Gegen den angrauenden Morgen hin ließ Faust, als er das Tal über Wörgl mehr ahnte, als erkannte, das Kohlenfeuer langsam minder werden; und als sie völlig undeutlich die Städtlein Rattenberg und Schwaz unter sich merkten, ließ er es langsam eingehen. So nahe streiften sie dann über Hall dahin, daß nur der Herbstnebel sie vor einem großen Zetermordio schützen konnte. Auf einer der vielen Wiesen, die das Inntal gegen Absam hin umsäumen, ließen sie sich nieder und Faust warf die verlöschenden Kohlen aus dem Becken auseinander. „Wie ist dir?“ fragte er höhnisch den Scholaren. „Gelt? Ebenso wie nach dem Genuß eines ersehnten Mädels. Es war alles eben zum Ertragen, und du bist weder vor Glück noch vor Entsetzen wahnsinnig geworden. Und jetzt bist du schläfrig, müde und überdrüssig. Das und so istdas Leben und so sind alle seine Wunder und jetzt bist du geflogen wie ein Gott und bist verkatzenjammert wie ein Saufbruder, frierst wie ein Hund und bist ein ernüchterter, armer Teufel. Und wenn du später in einer Zechen davon prahlen tätest, wie in jüngern Tagen ich selber, so wärest du ein noch viel ärmerer Hund, als jetzt!“Soviel von dem oftbeschrieenen Geisterfluge des Faust, der in einer Nacht zu Hallein Urlaub genommen und andern Morgens dem römischen König in der Innsbrucker Hofburg aufgewartet hatte.Die Herrn in Salzburg und Innsbruck maßen sichs gegenseitig später selber ab und verwunderten sich bis an die Gänsehaut.Der junge Student aber, völlig stumpf darob geworden und gleichgültig und müde, sagte nur: „Ihr habt recht. Es ist nichts um alle Erden; gar nichts.“Da erwiderte ihm Faust: „Hätt’ ich geprahlt und unsere Herrlichkeit und unser Göttertum eindringlich gerühmt, so wärst du jetzt frisch und erhaben. Es gibt nur eingebildete Größen und Wunder.“Und dennoch gab es immer noch ein Wunder; hieß Liebe.Das griff Doktor Fausten selber an.
Gegen den angrauenden Morgen hin ließ Faust, als er das Tal über Wörgl mehr ahnte, als erkannte, das Kohlenfeuer langsam minder werden; und als sie völlig undeutlich die Städtlein Rattenberg und Schwaz unter sich merkten, ließ er es langsam eingehen. So nahe streiften sie dann über Hall dahin, daß nur der Herbstnebel sie vor einem großen Zetermordio schützen konnte. Auf einer der vielen Wiesen, die das Inntal gegen Absam hin umsäumen, ließen sie sich nieder und Faust warf die verlöschenden Kohlen aus dem Becken auseinander. „Wie ist dir?“ fragte er höhnisch den Scholaren. „Gelt? Ebenso wie nach dem Genuß eines ersehnten Mädels. Es war alles eben zum Ertragen, und du bist weder vor Glück noch vor Entsetzen wahnsinnig geworden. Und jetzt bist du schläfrig, müde und überdrüssig. Das und so istdas Leben und so sind alle seine Wunder und jetzt bist du geflogen wie ein Gott und bist verkatzenjammert wie ein Saufbruder, frierst wie ein Hund und bist ein ernüchterter, armer Teufel. Und wenn du später in einer Zechen davon prahlen tätest, wie in jüngern Tagen ich selber, so wärest du ein noch viel ärmerer Hund, als jetzt!“
Soviel von dem oftbeschrieenen Geisterfluge des Faust, der in einer Nacht zu Hallein Urlaub genommen und andern Morgens dem römischen König in der Innsbrucker Hofburg aufgewartet hatte.
Die Herrn in Salzburg und Innsbruck maßen sichs gegenseitig später selber ab und verwunderten sich bis an die Gänsehaut.
Der junge Student aber, völlig stumpf darob geworden und gleichgültig und müde, sagte nur: „Ihr habt recht. Es ist nichts um alle Erden; gar nichts.“
Da erwiderte ihm Faust: „Hätt’ ich geprahlt und unsere Herrlichkeit und unser Göttertum eindringlich gerühmt, so wärst du jetzt frisch und erhaben. Es gibt nur eingebildete Größen und Wunder.“
Und dennoch gab es immer noch ein Wunder; hieß Liebe.
Das griff Doktor Fausten selber an.