IV. Pflanzengeographisches.
A
ls ursprüngliche Vegetationsform des Schwarzwaldes im großen und ganzen ist für die Zeit, in welcher der Mensch zuerst anfing, die natürlichen Verhältnisse des Gebietes zu beeinflussen, ebenso wie im übrigen nordalpinen Europa der Wald zu betrachten. Aber selbstverständlich ist heutzutage, nachdem zahlreiche Generationen von Bewohnern über unsere Landscholle hingegangen sind, die Dichte und Art der Bewaldung im einzelnen nicht nur von der Höhe, Bodenform und Bodenbeschaffenheit, vom Klima und der Bewässerung abhängig, sondern auch von der Dauer und Intensität der menschlichen Besiedlung. Wenn nun in Baden 37% und in Württemberg 31% der Landesfläche bewaldet erscheinen, so sind das schon recht hohe Werte. Unser Gebirge ist aber noch wesentlich besser daran.
Sind doch von dem Buntsandsteingebiet seines Nordens und Ostens 60 bis 65% der Fläche bewaldet, am Westabhang und im Zentrum 40 bis 45%, während in der Muschelkalkzone des Ostens die Waldfläche auf 35 bis 25% des Areals herabsinkt. Den Verwitterungsböden des Buntsandsteins mit der, wie oben angegeben, stärksten Waldbedeckung kommen die des Granites mit etwa 50%, des Gneises mit rund 45% noch ziemlich nahe; alle anderen Bodenarten bleiben hinter diesen Anteilwerten mehr oder weniger stark zurück.
Abb. 29. Wollspinnerinnen im Herrgottswinkel.Nach einer Photographie von M. Ferrars in Freiburg. (ZuSeite 46.)
Abb. 29. Wollspinnerinnen im Herrgottswinkel.Nach einer Photographie von M. Ferrars in Freiburg. (ZuSeite 46.)
Der Wald.
Im Osten mit seinen breiten und die Talauen meist nur wenig überragenden Höhenzügen sind im allgemeinen nur diese waldbedeckt, während sich am Wasser weite Feld- und Wiesenfluren ausdehnen. Im höheren Schwarzwald steigen die Waldungen vom Rande des Rheintales ab an den Vorhügelreihen, den Talwänden und Berglehnen, vielfach durch Auenland unterbrochen, zu den Wasserscheidenhinauf, deren höchste Kuppen im Süden von etwa 1350mab über die Baumgrenze aufragen, während flache Hochmoore gelegentlich noch die Krummholzkiefer (Legföhre) gedeihen lassen.
Abb. 30. Waldkapelle.Nach einer Photographie von M. Ferrars in Freiburg. (ZuSeite 46.)
Abb. 30. Waldkapelle.Nach einer Photographie von M. Ferrars in Freiburg. (ZuSeite 46.)
Im Gebiet dichterer Bevölkerung ist der Wald zu den obersten Hängen hinaufgedrängt; wo tief und eng gefurchte Täler vorherrschen, da deckt er alle felsfreien Stellen der Gehänge bis zum Bachufer und überläßt den Menschen die Hochebene zu Anbau und Siedlung. Steilheit, Bewässerung und Exposition der Böschungen bedingen im kleinen die mannigfachsten Verschiedenheiten in Lage und Ausdehnung der Gebirgswaldungen.
Zu 75% ist der Schwarzwald mit Nadelholz, zu 25% mit Laubholz bestockt, doch so, daß mehr als die Hälfte des Ganzen als Mischwald bezeichnet werden muß. Esche, Ahorn, Ulme, Pappel, Birke, Akazie treten kaum waldbildend auf, die zahme Kastanie bildet an den milden Vorhügeln des Westfußes ab und zu kleinere Komplexe und reift köstliche Früchte, die Erle bewaldet nasse Talböden, die Eiche kommt in der Vorhügelzone gelegentlich waldbildend vor, häufiger aber tritt sie, besonders im mittleren und nördlichen Gebirgsteile bis zu einer Höhe von 700mals Schälwald und in den Reutefeldern auf, die in mehrjährigen Perioden durch Abbrennen vorübergehend dem Anbau von Getreide dienstbar gemacht werden. Der verbreitetste Laubholzbaum ist in reinen wie gemischten Beständen die Buche, die an vielen Orten bis zur Baumgrenze, ja gelegentlich sogar höher aufsteigt als das Nadelholz, freilich nur noch verkümmert und von den Südweststürmen windschief nach Nordosten gebogen.
Am Nadelwald (Abb. 10) beteiligen sich abgesehen von der Lärche und Weymutkiefer und außer der Legföhre der sumpfigen Hochmoore zu allermeist die Fichte oder Rottanne, dann die Edel- oder Weißtanne, endlich die Kiefer. Die Fichte steigt im ganzen Gebiet bis über 1200mund zwergartig bis zur Baumgrenze auf, die Weißtanne ist besonders in den westlichen Gebirgsteilen, die Kiefer auf dem Buntsandstein häufig.
Bedeutung des Waldes.
Indem der Wald an den Gehängen überall den Boden befestigt und so die Entblößung des nackten Felsgesteines verhindert, indem er die Schneeschmelze reguliert, die Quellbildung und den Wasserablauf möglichst gleichmäßig auf alle Zeiten des Jahres verteilt und so die Hochwassergefahr vermindert, ist er, ganz abgesehen von dem Bargewinn einer rationellen Holzwirtschaft, die in Baden jährlich mehr als zwanzig Millionen Mark ergibt, von unberechenbarster Bedeutung. Die ausgedehntesten Waldungen besitzen der Staat, einzelne Städte, wie Freiburg, Baden und Villingen, ferner zahlreiche kleinere Gemeinden, viele Stiftungen und Großgrundbesitzer, wie z. B. der Fürst von Fürstenberg, sowie endlich die schon seit dem achtzehnten Jahrhundert bestehende Murgschifferschaftsgesellschaft (s.unten). Die Waldkultur und Holzverarbeitung jeglicher Art beschäftigt viele Kräfte. Sägemühlen gehören im Schwarzwalde zu den meist charakteristischen Erscheinungen. Die einst viel geübte Flößerei hat beinahe ganz aufgehört, seit das dichte Straßennetz und die Eisenbahnen die ihr einst gestellte Aufgabe erfüllen.
Was der Wald im Landschaftsbild bedeutet, was er Tausenden von Erholungsbedürftigen und Frieden Suchenden an Erquickung, Trost und Erhebung spendet, das empfinden wir alle dankerfüllt. Was er gerade ob dieses zunächst freilich nur psychologisch zu messenden Wertes für die moderne Welt geworden ist, das spielt allerdings auch in unserem neuzeitlichen Wirtschaftsleben mit seiner hochentwickelten Fremdenindustrie eine hochwichtigte Rolle.
Abb. 31. Grabkreuze.Nach einer Photographie von M. Ferrars in Freiburg. (ZuSeite 46.)
Abb. 31. Grabkreuze.Nach einer Photographie von M. Ferrars in Freiburg. (ZuSeite 46.)
Viehzucht und Ackerbau.
Mit der zunehmenden Besiedlung ist natürlich seit Jahrhunderten vom ursprünglichen Waldareal ein gut Teil gerodet worden; die Orts- und Flurnamen Rütte und Reute und ihre Verbindungen, ebenso Schwand, Schwende, Schweine deuten an sehr vielen Stellen auf die einst bei weitem größere Waldverbreitung hin. Wo auf den Höhen der Ackerbau (Abb. 12) nicht mehr lohnt und regelmäßige Wiesenwässerung undurchführbar ist, da dehnen sich weitum grüne, im Frühsommerblumengeschmückte Weideflächen aus, die, solange es die Jahreszeit erlaubt, großen Viehherden als Tummelplatz dienen. Der regelmäßige Ackerbau ragt bis zu 1000mMeereshöhe auf, ja an manchen Stellen finden sich in der Umgebung der am weitesten nach oben vorgeschobenen Bauernhöfe und Tagelöhnerhäuschen noch bei 1200mspärliche Hafer- und Kartoffeläcker. Daß aber in solchen Höhen der ausschließliche Feldbau nicht mehr lohnt, ist selbstverständlich; daher spielt auf dem Schwarzwalde die Viehzucht, gestützt auf großen Weide- und Wiesenbesitz, eine viel wichtigere Rolle, und neben ihr die Waldarbeit und Industrie, ohne welche viele Existenzen durch die Kargheit der Natur schwer gefährdet wären.
Viele Bergweiden, auch Wiesen und Ackerland manches allzu rauh gelegenen Bauerngutes sind seit der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts vom Staate angekauft und aufgeforstet worden, so daß wir inmitten eines dicht bevölkerten Gebietes, das im allgemeinen den Boden immer intensiver auszunutzen gezwungen ist, die Waldfläche stetig sich vergrößern sehen. Um etwa 14% ist sie gegenüber dem Bestand von 1850 gewachsen, ein Umstand, der von manchem als wirtschaftlich unerfreulich hingestellt wird, der aber zweifelsohne als eine Verbesserung gelten muß, wenn man die dürftigen Zustände erwägt, unter welchen die durch die Aufforstung zu Orts- und Berufsänderung veranlaßten Bergbewohner einst gelebt haben.
Neben dem nicht sehr ausgedehnten Getreidebau — eigentlicher Großgrundbesitz fehlt fast ganz — ist die Anpflanzung von Kartoffeln im Schwarzwalde wichtig, Handelsgewächse (Tabak, Zichorie, Raps) haben nur in den tiefgelegenen, milden Tälern des Westens Bedeutung; dagegen ist der Obstbau von Belang. Unter dem Steinobst kommt den Kirschen ein ganz besonders hoher Wert zu; zahlreiche Gemeinden gewinnen durch großartigen Versand von frischen Kirschen, aber auch Pflaumen, Zwetschgen, Mirabellen usw., alljährlich viele tausend Mark, ganz abgesehen von der Edelbrauerei des berühmten Schwarzwälder Kirschen- und Zwetschgenwassers. Der herrliche Nußbaum ist einer der verbreitetsten Charakterbäume, und daß die Edelkastanie da und dort noch fast waldbildend auftritt, ist schon erwähnt worden.
Abb. 32. Viadukt bei Fützen.Nach einer Photographie von G. Röbcke in Freiburg. (ZuSeite 52.)
Abb. 32. Viadukt bei Fützen.Nach einer Photographie von G. Röbcke in Freiburg. (ZuSeite 52.)
Abb. 33. Waldshut. Nach einer Photographie von Ph. Bussemer in Baden. (ZuSeite 53.)❏GRÖSSERES BILD
Abb. 33. Waldshut. Nach einer Photographie von Ph. Bussemer in Baden. (ZuSeite 53.)
❏GRÖSSERES BILD
Den Waldbewohnern geben die massenhaft verbreiteten Heidelbeeren und die auf rauhere Höhen beschränkten Preißelbeeren erfreuliche, von Jahr zu Jahrwachsende Einnahmen; aus der großen Erdbeerkultur in Staufenberg bei Gernsbach im Murgtal kommen während des Sommers viele Eisenbahnwagen voll der köstlichen Früchte zur Versendung nach allen Richtungen.
Weinbau.
Von unschätzbarer Bedeutung für das Wirtschafts- und Kulturleben des Schwarzwaldes ist der Weinbau (Abb. 11). Bis über 400mhoch steigt von Süden und Westen her die edle Rebe aufwärts; sie wird sorgfältig gepflegt und gibt zwar schwankende, aber im Durchschnitt doch lohnende Ernten. Das Rheintal von Waldshut bis Basel, das Markgräflerland von hier bis Staufen, die Gegend von Freiburg, das Glottertal, das untere Kinzigtal, die Offenburger Gegend, die Landschaft von Bühl, sie alle geben zum Teil ganz vortreffliche Weinsorten. Markgräfler, Glottertäler, Durbacher, Klingelberger, Mauerwein, Affentaler und manche andere sind mit Recht weitum berühmt als freundliche Tröster im Ernst des Lebens und als bewährte Sorgenbrecher.
Abb. 34. Hotzenhaus in Bergalingen.Nach einer Photographie von Ph. Bussemer in Baden. (ZuSeite 54.)
Abb. 34. Hotzenhaus in Bergalingen.Nach einer Photographie von Ph. Bussemer in Baden. (ZuSeite 54.)
Die Flora.
Den vielen Freunden derscientia amabilismag es erwünscht sein, einiges wenige über das Vorkommen seltener oder besonders interessanter Kinder Floras zusammengestellt zu finden. Man unterscheidet im Schwarzwalde bis zu 850m, an welcher Höhenlinie von unten her der Kirschbaum und von oben her das Bergwohlverleih (Arnica) ihre Grenzen finden, eine untere Bergregion, bis zu 1300m, wenig unter der Baumgrenze, eine obere und darüber die Voralpen- oder die subalpine Region, welche nur noch den Feldbergstock und die Belchenkuppe umfaßt.
Florengebiete.
Während Nadelholzwälder auf trockenem Sandboden meistens fast frei von Unterholz und Krautpflanzen sind, findet sich am Boden feuchter Wälder eine um so üppigere Vegetation.Adenostyles albifrons(Alpendost) undMulgedium alpinum(Alpenmilchlattich) finden sich hier häufig mit dem blauen und gelben Eisenhut (Aconitum), mit dem Wald- und Alpenfrauenfarn (Athyrium filix feminaundalpestre), den SchildfarnartenAspidium spinulosum,lobatumundBraunii, alle häufig zu wahren Riesenexemplaren entwickelt. Dazwischen bildet der große, mit den Bächen in die Täler hinabsteigendeRanunculus aconitifolius(eisenhutblätteriger Hahnenfuß) eine willkommene Abwechslung.
Zwischen Felsblöcken beherbergen feuchte, moosige Waldstellen an schönen Orchideen gelegentlichListera cordata(herzblätteriges Zweiblatt) undCoralliorrhiza innata(eingewachsene Korallenwurz). Ähnliche Standorte liebtTrientalis europæa(Siebenstrahl); in Gesellschaft vonMaianthemum bifolium(Schattenblümchen) finden sich mehrerePirola-Arten (Wintergrün), darunterPirola uniflora. Dem Feldberg ist eigenStreptopus amplexifolius(stengelumfassender Knotenfuß), währendEmpetrum nigrum(Almenrausch) im südlichen Schwarzwald nur am Belchen vorkommt, im nördlichen dagegen häufiger ist.
Abb. 35. Kindertracht des Hotzenwaldes.Nach einer Photographie von M. Ferrarsin Freiburg. (ZuSeite 54.)
Abb. 35. Kindertracht des Hotzenwaldes.Nach einer Photographie von M. Ferrarsin Freiburg. (ZuSeite 54.)
Auf Bergwiesen und Weiden herrscht in der Blütenzeit strahlende Farbenpracht. Da duftet im Juni und Juli die leuchtend gelbeArnica montana(Bergwohlverleih), wir finden die großblütige Glockenblume (Campanula Scheuchzeri), das Bärkraut (Meum athamanticum, seltenerMeum mutellina), ferner das Leinblatt (Thesium montanumundalpinum).
Abb. 36. Hotzenhof in Hottingen. Nach einer Photographie von Ph. Bussemer in Baden. (ZuSeite 54.)
Abb. 36. Hotzenhof in Hottingen. Nach einer Photographie von Ph. Bussemer in Baden. (ZuSeite 54.)
An Orchideen gehören hierherGymnadenia albida(Nacktdrüse) und von derPlatanthera(Waldhyazinthe) die Artenmontanaundbifolia. Dazu kommt noch die Kugelorchis (Orchis globosa), sowieauf feuchten Bergwiesen nicht allzu seltenGeum rivale(Ufernelkenwurz) undTrollius europæus(Trollblume).
Florenregionen.
Wir sind hiermit in die obere Bergregion eingetreten, in welcher Höhenstufe die Schwarzwälder Hochmoore liegen, im Süden seltener, im Norden und Nordosten auf den fast ebenen Buntsandsteinbänken ausgedehnter. Die Legföhre oder Latsche (Pinus pumilio) findet sich in der Feldberg-Umgebung nur am Schluchsee, während sie an der Hornisgrinde, auf dem Holoh usw. häufig auftritt. Allgemeiner kommt die Hackenkiefer (Pinus uncinata) vor. Als Leitgewächs der Moorlandschaften kann das Wollgras (Eriophorum vaginatum, selteneralpinum) gelten. Auf Torfmoos- (Sphagnum-) Polstern haben sich verschiedene Arten des insektenfressenden Sonnentaues angesiedelt, soDrosera rotundifolia,anglica,intermediaund Bastarde unter ihnen. Dazwischen liegen die fadenförmigen Stengel der Moosbeere (Vaccinium oxycoccos), und von Bärlapparten kriecht das selteneLycopodium inundatumam Boden hin. Sumpffettblatt (Sedum villosum), Sumpfheide (Andromeda polifolia) sind selten, während das Fettkraut (Pinguicula vulgaris) häufiger ist. Trockenere Stellen lieben die Sumpfheidelbeere (Vaccinum uliginosum) und das Heidekraut (Calluna vulgaris). Riedgräser (Carices) kommen reichlich vor, und Erwähnung verdienen hier nochComarum palustre(Sumpffingerkraut),Phyteuma nigrum(schwarze Rapunzel),Parnassia palustris(Sumpfherzblatt),Menyanthes trifoliata(dreiblätteriger Fieberklee).
Die subalpine Schwarzwaldflora, deren seltene Vertreter zumeist an abgelegenen, schwer zugänglichen Stellen der höchsten Bergregion nur mühsam gefunden werden können, ist das Lieblingskind unserer Botaniker. Ganz vereinzelte Vorkommnisse sind meist nur wenigen Auserwählten bekannt, und ihre Standorte werden ebenso geheim gehalten wie einige künstliche Hegungen von Alpenrosen, alpinen Steinbrecharten und anderen dem Mittelgebirge an sich fremden Gästen, die von Freunden solcher Versuchspflanzungen aus den nahen Schweizerbergen gebracht worden sind.
Auf den höchsten kahlen Gebirgskämmen bildet Borstengras (Nardus) eine dünne Bodendecke, von Geröllschutt, Heidelbeerbüschen und Heidekraut unterbrochen.Gnaphalium supinum(Ruhrkraut), findet sich nur, und zwar selten auf dem Feldberg. Weiterhin mögenSaxifraga aizoonundstellaris(Steinbrech),Primula auricula(Aurikel), von Kryptogamen der Schildfarn (Aspidium montanumundlonchitis), das Zwergbärläppchen (Selaginella selaginoides), der Alpenbärlapp (Lycopodium alpinum) als besonders interessant genannt werden, ebenso das Goldfingerkraut (Potentilla aurea) und der bei den Viehhütten verbreitete Alpenampfer (Rumex alpinus). Der gelbe Enzian (Gentiana lutea), der Türkenbund (Lilium martagon), die Bergflockenblume (Centaurea montana), die dornenloseRosa alpina, selteneHieracium- undCrepis-Arten (Habichtskraut, Pippau) erregen unser Interesse nicht minder als der Alpenlattich (Homogyne alpina), die Gänseblümchenaster (Aster bellidiastrum) und am Rande der erst im Hochsommer schmelzenden Schneefelder das Alpenglöckchen (Soldanella alpina). Schließlich mögen noch Erwähnung findenSweertia perennis(ausdauernder Tarant),Bartschia alpina,Campanula pusilla,Alchemilla alpina(Alpenfrauenmantel),Allium victoriale(Siegwurz),Silene rupestris(Felsenleinkraut).
Abb. 37. Laufenburg. Nach einer Photographie von G. Röbcke in Freiburg. (ZuSeite 55.)❏GRÖSSERES BILD
Abb. 37. Laufenburg. Nach einer Photographie von G. Röbcke in Freiburg. (ZuSeite 55.)
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Diese so interessante Reliktenflora aus der Eiszeit weist auf einstige Beziehungen zu den Florengebieten der Alpen hin, und es erscheint auch wohl begreiflich, daß sie viel Gemeinschaftliches mit den Hochvogesen hat. Manche Einzelheit ist aber doch nicht aufgeklärt. Warum fehlt z. B. dieSoldanellain den Vogesen, und warum sind die hier ansehnlich verbreiteten ArtenAnemone alpinaundnarcissiflora,Viola alpestris,Androsace carneadem Schwarzwalde fremd? Vielleicht ist es berechtigt, die Vogesen noch lange nach ihrer orographischen Trennung vom Schwarzwalde als im floristischen Ausstrahlungsgebiet der Pyrenäen gelegen anzunehmen, während für unser Gebirge die Annahme einer derartigen Verbindung nicht zulässig erscheint. Wie dem auch sei — der Wanderer, der auf unsern Höhen nicht achtlos Fuß vor Fuß setzt, wird viel Befriedigung daran finden, wenn er seinen Blick nicht nur in die Ferne schweifen läßt, sondern auch dem Nächsten, was sein Auge trifft, den zarten Kindern Floras, freundliche Aufmerksamkeit schenkt, und das um so mehr, als er unter ihnen wirklich seltene und in ihrer eigenartigen Verbreitung höchst beachtenswerte Erscheinungen treffen kann, wenn er nur mit dem nötigen Eifer und einigem Geschicke sucht und gelegentlich sich das Abweichen von den gebahnten Wegen der Allgemeinheit nicht verdrießen läßt.