Te maris et terrae numeroque carentis arenaeMensorem cohibent, Archyta,Pulveris exigui prope litus parva MatinumMunera, nec quicquam tibi prodestAërias temptasse domos animoque rotundumPercurrisse polum morituro.
Te maris et terrae numeroque carentis arenaeMensorem cohibent, Archyta,Pulveris exigui prope litus parva MatinumMunera, nec quicquam tibi prodestAërias temptasse domos animoque rotundumPercurrisse polum morituro.
Die Pythagoräer sollen sich durch besondere Mäßigkeit im Genuß von Nahrungsmitteln und einfache Kleidung ausgezeichnet haben. Ob sie, wie später behauptet worden ist, ganz vegetarisch lebten und sexuelle Enthaltsamkeit forderten, ist zweifelhaft.[562]Wenigstens Gellius,Noctes Atticae IV, 11schreibt: Es ist eine alte, aber falsche Ansicht, der Philosoph Pythagoras habe keine Fleischspeisen genossen und sich auch jener Bohne enthalten, welche die Griechencyamusnennen (sog. große oder Saubohne, ein besonders bei den Westfalen mit Schinken oder Speck beliebtes Gemüse). In dieser unrichtigen Meinung hat Cicero im ersten Buch von dem Ahnungsvermögen folgendes geschrieben:
Plato schreibt daher vor, daß man sich in solcher Leibesverfassung schlafen legen solle, daß alles, was die Seele in Irrtum und Unruhe bringen könne, vermieden sei. Und deshalb soll auch den Pythagoräern verboten sein, Bohnen zu essen, da diese leicht starke Blähungen erzeugen, was für Leute, die nach geistiger Ruhe trachten, widerwärtig sein muß. So zwar Cicero. Aber Aristoxenos,ein in der alten Litteraturgeschichte sehr gelehrter Mann, der Hörer des Philosophen Aristoteles, behauptet, daß Pythagoras gerade keine andere Hülsenfrucht öfter gegessen habe, als die Bohne, da dieselben langsam abführend und erleichternd wirkten. Die eigenen Worte des Aristoteles lauten: „Pythagoras liebte unter den Hülsenfrüchten am meisten die Bohne. Denn sie sei abführend und erleichternd. Deshalb aß er sie am meisten.“
Derselbe Aristoxenos berichtet auch, daß er gern Schweinefleisch und Lammfleisch gegessen. Er scheint dies von dem Pythagoräer Xenophilus, seinem Freunde, und einigen anderen Zeitgenossen des Pythagoras erfahren zu haben. Die Ursache des Irrtums hinsichtlich des Bohnenverbots wird in einem Gedichte des Empedocles, das die Pythagoräische Lehre betrifft, gefunden:
„Elende Welt, enthalte dich doch des Genusses der Bohne!“
„Elende Welt, enthalte dich doch des Genusses der Bohne!“
Hier haben die meisten angenommen, sei die Hülsenfrucht der Bohne gemeint. Die aber, welche die Verse des Empedocles scharfsinniger auslegen, wollen an dieser Stelle unter Bohnen die Geschlechtsteile verstanden wissen, welche von den Pythagoräern wegen der (im Griechischen) auffälligen etymologischen Verwandtschaft (κύαμοι,quod sintαἴτιοι τοῦ κυεῖν) so genannt seien.
Empedocles habe daher die Menschen nicht vor dem Genuß der Bohnen, sondern vor der geschlechtlichen Ausschweifung warnen wollen.
Allgemein bekannt ist, daß Pythagoras behauptet haben soll, er sei in einem früheren Leben Euphorbus gewesen; weniger, was Clearchus berichtet, daß er später als Pyrrhus, dann als Aethalides und zuletzt als ein schönes Weib, namens Alco, das sich der Prostitution ergeben habe, sich wieder verkörpert habe.
Die zuletzt von Gellius erwähnte Fabel zeigt deutlich, bis zu welchem Grade in späteren Zeiten die Person des Pythagoras zum Gestell abgeschmacktester Fabeleien mißbraucht wurde, gewiß kein beneidenswertes posthumes Schicksal für einen Philosophen.
Vielleicht aber hat Pythagoras selbst einige Veranlassung zu den über ihn berichteten Mythen gegeben. Denn nach einer Äußerung des Plutarch, der ihn übrigens sogar in ganz unhistorischer Weise mit Numa in Verbindung bringt, möchte man annehmen, daß er es nicht verschmäht hat, ungefähr wie die modernen Theosophen,seinen theoretischen Lehren durch „magische“ Künste Nachdruck zu verschaffen. Plutarch erzählt, daß er einen Adler abgerichtet und ihn durch gewisse Worte mitten im Fluge aufgehalten und zu sich herabgelockt habe, – wir hätten in ihm also das historische Vorbild des bekannten Mannes „mit Speck unterm Hut“; – nach AelianIV, 17hätte schon Aristoteles erzählt, daß Pythagoras einmal gleichzeitig in Kroton und Metapont gesehen worden sei (also Doppelgängerei oder sog. Majavi-Rupa nach Art der berüchtigten Blavatzki-Mahatmasfin de siècle), aus dem Wasser eines Brunnens soll er ein Erdbeben drei Tage vor seinem Eintritt prophezeit haben; mit der Seele eines Freundes soll er nach dessen Tode in fortwährendem Verkehr gestanden undlast not leasteine goldene Hüfte gehabt haben und einmal von einem veritablen Flußgott angeredet worden sein.[563]
Der um das Jahr 270 vor Christi Geburt lebende Epigrammendichter Timon von Phlius, ein Freund des Königs Antigonus von Makedonien widmete ihm daher folgende Denkschrift:
Pythagoras hascht nur nach dem eitlen Ruhme des Gauklers,Menschen weiß er geschickt durch blendende Reden zu fangen.
Pythagoras hascht nur nach dem eitlen Ruhme des Gauklers,Menschen weiß er geschickt durch blendende Reden zu fangen.
Als Eleaten bezeichnet man vornehmlich drei Philosophen, die sämmtlich in Elea, einer Stadt Unteritaliens lebten und lehrten. Der Gedankenkreis dieser Männer ist, wie Eugen Dühring[564]mit Recht bemerkt, der subtilste, dessen die gesammte griechische Philosophie sich rühmen kann.
Wir finden bei ihnen bereits erkenntniskritische und weltschematische Probleme erörtert, wie sie die moderne Philosophie erst mit Kant ernstlich wieder aufgenommen hat. Im allgemeinen läßt sich die Eleatik als der erste unbeholfene Versuch einesidealistischenMonismus bezeichnen. Ihr einziges Endziel bildet die Erkenntnis des „reinen Sein“, welches der bestimmungslose Grund alles Werdens ist, während das empirische Sein, das räumlich-zeitliche Dasein nur Erscheinung ist. Indem sie damit schließlich zu dem Satze kommt: „Nur das Sein ist und das Nichtsein, dasWerden, ist gar nicht“, bildet sie die dialektische Antithese zu der geschilderten objektiv-realistischen Weltanschauung des Joniers Heraclit.
Durch ihre entschieden logische Richtung blieb die Eleatik mehr als der Pythagoräismus und Platonismus vor occultistischen Trübungen bewahrt. In einer Geschichte des Occultismus in demjenigen Sinne, in welchem Kiesewetter dieses Werk auffaßte, können sie daher keinen „Ehrenplatz“ beanspruchen. Wenn ich ihnen gleichwohl eine Stelle in diesem Bande einräume, so geschieht dies nicht sowohl aus meiner persönlichen, größeren Sympathie mit diesen wirklich rationellen Denkern, welche zugleich in wohlthuendem Gegensatz zu den Pythagoräern von jeder Wichtigthuerei mit „Geheimwissen“und jeder „Geheimbündelei“ sich frei hielten, als um darauf hinzuweisen, daß der griechische Geist ursprünglich in der That kräftig genug gewesen ist, die größten Probleme des philosophischen Denkens wenigstens festzustellen, sodaß wir nur bedauern müssen, daß sein vorzeitiges Altern und die durch orientalische Einflüsse in Verbindung mit der zersetzenden Sophistik verursachte Entartung die Gedankenkeime der Eleatik nicht zur Entwickelung gelangen ließ.
Der Begründer der eleatischen Schule ist Xenophanes. Als seine Vaterstadt wird Kolophon genannt. Er wanderte frühzeitig in die phokäische Kolonie Elea, deren Gründung er in einem aus 2000 Hexametern bestehenden Gedicht besungen haben soll, aus. Der größere Teil seiner langjährigen Wirksamkeit ist in die zweite Hälfte des 6. Jahrhunderts vor Chr. zu versetzen. Lucian giebt seine Lebensdauer auf 91 Jahre an. Seine philosophischen Ansichten legte er in einem Lehrgedicht „über die Natur“ nieder, von dem uns zerstreute Fragmente erhalten sind.[565]
Xenophanes ist zwar von einer allen Forschungswert und die Wahrheitsliebe selbst vernichtenden Skepsis weit entfernt; allein er meint, daß die Wahrheit nur allmählich und mühsam entdeckt werden kann; er glaubt, daß eine vollkommene Sicherheit des Wissens selbstverständlich nur in philosophischen, besonders metaphysischen Dingen unmöglich ist und will deshalb auch seine eigenen Ansichten nur als wahrscheinlich bezeichnen.[566]
Nichts genaues hat jemals ein Mensch gewußt noch auch wird jeWissen ein Mensch über Götter und übernatürliches Wesen,Sollt' auch in vielerlei Richtung er Richtiges treffend behaupten,Wissen kann er es nicht. Zu meinen ist allen beschieden.
Nichts genaues hat jemals ein Mensch gewußt noch auch wird jeWissen ein Mensch über Götter und übernatürliches Wesen,Sollt' auch in vielerlei Richtung er Richtiges treffend behaupten,Wissen kann er es nicht. Zu meinen ist allen beschieden.
In diesem Sinne behauptet er zunächst die Einheit der Welt und nennt das Weltganze Gott. Er ist der Urheber desἓν καὶ πᾶν, des „Eins und Alles“. Er scheint sich aber diese Einheitder Welt nicht in gewöhnlicher pantheistischer (unbewußter), sondern in theistischer Wesenheit gedacht zu haben; denn der Eine Gott ist ihm „ganz Auge, ganz Ohr, ganz Sinn und Bewußtsein.“[567]Entschieden tritt sein reiner Monotheismus der Vielgötterei entgegen und besonders tadelt er, fast wie ein Apostel des Christentums, daß die alten Dichter den „Göttern“ so mancherlei Unsittlichkeiten angedichtet haben.[568]
Die Menschen scheinen sich ihre Götter nach ihrem eigenen Bilde geschaffen zu haben.
Jeder stellt sich die Götter so vor, wie er selbst ist, der Neger schwarz und plattnasig, der Thracier blauäugig und rothhaarig, und wenn die Pferde und Ochsen malen könnten, so würden sie dieselben ohne Zweifel als Pferde und Ochsen darstellen.
Von seinen physikalischen Ansichten wird mitgeteilt, daß er angenommen habe, daß die Erde sich nach unten, wie auch die Luft nach oben hin unbegrenzt weit hin erstrecke; wahrscheinlich hat er indeß die Kugelform der Erde gelehrt. Das Vorkommen versteinerter Seetiere in den Bergwerken von Syrakus führte ihn zu der Annahme, daß das Meer das Land bedeckt haben müsse.
Parmenides war ein Schüler des Xenophanes (geboren etwa 515 v. Chr. zu Elea). Auch er legte seine philosophischen Gedanken in poetischer Form nieder, indem er ein Lehrgedicht „über die Natur“ verfaßte.
Dasselbe zerfiel in zwei Hauptteile, in die Lehre vom Sein (der Wahrheit) und vom Schein. Das Nichts kann kein Objekt des Denkens sein. Folglich ist Denken und Sein identisch. Das Seiende kann ferner nicht anfangen oder aufhören, zu sein. Denn es kann doch aus dem Nichtseienden nicht entstanden sein und also auch nicht in Nichtsein übergehen. Es ist ferner unteilbar und unbeweglich,und da es nicht unvollendet und mangelhaftsein kann, muß es begrenzt sein. Obwohl nun Parmenides für seiend nur dieses Eine unteilbare, den Raum ausfüllende, unbewegliche Wesen erklärt, geht er doch im zweiten Teil seines Gedichtes auf die „nichtseiende“ Erscheinungswelt über, um seine „Ansichten“ über dieselbe darzustellen. Er betont dabei ausdrücklich, daß diese Ansichten keine philosophische Wahrheit im engsten Sinne, sondern nur die Gestalt bieten, in welcher in dem denkenden Geiste die nicht seiende Erscheinungswelt sich spiegelt.
Seine kosmologische Anschauung scheint sich von der pythagoräischen nicht unterschieden zu haben.
Doch werden uns neben diesen einige nicht uninteressante anthropologische Bemerkungen überliefert. So soll er sich die erste Entstehung des Menschen als eine Entwickelung aus dem Erdschlamm durch die Sonnenwärme herbeigeführt gedacht haben.
Überhaupt aber scheint er, insofern der Vorläufer der Naturphilosophie des Telesius[569], alle Erscheinungen der Natur aus zwei unveränderlichen Gegensätzen, die Aristoteles als Warmes und Kaltes, als Feuer und Erde bezeichnet, abgeleitet zu haben. Von diesen beiden, bemerkt Aristoteles weiter, stellte er das Warme mit dem Seienden, das Kalte mit dem Nichtseienden in Parallele. Alle Dinge sind ihm aus diesen Gegensätzen gemischt; je mehr Feuer, destomehr Sein, Leben und Bewußtsein.
Zeno, der Eleat, wohl zu unterscheiden von dem etwa ein Jahrhundert später geborenen Begründer der stoischen Schule Zeno aus Cittium, ist durch seine bekannten logischen Argumente zur indirekten Beweisführung der eleatischen Hauptlehre von der Einheit des Seins berühmt:
Wir können nur bedauern, daß uns die eleatische Philosophie nur bruchstückweise, besonders in den Schriften des Aristoteles, der sich eingehend mit ihrer Widerlegung beschäftigt, erhalten ist. Denn wir sehen, daß in ihr der menschliche Geist zum ersten Male mit echt philosophischer Besonnenheit die höchsten Probleme des rein logischen und erkenntniskritischen Denkens, die Frage nach der Einheit des Seins, dem Wesen von Raum und Zeit, dem Verhältnis von Wirklichkeit und Erscheinung, dem Begriff der Unendlichkeit sich wenigstens formuliert hat. Die deutliche Formulierung der Aufgabe ist aber der erste große Schritt zur Lösung. Es kann nun hier nicht der Ort sein, auch noch zu untersuchen, wie weit die ersten Schritte zur Lösung der Aufgabe selbst von den Eleaten in der Richtung des selbst heute noch keineswegserreichtenEndziels geführt haben; selbstverständlich können diese ersten Schritte nur höchst unsicher und unbeholfen gewesen sein. Eine vortrefflicheWürdigung der Eleatischen Gedanken bietet Dühring in seinerGeschichte der Philosophie I, S. 34–50, und ich hebe aus den Bemerkungen dieses eminent kritischen Philosophen nur folgende Sätze hervor: „Der Begriff des einheitlichen Seins repräsentiert die höchste zusammenfassende Kraft des Denkens und die größte Energie der spekulativen Synthese.“ – Die Hauptschwierigkeit, auf welche zuerst aufmerksam gemacht zu haben, ein besonderes Verdienst der Eleaten ist, liegt in der Idee des Unendlichen. „Die zwingende Kraft und die eigentliche Schlüssigkeit der Eleatischen Wendungen ist in der That in jener logischen Notwendigkeit zu suchen, die nicht gestattet, das Unendliche als vollendet, die Unzahl als gleichsam abgezählt und abgeschlossen zu denken. Hier liegt die Kraft und Schärfe der Eleatischen Dialektik verborgen, nicht aber in anderen untergeordneten Umständen und Hilfsmitteln der Darlegung. Es ist der falsche Unendlichkeitsbegriff, der sich überall und auch da, wo er zunächst garnicht sichtbar ist, als die wahre Ursache der Unvereinbarkeiten erweist. Er ist es, der die Idee der Veränderung und Vielheit verdächtig macht. Er verschuldet die Unzerlegbarkeit der Bewegung. Auf seine Fassung wird in letzter Instanz bei jeder Wendung zurückgegriffen, und der Widersinn einer absolvierten Unendlichkeit ist der logische Obersatz und das leitende Prinzip aller gegen die gemeine Vorstellung gerichteten Ansprüche.“
Das nun, was Dühring in seinen philosophischen Systemschriften als „Gesetz der bestimmten Anzahl“ erwiesen hat und wodurch sich der bisher herrschende falsche Unendlichkeitsbegriff ausgemerzt findet, ist auch der Schlüssel, zu den Rätseln der Eleaten, überdies aber, was mehr bedeutet,der Eröffner eines richtigen logischen Seins- und Weltschematismus.
Hierin liegt auch von dem kritischen Standpunkte aus, den der Herausgeber zum „Occultismus“ einnimmt, schließlich die Berechtigung, den Eleaten einen Platz innerhalb einer Geschichte des „Occultismus“ einzuräumen. Denn bei denjenigen feineren Wendungen der occultistischen oder „mystischen“ Geistesrichtung, die sich über das wüste Ideendelirium der Kabbalisten und ähnlicher „Offenbarungen“ einer intellektuellen Anschauung (lucus a non lucendo) zum Versuche einer logischen Rechtfertigung erheben, ist es ja allemalder falsche Unendlichkeitsbegriff, der den Ausgangspunkt oder richtiger Eingangspunkt in ein Labyrinth bildet, aus dem kein Ausweg möglich ist. Mit vollem Rechte hat daher du Prel selbst Kant, der auf die eleatischen Fragen auch nur eine traum-idealistische Antwort zu geben verstand, als Mystiker in Anspruch nehmen können.[571]Auch ist ja das Sinnbild jener falschen Unendlichkeit,die sich selber in den Schwanz beißende Schlange, das Symbol der neubuddhistischen Theosophie. Von der ernsten Rechenschaft freilich, welche sich die Eleaten über die angedeuteten Probleme zu geben versuchten, findet man bei diesen Neu-Buddhisten europäischer Abstammung keine Spur. Vielmehr dient ihnen der Hinweis auf die bloß phänomenale Seite der Wirklichkeit nur zur Rechtfertigung jeglicher, auch der wüstestentraumhaftenLebensauffassung. Die Eleaten aber sind, wie richtig Dühring bemerkt, ungeachtet ihrer noch nicht genügenden Klärung über den Begriff des Seins und seines Verhältnisses zum Denken, doch weit entfernt gewesen, die gegenständliche Existenz der Dinge zu leugnen. Sie waren empirisch Realisten und nur transcendentale Idealisten.
Vergl. Kant,Kritik der reinen Vernunft (Kehrbach S. 55, 56). „Offenbar kann es sich in keiner philosophischen Vorstellung um die Leugnung der Existenz überhaupt, sondern stets nur um dieRangordnungder Realitäten handeln.“[572]
Mit Empedocles tritt uns ein „Philosoph“, wenn wir ihn so nennen dürfen, entgegen, der zwischen Heraclit und der eleatischen Schule eine selbständige Stelle einnimmt und die anscheinend unversöhnbaren Gegensätze dieser beiden Richtungen, sofern ersterer alle Beharrlichkeit der Substanz aufhob und das Sein als ewiges Werden bezeichnet, letztere aber die Bewegung und Veränderung leugnete, augenscheinlich zu überbrücken versucht. „Occultistisch“ ist Empedocles jedenfalls interessant, weil die über ihn erhaltenen biographischen Notizen ähnlich, wie diejenigen über Pythagoras, ganz abnorme Dinge bieten, die in der That, soweit sie nicht, wie bei Pythagoras, großenteils auf fabuloser Übertreibung beruhen, die Vermutung nahe legen, daß Empedocles ein Praktiker auf dem Gebiete der sog. Geheimwissenschaften gewesen ist, und zwar eine Faust-Natur, die es sich nicht versagen konnte, sich ein wenig als Wundermann aufzuspielen, was freilich seine moralische Qualität in weniger günstigem Lichte erscheinen läßt.
Empedocles ist um 490 v. Chr. zu Agrigent auf Sizilien geboren. Er entstammte einem reichen und vornehmen Geschlecht. Dies geht schon daraus hervor, daß sein gleichnamiger Großvater bei den olympischen Festspielen mit einem Viergespann den Sieg davontrug, bekanntlich bei den alten Hellenen nicht nur ein Zeichen feinster Aristokratie, sondern auch eine der unvergeßlichsten Auszeichnungen, würdig plastischer und poetischer Verewigung. Irrtümlich haben spätere diesen Sieg dem „Philosophen“ selber zugeschrieben.
Ungeachtet seiner aristokratischen Abstammung und entgegen der sonstigen Haltung griechischer Denker scheint er sich politisch zur demokratischen Fraktion gehalten zu haben. Er soll die ihm angebotene Tyrannis verschmäht haben[573]; mußte aber gleichwohl die Wandelbarkeit der Volksgunst erfahren und verließ wahrscheinlich infolge eines Verbannungsbeschlusses Agrigent, um dann im Peloponnes, vielleicht durch einen Sturz vom Wagen, sein Leben zu enden.
Empedocles scheint stellenweise weniger ein Philosoph als vielmehr ein richtiger Medizin-Mann im Sinne des Indianer-Jargons gewesen zu sein, und zwar ein solcher, der eine teilweise vielleicht ganz rationelle hygienische Technik, um sich ein größeres Ansehen bei der gläubigen Masse zu verschaffen, mit dem Humbug eines Paracelsus vereinigte.
Ein historischer Kern steckt gewiß in der Erzählung, daß er die Stadt Selinunt, die infolge von Verjauchung eines sie durchströmenden Flüßchens durch Pestilenz heimgesucht wurde, dadurch von dieser Pestilenz befreite, daß er, und zwar, wie hinzugefügt wird, auf eigene Kosten zwei Nachbarflüsse mit dem verjauchten Flußbett durch Kanäle vereinigte und so durch vermehrten Zufluß das verpestete Wasser aus der Stadt ableitete. Die Selinuntier haben zum Andenken daran Denkmünzen geprägt, deren zwei uns erhalten sind. Eine Abbildung derselben, welche das Ereignis sinnbildlich darstellen und den Philosophen neben dem Fernhintreffer Apollo, den Erreger der Epidemie, auf einem Wagen zeigen, wie er dem unheilstiftenden Gotte in die Zügel fällt, findet man in KarstensEmpedoclis Carminum reliquiae S. 23.
Das höchste Interesse gläubiger Occultisten fordert aber die Erzählung heraus, daß er seine Vaterstadt, die von trockenen Winden dermaßen heimgesucht wurde, daß alle Früchte verdarben,von diesen schädlichen Winden befreite, eine That, die ihm sogar den Ehrennamenκωλυσανέμαςoderventos arcendi artifexeintrug. Nach einer Mitteilung des Thimaeus soll er dies durch Einfangen der Winde in Eselhäuten erreicht haben, was beinahe an eine bekannte Erzählung von den Schöppenstedternerinnert. Mir persönlich erscheint die Erzählung der angeblich wunderbaren Heilung eines hysterischen Frauenzimmers namens Panthea von Atemlosigkeit (ἄπνοια) und totenähnlicher Starre glaubhafter, die, wie Heraclides berichtet, ihn in den Ruf brachte, Tote zum Leben erwecken zu können.[574]Über die hypnotische Technik muß er in hohem Grade verfügt haben. Denn als einst in seiner Gegenwart ein rasender junger Mann einen seiner Gastfreunde mit gezücktem Schwerte durchbohren wollte, soll er denselben durch bloßes Anstimmen eines besänftigenden Zaubersangs sofort entwaffnet haben.[575]
Es ist unleugbar, daß Empedocles selber sich den Besitz übernatürlicher Weisheit und magischer Kräfte und zwar mit ziemlich charlatanmäßiger Großsprecherei zugeschrieben hat, er suchte schon durch seine äußerliche Erscheinung Aufsehen zu erregen, trug, wie auch heute noch gern derartige „Brüder“, ungeschorenes langes Haupthaar, affektierte in stets salbungsvoller Rede eine tragische schauspielerische Würde und kleidete sich nur in langen Purpurgewändern, die er mit weithin klingenden Erzschellen besetzt hatte, stets hatte er bei öffentlichem Auftreten einen Lorbeerzweig in der Hand und das Haupt mit einer Priesterbinde umwunden. Er schreibt sich in seinen „Gedichten“ selber die Macht zu, Alter und Krankheit zu heilen, Winde zu beschwichtigen und zu erregen, Regen und Trockenheit herbeizuführen, ja er sagt:
χαίρετ', ἐγὼ δ'ὑμῖν ϑεὸς ἄμβροτος, οὐκ ἔτι ϑνητός πωλεῦμαι.„Freut Euch, ich bin ein unsterblicher Gott, kein sterblicher Mensch mehr!“
χαίρετ', ἐγὼ δ'ὑμῖν ϑεὸς ἄμβροτος, οὐκ ἔτι ϑνητός πωλεῦμαι.„Freut Euch, ich bin ein unsterblicher Gott, kein sterblicher Mensch mehr!“
Er ist wenn nicht gar der Begründer, so doch einer der bedeutendsten Vertreter einer noch zu Platos Zeit in Griechenland häufigen Klasse von Charlatanen, der sog. Goëten. Unter Goëtie[576]verstand man die Kunst, mittelst gewisser inheulendem Tonegesungener Beschwörungsformeln allerhand Zauber zu verüben, die Seelen Verstorbener zu citieren, die Götter zu bewegen, dem Menschendienstbar zu sein und eventuell, wie wir sehen, selbst Wetter zu machen; sie erinnert lebhaft an denmodus operandider indianischen Medizin-Männer.
Aus diesem Auftreten wird uns denn auch der Mythus über seinen Tod erklärlich, er soll nämlich nach einer Erzählung plötzlich bei einem Gastmahl verschwunden sein und durch eine übernatürliche Stimme verkündet haben, er sei zu den Göttern entrückt, nach einer anderen bekannteren Anekdote soll er sich in den Krater des Ätna gestürzt haben.
Die wenig ansprechende, aber nach den Berichten unzweifelhafte Charlatanerie des Empedocles ist psychologisch um so auffälliger, als wir, sobald wir seinem Gedankenkreise näher treten, Symptome einer oft genialen, wenn auch unreinen und wüsten Denker-Phantasie nicht verkennen können. Empedocles fordert insofern unwillkürlich zur Vergleichung mit einem viel späteren „Dichter“-Philosophen, nämlich mit Giordano Bruno, heraus, dem ja bei aller intellektuellen und moralischen Größe im übrigen ebenfalls ein kleiner Hang zur Großsprecherei und Überschwenglichkeit anhaftet. Wie Bruno vereinigt Empedocles abgesehen von der poetischen Darstellungsform mit interessanten allgemeinen Gesichtspunkten einzelne überraschende Treffer einer wissenschaftlichen Phantasie in Einzelheiten. Zunächst erklärt er die Entstehung für einen leeren Namen und weist hierdurch die gemeine Vorstellung von einer Schöpfung aus nichts zurück.
Es ist ein grobsinnlicher Irrtum, meint er, wenn man ein Wesen ins Leben treten sieht, anzunehmen, es sei etwas, was vorher nicht da war, es sei entstanden; und umgekehrt, wenn man es untergehen sieht, zu glauben, ein Seiendes habe aufgehört zu sein. Denn woher könnte der Gesamtheit des Wirklichen etwas hinzukommen, und wo sollte das, was ist, hinkommen? Es ist ja nirgends ein Leeres, in das es sich auflösen könnte, und was es auch werde, immer wird wiederetwasdaraus werden.
Was wir Entstehung nennen, ist in Wahrheit nur Verbindung, Mischung, was wir Vergehen nennen, in Wahrheit nur Trennung der Stoffe. Immer wird nur entweder (im Fall des Entstehens) Eines aus Vielem, oder umgekehrt (im Fall des Vergehens) Vieles aus Einem. DerKreislauf des Stoffwechselsist alsovielleicht zum ersten Male von Empedocles deutlich erkannt. Aus 4 Elementen, Erde, Wasser, Luft und Feuer, ist alles zusammengesetzt. Diese 4 Grundstoffe sind gleich ursprünglich, ungeworden und unvergänglich, sie bestehen aus qualitativ gleichartigen Teilen, ohne sich selbst in ihrer Beschaffenheit zu ändern, durchlaufen sie die verschiedenen Verbindungen, in die sie durch den Kreislauf des Stoffes gebracht werden.
„Thörichte sind's, denn sie reichen nicht weit in ihren Gedanken,Die da wähnen, es könne Zuvor-nicht-Seiendes werden,Oder auch etwas ganz hinsterben und völlig verschwinden.Aus Nicht-Seiendem ist durchaus ein Entstehen nicht möglich;Ganz unmöglich auch ist, daß Seiendes völlig vergehe;Denn stets bleibt es ja da, wohin man es eben verdränget.“
„Thörichte sind's, denn sie reichen nicht weit in ihren Gedanken,Die da wähnen, es könne Zuvor-nicht-Seiendes werden,Oder auch etwas ganz hinsterben und völlig verschwinden.Aus Nicht-Seiendem ist durchaus ein Entstehen nicht möglich;Ganz unmöglich auch ist, daß Seiendes völlig vergehe;Denn stets bleibt es ja da, wohin man es eben verdränget.“
„Aber erforsche mit allem Vermögen, wie Jegliches klar sei;Weder vertrau dem, was du erschaust, mehr, als dem Gehöre,Nach dem Getön des Gehörs mehr, als der Empfindung der Zunge,Auch zu den anderen Gliedern, soviel da Wege des Wissens,Halte zurück das Vertrauen, doch sieh, wie Jegliches klar ist.“
„Aber erforsche mit allem Vermögen, wie Jegliches klar sei;Weder vertrau dem, was du erschaust, mehr, als dem Gehöre,Nach dem Getön des Gehörs mehr, als der Empfindung der Zunge,Auch zu den anderen Gliedern, soviel da Wege des Wissens,Halte zurück das Vertrauen, doch sieh, wie Jegliches klar ist.“
„Vier Urwurzeln zuvörderst vernimm von sämtlichen Dingen,Feuer und Wasser und Erd' und der Luft unermeßliche Höhe;Denn aus diesen ist alles, was war und was ist und was sein wird.“
„Vier Urwurzeln zuvörderst vernimm von sämtlichen Dingen,Feuer und Wasser und Erd' und der Luft unermeßliche Höhe;Denn aus diesen ist alles, was war und was ist und was sein wird.“
„Aber indem sie sich mischen, entsteh'n unzählige Wesen,Mit manchfachen Gestalten geschmückt, ein Wunder dem Anblick.“
„Aber indem sie sich mischen, entsteh'n unzählige Wesen,Mit manchfachen Gestalten geschmückt, ein Wunder dem Anblick.“
„Wie da geschieht, wenn Maler ein prächtig Gemäld' ausführen,Männer, die wohl in der Kunst von göttlicher Weisheit belehrt sind;Diese, nachdem sie der Farben verschiedene Stoffe genommenUnd sie passend gemischt, die mehr und weniger jene,Bilden daraus sie Gestalten, den sämmtlichen Dingen vergleichbar.Bringen sie Bäum' aus ihnen hervor und Männer und Frauen,Tiere des Feld's und Vögel und wasserbewohnende FischeUnd langlebende Götter zumal, an Ehren die Höchsten.Also täusche dich nicht, als kämen die sterblichen Wesen,Die da entsteh'n unendlich an Zahl, aus anderer Quelle,Sondern gewiß glaub' dieses, dieweil's eine Gottheit dich lehret.“
„Wie da geschieht, wenn Maler ein prächtig Gemäld' ausführen,Männer, die wohl in der Kunst von göttlicher Weisheit belehrt sind;Diese, nachdem sie der Farben verschiedene Stoffe genommenUnd sie passend gemischt, die mehr und weniger jene,Bilden daraus sie Gestalten, den sämmtlichen Dingen vergleichbar.Bringen sie Bäum' aus ihnen hervor und Männer und Frauen,Tiere des Feld's und Vögel und wasserbewohnende FischeUnd langlebende Götter zumal, an Ehren die Höchsten.Also täusche dich nicht, als kämen die sterblichen Wesen,Die da entsteh'n unendlich an Zahl, aus anderer Quelle,Sondern gewiß glaub' dieses, dieweil's eine Gottheit dich lehret.“
Er beschreibt das Feuer als warm und glänzend, die Luft als flüssig und durchsichtig, das Wasser als dunkel und kalt, die Erde als schwer und hart; er legt der Erde eine natürliche Bewegung nach unten, dem Feuer nach oben bei. Erst Giordano Bruno, der übrigens selber bis über die Ohren in Empedocleischen Vorstellungen steckte, hat in seiner naturphilosophischen Hauptschrift vom Unendlichen, dem All und den Welten, diese Lehre von den 4 Elementen, soweit sie gegen die Aristotelisch-Kopernikanische Weltanschauung verwertet wurde, zu erschüttern versucht. (Vgl. S. 192 meiner Übersetzung dieser Dialoge.) Er bemerkt: „Die alte Unterscheidung der Elemente beruht nicht auf natürlichen, sondern logischen Unterschieden.“ Ich möchte freilich diese Bemerkung dahin berichtigen, daß sie auch nicht auf logischen Erwägungen, sondern neben einer oberflächlichen Beobachtung wohl in erster Linie auf mystischen Ideen, nämlich auf der Pythagoräischen Wertschätzung der Vierzahl beruhte. Eine solche langdauernde Bedeutung konnten zahlensymbolische Spielereien in der Geschichte des menschlichen Wissens erhalten! Noch heute hat ja der vulgäre Sprachgebrauch die Tradition des griechischen Dichter-Philosophen nicht verlassen. Empedocles bezeichnet die Elemente mit mythologischen Namen, das Feuer ist für ihn Zeus oder Hephästus, die anderen erhalten die Namen Here, Aidoneus und Nestis.
„Vier Urwurzeln zuvörderst vernimm von sämtlichen DingenZeus im Glanz und Here, die Nährerin, und Aidoneus,Nestis dazu, die in Thränen den Sterblichen Fließendes ausgießt.“
„Vier Urwurzeln zuvörderst vernimm von sämtlichen DingenZeus im Glanz und Here, die Nährerin, und Aidoneus,Nestis dazu, die in Thränen den Sterblichen Fließendes ausgießt.“
Als treibende Kräfte aber für die stetige Bewegung der Elemente in der Mischung und Entmischung setzt Empedocles zwei, die wir als Attraktionskraft einerseits und Repulsionskraft andrerseits bezeichnen würden; er aber nennt sie in affektiver AuffassungLiebeundHaß.
Wenn man sich nicht mit der rein objektiven Auffassung der Kräfte begnügen will, so liegt in der That in dieser Auffassung der Kraftbeziehungen ein auch heute noch naturphilosophisch zulässigerGedanke, nämlich die Voraussetzung, daß in den realen ElementeninnereZustände irgend welcher nach Analogie der psychischenTriebezu denkenden Art vorhanden sind, welche den räumlichen Entfernungen entsprechen und das nächste wirksame Glied sind, von dem die Größen der bewegenden Kräfte, welche die Elemente ausüben, in jedem Augenblicke entspringen. Denn wenn die Entfernungz yzwischen den Atomenzundyzunächst nichts weiter ist, als die Vorstellung, die ein Beobachter sich bildet, indem er den räumlichen Ort desydurch Ausgehen von dem Orte deszzu erreichen sucht und sich dabei der Größe der Veränderung bewußt wird, die der Zustand seiner Sinne dabei erfährt; – so muß doch auchzselbst, wenn es sich nach der Entfernung richten soll, etwas von ihrmerken, d. h. es selber mußinnerlichanders affiziert sein, wenn ihre Größepund anders, wenn sieqbeträgt. Was soll es sonst heißen, die Entfernung bestehefürzundy? (Vgl. Lotze, Grundzüge der Naturphilosophie S. 25.)
Die Attraktion oder Liebe personifiziert unser Dichter als Afrodite.
„Wie durch Mischung des Wassers, der Erd' und der Luft und des FeuersHier die Gestalten entsteh'n und Farben der sterblichen Wesen,Alle, soviele da sind, hatAfroditegebildet.“
„Wie durch Mischung des Wassers, der Erd' und der Luft und des FeuersHier die Gestalten entsteh'n und Farben der sterblichen Wesen,Alle, soviele da sind, hatAfroditegebildet.“
„Sie selbst (die Elemente) bleiben dieselben, doch durcheinander verlaufend,Werden sie Menschen und all die unzähligen andern Wesen,Jetzt durch der Liebe Gewalt sich zu Einem Gebilde versammelnd,Jetzo durch Haß und Streit sich als einzelne wieder zerstreuend.“
„Sie selbst (die Elemente) bleiben dieselben, doch durcheinander verlaufend,Werden sie Menschen und all die unzähligen andern Wesen,Jetzt durch der Liebe Gewalt sich zu Einem Gebilde versammelnd,Jetzo durch Haß und Streit sich als einzelne wieder zerstreuend.“
Im Urwesen freilich, dem Sphairos (er denkt es sich kugelförmig, da die Kugel das vollkommenste stereometrische Gebilde), oder der Gottheit, sind die 4 Elemente, die Urwurzeln aller Dinge, noch in vollkommener Unterschiedslosigkeit und Einheit beisammen, kraft der in ihm waltenden Liebe, und die Schöpfung der Welt ist nichts anderes, als Entwickelung und Zerrissenwerden der Gottheit aus der Einheit in die Vielheit.
Zunächst geht durch die hereintretende Zwietracht die Einheit des Sphairos auseinander in die Vierheit der Elemente, aus denen dann Afrodite oder die Liebe die ganze harmonische Weltbildung und die Einzelwesen hervorbringt.
In der ursprünglichen Einheit:
„Da sind weder des Feuers bewegliche Glieder gesondert“
„Da sind weder des Feuers bewegliche Glieder gesondert“
noch die Erde, das Wasser und die Luft;
„Also ist sie durch heimliche Kraft der Verbindung gehalten,Eine gerundete Kugel, sich ruhender Kreisung erfreuend.“
„Also ist sie durch heimliche Kraft der Verbindung gehalten,Eine gerundete Kugel, sich ruhender Kreisung erfreuend.“
„Aber nachdem ihr der mächtige Streit in den Gliedern erwachsen,Und zu Macht und Ehren gelangt, da die Zeit sich erfüllet,Die abwechselnd den beiden erscheint nach gewaltigem Eidschwur,Sämtlich da nacheinander erbebten die Glieder der Gottheit.“
„Aber nachdem ihr der mächtige Streit in den Gliedern erwachsen,Und zu Macht und Ehren gelangt, da die Zeit sich erfüllet,Die abwechselnd den beiden erscheint nach gewaltigem Eidschwur,Sämtlich da nacheinander erbebten die Glieder der Gottheit.“
Indem sich die Elemente trennen, wird der Leib der Gottheit zerrissen, oder, wie der Dichter Claudian[577]sagt: Empedocles:
„Streuet umher und erneuert den Gott und knüpfet von neuemWieder durch Liebe zusammen, soviel auflöste die Zwietracht.“
„Streuet umher und erneuert den Gott und knüpfet von neuemWieder durch Liebe zusammen, soviel auflöste die Zwietracht.“
„Bald wächst aus Vielem zu EinemAlles heran, bald wieder zergeht's aus Einem in Vieles,Feuer und Wasser und Erd' und der Luft unermeßliche Höhe,Und von diesem gesondert der Streit, jedwedem gewachsen,Und in diesen die Liebe, die gleich an Läng' und an Breite.Und nie hörte es auf, in Ewigkeit immer zu wechseln,Bald durch Liebe sich alles in Eins zusammen verbindend,Bald durch Hader und Streit sich in Einzelnes wieder zerstreuend.“
„Bald wächst aus Vielem zu EinemAlles heran, bald wieder zergeht's aus Einem in Vieles,Feuer und Wasser und Erd' und der Luft unermeßliche Höhe,Und von diesem gesondert der Streit, jedwedem gewachsen,Und in diesen die Liebe, die gleich an Läng' und an Breite.Und nie hörte es auf, in Ewigkeit immer zu wechseln,Bald durch Liebe sich alles in Eins zusammen verbindend,Bald durch Hader und Streit sich in Einzelnes wieder zerstreuend.“
Die kosmischen Vorstellungen des Empedocles sind wüst und kindisch, obwohl sie einzelnefür die damalige Zeitauffällige Ahnungen wahrer Sachverhalte einschließen.
So soll er behauptet haben, daß das Licht der Sonne eine gewisse Zeit gebraucht, um zu uns zu gelangen.[578]Im übrigen aber hält er die Sonne für einen gasartigenKörper, der, angeblich so groß wie die Erde, die Strahlen des Feuers aus der ihn umgebenden lichten Hemisphäre wie ein Brennspiegel sammle und zurückstrahle; ähnlich sollte der Mond aus krystallartig gehärteter Luft bestehen; seine Gestalt jedoch sei die einer Scheibe. Daß der Mond sein Licht von der Sonne erhält, war ihm bekannt; auch wurden von ihm die Sonnenfinsternisse durch Dazwischentreten des Mondes erklärt.
Geradezu wie eine antizipatorische Persiflage auf die zur Zeit noch moderne Darwinistische Theorie aber nimmt sich die Anschauung des Empedocles von der Entstehung der organischen Wesen und ihrer Gattungen aus. Er ist ein Anhänger der Urzeugung: Die organischen Wesen sind aus dem Schlamm entstanden, und Ovid hatte jedenfalls nicht Pythagoras, sondern Empedocles in der Vorstellung, wenn erMetam. I, 422ff., schreibt:
„So, wenn das triefende Land der sich siebenfach mündende NilstromWieder verläßt und in's frühere Bett die Gewässer zurückzieht,Und von dem hohen Gestirn der entstandene Schlamm sich erwärmet,Findet der Bauer, nachdem er die Schollen des Bodens gewendet,Vielerlei Tier', und erblickt da die einen soeben begonnen,Grad' im Entstehen, und andere noch nicht völlig entwickelt,Einiger Glieder beraubt, und oft in demselben KörperLebet ein Teil und der andere Teil ist lauter Erde.“
„So, wenn das triefende Land der sich siebenfach mündende NilstromWieder verläßt und in's frühere Bett die Gewässer zurückzieht,Und von dem hohen Gestirn der entstandene Schlamm sich erwärmet,Findet der Bauer, nachdem er die Schollen des Bodens gewendet,Vielerlei Tier', und erblickt da die einen soeben begonnen,Grad' im Entstehen, und andere noch nicht völlig entwickelt,Einiger Glieder beraubt, und oft in demselben KörperLebet ein Teil und der andere Teil ist lauter Erde.“
FernerXV, 374ff.:
„Samen besitzet der Schlamm, die grünliche Frösche erzeugen,Und er gebiert sie zuerst fußlos, d'rauf leihet er ihnenSchenkel, zum Schwimmen geschickt, und damit die auch dienen zu langenSprüngen, erhebt sich der hinteren Maaß weit über die vorderen;Auch ein Junges nicht ist, was eben die Bärin gebieret,Sondern noch kaum lebendiges Fleisch; durch Lecken erst bringetD'raus sie die Glieder hervor und Gestalt, die ihr selber zu Teil wird.“
„Samen besitzet der Schlamm, die grünliche Frösche erzeugen,Und er gebiert sie zuerst fußlos, d'rauf leihet er ihnenSchenkel, zum Schwimmen geschickt, und damit die auch dienen zu langenSprüngen, erhebt sich der hinteren Maaß weit über die vorderen;Auch ein Junges nicht ist, was eben die Bärin gebieret,Sondern noch kaum lebendiges Fleisch; durch Lecken erst bringetD'raus sie die Glieder hervor und Gestalt, die ihr selber zu Teil wird.“
Ebenso „dichtet“ Empedocles:
„Rohe, noch formlose Bilder entsprangen zuerst aus dem Boden,Beiderlei, Wasser sowohl wie Erde, besitzend als Anteil;Diese bewirkte das Feuer, indem es zum Gleichen empordrang,Ganz noch an ihnen verhüllt die gefällige Bildung der Glieder,Weder mit Laut, noch gar mit der üblichen Rede der Menschen.“
„Rohe, noch formlose Bilder entsprangen zuerst aus dem Boden,Beiderlei, Wasser sowohl wie Erde, besitzend als Anteil;Diese bewirkte das Feuer, indem es zum Gleichen empordrang,Ganz noch an ihnen verhüllt die gefällige Bildung der Glieder,Weder mit Laut, noch gar mit der üblichen Rede der Menschen.“
Was wird man aber erst zu folgender Antizipation der Lehre von derindirekten Ausleseoder Selektion des Zweckmäßigen sagen, die ja, um die Voraussetzung eines bewußten Schöpfers zu umgehen, als Hauptstütze der modernen Entwickelungslehre gilt?