Wirst Du des Vaters Wahl nicht schelten?Was er versprach, wie? dürft’ es gelten? —Du könntest Dich für ewig mir ergeben,Und Deine Hand dem Fremdling reichtest Du?Soll finden ich nach qualenvollem LebenIn Deiner Treu’ die lang ersehnte Ruh? —
Wirst Du des Vaters Wahl nicht schelten?
Was er versprach, wie? dürft’ es gelten? —
Du könntest Dich für ewig mir ergeben,
Und Deine Hand dem Fremdling reichtest Du?
Soll finden ich nach qualenvollem Leben
In Deiner Treu’ die lang ersehnte Ruh? —
Senta.
Wer Du auch seist, und welches das Verderben,Dem grausam Dich Dein Schicksal konnte weih’n:Was auch das Loos, das ich mir sollt’ erwerben:Gehorsam stets werd’ ich dem Vater sein.
Wer Du auch seist, und welches das Verderben,
Dem grausam Dich Dein Schicksal konnte weih’n:
Was auch das Loos, das ich mir sollt’ erwerben:
Gehorsam stets werd’ ich dem Vater sein.
Hollaender.
So unbedingt, wie? könnte Dich durchdringenFür meine Leiden tiefstes Mitgefühl?
So unbedingt, wie? könnte Dich durchdringen
Für meine Leiden tiefstes Mitgefühl?
Senta.
O, welche Leiden! Könnt’ ich Trost Dir bringen!
Hollaender.
Welch holder Klang im mächtigen Gewühl! —Du bist ein Engel! — Eines Engels LiebeVerworf’ne selbst zu trösten weiss! —Ach, wenn Erlösung mir zu hoffen bliebe,Allewiger, durch diese sei’s!
Welch holder Klang im mächtigen Gewühl! —
Du bist ein Engel! — Eines Engels Liebe
Verworf’ne selbst zu trösten weiss! —
Ach, wenn Erlösung mir zu hoffen bliebe,
Allewiger, durch diese sei’s!
Senta.
Ach! wenn Erlösung ihm zu hoffen bliebe,Allewiger, durch mich nur sei’s!
Ach! wenn Erlösung ihm zu hoffen bliebe,
Allewiger, durch mich nur sei’s!
Hollaender.
O könntest das Geschick Du ahnen,Dem dann mit mir Du angehörst:Dich würd’ es an das Opfer mahnen,Das Du mir bringst, wenn Treu’ Du schwörst.Es flöhe schaudernd Deine Jugend,Dem Loose, dem Du sie willst weih’n:Nennst Du des Weibes schönste Tugend,Nennst heil’ge Treue Du nicht Dein!
O könntest das Geschick Du ahnen,
Dem dann mit mir Du angehörst:
Dich würd’ es an das Opfer mahnen,
Das Du mir bringst, wenn Treu’ Du schwörst.
Es flöhe schaudernd Deine Jugend,
Dem Loose, dem Du sie willst weih’n:
Nennst Du des Weibes schönste Tugend,
Nennst heil’ge Treue Du nicht Dein!
Senta.
Wohl kenn’ ich Weibes hohe Pflichten, —Sei d’rum getrost, unsel’ger Mann!Lass über die das Schicksal richten,Die seinem Spruche trotzen kann!In meines Herzens höchster ReineKenn’ ich der Treue Hochgebot:Wem ich sie weih’, schenk’ ich die Eine;Die Treue bis zum Tod!
Wohl kenn’ ich Weibes hohe Pflichten, —
Sei d’rum getrost, unsel’ger Mann!
Lass über die das Schicksal richten,
Die seinem Spruche trotzen kann!
In meines Herzens höchster Reine
Kenn’ ich der Treue Hochgebot:
Wem ich sie weih’, schenk’ ich die Eine;
Die Treue bis zum Tod!
Hollaender.
Ein heil’ger Balsam meinen Wunden,Dem Schwur, dem hohen Wort entfliesst!
Ein heil’ger Balsam meinen Wunden,
Dem Schwur, dem hohen Wort entfliesst!
Senta.
Von mächt’gem Zauber überwunden,Reisst mich’s zu seiner Rettung fort:
Von mächt’gem Zauber überwunden,
Reisst mich’s zu seiner Rettung fort:
Hollaender.
Hört’ es: mein Heil hab’ ich gefunden,Mächte, die ihr zurück mich stiess’t!Du Stern des Unheils, sollst erblassen!Licht meiner Hoffnung, leuchte neu.Ihr Engel, die mich einst verlassen,Stärkt jetzt dies Herz in seiner Treu’!
Hört’ es: mein Heil hab’ ich gefunden,
Mächte, die ihr zurück mich stiess’t!
Du Stern des Unheils, sollst erblassen!
Licht meiner Hoffnung, leuchte neu.
Ihr Engel, die mich einst verlassen,
Stärkt jetzt dies Herz in seiner Treu’!
Senta.
Hier habe Heimath er gefunden,Hier ruh’ sein Schiff im ew’gen Port!Was ist’s, das mächtig in mir lebet?Was schliesst berauscht mein Busen ein?Allmächt’ger, was mich hoch erhebet,Lass es die Kraft der Treue sein!
Hier habe Heimath er gefunden,
Hier ruh’ sein Schiff im ew’gen Port!
Was ist’s, das mächtig in mir lebet?
Was schliesst berauscht mein Busen ein?
Allmächt’ger, was mich hoch erhebet,
Lass es die Kraft der Treue sein!
Daland.
Verzeiht, mein Volk hält draussen sich mehr;Nach jeder Rückkunft, wisset, giebt’s ein Fest:—Verschönern möcht’ ich’s, komme deshalb her,Ob mit Verlobung sich’s vereinen lässt? —Ich denk’, Ihr habt nach Herzenswunsch gefreit? —Senta, mein Kind, sag’, bist auch Du bereit? —
Verzeiht, mein Volk hält draussen sich mehr;
Nach jeder Rückkunft, wisset, giebt’s ein Fest:—
Verschönern möcht’ ich’s, komme deshalb her,
Ob mit Verlobung sich’s vereinen lässt? —
Ich denk’, Ihr habt nach Herzenswunsch gefreit? —
Senta, mein Kind, sag’, bist auch Du bereit? —
Senta.
Hier meine Hand, und ohne Reu’Bis in den Tod gelob’ ich Treu’!
Hier meine Hand, und ohne Reu’
Bis in den Tod gelob’ ich Treu’!
Hollaender.
Sie reicht die Hand: gesprochen seiHohn Hölle dir, durch ihre Treu’!
Sie reicht die Hand: gesprochen sei
Hohn Hölle dir, durch ihre Treu’!
Daland.
Euch soll dies Bündniss nicht gereu’n!Zum Fest! heut muss sich Alles freu’n!
Euch soll dies Bündniss nicht gereu’n!
Zum Fest! heut muss sich Alles freu’n!
Chor der norwegischen Matrosen.
Steuermann, lass die Wacht!Steuermann, her zu uns!He! He! Je! Ha!Hebt die Segel auf! Anker fest!Steuermann, her! —Fürchten weder Wind noch bösen Strand,Wollen heute ’mal recht lustig sein!Jeder hat sein Mädel auf dem Land,Herrlichen Tabak und guten Branntewein.Hussassahe!Klipp’ und Sturm draus —Jallolohe!Lachen wir aus!Hussassahe!Segel ein! Anker fest! Klipp’ und Sturm lachen wir aus!Steuermann her, trink’ mit aus!
Steuermann, lass die Wacht!
Steuermann, her zu uns!
He! He! Je! Ha!
Hebt die Segel auf! Anker fest!
Steuermann, her! —
Fürchten weder Wind noch bösen Strand,
Wollen heute ’mal recht lustig sein!
Jeder hat sein Mädel auf dem Land,
Herrlichen Tabak und guten Branntewein.
Hussassahe!
Klipp’ und Sturm draus —
Jallolohe!
Lachen wir aus!
Hussassahe!
Segel ein! Anker fest! Klipp’ und Sturm lachen wir aus!
Steuermann her, trink’ mit aus!
Maedchen.
Nein! Seht doch an! Sie tanzen gar!Der Mädchen bedarf’s da nicht fürwahr!
Nein! Seht doch an! Sie tanzen gar!
Der Mädchen bedarf’s da nicht fürwahr!
Matrosen.
He! Mädel! Halt! wo geht ihr hin?
Maedchen.
Steht euch nach frischem Wein der Sinn?Eu’r Nachbar dort soll auch was haben,Ist Trank und Schmaus für euch allein?
Steht euch nach frischem Wein der Sinn?
Eu’r Nachbar dort soll auch was haben,
Ist Trank und Schmaus für euch allein?
Steuermann.
Fürwahr, trägt’s hin den armen Knaben,Vor Durst sie scheinen matt zu sein.
Fürwahr, trägt’s hin den armen Knaben,
Vor Durst sie scheinen matt zu sein.
Matrosen.
Man hört sie nicht?
Steuermann.
Ei, seht doch nur!Kein Licht! Von der Mannschaft keine Spur.
Ei, seht doch nur!
Kein Licht! Von der Mannschaft keine Spur.
Maedchen.
He! Seeleut’! He! Wollt Fackeln ihr?Wo seid ihr doch? Man sieht nicht hier.
He! Seeleut’! He! Wollt Fackeln ihr?
Wo seid ihr doch? Man sieht nicht hier.
Matrosen.
Weckt sie nicht auf; sie schlafen noch.
Maedchen.
He! Seeleut’! He! Antwortet doch!
Steuermann und Matrosen.
Haha! Wahrhaftig, sie sind todt.Sie haben Speis’ und Trank nicht noth.
Haha! Wahrhaftig, sie sind todt.
Sie haben Speis’ und Trank nicht noth.
Maedchen.
Wie, Seeleute? Liegt Ihr so faul schon im Nest?Ist heute für Euch denn nicht auch ein Fest?
Wie, Seeleute? Liegt Ihr so faul schon im Nest?
Ist heute für Euch denn nicht auch ein Fest?
Steuermann und Matrosen.
Sie liegen fest auf ihrem Platz,Wie Drachen hüten sie den Schatz.
Sie liegen fest auf ihrem Platz,
Wie Drachen hüten sie den Schatz.
Maedchen.
Wie, Seeleute? Wollt Ihr nicht goldenen Wein?Ihr müsset wahrlich doch auch durstig sein.
Wie, Seeleute? Wollt Ihr nicht goldenen Wein?
Ihr müsset wahrlich doch auch durstig sein.
Steuermann und Matrosen.
Sie trinken nicht, sie singen nicht,In ihrem Schiffe brennt kein Licht.
Sie trinken nicht, sie singen nicht,
In ihrem Schiffe brennt kein Licht.
Maedchen.
Sagt, habt Ihr denn nicht auch ein Schätzchen am Land?Wollt Ihr nicht mit tanzen auf freundlichem Strand?
Sagt, habt Ihr denn nicht auch ein Schätzchen am Land?
Wollt Ihr nicht mit tanzen auf freundlichem Strand?
Matrosen.
Sie sind schon alt und bleich statt roth,Und ihre Liebsten, die sind todt.
Sie sind schon alt und bleich statt roth,
Und ihre Liebsten, die sind todt.
Maedchen.
He, Seeleut’! Seeleut’! wacht doch auf!Wir bringen Euch Speis’ und Trank zu Hauf!
He, Seeleut’! Seeleut’! wacht doch auf!
Wir bringen Euch Speis’ und Trank zu Hauf!
Matrosen.
Sie bringen Euch Speis’ und Trank zu Hauf!
Maedchen.
Wahrhaftig! Ja, sie scheinen todt.Sie haben Speis’ und Trank nicht noth.
Wahrhaftig! Ja, sie scheinen todt.
Sie haben Speis’ und Trank nicht noth.
Matrosen.
Vom fliegenden Holländer wisst Ihr ja!Sein Schiff, wie es leibt, wie es lebt, seht Ihr da.
Vom fliegenden Holländer wisst Ihr ja!
Sein Schiff, wie es leibt, wie es lebt, seht Ihr da.
Maedchen.
So wecket die Mannschaft ja nicht auf,Gespenster sind’s, wir schwören drauf!
So wecket die Mannschaft ja nicht auf,
Gespenster sind’s, wir schwören drauf!
Matrosen.
Wie viel hundert Jahre schon seid Ihr zur See?Euch thut ja der Sturm und die Klippe nicht weh!
Wie viel hundert Jahre schon seid Ihr zur See?
Euch thut ja der Sturm und die Klippe nicht weh!
Maedchen.
Sie trinken nicht, sie singen nicht!In ihrem Schiffe brennt kein Licht!
Sie trinken nicht, sie singen nicht!
In ihrem Schiffe brennt kein Licht!
Matrosen.
Habt Ihr keine Brief’, keine Auftrag’ für’s Land?Unsern Urgrossvätern wir bringen’s zur Hand.
Habt Ihr keine Brief’, keine Auftrag’ für’s Land?
Unsern Urgrossvätern wir bringen’s zur Hand.
Maedchen.
Sie sind schon alt und bleich statt roth;Ach! ihre Liebsten, die sind todt!
Sie sind schon alt und bleich statt roth;
Ach! ihre Liebsten, die sind todt!
Matrosen.
Hei! Seeleute! Spannt Eure Segel doch auf!Und zeigt uns des fliegenden Holländers Lauf!
Hei! Seeleute! Spannt Eure Segel doch auf!
Und zeigt uns des fliegenden Holländers Lauf!
Maedchen.
Sie hören nicht, — uns graust es hier!Sie wollen nichts, — was rufen wir?
Sie hören nicht, — uns graust es hier!
Sie wollen nichts, — was rufen wir?
Matrosen.
Ihr Mädel, lasst die Todten ruh’n!Lasst’s uns Lebend’gen glücklich thun!
Ihr Mädel, lasst die Todten ruh’n!
Lasst’s uns Lebend’gen glücklich thun!
Maedchen.
So nehmt, Eu’r Nachbar hat’s verschmäht!
Steuermann und Matrosen.
Wie? Kommt Ihr denn nicht selbst an Bord?
Maedchen.
Ei, jetzt noch nicht, es ist nicht spät.Wir kommen bald, jetzt trinkt nur fort.Und, wenn Ihr wollt, so tanzt dazu,Nur lasst dem müden Nachbar Ruh’!
Ei, jetzt noch nicht, es ist nicht spät.
Wir kommen bald, jetzt trinkt nur fort.
Und, wenn Ihr wollt, so tanzt dazu,
Nur lasst dem müden Nachbar Ruh’!
Matrosen.
Juchhe! Juchhe! da giebt’s die Fülle!Ihr lieben Nachbarn, habet Dank!
Juchhe! Juchhe! da giebt’s die Fülle!
Ihr lieben Nachbarn, habet Dank!
Steuermann.
Zum Rand sein Glas ein Jeder fülle!Lieb Nachbar liefert uns den Trank!
Zum Rand sein Glas ein Jeder fülle!
Lieb Nachbar liefert uns den Trank!
Matrosen.
Halloho! Halloho! Ho! ho! ho!Lieb Nachbarn, habt Ihr Stimm’ und Sprach’,So wachet auf, und macht’s uns nach!Steuermann, lass die Wacht!Steuermann, her zu uns!Ho! He! Je! Ha!Hisst die Segel auf! Anker fest! —Steuermann, her! —Wachten manche Nacht bei Sturm und Graus,Tranken oft des Meer’s gesalz’nes Nass; —Heute wachen wir bei Saus und Schmaus,Besseres Getränk giebt Mädel uns vom Fass!Hussassahe!Klipp’ und Sturm draus! etc. etc.
Halloho! Halloho! Ho! ho! ho!
Lieb Nachbarn, habt Ihr Stimm’ und Sprach’,
So wachet auf, und macht’s uns nach!
Steuermann, lass die Wacht!
Steuermann, her zu uns!
Ho! He! Je! Ha!
Hisst die Segel auf! Anker fest! —
Steuermann, her! —
Wachten manche Nacht bei Sturm und Graus,
Tranken oft des Meer’s gesalz’nes Nass; —
Heute wachen wir bei Saus und Schmaus,
Besseres Getränk giebt Mädel uns vom Fass!
Hussassahe!
Klipp’ und Sturm draus! etc. etc.
Chor der Mannschaft des fliegenden Hollaenders.
Johohe! Johohohoe! hohohohoe! Hoe! Hoe! Hoe!Huissa!Nach dem Land treibt des Sturm —Huissa!Segel ein! Anker los!Huissa!In die Bucht laufet ein!Schwarzer Hauptmann, geh’ an’s Land!Sieben Jahre sind vorbei;Frei’ um blonden Mädchens Hand;Blondes Mädchen, sei ihm treu!Lustig heut’,Bräutigam!Sturmwind heult Brautmusik,Ocean tanzt dazu.Hui! — Horch, er pfeift!— Capitän, bist wieder da? —Hui! — „Segel auf.“ —— Deine Braut, sag’, wo sie blieb? —Hui! „Auf in See!“ —Capitän! Capitän! Hast kein Glück in der Lieb’!Hahaha!Sause, Sturmwind, heule zu!Uns’ren Segeln lässt du Ruh’:Satan hat sie uns gefeit,Reissen nicht in Ewigkeit!
Johohe! Johohohoe! hohohohoe! Hoe! Hoe! Hoe!
Huissa!
Nach dem Land treibt des Sturm —
Huissa!
Segel ein! Anker los!
Huissa!
In die Bucht laufet ein!
Schwarzer Hauptmann, geh’ an’s Land!
Sieben Jahre sind vorbei;
Frei’ um blonden Mädchens Hand;
Blondes Mädchen, sei ihm treu!
Lustig heut’,
Bräutigam!
Sturmwind heult Brautmusik,
Ocean tanzt dazu.
Hui! — Horch, er pfeift!
— Capitän, bist wieder da? —
Hui! — „Segel auf.“ —
— Deine Braut, sag’, wo sie blieb? —
Hui! „Auf in See!“ —
Capitän! Capitän! Hast kein Glück in der Lieb’!
Hahaha!
Sause, Sturmwind, heule zu!
Uns’ren Segeln lässt du Ruh’:
Satan hat sie uns gefeit,
Reissen nicht in Ewigkeit!
Norwegische Matrosen.
Welcher Sang! Ist es Spuk? Wie mich’s graut!Stimmet an unser Lied! Singet laut!Steuermann, lass die Wacht etc.
Welcher Sang! Ist es Spuk? Wie mich’s graut!
Stimmet an unser Lied! Singet laut!
Steuermann, lass die Wacht etc.
Erik.
Was musst’ ich hören? Gott! was musst’ ich sehen!Ist’s Täuschung? Wahrheit? Ist es That?
Was musst’ ich hören? Gott! was musst’ ich sehen!
Ist’s Täuschung? Wahrheit? Ist es That?
Senta.
Frag’ nicht, Erik! Antwort darf ich nicht geben.
Erik.
Gerechter Gott! Kein Zweifel! Es ist wahr!Welch unheilvolle Macht riss Dich dahin?Welche Gewalt verführte Dich so schnell,Grausam zu brechen dieses treuste Herz?Dein Vater? ha, den Bräut’gam bracht er mit, —Wohl kannt’ ich ihn, — mir ahnte, was geschieht.Doch Du? Ist’s möglich! — reichest Deine HandDem Mann, der Deine Schwelle kaum betrat!
Gerechter Gott! Kein Zweifel! Es ist wahr!
Welch unheilvolle Macht riss Dich dahin?
Welche Gewalt verführte Dich so schnell,
Grausam zu brechen dieses treuste Herz?
Dein Vater? ha, den Bräut’gam bracht er mit, —
Wohl kannt’ ich ihn, — mir ahnte, was geschieht.
Doch Du? Ist’s möglich! — reichest Deine Hand
Dem Mann, der Deine Schwelle kaum betrat!
Senta.
Nicht weiter! Schweig’! Ich muss! Ich muss!
Erik.
O des Gehorsams, blind wie Deine That!Den Wink des Vaters nanntest Du willkommen,MiteinemStreich vernichtest Du mein Herz!
O des Gehorsams, blind wie Deine That!
Den Wink des Vaters nanntest Du willkommen,
MiteinemStreich vernichtest Du mein Herz!
Senta.
Nicht mehr! Nicht mehr! Ich darf dich nicht mehr seh’n!Nicht an Dich denken. Hohe Pflicht gebeut’s!
Nicht mehr! Nicht mehr! Ich darf dich nicht mehr seh’n!
Nicht an Dich denken. Hohe Pflicht gebeut’s!
Erik.
Welch hohe Pflicht? IstHöh’renicht zu halten,Was Du mir einst gelobet, ew’ge Treue?
Welch hohe Pflicht? IstHöh’renicht zu halten,
Was Du mir einst gelobet, ew’ge Treue?
Senta.
Wie? Ew’ge Treue hätt’ ich Dir gelobt?
Erik.
Senta! O Senta! Läugnest Du?Willst jenes Tags Du nicht Dich mehr entsinnen,Als Du zu Dir mich riefest in das Thal?Als, Dir des Hochlands Blume zu gewinnen,Muthvoll ich trug Beschwerden ohne Zahl.Gedenkst Du, wie auf steilem FelsenriffeVom Ufer wir den Vater scheiden sah’n?Er zog dahin auf weiss beschwingtem Schiffe,Und meinen Schutz vertraute er Dich an:—Als sich Dein Arm um meinen Nacken schlang,Gestandest Du mir Liebe nicht aufs Neu’?Was bei der Hände Druck mich hehr durchdrang,Sag’, war’s nicht die Versich’rung Deiner Treu’?
Senta! O Senta! Läugnest Du?
Willst jenes Tags Du nicht Dich mehr entsinnen,
Als Du zu Dir mich riefest in das Thal?
Als, Dir des Hochlands Blume zu gewinnen,
Muthvoll ich trug Beschwerden ohne Zahl.
Gedenkst Du, wie auf steilem Felsenriffe
Vom Ufer wir den Vater scheiden sah’n?
Er zog dahin auf weiss beschwingtem Schiffe,
Und meinen Schutz vertraute er Dich an:—
Als sich Dein Arm um meinen Nacken schlang,
Gestandest Du mir Liebe nicht aufs Neu’?
Was bei der Hände Druck mich hehr durchdrang,
Sag’, war’s nicht die Versich’rung Deiner Treu’?
Hollaender.
Verloren! Ach! verloren! Ewig verlor’nes Heil!
Erik.
Was seh’ ich? Gott!
Hollaender.
Senta, leb’ wohl!
Senta.
Halt ein, Unsel’ger!
Erik.
Was beginnst Du?
Hollaender.
In See, in See!In See für ew’ge Zeiten!Um Deine Treue ist’s gethan,Um Deine Treue, um mein Heil.Lebwohl, ich will dich nicht verderben!
In See, in See!
In See für ew’ge Zeiten!
Um Deine Treue ist’s gethan,
Um Deine Treue, um mein Heil.
Lebwohl, ich will dich nicht verderben!
Erik.
Entsetzlich, dieser Blick!
Senta.
Halt ein! Von dannen sollst Du nimmer flieh’n.
Der Holländer gibt ein gellendes Zeichen auf seiner Pfeife und ruft der Mannschaft seines Schiffes zu.
Hollaender.
Segel auf! Anker los! Sagt Lebwohl auf Ewigkeit dem Lande!
Senta.
Ha, zweifelst Du an meiner Treue?Unseliger, — was verblendet Dich!Halt ein! Halt ein! Halt ein!Das Bündniss nicht bereue,Was ich gelobte, halte ich.Halt ein! Halt ein!
Ha, zweifelst Du an meiner Treue?
Unseliger, — was verblendet Dich!
Halt ein! Halt ein! Halt ein!
Das Bündniss nicht bereue,
Was ich gelobte, halte ich.
Halt ein! Halt ein!
Erik.
Was hör’ ich, Gott, was muss ich sehn!Muss ich dem Ohr, muss ich dem Auge traun!Was hör’ ich, Gott, Senta!Willst Du zu Grunde gehen?Zu mir, zu mir: Du bist in Satans Klau’n!
Was hör’ ich, Gott, was muss ich sehn!
Muss ich dem Ohr, muss ich dem Auge traun!
Was hör’ ich, Gott, Senta!
Willst Du zu Grunde gehen?
Zu mir, zu mir: Du bist in Satans Klau’n!
Hollaender.
Erfahre das Geschick, vor dem ich Dich bewahr’!Verdammt bin ich zum gräszlichsten der Loose!Zehnfacher Tod wär’ mir erwünschte Lust.Vom Fluch ein Weib allein kann mich erlösen,Ein Weib, das Treue bis in den Tod mir hält.Wohl hast Du Treue mir gelobt,Doch vor dem Ewigen noch nicht, dies rettet Dich!Denn wiss’! Unselige, welches das Geschick,Das Jene trifft, die mir die Treue brechen,Ewige Verdammniss ist ihr Loos!Zahllose Opfer fielen diesem Spruch durch mich.Du aber sollst gerettet sein.Lebwohl, fahr hin, mein Heil in Ewigkeit.
Erfahre das Geschick, vor dem ich Dich bewahr’!
Verdammt bin ich zum gräszlichsten der Loose!
Zehnfacher Tod wär’ mir erwünschte Lust.
Vom Fluch ein Weib allein kann mich erlösen,
Ein Weib, das Treue bis in den Tod mir hält.
Wohl hast Du Treue mir gelobt,
Doch vor dem Ewigen noch nicht, dies rettet Dich!
Denn wiss’! Unselige, welches das Geschick,
Das Jene trifft, die mir die Treue brechen,
Ewige Verdammniss ist ihr Loos!
Zahllose Opfer fielen diesem Spruch durch mich.
Du aber sollst gerettet sein.
Lebwohl, fahr hin, mein Heil in Ewigkeit.
Erik.
Zu Hülfe, rettet, rettet Sie!
Senta.
Wohl kenn ich Dich! Wohl kenn ich Dein Geschick;Ich kannte Dich, als ich zuerst Dich sah!Das Ende Deiner Qual ist da!Ich bin’s, durch deren Treu Dein Heil Du finden sollst!
Wohl kenn ich Dich! Wohl kenn ich Dein Geschick;
Ich kannte Dich, als ich zuerst Dich sah!
Das Ende Deiner Qual ist da!
Ich bin’s, durch deren Treu Dein Heil Du finden sollst!
Erik.
Helft Ihr, Sie ist verloren!
Mary.
Was erblicke ich?
Daland.
Was erblicke ich? Gott!
Hollaender.
Du kennst mich nicht, Du ahnst nicht, wer ich bin!Befrage die Meere aller Zonen.Befrage den Seemann, der den Ocean durchstrich;Erkenn’ dies Schiff, der Schrecken aller Frommen.Den: „Fliegenden Holländer“ nennt man mich.
Du kennst mich nicht, Du ahnst nicht, wer ich bin!
Befrage die Meere aller Zonen.
Befrage den Seemann, der den Ocean durchstrich;
Erkenn’ dies Schiff, der Schrecken aller Frommen.
Den: „Fliegenden Holländer“ nennt man mich.
Die Mannschaft des Fliegenden Hollaenders.
Jo ho, hoe!
Mary, Erik, Daland.
Senta, Senta, was willst Du thun?
Senta.
Preis Deinen Engel und sein Gebot,Hier steh’ ich treu Dir bis zum Tod.
Preis Deinen Engel und sein Gebot,
Hier steh’ ich treu Dir bis zum Tod.
(Sie stürzt sich in das Meer; — zugleich versinkt das Schiff des Holländers mit aller Mannschaft. Das Meer schwillt hoch auf und sinkt in einem Wirbel wieder zurück. Im Glüroth der aufgehenden Sonne sieht man über den Trümmern des Schiffes die verklärten Gestalten Senta’s und des Holländer’s sich umschlungen haltend dem Meere entsteigen und aufwärts schweben.)