Randverzierung von einem arabisch-ägyptischen Bande.3. Weitere Behandlung vor dem Heften.
Randverzierung von einem arabisch-ägyptischen Bande.
Randverzierung von einem arabisch-ägyptischen Bande.
Karten, Tafeln, durchgehende Bilder, Atlanten. — Zusammentragen, Kollationieren. — Schlagen, Walzen. — Liniaturen. — Alte Bücher, Ausflicken und Reinigen.
Außer den Textbogen enthalten bekanntlich viele Bücher auch noch Bilder, Tafeln, Karten und dergleichen Zugaben, die man schlechtweg alsKupferbezeichnet, gleichviel ob es sich um wirkliche Kupferstiche oder um auf andere Art hergestellte Blätter handelt.
Diese Kupfer erfordern ihre besondere Behandlung, bevor das Buch zum Heften vorbereitet ist.
Die einzelnen Kupfer werden zunächst passend geschnitten und, wenn sie ihren Platz im Text haben sollen, im Rücken schmal eingeklebt. Ist das Papier sehr kräftig, so werden sie vorher an einen festen Papierfalz angehängt, der dann in den Rücken eingefügt wird. Bilder am Anfang und Ende eines Buches sollen nie angeklebt, sondern bei gewöhnlichen Banden »umgehängt«, bei feineren Bänden in einer besonderen Weise mit der ersten Lage verbunden werden, von der später die Rede sein wird. Doch sehen wir uns zuerst die Tafeln selbst an. Nach Form und Aussehen verschieden, lassen sie sich in folgende Arten einteilen, in Tafeln miteinfachenrechteckigen Bildern inHochformat, mit desgleichen inQuerformat, mit Bildern indoppelterBreite, sogenannten durchgehenden Bildern, mit BildernunregelmäßigerForm (anatom. Darstellungen, Maschinen etc.), mit Bildern, Karten oder anderen Darstellungen, welcheüber das Formatdes Buches hinausgehen und diesem erst angepaßt werden müssen.
Einfache Tafeln in Hoch- oder in Querformat werden dem Texte so angepaßt, daß die Ränder des beschnittenen Buches genau parallel mit den Rändern des Bildes laufen, jedoch mit der Maßgabe, daß der Raum im Rücken, also der innere weiße Steg (Rand) etwa um ⅓ weniger breit ist als der äußere, der obere ebenfalls etwa um⅓ weniger breit als der untere.[1]Zu diesem Zwecke ist es notwendig, die Höhe und die Breite des Textes je auf einen Streifen Papier zu übertragen; hat man viele Karten in ähnlicher Größe, so ist ein Streifen Karton oder ein dünnes hölzernes Lineal dazu sehr geeignet. Diesen Maßen entsprechend werden die Karten auf Größe abgerichtet. Man berechnet genau, wie breit später das Buch beschnitten werden muß, überträgt rechts und links vom Breitenmaß, oberhalb und unterhalb vom Höhenmaß die Breite des weißen Randes ebenfalls auf den Maßstab, so daß in dieser Weise jetzt die genaue Höhe und Breite des Bildes festgestellt ist mit den Vormerkungen für die Textgröße im Werke. Diesem Maße entsprechend wird das Bildabgestochen,d. h.abgemessen und das Maß mit einer Zirkel- oder Messerspitze angedeutet. Zu diesem Zwecke legt man den Maßstreifen mitten quer, bezw. auch in der Höhe quer über das Bild. Am Rücken wird das Maß zweimal übertragen, einmal oben und einmal unten und diesem entsprechend das Bild abgeschnitten; oben genügteineMarke, die Tafel wird hier einfach winkelig geschnitten; vorn und unten läßt man die Ränder stehen, da das Kupfer beim Beschneiden des ganzen Buches mitbeschnitten wird. Bei Hochformat ist die Lage, in der das Bild ins Buch kommt, von selbst gegeben, bei Querformat muß der untere Rand nach dem Schnitt, der obere nach dem Rücken zu gerichtet werden. Ebenso pflegt man, abgesehen von dem Titelkupfer, jedes Bild in das Buchrectoeinzufügen,d. h.es deckt im aufgeschlagenen Buche dierechteSeite.
Haben die Bilder doppelte Breite, also die Größe des aufgeschlagenen Buches, so werden sie dem Rande gemäß genau in der Mitte zusammengefalzt und nur oben auf Größe abgestochen; sie erhalten einen Papierfalz, mit dem sie in den Rücken eingefügt werden.
Am unbequemsten ist die Behandlung solcher Beigaben, welche wesentlich größer sind als das Format des Buches, und es lassen sich nicht einmal genaue Regeln für jeden einzelnen Fall vorschreiben. Nur vier Punkte sind es, die unter allen Umständen beachtet werden müssen. Erstlich darf der Spiegel der zusammengebrochenen Karte, bez. Zeichnung und Schrift beim Beschneiden nirgends vom Schnitt getroffen werden; zweitens sollen nie mehr Brüche gemacht werden, als unumgänglich nötig sind; drittens soll die durch das Zusammenbrechen gebildete Lage überall möglichst gleichdick sein; viertens soll in dem beschnittenen Buche von einer zusammengefalteten Beigabe möglichst wenig am Rande bemerkbar sein. Es erhellt hieraus, wie schwierig es ist, große Karten auf Buchgröße abzurichten, ohne daß beim Beschneiden ein Unglück passiert. Zum Glück bemühen sich die Verleger heutzutage um des besseren Aussehens willen alle Beigaben zu dem Texte so einzurichten, daß sie sich dem Formate des Buches bequem anschließen.
Eine Tafel, die in der Höhe oder in der Breite nur wenig über das Format hinausgeht, wird an dem unteren Ende, oder an der Vorderseite nur so viel eingeschlagen, als nötig ist, um beim Beschneiden nicht getroffen zu werden. Steht eine Karte nach beiden Richtungen über, so wird erst der untere Teil umbrochen, dann der seitliche; selbstverständlich müssen die beiden Brüche genau rechtwinkelig gemacht werden. Ist die Breite der Karte derart, daß ein einmaliges Zusammenbrechen noch nicht genügt, so muß sie so oft hin und wieder,d. h.einmal von rechts nach links, das nächste Mal von links nach rechts gebrochen werden, bis das Format erreicht ist. Schließlich bleibt dann mitunter noch ein Rest über, der nicht mehr die ganze Breite des Formates einnimmt; es ist deshalb gut, vorher den Zirkel zu nehmen und Höhe wie Breite einzuteilen, damit man möglichst glatt und gut auskommt. Jede derartige Beigabe wird, damit sie sich gut herauslegt und doch im Rücken genügende Befestigung findet,an einen Falz gehängt. Zuvor schneidet man an der Seite, welche in den Rücken eingeklebt wird, den Rand so aus, daß ein Streifen stehen bleibt, der nicht ganz die Länge der Formathöhe hat. Karten, die etwa die dreifache Höhe des Formates haben, werden von oben nach unten, dann von unten nach oben gebrochen, während am mittleren Teile der Falz zum Anhängen stehen bleibt. Das schließt jedoch nicht aus, daß die Tafel auch am oberen Ende angehängt werden kann; in diesem Falle bricht man die 2 unteren Teile nach oben, und zwar den mittleren zu-, den unteren aufklappend.
Nachstehende Schemata werden das Gesagte noch deutlicher machen.
a. Vierteilig gebrochene Tafel.b. Sechsteilig gebrochene Tafel.
a. Vierteilig gebrochene Tafel.
a. Vierteilig gebrochene Tafel.
b. Sechsteilig gebrochene Tafel.
b. Sechsteilig gebrochene Tafel.
c. Zwölfteilig gebrochene Tafel mitdem Falz am oberen Bruchstück.d. Zwölfteilig gebrochene Tafel mitdem Falz am mittleren Bruchstück.
c. Zwölfteilig gebrochene Tafel mitdem Falz am oberen Bruchstück.
c. Zwölfteilig gebrochene Tafel mitdem Falz am oberen Bruchstück.
d. Zwölfteilig gebrochene Tafel mitdem Falz am mittleren Bruchstück.
d. Zwölfteilig gebrochene Tafel mitdem Falz am mittleren Bruchstück.
Da die so zusammengebrochenen Karten das Buch in der Mitte aufbauschen würden, wenn sie im Rücken lediglich mit einem Falz in Papierstärke befestigt würden, so muß diesem Übelstande durch das Einheften blinder oderFüllfälzeabgeholfen werden; man versteht darunter Papierstreifen, die, in der Länge einmal zusammengebrochen, bis zur Gesamtstärke der Karte ineinander gesteckt und als besondere Lage mit eingeheftet werden.
Kommt in einem Werke eine einzelne Tafel vor, welche auf ein Papier gedruckt ist, das nicht stärker als die übrigen Blätter aufträgt, so wird sie im Rücken ohne Falz angeklebt. Bei Doppeltafeln muß immer ein Falz zur Vermittelung dienen; nur die sogenannten durchgehenden Bilder in Illustrationswerken und Zeitschriften machen eine Ausnahme. Diese Bilder, die allemal auf das mittlere Doppelblatt des Bogens, den inneren Steg mitbedeckend, gedruckt sind, werden nachdem der Bogen gefalzt ist, herausgeschnitten indem man mit einem scharfen Messer die Brüche aufschlitzt. Den durch die Mitte des Bildes gehenden Bruch schmiert man alsdann äußerlich ganz schmal mit Kleister an und klebt so das Bild in den Bogen selbst ohne Falz ein, muß dabei jedoch um etwa 3–4 mm zurückrücken, damit erstlich sich die beiden Teile des Bildes beim Öffnen des Buches frei auflegen und damit zweitens das Bild beim Heften nicht von der Heftnadel getroffen wird.
Bücher mit lauter durchgehenden Karten haben wir in den Atlanten, die deshalb eine ganz aufmerksame Behandlung beim Binden erfordern, weil die Fälze im Rücken genau den durch die Karten bestimmten Raum ausfüllen müssen, damit das Buch eine gefällige Form erhält. Zu diesem Zwecke gibt es zwei Wege: entweder werden je 2 und 2 Karten im Rücken mit Fälzen aneinander gehängt und die entsprechenden Füllfälze eingelegt oder jede Karte wird an einen Falz angehängt, der so oft zusammengebrochen wird, wie nötig, um die Dicke der Karte zu erreichen. Dieser Weg ist der üblichere,da er beim Heften besondere Vorteile bietet. Über diese Arbeit ist noch einiges zu sagen. Die Fälze, 3 cm breit, werden aus einem Papier geschnitten, das so dick ist als das der Karten, aber möglichst fest. Besser noch ist es, wenn man Papier auf Leinwand zieht und es dann zu Fälzen verschneidet. Will man nach der zuerst genannten Art arbeiten, also mit je zwei Karten an einem Falz, so bricht man die Fälze in der Mitte der Länge nach zusammen, hängt an jedes Teil eine Karte so an, daß der Falz an der Rückseite der gebrochenen Karte klebt, und legt einen ebenfalls zusammengebrochenen schmäleren Falz ein, der nur so breit ist, daß er den Raum zwischen den Karten wohl füllt, doch die Karte selbst nicht mehr berührt. Im anderen Falle wird an jede Karte rückwärts ein Falz angehängt, der Falz bis an die Karte heran einmal, dann noch einmal zusammengebrochen, so daß er vierfach liegt, ein Teil aber um so viel breiter ist, als zum Ankleben der Karte nötig ist, wiedie beigegebene Figurzeigt; bei A wurde die Karte angeklebt.
Ankleben der Karte
In allen Fällen, wo im Rücken Fälze eingeklebt sind, wo also eine Verdoppelung des Papieres statt hat, muß der ganze Falz, soweit er eben aufträgt, mit dem Hammer niedergeklopft werden. Mit aller Vorsicht, ein Schlag dicht neben den anderen gesetzt, werden die einzelnen Lagen — nie stärker als etwa 3 mm — auf einem Stein oder einer eisernen Platte gut niedergeklopft. Die Blätter dürfen indes nicht mehr naß sein, während anderseits auch ein völliges Austrocknen nicht erwünscht ist. Zweckmäßig ist es, die Tafeln lagenweise mit dazwischen gelegten Blechen einzupressen.
In neuerer Zeit hat man auch dieses Verfahren noch vereinfacht. Man schneidet, genau in der Dicke der zu verarbeitenden Karten oder Tafeln, Streifen, je nach der Größe des Formates ½ bis 2 cm breit. Außerdem schneidet man, je nach der Stärke der Tafel, Papier- oder Leinwandfälze von ähnlicher Farbe, doppelt so breit als diese Einlagestreifen, und noch um so viel breiter, wie für das Anhängen der Karten notwendig ist. Der Stoff- oder Papierstreifen wird ganz angeschmiert, zwei Einlagestreifen nebeneinander in der Mitte, daran anstoßend die Karte aufgeklebt. Auf diese Weise legen sich die Tafeln sehr gut auf und der Band erhält die größte Haltbarkeit.
Wir haben noch einer Art der Behandlung des Buches im Rohzustande zu gedenken, die überall, wenn auch nicht gerade häufig vorkommt: das ist dasDurchschießendes Buches mit Papier, das zu Bemerkungen, Zusätzenu. s. w.dienen soll. Zunächst istdabei für ein Papier zu sorgen, das dem des Werkes in der Farbe, besonders aber in Bezug auf das Format möglichst nahe kommt oder das sich beim Zerschneiden gut auf das Format einteilen läßt.
Das Papier wird in Doppelblätter zerschnitten; außerdem wird für jede Bogenmitte ein einzelnes Blatt gebraucht, das in derselben anzukleben ist. Sind alle Bogen mit dem innersten Blatt versehen, so beginnt das Einstecken der weißen Doppelblätter. Diese selbst müssen in der Mitte zusammengebrochen und danach wieder offengelegt werden; es kann dies in Lagen bis zu 6 Bogen geschehen, wobei der Bruch möglichst scharf niederzustreichen ist. Nun legt man die beiden offengelegten Lagensorten, Druck- und Durchschußpapier, vor sich auf den Tisch, Druck rechts, Papier links, und steckt das zusammengeschlagene innerste Blatt des Druckbogens in ein weißes Blatt, dieses in ein Blatt Druck und wechselt mit Druck- und weißem Papier ab, bis man das äußerste Blatt des Druckes außen um die Lage schlägt. Je einer um den anderen Bogen erhält dann noch ein weißes Blatt als äußeren Umschlag, damit auch zwischen den einzelnen Bogen sich Durchschußblätter befinden. Dies Verfahren ist dasselbe bei allen Formaten. Man achte nur besonders darauf, daß man nichts durcheinander bringt, damit der Bogenzusammenhang nicht zerstört oder die Bogen selbst durcheinander geworfen werden.
Bei dieser Gelegenheit wollen wir nachholen, was schon früher zu besprechen gewesen wäre, wenn wir den genauen Geschäftsgang eingehalten hätten. Ehe die einzelnen gefalzten Bogen eines Buches zum Heften gegeben werden, hat man sich zu überzeugen, daß alle Bogen in der richtigen Reihenfolge zusammenliegen,d. h.das Buch wirdkollationiert. Dem Kollationieren voraus geht dasZusammentragender Bogen, sofern eine Auflage oder ein Teil einer Auflage in rohem Zustande, jeder Bogen in einer bestimmten Anzahl, von der Druckerei geliefert und es dem Buchbinder überlassen wird, die Bogen zu Exemplaren zusammenzutragen. Das Zusammentragen wird erst vorgenommen, nachdem die Bogen gefalzt und auch anderweitig zum Heften vorbereitet sind. Man bildet dann Stöße von je 50 Bogen und setzt dieselben in der Reihenfolge der Signatur auf einem Tische nebeneinander.
Das Zusammentragen findet nun statt, indem man an dem Stoße mit den letzten Bogen beginnt und mit den mittleren Fingern der rechten Hand den obersten Bogen vom Stoß abzieht; die linke Hand nimmt denselben als untersten auf, dann folgt der nächste (vorletzte) Bogen, bis der erste Bogen mit dem Titel als oberster den Beschluß macht. Das fertig zusammengetragene Buch wird nun gleichgestoßen und gewöhnlich sofort von einem zweiten Arbeiter auf die Richtigkeit der Bogenfolge und der Vollständigkeit hin geprüft oder, wie der technische Ausdruck lautet, kollationiert.
Zum Zweck des Zusammentragens hat man in größeren Werkstätten einen drehbaren, runden Tisch, der mittelst einer Triebkraft bewegt wird, und auf dem dann die Bogen aufgeschichtet werden; diese Einrichtung hat sehr wesentliche Vorteile, da der Arbeiter auf seinem Platze stehen bleiben kann, so daß er weniger ermüdet wird, während anderseits eine größere Anzahl Arbeiter, die den Tisch umstehen, sich an der Arbeit beteiligen können.
Beim Kollationieren werden die zusammengetragenen Bogen von der rechten Hand am oberen Rande erfaßt. Die linke Hand läßt dann, das Buch unten am Rücken fassend, Bogen für Bogen unter dem Daumen her weggleiten, während das Auge die Reihenfolge sowie die richtige Stellung der Bogenzahlen (Signaturen) beobachtet (Fig. 9). Der Handgriff des Abgleitenlassens der Bogen wird dadurch sehr erleichtert, daß man den ganzen Pack etwas nach hinten biegt und dadurch die vorderen Bogen in eine gewisse Spannung bringt, wodurch sie kräftig Bogen für Bogen zurückschnellen.
Fig. 9. Das Kollationieren.
Fig. 9. Das Kollationieren.
Bei aufgeschnittenen Werken und in allen Fällen, wo die Befürchtung vorliegt, daß die einzelnen Bogen durcheinander gekommen sind, genügt es selbstverständlich nicht, nur die Bogen zu kollationieren. Solche Werke müssen Blatt für Blatt nach den Seitenzahlen durchgesehen werden. Dies geschieht am besten mit Hilfe einer Nadel oder der Spitze eines Messers, mit der man die Blätter hebt, während die Fingerspitzen der linken Hand Blatt für Blatt aufgreifen. Das Buch wird dabei flach auf den Tisch und die linke Hand mit dem Ballen mitten darauf gelegt, so daß die Fingerspitzen für die ihnen zugedachte Arbeit frei sind.
Wir sprachen bereits oben vomSchlagender ungefalzten Bogen. Nachdem diese zu Exemplaren zusammengetragen sind, wiederholt sich das Schlagen; es handelt sich aber um eine wesentlich genauere und stärker wirkende Arbeit. Zunächst müssen die Bände in entsprechend starke Lagen zu etwa 20 Bogen abgeteilt werden. Man zählt die Bogen indes nicht ab, sondern greift den Stoß nach dem Gefühl. Will man eine sehr starke Wirkung erzielen, was bei älteren Druckwerken nötig ist, so schlägt man das Buch wiederholt durch, indem man den zu unterst liegenden Bogen nach jedem Schlage obenauf legt und so oft von neuem schlägt, bis der erste Bogen wieder die ursprüngliche Stelle in der Lage eingenommen hat. Da durch das vielfache Umlegen derBogen und das Angreifen mit den Händen dieSchlaglageleicht schmutzig oder unansehnlich wird, muß auf dem Steine eine Unterlage, ein kräftiges Stück Papier, noch besser ein sauberer Glanzdeckel vorhanden sein. Dem Buche selbst legt man oben und unten je einen Bogen Makulatur vor, der das Werk selbst vor Schmutzflecken schützt. Die Linke hält, dreht und wendet das Buch, während die Rechte den Hammer handhabt.
Beim Schlagen ist noch zu beobachten, daß die Schläge zunächst auf den Rändern und dann nach der Mitte zu fallen, und zwar ist am Rande der Schlag stärker zu führen als in der Mitte. Wird die Mitte zu stark getroffen, so bilden sich leicht Falten, die kreuz und quer nach der Mitte zu verlaufen, wie man dies bei alten, auf geschöpftem Papier von ungleicher Stärke gedruckten Werken häufig bemerkt. Der Handwerksausdruck für diesen Fehler ist: das Buch schneidet Gesichter.
Den Hammer führt man am besten, wenn man ihn so weit hebt, daß er nahezu senkrecht über dem Kopf steht, und nicht im Bogen, sondern senkrecht nach dem Stein zu hinabfallen läßt, wobei die Hand den Hammerstiel so dreht, daß die Bahn des Hammerkopfes flach auf das Papier aufschlägt. Es wird auf diese Weise ein wesentlich kräftigerer Schlag bewirkt, als durch das einfache Niederschlagen. Ist das Buch mehrere Male gehörig geschlagen, so stößt man es wieder glatt, was während des Schlagens auch öfter zu geschehen hat, und fühlt zwischen den Fingern der rechten Hand den ganzen Rand ab, um sich zu vergewissern, daß auch alles glatt, gleichmäßig und eben ist; anderenfalls muß durch wiederholtes Schlagen nachgeholfen werden. Nach dem Schlagen wird das Buch fest eingepreßt.
Leichter ist die Arbeit desWalzens. Hier erfolgt das kräftige Zusammenpressen der Bogen nicht mittelst des Hammers, sondern indem man Lagen von 8 bis 12 Bogen zwischen den beiden Cylindern eines Kalanders durchgehen läßt. Es ist zweckmäßig, dabei die Lagen vorher abzuzählen und in der natürlichen Reihenfolge etwas verschränkt übereinander zu legen. Während nun der Kalander in Bewegung gesetzt wird, legt ein Arbeiter zwischen je zwei Zinkbleche eine geradegestoßene Lage und schiebt diese zwischen die Walzen. Bevor die erste Lage die Walze verlassen hat, muß die zweite zum Einschieben schon fertig sein. Es ist ratsam, die Walzlagen ein wenig schräg einzustecken, dabei abwechselnd je eine mehr nach rechts, die andere mehr nach links, um womöglich die ganze Walzenlänge in Anspruch zu nehmen. Wollte man die Lagen parallel mit dem Schnitt einsetzen, so würden die Walzen nicht so glatt greifen, als wenn sie nur eine Ecke zu fassen haben. Sehr zu beachten ist bei diesem Verfahren, daß der Druck der Walzen nicht zu scharf ausfällt. Es ist daher gut, sobald die erste Lage durchgezogen ist, die Wirkung zu prüfen und die Walzenstellung in angemessener Weise zu regulieren. Namentlich ist bei frisch gedruckten Werken größte Vorsicht erforderlich, weil die frische Farbe »abzieht« und bei sehr scharfer Pressung sogar das Zusammenkleben der einzelnen Blätter herbeiführen würde.
Es wird vielfach behauptet, daß ein gewalztes Buch sich auf die Dauer nicht so gut halte wie ein mit der Hand geschlagenes. Das ist ein Irrtum, der darin seinen Grund hat, daß schlecht gewalzte Bücher allerdings weniger gut ausfallen als gut geschlagene. Es kommt eben alles auf die sorgliche Benutzung der Maschine an.
Je besser und fester ein Band geschlagen oder gewalzt ist, desto dauerhafter wird er nachher sein und eine desto bessere Form wird er erhalten und behalten. Gleichwohl dürfen nicht alle Werke in dieser Weise behandelt werden. Bei Bänden, welche Kupfer enthalten, müssen diese vor dem Schlagen oder Walzen herausgelegt, bez. erst nach dem Schlagen eingefügt werden. Bei Werken, die ganz frisch aus der Druckpresse gekommen sind, ist es ratsam, die Bogen mit alter Makulatur zu durchschießen oder sie erst nachtrocknen zu lassen.
Bisher ist nur auf gedruckte Bücher Rücksicht genommen worden. Es ist aber der Vollständigkeit halber erforderlich, auch der fürSchreibzweckedienenden, mit Liniaturen und sonstigem Vordruck versehenen Bücher (Handlungsbücher, Notizbücher etc.) zu gedenken.
Früher war es notwendig, die liniierten Bogen einzeln zu falzen, und dann in entsprechender Anzahl zu Lagen ineinander zu stecken. Heute, wo die vervollkommneten Druck- und Liniiermaschinen mathematisch genaue Formulare liefern, kann in den meisten Fällen lagenweise gefalzt werden. Ausgeschlossen sind dabei die mit sogenanntendurchgehendenLiniaturen versehenen Bogen, bei denen Linie auf Linie genau passen muß. Aber auch hier ist die Arbeit eine wesentlich leichtere als früher. Werden die Bogen einzeln gefalzt, so gilt die sogenannte Kopflinie als Richtschnur; die Bogen werden zusammengeschlagen, Kopf auf Kopf genau gerichtet, und der Bruch niedergestrichen. Sodann steckt man die Bogen so ineinander, daß sie am oberen Rande genau in einer Fläche stehen. Ist die Liniatur auf halbe oder Viertel-Bogen eingerichtet, so wird das Papier vorher auseinandergeschnitten. Es sei noch bemerkt, daß man, wenn man genötigt ist, die Bogen einzeln einzustecken, dafür sorgen muß, daß die Bogen recht fest im Rücken ineinander stecken, da sonst die geheftete Lage in ihren einzelnen Teilen beim Gebrauch bald lose werden würde. Das beste Mittel dagegen ist, daß man jede Lage nach dem Einstecken im Rücken mit dem Falzbein, besser mit einem dünnen, hölzernen Lineal fest einklopft. Dazu hält die Linke die etwas geöffnete Lage in der hohlen Hand, während die Rechte mit Falzbein oder Lineal im Rücken klopft.
Nachdem die Lagen durch Einstecken gebildet worden sind, werden sie sämtlich geradegestoßen, mit dem Rücken an die vordereTischkante gelegt und jede einzeln mit dem Falzbein im Bruch kräftig nochmals hin und her niedergestrichen, wobei man sämtliche Lagen mit dem Daumen der linken Hand etwas hebt und jede einzeln abschnellen läßt. Nach dem Falzen wird das Ganze einige Zeit eingepresst. Überdrucktes oder nicht liniiertes Schreibpapier wird in derselben Weise behandelt, nur richtet man sich beim Zusammenbrechen der Lage nach den Rändern.
Es erübrigt noch, des Falles zu gedenken, in welchem es sich um das Einbinden von bereitsgeheftetenoder um das Umbinden vongebundenen, schon im Gebrauch gewesenenBüchern handelt. Bei den letztgenannten muß, nachdem die Decke abgerissen worden, zunächst am Rücken der alte Klebstoff entfernt werden, was am besten durch Überstreichen mit heißem Wasser oder durch Auftrag einer dichten Lage Kleister geschieht. Nachdem die Feuchtigkeit einige Zeit eingewirkt hat, wird das überklebte Papier, Leder oder Stoff, abgelöst, der Leim so gut als möglich mit einem stumpfen Messer abgekratzt und die Bogen ihrem Zusammenhange nach einzeln abgelöst. Dies geschieht am besten, indem man die Fadenlagen über den Bünden mit dem Messer zerschneidet; man hat dann später nur nötig, die Fäden im Inneren des Buches zu entfernen, um den Bogen gut abheben zu können.
Ein Übelstand, der beim Ausreißen gehefteter oder gebundener Bücher aus der Schale sich oft einstellt, ist das Durchreißen eines Stiches, wenn der Zwirn vorher nicht entfernt wurde, und bei der heutzutage angewendeten Drahtheftung tritt dieser Fehler noch häufiger als früher auf. Ist der durch alle Blätter gleichzeitig und an derselben Stelle gehende Riß nur kurz, so läßt man, sofern nicht Blattteile mitweggerissen sind, den Schaden unberücksichtigt; der später eindringende Leim hält die Bogenteile schon zusammen. Ist aber eine Lage fast der ganzen Länge nach aufgerissen, so muß eine Vereinigung der getrennten Blätter stattfinden. Man schneidet zu dem Ende die einzelnen Blätter im Rücken glatt und hängt sie mit schmalen Papierstreifchen zusammen. Nach dem Trocknen werden die Blätter im Rücken wieder zusammengebrochen, ihrer Reihenfolge nach ineinander gesteckt und im Rücken mit dem Hammer etwas niedergeklopft.
Ist ein Band im Rücken so zerstört, daß er in fast lauter einzelne Blätter auseinanderfällt, so muß man die zusammengehörigen Blätter einzeln zusammenflicken, im Rücken und oben gerade und winkelig schneiden und zu Bogen formiert zusammenheften. Je soviel Blätter, als zu einem Bogen gehören, werden dabei im Rücken geradegestoßen und ganz knapp mit einer feinen Nadel und feinem weißen Zwirn überwendlings umstochen. Die Stiche sollen dabei nicht über einen Centimeter voneinander stehen. Dieses Umstechen darf später im fertigen Buche nicht zu sehen sein und daher nur 1½ bis 2 mmbreit ins Buch hereingreifen; es darf auch kein einzelnes Blatt zurückstehen. Die gehefteten Lagen werden dann in derselben Weise wie gewöhnliche Bogen behandelt.
Fehlende Ecken, fehlende Blatt- oder Bogenteile müssen möglichst gut ergänzt werden. Da es mitunter schwer fällt, zu altem passendes neueres Papier zu finden, so hilft man sich dadurch, daß man modernes Papier in etwas angefärbtes Wasser taucht, um es in der Farbe dem alten ähnlich zu machen.
Manche alte Bücher sind auch durchWurmstichundWasserfleckenverunstaltet und verdorben. Diese beim Umbinden in einen einigermaßen guten Zustand zu bringen, erfordert viel Mühe und Sorgfalt. Gegen den Wurmfraß ist meist keinerlei Hilfe vorhanden und man muß sich begnügen, Blatt für Blatt mit einer weichen Bürste auszubürsten, um Hülsen von Insektenpuppen und anderen Schmutz zu entfernen. Sind größere Stücke von den Würmern zernagt, so tritt bei dem Versuche, sie auszuflicken, der Übelstand auf, daß die geflickten Stellen alle übereinander zu liegen kommen, unförmlich auftragen und dem Buch ein schlechtes Aussehen geben. Sofern der Wurmfraß sich an den Rändern findet, läßt sich der betreffende Teil des Blattes ganz abschneiden und durch einen Ansatz ergänzen.
Nicht viel weniger schlimm sind Wasser- und Rostflecken, von denen die Faser des Papieres oft arg angegriffen ist. Ein vorzügliches Verjüngungsmittel ist in diesem Falle das Eintauchen inkochendes, nicht zu schwaches Planierwasser, welches mit viel Alaun und etwas weißer Seife versetzt ist. Dadurch erhält das Papier einigermaßen seinen Zusammenhalt wieder, bleicht etwas aus und die vorhandenen Pilzsporen werden zerstört. Ist das Papier so dunkelbraun, daß es das Lesen des Druckes erschwert, so hilft ein Bad von unterschweflichsaurem Natron; stärker wirkt Chlorwasser, doch muß nach der Chlorbleiche der Band von neuem planiert werden.
Von andern Flecken, welche nicht bloß alte, sondern auch neuere Werke verunzieren und deshalb so gut als möglich ohne Schädigung des Druckes entfernt werden müssen, sind dieTinten-undFettfleckedie am häufigsten vorkommenden.
FrischeTintenfleckeentfernt man am besten und ohne Schaden für das Papier durch Abreiben mit einer durchschnittenen Zitrone. Selten genügt dabei eine einmalige Behandlung; indess erwarte man das Abtrocknen des ersten Versuchs, bevor man zu einer Wiederholung schreitet. Ältere Tintenflecke behandelt man mit Kleesalz oder Salzsäure, freilich nicht immer mit Erfolg, denn manche Tintensorte läßt immer eine Spur von Farbe zurück. Eine natürliche Bleichung in der Sonne oder eine Chlorbleiche ist für diesen Fall anzuraten.
Fettfleckewerden entfernt, indem man einen Brei von Benzin und angerührter Magnesia von beiden Seiten auf den Fleck aufbringt. Das Benzin bindet das Fett, das Magnesium nimmt dasselbe auf. Man vermeidet bei diesem Verfahren den unschönen Rand, der sich bisweilen durch Vertreiben der Fettteile in die Umgebung des Fleckes bildet. Frische Fettflecke weichen wohl auch, wenn weiches Löschpapier vor und hinter das betreffende Blatt eingelegt und der Bogen unter ein heißes Bügeleisen oder eine heiße Vergoldepresse gebracht wird. Das Löschpapier saugt in diesem Falle das Fett auf.