Wie leicht auszudenken ist, war bei denen Doktors in Salzburg laute und stürmische Rede und noch mehr heimlich grabender und fressender Neid ob der Berufung der zwei Landfremden zum Kaiser und König. Denn keiner der Mediziner, ja nicht einmal einer von den Theologen hatte solcher Ehre teilhaftig werden können, und außer den Chrysoloras waren nur ein paar adlige Herrn vom Domkapitel mitgefahren.In Salzburg wachsen keine Hiobs, wohl aber sind dort viel knorriger Fäuste zu finden. Erst ging die Rede, daß man den beiden Marktschreiern mit einer Ehrenketten aus gut gedrehtem Hanf entgegenkommen müßte; jedem eine, und darüber einen Stammbaum, irgendwo an der Mosstraßen, wo die Raben ohnedies immer hungrig blieben. Dann gewannen die feineren Stimmlein aufmerksame Ohren; die spannen aus, man müßte eben die zwei, die sich ohnedas nicht recht vertragen konnten, aufeinanderhetzen und das Geschäft, welches die Doktors an ihnen vorhatten, selber besorgen lassen.Es sollte also an beide ein Gastgebot ergehen, so, als wenn man sie dankbar feiern wollte, daß sie die Salzburger Hoch- und Domschul und ihre Wissenschaft zu unerhörten Ehren gebracht, an der natürlich alle Anteil hätten, Doktores, Magister und Studenten. Dann im Weindunst würde die eine Hälfte wider die andere zu streiten anfangen, wessen Verdienst das größere wäre. Die einen wollten dem Prahler Faust mit Honigseim ein ganzes Wonnenbad bereiten, während die andern ‚dem exakten und erfreulich nüchternen Paracelsio‘ eine Festpforte aufzuputzen gewillt waren, während ihnen Faust als ein unklarer Wirbulant zu gelten hatte, dem’s einmal von ungefähr gelingen wollt, und zehn andere Mal nicht.Es war dem auch so. Paracelsus hielt sich, immer mehr, je älter er geworden war, an den klaren und scharfen Verstand und alles verachtete er, je länger desto mehr, was nicht vor der Vernunft bestehen konnte.Faust verachtete gerade die Vernunft, welche ihm die kältesten, schlechtesten und verächtlichsten Menschen zu erziehen schien mit immer größerem Hohn. Er sagte, ein Arzt mit bloßer Vernunft lerne es wohl gut, Menschen zu behandeln (id estbetrügen),aber nimmermehr Krankheiten! Ein Juriste werde nichts als ein heimlicher Scharfrichter, oder, wenn er sich gar zu den Advokaten geschlagen hätte, ein Schinder. Ein Handelsmann würde zum dreifachen Juden, weil ihm dann die Frömmigkeit zur Wohltätigkeit und Dankbarkeit des Juden fehlte. Und ein Kriegsmann oder gar ein Fürst? Wohin der mit allzu großer Vernunft hinkäme, das hätte man ja sattsamlich am Vater und Sohn Borgia in Italien erlebt.Die dem Faust nun näher standen, erkannten, daß er sich seines großen Wissens sehr wohl zu bedienen wußte, aber oft nur zu Betrügereien; weil er die Menschen gerne prellte und weil er sie im ganzen haßte. Nicht aus Gewinnsucht. War er aber mit sich allein, so versenkte er sich ins Unbewußte und versuchte zu sein wie ein Kind, das in der Dämmerstunde mit furchtsamen Ahnungen und Phantasien spielt. In der von ihm immer ausgesprochenen Überzeugung, daß die höchste Kraft alles nur mit der Unfehlbarkeit der Ahnung tue, kam er so vom Wege exakter Forschung immer weiter ab und überließ sich den köstlichen Aufregungen der Geisterwelt, der Magie und ihren schauerlichen Strömungen; wohl bewußt, daß sieauch ihre Wirbel und Unterströmungen hat, in welchen der beste Schwimmer alle Gewalt verliert und hinabgezogen wird. So spielte er sein lebelang mit dem ungeheuerlichen Sinnenkitzel (der dem Menschen von der Vorsehung gegeben ist, damit er lebe und sich seines Lebens wehre), mit der Todesangst. Das greuliche Spiel damit war ihm so sehr zum Bedürfnis geworden, daß ihm Liebe und Wollust nur als schale Nebenreize erschienen, ‚gut genug für junge Buben, die noch keine Ahnung von den Köstlichkeiten des Seilgehens über dem Todesabgrund haben.‘Seinem Famulus Wagner gab er die gewagtesten Experimente auf; denn wie ihm selber wenig daran lag, früher oder später dabei zerrissen zu werden, so lag ihm auch an dem Leben eines lasterhaften, jungen Leckers nichts. Wagner hatte Auftrag, alles in Fausti Namen zu tun; er kaufte sogar, abends in der Dämmerung, in einem falschen Barte ein, welcher dem des Doktors täuschend nachgemacht war, trug seine Schaube und sahe des öftern höhnisch, als Doktor Faustus, zum Fenster hinaus, wenn die Stadtguardi von Wittenberg vorüberzog. Faust war aus dem Wittenbergischen bei Leibes- und Lebensstrafe verwiesen; aber keinervon den Soldaten und Hauptleuten der Guardi hätte sich verwunden, den schauerlichen Doktor dort oben auszuheben. Zudem muß noch hinzugefügt werden, daß man dem Faust nicht nur nachsagte, er könnte sich mit Hilfe des höllischen Geistes in wenigen Stunden durch die Luft über ganz Deutschland hinwegheben, sondern er war auch des Geheimnisses bewußt, sich doppelgängerisch umzutun. Sogar Wagner hatte sich mehrmals entsetzt, weil er manchmal, heimkehrend, über seinen beim Zechen vergessenen Arbeiten und Laborationen den Doktor Faust räuspernd, kopfwackelnd und hüstelnd drübergebeugt gefunden hatte, welche Erscheinung ihn sogar einmal scharf und traurig angesehen, immer aber auf Anruf in Nichts zerronnen war.Darüber ging in Wittenberg viel Gerede und die Theologen um Luthern herum waren die eifrigsten, welche solche Geschichten austrugen, statt daß sie das Blendwerk verachtet und damit zu Nichts gemacht hätten.Es muß dies erzählt sein, um das Verwunderliche zu begreifen, daß Faust auch die Anschläge der Salzburger Doktors ahnte. (Oder wußte, wie mans haben will.) Die einen sagten, er hätte einen kleinen Geist in einem Kristall eingebannt bei sich, der ihm,durch ein Sieb hindurch, vorzitterte, was im selben Augenblick da oder dort geschähe, von wo immer Faust Kundschaft haben wollte. Der Doktor selber hatte davon geredet, wie es mit jenen Bildern im Sieb genau so wäre, als ob heiße Luft über einem Schornstein oder über sommerlichen Feldern zittere, so daß alles, was dahinter geschähe, fortwährend hin und her- und ineinander ränne; auch wäre es schon eine große Aufregung und Herzensangst, also bis in die Sphären der niederen Geister zu sehen und zu vernehmen; wollte man jedoch in jene der befreiteren aufsteigen, dann habe man jeden Augenblick zu gewärtigen, vor namenlosem Entsetzen tot hinzufallen.So viel von jenem Siebdrehen und dem gebannten Geistlein im Kristall. Und genug, Faustwußte; ob aus Schwarzkunst, ob aus Schlauheit, ob aus Ahnungskraft? Er träumte auch in Nächten, wenn zuvor Intriguen gegen ihn gerichtet und großer Haß aufgelaufen war, ungemein hart und qualvoll davon. Faust also wußte, was die Salzburger Doktors vorhatten und überlegte, ob er sich mit dem Paracelsus gegen sie, oder mit ihnen gegen den Paracelsus zusammenschlagen sollte, um eine der Parteien zu schädigen.Das also war, was der Doktor Faust auf der Rückreise von Braunau nach Salzburg wälzte und plante. Nun auch zum Paracelsus.Der überlegte lange und klüglich, was der Faust von der Goldmacherei im Großen gesagt hatte. Er, Paracelsus, war trotz allem Forschen niemals zum gerechten und klaren System der Goldbereitung gekommen, sondern ihm war, gerade bei aller alten, rezeptuellen Systematik, beinahe immer mißlungen, auch nur das kleinste Pröbchen Edelmetall zu erzwingen. Dagegen waren ihm bei ganz wilden und zufallsreichen Versuchen sowohl Lösungen geraten, aus denen allerfeinstes, graugrünes Goldpulver sich niedergeschlagen hatte, ja manchmal war ihm sogar im Feuer die gelbe Sündenmutter der Menschheit entgegengeschmolzen. Wie der Faust gesagt hatte, nur unter großer Hitze und bei gewaltiger Pressung gediehe das Ding, war das auch ihm stetiglich aufgefallen. Aber nun überlegte er, daß unter ihnen beiden denn doch er, Paracelsus, der weitaus klarere Kopf wäre. Wenn es irgendwo in der Natur und ihren Welten etwas zu erforschen und dann zu formulieren gäbe, da war der Faust weithin nicht zu gebrauchen! Der erschauerte. Seine Ahnungen entstanden, wenn der Geist ihn anpackte, so wie einNordlicht entsteht. Alles war ihm unbewußt geschenkt; — nichts war erworben.Sonderbar auch: wenn der Faust dämonisch wurde und Sprüche tat, als wären sie von einem höheren Geiste gesagt, so daß der Paracelsus selber aufstaunen mußte und ausrief: „Ja, ja!“ dann sah er’s oft, daß des kleinen Magiers ergrauendes Haar sich gesträubt hatte, wie das eines Hundes, der sich entsetzlich fürchtet. Oder wie das Haar eines Katzenfelles, das man mit einem Bernstein- oder Glasstabe überfährt. Irgend eine Kraft wohnte im Fausto; aber es war weder eine bewußte, noch eine logisch verfolgte. In Summa, der Faust konnte kaum ganz oder auch nur halb hinter jenes ewig gaukelnde und sich verhütende System geraten sein, wie man das rote Gold erzwingt!Freilich, ein Nachdenkenswertes hatte der große Zufall, daß die Natur an jener Stelle Glasmacherseife und goldhaltigen Quarz (obgleich Porphyrquarz sonst nie Gold zu erzeugen schien) in solch engem Höhlenschrund zusammengestürzt hatte. Es war vielleicht nur ein kühner, verwegener Einfall Faustens, auf Grad und Ungrad das zu benützen und ungeheuer viel von dem Öl zu erzeugen, welches aus nichts anderm, als aus dem Unatembaren derLuft und aus dem Scharfen des Salzes bestand, wie Paracelsus festgestellt zu haben glaubte. —Und der Gelehrte mit den schwermütigen und argwöhnischen Augen grübelte, ob da nur eine großartige Alfanzerei des Faust, oder eine dämonische Ahnung riesigen Gelingens, oder gar ein aufgetanes Wissen dahinterstecken könnte ...Es war ihm doch ein gar zu abenteuerliches Unternehmen. Groß genug, um Kaiser und Reich, zunebst tausend Mann Bergknappen, die einen in schwere Unkosten, und die andern außer Atem zu setzen! So daß es, wenn es mißlang, dem Fausto einen flittervergoldeten Alchymistengalgen eintragen kunnt!Und er wollte und wagte es dennoch. — Seltsam.
Wie leicht auszudenken ist, war bei denen Doktors in Salzburg laute und stürmische Rede und noch mehr heimlich grabender und fressender Neid ob der Berufung der zwei Landfremden zum Kaiser und König. Denn keiner der Mediziner, ja nicht einmal einer von den Theologen hatte solcher Ehre teilhaftig werden können, und außer den Chrysoloras waren nur ein paar adlige Herrn vom Domkapitel mitgefahren.
In Salzburg wachsen keine Hiobs, wohl aber sind dort viel knorriger Fäuste zu finden. Erst ging die Rede, daß man den beiden Marktschreiern mit einer Ehrenketten aus gut gedrehtem Hanf entgegenkommen müßte; jedem eine, und darüber einen Stammbaum, irgendwo an der Mosstraßen, wo die Raben ohnedies immer hungrig blieben. Dann gewannen die feineren Stimmlein aufmerksame Ohren; die spannen aus, man müßte eben die zwei, die sich ohnedas nicht recht vertragen konnten, aufeinanderhetzen und das Geschäft, welches die Doktors an ihnen vorhatten, selber besorgen lassen.Es sollte also an beide ein Gastgebot ergehen, so, als wenn man sie dankbar feiern wollte, daß sie die Salzburger Hoch- und Domschul und ihre Wissenschaft zu unerhörten Ehren gebracht, an der natürlich alle Anteil hätten, Doktores, Magister und Studenten. Dann im Weindunst würde die eine Hälfte wider die andere zu streiten anfangen, wessen Verdienst das größere wäre. Die einen wollten dem Prahler Faust mit Honigseim ein ganzes Wonnenbad bereiten, während die andern ‚dem exakten und erfreulich nüchternen Paracelsio‘ eine Festpforte aufzuputzen gewillt waren, während ihnen Faust als ein unklarer Wirbulant zu gelten hatte, dem’s einmal von ungefähr gelingen wollt, und zehn andere Mal nicht.
Es war dem auch so. Paracelsus hielt sich, immer mehr, je älter er geworden war, an den klaren und scharfen Verstand und alles verachtete er, je länger desto mehr, was nicht vor der Vernunft bestehen konnte.
Faust verachtete gerade die Vernunft, welche ihm die kältesten, schlechtesten und verächtlichsten Menschen zu erziehen schien mit immer größerem Hohn. Er sagte, ein Arzt mit bloßer Vernunft lerne es wohl gut, Menschen zu behandeln (id estbetrügen),aber nimmermehr Krankheiten! Ein Juriste werde nichts als ein heimlicher Scharfrichter, oder, wenn er sich gar zu den Advokaten geschlagen hätte, ein Schinder. Ein Handelsmann würde zum dreifachen Juden, weil ihm dann die Frömmigkeit zur Wohltätigkeit und Dankbarkeit des Juden fehlte. Und ein Kriegsmann oder gar ein Fürst? Wohin der mit allzu großer Vernunft hinkäme, das hätte man ja sattsamlich am Vater und Sohn Borgia in Italien erlebt.
Die dem Faust nun näher standen, erkannten, daß er sich seines großen Wissens sehr wohl zu bedienen wußte, aber oft nur zu Betrügereien; weil er die Menschen gerne prellte und weil er sie im ganzen haßte. Nicht aus Gewinnsucht. War er aber mit sich allein, so versenkte er sich ins Unbewußte und versuchte zu sein wie ein Kind, das in der Dämmerstunde mit furchtsamen Ahnungen und Phantasien spielt. In der von ihm immer ausgesprochenen Überzeugung, daß die höchste Kraft alles nur mit der Unfehlbarkeit der Ahnung tue, kam er so vom Wege exakter Forschung immer weiter ab und überließ sich den köstlichen Aufregungen der Geisterwelt, der Magie und ihren schauerlichen Strömungen; wohl bewußt, daß sieauch ihre Wirbel und Unterströmungen hat, in welchen der beste Schwimmer alle Gewalt verliert und hinabgezogen wird. So spielte er sein lebelang mit dem ungeheuerlichen Sinnenkitzel (der dem Menschen von der Vorsehung gegeben ist, damit er lebe und sich seines Lebens wehre), mit der Todesangst. Das greuliche Spiel damit war ihm so sehr zum Bedürfnis geworden, daß ihm Liebe und Wollust nur als schale Nebenreize erschienen, ‚gut genug für junge Buben, die noch keine Ahnung von den Köstlichkeiten des Seilgehens über dem Todesabgrund haben.‘
Seinem Famulus Wagner gab er die gewagtesten Experimente auf; denn wie ihm selber wenig daran lag, früher oder später dabei zerrissen zu werden, so lag ihm auch an dem Leben eines lasterhaften, jungen Leckers nichts. Wagner hatte Auftrag, alles in Fausti Namen zu tun; er kaufte sogar, abends in der Dämmerung, in einem falschen Barte ein, welcher dem des Doktors täuschend nachgemacht war, trug seine Schaube und sahe des öftern höhnisch, als Doktor Faustus, zum Fenster hinaus, wenn die Stadtguardi von Wittenberg vorüberzog. Faust war aus dem Wittenbergischen bei Leibes- und Lebensstrafe verwiesen; aber keinervon den Soldaten und Hauptleuten der Guardi hätte sich verwunden, den schauerlichen Doktor dort oben auszuheben. Zudem muß noch hinzugefügt werden, daß man dem Faust nicht nur nachsagte, er könnte sich mit Hilfe des höllischen Geistes in wenigen Stunden durch die Luft über ganz Deutschland hinwegheben, sondern er war auch des Geheimnisses bewußt, sich doppelgängerisch umzutun. Sogar Wagner hatte sich mehrmals entsetzt, weil er manchmal, heimkehrend, über seinen beim Zechen vergessenen Arbeiten und Laborationen den Doktor Faust räuspernd, kopfwackelnd und hüstelnd drübergebeugt gefunden hatte, welche Erscheinung ihn sogar einmal scharf und traurig angesehen, immer aber auf Anruf in Nichts zerronnen war.
Darüber ging in Wittenberg viel Gerede und die Theologen um Luthern herum waren die eifrigsten, welche solche Geschichten austrugen, statt daß sie das Blendwerk verachtet und damit zu Nichts gemacht hätten.
Es muß dies erzählt sein, um das Verwunderliche zu begreifen, daß Faust auch die Anschläge der Salzburger Doktors ahnte. (Oder wußte, wie mans haben will.) Die einen sagten, er hätte einen kleinen Geist in einem Kristall eingebannt bei sich, der ihm,durch ein Sieb hindurch, vorzitterte, was im selben Augenblick da oder dort geschähe, von wo immer Faust Kundschaft haben wollte. Der Doktor selber hatte davon geredet, wie es mit jenen Bildern im Sieb genau so wäre, als ob heiße Luft über einem Schornstein oder über sommerlichen Feldern zittere, so daß alles, was dahinter geschähe, fortwährend hin und her- und ineinander ränne; auch wäre es schon eine große Aufregung und Herzensangst, also bis in die Sphären der niederen Geister zu sehen und zu vernehmen; wollte man jedoch in jene der befreiteren aufsteigen, dann habe man jeden Augenblick zu gewärtigen, vor namenlosem Entsetzen tot hinzufallen.
So viel von jenem Siebdrehen und dem gebannten Geistlein im Kristall. Und genug, Faustwußte; ob aus Schwarzkunst, ob aus Schlauheit, ob aus Ahnungskraft? Er träumte auch in Nächten, wenn zuvor Intriguen gegen ihn gerichtet und großer Haß aufgelaufen war, ungemein hart und qualvoll davon. Faust also wußte, was die Salzburger Doktors vorhatten und überlegte, ob er sich mit dem Paracelsus gegen sie, oder mit ihnen gegen den Paracelsus zusammenschlagen sollte, um eine der Parteien zu schädigen.
Das also war, was der Doktor Faust auf der Rückreise von Braunau nach Salzburg wälzte und plante. Nun auch zum Paracelsus.
Der überlegte lange und klüglich, was der Faust von der Goldmacherei im Großen gesagt hatte. Er, Paracelsus, war trotz allem Forschen niemals zum gerechten und klaren System der Goldbereitung gekommen, sondern ihm war, gerade bei aller alten, rezeptuellen Systematik, beinahe immer mißlungen, auch nur das kleinste Pröbchen Edelmetall zu erzwingen. Dagegen waren ihm bei ganz wilden und zufallsreichen Versuchen sowohl Lösungen geraten, aus denen allerfeinstes, graugrünes Goldpulver sich niedergeschlagen hatte, ja manchmal war ihm sogar im Feuer die gelbe Sündenmutter der Menschheit entgegengeschmolzen. Wie der Faust gesagt hatte, nur unter großer Hitze und bei gewaltiger Pressung gediehe das Ding, war das auch ihm stetiglich aufgefallen. Aber nun überlegte er, daß unter ihnen beiden denn doch er, Paracelsus, der weitaus klarere Kopf wäre. Wenn es irgendwo in der Natur und ihren Welten etwas zu erforschen und dann zu formulieren gäbe, da war der Faust weithin nicht zu gebrauchen! Der erschauerte. Seine Ahnungen entstanden, wenn der Geist ihn anpackte, so wie einNordlicht entsteht. Alles war ihm unbewußt geschenkt; — nichts war erworben.
Sonderbar auch: wenn der Faust dämonisch wurde und Sprüche tat, als wären sie von einem höheren Geiste gesagt, so daß der Paracelsus selber aufstaunen mußte und ausrief: „Ja, ja!“ dann sah er’s oft, daß des kleinen Magiers ergrauendes Haar sich gesträubt hatte, wie das eines Hundes, der sich entsetzlich fürchtet. Oder wie das Haar eines Katzenfelles, das man mit einem Bernstein- oder Glasstabe überfährt. Irgend eine Kraft wohnte im Fausto; aber es war weder eine bewußte, noch eine logisch verfolgte. In Summa, der Faust konnte kaum ganz oder auch nur halb hinter jenes ewig gaukelnde und sich verhütende System geraten sein, wie man das rote Gold erzwingt!
Freilich, ein Nachdenkenswertes hatte der große Zufall, daß die Natur an jener Stelle Glasmacherseife und goldhaltigen Quarz (obgleich Porphyrquarz sonst nie Gold zu erzeugen schien) in solch engem Höhlenschrund zusammengestürzt hatte. Es war vielleicht nur ein kühner, verwegener Einfall Faustens, auf Grad und Ungrad das zu benützen und ungeheuer viel von dem Öl zu erzeugen, welches aus nichts anderm, als aus dem Unatembaren derLuft und aus dem Scharfen des Salzes bestand, wie Paracelsus festgestellt zu haben glaubte. —
Und der Gelehrte mit den schwermütigen und argwöhnischen Augen grübelte, ob da nur eine großartige Alfanzerei des Faust, oder eine dämonische Ahnung riesigen Gelingens, oder gar ein aufgetanes Wissen dahinterstecken könnte ...
Es war ihm doch ein gar zu abenteuerliches Unternehmen. Groß genug, um Kaiser und Reich, zunebst tausend Mann Bergknappen, die einen in schwere Unkosten, und die andern außer Atem zu setzen! So daß es, wenn es mißlang, dem Fausto einen flittervergoldeten Alchymistengalgen eintragen kunnt!
Und er wollte und wagte es dennoch. — Seltsam.