Vierundzwanzigstes Kapitel.
Auf Burg Falkenstein bewegte sich alles wieder in den gewohnten Geleisen von Ruhe und Behaglichkeit, und der Besuch des Abtes hatte keinerlei Nachwirkungen.
Graf Hoyer wurde ganz irr an dem vorwitzigen Prälaten, gegen dessen Anschläge er bereits Vorsichtsmaßregeln angeordnet hatte und der nun doch nichts Feindliches wider ihn oder Eike zu planen schien. Sollte er dem ehrenwerten Gottesmann mit seinem Verdacht Unrecht getan haben? Das wollte ihm nicht einleuchten, und in völlige Sicherheit ließ er sich durch dessen vorläufige Untätigkeit noch nicht einwiegen, weil er dem Frieden nicht traute.
Die Gräfin aber war glücklich, daß nichts von dem geschah, womit ihr der Graf nach ihrem Gespräch mit dem geistlichen Herrn bange gemacht hatte, und glaubte an keine Gefahr mehr für Eike, zumal ihr dieser alle Besorgnis so überzeugend ausgeredet hatte.
Der Meistbeteiligte, Eike, sah in dem Zwischenfall nur eines der Hindernisse, die jeder nach einem hohen Ziel Strebende auf seinem Wege zu überwinden hatte, und dachte nicht weiter daran.
Dagegen befand sich Wilfred in einer täglich wachsenden Aufregung und konnte nicht begreifen, warum der Hochwürdige von den ihm eingehändigten Auszügen noch immer keinen Gebrauch machte. Ihn stachelte ungeduldige Rachsucht, die ja der Beweggrund zu seinem schnöden Verrat gewesen war und deren für Eike verderbliche Folgen er schadenfroh mit ansehen wollte.
Trotzdem war ihm unheimlich zumute, denn er verhehlte sich nicht, daß von diesen Folgen einige auch ihn selber treffen konnten, wenn es sich durch eine strenge Untersuchung herausstellte, daß er der hinterlistige Unterstützer des gegen Eike einzuleitenden Verfahren gewesen war.
Er hatte seine Drohung, sich für den Schuß auf den Fuchs rächen zu wollen, in Gegenwart Melissas ausgestoßen. Das Mädchen war ihm herzlich zugetan und unbedingt ergeben, konnte aber, wenn es dazu gezwungen wurde, zu einer ihn schwer belastenden Zeugin werden, deren fast überführender Aussage gegenüber ihm kein Leugnen half.
Dann war er gerichtet und geächtet, mußte sein Bündel schnüren und wieder als Vagant in die weite Welt hinaus wandern, was für ihn hieß: ins Elend gehen.
Und der Winter war im Anzuge. Stürme, die den Wald durchbrausten und die Äste der Eichen und Buchen knarren und knacken machten, auch wohl ein herabwirbelndes Schneegestöber oder ein knatternder Graupelschauer kündigten als Vorboten sein Nahen an. Wo sollte da ein mit Schimpf und Schanden weggejagter Landstreicher ein schützendes Obdach finden und womit auf den an allem Eßbaren und Verdaulichen leeren Feldern den nagenden Hunger stillen?
Melissa las ihm die Unzufriedenheit und Verbitterung vom Gesicht, und selbst ihrer liebenswürdigen Zärtlichkeit gelang es nicht, ihn aufzumuntern oder dem Verstockten mit Fragen den Grund seiner üblen Laune zu entlocken. –
Da trat ein Ereignis ein, das zwar an sich nicht groß verwunderlich war, den Grafen jedoch veranlaßte, seine Gemahlin und Eike zu sich in sein Zimmer zu entbieten, um sich mit ihnen darüber zu besprechen.
Sie kamen und fanden den Burgherrn mit gekrauster Stirn in seinem bequemen Faltestuhl sitzen und – wohl nicht zum erstenmal – einen soeben empfangenen Brief lesen.
»Ein reitender Bote hat mir aus dem Stift zu Quedlinburg ein Schreiben überbracht, aus dem ich nicht klug werde,« begann er. »Die Kanonissin Gertrud von Amfurt fordert mich namens der Äbtissin zum schleunigen Besuch auf in einer sehr wichtigen Angelegenheit, die keinen Aufschub vertrüge und über die sie sich brieflich nicht äußern könnte. Was haltet ihr davon?«
Eike hob ratlos die Schultern.
»Sollte der Palmsonntagstreit mit dem Bischof wieder aufflackern?« meinte die Gräfin.
»Daran habe ich auch schon gedacht,« sprach der Graf, »aber der Streit ist endgültig entschieden und beigelegt, und daraus würden sie auch kein Hehl machen. Wenn es überhaupt etwas wäre, das meine Schirmvogtei betrifft, würden sie es doch wenigstens angedeutet haben. Das Traurige ist, daß ich nicht imstande bin, aufs Pferd zu steigen und nach Quedlinburg zu reiten. Also mußt du hin, Eike!«
Gerlinde machte eine erschrockene Bewegung, weil plötzlich eine Ahnung in ihr auftauchte, die sie in die Worte faßte: »Es wird doch keine Falle sein?«
»Eine Falle?«
»Ja, eine vom Gröninger Abt gestellte Falle. Kennst du die Handschrift der Kanonissin?«
»Nein.«
»Warum schreibt Osterlindis nicht selbst? Der Brief könnte gefälscht sein. Man weiß vielleicht, daß du nicht reiten kannst und baut darauf, daß Herr von Repgow –«
»Ah, jetzt verstehe ich dich,« unterbrach sie der Graf. »Du fürchtest, daß sie Eike einen Hinterhalt legen wollen. Tod und Teufel! das wäre doch ein Schelmenstück sondergleichen.«
Eike schüttelte den Kopf und sagte ruhig: »Darauf lass' ich's ankommen; ich reite morgen früh nach Quedlinburg, wenn Ihr glaubt, Herr Graf, daß mir die Äbtissin soviel Vertrauen schenkt, mich anstandslos in die vorliegenden Dinge einzuweihen.«
»Das wird sie gewiß,« erwiderte der Graf, »ich werde dir ein paar Zeilen an sie mitgeben. Sie ist meine Verwandte von der Schwertmagensippe, eine Gräfin Falkenstein, und hat als Äbtissin des freiweltlichen Stiftes den Rang einer reichsunmittelbaren Fürstin. Also niemand außer dem Kaiser hat ihr dreinzureden, was sie tun oder lassen will. Du nimmst Sibold mit und hast auch noch den Reitenden hinter dir, der das Schreiben gebracht hat. Wenn du morgen frühzeitig satteln läßt, kannst du gegen Abend wieder hier sein. Bist du aber bis übermorgen mittag nicht zurück, so schicke ich dir den Wildmeister mit einem Fähnlein gewappneter Reisiger nach. Einer von ihnen wird ja wohl lebendig wiederkommen und melden können, was aus dir geworden ist,« fügte er lachend hinzu.
Eike lachte mit, aber Gerlinde war still und nachdenklich, denn ihr bangte ernstlich um Eikes Sicherheit.
Es blieb bei der getroffenen Verabredung und sowohl an Sibold wie an den stiftischen Boten erging der Befehl, morgen früh mit dem Ritter von Repgow zu reiten.
Nach der Beratung verließen Gerlinde und Eike den Grafen, und jeden der drei beschäftigte die mit solcher Dringlichkeit und Heimlichkeit betriebene Angelegenheit insbesondere.
Graf Hoyer wollte den Verdacht seiner Gemahlin, daß die Aufforderung zu dem Besuch eine vom Abt gestellte Falle sein könnte, nicht ganz von der Hand weisen. Gerade dieser, nicht die Äbtissin, wußte, daß ihm das Reiten schon zu beschwerlich war, und da lag es sehr nahe, daß er den Gastfreund als seinen Vertreter nach Quedlinburg entsenden würde, woraus sich die Möglichkeit ergab, sich Eikes aus einem Hinterhalt zu bemächtigen.
Allein bei Licht besehen wäre es doch eine gar zu große Kühnheit, ja Frechheit seitens des Abtes, Eike unterwegs gewaltsam aufheben zu lassen und ihn als Gefangenen in eine Gröninger Klosterzelle zu sperren, um dort seine gesetzgeberische Arbeit zu überwachen und ganz im Sinne des herrschsüchtigen Klerus zu leiten. Das wäre ein völlig aussichtsloser Versuch, denn eher machte der Rhein in seinem Laufe Kehrt und flösse bergauf von Köln nach Konstanz, als daß sich Eike nur einen Strohhalm breit beugen ließ.
»Nein, nein!« sprach Hoyer zu sich selbst, »zu so grob zutappenden Übergriffen nimmt der vorsichtige Benediktiner seine Zuflucht nicht, der spinnt feineres Garn für seine Netze und würde sich ohne höheren Auftrag, auf eigene Verantwortung nimmer so weit vorwagen. Aber welcher Höhere sollte ihm einen solchen Auftrag erteilen? der Bischof? der bedient sich keines vorgeschobenenHandlangers, sondern packt selber rasch zu, wo er einzuschreiten für nötig findet. Also abwarten! Eike wird morgen kein Abenteuer zu bestehen haben, es sei denn ein ritterlich gefälliges im Quedlinburger Schlosse, wo es sich vielleicht nur um Rat und Rechtsbeistand handelt, ein umstrittenes Kunkellehen für eine der Konventualinnen zu ergattern, welche ›sehr wichtige Angelegenheit‹ die gute Osterlindis zu einerres divinaaufbauscht.«
Gerlinde wurde nicht so schnell mit ihren Sorgen fertig, und daß auch der Graf mit Gefahren für Eike rechnete, ging daraus hervor, daß er ihm, falls er bis übermorgen mittag nicht zurück wäre, eine Schar Reisige nachschicken wollte. Ja, übermorgen konnten die leicht zu spät kommen, die sollte ihm Hoyer lieber gleich morgen zu Schutz und Geleit mitgeben, aber ihn darum bitten mochte sie nicht, um nicht eine allzu warme Teilnahme durchblicken zu lassen.
Einer freute sich auf den Ritt nach Quedlinburg, der berühmten Heinrichsstadt, wo die Kaiser sächsischen und fränkischen Stammes oft ihr Hoflager aufgeschlagen und manchen glänzenden Reichstag abgehalten hatten. Das war Eike; noch niemals war er in der schön gelegenen Stadt gewesen, hatte sie mit ihrem Schloß und dem ragenden Dom immer nur von weitem gesehen, wenn er sich mit seinem Freunde Hinrik Warendorp ein Stelldichein im Gasthaus am Scheideweg gegeben. Die Besprechung mit der Domina würde hoffentlich nicht so lange währen, daß ihm nicht noch Zeit genug übrig bliebe, sich in dem mauerumgürteten Quitilingeburg gehörig umschauen zu können.
Als sie sich spät abends gute Nacht wünschten, fragte Gerlinde mit innigstem Ton: »Werdet Ihr mir auchwiederkommen, Eike?« Und wie berückend sah sie ihn dabei an mit ihren großen, dunklen Augen!
»Wenn sie mich nicht einfangen und in Ketten schließen, komme ich wieder, Gerlinde; ich lasse Euch mein Herz als Geisel,« entgegnete er lächelnd mit einem treufesten Händedruck und hätte sie so gern, so gern dabei geküßt.
In der Morgenfrühe ritt er frohgemut ab und die zwei Knechte in gebührendem Abstand hinter ihm. Er hatte Wetterglück; ein lauer Wind wehte, und vom nur spärlich bewölkten Himmel schien die Sonne, was er sich zum guten Zeichen nahm.
Wilfred hatte ihn abreiten sehen und sagte nachher zu Melissa: »Diesmal brauchen wir nicht zu wetten, ob er wiederkommt; er hatte nicht den Mantelsack voll Schriften hinter sich auf dem Pferde, und die Reise geht nur bis Quedlinburg, wie ich von Sibold erfuhr. Was mag er da zu schaffen haben?«
»Wohl eine Rechtssache bei der Äbtissin,« meinte Melissa. »Ich war mit meiner Herrin einmal dort; o da oben auf dem Schloß ist's herrlich, Fred! prächtiger als in unserer Burg hier. Schade, daß der Ritter dich nicht als Schreiber mitgenommen hat; ich hätt' es dir gegönnt.«
»In Quedlinburg wird es auch schon Gerichtsschreiber geben.«
»Aber keinen so gescheiten und schmucken wie du, Fred!« sprach sie schmeichelnd.
»Danke, mein Liebchen!« lachte er, doch es klang ein wenig gezwungen. –
Gerlinde wurde der Tag unendlich lang, sie zählte die Stunden, und als der Abend niedersank und es zu dunkeln begann, ward ihr bang und immer bänger.
Sie mußte sich mit ihrem Gemahl allein zu Tisch setzen, aber als sie einsilbig und gedankenvoll eben Platzgenommen hatten, tat sich die Tür auf, und Eike trat in den Speisesaal.
»Eike!!« scholl es wieeinFreudenschrei aus beider Munde, und viel fehlte nicht, daß Gerlinde von ihrem Stuhl auf und dem Ersehnten in die Arme gesprungen wäre.
»Also nicht gefangen und eingesperrt!« rief der Graf. »Komm her, setze dich und erzähle! ich kann es kaum erwarten, alles von dir zu hören. So sprich doch, Mensch!«
»Erst einen Trunk!« bat Eike, »dieser trockene Herbstwind dörrt einem die Kehle schauderhaft aus.«
Gerlinde schenkte ihm geschwind ein, und nach einem tüchtigen Zug aus dem Becher hub er an: »Na, – Seine Hochwürden, der Abt von Gröningen läßt grüßen.«
»Was? Du hast ihn gesprochen?«
»Das nicht, aber seineFußstapfen, will sagen sein Machwerk hab' ich deutlich erkannt.«
»Weiter, weiter!«
»Am Tage von Mariä Opfer kommt der Halberstädter Domdechant Herr Anno von Drondorf mit Vollmacht des Bischofs hierher auf den Falkenstein, um wegen meines Buches mit mir ins Gericht zu gehen.«
Starres Schweigen folgte dieser wie ein Blitz einschlagenden Nachricht.
Gerlinde saß tief erschrocken da. Das war die Wirkung ihrer Geständnisse zum Abte, der dadurch den Bischof gegen Eike aufgehetzt hatte! Sie machte sich wieder die bittersten Vorwürfe.
Der Graf war sehr ernst, aber vollkommen ruhig. »Hast du das von der Äbtissin selbst?« fragte er.
»Ja!«
»Erzähle der Reihe nach.«
»Die Kapellanin Fräulein Adelheid von Hakeborn meldete mich der Domina an, und es dauerte eine Weile, bis sie mich zu empfangen geneigt war. Sie war erstaunt und, wie mir schien, wenig zufrieden, statt Eurer einen ihr völlig Fremden vor sich zu sehen. Als ich ihr aber Euer Brieflein dargereicht und sie es gelesen hatte, sagte sie verbindlich: Mein lieber Vetter Hoyer schreibt mir, er könnte leider nicht nach Quedlinburg reiten, ich möchte Euch das gleiche Vertrauen schenken wie ihm selber, und das will ich auf die gute Empfehlung hin auch tun. Darauf eröffnete sie mir unter der Bedingung strengster Verschwiegenheit, der Domherr Konrad von Alvensleben, der ihr und ebenso Euch befreundet sei, habe ihr den Wink zukommen lassen, daß der Domdechant an dem genannten Tage hier erscheinen werde. Das habe sie Euch mündlich mitteilen wollen, weil ihr eine briefliche Preisgebung des Geheimnisses zu bedenklich gewesen wäre. Näheres wisse sie nicht, als daß unzweifelhaft eine feindselige Absicht dahinter stecke. Ihr aber würdet schon verstehen, was dieser Schritt zu bedeuten habe.«
»O ja, ich verstehe es,« versetzte der Graf mit dem Tone beißenden Spottes.
»Ich auch,« sagte die Gräfin. »Osterlindis ist dir für deine Entscheidung des Palmsonntagstreites zu ihren Gunsten Dank schuldig, den Bischof aber hast du dir damit, wie ich dir damals gleich prophezeite, zum unversöhnlichen Feinde gemacht, und als dem Protektor des Herrn von Repgow und seines Buches, das unter deinem Dache und mit deiner Billigung geschrieben ist –«
»– wird er nun auch mit mir den Zank vom Zaune brechen,« fiel der Graf ein. »Darauf bin ich gefaßt, und der Domdechant Anno von Drondorf ist ganz derMann dazu, den Kampf aufzunehmen. Er ist aus anderem Holz geschnitzt als der Abt von Gröningen, ist gelehrt, schlangenkundig und doch zu stolz, um zu heucheln, und auch bei ihm kommt dreimal voran alles Kirchliche und dann erst ganz nebensächlich das Irdische und Menschliche. So ist er die zuverlässigste Stütze des Bischofs, der sich eifersüchtig und trotzig auf seine geistlichen und weltlichen Hoheitsrechte steift und großmächtig den Krummstab über seiner Diözese schwingt. Wir haben es also mit nicht zu verachtenden Gegnern zu tun, Eike, und da gilt es, der anrückenden Gewalt auch mit Gewalt zu begegnen, die Hand am Schwertgriff und den Fuß fast schon im Bügel.« So sprach der Graf, und die beiden andern sahen's und hörten's ihm an, daß er zum äußersten Widerstand entschlossen war.
»Ich bedaure, Herr Graf, daß ich es bin, der Euch in diese leidigen Zwistigkeiten verstrickt,« sagte Eike.
»Deine Sache ist meine Sache,« erwiderte der Graf, »und auch meine wackeren Gesellen, die Harzgrafen, werden sie zu der ihrigen machen. Ich werde sie zu einer gemeinschaftlichen Beratung einberufen und bin überzeugt, daß wir alle eines Sinnes und Willens sein werden, uns den Halberstädtern mit stahlharter Zähigkeit entgegen zu stemmen. Dein Kodex ist hier im Harz entstanden, und wir Harzer werden ihn mit allem Nachdruck vertreten und salvieren. Bis zu Mariä Opfer sind es von heut an noch sechs Tage; die müssen ausgenutzt werden, damit die Grafen, wenn der Domdechant eintrifft, hier versammelt sind.«
»Aber ich hoffe, Graf Hoyer, Ihr laßt mich an dem Scharmützel teilnehmen.«
»Nicht nur teilnehmen, Eike! Du bist der Angegriffene und verteidigst dich selber, wir wollen nur deineSchildhalter sein. Und nun trink und erzähle uns noch etwas von Quedlinburg.«
»O, da habe ich viel Schönes und Merkwürdiges gesehen,« berichtete Eike. »Vor dem Mittagsmahl hat mich Fräulein Adelheid von Hakeborn herumgeführt und mir alles gezeigt und erklärt. Besonders erfreute mich der herrliche Ausblick vom Schloß weit ins Land hinein, auf das ganze lang gestreckte Gebirge von Ballenstedt an gen Westen auf die Teufelsmauer, die Lauenburg, das Felsentor des Bodetales, nach Blankenburg, dem schroff abstürzenden Regenstein und im Hintergrunde zu dem alles beherrschenden Brocken, dessen Kuppe weiß beschneit herüberleuchtete. Auch in die wundervolle Basilika hat mich die junge Kapellanin geführt und zu den Grabstätten König Heinrichs des Vogelstellers und seiner Gemahlin Mathilde. Es waren erhebende und nachhaltige Eindrücke, die ich in der hochberühmten Stadt empfing, und darüber vergaß ich alle meine Sorgen.«
»Recht so, Eike!« sprach Gerlinde. »Wie sagt Horaz? ›In bedrängter Zeit bewahre dir ein Herz voll Gleichmut‹.«