Am andern Tag brachte Mette so viel Zeit damit hin, sich anzuziehen und herzurichten, als ob sie zum Ball gehen wollte.
Am andern Tag brachte Mette so viel Zeit damit hin, sich anzuziehen und herzurichten, als ob sie zum Ball gehen wollte.
Tante Emilie war für Ordnung und Sauberkeit in der Kleidung, soweit das eben zur Musterhaftigkeit gehörte, aber beileibe nicht für mehr. Ein Mensch, der mit aller Gewalt hübsch aussehen wollte, der war schon halb in den Krallen des Satans.
(Ach, wie recht hatte doch Tante Emilie manchmal mit ihren Ansichten!)
Mette wollte heute mit aller Gewalt hübsch aussehen. Sie schnitt und feilte und polierte eine Stunde an ihren Nägeln. Sie versuchte dreimal eine neue Haartracht. Sie überlegte, unter welchem Vorwand sie das blaue Taffetkleid anziehen sollte, es war das gute, das neue, das einzige, in dem sie, ihrer Meinung nach, erträglich aussah. Aber Tante Emilie würde es ihr ja für einen einfachen, kleinen Nachmittagstee nie gestatten.
Tante Emilie gingschonherum, als wollte sie durch fortdauernde Spionage die Bestätigung eines furchtbaren Verdachtes erbringen.
Alle paar Minuten wurde die Tür zu Mettes Zimmer aufgerissen.
„Herr Gott im Himmel! Du frisierst dichnoch?“
Und nach fünf Minuten:
„InwelcherStraße ist das, wo ihr nachmittag hingeht?“
Nach zwei Minuten:
„...nochdünnere Strümpfe konntest du wohl nicht anziehen?! Es ist heut absolut nicht so übermäßig warm. Ich weiß nicht, inmeinerJugend war das überhaupt nicht Mode ...“
„Holen Möbiussens dich ab, oder holst du sie ab?“
„Ich würde mir doch an deiner Stelle eine Maniküre kommen lassen!“
„Wer ist denn danoch?Bloßihr drei?“
Angesichts dieser Inquisition beschloß Mette, lieber in Rock und Bluse zu gehen und des blauen Taffetkleides lieber gar nicht erst Erwähnung zu tun. – – –