Chapter 35

„Die Thraker alle, doch wir Geten zu allermeist,(Denn ich selbst berühme mich von dort entstammt zu sein),Wir sind nicht sehr enthaltsam!Denn unter uns heiratet keiner unter zehn,Elf Frauen, auch zwölf und noch mehr. Wer erst vierOder fünf genommen hat und stirbt, der heißt bei unsZu Land ein ehelos armer, unbeweibter Mann.“

„Die Thraker alle, doch wir Geten zu allermeist,(Denn ich selbst berühme mich von dort entstammt zu sein),Wir sind nicht sehr enthaltsam!Denn unter uns heiratet keiner unter zehn,Elf Frauen, auch zwölf und noch mehr. Wer erst vierOder fünf genommen hat und stirbt, der heißt bei unsZu Land ein ehelos armer, unbeweibter Mann.“

Noch viel zweifelhafter und dunkler ist alles, was die Alten von noch höher nach Norden belegenen Erdstrichen und den dort wohnhaften Völkern, den Kimmeriern und vor allem von denHyperboräernzu berichten wissen. Vielleicht kann man als Hyperboräer die Bewohner Skandinaviens gelten lassen. Ein Hyperboräer soll der mythischeAbarisgewesen sein, der angeblich etwa um das Jahr 570 v. Chr. (Lobeck) nach Griechenland kam, wie erzählt wird, durch eine ihm von Apollo gegebene Offenbarung veranlaßt. Er soll mit Pythagoras bekannt geworden sein. „Als Abaris von den Hyperboräern, unerfahren in der hellenischen Bildung und Sprache schon in Jahren vorgerückt ankam, so führte ihn Pythagoras nicht durch mannigfache Betrachtungen in seine Geheimwissenschaft ein, sondern statt des Stillschweigens und des so lange Zeit nötigen Zuhörens und der übrigen Prüfungen machte er ihn schnell durch ein abgekürztes Verfahren zum Anhören seiner Lehrsätze geschickt und lehrte ihn die Schrift über die Natur und die andere über die Götter in aller Kürze verstehen.“ (Jamblichus, de vita Pythagor. § 136.) Abaris erregte nicht nur durch seine fremde Kleidung, sondern mehr noch durch seine „occultistischen“ Gaben großes Aufsehen in Griechenland. Er zog, wie Epimenides, wahrsagend und Orakel sprechend umher, trat als Sühner auf, befreite Sparta von einer Pest und heilte viele Krankheiten durch seine Zaubergesänge. Ja, es wird berichtet, daß er auf einem von Apollo empfangenen Pfeile die Luft durchflog, überhaupt ein Luftwandler (ἀιϑροβάτης) war.

Toland vermutet daher, er sei ein Druide gewesen, und die Hyperboräer seien auf den Hebriden zu suchen. Dagegen möchte Creuzer (Symbolik II, Anhang) ihn zu einer bloßen Personifikation der aus den Kaukasusländern hergekommenen Schrift verflüchtigen. Der Pfeil soll die „Rune“ sein, der Pfeilfahrer Abaris = Runa, Seher, Schreiber. Dazu bemerkt mit Recht Guigniaut in seiner französischen Übersetzung des Creuzerschen Buchs:Nous ne nous dissimulons pas que cette interpretation du mythe d'Abaris est singulièrement hasardée.

Mehr ethnographisch und kulturhistorisch als occultistischinteressant sind die Mitteilungen der Alten, insbesondere Herodots über andere jenseits des den Griechen bekanntenorbis terrarumwohnhaften Naturvölker, so z. B. dieTaurer, die wegen ihrer Menschenopfer gefürchtet waren, die Agathyrsen, die „üppigsten Menschen; mit ihren Weibern begatten sie sich alle gemeinschaftlich, damit sie aller Brüder sind und als Blutsverwandte weder Neid noch Feindschaft wider einander hegen.“ (Herodot I, 104.) Auch die Neurer werden als gefürchtete Zauberer genannt; „denn die Skythen erzählten von ihnen, daß in jedem Jahre ein Neurer ein Wolf wird auf wenige Tage und dann nimmt er wiederum seine alte Gestalt an. Ich glaube dies zwar nicht, aber sie sagen es nichts destoweniger und schwören darauf.“ (Herodot I, 105.)


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