Die noch immer hübsche alte Jungfer, welche diesen angenehmen Lehren ein sehr lernbegieriges Ohr lieh, ging bald in des Paters Ideen ein. Nach vollendeter Beichte musste sie vor dem Kapuziner niederknien, Vergebung für ihre Sünden erflehen und ihm "des Teufels Anteil zeigen", das heißt sich bis zum jungfräulichen Zentrum ihres Körpers von unten herauf entblößen. Als dies geschehen war, schritt er zum letzten Teil der Andacht und weihte die Dame feierlichst zum ersten Mitglied des Ordens ein, den er zu stiften gedachte.
Diese fromme Jungfrau war nun bemüht, sowohl unter Personen ihres Alters wie auch unter jungen Frauen und Mädchen Proselyten zu machen; - kurz, sie diente dem Pater als Kupplerin. Die Zahl dieser adamitischen Ordensschwestern wurde bald ziemlich zahlreich und Achazius, unfähig, einer so großen Menge frommer Damen zu genügen, zog rüstigere Kämpfer des Glaubens unter seinen geistlichen Brüdern mit in seine Bußanstalt, welche fröhlich gedieh und vielleicht heute noch bestehen würde, wenn das Geheimnis derselben nicht durch ein junges Mädchen aus Achazius' Schule entdeckt worden wäre, welche Nonne wurde, als solche die Bekanntschaft eines französischen Offiziers machte und diesem die Sache mitteilte.
Es wurde nun eine genaue gerichtliche Untersuchung angestellt, welche die merkwürdigsten Resultate ergab. Es kamen da Dinge ans Tageslicht, welche sich nicht wohl niederschreiben lassen. Eine liebenswürdige und anständige Dame, Gattin eines Papierfabrikanten, sagte in dem Verhör aus, dass sie wie verhext gewesen und wie durch einen Trank verzaubert, zu dem hässlichen Kapuziner hingezogen worden sei, der sich Dinge mit ihr erlaubt hatte, deren Aufzählung dem abgehärtesten Kriminalmenschen das Blut in die Wangen trieb. Die Geißelung spielte eine Hauptrolle. Achazius ließ die Ruten oft in Essig legen und hieb die hier erwähnte Dame manchmal so stark, dass sie unter irgendeinem Vorwand über drei Wochen lang das Bett hüten musste.
Im Laufe der Untersuchung ergab sich, dass so viele Kapitel, Klöster und Familien dadurch kompromittiert wurden, dass Napoleon dem Generalprokurator aus politischen Gründen befahl, den Prozess niederzuschlagen. P. Achazius nebst einigen seiner Mitarbeiter wurden eingesperrt.
Die Akten über diesen skandalösen Prozess lagen später noch längere Zeit in Lüttich; wurden dann aber an die preußische Regierung nach Aachen abgeliefert. Es fehlen indessen schon manche wichtige Stücke und andere verloren sich später, weil die beteiligten Familien alles nur mögliche taten, die Denkmäler ihrer Schande zu vernichten. Auch die zu jener Zeit darüber erschienene Broschüre und Karikaturen wussten die Pfaffen einzusammeln und zu vernichten. (Münchs Aletheia, 3. Buch, S. 323 usw. Die berichteten Tatsachen hat Münch aus dem Munde des Staatsrates Leclerq und des Professors Gall zu Lüttich, welche die Untersuchung geführt und die Anklageakte verfasst hatten.)
Wir würden uns sehr täuschen, wenn wir der Meinung wären, dass sich in so kurzer Zeit die Zustände der römisch-katholischen Geistlichkeit geändert hätten. Es ist durchaus kein Grund vorhanden, das anzunehmen; sie sind heutzutage mit geringen Modifikationen wahrscheinlich noch dieselben, welche sie vor Jahrhunderten waren und werden sich nicht ändern, bis einst dem fluchwürdigen Zölibat und der Ohrenbeichte ein Ende gemacht wird.
Ich bin nun mit diesem Buch zu Ende, obwohl keineswegs mit meinem Material, welches geradezu unerschöpflich ist. Ich halte es für unnütz, noch irgendwelche Bemerkungen hinzuzufügen. Die Schlüsse, welche sich aus dem Inhalt der vorstehenden Blätter ziehen lassen, liegen zu klar auf der Hand, als dass es noch irgendwelcher Hinweise bedürfte. Ich fordere nur die in römisch-katholischen Ländern lebenden Leser dieses Buches auf, sich in ihrem Kreis umzusehen, und wenn sie der guten Sache nützen wollen, mir auf den in diesem Buch behandelten Gegenstand bezügliche, authentische Mitteilungen zu machen. Schließlich bemerke ich noch, dass die Geistlichen die von mir erzählten Fakten als Lügen, Erfindungen oder Übertreibungen darstellen werden und weise in Bezug darauf auf das hin, was ich darüber in der Vorrede sagte.
Wenn ich von dem Unwesen in der nicht römisch-katholischen Kirche nichts sagte, so geschah dies keineswegs aus Parteilichkeit, sondern einzig und allein, weil ich mich innerhalb der durch den Titel vorgezeichneten Grenzen halten musste.