Fußnoten:
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[1]Nordische Form des deutschen Namens Nibelunge.[2]Volsungar ist der im Norden gebräuchliche Geschlechtsname des Sigurd und seiner Angehörigen.[3]Ragnar wird verheiratet gedacht mit Aslaug, einer hinterlassenen Tochter des Sigurd und der Brynhild.[4]Da sein Verfasser im Grunde nur den gedruckt vorliegenden „Hürnen Seifrid“ umschreibt, widerspricht das Auftauchen des Volksbuches im 18. Jahrhundert nicht derS. 1aufgestellten Behauptung, daß die direkte volkstümliche Überlieferung im Dreißigjährigen Kriege erloschen ist.[5]Die Beispiele sind entnommen aus „Die Edda“, übersetzt und erläutert von Hugo Gering.[6]Odin ist die nordische Form des Namens für denselben Gott, der in Deutschland Wodan hieß.[7]Wagner hat diesen Zug der Sage in der „Walküre“ benutzt, ihn aber verschoben; bei ihm ist Siegfrieds Mutter an die Stelle der Signy getreten.[8]Wagner überträgt den Namen auf die Person seiner Dichtung, die eigentlich die Figur des Siggeir fortsetzt.[9]Man dachte sich die Gnitaheide auf dem halben Wege von Paderborn nach Mainz gelegen, wo sie im 12. Jahrhundert ein wandernder Norweger, Abt Nikolaus, wiedergefunden zu haben glaubte.[10]Daß Sigurds Schwert dasselbe ist, das sein Vater geführt hat, behauptet erst die Volsungasaga; die Lieder-Edda weiß noch nichts davon.[11]Nach späterer nordischer Sage ist allerdings die Aslaug, die Gattin des Ragnar Lodbrok, eine Frucht dieser frühern Bekanntschaft Sigurds mit Brynhild. Übrigens nennt der Liedersammler die Brynhild bei ihrer ersten Begegnung mit Sigurd „Sigrdrifa“, indem er einen Beinamen (Spenderin des Sieges) als Namen auffaßt; vielleicht hat er dadurch für die beiden Verlobungsgeschichten (vgl.S. 22) zwei verschiedene Heldinnen schaffen wollen.[12]Die ursprüngliche Fassung der Sage, daß Sigurd in untergeordneten Verhältnissen aufgewachsen ist, blickt deutlich hindurch.[13]Im Norden wird sein Volk nicht das hunnische genannt, wenigstens nicht in den älteren Quellen; nach vereinzelten Andeutungen herrscht er in Walland (Italien).[14]Ihr Alter dürfen wir freilich nicht nachrechnen. Svanhild ist beim Eintritt in die Erzählung ein junges Mädchen. Inzwischen sind aber ihre Brüder aus der dritten Ehe ihrer Mutter bereits zu waffenfähigen Männern herangewachsen. Gudruns zweite Ehe mit Atli, sowie die Zeit ihrer Witwenschaft sind inzwischen vergangen, auch die Zeit der Ehe mit Sigurd, die doch immerhin einige Jahre gewährt hat, ist vorüber. Wir kommen also für Svanhild, wenn wir nachrechnen, auf ein ziemlich hohes Alter, das zur Erzählung nicht stimmt. Wir dürfen in dieser Beziehung nicht zu streng sein. Denn gerade diese Dinge, wie überhaupt jede Chronologie, sind die schwächsten Punkte aller sagenmäßigen Tradition. Alles dies verschwimmt in der Erinnerung der Menschen zu allererst; sie werfen alles auf eine Fläche, sie sehen in der Erinnerung alles nebeneinander, kein Vor- und kein Hintereinander mehr; Personen, die in Wirklichkeit durch hundert Jahre getrennt waren, können leicht als Zeitgenossen erscheinen. Es war für die einfachen Leute, welche die Überlieferung gepflegt haben, eben nicht möglich, solche Dinge zu kontrollieren.[15]Er gehört übrigens ursprünglich nur dem TexteCan, vergleiche späterS. 107.[16]Den Namen des Vaters (Gibich, der in andern deutschen Dichtungen wohlbekannt ist) hat das Nibelungenlied vergessen; erst der TextCnennt ihn im Anschluß an die „Klage“ mit einem offenbar willkürlich herausgegriffenen Namen Dankrat.[17]Woher sie mit ihr bekannt ist (die Geschichte spielt ja in der Mädchenzeit der beiden), wird nicht erklärt.[18]Etwa dem alten Herzogtum Nieder-Lothringen entsprechend. Eine Residenz Santen (heute Xanten) hat erst der TextCaus der einmaligen Erwähnung dieses Städtchens Str. 715 (Holtzmann) herausgesponnen, vgl. Braune, Die Handschriftenverhältnisse des Nibelungenliedes, S. 178.[19]Die Burgunden sitzen nach der Sage in einer Gegend, die zur Zeit der vollendeten Dichtung den Franken gehört; sie fallen infolgedessen in der Auffassung des Dichters und seiner Zuhörer mit diesen zusammen.[20]Solche Feste werden in unserm Liede stets mit besonderer Liebe behandelt. Unserm heutigen Geschmack sagen die Schilderungen von Festen und dem dabei entwickelten Prunke, besonders was Kleidung anbetrifft, wenig zu, und man hat deshalb die betreffenden Abschnitte gar für unecht erklären wollen; sie sind jedoch nur leer an Sagengehalt. Wir müssen uns in die damalige Zeit hineinversetzen, um diese Schneiderszenen, wie man sie genannt hat, zu würdigen. Man erwartete im Mittelalter von der erzählenden Dichtung nicht nur Anregungen innerlichen, sondern auch solche äußerlichen Charakters, als da sind Berichte über neue oder absonderliche Moden oder Gebräuche.[21]Die Schilderung dieser Jagd im 16. Gesange unseres Liedes ist in gewisser dichterischer Beziehung vielleicht sein Höhepunkt. Der Verfasser weiß auf das genaueste Bescheid von allem, was bei einer Jagd jener Zeit vorkommt, und versetzt sich und seine Zuhörer so lebhaft in die richtige Wald- und Jagdstimmung, daß man diesen Gesang nur mit großem Genusse lesen kann.[22]Seltsamerweise wird vorausgesetzt, daß Siegfried für den Scheinfeldzug vor einigen Tagen und für die Jagd ein und denselben Rock trägt.[23]Unter diesem Namen verstehen die Deutschen späterhin immer Ofen (Budapest); ob das Nibelungenlied schon diese Stadt meint, bleibt zweifelhaft: Ungarns alte Hauptstadt ist Gran (noch heute Sitz des Primas); erst nach seiner Zerstörung durch die Mongolen 1241 trat Ofen an seine Stelle.[24]Diese einfachen Boten sind sicher eine aus einer ältern Erzählungsschicht stehengebliebene Altertümlichkeit; der ritterliche Dichter würde vornehmere Herren zu diesem Zwecke bemüht haben.[25]Dieser Held, der keiner andern Quelle unserer Sage bekannt ist, spielt von jetzt an eine Schritt für Schritt wachsende Rolle, und zwar tritt er immer an Stellen hervor, die eine Neuerung in der Sage bedeuten.[26]Die Dichter des Mittelalters vermögen ihren Werken kein andres Kolorit als das ihrer eigenen Zeit zu geben.[27]Die „Vorrede“ des Heldenbuches, vgl. späterS. 118.[28]Der Kampf im Saale beginnt also auch hier mit Ortliebs Tode, doch ist der Umstand, daß Kriemhilt diesen mit Absicht herbeiführt, um Etzel zur Rache zu entflammen, als zu grauenerregend abgeschwächt.[29]Irnfrid von Thüringen ist der historische letzte König der Thüringe Ermanfrid, der um 530 von den Franken besiegt und vertrieben (später auch getötet) wurde; die letzten seiner Familie flohen zum oströmischen Kaiser, den unsere deutsche Sage in älterer Zeit immer durch den ihr geläufigen Hunnenkönig Attila ersetzt.[30]Amelunge (Amaler) ist ursprünglich der Name des Königshauses der Ostgoten; er wird (was auch anderwärts nicht selten vorkommt, z. B. Kärlinge = Franken) so häufig für „Goten“, den Namen des beherrschten Volkes, gebraucht, daß die hochdeutsche Überlieferung diesen ganz vergessen hat.[31]Im dritten Gudrunliede, das einen Einzelzug behandelt, der nicht einmal sagenecht ist, wird er erwähnt.[32]Das Volk der Bayern begegnet uns zuerst um die Mitte des 6. Jahrhunderts unter einheimischen, von den fränkischen Königen abhängigen Fürsten; das ihnen gehörige Land war kurz vorher noch ein Teil des Gotenreiches. Als die Oströmer dies eroberten, drangen sie nicht bis über die Alpen vor; es scheint daher, daß sich die zwischen Donau und Alpen übrig gebliebenen Goten mit Resten anderer Germanenstämme zu einem neuen Volke unter dem Namen „Bayern“ (Baiuuarii) zusammengeschlossen haben. Wenigstens betrachten die Bayern noch später sich als identisch mit den Amelungen (Goten) und also den Dietrich als ihres Stammes.[33]Auch hier ist Etzel sagenhafter Vertreter des oströmischen Kaisers (Zeno, der den Theodorich 489 gegen Odoaker schickte).[34]Eine Namenverschiebung: da derjenige, der in der Lieder-Edda Regin heißt, hier bereits (auf Grund deutscher Sage) Mimir benannt ist, überträgt der Sagaschreiber jenen Namen auf den Drachen (der in nordischer Sage Fafnir heißt und Regins Bruder ist).[35]Schwert und Roß führen hier die aus der Lieder-Edda bekannten Namen Gram und Grani; jenes entspricht dem deutschen Balmung, dies wird in Deutschland nicht mit Namen genannt.[36]Dieser gilt in der Saga als Bruder der Burgundenkönige; ein Zugeständnis an die nordische Sagenform der Lieder-Edda.[37]Der also hier als vierter die Stelle Dankwarts im Nibelungenliede einnimmt; Dietrichs Mitgehen ist halbwegs begründet, das Dankwarts aber nicht; liegt hier vielleicht eine dunkle Beziehung zwischen den beiden Überlieferungen vor?[38]Davon war bisher nichts erzählt; die Saga ist hier mit sich selbst nicht einig. Ihre einzelnen Teile stammen aus verschiedenen Quellen und sind nicht durchweg ineinander gearbeitet und miteinander ausgeglichen.[39]Als persönliches Opfer ihrer Rache fällt hier Giselher; einer muß durch ihre Hand umkommen, damit begründet ist, daß Dietrich (statt Hiltebrands im Liede) sie tötet.[40]Ich will nicht unterlassen, darauf hinzuweisen, daß der Personenname „Nibulung“ im Geschlechte der Arnulfinge einen ganz besonderen Sinn gehabt haben kann: die Stifterin des Klosters Nivelles (belgische Stadt südlich von Brüssel) ist die Heilige Gertrud († 659), Tochter Pipins des Ältern; dies Nivelles ist also ein jenem Geschlechte ganz besonders wertes Heiligtum; ist es danach nicht denkbar, daß Söhne dieser Familie gelegentlich „Mann von Nivelles“, in altfränkischer Sprachform „Nibulung“, benannt worden sind? Ist diese Annahme richtig, so müssen natürlich die Nibelunge der Sage unbedingt von diesen historischen Nibelungen hergeleitet werden. Ich wage nun freilich für die Richtigkeit nicht einzustehen, muß aber behaupten, daß diese Herleitung plausibler ist als die alte, die in den Nibelungen „Nebelsöhne“, „Mächte der Finsternis“ erkennen wollte; sie ist ja schon dadurch widerlegt, daß es mythische Nibelunge in der Sage ursprünglich gar nicht gegeben hat.[41]Daß dieser als Schwestersohn dem Oheim den Grund für sein Verhalten gibt, ist ein höchst altertümlicher Zug, der die ältesten germanischen (mutterrechtlichen) Verhältnisse widerspiegelt, vgl.Tac. Germ. c. 20:sororum filiis idem apud avunculum qui apud patrem honor. quidam sanctiorem artioremque hunc nexum sanguinis arbitrantur(Schwestersöhne stehen beim Oheim in derselben Geltung wie beim Vater; einige halten dies Blutsband sogar für heiliger und enger).[42]Deshalb vermag ich, wenn ein elsässisches Kirchheim urkundlich gelegentlich auchTroniagenannt wird, darin nichts altes zu sehen, sondern höchstens den Versuch einer Lokalisierung des sagenhaften Tronje.[43]Wilhelm Jordan hat in seiner „Sigfridsage“ als Grund für Siegfrieds Verhalten gegenüber Brünhilt angenommen, sie habe an Siegfried das im Text angeführte Verlangen gestellt; damit hat Jordan gewiß das sagenechte getroffen; eine Nachdichtung der durch die Ungunst der Überlieferung zerpflückten alten Dichtung (und um eine solche handelt es sich doch, unbeschadet aller Grundlagen) führt am sichersten zu den alten Zusammenhängen.[44]Wenigstens setzt der Skalde Bragi der Alte, der um das Jahr 900 gestorben ist, in seiner Ragnarsdrapa diese Verbindung bereits voraus.[45]Pro mariti fraudulento discessu; das hat man auch übersetzen wollen: dafür, daß sie ihren Mann (nämlich Ermanarich) trügerisch verlassen hatte; dann wäre die Übereinstimmung mit den Eddaliedern nahezu vollkommen; allein der Zusammenhang bei Jordanes unterstützt diese Übersetzung nicht.[46]Man hat mit Recht daran erinnert, daß die an der mittlern Donau sitzenden Heruler (nach Procopius von Caesarea) noch im Anfang des 6. Jahrhunderts mit ihren Stammesgenossen im südlichen Schweden in lebhaftem Verkehr stehen.[47]Pöchlarn (Bechelaren) wird in dieser Zeit tatsächlich der Sitz des bayrischen Ostmarkgrafen gewesen sein.[48]Da das Nibelungenlied gelegentlich den Tod Nudungs erwähnt, der von Witig in der Ravennaschlacht getötet wurde, so muß es letztere als vergangen annehmen; da nun ursprünglich gewiß diese Schlacht zur Rückführung Dietrichs geführt hat, war nicht recht begreiflich, warum er nach ihr noch an Etzels Hof lebt; das hat zur Annahme zweier Feldzüge gegen Ermenrich (und seinen Nachfolger) geführt, deren erster dann unglücklich verlaufen sein muß. Die „Klage“ läßt übrigens am Schlusse Dietrich mit seiner Gattin und Hiltebrand in friedlicher Reise nach Bern zurückkehren, nimmt also an, daß er seit der Ravennaschlacht im Besitze seines Reiches ist. Daß der Verräter Sibich nach Ermenrich in Italien geherrscht habe, behauptet nur die Thidrikssaga.[49]D. h. als Buch erhaltenen; lückenhaft infolge Verlustes einzelner Blätter kann eine solche vollständige Handschrift immerhin sein.[50]Seit dem ersten Erscheinen dieses Buches hat sich das handschriftliche Material, außer um Blätter bereits bekannter Handschriften, noch um Reste von drei bisher unbekannten vermehrt:X, ein Blatt aus der Klage, gefunden in Sterzing;Y, ein Wiener Blatt;Z, ein in Dülmen gefundenes Blatt. Ich will nicht unerwähnt lassen, daß mir scheint, als gehöreWzur NibelungenhandschriftS,Xzur NibelungenhandschriftU. — Die in der alphabetischen Folge fehlenden Buchstaben sind verwendet wie folgt:Pbezeichnete früher ein Fragment, das sich als der gleichen Handschrift wieNentstammend erwiesen hat;Tist die Signatur der fragmentarisch erhaltenen niederländischen Übersetzung aus dem 14. Jahrhundert;Vist (wegen Ähnlichkeit mitU) nicht verwendet;cgilt für die Zitate, die Lazius, ein Gelehrter des 16. Jahrhunderts, in seiner SchriftDe gentium aliquot migrationibusaus einer alten Handschrift angebracht hat;eundfhatte man anfangs irrtümlich die jetzt mitLbezeichneten Fragmente benannt;mist Inhaltsverzeichnis einer verlorenen Handschrift.[51]Vielleicht hat Wolfram von Eschenbach, der Parzival 420 f. sich auf das Nibelungenlied bezieht, schon den Liet-Text gekannt; doch ist sein Zitat auch verständlich, wenn er nur die beiden Texten gemeinsame Strophe 1496 (Holtzmann) vor sich gehabt hat; die folgende, dem Liet-Texte eigentümliche Strophe, in der, wie bei Wolfram, „Schnitten“ als eine gute Speise erwähnt werden, dürfte eher in Anlehnung an die etwas spöttisch gehaltene Ausführung im Parzival verfaßt sein.[52]In einer Besprechung der 1. Auflage dieses Buches (Literarische Rundschau vom 1. Juni 1909) hat Fr. Panzer die hier entwickelte Gedankenreihe beanstandet und darauf hingewiesen, daß Zeizenmure in der ungarischen Sage als Ort einer Schlacht eine große Rolle spielt und infolgedessen in die Grundhandschrift des Not-Textes gelangt sei. Das könnte möglich sein, hilft uns aber nicht weiter, denn 1) ist die Darstellung der ungarischen Sage, wie sie bei Simon Kézai vorliegt, trotz Bleyers Ausführungen (im 31. Bande der Beiträge) eine halbgelehrte Kompilation aus der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts, 2) ist nicht abzusehen, wie ein Nicht-Österreicher (denn ein Österreicher konnte den Fehler nicht begehen) zur Kenntnis ungarischer Sage gelangt sein sollte, und 3) bleibt die Sache beim alten, weil die Grundhandschrift des Not-Textes den Fehler, mag seine Ursache sein, welche sie will, eben begangen hat und daher notwendigerweise nur eine nebengeordnete, nicht eine übergeordnete Stelle neben den Liet-Handschriften einnehmen kann. Auf Zarncke’s feinen Gedanken, Nithart zur Erklärung heranzuziehen, könnte man schließlich verzichten; den in der „Not“ vorliegenden Text aber weit über 1230 hinaufzuschieben, ist trotzdem unmöglich wegen gewisser unbestreitbarer Zusätze, wegen Spuren beginnenden Verfalles in der Verstechnik und besonders wegen des Zustandes aller hierher gehörigen Handschriften (s.S. 107).[53]Das ist nicht ohne Beispiel; so wurde das um 1170 entstandene Gedicht vom Herzog Ernst bereits um 1200 (hauptsächlich reimtechnisch) überarbeitet; als aber in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts ein neuer Bearbeiter den Text vornahm, griff er auf das Original zurück und ignorierte die um 1200 entstandene Überarbeitung.[54]Nach Lachmann nur dreizehn; er behielt 1627 bei und änderte sie durch Konjektur; wir haben dazu heute keine Veranlassung mehr.[55]Mit einer Ausnahme: Lachmanns 17. Lied schließt an das 15. an; das 16. ist eine Parallelerzählung.[56]Vgl. Schönbach, Das Christentum in der altdeutschen Heldendichtung, S. 203.[57]Heinrich von Ofterdingen, den manche beim Wiedererwachen unserer Kenntnis der mittelalterlichen Literatur als Dichter des Nibelungenliedes in Anspruch genommen haben, ist keine historische Person, sondern vom Dichter des Wartburgkrieges erfunden; dieser Mann brauchte eine Figur, die als Gegenstück und Widerpart der historisch bekannten Sänger am Hofe zu Eisenach hingestellt werden konnte.[58]Es ist mir leider nicht gelungen, das Werkchen, das ich vor mehr als dreißig Jahren selbst gelesen habe, irgendwo wieder aufzutreiben.[59]Wilkina- (richtiger Wilcina-) und Niflungasaga sind Teile und Untertitel der Thidrikssaga.
[1]Nordische Form des deutschen Namens Nibelunge.
[1]Nordische Form des deutschen Namens Nibelunge.
[2]Volsungar ist der im Norden gebräuchliche Geschlechtsname des Sigurd und seiner Angehörigen.
[2]Volsungar ist der im Norden gebräuchliche Geschlechtsname des Sigurd und seiner Angehörigen.
[3]Ragnar wird verheiratet gedacht mit Aslaug, einer hinterlassenen Tochter des Sigurd und der Brynhild.
[3]Ragnar wird verheiratet gedacht mit Aslaug, einer hinterlassenen Tochter des Sigurd und der Brynhild.
[4]Da sein Verfasser im Grunde nur den gedruckt vorliegenden „Hürnen Seifrid“ umschreibt, widerspricht das Auftauchen des Volksbuches im 18. Jahrhundert nicht derS. 1aufgestellten Behauptung, daß die direkte volkstümliche Überlieferung im Dreißigjährigen Kriege erloschen ist.
[4]Da sein Verfasser im Grunde nur den gedruckt vorliegenden „Hürnen Seifrid“ umschreibt, widerspricht das Auftauchen des Volksbuches im 18. Jahrhundert nicht derS. 1aufgestellten Behauptung, daß die direkte volkstümliche Überlieferung im Dreißigjährigen Kriege erloschen ist.
[5]Die Beispiele sind entnommen aus „Die Edda“, übersetzt und erläutert von Hugo Gering.
[5]Die Beispiele sind entnommen aus „Die Edda“, übersetzt und erläutert von Hugo Gering.
[6]Odin ist die nordische Form des Namens für denselben Gott, der in Deutschland Wodan hieß.
[6]Odin ist die nordische Form des Namens für denselben Gott, der in Deutschland Wodan hieß.
[7]Wagner hat diesen Zug der Sage in der „Walküre“ benutzt, ihn aber verschoben; bei ihm ist Siegfrieds Mutter an die Stelle der Signy getreten.
[7]Wagner hat diesen Zug der Sage in der „Walküre“ benutzt, ihn aber verschoben; bei ihm ist Siegfrieds Mutter an die Stelle der Signy getreten.
[8]Wagner überträgt den Namen auf die Person seiner Dichtung, die eigentlich die Figur des Siggeir fortsetzt.
[8]Wagner überträgt den Namen auf die Person seiner Dichtung, die eigentlich die Figur des Siggeir fortsetzt.
[9]Man dachte sich die Gnitaheide auf dem halben Wege von Paderborn nach Mainz gelegen, wo sie im 12. Jahrhundert ein wandernder Norweger, Abt Nikolaus, wiedergefunden zu haben glaubte.
[9]Man dachte sich die Gnitaheide auf dem halben Wege von Paderborn nach Mainz gelegen, wo sie im 12. Jahrhundert ein wandernder Norweger, Abt Nikolaus, wiedergefunden zu haben glaubte.
[10]Daß Sigurds Schwert dasselbe ist, das sein Vater geführt hat, behauptet erst die Volsungasaga; die Lieder-Edda weiß noch nichts davon.
[10]Daß Sigurds Schwert dasselbe ist, das sein Vater geführt hat, behauptet erst die Volsungasaga; die Lieder-Edda weiß noch nichts davon.
[11]Nach späterer nordischer Sage ist allerdings die Aslaug, die Gattin des Ragnar Lodbrok, eine Frucht dieser frühern Bekanntschaft Sigurds mit Brynhild. Übrigens nennt der Liedersammler die Brynhild bei ihrer ersten Begegnung mit Sigurd „Sigrdrifa“, indem er einen Beinamen (Spenderin des Sieges) als Namen auffaßt; vielleicht hat er dadurch für die beiden Verlobungsgeschichten (vgl.S. 22) zwei verschiedene Heldinnen schaffen wollen.
[11]Nach späterer nordischer Sage ist allerdings die Aslaug, die Gattin des Ragnar Lodbrok, eine Frucht dieser frühern Bekanntschaft Sigurds mit Brynhild. Übrigens nennt der Liedersammler die Brynhild bei ihrer ersten Begegnung mit Sigurd „Sigrdrifa“, indem er einen Beinamen (Spenderin des Sieges) als Namen auffaßt; vielleicht hat er dadurch für die beiden Verlobungsgeschichten (vgl.S. 22) zwei verschiedene Heldinnen schaffen wollen.
[12]Die ursprüngliche Fassung der Sage, daß Sigurd in untergeordneten Verhältnissen aufgewachsen ist, blickt deutlich hindurch.
[12]Die ursprüngliche Fassung der Sage, daß Sigurd in untergeordneten Verhältnissen aufgewachsen ist, blickt deutlich hindurch.
[13]Im Norden wird sein Volk nicht das hunnische genannt, wenigstens nicht in den älteren Quellen; nach vereinzelten Andeutungen herrscht er in Walland (Italien).
[13]Im Norden wird sein Volk nicht das hunnische genannt, wenigstens nicht in den älteren Quellen; nach vereinzelten Andeutungen herrscht er in Walland (Italien).
[14]Ihr Alter dürfen wir freilich nicht nachrechnen. Svanhild ist beim Eintritt in die Erzählung ein junges Mädchen. Inzwischen sind aber ihre Brüder aus der dritten Ehe ihrer Mutter bereits zu waffenfähigen Männern herangewachsen. Gudruns zweite Ehe mit Atli, sowie die Zeit ihrer Witwenschaft sind inzwischen vergangen, auch die Zeit der Ehe mit Sigurd, die doch immerhin einige Jahre gewährt hat, ist vorüber. Wir kommen also für Svanhild, wenn wir nachrechnen, auf ein ziemlich hohes Alter, das zur Erzählung nicht stimmt. Wir dürfen in dieser Beziehung nicht zu streng sein. Denn gerade diese Dinge, wie überhaupt jede Chronologie, sind die schwächsten Punkte aller sagenmäßigen Tradition. Alles dies verschwimmt in der Erinnerung der Menschen zu allererst; sie werfen alles auf eine Fläche, sie sehen in der Erinnerung alles nebeneinander, kein Vor- und kein Hintereinander mehr; Personen, die in Wirklichkeit durch hundert Jahre getrennt waren, können leicht als Zeitgenossen erscheinen. Es war für die einfachen Leute, welche die Überlieferung gepflegt haben, eben nicht möglich, solche Dinge zu kontrollieren.
[14]Ihr Alter dürfen wir freilich nicht nachrechnen. Svanhild ist beim Eintritt in die Erzählung ein junges Mädchen. Inzwischen sind aber ihre Brüder aus der dritten Ehe ihrer Mutter bereits zu waffenfähigen Männern herangewachsen. Gudruns zweite Ehe mit Atli, sowie die Zeit ihrer Witwenschaft sind inzwischen vergangen, auch die Zeit der Ehe mit Sigurd, die doch immerhin einige Jahre gewährt hat, ist vorüber. Wir kommen also für Svanhild, wenn wir nachrechnen, auf ein ziemlich hohes Alter, das zur Erzählung nicht stimmt. Wir dürfen in dieser Beziehung nicht zu streng sein. Denn gerade diese Dinge, wie überhaupt jede Chronologie, sind die schwächsten Punkte aller sagenmäßigen Tradition. Alles dies verschwimmt in der Erinnerung der Menschen zu allererst; sie werfen alles auf eine Fläche, sie sehen in der Erinnerung alles nebeneinander, kein Vor- und kein Hintereinander mehr; Personen, die in Wirklichkeit durch hundert Jahre getrennt waren, können leicht als Zeitgenossen erscheinen. Es war für die einfachen Leute, welche die Überlieferung gepflegt haben, eben nicht möglich, solche Dinge zu kontrollieren.
[15]Er gehört übrigens ursprünglich nur dem TexteCan, vergleiche späterS. 107.
[15]Er gehört übrigens ursprünglich nur dem TexteCan, vergleiche späterS. 107.
[16]Den Namen des Vaters (Gibich, der in andern deutschen Dichtungen wohlbekannt ist) hat das Nibelungenlied vergessen; erst der TextCnennt ihn im Anschluß an die „Klage“ mit einem offenbar willkürlich herausgegriffenen Namen Dankrat.
[16]Den Namen des Vaters (Gibich, der in andern deutschen Dichtungen wohlbekannt ist) hat das Nibelungenlied vergessen; erst der TextCnennt ihn im Anschluß an die „Klage“ mit einem offenbar willkürlich herausgegriffenen Namen Dankrat.
[17]Woher sie mit ihr bekannt ist (die Geschichte spielt ja in der Mädchenzeit der beiden), wird nicht erklärt.
[17]Woher sie mit ihr bekannt ist (die Geschichte spielt ja in der Mädchenzeit der beiden), wird nicht erklärt.
[18]Etwa dem alten Herzogtum Nieder-Lothringen entsprechend. Eine Residenz Santen (heute Xanten) hat erst der TextCaus der einmaligen Erwähnung dieses Städtchens Str. 715 (Holtzmann) herausgesponnen, vgl. Braune, Die Handschriftenverhältnisse des Nibelungenliedes, S. 178.
[18]Etwa dem alten Herzogtum Nieder-Lothringen entsprechend. Eine Residenz Santen (heute Xanten) hat erst der TextCaus der einmaligen Erwähnung dieses Städtchens Str. 715 (Holtzmann) herausgesponnen, vgl. Braune, Die Handschriftenverhältnisse des Nibelungenliedes, S. 178.
[19]Die Burgunden sitzen nach der Sage in einer Gegend, die zur Zeit der vollendeten Dichtung den Franken gehört; sie fallen infolgedessen in der Auffassung des Dichters und seiner Zuhörer mit diesen zusammen.
[19]Die Burgunden sitzen nach der Sage in einer Gegend, die zur Zeit der vollendeten Dichtung den Franken gehört; sie fallen infolgedessen in der Auffassung des Dichters und seiner Zuhörer mit diesen zusammen.
[20]Solche Feste werden in unserm Liede stets mit besonderer Liebe behandelt. Unserm heutigen Geschmack sagen die Schilderungen von Festen und dem dabei entwickelten Prunke, besonders was Kleidung anbetrifft, wenig zu, und man hat deshalb die betreffenden Abschnitte gar für unecht erklären wollen; sie sind jedoch nur leer an Sagengehalt. Wir müssen uns in die damalige Zeit hineinversetzen, um diese Schneiderszenen, wie man sie genannt hat, zu würdigen. Man erwartete im Mittelalter von der erzählenden Dichtung nicht nur Anregungen innerlichen, sondern auch solche äußerlichen Charakters, als da sind Berichte über neue oder absonderliche Moden oder Gebräuche.
[20]Solche Feste werden in unserm Liede stets mit besonderer Liebe behandelt. Unserm heutigen Geschmack sagen die Schilderungen von Festen und dem dabei entwickelten Prunke, besonders was Kleidung anbetrifft, wenig zu, und man hat deshalb die betreffenden Abschnitte gar für unecht erklären wollen; sie sind jedoch nur leer an Sagengehalt. Wir müssen uns in die damalige Zeit hineinversetzen, um diese Schneiderszenen, wie man sie genannt hat, zu würdigen. Man erwartete im Mittelalter von der erzählenden Dichtung nicht nur Anregungen innerlichen, sondern auch solche äußerlichen Charakters, als da sind Berichte über neue oder absonderliche Moden oder Gebräuche.
[21]Die Schilderung dieser Jagd im 16. Gesange unseres Liedes ist in gewisser dichterischer Beziehung vielleicht sein Höhepunkt. Der Verfasser weiß auf das genaueste Bescheid von allem, was bei einer Jagd jener Zeit vorkommt, und versetzt sich und seine Zuhörer so lebhaft in die richtige Wald- und Jagdstimmung, daß man diesen Gesang nur mit großem Genusse lesen kann.
[21]Die Schilderung dieser Jagd im 16. Gesange unseres Liedes ist in gewisser dichterischer Beziehung vielleicht sein Höhepunkt. Der Verfasser weiß auf das genaueste Bescheid von allem, was bei einer Jagd jener Zeit vorkommt, und versetzt sich und seine Zuhörer so lebhaft in die richtige Wald- und Jagdstimmung, daß man diesen Gesang nur mit großem Genusse lesen kann.
[22]Seltsamerweise wird vorausgesetzt, daß Siegfried für den Scheinfeldzug vor einigen Tagen und für die Jagd ein und denselben Rock trägt.
[22]Seltsamerweise wird vorausgesetzt, daß Siegfried für den Scheinfeldzug vor einigen Tagen und für die Jagd ein und denselben Rock trägt.
[23]Unter diesem Namen verstehen die Deutschen späterhin immer Ofen (Budapest); ob das Nibelungenlied schon diese Stadt meint, bleibt zweifelhaft: Ungarns alte Hauptstadt ist Gran (noch heute Sitz des Primas); erst nach seiner Zerstörung durch die Mongolen 1241 trat Ofen an seine Stelle.
[23]Unter diesem Namen verstehen die Deutschen späterhin immer Ofen (Budapest); ob das Nibelungenlied schon diese Stadt meint, bleibt zweifelhaft: Ungarns alte Hauptstadt ist Gran (noch heute Sitz des Primas); erst nach seiner Zerstörung durch die Mongolen 1241 trat Ofen an seine Stelle.
[24]Diese einfachen Boten sind sicher eine aus einer ältern Erzählungsschicht stehengebliebene Altertümlichkeit; der ritterliche Dichter würde vornehmere Herren zu diesem Zwecke bemüht haben.
[24]Diese einfachen Boten sind sicher eine aus einer ältern Erzählungsschicht stehengebliebene Altertümlichkeit; der ritterliche Dichter würde vornehmere Herren zu diesem Zwecke bemüht haben.
[25]Dieser Held, der keiner andern Quelle unserer Sage bekannt ist, spielt von jetzt an eine Schritt für Schritt wachsende Rolle, und zwar tritt er immer an Stellen hervor, die eine Neuerung in der Sage bedeuten.
[25]Dieser Held, der keiner andern Quelle unserer Sage bekannt ist, spielt von jetzt an eine Schritt für Schritt wachsende Rolle, und zwar tritt er immer an Stellen hervor, die eine Neuerung in der Sage bedeuten.
[26]Die Dichter des Mittelalters vermögen ihren Werken kein andres Kolorit als das ihrer eigenen Zeit zu geben.
[26]Die Dichter des Mittelalters vermögen ihren Werken kein andres Kolorit als das ihrer eigenen Zeit zu geben.
[27]Die „Vorrede“ des Heldenbuches, vgl. späterS. 118.
[27]Die „Vorrede“ des Heldenbuches, vgl. späterS. 118.
[28]Der Kampf im Saale beginnt also auch hier mit Ortliebs Tode, doch ist der Umstand, daß Kriemhilt diesen mit Absicht herbeiführt, um Etzel zur Rache zu entflammen, als zu grauenerregend abgeschwächt.
[28]Der Kampf im Saale beginnt also auch hier mit Ortliebs Tode, doch ist der Umstand, daß Kriemhilt diesen mit Absicht herbeiführt, um Etzel zur Rache zu entflammen, als zu grauenerregend abgeschwächt.
[29]Irnfrid von Thüringen ist der historische letzte König der Thüringe Ermanfrid, der um 530 von den Franken besiegt und vertrieben (später auch getötet) wurde; die letzten seiner Familie flohen zum oströmischen Kaiser, den unsere deutsche Sage in älterer Zeit immer durch den ihr geläufigen Hunnenkönig Attila ersetzt.
[29]Irnfrid von Thüringen ist der historische letzte König der Thüringe Ermanfrid, der um 530 von den Franken besiegt und vertrieben (später auch getötet) wurde; die letzten seiner Familie flohen zum oströmischen Kaiser, den unsere deutsche Sage in älterer Zeit immer durch den ihr geläufigen Hunnenkönig Attila ersetzt.
[30]Amelunge (Amaler) ist ursprünglich der Name des Königshauses der Ostgoten; er wird (was auch anderwärts nicht selten vorkommt, z. B. Kärlinge = Franken) so häufig für „Goten“, den Namen des beherrschten Volkes, gebraucht, daß die hochdeutsche Überlieferung diesen ganz vergessen hat.
[30]Amelunge (Amaler) ist ursprünglich der Name des Königshauses der Ostgoten; er wird (was auch anderwärts nicht selten vorkommt, z. B. Kärlinge = Franken) so häufig für „Goten“, den Namen des beherrschten Volkes, gebraucht, daß die hochdeutsche Überlieferung diesen ganz vergessen hat.
[31]Im dritten Gudrunliede, das einen Einzelzug behandelt, der nicht einmal sagenecht ist, wird er erwähnt.
[31]Im dritten Gudrunliede, das einen Einzelzug behandelt, der nicht einmal sagenecht ist, wird er erwähnt.
[32]Das Volk der Bayern begegnet uns zuerst um die Mitte des 6. Jahrhunderts unter einheimischen, von den fränkischen Königen abhängigen Fürsten; das ihnen gehörige Land war kurz vorher noch ein Teil des Gotenreiches. Als die Oströmer dies eroberten, drangen sie nicht bis über die Alpen vor; es scheint daher, daß sich die zwischen Donau und Alpen übrig gebliebenen Goten mit Resten anderer Germanenstämme zu einem neuen Volke unter dem Namen „Bayern“ (Baiuuarii) zusammengeschlossen haben. Wenigstens betrachten die Bayern noch später sich als identisch mit den Amelungen (Goten) und also den Dietrich als ihres Stammes.
[32]Das Volk der Bayern begegnet uns zuerst um die Mitte des 6. Jahrhunderts unter einheimischen, von den fränkischen Königen abhängigen Fürsten; das ihnen gehörige Land war kurz vorher noch ein Teil des Gotenreiches. Als die Oströmer dies eroberten, drangen sie nicht bis über die Alpen vor; es scheint daher, daß sich die zwischen Donau und Alpen übrig gebliebenen Goten mit Resten anderer Germanenstämme zu einem neuen Volke unter dem Namen „Bayern“ (Baiuuarii) zusammengeschlossen haben. Wenigstens betrachten die Bayern noch später sich als identisch mit den Amelungen (Goten) und also den Dietrich als ihres Stammes.
[33]Auch hier ist Etzel sagenhafter Vertreter des oströmischen Kaisers (Zeno, der den Theodorich 489 gegen Odoaker schickte).
[33]Auch hier ist Etzel sagenhafter Vertreter des oströmischen Kaisers (Zeno, der den Theodorich 489 gegen Odoaker schickte).
[34]Eine Namenverschiebung: da derjenige, der in der Lieder-Edda Regin heißt, hier bereits (auf Grund deutscher Sage) Mimir benannt ist, überträgt der Sagaschreiber jenen Namen auf den Drachen (der in nordischer Sage Fafnir heißt und Regins Bruder ist).
[34]Eine Namenverschiebung: da derjenige, der in der Lieder-Edda Regin heißt, hier bereits (auf Grund deutscher Sage) Mimir benannt ist, überträgt der Sagaschreiber jenen Namen auf den Drachen (der in nordischer Sage Fafnir heißt und Regins Bruder ist).
[35]Schwert und Roß führen hier die aus der Lieder-Edda bekannten Namen Gram und Grani; jenes entspricht dem deutschen Balmung, dies wird in Deutschland nicht mit Namen genannt.
[35]Schwert und Roß führen hier die aus der Lieder-Edda bekannten Namen Gram und Grani; jenes entspricht dem deutschen Balmung, dies wird in Deutschland nicht mit Namen genannt.
[36]Dieser gilt in der Saga als Bruder der Burgundenkönige; ein Zugeständnis an die nordische Sagenform der Lieder-Edda.
[36]Dieser gilt in der Saga als Bruder der Burgundenkönige; ein Zugeständnis an die nordische Sagenform der Lieder-Edda.
[37]Der also hier als vierter die Stelle Dankwarts im Nibelungenliede einnimmt; Dietrichs Mitgehen ist halbwegs begründet, das Dankwarts aber nicht; liegt hier vielleicht eine dunkle Beziehung zwischen den beiden Überlieferungen vor?
[37]Der also hier als vierter die Stelle Dankwarts im Nibelungenliede einnimmt; Dietrichs Mitgehen ist halbwegs begründet, das Dankwarts aber nicht; liegt hier vielleicht eine dunkle Beziehung zwischen den beiden Überlieferungen vor?
[38]Davon war bisher nichts erzählt; die Saga ist hier mit sich selbst nicht einig. Ihre einzelnen Teile stammen aus verschiedenen Quellen und sind nicht durchweg ineinander gearbeitet und miteinander ausgeglichen.
[38]Davon war bisher nichts erzählt; die Saga ist hier mit sich selbst nicht einig. Ihre einzelnen Teile stammen aus verschiedenen Quellen und sind nicht durchweg ineinander gearbeitet und miteinander ausgeglichen.
[39]Als persönliches Opfer ihrer Rache fällt hier Giselher; einer muß durch ihre Hand umkommen, damit begründet ist, daß Dietrich (statt Hiltebrands im Liede) sie tötet.
[39]Als persönliches Opfer ihrer Rache fällt hier Giselher; einer muß durch ihre Hand umkommen, damit begründet ist, daß Dietrich (statt Hiltebrands im Liede) sie tötet.
[40]Ich will nicht unterlassen, darauf hinzuweisen, daß der Personenname „Nibulung“ im Geschlechte der Arnulfinge einen ganz besonderen Sinn gehabt haben kann: die Stifterin des Klosters Nivelles (belgische Stadt südlich von Brüssel) ist die Heilige Gertrud († 659), Tochter Pipins des Ältern; dies Nivelles ist also ein jenem Geschlechte ganz besonders wertes Heiligtum; ist es danach nicht denkbar, daß Söhne dieser Familie gelegentlich „Mann von Nivelles“, in altfränkischer Sprachform „Nibulung“, benannt worden sind? Ist diese Annahme richtig, so müssen natürlich die Nibelunge der Sage unbedingt von diesen historischen Nibelungen hergeleitet werden. Ich wage nun freilich für die Richtigkeit nicht einzustehen, muß aber behaupten, daß diese Herleitung plausibler ist als die alte, die in den Nibelungen „Nebelsöhne“, „Mächte der Finsternis“ erkennen wollte; sie ist ja schon dadurch widerlegt, daß es mythische Nibelunge in der Sage ursprünglich gar nicht gegeben hat.
[40]Ich will nicht unterlassen, darauf hinzuweisen, daß der Personenname „Nibulung“ im Geschlechte der Arnulfinge einen ganz besonderen Sinn gehabt haben kann: die Stifterin des Klosters Nivelles (belgische Stadt südlich von Brüssel) ist die Heilige Gertrud († 659), Tochter Pipins des Ältern; dies Nivelles ist also ein jenem Geschlechte ganz besonders wertes Heiligtum; ist es danach nicht denkbar, daß Söhne dieser Familie gelegentlich „Mann von Nivelles“, in altfränkischer Sprachform „Nibulung“, benannt worden sind? Ist diese Annahme richtig, so müssen natürlich die Nibelunge der Sage unbedingt von diesen historischen Nibelungen hergeleitet werden. Ich wage nun freilich für die Richtigkeit nicht einzustehen, muß aber behaupten, daß diese Herleitung plausibler ist als die alte, die in den Nibelungen „Nebelsöhne“, „Mächte der Finsternis“ erkennen wollte; sie ist ja schon dadurch widerlegt, daß es mythische Nibelunge in der Sage ursprünglich gar nicht gegeben hat.
[41]Daß dieser als Schwestersohn dem Oheim den Grund für sein Verhalten gibt, ist ein höchst altertümlicher Zug, der die ältesten germanischen (mutterrechtlichen) Verhältnisse widerspiegelt, vgl.Tac. Germ. c. 20:sororum filiis idem apud avunculum qui apud patrem honor. quidam sanctiorem artioremque hunc nexum sanguinis arbitrantur(Schwestersöhne stehen beim Oheim in derselben Geltung wie beim Vater; einige halten dies Blutsband sogar für heiliger und enger).
[41]Daß dieser als Schwestersohn dem Oheim den Grund für sein Verhalten gibt, ist ein höchst altertümlicher Zug, der die ältesten germanischen (mutterrechtlichen) Verhältnisse widerspiegelt, vgl.Tac. Germ. c. 20:sororum filiis idem apud avunculum qui apud patrem honor. quidam sanctiorem artioremque hunc nexum sanguinis arbitrantur(Schwestersöhne stehen beim Oheim in derselben Geltung wie beim Vater; einige halten dies Blutsband sogar für heiliger und enger).
[42]Deshalb vermag ich, wenn ein elsässisches Kirchheim urkundlich gelegentlich auchTroniagenannt wird, darin nichts altes zu sehen, sondern höchstens den Versuch einer Lokalisierung des sagenhaften Tronje.
[42]Deshalb vermag ich, wenn ein elsässisches Kirchheim urkundlich gelegentlich auchTroniagenannt wird, darin nichts altes zu sehen, sondern höchstens den Versuch einer Lokalisierung des sagenhaften Tronje.
[43]Wilhelm Jordan hat in seiner „Sigfridsage“ als Grund für Siegfrieds Verhalten gegenüber Brünhilt angenommen, sie habe an Siegfried das im Text angeführte Verlangen gestellt; damit hat Jordan gewiß das sagenechte getroffen; eine Nachdichtung der durch die Ungunst der Überlieferung zerpflückten alten Dichtung (und um eine solche handelt es sich doch, unbeschadet aller Grundlagen) führt am sichersten zu den alten Zusammenhängen.
[43]Wilhelm Jordan hat in seiner „Sigfridsage“ als Grund für Siegfrieds Verhalten gegenüber Brünhilt angenommen, sie habe an Siegfried das im Text angeführte Verlangen gestellt; damit hat Jordan gewiß das sagenechte getroffen; eine Nachdichtung der durch die Ungunst der Überlieferung zerpflückten alten Dichtung (und um eine solche handelt es sich doch, unbeschadet aller Grundlagen) führt am sichersten zu den alten Zusammenhängen.
[44]Wenigstens setzt der Skalde Bragi der Alte, der um das Jahr 900 gestorben ist, in seiner Ragnarsdrapa diese Verbindung bereits voraus.
[44]Wenigstens setzt der Skalde Bragi der Alte, der um das Jahr 900 gestorben ist, in seiner Ragnarsdrapa diese Verbindung bereits voraus.
[45]Pro mariti fraudulento discessu; das hat man auch übersetzen wollen: dafür, daß sie ihren Mann (nämlich Ermanarich) trügerisch verlassen hatte; dann wäre die Übereinstimmung mit den Eddaliedern nahezu vollkommen; allein der Zusammenhang bei Jordanes unterstützt diese Übersetzung nicht.
[45]Pro mariti fraudulento discessu; das hat man auch übersetzen wollen: dafür, daß sie ihren Mann (nämlich Ermanarich) trügerisch verlassen hatte; dann wäre die Übereinstimmung mit den Eddaliedern nahezu vollkommen; allein der Zusammenhang bei Jordanes unterstützt diese Übersetzung nicht.
[46]Man hat mit Recht daran erinnert, daß die an der mittlern Donau sitzenden Heruler (nach Procopius von Caesarea) noch im Anfang des 6. Jahrhunderts mit ihren Stammesgenossen im südlichen Schweden in lebhaftem Verkehr stehen.
[46]Man hat mit Recht daran erinnert, daß die an der mittlern Donau sitzenden Heruler (nach Procopius von Caesarea) noch im Anfang des 6. Jahrhunderts mit ihren Stammesgenossen im südlichen Schweden in lebhaftem Verkehr stehen.
[47]Pöchlarn (Bechelaren) wird in dieser Zeit tatsächlich der Sitz des bayrischen Ostmarkgrafen gewesen sein.
[47]Pöchlarn (Bechelaren) wird in dieser Zeit tatsächlich der Sitz des bayrischen Ostmarkgrafen gewesen sein.
[48]Da das Nibelungenlied gelegentlich den Tod Nudungs erwähnt, der von Witig in der Ravennaschlacht getötet wurde, so muß es letztere als vergangen annehmen; da nun ursprünglich gewiß diese Schlacht zur Rückführung Dietrichs geführt hat, war nicht recht begreiflich, warum er nach ihr noch an Etzels Hof lebt; das hat zur Annahme zweier Feldzüge gegen Ermenrich (und seinen Nachfolger) geführt, deren erster dann unglücklich verlaufen sein muß. Die „Klage“ läßt übrigens am Schlusse Dietrich mit seiner Gattin und Hiltebrand in friedlicher Reise nach Bern zurückkehren, nimmt also an, daß er seit der Ravennaschlacht im Besitze seines Reiches ist. Daß der Verräter Sibich nach Ermenrich in Italien geherrscht habe, behauptet nur die Thidrikssaga.
[48]Da das Nibelungenlied gelegentlich den Tod Nudungs erwähnt, der von Witig in der Ravennaschlacht getötet wurde, so muß es letztere als vergangen annehmen; da nun ursprünglich gewiß diese Schlacht zur Rückführung Dietrichs geführt hat, war nicht recht begreiflich, warum er nach ihr noch an Etzels Hof lebt; das hat zur Annahme zweier Feldzüge gegen Ermenrich (und seinen Nachfolger) geführt, deren erster dann unglücklich verlaufen sein muß. Die „Klage“ läßt übrigens am Schlusse Dietrich mit seiner Gattin und Hiltebrand in friedlicher Reise nach Bern zurückkehren, nimmt also an, daß er seit der Ravennaschlacht im Besitze seines Reiches ist. Daß der Verräter Sibich nach Ermenrich in Italien geherrscht habe, behauptet nur die Thidrikssaga.
[49]D. h. als Buch erhaltenen; lückenhaft infolge Verlustes einzelner Blätter kann eine solche vollständige Handschrift immerhin sein.
[49]D. h. als Buch erhaltenen; lückenhaft infolge Verlustes einzelner Blätter kann eine solche vollständige Handschrift immerhin sein.
[50]Seit dem ersten Erscheinen dieses Buches hat sich das handschriftliche Material, außer um Blätter bereits bekannter Handschriften, noch um Reste von drei bisher unbekannten vermehrt:X, ein Blatt aus der Klage, gefunden in Sterzing;Y, ein Wiener Blatt;Z, ein in Dülmen gefundenes Blatt. Ich will nicht unerwähnt lassen, daß mir scheint, als gehöreWzur NibelungenhandschriftS,Xzur NibelungenhandschriftU. — Die in der alphabetischen Folge fehlenden Buchstaben sind verwendet wie folgt:Pbezeichnete früher ein Fragment, das sich als der gleichen Handschrift wieNentstammend erwiesen hat;Tist die Signatur der fragmentarisch erhaltenen niederländischen Übersetzung aus dem 14. Jahrhundert;Vist (wegen Ähnlichkeit mitU) nicht verwendet;cgilt für die Zitate, die Lazius, ein Gelehrter des 16. Jahrhunderts, in seiner SchriftDe gentium aliquot migrationibusaus einer alten Handschrift angebracht hat;eundfhatte man anfangs irrtümlich die jetzt mitLbezeichneten Fragmente benannt;mist Inhaltsverzeichnis einer verlorenen Handschrift.
[50]Seit dem ersten Erscheinen dieses Buches hat sich das handschriftliche Material, außer um Blätter bereits bekannter Handschriften, noch um Reste von drei bisher unbekannten vermehrt:X, ein Blatt aus der Klage, gefunden in Sterzing;Y, ein Wiener Blatt;Z, ein in Dülmen gefundenes Blatt. Ich will nicht unerwähnt lassen, daß mir scheint, als gehöreWzur NibelungenhandschriftS,Xzur NibelungenhandschriftU. — Die in der alphabetischen Folge fehlenden Buchstaben sind verwendet wie folgt:Pbezeichnete früher ein Fragment, das sich als der gleichen Handschrift wieNentstammend erwiesen hat;Tist die Signatur der fragmentarisch erhaltenen niederländischen Übersetzung aus dem 14. Jahrhundert;Vist (wegen Ähnlichkeit mitU) nicht verwendet;cgilt für die Zitate, die Lazius, ein Gelehrter des 16. Jahrhunderts, in seiner SchriftDe gentium aliquot migrationibusaus einer alten Handschrift angebracht hat;eundfhatte man anfangs irrtümlich die jetzt mitLbezeichneten Fragmente benannt;mist Inhaltsverzeichnis einer verlorenen Handschrift.
[51]Vielleicht hat Wolfram von Eschenbach, der Parzival 420 f. sich auf das Nibelungenlied bezieht, schon den Liet-Text gekannt; doch ist sein Zitat auch verständlich, wenn er nur die beiden Texten gemeinsame Strophe 1496 (Holtzmann) vor sich gehabt hat; die folgende, dem Liet-Texte eigentümliche Strophe, in der, wie bei Wolfram, „Schnitten“ als eine gute Speise erwähnt werden, dürfte eher in Anlehnung an die etwas spöttisch gehaltene Ausführung im Parzival verfaßt sein.
[51]Vielleicht hat Wolfram von Eschenbach, der Parzival 420 f. sich auf das Nibelungenlied bezieht, schon den Liet-Text gekannt; doch ist sein Zitat auch verständlich, wenn er nur die beiden Texten gemeinsame Strophe 1496 (Holtzmann) vor sich gehabt hat; die folgende, dem Liet-Texte eigentümliche Strophe, in der, wie bei Wolfram, „Schnitten“ als eine gute Speise erwähnt werden, dürfte eher in Anlehnung an die etwas spöttisch gehaltene Ausführung im Parzival verfaßt sein.
[52]In einer Besprechung der 1. Auflage dieses Buches (Literarische Rundschau vom 1. Juni 1909) hat Fr. Panzer die hier entwickelte Gedankenreihe beanstandet und darauf hingewiesen, daß Zeizenmure in der ungarischen Sage als Ort einer Schlacht eine große Rolle spielt und infolgedessen in die Grundhandschrift des Not-Textes gelangt sei. Das könnte möglich sein, hilft uns aber nicht weiter, denn 1) ist die Darstellung der ungarischen Sage, wie sie bei Simon Kézai vorliegt, trotz Bleyers Ausführungen (im 31. Bande der Beiträge) eine halbgelehrte Kompilation aus der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts, 2) ist nicht abzusehen, wie ein Nicht-Österreicher (denn ein Österreicher konnte den Fehler nicht begehen) zur Kenntnis ungarischer Sage gelangt sein sollte, und 3) bleibt die Sache beim alten, weil die Grundhandschrift des Not-Textes den Fehler, mag seine Ursache sein, welche sie will, eben begangen hat und daher notwendigerweise nur eine nebengeordnete, nicht eine übergeordnete Stelle neben den Liet-Handschriften einnehmen kann. Auf Zarncke’s feinen Gedanken, Nithart zur Erklärung heranzuziehen, könnte man schließlich verzichten; den in der „Not“ vorliegenden Text aber weit über 1230 hinaufzuschieben, ist trotzdem unmöglich wegen gewisser unbestreitbarer Zusätze, wegen Spuren beginnenden Verfalles in der Verstechnik und besonders wegen des Zustandes aller hierher gehörigen Handschriften (s.S. 107).
[52]In einer Besprechung der 1. Auflage dieses Buches (Literarische Rundschau vom 1. Juni 1909) hat Fr. Panzer die hier entwickelte Gedankenreihe beanstandet und darauf hingewiesen, daß Zeizenmure in der ungarischen Sage als Ort einer Schlacht eine große Rolle spielt und infolgedessen in die Grundhandschrift des Not-Textes gelangt sei. Das könnte möglich sein, hilft uns aber nicht weiter, denn 1) ist die Darstellung der ungarischen Sage, wie sie bei Simon Kézai vorliegt, trotz Bleyers Ausführungen (im 31. Bande der Beiträge) eine halbgelehrte Kompilation aus der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts, 2) ist nicht abzusehen, wie ein Nicht-Österreicher (denn ein Österreicher konnte den Fehler nicht begehen) zur Kenntnis ungarischer Sage gelangt sein sollte, und 3) bleibt die Sache beim alten, weil die Grundhandschrift des Not-Textes den Fehler, mag seine Ursache sein, welche sie will, eben begangen hat und daher notwendigerweise nur eine nebengeordnete, nicht eine übergeordnete Stelle neben den Liet-Handschriften einnehmen kann. Auf Zarncke’s feinen Gedanken, Nithart zur Erklärung heranzuziehen, könnte man schließlich verzichten; den in der „Not“ vorliegenden Text aber weit über 1230 hinaufzuschieben, ist trotzdem unmöglich wegen gewisser unbestreitbarer Zusätze, wegen Spuren beginnenden Verfalles in der Verstechnik und besonders wegen des Zustandes aller hierher gehörigen Handschriften (s.S. 107).
[53]Das ist nicht ohne Beispiel; so wurde das um 1170 entstandene Gedicht vom Herzog Ernst bereits um 1200 (hauptsächlich reimtechnisch) überarbeitet; als aber in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts ein neuer Bearbeiter den Text vornahm, griff er auf das Original zurück und ignorierte die um 1200 entstandene Überarbeitung.
[53]Das ist nicht ohne Beispiel; so wurde das um 1170 entstandene Gedicht vom Herzog Ernst bereits um 1200 (hauptsächlich reimtechnisch) überarbeitet; als aber in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts ein neuer Bearbeiter den Text vornahm, griff er auf das Original zurück und ignorierte die um 1200 entstandene Überarbeitung.
[54]Nach Lachmann nur dreizehn; er behielt 1627 bei und änderte sie durch Konjektur; wir haben dazu heute keine Veranlassung mehr.
[54]Nach Lachmann nur dreizehn; er behielt 1627 bei und änderte sie durch Konjektur; wir haben dazu heute keine Veranlassung mehr.
[55]Mit einer Ausnahme: Lachmanns 17. Lied schließt an das 15. an; das 16. ist eine Parallelerzählung.
[55]Mit einer Ausnahme: Lachmanns 17. Lied schließt an das 15. an; das 16. ist eine Parallelerzählung.
[56]Vgl. Schönbach, Das Christentum in der altdeutschen Heldendichtung, S. 203.
[56]Vgl. Schönbach, Das Christentum in der altdeutschen Heldendichtung, S. 203.
[57]Heinrich von Ofterdingen, den manche beim Wiedererwachen unserer Kenntnis der mittelalterlichen Literatur als Dichter des Nibelungenliedes in Anspruch genommen haben, ist keine historische Person, sondern vom Dichter des Wartburgkrieges erfunden; dieser Mann brauchte eine Figur, die als Gegenstück und Widerpart der historisch bekannten Sänger am Hofe zu Eisenach hingestellt werden konnte.
[57]Heinrich von Ofterdingen, den manche beim Wiedererwachen unserer Kenntnis der mittelalterlichen Literatur als Dichter des Nibelungenliedes in Anspruch genommen haben, ist keine historische Person, sondern vom Dichter des Wartburgkrieges erfunden; dieser Mann brauchte eine Figur, die als Gegenstück und Widerpart der historisch bekannten Sänger am Hofe zu Eisenach hingestellt werden konnte.
[58]Es ist mir leider nicht gelungen, das Werkchen, das ich vor mehr als dreißig Jahren selbst gelesen habe, irgendwo wieder aufzutreiben.
[58]Es ist mir leider nicht gelungen, das Werkchen, das ich vor mehr als dreißig Jahren selbst gelesen habe, irgendwo wieder aufzutreiben.
[59]Wilkina- (richtiger Wilcina-) und Niflungasaga sind Teile und Untertitel der Thidrikssaga.
[59]Wilkina- (richtiger Wilcina-) und Niflungasaga sind Teile und Untertitel der Thidrikssaga.