Chapter 14

Fig. 105. Vergoldepresse von Mansfeld in Leipzig.

Fig. 105. Vergoldepresse von Mansfeld in Leipzig.

Kommt Gold- und Farbendruck zusammen auf einer Decke zur Anwendung, so wird erst das Gold, dann die Farbe gedruckt. DieFarben werden kalt gedruckt, beim Golddruck wird der Tiegel in der schon oben erwähnten Weise heiß gemacht. Statt der Bolzen kann man auch Gas oder überhitzten Dampf zu diesem Zwecke benutzen.

Die Grundierung der Decke ist bei der Preßvergoldung wesentlich einfacher als bei der Handvergoldung. Sowohl für Kaliko wie für Leder überfährt man die ganze Fläche mit verdünntem Eiweiß (halb Eiweiß, halb Essig oder Lagerbier); nur bei feinen Lederbänden werden die zu vergoldenden Stellen ausgepinselt. Das Gold wird mit Öl aufgetragen.

Kaliko erfordert einen schärferen Druck als Leder; die Hebelpresse wird demgemäß mit einer daran befindlichen Vorrichtung schärfer eingestellt, ebenso verlangt Kaliko einen größeren Hitzegrad als Leder.

Samt, der freilich nur noch selten vergoldet wird, muß vorerst sehr heiß vorgedruckt werden, damit die Haare wie niedergebrannt erscheinen; dann wird mit der abgekühlten Presse das Gold aufgedruckt. Als Grundiermittel dientVergoldepulver, das aus zwei Teilen Kopal und einem Teil Dammarharz oder aus ostindischem Kopal und weißem Schellack zu gleichen Teilen — alles fein pulverisiert — besteht. Das Pulver wird mit einer Büchse aufgestäubt, die an Stelle des Bodens mit dünnem Webstoff (Gaze) überspannt ist. Wenn Samtmit der Handvergoldet werden soll, wird das Gold mit den Stempeln, Fileten etc. aufgenommen; der Hitzegrad darf etwas höher sein, als bei der Eiweißvergoldung; es muß aber etwas langsamer gedruckt werden. Statt mit Pulver kann man auch mit Eiweiß grundieren, doch muß in diesem Falle der Vordruck erst mit gewöhnlichem Lack ausgepinselt werden und ganz trocken geworden sein, ehe man mit Eiweiß nachpinselt. Beim Pressendruck wird die oben ausziehbare Platte des Pressenkopfes mit der angeklebten Druckplatte über Gas oder Spiritus stark erwärmt. Während des Erwärmens wird Gold auf die Platte aufgetragen, dann die Ausziehplatte wieder in die Presse geschoben, die eingestäubte Decke auf den Schlitten aufgenadelt, dieser ebenfalls eingeschoben und nun die Presse zugedrückt. Die Decke wird nicht eher aus der Presse genommen, bis die Platte völlig erkaltet ist. Gewöhnlich bringt man auf den ersten Goldauftrag sofort einen zweiten aus Blattmetall (unechtes Gold), das dann beim Druck unter dem ersten Golde liegt. Auf diese Weise wird der Glanz der Vergoldung wesentlich erhöht.

Bei der Verzierung der Lederdecke spielt auch die Farbe derselben eine Rolle, zumal wenn das Ornament selbst farbig behandelt wird. Heutzutage ist das Leder in den verschiedensten Farben käuflich, ebenso wie der Kaliko. In früheren Zeiten färbte der Buchbinder das Leder (Kalb- oder Schafleder) selbst, das er in lohgaremZustande vom Händler bezog. Außer der einfachenFärbunggab man dem Leder auch wohl ein buntes Aussehen durchMarmorierung. Sämtliche Farben: Schwarz, Braun in verschiedenen Tönen, Rot, seltener Blau und Violett, wurden durch Beizen hervorgebracht. FürSchwarzdiente Eisenschwärze, auch Eisenfeile, die man längere Zeit in Bier stehen ließ und darin kochte, fürBraunPottaschenwasser oder eine leichte Lösung von Ätzkali oder Ätznatron, fürRotein Auszug aus Fernambukholz oder Alkannawurzel, mit Kochenille zusammengekocht; durch einen Zusatz von Zinnsalzlösung erhielt die Farbe ein lebhafteres Aussehen. ZurBlaufärbung nahm man Blauholz oder Indigokarmin. Die Beize wurde auf das ausgespannte Fell, nachdem es ausgewaschen, gekleistert und wieder getrocknet war, mit einem Schwamme oder Hasenfuß aufgetragen. Das Marmorieren wurde durch Aufsprengen von Beizen und Farben mittelst eines kleinen Reiswurzelbesens bewerkstelligt. Zuerst wurden die Farben auf das dunkel gefärbte Leder aufgesprengt, dann die zur Entfärbung einzelner Stellen dienenden stark verdünnten Beizen, aus Scheidewasser, Salz- oder Zitronensäure bestehend. Das Durcheinanderlaufen der Farben wurde auch dadurch bewirkt, daß das beim Aufsprengen flach liegende Fell hinterher nach einer Seite geneigt wurde, so daß die verschiedenen Flüssigkeiten in kleinen Rinnsalen ab- und zusammenliefen. Man erzielte dadurch eigentümlich abschattierte Adern; der Grund wurde vorher mit reinem Wasser oder einer Galläpfelabkochung besprengt. Auch das bereits fertig mit Leder überzogene Buch verstand man auf diese Weise zu marmorieren; indem man die Deckel ein wenig nach innen bog, das Buch dabei schräg nach unten neigte, liefen die Adern nach der Mitte zu zusammen und es entstand der sog.Baummarmor.

Das Marmorieren des Leders ist jetzt fast nur noch in England üblich. Zur Vergoldung auf marmoriertem Grunde bedient man sich nur weniger Linien und Stempel von kräftigen Formen, da zierliches und reiches Ornament auf buntem Grunde nicht gut wirkt.

Andere Arten der Ledermarmorierung seien hier noch kurz angemerkt. Der Marmor mit rotem Grunde hießFeuermarmor, eine durch Tupfen mit dem Schwamme hergestellte ArtSchwammmarmor;Kalkmarmorwurde durch Aufsprengen von dünnem Kalkwasser statt reinen Wassers hergestellt.

Wie die ganze Decke marmorierte man auch wohl nur Teile derselben, indem man die übrige Fläche durch Überkleben zudeckte. Auch wurden mit der Reißfeder vollständige Liniaturen ausgeführt, zwischen denen sich Vergoldungen recht gut ausnahmen.

Nachträglich sind noch einige Bemerkungen über die Behandlung desPergamentes(vergl.S. 124) und desSamts(vergl.S. 151) zu machen.

Pergament, gleichviel ob Schaf- oder Kalbspergament, wird vor dem Überziehen mit reinem Papier gefüttert (zum Aufkleben ist Kleister zu verwenden) und zum Trocknen zwischen Pappen gelegt. Der so vorbereitete Überzug wird auf den Buchkörper aufgepaßt und an der Stelle, wohin die Fälze kommen, ein Bruch und in Falzbreite daneben, nach der Deckelseite zu, ein zweiter Bruch gemacht, ähnlich wie dies bei dem sog. gebrochenen Rücken (vergl.S. 92) zu geschehen pflegt. Das so vorbereitete Pergament wird dann mit Leim angeschmiert und über den Band gezogen.

Samtkann man auf zweierlei Weise verarbeiten. Entweder wird der Pappdeckel mit Leim angeschmiert, der Samt darüber gezogen und der Einschlag besonders mit Leim angeschmiert, oder der zugeschnittene Samt wird mit nicht zu dünnem Kleister angeschmiert und in gewöhnlicher Weise behandelt. Die Behandlung des Buchkörpers ist die gleiche wie beim Halbfranzbande. Samtbände nehmen sich stets am besten aus, wenn sie, sofern nicht Stickerei in Frage kommt, nur durch silbernes oder vergoldetes Beschläge verziert werden.


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