Ein und ein halber Monat waren seit jenem Tage verflossen, wo der Herrscher mit dem Luftpiraten in stiller Mitternachtsstunde zusammentraf.
Nach den Berechnungen der Gelehrten sollten nur noch fünfzehn Tage vergehen, bis der gefürchtete Zusammenstoß zwischen der Erde und dem Doppelkometen erfolgte.
Auf der Erde hatte man die Wiedervereinigung und den Zusammenstoß des Kometenpaares nicht beobachtet.
Merkwürdigerweise umhüllten gewaltige Wolkenmassen den ganzen Erdball und zwar waren diese Wolkenmassen in allen Zonen aufgetreten.
Nur hier und da entstand eine flüchtige Lücke, die man zur Beobachtung benutzen konnte.
Da kamen denn Botschaften und Depeschen, Nachrichten über das Nahen des Kometen.
Die Zeit zu Beobachtungen war nur kurz, so daß man nichts Sicheres ermitteln konnte.
Dennoch hatte ein berühmter Professor aus der Neuen Welt ein Telegramm geschickt, welches allenthalben verbreitet wurde.
Der berühmte Gelehrte depeschierte, daß mit dem Kometen irgend eine Veränderung vorgegangen sein müßte, im übrigen aber stünde er der Erde recht nahe.
Vielleicht war das eine kleine Hoffnung auf eine Wendung des drohenden Schicksals. Indessen glaubten doch die meisten an den Untergang der Erde.
Der Empörung aber war man jetzt mit dem Aufgebot aller Energie einigermaßen Herr geworden.
Der Janhagel, das Gesindel, welches durch die Aussicht auf Beute aus seinen Verstecken hervorgelockt wurde, erhielt einen furchtbaren Denkzettel, die wankenden Soldaten kehrten zu ihrer Pflicht zurück und schützten so gut als möglich die bürgerlichen Kreise.
Freilich mußte man ganze Horden von Verbrechern und raubsüchtigen Unholden niederschießen, aber das war kein Verlust für die Menschheit.
Dennoch flatterte die Fahne des Aufruhrs immer wieder empor, bald hier, bald dort, hauptsächlich auf dem Lande.
Da kamen Nachrichten von verwüsteten Schlössern, von verbrannten Gehöften, überall trieben sich arbeitsscheue Elemente umher, welche den allgemeinen Schrecken zur Befriedigung teuflischer Lust zu benutzen suchten.
In der Residenz herrschte scheinbar Ruhe.
Man konnte in der Tat diese Ruhe nur eine scheinbare nennen, vielleicht weil die Wolkenmassen den Anblick des nahenden Vernichters verdeckten.
Mit geheimem Schrecken dachten die Machthaber an den Augenblick, wo sich die Wolkenmassen zerstreuten und das nahende Ungetüm sichtbar werden würde.
Vielleicht kam es dann von neuem zum Aufruhr, zur entfesselten Wut der Volksmassen, die sich kurz vor ihrem Tode noch einmal aller Lebenslust überlassen wollten.
Aber im großen Residenzschlosse war es noch etwas anderes, was die Gemüter beunruhigte.
Die junge Prinzessin, welche einst der dämonische Baron begehrt, dieser Gelehrte, der seine Wissenschaft so übel benutzte, sie war es, welche von Zeit zu Zeit beunruhigende Beobachtungen machte.
Es schien, als ob eine unsichtbare, geheimnisvolle Gewalt es auf sie abgesehen, und auch die Dienerschaft im Schlosse hatte Sonderbares bemerkt. Ein paar Lakaien wollten sogar eine schattenhafte Gestalt in dem ältesten Teile des Schlosses gesehen haben.
Natürlich wurde nachgesucht, aber nichts gefunden. Man hielt es für eine Täuschung, manche meinten auch, es sei Gespensterspuk gewesen.
Von dem verschollenen Baron hatte man noch immer keine Nachricht, aber der Herrscher ahnte, daß dieser Mann nicht weit entfernt sei. Er kannte seine Rachsucht, seine Eitelkeit, er mußte von diesem Manne das Schlimmste erwarten.
Möglicherweise hetzte er die Volksmassen noch immer auf, zumal ihm große Mittel zur Verfügung standen. Oefter hörte man des Nachts Tumulte und dann mußten die Soldaten Zusammenrottungen auseinander sprengen.
„Ich wünschte, es wäre erst alles zu Ende,“ sprach der Herrscher zu dem Prinzen, der ihm seinerzeit den Luftpiraten zugeführt. „Wenn der Untergang der Welt unvermeidlich ist, so wünschte ich, er wäre schon da, damit meine Augen nicht vorher alle Greuel entfesselter Leidenschaften sehen müßten.“
Aber der Prinz hatte auf alle diese Reden nur immer die eine Antwort:
„Er wird kommen,“ sprach er. „Ich weiß es. Kapitän Mors hat gesagt, daß er Botschaft bringen will. Und er hält sein Wort. Ich kenne diesen Mann besser als viele andere. Er kommt, es kann jeden Tag von ihm Botschaft eintreffen.“
„Vielleicht hat er längst den Untergang gefunden,“ meinte der Herrscher, auf den die Erscheinung des Luftpiraten gewaltigen Eindruck gemacht hatte. „Vielleicht hat er sich, den Untergang der Erde voraussehend, auf einen anderen Planeten hinübergerettet.“
Der Prinz schüttelte den Kopf und schwieg. Er gab die Hoffnung nicht auf. Er ahnte, daß er Kapitän Mors wiedersehen würde. Die Antwort konnte nicht direkt kommen, sondern sie wurde höchstwahrscheinlich durch Professor van Halen an jenen Gelehrten geschickt, mit dem er von Zeit zu Zeit Nachrichten wechselte.
Dieser Gelehrte weilte in der großen Sternwarte der Residenz, einem ausgedehnten, mit allen modernen Errungenschaften ausgestatteten Gebäude.
Dort befand sich auch eine Station für Funkentelegraphie, die aber in der letzten Zeit gar nicht benutzt worden war.
Ein recht unruhiger Tag war vorübergegangen. Gegen Abend trafen neue Nachrichten ein, die einen furchtbaren Aufstand ziemlich gewiß machten. Es war kein Zweifel, unruhige Elemente wurden aufgehetzt, die Unzufriedenheit geschürt. Das kaum unterdrückte Feuer drohte wieder emporzuflammen.
Sorgenvoll hatte der Herrscher die Berichte angehört.
„Es ist nichts mehr zu retten,“ sprach er. „Es kommt zur grauenvollsten Katastrophe.“
Da meldete der diensthabende Kammerherr einen neuen Besucher und mit Erstaunen, aber auch Erregung hörte der Herrscher den Namen des gelehrten Mannes, der mit Professor van Halen in Verbindung stehen sollte.
„Ich habe eine Botschaft von meinem Freunde,“ begann der Gelehrte, als er die fragenden Blicke des Herrschers gewahrte. „Ich habe sie mit der Funkentelegraphie empfangen. Die Nachricht lautet aber recht sonderbar. Ich kann eigentlich gar nicht daraus klug werden. Jedenfalls erhielt ich die Weisung, sie augenblicklich nach dem Residenzschloß zu bringen.“
„Und wie lautet die Botschaft?“ rief der mächtige Mann in gespanntester Erwartung.
Der Gelehrte zog ein Stück Papier hervor.
„Sie lautet folgendermaßen,“ begann er. „Melden Sie auf der Stelle im Residenzschlosse, daß sich in dieser Nacht in der Mitternachtsstunde einige treue, zuverlässige und bewaffnete Männer in der Nähe des Pavillons aufhalten sollen. Es gilt jemand festzuhalten, der auf rätselhafte Weise den Schloßpark betreten kann. Es handelt sich auch um die Sicherheit einer hochstehenden Person, der Gefahr zu drohen scheint.“
„Das ist alles,“ setzte der Gelehrte hinzu.
Da trat der Prinz hinzu.
„Ich weiß zwar auch nicht, was es bedeutet,“ hob er an. „Aber ich bin überzeugt, daß der rätselhafte Maskierte zurückgekehrt ist und daß diese Nachricht etwas Wichtiges bedeutet. Ich werde gleich die nötigen Vorkehrungen treffen.“
„Ja, tue es,“ sprach der Herrscher zum Prinzen. „Ich werde auch um Mitternacht im Parke sein. Ich muß wissen, was da vorgeht. Ich will alles erfahren.“
Der Prinz säumte keinen Augenblick, das geheimnisvolle Gebot, welches offenbar vom Luftpiraten ausging, zu erfüllen.
Es gab noch zuverlässige Leute genug, auf die man sich unbedingt verlassen konnte, vor allen Dingen auf die Schloßwache, eine aus altgedienten Soldaten bestehende Leibgarde.
Es waren erprobte Männer, tapfer, entschlossen, jeden Augenblick bereit, ihren letzten Blutstropfen für das Herrscherhaus und dessen Angehörige herzugeben.
Der Prinz beorderte diese Leibwache bei eintretender Nacht in den Schloßpark und wies den Bewaffneten selbst die Verstecke, in denen sie die Entwicklung der Dinge abwarten sollten.
In kürzester Frist hatte sich jeder der Männer ein Versteck ausgesucht, und nun schien der Schloßpark so einsam und verlassen zu sein wie sonst in der Nacht. Nirgends sah man einen Menschen.
Auch der Prinz und der Herrscher hüllten sich in ihre Mäntel und suchten sich einen Platz aus, wo sie vielleicht fünfzig Schritte vom Pavillon stehend, die Umgebung beobachten konnten.
Zu sehen war freilich nicht viel. Die Umgebung des Pavillons war kaum in ihren Umrissen zu unterscheiden. Die dichten Wolkenmassen, welche den Himmel schon seit Wochen verhüllten, brachten große Dunkelheit zu Wege.
Allerdings war ein Teil der Bewaffneten mit elektrischen Laternen versehen, aber diese sollten erst in Funktion gesetzt werden, wenn es nötig wurde.
Noch war alles still, aber mit einem Male faßte der Prinz den Arm des Herrschers. Man vernahm verworrene Geräusche unter der Erde. Man hörte Schreie, dann etwas wie einen dumpfen Knall, der sich mehrmals wiederholte. Jetzt wurde das Geräusch deutlicher, und mit einem Male klang es vom Pavillon her. Dort wurde es lebendig. Man hörte ein Knicken und Knacken in den Gebüschen und es schien dem Herrscher, als ob dunkle Gestalten zum Vorschein kämen. Unmittelbar darauf wurde es hell.
Die Lichtstrahlen glichen der grellen Beleuchtung eines Scheinwerfers und irrten nach allen Richtungen in die Runde. Dieser Lichtschein beleuchtete bewaffnete Männer, die in großer Hast durch die Büsche rannten.
„Haltet sie fest,“ schallte plötzlich eine mächtige Stimme, die dem Herrscher sofort bekannt schien. „Laßt keinen entrinnen. Sie haben Böses im Sinne. Haltet sie fest und wenn sie Widerstand leisten, so macht sie nieder.“
In diesem Augenblick wurde es überall hell. Die Leibgarden des Herrschers setzten ihre elektrischen Leuchten in Funktion und stürzten den bewaffneten Männern entgegen. Bei der Leibwache befand sich aber auch der Polizeichef, den der Prinz im Schlosse zurückbehalten.
„Das sind ja langgesuchte Verbrecher,“ rief er den Soldaten zu. „Gefährliche Schurken, die plötzlich spurlos verschwanden und schon seit längerer Zeit gesucht werden.“
Die Leibgarden stürzten sich auf die bewaffneten Verbrecher, die sich jetzt, als sie sich umringt sahen, verzweifelt zur Wehr setzten. Sie hatten offenbar nichts zu verlieren und kannten das Los, das ihrer wartete. Es war umsonst, denn die Soldaten machten kurzen Prozeß und wendeten ihre Waffen ohne Rücksicht an. Man hörte die Hiebe der blanken Waffen, das Knattern von Schüssen. Das Gefecht setzte sich durch die Gänge des Schloßparkes fort, aber von den Männern, die da so plötzlich aus den Gebüschen hervorstürzten, entkam keiner, sie wurden alle erreicht und nach wütendem Widerstand zusammengehauen oder zusammengeschossen.
Der Prinz und der Polizeichef stellten sich schützend vor den Herrscher, damit ihn nicht etwa eine verirrte Kugel erreichte, während der mächtige Mann, der großen, persönlichen Mut besaß, durchaus an dem Abenteuer teilnehmen wollte.
Da schallte die sonore Stimme, die man vorhin vernommen, von neuem. „So, ich denke, den Schurken ist das Handwerk gelegt. Aber den Anstifter des Frevels, den habe ich gepackt. Hier ist er. Die Leute sollen nicht auf ihn schießen. Ich bin’s, den man erwartet hat, und ich denke, gute Botschaft zu bringen.“
„Der Mann mit der Maske,“ stieß der Herrscher hervor. „Wahrhaftig, er ist es.“
Der Herrscher, der Prinz und der Polizeichef sahen jetzt seltsame Dinge. Wieder teilten sich die Gebüsche in der Nähe des Pavillons, aber diesmal erschienen bewaffnete Inder, welche die helleuchtenden Laternen trugen, deren gewaltiges Licht schon vorhin das Staunen der Lauscher erregt hatte. Die Männer stellten sich auf dem freien Platz auf, so daß die Laternen denselben hell beleuchteten. Wieder teilten sich die Gebüsche, abermals kamen Bewaffnete zum Vorschein, die zwei gefesselte Männer mit sich schleppten. Der eine von ihnen war ein riesengroßer Inder, den man wie ein Bündel zusammengeschnürt hatte. Der zweite schien erst vor wenigen Augenblicken gebunden zu sein.
Der Herrscher stieß einen Ruf höchster Ueberraschung aus. „Das ist ja der Baron von ...-..“ rief er.
In diesem Augenblick trat wieder eine Gestalt in den Lichtkreis der elektrischen Laternen. Diesmal war es Kapitän Mors.
„Ja, das ist der Mann, der so viel Unheil angerichtet hat,“ sprach er. „Es ist der gelehrte Edelmann, der sich mit Astronomie beschäftigt, derselbe, welcher die Prinzessin begehrte. Er war es, der die Entdeckung, daß ein Zusammenstoß der Erde mit dem Kometen droht, unter das Volk brachte. Er war es, der das Volk aufhetzte und sich durch eine Empörung zu rächen gedachte. Und als er nun bemerkte, daß die Empörung Dank der treubleibenden Truppen gedämpft wurde, da griff er zum letzten Mittel, um Rache zu nehmen. Seine reichen Mittel erlaubten es, eine Schar von Banditen und Mördern anzuwerben, die er den Händen der Gerechtigkeit entzog. Sie sollten in dieser Nacht in das Schloß einbrechen, sie sollten den Herrscher des Landes töten. Damit hätte dieser Unhold seine Rache genommen.“
„Woher wissen Sie denn das, Kapitän Mors?“ rief der Fürst in höchstem Staunen. „Sind Sie denn allwissend?“
„Allwissend ist nur der, der die Welten erschaffen,“ lautete die Antwort des Luftpiraten. „Ich verdanke die Kunde von diesem Anschlag meist glücklichen Zufällen. Dieser Mann hier“ — er deutete auf den gefesselten Inder — „war ebenfalls von dem Baron gewonnen. Als dieser seine Entdeckung des nahenden Kometen machte, ahnte er schon, daß ich alles aufbieten würde, um eine Panik zu verhindern. Der Baron, welcher öfters Reisen nach Indien unternahm, gewann diesen Menschen durch große Versprechungen, und es schien anfangs, als ob sein Anschlag, der zuerst gegen mich gerichtet war, glücken würde. Dieser Inder wurde von mir mit anderen Gebirgsbewohnern angeworben und er schwur Treue. In Wirklichkeit brachte er schon die Höllenmaschine mit, die mein Weltenfahrzeug vernichten sollte. Und als dieser Mensch, der alles aufs schärfste beobachtete, erfuhr, daß ich die Reise nach dem nahenden Kometen antreten wollte, vollführte er den Auftrag, den er von dem Baron erhalten. Es sind zwei Kometen da oben im Weltenall. Und als ich auf dem einen landete, wurde mein Fahrzeug fast vernichtet. Erst im letzten Moment gelang es mir, dasselbe auszubessern und zu flüchten, gerade, als die beiden Kometen wieder zusammenstießen.“
„Wie,“ rief der Herrscher in höchstem Staunen. „Sie, Kapitän Mors, haben diese unheimliche Welt betreten?“
„Ja, und ich bringe gute Botschaft. Der Zusammenstoß der Erde mit den beiden Kometen hätte unwiderruflich stattgefunden. Aber glücklicherweise hat der Zusammenstoß dieser beiden Weltenkörper die Gefahr von der Erde abgewendet. Der Zusammenstoß ist furchtbar gewesen und er genügte, um den Kometen, der jetzt wieder aus einer Masse besteht, aus seiner Bahn zu schleudern. Wenn die Wolkenmassen schwinden, wird man auf Erden sehen, daß der Erdball noch einmal gerettet ist. Der Komet eilt bereits mit rasender Schnelligkeit zur Sonne.“
Mors hatte bei den letzten Worten nach oben gedeutet. Da geschah Seltsames. Plötzlich erhob sich ein Sturm, die Wolkenmassen, die bis dahin unbeweglich über der Erde gelastet, begannen sich zu bewegen. Sie schienen sich zu zerteilen, schon sah man hier und dort Sterne hindurchschimmern.
„Der Komet!“ rief der Herrscher plötzlich.
„Ja, er ist es,“ erwiderte Mors. „Aber jedermann wird sehen, daß sich das Gestirn von der Erde abwendet. Jetzt eilt es nach der Sonne hinüber und von dort wird es wieder in das Unendliche hineinsausen. Alle mögen es hören, die Erde ist vom Verderben gerettet.“
Die Leibgarden hatten diese Worte vernommen und brachen in Jubelrufe aus. Der Polizeichef aber trat auf Mors zu, den er mit sichtlicher Bewunderung betrachtete.
„Und wie gelangten diese Banditen in den Park?“ fragte er.
„Durch einen alten unterirdischen Gang,“ erwiderte Mors. „Hier, der Inder, verriet mir manches, was seinen Auftraggeber, den Baron, anbetraf. Es gelang mir, diesen Unhold bei seinem Zusammentreffen mit den angeworbenen Banditen zu belauschen. Er hat diesen Gang schon öfters benutzt. In dieser Nacht sollte der Anschlag auf den Herrscher ausgeführt werden.“
„Das war die schattenhafte Gestalt, die man im alten Schloß bemerkt hat,“ rief der Prinz überrascht.
Der Rachsüchtige sah alles verloren.
„Kapitän Mors,“ rief der Herrscher, „wie soll ich Ihnen danken? Sie haben alles, alles gerettet. Ich verdanke Ihnen mein Leben!“
„Ich selbst begehre nichts,“ erwiderte der Luftpirat. „Aber wenn die Mächtigen der Erde den Armen eine große Summe geben wollen, wenn sie die durch das Unheil entstandene Not lindern wollen, so bin ich’s zufrieden.“
„Das soll geschehen,“ rief der Herrscher.
„Das genügt mir,“ erwiderte Mors. „Ich habe die Genugtuung, daß ich die Welt von dem Alpdruck, der auf ihr lastete, befreite.“
„Und der Baron?“ fragte der Prinz unwillkürlich.
„Den nehme ich mit mir,“ erwiderte Mors finster. „Der hat mir nach dem Leben getrachtet. Ganz so, wie sein verräterischer Gefährte, der Inder.“
Der gelehrte Edelmann erbleichte. „Gnade!“ rief er dem Herrscher zu. „Ich will nicht in der Gewalt des Maskierten bleiben. Man soll mich hier ins Gefängnis setzen!“
Mors sah mit seinen feurigen Augen auf den Herrscher und den Prinzen.
Sie reichten ihm die Hände. Er drückte sie. Dann winkte er seinen Indern. Im Nu faßten diese die beiden Gefangenen und schleppten sie nach dem geheimen Gang, der sich irgendwo in den Gebüschen befinden mußte.
„Den Gang versperre ich für immer,“ tönte die Stimme des Luftpiraten.
Seine hohe, stolze Gestalt verschwand im Gebüsch, dann hörte man ein dumpfes Dröhnen wie von einer schweren Falltür. Und als der Prinz in das Gebüsch eilte, sah er nichts von dem seltsamen Mann, der auf dem Kometen gewesen. Kapitän Mors war mit seinen beiden Gefangenen spurlos verschwunden.
Anmerkungen zur TranskriptionDieser Text wurde nach einem Nachdruck-Auswahlband transkribiert: Heinz J. Galle (Hrsg.): Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff. Dieter von Reeken, Lüneburg, 2005, S. 233-267. Moderne Zusätze und Anmerkungen wurden nicht übernommen. Die Originalausgaben hatten auch farbige Rücktitel. Diese sind in dieser Ausgabe nicht enthalten, obwohl sich im Text ein entsprechender Hinweis findet. Der entsprechende Rücktitel mit dem Plan des Weltenfahrzeuges findet sich in Band 42.Die Schreibweise der Buchvorlage wurde weitgehend beibehalten. Auch Variationen in der Schreibweise von Namen wurden nicht verändert. Lediglich offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert.
Anmerkungen zur Transkription
Dieser Text wurde nach einem Nachdruck-Auswahlband transkribiert: Heinz J. Galle (Hrsg.): Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff. Dieter von Reeken, Lüneburg, 2005, S. 233-267. Moderne Zusätze und Anmerkungen wurden nicht übernommen. Die Originalausgaben hatten auch farbige Rücktitel. Diese sind in dieser Ausgabe nicht enthalten, obwohl sich im Text ein entsprechender Hinweis findet. Der entsprechende Rücktitel mit dem Plan des Weltenfahrzeuges findet sich in Band 42.
Die Schreibweise der Buchvorlage wurde weitgehend beibehalten. Auch Variationen in der Schreibweise von Namen wurden nicht verändert. Lediglich offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert.