aufsatzes für Dana) erhalten haben, wenn ich nicht doppelt beschäftigt und abgehalten gewesen wäre durch das Diktieren meiner Broschüre in Reinschrift und dann durch Besuche von Weerth, Strohn, Damm usw.
Die Broschüre wird aller Wahrscheinlichkeit nach in der Schweiz gedruckt bei Schabelitz junior, der sich von seinem Alten separiert und eine eigene Buchhandlung etabliert hat. Außerdem kann Cluß, wenn er die Produktionskosten damit herauszuschlagen meint, die Sache in Washington drucken lassen. Gedrucktmußdie Sache werden, schon um als öffentliches Dokument nach Ausbruch der Revolution vorhanden zu sein. Ich habe noch neue, sehr interessante Entdeckungen über das Komplott Cherval usw. gemacht, die Du hoffentlich gedruckt lesen wirst.
Weerth kam Sonntag abend, fand mich sehr beschäftigt und nicht ganz rosig gelaunt. Er fragte mich, „was ich denn eigentlich über die Kölner Geschichte schreiben wolle?“ – und dies zwar in etwas vornehm näselndem Tone. Ich fragte ihn, „was er in Westindien wolle?“, und nach Zeit von einer Viertelstunde verschwand er. Dienstag abend kam er wieder und sagte mir, er hätte eigentlich nicht wieder kommen wollen, habe aber dem Andringen Freiligraths nachgegeben. Ich habe ihm nämlich Sonntag sehr beschäftigt und verdrießlich geschienen. Ich nahm mir dieFreiheit, Herrn Weerth darauf aufmerksam zu machen, daß er neun Zehntel der Zeit, die ich ihn kenne, immer verdrießlich und malcontent war, was er von mir nicht behaupten werde. Nachdem ich ihm den Kopf etwas gewaschen, fand er sich wieder zurecht und wurde – wieder der alte Weerth. Ich finde, daß er verdammt verbürgert ist und seine Karriere zu sehr „au sérieux“[1]nimmt. Strohn ist wenigstens immer der alte undpas trop fin.[2]
Bonapartes Kaiserreichhonigmonate sind prächtig. Der Kerl hat immer auf Pump gelebt. Machen wir die Pumpanstalten in Frankreich so allgemein und allen Klassen der Franzosen so zugänglich als möglich – und alle Welt wird glauben, daß das Millennium herangekommen ist. Dazu direkt eine eigene Bank fürstockjobberyundrailwayhumbug.[3]Der Kerl bleibt sich immer gleich. Der Industrieritter und der Prätendent verleugnen keinen Augenblick einer den anderen. Wenn er nicht Krieg macht und bald macht, so geht er an den Finanzen kaputt. Gut ist’s, daß Proudhons Erlösungspläne sich in der einzigen Form realisieren, in der sie praktikabel sind – als Kreditschwindel und mehr oder minder direkte Prellerei.
Ich freue mich sehr auf Deine Ankunft hierher.
Dein K. Marx.
[1]Ernsthaft.
[2]Nicht zu fein.
[3]Aktienspekulationen und Eisenbahnschwindel.
28 Deanstreet, 14. Dezember 1852.
Lieber Engels!
Ich habe Dich während der ganzen Zeit mit Hämorrhoiden akkompagniert. Nur bleiben sie bei mir diesmal, da sie glücklicherweise in die magere Ruhezeit fielen, ohne die „perfide“ Entwicklung. Im Notfall mußt Du Blutigel anwenden.C’est le grand moyen.[1]Das Geld gestern vor acht Tagen erhalten.
Aus der folgenden Kopie eines Briefes von Schabelitz jr. siehst Du, wie es mit den „Enthüllungen über den Kölner Kommunistenprozeß“ steht:
Basel, 11. Dezember 1852.
„Lieber Marx!
Das Manuskript ist vorgestern unversehrt in meine Hände gekommen, und heute lese ich bereits den ersten Korrekturbogen. Die Broschüre wird aus ganz neuer Schrift splendid gesetzt und in 16ogedruckt. Die Korrektur werden wir bestmöglich besorgen. Das Ganze wird 70 bis80 Seiten im Drucke geben, und ich glaube, wir dürfen den Preis pro Exemplar auf 10 Silbergroschen festsetzen, da jedenfalls ein Teil der Auflage (2000 Exemplare) konfisziert werden dürfte. Die Hauptsendung werden wir in die Rheinprovinz machen. Ich bin überzeugt, daß die Broschüre ungeheures Aufsehen machen wird, denn sie ist ein Meisterwerk. Wir waren vier Personen, als wir das Manuskript durchlasen, und darunter zwei sehr kompetente, urteilsfähige Männer, und wir waren alle einstimmig in unserem Lobe. Allerdings ist der preußischen Regierung ein ‚Denkmal‘ dadurch gesetzt. – Mit herzlichem Gruße an die Partei Marx.
Ihr J. Schabelitz.“
Letzterer Witz bezieht sich darauf, daß ich einigermaßen fürchtete, Schabelitz würde Anstoß nehmen an der rüden Behandlung der Partei Willich-Schapper, zu der er selbstplus ou moins[2]gehörte.
Da Geheimhaltung die Hauptsache ist, da[mit] die Sache nicht gleich an der deutschen Grenze konfisziert wird, habe ich hier allgemein verbreitet, es erscheine eine Broschüre über die Kölner Angelegenheit in Amerika.
Um Dich in Deinem Hämorrh.-Zustand nicht zu belästigen, habe ich eine für Dana bestimmte Kritik des Budgets D’Israeli durch Piepertant bien que mal[3]übersetzen lassen und vorigen Freitag nach Amerika geschickt.
Entschuldige, wenn ich diesmal nicht mehr schreibe. Ich habe ein Kopfweh von allen zehn Teufeln.
Dein K. M.
[1]Das ist das große Mittel.
[2]Mehr oder weniger.
[3]So gut es geht [beziehungsweise schlecht und recht].
Fragment.
[Undatiert. Doch offenbar aus dem Jahre 1852.]
[Engels an Marx.]
Hast Du die Statistik des Factory Inspektor Horner über die Zunahme der Baumwollindustrie in der gestrigen Times oder vorgestrigen Daily News gesehen?
Oktober 1850 bis Oktober 1851 –