4. Katastrophen.

Der anbrechende Morgen war trüb und düster, und über der Straße, die durch das Gebirge nach Tübingen zu führte, hingen schwere Nebel, die an den Waldbergen hinzogen. Ein solcher Morgen weckt keine frohe Stimmung, und der heutige entsprach außerdem noch so ganz der Lage der Reisenden. Sophie war still und ergeben, sie fühlte sich geschützt, einer drohenden Gefahr entrissen, von der Zukunft hoffte sie nichts; ihre Gedanken kehrten zurück zu den geliebten Herzen, die sie hatte verlassen müssen; ihre einzige Hoffnung war die Verheißung des baldigen Wiedersehens.

Graf Ludwig war von anderen Betrachtungen bewegt. Er fühlte sich stolz und mächtig gehoben in dem Gedanken, daß Sophie ihm nun so unerwartet schnell anvertraut sei; er gedachte seines heiligen Gelübdes, und schwur sich noch tausendmal zu, es zu halten. Er sprach zu Sophie sanfte, ehrerbietige Worte, und wußte gleich in der ersten Stunde seines Alleinseins mit ihr mit sicherem Tacte den Ton zu finden, der sich für beide ziemte.

Was ich von Ihnen erbitte, nahm er das Wort, ist, daß Sie mir erlauben wollen, auch fernerhin zu Ihnen in dem Tone reden zu dürfen, den unsere vielfachen gemeinschaftlichen Reisen und das nothwendige Incognito der späteren Zeit uns finden ließen. Ich werde Sie ehren, als seien Sie eine Königin, ich werde Sorge tragen, daß diese Ehrerbietung von Allen ausgehe, die Sie künftig umgeben und Ihnen dienen, aber ich werde Sie nicht Prinzessin nennen, denn dieses Wort würde nur die argwöhnische Neugier wecken. Sie müssen um Ihrer eigenen Sicherheit willen stets vor den Augen anderer Menschen verschleiert erscheinen, und bei Ihrem Leben gegen keine Seele sich mittheilen. Es ist eine große Last, die das Schicksal einem noch so jungen Herzen auferlegt, und manche Lebensfreude, auf welche Jugend, Schönheit und Anmuth Anspruch haben, wird Ihnen versagt bleiben, doch wird Alles geschehen, um Sie, so viel es möglich ist, zu entschädigen, und gewiß wird nach einiger Zeit diese Fessel auch wieder von Ihnen genommen; Sie werden an der Hand der erlauchten Eltern wieder in die Welt treten und die Huldigungen empfangen, welche Ihnen gebühren.

Ich habe keinen anderen Wunsch, Herr Graf, entgegnete Sophie, als den, mit meinen Eltern recht bald wieder vereinigt zu werden; bis dies geschieht, werden Sie mich in Allem folgsam und gehorsam finden, was Sie mir anbefehlen.

Ich werde Ihnen nie Etwas befehlen, Sophie, entgegnete Ludwig; aber jede der Bitten, die ich an Sie richte, wird Ihr Wohl zum Zweck haben.

Ihre Wünsche werde ich so achten, erwiederte Sophie, als wenn mein Vater oder meine Mutter dieselben mir an’s Herz legten. –

Die Fahrt hatte schon eine Zeitlang gedauert, als an einer Stelle, wo es langsam bergan ging, der Graf sich aus dem Wagen bog,um zu sehen, ob der zweite Wagen hinter ihm sei? Ludwig bedauerte im Stillen Angés Weigerung, sich zu ihnen in den ersten Wagen zu setzen; er hätte gerne ihre Stimme gehört, sich ihrer gemüthvollen Unterhaltung erfreut, es war ihm nicht möglich, ganz ohne Befangenheit mit dem fürstlichen Kinde zu sprechen, und sich gleich völlig in das ihm so neue Verhältniß hinein zu finden und einzuleben. So sehr die Glut der Liebe ihn durchzitterte, so sehr hielt die höchste Achtung, die ehrfurchtvollste Scheu ihn ab, Sophien schon jetzt diese glühende Neigung zu offenbaren.

Der Wagen folgte in ziemlicher Entfernung, halb vom Nebel eingeschleiert, der rings die Fernsichten hemmte, und nicht einmal die benachbarten Berggipfel erkennen ließ.

An einer Waldschmiede hielten nach der Fahrt von zwei Stunden die Postillons, um einem der Pferde ein losgegangenes Eisen festnageln zu lassen, und da glücklicher Weise neben der Waldschmiede auch eine Waldschenke stand, so benutzten die Lenker des Viergespannes diese Gelegenheit zur Einkehr in dieselbe.

Ludwig stieg einige Augenblicke aus und sah dem nachkommenden Wagen verlangend entgegen, um Angés zu grüßen, und sie auf Sophiens Wunsch zu ersuchen, im ersten Wagen bei ihnen Platz zu nehmen.

Jener Wagen kam langsam nach, als er nahe genug war, sah der Graf zu seiner Bestürzung, daß es eine völlig fremde Kutsche sei. Er rief den Kutscher an, ob er nicht einen Reisewagen mit Gepäck und vier Pferden überholt habe? Dieser, eine nichts weniger als gutmüthige Schwarzwälder Physiognomie, schüttelte sein mit einem breiten Hute bedecktes Haupt, ohne ein Wort weiter zu sagen, und peitschte sein Gespann, welches einige Neigung zeigte, auch vor der Waldschenke zu halten.

Das war Ludwig unangenehm, ja es berührte ihn peinlich, daß jener zweite Wagen nicht nachkam – er sah die Zögerung des Postillons nicht ungern, hoffte und hoffte, blickte verlangend und voll Ungeduld auf den zurückgelegten Weg, so weit dieser sich überschauen ließ, und immer vergebens. Der zweite Wagen kam nicht, die Fahrt des ersten ging weiter. Die Station wurde erreicht, wo die Pferde gewechselt wurden, neuer Aufenthalt – der zweite Wagen blieb nochimmer aus. Es wurden einstweilen frische Pferde für ihn bestellt und dem zurückreitenden Postillon aufgetragen, den Nachfolgenden Eile anzuempfehlen.

So ging es von Station zu Station, immer banger wurde es dem Grafen um’s Herz. Was war geschehen? Was konnte diesen räthselhaften Aufenthalt veranlaßt haben? Der Abend dämmerte nieder und der Tag, der für Ludwig so verheißungsreich begonnen, sank ihm sehr trübe, seine Verlegenheit mehrte sich von Stunde zu Stunde; er begann jetzt unwillig zu werden über Angés’ Laune, wie er es nannte, und mußte doch diesen Unwillen vor Sophie unterdrücken, durfte die noch Ahnungslose nicht schrecken und mit seinen Befürchtungen ängstigen.

Tübingen war erreicht, das Ziel des ersten Reisetages, wo Nachtrast gehalten werden sollte, und Ludwig’s Verlegenheit wuchs mit jeder Minute. Sollte die Prinzessin der weiblichen Bedienung entbehren, sie, die von Kindheit auf die sorgsamste Aufmerksamkeit gewohnt war?

Ludwig ordnete an, daß eine Staffette dem Wagen entgegen gesendet werde, die die ganze Straße entlang nach der zurückgebliebenen Reisebegleitung forschen und nöthigenfalls bis zur Post nach Ettenheim weiter befördert werden sollte, wenn keine Spur sich fände.

Nach einer Stunde sorgenvollen Harrens kam die Staffette zurück und rief zum Fenster des Gasthauses hinauf, aus dem der Reisende heruntersah, daß der Wagen sogleich kommen werde.

Voll hoher Freude warf der Graf ein paar brabanter Laubthaler in den Hut des Postillons, der von dannen ritt, und bald rollte in der That der langersehnte Wagen heran. Voll Unruhe und Ungestüm eilte Ludwig die Treppe hinunter, um Angés selbst aus dem Wagen zu heben.

Philipp war bereits von seinem Außensitz herabgesprungen, sein sonst so frisches rothes Gesicht war bleich; er blickte seinen Herrn mit dem Ausdruck tiefen Kummers an, öffnete den Schlag, – Sophie Botta, die Dienerin, stieg aus, aufgelöst in Thränen, der alte Jacques folgte – Angés fehlte.

Was ist das? Wo ist Angés? fragte Ludwig erschrocken.

Philipp antwortete: Ach, bester gnädiger Herr! Ach das Unglück! Kommen Sie in das Haus!

Der Graf eilte in raschen Sätzen die Treppe hinauf und gebot Philipp, ihm sogleich zu folgen. Sophie öffnete die Thüre des Zimmers, in welches sie abgetreten war, Graf Ludwig winkte ihr stumm, zog den Diener in sein Zimmer und stammelte: Sprich! Sprich! Was ist’s mit Angés? Wo habt ihr sie gelassen?

Ach, erschrecken Sie nur nicht allzusehr, gnädiger Herr! stammelte Philipp. Ach, der liebe gute Engel!

Angés! schrie der Graf: was ist’s mit ihr?

Sie ist nicht mehr – sie ist todt – schändlich ermordet!

Todt? Ermordet, sagst du?

Wie ich Ihnen sage, schluchzte Philipp.

Jetzt kam auch die Kammerzofe herauf, überlaut weinend, und da die Prinzessin diese hörte, öffnete sie wieder die Thüre und ließ sie zu sich eintreten; bald wurde auch das junge Herz Sophiens von einer Nachricht erschüttert, die ihr das Blut erstarren machte.

Es dauerte eine ziemliche Weile, bis es zu einer zusammenhängenden Erzählung des Ereignisses von Seiten Philipp’s kam.

Wir waren eben im Einsteigen begriffen, berichtete dieser: als der Wagen des Herrn Grafen wegfuhr. Die Jungfer saß bereits auf dem Rücksitze, Angés wollte gleichfalls einsteigen, ich und Jacques hatten nur noch einen Koffer aus dem Hause zu schaffen, den ich vor mich auf den Kutschersitz nehmen wollte, und im Augenblicke, wo ich zuerst meinen Fuß auf die Stufe vor der Schwelle des Hauses setze, höre ich einen entsetzlichen Schrei, sehe Angés sinken, während eine Gestalt wie ein Schatten um die Ecke des Hauses huscht. Ich lasse gleich den Koffer fallen, schreie Jacques zu: Helft dort! und stürze dem Schatten nach, dort prasselt ein aufgestellter Haufen Holz zusammen, Scheiter fallen auf mich – aber mich hält nichts zurück, jetzt hart an der Ferse bin ich ihm – es war eine dunkle Gestalt – sie will über einen Zaun – verfängt sich in der Kutte, wendet sich – ratz! reißt die Kutte in Fetzen, und auf mich stürzt’s und ich hab’ einen wüthenden Stich in der linken Schulter. Da pack’ ich die Hand und breche sie am Gelenke ab, – sie kracht, aber fest bleiben die Teufelsfinger um den Dolch gekrallt. – Ich trete den Kerl zusammen, fasse ihn an der Gurgel und stoße ihn gegen eine Mauerwand,so lange und in einem fort, bis der Athem ihm ausgeht. Nieder werf’ ich ihn, mit Füßen tret’ ich ihn, an den Haaren schleif’ ich ihn vor nach der Stelle, wo er seine blutige That vollbracht – wo Jacques die arme unglückliche Angés als Leiche in den Armen hält, und laut um Hülfe ruft und jammert. Es gibt Lärm, die Postillons springen von ihren Pferden, die Jungfer stürzt aus dem Wagen, die Hausleute eilen herbei – ach, was half das Alles? Angés war starr und kalt – von einem Dolchstoß mitten ins Herz getroffen – der Mörder mußte sich hinter dem Wagen versteckt gehalten und ihr beim Einsteigen den Mantel erst abgerissen haben, denn dieser lag am Boden, dann hatte der Hallunke seinen sicheren Stoß geführt.

Das Unglück war da, das große, entsetzliche Unglück. Nach dem Schultheißen, nach Polizei, nach Gensd’armen wurde gerufen, die ganze Ortschaft kam in Allarm. Dort lag noch der feige elende Mörder – Angés war in das Haus getragen worden, das sie bewohnt – ach, wer hätte eine solche Rückkehr geahnt! – Es wurde heller Tag – das Volk sah nicht die ermordete Angés, den Mönch sah es, und schrie: Ein frommer Pater ist erschlagen! Mord! Mord! Die Postillons wurden gezwungen, ihre Pferde abzuspannen. Jetzt sah ich erst, daß ich selbst beträchtlich blutete, es wurde mir ganz elend – ich trank ein Glas Rum und riß meine Kleider ab. Ein Bader fing gleich seine Kur mit mir an, mitten in der Wirthshausflur – des drängenden Volkes wurde immer mehr – sie wollten den Leichnam des Mannes aufheben und ihn in die Kirche tragen, wie ich aus ihren Reden vernahm – da stieß ich den Bader zurück und schrie: Den Hund, den Meuchelmörder in die Kirche? In das Gotteshaus? Auf den Schindanger gehört er, wenn ihr es wissen wollt! Ein frommer Pater wäre er, bildet ihr euch ein? O, ich weiß auch, wie ein Pater beschaffen ist! Schaut her! – Dabei riß ich ihm die Kaputze vom Kopfe, und es war nun hell genug, daß jeder sehen konnte, daß der Kerl keine Tonsur hatte. Der ein Pater? Ein französischer Spion ist’s, wenn ihr’s wissen wollt!

Wie? War es etwa jener Clement Aboncourt? rief Ludwig tief erschüttert aus.

Nein, gnädiger Herr, – der war es nicht, aber der Spießgeselle,der mit ihm ging, auf alle Fälle derselbe Hund, der dem guten Herrn Leonardus den Tod brachte. Jetzt erschien Polizeimannschaft – da man an mir Blut sah, und zwar dessen nicht wenig, so sollte ich der Mörder des Mörders sein, – und schlecht genug wär’ es mir auch sicherlich ergangen, wenn der Kerl wirklich todt gewesen wäre; aber mit Einemmale fing er an, Gesichter zu schneiden und zu gurgeln und wurde wieder lebendig, wie eine Katze, die man heute dreimal todt schlägt, und übermorgen läuft sie wieder auf dem First des höchsten Daches, als wäre ihr nichts geschehen. Er wurde sogleich mit Stricken geschnürt und ins Gefängniß gebracht. Wir wollten Ihnen nun nachfahren, denn wir konnten ja doch nicht helfen – die Postillone spannten wieder an, aber sie mußten dennoch zurück. Die Polizei bestand darauf, daß wir mit nach der Stadt fuhren, um dem Gericht über Alles Aufschlüsse zu geben. Daraus entstand der endlos lange Aufenthalt – da mußte Alles an den Tag, wer wir seien, woher wir kämen, wohin wir wollten und wer den Mörder so übel zugerichtet habe? – Ich sagte, daß er mich gestochen und daß ich mich zur Wehre gesetzt habe. Was der Nichtswürdige aussagte, habe ich nicht erfahren, ich drängte zur Eile – die Zofe lief von einem Polizeisoldaten begleitet, zu einer hohen Dame, die bewirkte, daß wir freigelassen wurden und fortfahren durften. Jener Mörder wird wohl der Vergeltung nicht entgehen, aber uns allen war bitterlich weh um’s Herz über der unschuldigen Frau Angés’ Tod, die wir noch einmal sahen, und die so überirdisch schön da lag, wie eine blasse geknickte Lelibloem – so plötzlich dahinzugeben das noch so junge liebliche Leben!

Welch’ ein Schmerz für Ludwig wie für seine Schutzbefohlene!

Das war ein mehr als trüber Beginn des neuen Lebensabschnittes, der mit dem heutigen Tage für Beide angebrochen war – das war eine schwere Prüfung, eine finstere Vorbedeutung.

Der Graf ließ Philipp sogleich wundärztlich behandeln; die Wunde war übrigens nicht von Bedeutung. Des treuen Burschen Natur war nicht zart und empfindlich, er hatte zwar in der Nacht ein wenig Fieber, war aber am andern Morgen bei sehr früher Zeit wieder auf, und bereit, den Befehlen seines Herrn zu folgen. Dieser versah ihn mit Geld; er sollte sogleich mit Extrapost zurückfahren undAngés’ Leichenbestattung in ehrenvoller angemessener Weise anordnen, dabei auch der Prinzessin Kunde vom Befinden ihres Kindes bringen, das der treuen Pflegerin seiner Kindheit und Jugend den traurigen Zoll der aufrichtigsten Thränen nicht versagte, ja ganz außer sich war über alle die Betrübniß, die auf sein Herz einstürmte.

Daß die Weiterreise nach Ingelfingen keine heitere war, lag in der Natur der Umstände; düstere Wehmuthschatten umwölkten die Stimmung der Reisenden, aber die tiefe und gerechte Trauer, welche der Graf und Sophie bei diesem plötzlichen, schrecklichen Hinscheiden ihrer gemeinsamen Freundin empfanden, näherte ihre Herzen einander mehr, als die hellsten Freudentage vermocht hätten.

Ingelfingen war erreicht; nach wenigen im ersten Gasthaus daselbst zugebrachten Tagen ward eine Miethwohnung in der Apotheke bezogen. Die Fürstin, an welche der Graf und Sophie empfohlen waren, war abwesend, unsere Reisenden waren also auf sich allein beschränkt, die äußerste Zurückhaltung wurde beobachtet, besonders von Seiten Sophiens; sie verließ, erschreckt und eingeschüchtert durch jenen schauderhaften Mord an ihrer geliebten Angés, kaum ihr Zimmer. Denn konnte nicht sie es sein, die der Dolch des Mörders gesucht und verfehlt hatte? War es nicht möglich, daß jene Habgierigen, welche nach ihrem einstigen Vermögen trachteten, mit Mörderdolchen ihr nachschlichen, um sie aus der Welt zu schaffen? Ihre jugendliche lebhafte Phantasie malte ihr dies Schreckbild mit den düstersten Farben aus.

Graf Ludwig hatte den einen Wagen mit Philipp zurückgesendet; für den anderen kaufte er ein schönes Rossepaar und fuhr häufig mit der Prinzessin spazieren, welche stets verschleiert neben ihm saß. Bisweilen lustwandelte sie auch am Arm ihres Beschützers, ebenfalls tief verschleiert, und Alles an ihnen ließ die Einwohner des Städtchens errathen, daß der fremde Herr wie die fremde Dame den höchsten Gesellschaftskreisen angehörten. Die Ingelfinger waren gerade so neugierig wie alle andern Kleinstädter im lieben deutschen Vaterlande, zerbrachen sich die Köpfe darüber, wer dieses so geheimnißvolle Paar sein möge, und da es ganz unmöglich war, Etwas über dasselbe zu erfahren, so suchte man in der Phantasie Rath und Auskunft dafür, und bald circulirten allerlei abenteuerliche Gerüchte über das fremde Liebespaar.

Trotz der Nähe der Geliebten war Ludwig’s Herz sorgenbelastet und schwer, denn er fühlte sich fast von allen Banden losgerissen, die das Leben so freundlich knüpft und in einander verschlingt. Wen hatte er denn noch draußen in der Welt, seit auch Angés ihm entrissen war? Nur noch das Herz einer Mutter, der sich schriftlich mitzutheilen die Verhältnisse verboten; doch blieb Georgine nicht ohne Nachricht und nahm aufrichtigen Antheil an des entfernten Lieblings Wohl und Wehe. Mit den eigenen Verwandten war der Graf außer Verbindung gekommen, sie sahen seine Abwesenheit nicht ungern, es hatte Keiner nach dem Tode der Großmutter gefragt, ob Ludwig nicht auch Ansprüche oder Wünsche habe, und er selbst hielt sich in stolzer Zurückhaltung von den Verhandlungen über das großmütterliche Erbe ferne, obschon er nicht ohne ein gewisses Vergnügen die Briefe Windt’s las, die ihn in seiner Einsamkeit auffanden.

»Für mich gibt es jetzt,« schrieb ihm einst der alte Freund: »alle Hände voll zu thun, bald in Varel, bald in Doorwerth, bald in Hamburg. Die Herren, der regierende Graf und der Vice-Admiral, haben sich in Varel ganz gut verglichen; nur schade, daß sie nicht bei diesem Vergleich aus dem Falken von Kniphausen trinken konnten! Ich bin jetzt in Hamburg und betreibe den Verkauf des Nachlasses meiner hochseligen Gebieterin, so weit die Erbherren denselben nicht für sich behalten wollen. Graf William ist noch hier und überhäuft mich erschrecklich mit Schreibereien und Uebersetzungen aus dem Deutschen und Holländischen, um sich vollkommene Kenntniß in der Nachlaßsache zu verschaffen. Ich sitze bis über die Ohren unter den vermaledeiten Papieren, welche ich nebst dem ganzen Testamente lieber heute als morgen dem Feuer opferte. Hier in Hamburg sieht es auf allen Seiten elend und jammervoll aus. Ich warte nur auf Nachricht vom Erbherrn, der mir von Varel aus schreiben will, ob und wann es nöthig sei, daß ich dahin komme und mit ihm nach Doorwerth gehe; das hält mich allein noch hier auf, sonst würde ich meine brave Schwester zu meinem Bruder nach Bückeburg gebracht haben, der sie zu sich nehmen will. Glauben Sie mir, bester Herr Graf, man wird endlich müde. Denken Sie, daß ich jetzt fast ganz auf meine Kosten hier leben muß, ich bin nicht besonders bedacht worden, es wurde mir auch noch keine Sicherheit angeboten, und ich werdezuletzt dem Spott, dem Hohn und dem Jammer ausgesetzt sein für sechsunddreißigjährige Dienste.«

Wie, sollte Windt Noth leiden? rief Sophie mit Bestürzung. Das dürfen wir nicht zugeben. Ich bitte Sie, Herr Graf, sorgen Sie für den braven Mann, der so treu an Ihnen hängt.

Wie erfreut und rührt mich Ihr schönes Gefühl, entgegnete Ludwig bewegt. Ich werde das Meine thun, obschon es mir kaum glaublich ist, daß Windt so blosgestellt sein sollte. Hören wir weiter, was er mittheilt:

»Das Münzkabinet hat seinen Erben gefunden; warum die Hochselige es Ihnen, Herr Graf, nicht vermacht hat, ist mir ein großes Räthsel, das sie noch nach ihrem Tode mir zu lösen aufgibt, wie sie’s im Leben so oft gethan hat. Die herrliche Bibliothek muß unter den Hammer, der Buchhändler Perthes will so gut sein und die Anzeige der Auction verbreiten, sowie auch den Catalog drucken. Das Porzellan, Glas, die Leuchter, Spiegel u. dgl. kommt Alles unter den Hammer, auch ein Theil der Bilder. Soll ich nicht die Ansichten der drei Schlösser für Sie, Herr Graf, ersteigern? Ich gönnte Ihnen die Besitzungen freilich lieber alle dreiin natura. Das Silber, über sechshundert Pfund, hat die hochselige Excellenz sammt und sonders einer Jugendfreundin in Sachsen vermacht, ein hübsches Andenken, die Herren Grafen sind wüthend darüber, können aber nichts dagegen machen, höchstens es zurückkaufen.«

Habeant sibi!sprach Graf Ludwig: was nützt aller Reichthum, wenn der Mensch nicht innerlich beglückt ist? Ich will dem braven Windt eine lebenslängliche Rente sichern; verdient irgend ein Mensch auf der Welt Dank, Lohn und Anerkennung, so ist er es; es wäre himmelschreiend, wenn er sich über Undank beklagen müßte!

Ein anderer Brief Windt’s, in Doorwerth geschrieben, den Ludwig allein las, begann:

»Ich sitze hier am Orte meiner Qual, und inventire, registrire, katastrire wie närrisch darauf los, damit der Herr General-Erbe, der Herr Vice-Admiral, welcher Doorwerth übernimmt, Alles im besten Stande finde; dann heißt es bei mir: fahr’ zu, Kutscher, dann gehe ich nach Stadthagen, setze mich endlich zur Ruhe, und will nichts mehr hören und sehen von Doorwerth, Kniphausen, Varel und Hamburg.Wer hätte das gedacht, daß Alles so wunderlich gekartet würde, daß Graf William, und nicht Graf Wilhelm Gustav Friedrich die Herrlichkeit übernähme, der doch erst Alles daransetzte, sie zu erlangen. Es ist in den letzten Lebenstagen der hochseligen Frau Gräfin und bei der Anwesenheit dieses guten Grafen William vielfachà laCagliostro zu Werke gegangen worden, doch was geht das mich an? Der Vice-Admiral ist nach London gereist. Von Berlin aus ist Anfrage ergangen, ob das Münzkabinet nicht verkauft würde; der Anfrager soll ein berühmter Antiquarius sein, der dasselbe jedenfalls zu schätzen weiß. Wenn der Erbe es ihm gibt, so wird sich eine Weissagung der Hochseligen erfüllen, welche dieselbe oft aussprach: Von diesen Münzen und Medaillons, die ich mit Mühe und großen Opfern zusammengebracht, wird es einst heißen: Gehet hin in alle Welt.«

»Das Reich ist noch nicht ganz einig, erst im kommenden Herbst soll die Frucht der Harmonie reifen; wenn sie sich nur nicht spalten, wie ein Granatapfel, der unzeitig vom Stamme fällt.«

»Vom Erbherrn ist Nichts zu hören, Nichts zu sehen, nur unverbürgt habe ich vernommen, daß er bei seinem letzten Aufenthalt in Varel den Prinzen von la Tremouille und Talmont zu sich dorthin habe kommen lassen.«

»Nachträglich noch eine, mir erst kürzlich zugekommene neue Märe, die ich aber durchaus nicht gesagt haben will. Die Ihnen, Herr Graf, wie mir gewiß unvergeßliche verewigte Frau Erbherrin ist vergessen und alle Liebe der Demoiselle Sara Gerdes, vormals Kammerjungfer, dann Kammerfrau der hochseligen Erbherrin, dermalen zum Range einer Schloßverwalterin zu Varel erhoben, zugewendet worden, welche die Ehre genießen wird, die Stellvertreterin einer Ottoline zu werden. Dieses nicht mehr junge Mädchen stammt aus Bockhorn, das, wie Ihnen genugsam bekannt ist, zwischen Varel und Kniphausen liegt, und der Großvater derselben zählte zu den Hörigen der Herrschaft, der Vater aber ist jetzt ein freier Landbebauer. Was sagen Sie dazu?«

Diese Meldung erschütterte den Grafen Ludwig sehr; als er allein war, rief er fast in Verzweiflung aus: Mein Fluch, mein Fluch! Welche Dämonen habe ich heraufbeschworen über das Haus, dem ich entstamme! – Nun sehe ich, wie sich Alles, Alles erfüllen wird, derdauernde Hader, die Zwietracht, die Verachtung, die Verarmung, Alles, bis auf den letzten Punkt!

Sich zu zerstreuen, ging er hinunter in die Wohnung seines Hausmanns, des Apothekers, der ein sehr unterrichteter und dabei jovialer Mann war. Es war Gewohnheit der vornehmeren Einwohner des Städtchens, sich Sonntag Vormittags zu einem Glase Wein in der Apotheke einzufinden, und die Weinstube hatte dadurch, daß auch der fremde Herr, der im Hause wohnte, dieselbe besuchte, einen neuen Reiz gewonnen, zumal Ludwig sich eine Menge solcher Zeitungen des Auslandes kommen ließ, von denen sonst nie ein Blatt nach Ingelfingen gedrungen wäre. Erfuhren auch die Herren nicht, was sie für ihr Leben gern gewußt hätten, wer eigentlich dieser vornehme, zurückhaltende schöne Mann sei, so sahen sie doch seine Persönlichkeit in ihrer nächsten Nähe, sahen, daß ihm der Wein nicht minder mundete wie ihnen, und hörten ihn gern sprechen, wenn er über die Ereignisse der Zeit über die Hoffnungen und Befürchtungen in politischer Beziehung sich äußerte. Auch hatte der Postmeister der Gesellschaft vertraut, der fremde Herr empfange fast mehr Briefe, als der erste Kaufmann von Ingelfingen. – Sophie beschäftigte sich stets in Gegenwart ihres Kammermädchens, wenn der Graf ihr nicht Gesellschaft leistete, mit leichter weiblicher Arbeit, oder las gute französische Bücher, übte sich auch bisweilen im Deutschen, worin jedoch ihre Fortschritte nur langsam waren; besonders fiel das Nachmalen der deutschen Schrift ihr schwer. Manche stille Thräne weinte sie um die dahingeschiedene Angés und die Trennung vom Mutterherzen, und ängstlich vermied sie Jemanden zu begegnen; ein fremder Tritt auf der Treppe oder im Vorsaal machte sie erbeben. Philipp ritt oder fuhr während des Aufenthaltes in Ingelfingen fast wöchentlich einmal als Sendbote in das badische Land; denn es wurde ein lebhafter Briefwechsel mit der Prinzessin unterhalten.

Ludwig beschäftigte sich in seinen zahlreichen Mußestunden mit Studien, zu denen seines Hauswirthes Beruf und Büchersammlung den meisten Anlaß bot. Da standen wohlgeordnet die Werke der Koryphäen der pharmaceutischen Wissenschaft neben einander: Göttling, Buchholz, Tromsdorf, Schrader, Wiegleb waren durch ihre Schriften und Almanache für Scheidekünstler vertreten; eine Sammlung von Pharmacopöen,die mit der Schule von Salerno begann und mit der berühmten und allverbreiteten würtembergischen Pharmacopöe abschloß, ließ Einblicke thun in den Geist und in die Fortschritte der pharmaceutischen Wissenschaft und Chemie. Praktische Arbeiten, die nur im Winter vorgenommen werden können, wie die Bereitung und Destillation der Naphten, ja selbst das Pulvern zäher Harze, die nur Winterkälte so hart macht, daß sie zu Staub zermalt werden können von der schweren Wucht der Mörserkeulen, des Gelbanum, die Asa u. a., boten dem Beschauer manches Anziehende dar, nicht minder chemische Experimente, die mannichfach erfreuten.

Der Graf gewann die Achtung Aller, denen Gelegenheit wurde, ihn persönlich kennen zu lernen. Ueber politische Verhältnisse äußerte er sich nur mit großer, fast diplomatischer Vorsicht und vermied absichtlich, als Parteimann zu erscheinen; doch verhehlte er nicht, daß ihm die alte Dynastie Frankreichs lieber war, als die gegenwärtige Regierung, daß er aber noch zur Zeit ungleich mehr die Revolution selbst verabscheue, als ihren muth- und kraftvollen Bezwinger.

Während nun fort und fort die Wißbegierde in Ingelfingen wach blieb, zu wissen, wer der fremde Herr eigentlich sei, ob er nicht, wie Einige muthmaßten, ein französischer Prinz, ja ob er nicht gar Monsieur selbst sei, weshalb ihn auch einige Male der Postmeister Monseigneur anredete, was aber mit guter Absicht von Ludwig ganz überhört wurde, machte ein unseliges Ereigniß dem Aufenthalte des Gegenstandes so vieler heimlichen Fragen und so vielen Kopfzerbrechens zu Ingelfingen ein urplötzliches Ende.

Philipp kam von Ettenheim zurück, mit demselben bestürzten und verstörten Aussehen, wie damals, als er die Botschaft von Angés’ Ermordung überbrachte, und erstattete seinem Herrn einen Bericht, der diesem das Haar emporsträuben machte.

Gnädiger Herr! begann er athemlos: Sie müssen mir sogleich einen sichern Paß verschaffen, daß ich weiter kann! Ich darf keine Stunde hier weilen, ich muß weiter!

Was ist geschehen? fragte Ludwig betroffen.

Was geschehen ist? Herr Gott im Himmel! Unerhörtes und Entsetzliches ist geschehen! Lesen Sie, gnädiger Herr! Damit übergab er seinem Gebieter einen Brief, der in Eile zusammengefaltet undäußerst flüchtig gesiegelt war. Er war von der Prinzessin, und diese schrieb ihm: »Fliehen Sie, Graf, fliehen Sie mit Sophie, weit, so weit als Ihnen möglich ist! Retten Sie die Tochter, da der Vater unrettbar verloren ist. In Verzweiflung schreibe ich diese Zeilen. Der Herzog war gewarnt, treu gewarnt, es war verabredet, daß wir morgen oder übermorgen nach Ihrem Aufenthaltsort eilen wollten, vorher aber sollte eine feierliche Erklärung unserer Verbindung auch vor dem Auge der Welt Geltung verschaffen. Es war bereits ein offenkundiges Geheimniß, daß von Seiten Frankreichs dem Herzog nachgestellt und aufgelauert werde, Schaaren von Spionen trieben sich in dem Städtchen herum, Alles war schon ausgekundschaftet, aber keine Warnung fruchtete und statt zu fliehen, ging der Herzog unbesorgt auf die Jagd; den nächsten Tag erst wollte er die Rathschläge seiner Treuen befolgen. Wie Alles so entsetzlich schnell gegangen, weiß ich selbst noch nicht, ich begreife überhaupt Nichts, als daß wir Alle unaussprechlich elend sind! Es wurde Lärm in der Nacht, die ganze Bürgerschaft rannte auf die Straßen, der scheuslichste Verrath ward geübt worden, der Herzog wurde in seiner Wohnung überfallen und gefangen genommen; der Kirchthurm war von Bewaffneten besetzt, damit Niemand Sturm läute, unter meinen Fenstern sah ich meinen geliebten Gemahl im Morgengrauen auf einem Karren vorüberfahren, von Wachen mit Gewehren und blitzenden Bajonetten umgeben – ach, mir ahnet, ich sah ihn zum Letztenmale! Es mußte ein ganzes Bataillon französischer Soldaten vom Rhein herübergekommen sein, um diesen Landfriedensbruch und gewaltsamen Menschenraub zu verüben. Die Umgebung meines theueren Gemahls war mit verhaftet, – ach, noch einige Tage vielleicht, und unsere Sophie hat keinen Vater mehr! – Ich warf mich in einen Wagen, folgte dem Gefangenen bis nach Straßburg, ich flehte meinen Gemahl sprechen zu dürfen, vergebens, ich sah – ich sprach ihn nicht! Wo sie Henri hinschleppen, weiß ich nicht – nach Paris ohne Zweifel – der Löwe verlangt nach dem Blute des letzten Bourbons! – Gott mit Ihnen – mit Sophie – ich kann nicht mehr – ich bin vernichtet!

Ch.«

Der Graf starrte wie betäubt auf den Unglücksbrief! – So fällt auf mich ein Schlag nach dem andern, sprach er dumpf vor sich hin,doch – ich muß – ich will sie tragen alle diese Schläge, nur Sophie soll sie nicht mitfühlen.

Was hörtest du selbst noch außerdem von dem schrecklichen Unglück, das mir hier gemeldet wird? fragte Ludwig seinen Diener.

Ich lag auf Kundschaft, berichtete dieser, hatte nachgeforscht, wie es um jenen Hallunken stände, den Mörder der guten Angés, und ob er schon gerichtet sei. Hat sich was – gerichtet! Entsprungen war dieser Teufel abermals, entsprungen mit Hülfe seines schurkigen Spießgesellen. Beide waren Spione und verkleidete französische Gensd’armen gewesen. Ich hatte mich etwas unkenntlich gemacht, entdeckte richtig den Einen unter den Herumtreibern und ließ ihn nicht wieder aus den Augen; ich kochte vor Wuth und Grimm gegen diesen verruchten Menschen, wo er hinschlich, schlich auch ich hin, stellte mich so, daß er mich nicht gewahrte, ich aber ließ ihn nicht aus den Augen, die ganze Nacht nicht. Ich schwur es mir zu, Beide zu verderben, oder mindestens den von ihnen, der in meine Hand fallen würde. Wohl merkte ich, daß das Volk Etwas vorhabe, aber was, darum bekümmerte ich mich nicht. Er war bei der Schaar, die in der Nacht des Prinzen Haus umzingelten, gegen Morgen hörte ich in meinem Versteck plötzlich lautes Rufen, der Prinz wurde gefangen genommen, die Wachen umringten ihn, er wurde auf einen Karren gesetzt und durch den Ort geführt, ich schlich mich nach und hatte mir meinen Mann gut gemerkt. Der Morgen kam herauf, es ging auf eine Mühle zu, nahe der Stadt vorbei, die dicht umbuscht war; der Ettenbach, der diese Mühle trieb, rauschte stark und gewaltig, angeschwollen vom geschmolzenen Schneewasser des Schwarzwaldes. Schon verzweifelte ich am Gelingen meines Vorhabens, denn mitten aus der Compagnie konnte ich mir meinen Mann nicht herausholen. Alle meine Gedanken schossen hinter ihm drein, als wollten sie ihn fesseln, und ich glaube, sie haben ihn gefesselt; denn auf einmal blieb Clement Aboncourt zurück, um an seinem Tornister etwas zu ordnen. Niemand war in der Nähe, die Gefangenen sind in das Mühlhaus geschleppt worden, die Bedeckung blieb davor. Dicht unterm Damm, auf dem der Weg hinläuft, wälzt sich die rasche Fluth dem Rheine zu. Der Spion war in meiner Macht. Ein Wurf meiner längst bereit gehaltenen Schlinge, wie nach einem Pferd auf unseren Marschen, ein Ruck – und mein Mann stürzt’ rückwärts nieder – ich auf ihn los!Bist du’s, vermaledeiter Satan und Mordgeselle! Ich schau’ ihn an, er war’s, er verdrehte die Augen, er zappelte und schlug mit krampfhaft geballten Fäusten nach mir. Ich stieß ihn in den brausenden Waldbach, und die Wellen thaten hohe Freudensprünge, als der Hallunke hinabflog, seinen Tornister warf ich gleich hinterdrein ihm auf den Kopf. So hat doch einer seinen Lohn, denn der blieb unten; ich lief eine Stunde dem Mühlenbach entlang, um zu sehen ob er wieder auftauche, aber der wohlverdiente Strick hat ihn daran verhindert.

Ludwig wandte sich schaudernd ab.

In der Weinstube des Apothekers zu Ingelfingen herrschte am 18. März des Jahres 1804 eine ungewöhnliche Bewegung. Der interessante Fremde, den man so gerne in der Gesellschaft gesehen und reden gehört hatte, war mit seiner Begleitung plötzlich abgereist. Er hatte noch am Samstag spät am Abend Extrapostpferde bestellt, und war am frühen Sonntag von dannen gefahren, gar zu gern hätte man gewußt wohin, Niemand aber konnte Auskunft geben. Dem Hausbesitzer war in blankem Golde die Miethe bis zum Ende des Monats bezahlt worden, außerdem hatte ihn noch ein Geschenk gelohnt, dessen er sich gar nicht versehen, und das ihm die größte Freude machte; es war eine nagelneue, in Paris gefertigte Voltaische Säule mit sechzig Plattenpaaren von Laubthalergröße und allem Zubehör. Für den Postmeister, der ein sehr starker Raucher war, war ein kostbarer großer ächter Meerschaumkopf mit Silberbeschlag zurückgelassen worden, und für die übrigen Herren des Weinstübchens Kruggestellgläser mit silbernen Deckeln, auf welchen das Wort »Andenken« stand und die Buchstaben L. C. v. d. V. eingegraben waren.

Der Apotheker war eben bemüht, vor seinen Gästen die Säule aufzubauen, die davon noch gar keinen Begriff hatten, als ein neuer Gast eintrat und der Gesellschaft die so eben eingetroffene Nachrichtvon der Gefangennehmung des Herzogs auf dem friedlichen badischen Gebiete durch französische Gensd’armen und Offiziere hohen Ranges mittheilte, obschon diese Nachricht mit vielen Unrichtigkeiten vermischt war.

Es konnte nicht fehlen, daß die schnelle Abreise des Unbekannten mit seiner stets verschleierten Begleiterin sofort mit diesem von Frankreich aus auf deutschem Boden verübten schändlichen Gewaltstreich in Verbindung gebracht und lebhaft besprochen wurde. Bald waren alle Anwesenden fest davon überzeugt, daß jener fremde Herr gleichfalls ein geflüchteter Bourbone gewesen sein müsse.

Vom Postmeister erfuhren auch noch nachträglich die Gäste, daß die Dienerin des Fremden die hohen Reisenden nicht begleitet habe, sondern reichlich beschenkt mit der Post auf entgegengesetztem Wege wieder zurückgereist sei.

Ludwig und Sophie hatten an Angés’ Mutter gedacht, sie überlegten, was diese gute Frau leiden müsse, wenn sie nichts Näheres über den Tod ihrer Tochter erfahre; auch sehnte sich Sophie Botta nach ihrer geliebten Pfalz zurück; die Prinzessin selbst hatte ihr dieses Bekenntniß abgefragt, und in ihren Entschlüssen entschieden und von einem hohen selbständigen Gefühle geleitet, hatte sie sofort dem Grafen erklärt, sie wolle freiwillig auf die fernere Begleitung der Dienerin verzichten; sie könne ihre einfache Toilette allein ordnen, und wenn ein Ort längern Aufenthaltes erreicht werde, so werde es auch an weiblicher Bedienung nicht fehlen. Gleichwohl trennte sich die junge Prinzessin nicht ohne Wehmuth von der einstigen Wärterin und Dienerin und entließ sie mit vielen Geschenken, gab ihr auch Angés’ ganze Garderobe mit, mit dem Auftrag, den sämmtlichen Nachlaß der armen Mutter ihrer unglücklichen Freundin zur Verfügung zu stellen, nebst Allem was Angés sonst noch angehört hatte, selbst deren Bild nahm Ludwig nicht wieder an sich; die Mutter sollte es gleichfalls haben. So waren denn Ludwig, Sophie und der treue Philipp ohne weiteres dienendes Gefolge abgereist; wohin? wußte Niemand. –

Bald trugen die Zeitungen durch die ganze Welt die Kunde von dem scheußlichen Mord, den der Gewalthaber Frankreichs an dem gefangenen Herzog hatte verüben lassen, und ein Schrei der Entrüstungging durch ganz Europa über diese rasche blutige That auf Verdächtigungen hin, die jeder Wahrheit entbehrten.

Mit stets erneutem Schmerz vernahm Graf Ludwig auf der Fortsetzung seiner Reise immer und immer wieder diese Nachricht, und mußte auf das Sorgsamste Alles aufbieten, um dieselbe vor seiner holden Begleiterin zu verbergen, die er in ruhigerer Stimmung und vielleicht erst dann, wenn er einen Brief der Herzogin in Händen hatte, von dem schrecklichen Vorfall unterrichten wollte.

Die Freunde in der Weinstube des Apothekers zu Ingelfingen wurden einige Zeit nach der Abreise der Fremden auf’s Neue und sehr lebhaft an den geheimnißvollen Herrn erinnert, als eines Abends der Postmeister ernster als gewöhnlich eintrat und ein Zeitungsblatt hervorzog. Wir haben gewissermaßen Trauer bekommen, sagte er nach einer Pause bewegt. Da bringt unser Schwäbischer Merkur eine merkwürdige Nachricht, welche im Auszug lautet, daß sicherem Vernehmen nach ein französischer Emigrant von Bedeutung, der sich vor einigen Monaten längere Zeit zu Ingelfingen aufgehalten haben solle, zu Mainz mit Tode abgegangen sei. Es war, so wird gemeldet, ein Mann von ungemein viel Liebenswürdigkeit im Charakter und Benehmen, auch wissenschaftlich gebildet und vielseitig bekannt mit hervorragenden Persönlichkeiten. Seiner äußern Gestalt nach war er von Mittelgröße, hatte schwarzes Haar und dergleichen Bart, erschien stets auf das Feinste, dabei sehr einfach gekleidet; seine Sprache war meist die französische, doch ließ er bisweilen niederländische Accente durch den Strom seiner lebhaften und geistvollen Unterhaltung klingen. In der deutschen Sprache drückte er sich mit vollkommener Reinheit aus. Dieser Fremde, der durch nichts auffiel, als durch sein vornehmes und gebildetes Wesen und seinen Ernst im geselligen Umgang, scheint seinen nahenden Tod gefühlt, und kurz vor demselben alle seine Papiere vernichtet zu haben, denn es fand sich nicht das Mindeste bei ihm vor, was irgend einen Aufschluß über seine Persönlichkeit hätte geben können. – Der Postmeister schwieg und die Theilnahme der guten Bürger zu Ingelfingen wurde laut:

Es ist unser Mann, daran ist gar kein Zweifel! O weh! – Schade um den Mann! – Er hätte hier bei uns bleiben sollen, so wäre er vielleicht nicht gestorben! – Zu Ingelfingen ist gut wohnen.– Er konnte sich hier ankaufen – es stehen ja jetzt in dieser erbärmlichen Zeit gegen zehn Häuser zum Verkauf ausgeboten. – Er konnte hier Bürger werden – wäre wohl in den Stadtrath gewählt werden. – Wie viele französische Emigranten haben sich nicht in den letzten Jahren in deutschen Städten und Städtchen niedergelassen, und sind angesehene Leute geworden? – Schade um ihn!

Während Ludwig also mit aller Theilnahme biederer schlichter Herzen für todt beklagt wurde, saß er mit Sophie gesund und wohlbehalten im Gasthaus einer fremden Stadt. Die edle Jungfrau vergoß die schmerzlichsten Thränen – der Tod ihres armen Vaters war ihr endlich enthüllt worden. Die Mutter selbst hatte darüber an sie und ihren Begleiter geschrieben. Ach, wie erschütternd waren die Einzelnheiten jener schrecklichen Katastrophe! Wie viele Herzen wurden von ihr auf das Tiefste berührt, auf das Härteste betroffen! Dort weinte ein mit hohem Ruhme genannter Heldengreis um den Enkel, und hätte gern allen verdienten Lorbeer, ja das eigene Leben dahingegeben um jenes theure, in blühender Jugend hingemordete Leben zurückzurufen. Schmerzlich beklagte der tapfere Vater den Tod des inniggeliebten Sohnes. Ach, und die geliebte Vermählte! Welch hohes Glück hatte sie besessen und nun auf immer und unersetzlich verloren!

Alles hätte anders kommen können, wenn nicht die bübische Feigheit eines Kammerherrn, der beständig um den unglücklichen Herzog war, jeden Versuch einer Vertheidigung von Seiten des Letztern bei dem nächtlichen Ueberfall verhindert hätte, falls es nicht Schlimmeres als Feigheit war. Ein Wort dieses Mannes, das einzige Wort: Ich! auf die Frage der Häscher: Wer von Ihnen Beiden ist der Herzog? konnte den Letzteren retten, und dies Wort konnte unbedenklich ausgesprochen werden, denn den armseligen Höfling hätte man wahrlich nicht hingerichtet. Aber Jener schwieg, und der junge Fürst ward zum Tode abgeführt. Mit Verachtung wies er den feigen Verräther zurück, als derselbe in Rheinau sich zu ihm in den Wagen setzen wollte. In Straßburg wurde der Herzog von seiner Dienerschaft völlig getrennt, seine Hände wurden in Fesseln gelegt. Fünf Tage lang dauerte mit nur wenigen Unterbrechungen die traurige Reise bis nach Paris, der Gefangene wurde in den Tempel gebracht, dort harrte schon der Befehl, ihn nach Schloß Vincennes zu senden. Die richterlichenVerhöre, die mit ihm vorgenommen wurden, und die der Welt wörtlich mitgetheilt sind, brachten keine Schuld heimlicher Verschwörung gegen das Leben des ersten Consuls auf den Herzog, aber wer waren seine Richter? Werkzeuge in der Hand eines Despoten! – Das ist der Inhalt jenes Justizmordesin nuce, was auch Alles für und gegen ihn geschrieben wurde. Ein Brief, der dem Herzog unterwegs an die Prinzessin, die er noch nicht öffentlich seine Gemahlin nannte, zu schreiben erlaubt worden war, wurde von einem der Schergen unterschlagen. Mit Mannesmuth beantwortete der Herzog alle Fragen, gestand ein, den ganzen Krieg mit dem Condé’schen Corps mitgemacht zu haben, sagte aber aus, daß er den Gehalt von England als Pension beziehe, um zu leben, nicht um damit zu conspiriren. Die Richter des Herzogs darf die Geschichte nicht schonungslos verdammen; es war ihnen, lauter Offizieren von hohem Range, und ohne daß sie irgend vorbereitet waren, ohne daß sie Kenntnisse vom Rechte hatten, befohlen, den Herzog zu richten, sobald er eingestehen werde, die Waffen gegen Frankreich getragen zu haben. Dies gestand derselbe mit aller Freimüthigkeit ein, und fügte seinem Geständniß die Worte hinzu: »Nie kann ein Condé anders, als mit den Waffen in der Hand nach Frankreich zurückkehren.« Das Todesloos fiel. Ohne legalen Richterspruch, ohne einen Vertheidiger wurde der Meuchelmord vollzogen. Die Richter waren noch in einem Zimmer, gleichsam abgesperrt, beisammen, um zu berathen, auf welchem Wege ein gemildertes Urtheil vom ersten Consul zu erlangen sein dürfte, da knallten schon im Festungsgraben die tödtlichen Schüsse. Die Richter waren sehr unglücklich – auf sie und nicht auf den Vollstrecker der übereilten Hinrichtung lenkte sich das Verdammungsurtheil der ganzen gebildeten Welt. Hier hatte die Willkür das Urtheil vollzogen, ehe es noch begründet und in gesetzlicher Form bestätigt war. Der Herzog mußte sterben, denn er war in der Gewalt des Mannes, der ihn fürchtete und haßte, und war – ein Bourbon!

Mit mildem Trost sprach Ludwig zu der tiefgebeugten Tochter, und seine Worte fielen in ihr Herz, wie heilender Balsam sanft auf Wunden träufelt. Das schöne thränennasse Antlitz zu ihm erhoben, faßte Sophie Ludwig’s Hände und sprach mit leisem Beben: Nun habe ich also keinen Vater mehr! Nun seien Sie mein Vater! Sie, dem ich anvertrautbin als ein armes, heimathloses Kind – ach eine Waise – o, wie schwer wiegt dieses Wort; ich will ihnen so gern gehorchen, ich will Sie ehren gleich meinem Vater, und wenn ich fehle, so üben Sie Nachsicht mit meiner Unwissenheit und meiner Schwäche!

Wie unendlich liebreizend erschien sie ihm da in ihrem tiefen Schmerze! Sie glich einer prächtigen Incarnat-Passiflore, in deren Nektarkelche Thränen zittern, die gebeugt steht und doch voll Schönheit ist, die in Demuth sich neigt und doch voll Hoheit prangt.

Ein Gegensatz, wie das Leben ihn häufig bietet, zu diesem wahren Schmerz, dieser schwermuthvollen Trauer, dieser Verehrung auf der einen, und der kindlichsten Hingebung an den Mann ihres Vertrauens auf der andern Seite, bildete eine andere Trauerbotschaft aus Holland, die aber nicht so herzzerreißender Art war; dort hatte nur eine betagte schlichte Frau den Zoll der Natur bezahlt, und war abgerufen worden in das verhüllte Jenseits. Leonardus Mutter, Frau Maria Johanna van der Valck, geborene van Moorsel, war nicht mehr.

Vincentius Martinus schrieb Folgendes an seinen noch stets am Leben geglaubten Vetter Leonardus, nachdem er ihn in einer frommen Einleitung seines Briefes auf die Trauerkunde vorbereitet und ihm dann die schmerzliche Nachricht mitgetheilt hatte: »Ich komme so eben aus der Kirche, mein theuerer Leonardus, woselbst ich für die Seele deiner guten Mutter eine Messe gelesen habe; von deinem kindlichen Sinn darf ich wohl voraussetzen, daß du es gut heißest, wenn ich für die Seligentschlafene die Zahl dieser Seelenmessen bis auf Einhundert steigere, und dir dann nach deren Vollendung dasLaus Deodarüber einsende. Die Wohlselige hat noch auf ihrem Todtenbette, und als ich sie mit den heiligen Sterbesacramenten als christliche Wegzehrung auf der langen Pilgerschaft nach der Ewigkeit versah, für dich gebetet und dir alles Glück gewünscht, auch läßt sie dir noch innigst und herzlich für die lieben und guten Briefe danken, welche du ihr von so verschiedenen Orten aus geschrieben hast; nur konnte die selige Tante nie begreifen und ich konnte es derselben auch nicht begreiflich machen, weshalb du dich eigentlich jetzt und wie es scheint ohne ein Geschäft, welches doch die Basis eines ehrbaren und christlichen Lebens ist, in Deutschland herumtreibst. Nun, ich gewahre mit Freude, wie gut mein Gebet für dich anschlägt, mein geliebter Vetter, und wie der heiligeRochus dich noch immer beschützt. Nach den Verträgen, die du mit den Verwandten abgeschlossen hast, beziehst Du nun von dem Hause van der Valck eine Jahresrente von zehntausend Gulden, erst fünftausend, und nun nach dem Tode deiner frommen Mutter nochmals fünftausend. Gratulire! Ach, wie gern hätte die Wohlselige mein armes Kirchlein zu Sanct Ottilien bedacht, aber die Hände waren ihr ja durch jene Verträge gebunden. Möchtest du, werther Leonardus, nicht deine milde Hand aufthun und ihren besten Wunsch erfüllen? Ich würde dich dann auch der ganz besonderen Gnade dieser heiligen und gebenedeiten Schutzpatronin empfehlen und ihre Fürbitte durch mein eifriges Gebet für dich erflehen. Du wirst wissen, geliebter Leonardus, daß die heilige Ottilia die Schutzpatronin der Augen ist, und sie wird durch mein Gebet Fürsorge tragen, daß deine Augen stets erfreuet werden, wie geschrieben steht: Unsere Augen sehen nichts wie Manna, und ferner: Gib mir die, so meinen Augen wohlgefällt. Anliegende versiegelte Kapsel, die wohl ein Bild enthalten dürfte, gab die Verblichene mit dem ausdrücklichen Wunsche in meine Hände, dasselbe dir gleich nach ihrem Abscheiden zu senden, welcher Pflicht ich hiermit nachkomme. Möge dies letzte Andenken für dich viel Erfreuliches enthalten!«

»Komisch ist, trotz aller Trauer, die ich dir pflichtschuldigst melden muß, daß nach dem Tode deiner seligen Frau Mutter mehr Lusttragende, sie zu beerben, als Leidtragende, sie zu bestatten, von allen Seiten herbeikamen. Wir sind auf einmal äußerst reich – an lieben Verwandten geworden, und der Baum der van der Valckischen Sippschaft hat mehr Aeste, als mir bekannt war; bis nach Herzberg im Harzgebirge in Deutschland, ja bis nach Dahne im Königreich Preußen wohnen Menschenkinder, die unsere Verwandten sein wollen. Meinerseits konnte ich alle diese guten Seelen nur auffordern, sich mit mir, oder falls ihnen dies lieber wäre, mit Hiob zu trösten, und ihnen versprechen, daß ich sie in mein frommes Gebet einschließen wolle, doch glaube ich fast, daß ihnen daran Nichts gelegen ist, denn die gottlose Welt hat den rechten Glauben verloren.«

»Noch muß ich dir, geliebter Leonardus, eine Nachricht als Neuigkeit mittheilen, welche dir gewiß eine große Freude machen wird. Du erinnerst dich sicherlich noch des vormaligen Schiffskapitäns auf deines wohlseligen Herrn Vaters »vergulder Rose«; diese Pinke hat HerrRichard Fluit verlassen, und statt der »vergulden Rose« eine guldene Herbstaster geentert, mit der er in den geruhigen Hafen des heiligen Ehestandes eingelaufen ist. Ich selbst war das auserwählte Rüstzeug, wie deine selige Frau Mutter zu sagen pflegte, welches in unserm armen Kirchlein zu Sanct Ottilien das traute Paar ehelich verband, und wer war die Braut? Wenn du das erräthst, bester Leonardus, so heiße ich Jantjé und esse hundert Austern mit sammt der Schale.«

»Vernimm und staune! Herrn Fluit’s Erwählte ist Niemand anders, als die wohledelgeborene und tugendbelobte Mejouffrouwe Sibylle Nikodema van Swammerdam, vormals deine Verlobte, und mit ihr macht Fluit, was den Geldpunkt anbetrifft, ein ungeheueres Glück, welches du, geliebter Leonardus, dir seinerzeit hast entgehen lassen. Wie schön wird jene Flöte zu dieser Meertrompete stimmen, wenn sie Beide zu tönen anfangen! Beide lassen dich als alten Freund herzlich grüßen. Schicke ihnen ja ein schönes Hochzeitgeschenk, damit du Aussicht auf eine Pathenschaft gewinnst, falls die alte Meerminne und ihr Zeekoning einen Dolphyn mit einander gewinnen sollten.«

Das ist nun der Mann nach dem Herzen Gottes, das Kirchenlicht! sprach Ludwig unmuthsvoll und warf den Brief, den er Sophien nicht sehen lassen wollte, bei Seite.

Hierauf enthüllte er das versiegelte Päckchen und fand eine zweite Verpackung mit der Aufschrift: »An meinen lieben Sohn Leonardus Cornelius, zu öffnen am ersten 22. September nach meinem Tode.« – Es war dies die eigene Handschrift der Verstorbenen. Mithin stand der Inhalt, wie anzunehmen, mit dem Geburtstag des verstorbenen Leonardus in Verbindung. Ludwig ehrte den Willen der Verblichenen und legte schweigend das Päckchen zur Seite, indem er dasselbe gut verschloß.

Nicht lange nach dem Empfange dieses Briefes liefen auch wieder Nachrichten von Windt ein, und zwar war es kein gewöhnlicher Brief, sondern ein ziemlich bedeutendes Paket, welches in Frankfurt am Main angekommen und dort eine geraume Zeit auf der Post liegen geblieben war, bevor der zum Empfang Berechtigte selbst in diese Stadt kam. Dieses Paket trug die Aufschrift: »Documente« und enthielt eine hohe Werthbezeichnung.

Sehr neugierig darauf, welche Documente man ihm, dem gleichsam Vergessenen und Abgefundenen, noch nachträglich zu senden habe, öffnete Ludwig.

»Es ist Jammerschade, hochverehrtester Herr Graf,« schrieb Windt: »daß Sie nicht ohnlängst mit in Kniphausen waren! Das war eine Herrlichkeit in der Herrlichkeit! Ich übersende Ihnen treu copirte und vidimirte Abschriften mancher Actenstücke, aus denen Sie sich über den Stand der Dinge ungleich besser unterrichten können und werden, als ich mit meinem Geschreibsel es vermöchte; kurz, es ging hoch her und Niemand fehlte dabei als Sie, oder doch der Falk von Kniphausen!«

»UnterAfinden Sie im Original, welches auf mein Ersuchen auch eigens für Sie gefertigt, unterschrieben und besiegelt wurde, den zu Varel geschlossenen Vergleich zwischen dem Erbherrn und dem Besitzer von Doorwerth; unterBeinen Auszug des Testamentes meiner hochseligen Gebieterin, und unterCein dem Kopfe des Herrn Hofrath Brünings entsprungenes Memorandum, welches aber mit der aus Jovis Haupt entsprungenen Minerva Nichts gemein hat, als daß ihm ein Harnisch mit Drachenschuppen um den Leib geschnallt ist. Was diesesinvita Minervaentstandene Curiosum enthält, werden Sie selbst lesen, es geht Sie an.«

»Der junge Sohn aus der Gewissensehe, welche der Erbherr mit Demoiselle Sara Gerdes geschlossen hat, und bei dem der Herr Vice-Admiral Pathenstelle versah, ist hier in Hamburg, wo die Mutter im Palast der hochseligen Frau Großmutter ihre Wochen hielt, auf die Namen William Friedrich getauft worden, und befindet sich wohl. Diese Frucht aus dem ländlichen Garten von Bockhorn ist so schön, als immerhin eine andere im Park eines reichsgräflichen Ahnenschlosses erzeugte. Der Erbherr hat zu Varel seinem Pfarrer Hansing anderthalb Jahre nach dem Tode der holdseligen Erbherrin Ottoline erklärt, daß er als Wittwer, durch Familienverhältnisse und aus andern Gründen zu einer anderweit standesgemäßen Verbindung nicht schreiten wolle, aber auch nicht ohne Liebebeglückung durch das ihm noch vergönnte Leben zu wandeln gedenke, und feierlich jene seine Geliebte zur Stellvertreterin seiner verewigten Gemahlin erkoren und ernannt, mit der er, in vor Gott gültiger Gewissensehe zu leben gedenke, auch ohne die formelle kirchliche Sanction, mit dem Vorbehalt, die letztere so wie die Erhebung seinerzweiten Lebensgefährtin zur rechtmäßigen Gemahlin und Reichsgräfin zu einer ihm geeignet scheinenden Zeit nachzuholen.«

»Der Erbherr ist Souverän, er liebt jene Frau und ehrt sie, ihr Betragen ist würdevoll und gütig, sie ist ihrem Sohn eine zärtliche Mutter und Alles geht seinen guten Gang, Niemand hat dermalen ein Recht, die in ihrem Gewissen ehelich Verbundenen zu verdammen, wohl aber werden die Agnaten früher oder später dies thun, und es wird in der Folge wieder zu Streitigkeiten kommen, die dann wahrscheinlich kein Friedenstrank aus dem Falken von Kniphausen beizulegen vermögen wird,positosie hätten den Falken.«

»Ich sitze immer noch hier in Hamburg und plage mich wie ein Pferd, obschon ich todtmatt bin.«

»Aus der bereits erwähnten Anlage ersehen Sie, bester Herr Graf, daß man nicht übel Lust hat, Ihnen dierara avis, den Falken, wieder abzulocken und denselben auf eine oder die andere Art wieder nach Kniphausen zu bekommen. Mir ziemt nicht, Ihnen Rathschläge zu geben, ich aber wüßte was ich thäte – ich rückte ihnen den Falken auf ewig aus den Augen.«

»Meine Frau empfiehlt sich Ihnen und läßt gehorsamsten Respect vermelden. Der schreckliche Tod der armen Angés hat uns Beide außerordentlich erschüttert. Sie war zu gut für diese Welt, und ihr ist wohl, wenn nur nicht ein so bitteres Sterben ihr zu Theil geworden wäre. Sanft ruhe die Asche dieser wahrhaft guten und edlen Freundin!«

»Ich war sehr krank, und bin nur wie durch ein Wunder dem Tode entronnen. Der liebe Gott muß noch etwas Absonderliches mit mir vor haben, dazu er mich aufspart. Der Reimarus gab mich völlig auf, auch hatte ich bereits, ehe es so ganz schlimm mit mir wurde, Auftrag ertheilt, daß der Consul Höfer meine Habseligkeiten und Papiere versiegeln sollte, und ebenso hatte ich das Begräbniß in hiesigem Dom angeordnet. Gottes Gnade hat mich abermals errettet, aber fort will ich von hier – muß fort, meine Aufenthaltskosten übersteigen mein geringfügiges Legat. Ich habe mir einen kleinen Wagen gekauft, darin will ich sobald als möglich mein Bette anbringen, und gen Stadthagen segeln, möge es mir eine Stadt Hafen sein! Ich bedarf dessen, ich sehne mich nach Ruhe; wer weiß wie baldbestürmt Sie, mein gnädiger lieber Herr Graf, der alte Windt nicht mehr mit seinen unruhigen Briefen! Alles Glück sei mit Ihnen, und bedürfen Sie meiner für Ihre Aufträge in irgend einer Sache, so werden dieselben von mir vollzogen, ich mag sein, wo ich immer sei, nur nicht, wenn ich im Himmel bin; doch selbst dort noch

Ihr ganz ergebenster W.«

Mit neugierigem Verlangen griff der Graf nach den Documenten und sprach schmerzlich lächelnd: Ich will doch nicht hoffen, daß sich um mich ein Schriften- und Actenwerk drängt, wie um die alte selige Großmutter; am Besten wird es sein, ich werfe, was mir nicht gefällt, gleich in’s Feuer.

Das erste Papier war ein mit zwei schwarzen Siegeln versehener und vom Erbherrn wie von dem Vice-Admiral eigenhändig unterschriebener Vertrag in französischer Sprache, welcher ins Deutsche übersetzt lautete:

Wir, die Unterzeichneten, Wilhelm Gustav Friedrich, regierender Graf von Rhoon, Herr von Varel und Kniphausen, und Wir, William, Graf und Herr von Doorwerth mit Zubehör(cum annexis)erklären und erkunden, daß alle die Rechtsfragen, Streitpunkte und Zwistigkeiten, die vorher zwischen der Reichsgräfin Charlotte Sophie, verwittweten Gräfin und Frau zu Varel, In- und Kniphausen, geborene Gräfin von Aldenburg einerseits, und dem obengenannten regierenden Grafen, wie auch die zwischen seinem seligen Vater, dem Herrn von Varel, seiner Frau Mutter und seinem Großvater anderseits Statt gefunden haben, auf eine freundliche Art für immer abgethan und verglichen sein sollen, so daß Wir, der regierende Graf und Herr von Doorwerth, als einziger Erbe der seligen Frau Gräfin, unserer Großmutter, im vollkommensten Einverständniß über Alles sind, was Rechte und Vorrechte in unsern Familien betrifft, und daß wir so wohl für uns als für unsere Nachkommenschaft, die es angeht, uns verbunden haben, niemals diese gemeinschaftliche Uebereinkunft zu verletzen. Damit aber unsere oben ausgesprochene, gemeinschaftliche Vereinigung weder Zweifel noch Widerspruch erleide, so haben wir diesen gegenwärtigen Act unterschrieben und besiegelt. Geschehen zu Varel etc.

Es waren die richtigen beiderseitigen Wappen; das des Erbherrn stand in einem gekrönten hermelinverbrämten Fürstenmantel, überdem Wappen vier schwebende Kronen, deren jede ein besonderes Kleinod trug. Zwei Löwen dienten als Schildhalter, die auf Palmenzweige traten, um die sich eine Bandrolle mit dem Wahlspruch:Craignez hontewand. Das Wappen des Vice-Admirals war im Ganzen ebenso, aber es stand nicht in einem Fürstenmantel, auf dem Wappen ruhten vier gekrönte Helme mit den Kleinodien, und der Wahlspruch fehlte.

Ja wirklich, Windt hat Recht, spöttelte Ludwig, zu dieser Einigungsacte hätte nothwendig aus dem Falken von Kniphausen getrunken werden müssen, wie vor Zeiten bei der uralten Einigung der streitenden Linie. Schade, daß sie ihn nicht an Ort und Stelle hatten!

Die Auszüge aus dem Testament der Großmutter, welche Ludwig rasch überflog, enthielten meist ihm Bekanntes; das Testament umfaßte so viele Legate und Schenkungen, daß den Erben alles Lachen darüber vergangen war.

Nun aber, was soll diese dritte Schrift? rief der Graf, und hob sie verwundert empor; sie war 22½ Seiten lang und von einer Advocatenhand geschrieben. Dieselbe berührte die einem jungen Menschen zu dessen Erziehung, Ausbildung und zu Reisen gemachte Schenkung, über die sich ein Nachlaß, eine Aufzeichnung vorgefunden hatte; gedachte ferner eines Testamentes, in welchem der Falk von Kniphausen ausdrücklich erwähnt worden sei, als spurlos verschwunden, kam dann auch auf das vorhandene Testament zu sprechen, kraft dessen der Vice-Admiral Graf William zum Universal-Erben eingesetzt sei; sprach klagend über die vielen Schenkungen, und vermißte in denselben die Anführung des werthvollen Geräthes, jenes Falken von Kniphausen, das ganz unschätzbar sei. Da nun »dem Vernehmen nach ein gewisser junger Herr dieses Kleinod von der Erblasserin aus freier Hand und aus eigenem Willen in unbekannter Form und Weise erhalten habe, so erscheine wünschenswerth, den dermaligen Aufenthaltsort jenes Herrn zu erkunden, und denselben wo möglich zu bewegen, jenes hochwerthvolle Familienkleinod, sofort er sich über den rechtmäßigen Besitz werde genügend ausweisen können, gegen eine Geldsteuer wieder an die Familie abzutreten, sintemalen alte Sagen und Ueberlieferungen im Umlauf gingen, deren superstitiösem Wahn allerdings keine Folge zu geben, daß an diesen Falken das Glück des hochgräflichen Hauses so gebannet sei, wie das Glück der Grafen von Ranzau an jene Kleinode ausZwergengold: fünfzig Rechnenpfennige, ein Häring und zwei Spindeln. Es werde sonder Zweifel der dermalige Inhaber besagten Kleinods sich mit ohngefähr vier- bis fünftausend Mark Hamburger Banco zu Dank begnügen lassen, um so mehr, als der hochgnädige Erbherr die frühere übergroße Schenkung großmüthig wolle passiren lassen, ohngeachtet ihm C. 32,Cod. de donationibusund die prononcirte Meinung Schaumburgsin Comp. ff. ad tit. de donat. §. X, nebst andern mehr, hinlänglichen Stoff zu Einreden an die Hand geben könnten.

Ludwig hatte Mühe, in Sophiens Gegenwart seinen Zorn zu beherrschen, der bei Lesung dieser Schrift in ihm aufflammte, aber seine Hände zitterten, während er dieses Memorandum las, bis er es plötzlich, wie es war, mit dem Ausruf: Dänische Spinne! von oben bis unten zerriß und zusammenknitterte.

Was sagte die selige Großmutter? rief er entschlossen. »Sie sollen ihn nicht haben!« sprach sie. »Sie sollen nicht wieder daraus trinken!« Und die Worte eines Sterbenden sollen uns heilig sein! Wohl ist dieses kunstvolle und köstliche Geräth ein hochwerthes Kleinod und für mich in der That ganz unschätzbar – o es schließt Herzen unsichtbar in sich ein, theure edle Herzen! Aber bedarf es für diese Herzen eines sichtbaren Andenkens? Nein, bei mir nimmermehr, so lange ich athme. Darum will ich rasch mich scheiden von seinem Besitze, ehe List oder Uebereilung oder Raub oder Bitte es mir abdringen.

Schnell war sein Entschluß gefaßt; in den nächsten Minuten saß er schon am Schreibtisch und schrieb an die Herzogin Georgine:

»Hochgnädigste mütterliche Freundin!

Aus der Hand meiner sterbenden Großmutter empfing ich das beifolgende Kunstwerk. Stets auf Reisen und noch ohne dauernden Wohnsitz macht es mir große Sorge, daß ein unglücklicher Zufall mich um dieses mir doppelt heilige Unterpfand hoher Liebe bringen könnte. Die Urkunde über meinen völlig rechtmäßigen Besitz ist dem Kunstwerke beigegeben. Ich sende es Ihnen, wo es sicher und in treuer Hand bewahrt bleibt; heben Sie mir diesen Falken liebevoll auf, bis ich denselben zurückfordere. Geschieht dies nicht, so sei und bleibe der Juwelenfalk, der unter keiner Bedingung an einen andern als an mich selbst, wenn ich denselben wieder fordere, gegeben werdendarf, ein Eigenthum Ihrer hohen Familie und erfreue noch durch die Kunst der Arbeit, die Pracht seines Glanzes und den Werth seiner Juwelen die spätesten Nachkommen. Gewiß, Sie lassen mich keine Fehlbitte thun, edelste großmüthigste Freundin, und bauen diesem Falken seinen Horst im Castle Chatsworth, wo derselbe Sie an mich und an mein Herz erinnern möge, das voll Dank und verehrender Liebe ist und es bis zum letzten Hauche bleibt.«

Noch Eins geschehe! sprach Ludwig, indem er sich erhob und Philipp klingelte. Wie sprach die Großmutter ferner? »Nur du – und die, welcher du dein Herz schenkst, sollen aus dem Falken trinken.« So sprach sie, und auch das erfülle sich!

Der Diener kam; Ludwig gebot ihm den Falken zu bringen, und eine Flasche des edelsten Weines zu bestellen. Als Alles da war, nahm der Graf das Gefäß und den Wein und ging zu Sophie hinüber.

Die Prinzessin staunte mit leuchtenden Augen die Pracht des Falken an; sie hatte Aehnliches noch nie gesehen. Noch mehr aber war sie verwundert, als sie gewahrte, daß der Kopf des Vogels sich aufschlagen ließ, und das Innere eine goldene Höhlung zeigte.

Ludwig goß den Wein in den Pokal und bedeckte ihn dann wieder mit dem Haupte des Vogels. Dann sprach er: Sophie, dieses Geräth wurde mir anvertraut von jener verehrten Greisin, bei welcher Sie einst mit Ihrer erlauchten Frau Mutter zu Hamburg einen Besuch machten. Sie sprach damals zu mir das bedeutungsvolle Wort: Trinke du daraus und Die, welcher du dein Herz schenkst. – Sophie, ich stehe allein in der Welt, fast Alle, denen ich früher mein Herz geschenkt hatte, sind mir gestorben, wem sollte ich nun mein Herz schenken? Darf ich es wagen, Sie einzuladen, Sophie, daß Sie mir diesen Trank mit Ihren reinen Lippen weihen?

Ein hohes Roth trat auf ihre Wangen; sie entgegnete sichtbar ergriffen: Ich habe gelesen, daß bei den alten Ritterspielen edle Frauen und Jungfrauen den Siegern die Pokale kredenzten, oder diese ihnen als Kampfespreise reichten; das nannte man Dank. Mein ganzes Herz, Graf, ist Dank, inniger Dank; darum erfülle ich gern, herzlich gern Ihren Wunsch und trinke von diesem Weine auf das Wohl eines edlen Siegers! – Sie schlug des Vogels Haupt zurück, führte mit fester Hand den schweren Goldpokal zum Munde und flüsterte, bevor sietrank: Auf Ihr Wohl, Graf Ludwig, und auf eine bessere, schönere Zukunft!

Nachdem ihre Lippen den Juwelenkelch berührt und dessen Wein gekostet hatten, gab sie den Falken mit freundlichem Blick in des Grafen Hand zurück, und auch er trank mit einem vollen, überströmenden Gefühle, das keine Worte fand; dann sprach er: Und diesem mir doppeltgeweihten Gefäß, aus dem ich nun zweimal süßen Zauber getrunken, muß ich entsagen; glauben Sie, theure Sophie, das ist kein leichter Entschluß, aber ich will Sieger über mich selbst sein, ich will es, weil ich es mir selbst gelobt habe.

Noch an demselben Tage kam der Falk von Kniphausen zur Post, wohlverwahrt und weich gebettet, um bald darauf über den Kanal zu reisen, von zarter Hand enthüllt und mit Staunen begrüßt zu werden. Die ganze reiche Grafschaft Devonshire bewahrte kein Kleinod von Künstlerhand, das diesem an Pracht, Schönheit und Werth sich gleichstellen konnte.


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