ANEKDOTEN

ANEKDOTEN

König Friedrich der Große liebte nach der Überlieferung seines KammerhusarenSchöning[93]folgende Anekdote zu erzählen: „Der bekannte Graf Saint-Germain gab vor, daß er über 2000 Jahre alt sei und sich unter anderem viel im Gelobten Lande aufgehalten habe. ‚Sie müssen also Herrn Jesus Christus gesehen haben?’ frug ihn jemand. — ‚Ich habe ihn wohl gekannt. Man konnte sehr gut mit ihm auskommen. Aber seit der Geschichte mit dem Tempel hatte ich ihn aus den Augen verloren.’ Dieser wandte sich darauf an Saint-Germains Bedienten, um zu sehen, ob der auch so gut wie sein Herr lügen könnte: ‚Ist es denn wahr, lieber Freund, daß Ihr Herr so alt ist?’ — ‚Ach, mein Herr, das kann ich Ihnen nicht sagen; denn ich bin erst 300 Jahre in seinen Diensten.’“

Der französische Geschäftsträger in Petersburg, ChevalierCorberon, erzählt in seinen Aufzeichnungen[94]unter dem 30. März 1776 von einer Unterhaltung mit einem Kaufmann Pictet aus Genf:

„Die Rede kam auf den Grafen von Saint-Germain, den Pictet kannte. Ihm hat er Dinge über seine Familie erzählt, ebenso dem Marquis du Gouffier[95]über die seine. Pictet hält ihn für einen großen Chemiker und glaubt, daß er ein Geheimmittel besitzt, um einen fleckigen Diamanten tadellos zu machen. Und zwar glaubt er das, weil Pictets Schwiegervater, der Steinschleifer Magnan, alle Diamanten mit irgendwelchen Fehlern beiseite legte und sagte, dies geschähe für den Grafen Saint-Germain.“

GrafLehndorff(1727-1811), der ehemalige Kammerherr der Gemahlin Friedrichs des Großen[96], berichtet im Februar 1776 über eine Unterredung mit dem Malteserritter, Graf Sagramoso, der Gesandter in Warschau war:

„Er hat den berüchtigten Grafen Saint-Germain sehr gut gekannt, der sich für ewig ausgibt, und mir von ihm die folgende Anekdote erzählt: Bei einer Aufführung des Trauerspiels ‚Mariamne’[97]erklärte er, er sei doppelt davon gerührt, da er diese liebenswürdige Fürstin sehr gut gekannt habe. Eine anwesende Dame, die ihn in Verlegenheit setzen wollte, nahm darauf das Wort und sagte zu ihm: ‚Dann haben Sie auch wohl unseren HerrnJesus Christus gekannt?’ — ‚Ob ich ihn gekannt habe!’ erwiderte er; ‚so gut, daß ich ihm sagte, als er jene Geschichte im Tempel hatte: Lieber Freund, das kann nicht gut enden.’“

MadameCampan, Kammerfrau der Königin Marie Antoinette, berichtet in den „Anekdoten über die Regierung Ludwigs XV.“[98]von einer Frau von Marchais:

„Sie behielt im höchsten Alter das schönste Haar. Angeblich hatte ihr der berüchtigte Graf Saint-Germain, der am Hofe Ludwigs XV. als hochberühmter Alchimist auftrat, ein Elixier gegeben, das die Haare erhielt und sie vor dem Ergrauen bewahrte.“

Der weimarische Legationsrat Friedrich Johann JustinBertuch(1747-1822) erzählt in seiner Verdeutschung der Schrift: „Cagliostro in Warschau“, S. 28 Anmerkung (Straßburg 1786) vom Grafen Saint-Germain:

Sein sogenannter Kammerdiener war ihm heimlich durchgegangen und hatte ihm das Rezept zu seinem Wunderpulver gestohlen. Man bringt ihm die Nachricht, daß der Kerl sich irgendwo etabliert habe und damit kurieren wolle, und sagt ihm, es müsse ihm doch höchst unangenehm sein, seinarcanumauf diese Art gemißbraucht zu sehen. — „Nichts weniger!“ antwortet Saint-Germain darauf, „ich werde machen, daß es in des Kerls Händen nicht wirkt!“

GrafMirabeau(1749-1791), der berühmte französische Schriftsteller und Politiker, schreibt in seinem Werke „De la monarchie prussienne sous Frédéric le Grand“, Bd. 5, S. 69 (London 1788):

Saint-Germain, der von einem Grafen Lamberg in seinem „Tagebuch eines Weltkindes“ angekündigt worden war[99], hatte Jahrtausende gelebt. Er hatte einen Tee entdeckt, vor dem alle Krankheiten verschwanden. Er machte im Handumdrehen faustgroße Diamanten. Er schloß sich eng an den Prinzen Karl von Hessen an und vergaß, wie seine Vorgänger, nicht zu sterben.

Elisabeth von Ansbach und Bayreuth (Lady Craven)Stich von Friedr. Wilh. Nettling

Elisabeth von Ansbach und Bayreuth (Lady Craven)

Stich von Friedr. Wilh. Nettling


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