Fig. 25. Schmalschneidevorrichtung von Leo in Stuttgart.
Fig. 25. Schmalschneidevorrichtung von Leo in Stuttgart.
In jeder Buchbinderei kommt es vor, daß Karten oder schmale Streifen geschnitten werden müssen. Geschieht dies mit der Hand am Lineal mit dem Messer, so werden auf dem obersten Bogen alle Schnitte ausgezirkelt und in höchstens 8 mm dicken Stößen geschnitten, wobei man darauf zu achten hat, daß die Messerführung stets eine ganz senkrechte ist. Ist eine Maschine zur Verfügung, so dürfen die Stöße wesentlich dicker sein; doch wird bei sehr schmalen Streifen (weniger breit als der Preßbalken) das Abrichten mit dem Sattel seineSchwierigkeiten haben. Um diese zu heben, dient eine von der FirmaLeoin Stuttgart in den Handel gebrachteVorrichtung zum Schmalschneiden. Mehrere bewegliche Platten geben die Parallele an, und da dieselben durch Federn stets wieder nach oben gedrückt werden, dagegen auch jedem Druck der Presse nachgeben, so können schmale Stöße jeder Breite parallel am Sattel angestoßen werden, wenn diese Vorrichtung zwischen diesen und das Papier eingelegt wird (Fig. 25).
Zum Gelingen eines guten Einbandes tragen wesentlich gut bereitete Klebstoffe,LeimundKleister, bei. Der beste Leim ist der alsKölner Leimin den Handel kommende; da er am ausgiebigsten ist, ist er auch der billigste — trotz seines höheren Preises. Die Leimtafeln werden in so viel Wasser eingeweicht, daß sie damit völlig bedeckt sind. Nach vierundzwanzig Stunden wird der aufgeweichte, gallertartige Stoff bei mäßiger Wärme, am besten im Wasserbade unter fortwährendem Umrühren zerlassen, nicht aber gekocht. Gekochter Leim hat den besten Teil seines Klebstoffes eingebüßt. Guter Leim soll geruch- und geschmacklos sein; minderwertige Leime werden gesalzen, um sie haltbarer zu machen. Übelriechende Leime sind aus verdorbenem oder unreinem Rohstoff hergestellt. Vor dem Zergehenlassen kann man einen Teil des Wassers abgießen, wenn ein sehr kräftiger Leim erzeugt werden soll, jedoch nicht zu viel, da der Klebstoff allmählich nachdickt und das Wasser verdunstet. Während des Gebrauchs hält man den Leim am besten in einem Gefäß, das durch den Wasserdampf eines zweiten, darunter befindlichen heiß erhalten wird. Die hier (Fig. 26) abgebildete Wärmvorrichtung hat noch den Vorteil, daß in deren unterem Teile Platz ist zur Erwärmung von Vergoldewerkzeugen, Streicheisen oder Glättkolben, deren Gebrauch wir später kennen lernen werden.
Fig. 26. Leimkessel mit Petroleumheizung von Wilhelm Leo in Stuttgart.
Fig. 26. Leimkessel mit Petroleumheizung von Wilhelm Leo in Stuttgart.
Der Kleister, zu dem nur die beste Weizenstärke verwendet werden sollte, wird ebenfalls nicht gekocht, sondern mit siedend heißem Wasser angebrüht. Die Stärke, mit etwas kaltem Wasser besprengt, zerfällt rasch und läßt sich dann zu einem honigdicken Brei verrühren. Im Winter soll das Gefäß etwas erwärmt, das Wasser zum ersten Anrühren lauwarm sein. Auf ein Teil Stärke nimmt man etwa fünf Teile siedendes Wasser für kräftigen, bis zu zehn Teile für schwachen Kleister. Das Wasser wird unter tüchtigem Rühren erst langsam, gegen Ende rasch zugegossen, damit die Umwandlung in Klebstoff recht gleichmäßig vor sich gehe und Knoten vermiedenwerden. Ist so lange gerührt worden, bis das Ganze eine gleichmäßige Masse bildet, so setzt man auf jedes halbe Pfund Stärke etwa einen Theelöffel voll gewöhnliches Terpentin zu. Dieser Zusatz erhält den Klebstoff schimmelfrei und schützt die Bücher einigermaßen vor Wurmfraß, da die Milben den so zubereiteten Kleister scheuen.
Zur Aufbewahrung während des Gebrauchs dient eine glasierte Schüssel von Steingut, der Haltbarkeit wegen besser noch ein emaillierter eiserner Napf. Die oben genannte Fabrik bringt auch Kleistertöpfe in den Handel, die in der Mitte eine Vorrichtung zum Abstreichen und zum Auflegen des Kleisterpinsels haben.
Die Pinsel für Kleister dürfen nicht mit einer Eisenblechhülse, einem Eisenring oder Eisendraht versehen sein, da das Eisen leicht rostet und der Rost auf weißem Papier gelbe, auf Leder schwarze Flecke erzeugt. Bei Leimpinseln ist die eiserne Hülse unbedenklich, weil der Leim nicht ansäuert und keine Rostbildung veranlaßt.