Dr. Irmler war am anderen Morgen abgereist. Sie hatten ihn alle an die Bahn gebracht, und die beiden Herren waren zusammen abgefahren, der eine nach Italien, der andere ins Kontor.
Frau Elisabeth kehrte mit den Kindern auf einem längeren Umweg zurück. Es war zugleich der erste Ferientag, und Blanche war in ausgelassenster Stimmung.
»Lach doch mal!« rief sie und neckteLux mit einem herzhaften Stoß, so daß er taumelte und fast in einen Graben gefallen wäre. Er wurde rot vor Schreck und auch ein wenig vor Ärger und lachte gezwungen.
Die Mutter verwies ihr so derbe Späße. Lux wäre noch nicht aufgelegt zum Scherzen.
»O doch,« sagte er. Und um Blanche eine Beschämung zu ersparen, bezwang er sich und war auch bald von ihrer Lustigkeit angesteckt. Da wandte Frau Elisabeth sich an Manuel.
»So ernst?« fragte sie. »Woran denkst du?«
»Wie schön das Reisen ist!« sagte er, »und wie schön es gewesen wäre, wenn ich hätte mitfahren können.«
»Gefällt es dir nicht mehr bei uns?«
»O doch!«
Sie sah ihn erröten und drang nicht weiter in ihn. Er hat Heimweh bekommen. Das wird sich wieder geben.
»Wir wollen recht vergnügt in den Ferien sein,« sagte sie, und was an ihr lag, tat sie dazu. Es kam, wie Blanche es vorausgesehen:sie machten zwei, drei Mal in der Woche kleinere oder größere Ausflüge in die Umgebung, wobei sie es nicht verschmähten, mit dem Rucksack auf dem Rücken zu marschieren, den Wanderstab in der Hand.
Frau Elisabeths frische Stimme wußte immer ein Lied anzugeben, das den Weg würzte. Manuel konnte natürlich nur zuhören oder einzelne Takte mittrillern. Doch fand sich bei solchem Singen die Gelegenheit, auch ihn zum Auskramen seiner kleinen spanischen und französischen Lieder zu bewegen. Ohne gerade musikalisch zu sein, besaß er doch ein gutes Gedächtnis für volkstümliche Weisen; selbst ein arabisches Liedchen konnte er zum Besten geben. Es war ein ländliches Liedchen, dessen Text auch ihm vielleicht nur leere Worte blieben, aber er sang mit einer solchen Ergriffenheit und mit einem zitternden Heimweh, daß Frau Elisabeth ein gerührtes Lächeln nicht unterdrücken konnte, und Blanche undLux ihn ganz verwundert anstarrten, so daß er tief errötete und mit einem gewinnenden Lächeln der Verlegenheit sagte: »Ich kann nicht singen.«
Frau Elisabeth hatte eine feine, erzieherische Art, jedem eine kleine Pflicht aufzuerlegen; der eine mußte den Proviant tragen, der Andere den Quartiermacher spielen, der Dritte in ein Wanderbüchlein einschreiben, was ihnen des Aufzeichnens wert erschien. Sie selbst behielt sich die Führung und die Kasse vor.
So wußte sie ein gemeinsames Band zu schlingen, das wieder fester verknüpfte, was sich schon leise zu lockern drohte.
Manuel vergaß sein Heimweh, und Lux empfand die Trennung vom Vater bald nicht mehr als Leid, sondern als eine fröhliche Abwechselung. Dazu trugen die häufigen Briefe und Karten Dr. Irmlers vieles bei; fast von jeder Station kam wenigstens ein kurzer, an Lux adressierter Kartengruß. Im übrigen hielten längere, ausführlicheBriefe an Frau Elisabeth die Zurückgebliebenen mit dem Abwesenden in steter Verbindung. Die Briefe des Reisenden, der vom schönsten Wetter begünstigt dem Lande der Sonne und Schönheit zueilte, atmeten Heiterkeit und Lebensfreude, und ein neuerliches Schreiben versprach dem Sohne und den Freunden allerlei Erfreuliches und Ergötzliches mit heim zu bringen.
So fühlte sich denn Lux im freien Genuß der Gegenwart und in stiller Hoffnung auf die Zukunft im ganzen glücklich, zumal Blanche, die nicht mehr unter dem überwiegenden Einfluß Manuels stand, sich ihm wieder mehr zuwandte. Das wurde dann die Ursache, daß Manuel, dessen Eifersucht diese Wandlung wohl bemerkte, der Vergangenheit und seinem Heimweh wieder kräftig entzogen wurde und sich wieder leidenschaftlich dem Tage zuwandte. Ein stilles Ringen begann jetzt unter den beiden Knaben um das Mädchen, das fortfuhr, seine Gunst gleichmäßig zu verteilen.
Lux war schon zufrieden, wenn er nicht hinter Manuel zurückstehen brauchte; der war nun einmal da, und ein Anteil von Blanches Freundschaft war ihm nicht zu verweigern. Nur wachte Lux eifersüchtig darüber, daß ehrlich geteilt wurde. Anders Manuel, der anspruchsvoller am liebsten die kleine Freundin für sich allein gehabt hätte, und die alte Eifersucht und den alten Groll auf Lux wieder aufkeimen fühlte. Und sonderbarer Weise kam er, ohne daß Blanche es wollte, nur durch eigene Schuld, wenn auch unbewußt, ein wenig ins Hintertreffen. Wetteiferten sie auf den Ausflügen, sich durch kleine Gefälligkeiten und knabenhafte Galanterien beliebt zu machen, so kam Lux ihm oft zuvor, weil es nicht in Manuels Natur lag, über Blanche Frau Elisabeth zu vernachlässigen. Schon als der ältere fühlte er sich verpflichtet, ihr Ritterdienste zu leisten, während der jüngere Lux an dergleichen Artigkeiten nicht dachte und nur für Blanche da war.
Da schlug denn jenem oft das Herz, wenn er neben Frau Elisabeth herging, ihren Mantel trug, oder sich ihrer Unterhaltung widmete und sehen mußte, wie Lux und Blanche fröhlich vorauf sprangen, auch wohl einmal wieder, wie in früheren Tagen, Hand in Hand.
Frau Elisabeth ließ das Betragen des ritterlichen Knaben nicht ohne Anerkennung, indem sie ihn ihrem Töchterchen als Beispiel hinstellte, wozu die unbekümmerte Blanche reichlich Gelegenheit gab.
»Du könntest dich deiner Mutter auch einmal gefällig erweisen,« sagte sie.
»Mutti, was soll ich denn tun?«, rief Blanche stürmisch, die Arme schmeichelnd um ihren Hals legend. Aber dabei blieb es denn auch. Manuel doch war stolz auf Frau Elisabeths Lob, und trug dafür die Qualen der Eifersucht heroisch weiter.
Anders aber gab er sich zuhause, bei den Spielen im Garten, wo die Kinder unter sich waren. Da trachtete er, das Versäumte nachzuholen, und forderte sein vorenthaltenesTeil mit Zinsen ein. Blanche, die ganz nach Lust und Laune handelte, und keinen eigentlich bevorzugte, fühlte sich dann manchmal von seinem heftigen Wesen befremdet, und hielt sich ein wenig zurück, ohne zu ahnen, wie weh sie ihm tat und wie sehr sie ihn reizte.
Ihr Name erschien schon lange wieder in seinen Gebeten, und er stammelte ihn halb laut aus sehnsüchtigen und kranken Träumen heraus.
Und eines Nachts, als ein Traum ihm gezeigt hatte, wie Blanche Hand in Hand mit Lux Blumen pflückte, während er abseits stand und nicht zu ihnen konnte, saß er, erwacht, aufrecht im Bett und starrte voll Zorn, Haß und Kummer durch das Dunkel auf Lux, der ruhig in seinen Kissen lag. Manuels Fäuste ballten sich, und seine Zähne preßten sich wild aufeinander. Hätte Lux Licht gemacht, er hätte sich vor diesem Gesicht entsetzt, das durchaus nicht mehr kindlich aussah, sondern mit dem Ausdruckeiner fast männlichen Energie heißen Haß und tiefschneidendes Weh verband.
Lux wachte freilich, und auch seine Gedanken beschäftigten sich mit Manuel. Er sah ihn auch, obgleich nur undeutlich, aufrecht im Bett sitzen, wenn der Vorhang, hinter dem das Fenster offen stand, von einem stärkeren Luftzug getroffen sich leise hin und her bewegte und das Dunkel ein wenig aufhellte. Auch suchte Lux nach einem Wort, ihn anzureden, aber er fand keines; denn was ihn zu reden trieb, beschäftigte auch wieder so sehr seine Gedanken, daß er damit nicht fertig wurde.
Manuel hatte im Schlaf laut und leidenschaftlich Blanches Namen gerufen.
»Blanche! Blanche!«
Zweimal hatte der geliebte Name mit einem wehen Laut durch das Dunkel und durch die Stille gezittert. Etwas Fremdes, nicht Gekanntes klang dem erschreckten Lux daraus entgegen.
»Blanche! Blanche!«
»Was hast du? Was ist dir?«, wollte Lux rufen, aber etwas lähmte seine Zunge, benahm ihm den Atem. Fast unheimlich klang dieses zweimalige Rufen.
Und jetzt wurde wieder Manuels Stimme laut.
»Lux! – Lux! – schläfst du?«
»Nein, was willst du?«
Manuel gab keine Antwort.
»Willst du was?« fragte Lux noch einmal dringlicher.
»Ja.«
Und dann rang sich jedes Wort langsam und leise, aber leidenschaftlich von den zuckenden Knabenlippen.
»Ich liebe Blanche. Sie soll nicht immer nur mit dir freundlich sein. Ich halte das nicht aus. Ich will es nicht.«
Im Dunkel der Nacht saß der Knabe aufrecht in seinem Bett und stammelte dieses Bekenntnis, und es war Lux, dem er es vorstammelte, Lux, der am Tage der letzte gewesen wäre, dem er es anvertraut hätte.Aber er mußte sein übervolles Gemüt entladen, war froh, daß er Lux nicht dabei sehen konnte, sprach wie zu einem Fremden, fühlte, wie bei jedem Wort die Tränen höher in ihm aufstiegen, und zitterte am ganzen Leibe vor Erregung.
Eine lange Stille folgte Manuels Worten, während nur sein unterdrücktes Schluchzen zu vernehmen war.
Ich liebe Blanche! Lux hätte nie für sein Empfinden für Blanche diesen Ausdruck gefunden. Er war aufs neue erschreckt, beängstigt, von etwas Fremdem verwirrt.
»Blanche ist doch auch gegen dich freundlich,« sagte er. Er konnte Manuels Weinen nicht länger hören und hätte ihn gern getröstet.
»Wir kennen uns doch auch schon viel länger, Blanche und ich,« fuhr er fort. »Deswegen ist sie doch nicht weniger freundlich mit dir. – Laß doch das Weinen. – Ich will es ihr sagen, daß sie freundlicher mit dir sein soll!«
»Nein!« rief Manuel, schrie es fast. »Daß du es ihr nicht sagst. Ich glaube, ich könnte dich töten, wenn du es tust.«
»Dummes Zeug!« brummte Lux, der solche Leidenschaft nicht verstand und sich ärgerlich auf die andere Seite legte.
»Lux! du! Lux!«
»Was denn?«
»Daß du es ihr nicht sagst!«
»Mir ist es gleich. Du kannst es ihr ja selbst sagen. Aber jetzt möchte ich gern schlafen.«
Seine Müdigkeit überwog wirklich seine Teilnahme für Manuel und auch für Blanche. Es dauerte nicht lange, da schwebten wieder seine leisen, feinen Atemzüge durch das Zimmer.
Manuel aber lag noch lange wach und betete zum ungezählten Male zur Mutter Gottes, sie möchte ihm das Herz der kleinen Blanche zuwenden.
Die Folge dieses nächtlichen Zwiegespräches war eine weitere Entfremdung zwischenden Knaben. Lux betrachtete Manuel jetzt mit ganz anderen Augen. Er fühlte etwas wie Neid. So viel er von Blanche hielt, seinen Schlaf hatte sie ihm noch nie gestört. Und nun gar diese Tränen, dieser leidenschaftliche Ausbruch Manuels in der Nacht. Er schämte sich und schalt sich, daß er nicht auch so empfand. Manuel war freilich auch schon älter als er und in vielem reifer. Lux war ehrlich genug, es anzuerkennen, und hatte Respekt vor ihm. Aber das wurmte ihn wieder; er hätte ihn lieber verachtet. Sein Selbstgefühl bäumte sich auf, und er besann sich darauf, daß er ältere Rechte als Manuel hatte, der nur ein Eindringling war. Und zugleich erwachten Gedanken in ihm, die bisher geschlummert hatten.
»Ich liebe Blanche auch. Er soll nicht glauben, daß er es allein ist.« Und er wurde mißtrauisch und beobachtete die beiden.
Manuel haßte Lux nur umsomehr, als er ihn jetzt zu fürchten hatte. Oh, daß er sichihm in jener Nacht in seiner Seelennacktheit gezeigt hatte! Er schämte sich vor ihm und suchte seinem Blick auszuweichen, wurde argwöhnisch und belauerte Blanche, ob sie wohl etwas wisse. Ganz im tiefsten Innern war dabei der heimliche Wunsch rege, sie möchte es wissen; er würde Lux jetzt nicht mehr deshalb töten.
»Du hast doch nichts gesagt?« fragte er ihn zwei Tage später und zwang sich zu einem Ton freundlicher Vertraulichkeit.
»Was denn?« fragte Lux mit verstellter Gleichgültigkeit.
Manuel ärgerte sich.
»Das weißt du recht gut.«
»Ach das.«
Der Ton war womöglich noch gleichgültiger.
»Ich will es aber wissen!«
Manuel wurde heftig.
»Frage sie doch selbst,« gab Lux zur Antwort.
Zornig ging Manuel weg.
An diesem Tage kam ein Brief Dr. Irmlers, der eine Verlängerung seiner Reise um höchstens acht Tage ankündigte und hoffte, daß Lux den Freunden nicht lästig werden würde. Die Veranlassung zu diesem Schreiben aber war diese:
Er ist in Rom, kommt abends spät aus einer kleinen Gesellschaft, hört in einer einsamen menschenleeren Straße plötzlich einen Schrei ganz in seiner Nähe und steht im nächsten Augenblick vor einem entseelten Körper, der quer über den Bürgersteig liegt. Ein Schatten fliegt über die Straße, ein geisterblasses Gesicht wendet sich noch einmal um, und er meint im ersten Augenblicke nichts als zwei große schwarze, weit aufgerissene Augen in diesem Gesicht zu erkennen. Aber schon nahen Schritte, er wird bei der Leiche gesehen, verdächtigt, und muß mit auf die Wache. Hier gelingt es ihm bald, seine Unschuld glaubhaft zu machen. Indessen kann man ihn nicht ganz freigeben, da er den Mörder gesehen habenwill und eine ungefähre Beschreibung von ihm zu liefern imstande ist. Des einzigen Zeugen muß man sich versichern, zumal seine Angaben viel Wahrscheinlichkeit für sich haben. Seine Beschreibung paßt auf einen jungen Burschen, den man mit dem Getöteten befreundet weiß, und von dem es bekannt ist, daß er sich mit jenem gleichzeitig um ein hübsches und braves Bürgermädchen bewarb.
Vor die Frage gestellt, glaubt Dr. Irmler sich noch anderer Merkzeichen entsinnen zu können, als nur der dunklen Augen. Und alles zeigt auf jenen Freund hin. Dieser wird gefunden, festgenommen und dem Zeugen gegenübergestellt, der ihn zu erkennen glaubt. Ein anfängliches Leugnen zieht die Sache hin, aber der Unglückliche entschließt sich zuletzt zu einem Geständnis. Und wirklich ist die unselige Eifersucht das Motiv seiner Tat.
Diese Begebenheit hatte Dr. Irmler mehrere Tage gekostet, während welcher er nichtfähig war, seinen Studien nachzugehen. So war noch manches nachzuholen und eine Verlängerung seines Aufenthaltes erwünscht.
Er möchte sich nicht beeilen und sich nicht sorgen, schrieb Frau Elisabeth zurück. Lux wäre gut aufgehoben, und sie hätten ihn alle gern bei sich.
»Daß dieses hitzköpfige Volk doch immer gleich zum Messer greifen muß!« sagte ihr Gatte beim Tee, als er von dem Inhalt des Briefes erfuhr. »Und wenn es dann noch wenigstens zum ehrlichen Zweikampf schreitet. Aber ein feiger Meuchelmord aus solchem Beweggrunde, noch dazu an einem Freund, will einem schier unverständlich sein.«
»Es ist schrecklich,« erwiderte Frau Elisabeth, »wie die Leidenschaft alles verdunkelt, alle Begriffe von gut und böse auslöscht und den Menschen zum blinden Werkzeug seiner Triebe macht. Ich erinnere mich eines ähnlichen Falles aus meiner Heimat, woein sonst liebenswürdiges Schwesternpaar sich um einen jungen Mann heftig entzweite; beide getäuscht, suchten sie statt Trost in der Versöhnung Trost im Tod. Man fand beide Leichen am blühenden Sommerrain des kleinen Flusses, von den mitleidigen Wellen sanft nebeneinander hingebettet.«
So erzählte Frau Elisabeth in tiefer Ergriffenheit. Den Kindern enthielt sie diesen Teil des Briefes vor. Es schien ihr nicht ratsam, die jungen Seelen schon mit solchen Dingen zu beschweren; sie würden früh genug die Tragik des Lebens kennen oder doch wenigstens ahnen lernen. Sie sagte ihnen nur, daß Dr. Irmlers Studien seine Anwesenheit in Rom noch für einige Tage verlange.
Lux selbst war zufrieden. Die Tage gingen abwechselungsreich hin, und die leichten Schatten, die die Verstimmung zwischen ihm und Manuel auf ihre Freuden warf, bedrückten ihn nicht allzusehr.
Manuel jedoch war keineswegs erfreutüber Luxens verlängerten Aufenthalt. Acht Tage noch! Wäre doch die Zeit bald um!
Blanche aber rief einfach: »Wie schön!« obgleich es ihr keinen großen Kummer gemacht hätte, Lux schon jetzt an seinen Vater zurückzugeben.
Nun mußte es geschehen, daß Frau Elisabeth um diese Zeit von heftigen Kopfschmerzen anhaltend geplagt wurde, so daß sie sich den Kindern nicht so viel wie sonst widmen konnte. Sie überließ sie um so ruhiger sich selbst, als es ihr bisher erschienen war, daß sie in guter Kameradschaft miteinander verkehrten.
Aus dieser Ruhe sollte sie eines Tages aufgestört werden. Die Spannung zwischen den beiden Knaben hatte sich wie ein böses Geschwür weiter gefressen, das nun unerwartet aufbrach.
Blanches Geburtstag sollte, wie alljährlich, festlich gefeiert werden. Ja, man plante diesmal etwas ganz Besonderes. Das beständige schöne Wetter ließ das Gelingen eines kleinen Gartenfestes erhoffen. Ketten von Lampions sollten gezogen und eine italienische Nacht unter nordischem Himmel hergezaubert werden. Wochenlang hatte man sich schon darauf gefreut, und diese gemeinsame Vorfreude war immer wieder das Band gewesen, Auseinanderstrebendes zusammen zu halten.
Nun war der festliche Tag da, und alles stand in Erwartung eines besonderen Freudentages früher auf als sonst. Schon am Morgen kam eine Cousine Blanches, während die anderen kleinen Gäste sich erst am Nachmittag einfanden. Es war ihrer ein großer Kreis geladen worden, auchKnaben, damit es den Mädchen nicht an Tänzern fehle. Alle kleinen Freundinnen kamen in weißen Kleidern mit bunten Schleifen und Schärpen und brachten Blumen und Schokolade und kleine Geschenke mit. Alle gaben sie Frau Elisabeth mit einem zierlichen Knicks die Hand und schauten sich dann mit großen Augen im Kreise um. Die Knaben traten selbstbewußt auf, und konnten doch eine lächerliche Verlegenheit und Unbeholfenheit nicht verbergen; sie waren in der Minderzahl und hätten offenbar lieber unter sich Pferd oder Räuber und Soldat gespielt, als sich hier sittsam und kavaliermäßig zu betragen. Sie hielten sich zu Lux und Manuel und staunten diesen ebenso an, wie es die kleinen Mädchen taten.
»Wie braun er ist,« flüsterten sie untereinander.
»Er kommt nachher in unsere Schule.«
»Aber klein ist er nur.«
»Ist er nett?«, fragten sie Lux leise, und Lux sagte: »Sehr nett.«
Daß er ziemlich gut deutsch sprach, merkten sie bald, und ebenso, daß er ihnen allen an Sicherheit des Betragens überlegen war. Lux war einer von ihnen, aber Manuel war etwas Besonderes.
Manuel merkte wohl, daß er Eindruck machte, und fühlte sich geschmeichelt, denn er dachte an Blanche dabei. Ihr wollte er gefallen.
Blanche aber war anfangs noch viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt; sie war nicht ohne mädchenhafte Eitelkeit und wollte in ihrem neuen Geburtstagskleide auch gefallen. Sie sah in der Tat reizend aus. Ihre zarte, sonnige Elfenschönheit war vom Glanz heiterer Freude umstrahlt. Dazu kam das Bewußtsein, Hauptperson zu sein, und die Überlegenheit der kleinen Wirtin, die sich bei sich zuhause fühlt und glücklich ist, ihren Gästen etwas bieten zu können.
Es war ein liebliches Bild, die vielen hellen, mit farbigen Bändern geschmückten Kindergestalten sich im Garten tummeln zu sehen.Die Blumen auf den Beeten jedoch, vor allem die in vollem Flor stehenden Rosen, scheuten solche Nachbarschaft nicht, sondern behaupteten sich in schönster Pracht. Auch die kleinen bunten Papierlaternen, die ganz regungslos in der stillen Luft hingen und sich auf den Abend zu freuen schienen, wo sie ihr Licht leuchten lassen sollten, kamen schon jetzt in ihrem bunten Farbenschmuck zu hohen Ehren. Wenn sie erst brennen würden, das mußte schön sein. Doch damit sollte es noch ein wenig Zeit haben. Es waren lange, helle Abende, und die Illumination war als Abschluß des Festes gedacht.
Allerlei Spiele vertrieben indessen die Zeit. Man spielte Haschen, von Baum zu Baum und Topf schlagen. Wie gerufen fanden sich ein paar Straßenmusikanten vor dem Hause ein; man holte sie herein und improvisierte auf kurz geschorenem Rasen ein lustiges Tänzchen zu keineswegs wohlklingender Musik. Aber wer tanzen will,dem ist leicht geblasen. Die geschmeichelten Künstler befleißigten sich, ihr Bestes zu leisten, und namentlich die Klarinette gab sich alle Mühe, in diesem herrschaftlichen Kreise ehrenvoll zu bestehen.
Als sich die Leute nach drei Tänzen wieder verabschieden wollten, wollte man sie nicht weglassen. Noch einmal! noch einmal! Die kleinen Tänzer waren unersättlich.
Da besprach sich Frau Elisabeth mit den Musikanten, daß sie für eine hinreichende Entschädigung noch ein halbes Stündchen bleiben und sich zum Schluß an die Spitze einer Polonaise stellen möchten, die sich mit brennenden Papierlaternen unter den leuchtenden Lampiongewinden durch den Garten bewegen sollte. Als sie einwilligten, entstand allgemeiner Jubel, und man war einig, ein so schönes Fest noch nicht gefeiert zu haben.
Nun waren die anderen Knaben fast alle schlechte Tänzer. Auch Lux stand hierin hinter Manuel zurück. Dieser war der einzige,der eigentlich tanzen konnte, während die Kunst der anderen nicht viel mehr als ein munteres Hüpfen war. Das genügte ja nun für diese kleine Gesellschaft vollkommen. Aber die Dämchen waren doch froh, wenn der bewunderte Spanier ihnen seine Aufmerksamkeit schenkte. Die schien nun freilich einzig dem Geburtstagskind zu gelten. Schon längst hatte Lux das mit Verdruß bemerkt. Gerade den Spielkameraden gegenüber ärgerte es ihn. Was mußten sie denken. Seine Versuche, Manuel aus dem Sattel zu heben, schlugen alle fehl; Blanche schien nur für diesen da zu sein, oder sie war zu schwach oder zu ungewandt, sich seinem Einfluß zu entziehen.
Das nächtliche Geständnis Manuels hatte Lux die Augen geöffnet und seinen eigenen Gefühlen für Blanche die Unbefangenheit geraubt. Er hatte sie auch lieb, Manuel sollte sie nicht für sich allein haben.
Und wie hübsch war Blanche heute. So war sie ihm noch nie erschienen. Er hättesie bei der Hand nehmen mögen wie früher: komm Blanche, wir wollen allein spielen. Alle die anderen Mädchen beachtete er nicht. Da war eine Größere mit stillen, klugen Augen, die immer Lux suchten. Aber er merkte es nicht und sandte seine Blicke nach Blanche aus.
Mit einem Male war Blanche verschwunden. Wo war sie? Und jetzt fehlte auch Manuel.
Vergeblich sah er sich nach den beiden um; die Gesellschaft war groß genug, daß sie sich ungesehen hatten entfernen können. Lux wollte Gewißheit haben und suchte den ganzen Garten ab. Schon gab er die Hoffnung auf, sie zu finden, als sein Fuß stockte.
Waren das nicht Stimmen?
Aus dem Nußgebüsch am Bach?
Ein Flüstern?
»Blanche, süße, liebe Blanche!«
Ein Griff, und Lux riß die Sträucher auseinander.
Da saßen sie auf der niedrigen Rasenbank, und die glühende Blanche empfing die ersten, stürmischen Küsse des wilden, leidenschaftlichen Knaben.
Mit einem Schrei schreckte Lux die Selbstvergessenen auf, stürzte sich auf sie und riß Manuel weg, stieß den Erschrockenen, daß er taumelte und zu Boden stürzte.
»Lux! Lux!« rief Blanche angstvoll.
Manuel war wie eine Katze wieder aufgesprungen, und mit zornfunkelnden Augen standen sich die beiden Knaben gegenüber.
»Das sag ich nach,« keuchte Lux, atemlos vor Aufregung.
Ein Blick grenzenloser Verachtung traf ihn aus Manuels schwarzen Augen.
»Wage das nicht!«
»Alles, alles sage ich nach,« zischte Lux.
Wie ein wildes Tier schäumte Manuel auf.
»Manuel! Lux! Manuel!«
Vergeblich versuchte Blanche sich zwischen sie zu werfen. Der Augenblick war jetzt da, wo diese beiden Knaben, in deren Seelensich langsam der Haß angesammelt hatte, aneinander geraten mußten. Wie zwei Panther fielen sie sich an, packten sich und rangen miteinander, nur von dem einen Trieb beseelt, den andern unter sich zu bringen.
Es war Zufall, daß Manuel unterlag. Er stolperte und rutschte aus, fiel auf den Rücken und riß Lux über sich.
Mit weit aufgerissenen Augen, zitternd, keines Wortes mächtig, starrte Blanche auf die kämpfenden Knaben, schrie nicht auf, als Manuel fiel, starrte nur in zitterndem Schweigen auf den Kampf. Selbst der Gedanke, es ist deinetwegen, verblaßte.
Wenn sie sich nur nicht weh tun!
Diese fürchterlichen Knaben!
Wie wild sie immer gleich sind!
Sie kennt Lux kaum wieder. Wie verrückt hämmert er auf Manuel los. Sie kann es nicht mehr mit ansehen und stürzt hinaus.
Da folgt ihr ein kurzer Schrei.
Lux taumelt ihr nach, die Hand auf der Brust.
»Blanche!«
Es klingt röchelnd, aus tiefster Angst heraus. Totenblaß ist Lux, taumelt hinter sich, dreht sich um, greift in die Luft und fällt mit einem dumpfen Aufschlag zu Boden.
Blut!
Es rinnt über seine Bluse, ein feiner, roter Streifen.
Da kreischt sie laut auf und stürzt weg, und ihr Kreischen schreckt die Tanzenden auf und macht die Musik verstummen.
Hinter ihr teilt sich das Gesträuch, und Manuel, das Messer noch in der krampfhaft geballten Faust, steht starr vor Lux. Aller Haß, aller Zorn ist aus den schwarzen Augen verschwunden; entsetzt, mit leeren Blicken sehen sie wie auf etwas Rätselhaftes.
So findet man die beiden Knaben. Die Musikanten, der ganze Kinderschwarm, alles drängt sich herzu.
Lux atmet noch. Sein Gesicht ist schneeweiß, und die geschlossenen Lippen zucken.
Einer der Musikanten, der Fagottbläser, ein großer Mensch mit einem roten Gesicht, nimmt ihn auf die Arme und trägt ihn ins Haus.
Frau Elisabeth, mit dem willenlosen Manuel an der Hand, folgt. Sie schickt die kleinen Gäste nach Hause, und das schöne Fest findet ein jähes schreckliches Ende.
Kein Wort ist aus Manuel herauszubringen, so sehr auch Frau Elisabeth in ihn dringt. Aber er wirft sich ihr zu Füßen und bleibt unter heftigem Schluchzen liegen, bis man ihn gerührt, erschüttert, aufhebt und auf sein Bett legt.
Als der Vater vom Kontor nach Hause kam, hatte Blanche bereits alles gebeichtet, unter strömenden Tränen. Die Gatten verharrten in dumpfem Schweigen gegeneinander. Wie sollten sie sich über das unselige Geschehnis auslassen. Erst nach und nach sprachen sie sich aus. Sie gedachten jenes römischen Briefes als einer Warnung, die sie nicht verstanden hatten, und machtensich Vorwürfe. Hätte nicht ein solches Beispiel, wohin ungebändigte Leidenschaft führt, auf Manuel Eindruck machen und das Schreckliche verhüten können?
Eine Depesche eilte nach Rom, und schon am dritten Tage saß Dr. Irmler gebrochen am Bett seines Knaben. Man hatte Lux noch nicht umbetten können; doch gab der Arzt Hoffnung, daß es sich in den nächsten Tagen ermöglichen ließe. Direkte Lebensgefahr war nicht vorhanden, aber der Kranke bedurfte der sorgsamsten Pflege und äußersten Schonung. Der linke Lungenflügel war durch den Stich der kurzen Taschenmesserklinge verletzt worden. Die Heilung war sicher, wenn sie in Ruhe, ohne Störung vor sich gehen konnte.
Dr. Irmler, so dicht vor den Verlust seines einzigen Glückes gestellt, wollte doch die Selbstanklagen der Freunde nicht gelten lassen und war weit davon entfernt, ihnen irgend einen Vorwurf zu machen. Wie hätten sie ein solches Unglück verhüten wollen?Was hätte sie bei der großen Jugend der Kinder auf die rechte Spur führen sollen, auf den Gedanken, daß sich hier in diesen jungen Seelen eine Tragödie vorbereite?
Manuel war freilich als leidenschaftliches Kind bekannt, aber doch auch als ein edelveranlagter Charakter wiederholt erprobt worden. Sein tiefer Schmerz jetzt, sein völliges Zusammenbrechen entwaffnete jeden Zorn und rührte die Herzen. Man empfand tiefes Mitleid mit ihm und verschonte den Beklagenswerten mit unnützen Vorwürfen.
Frau Elisabeth hatte ihn auf seinem Zimmer aufgesucht, nachdem sie von Blanche gehört, wie alles gekommen. Er lag mit dem Kopf auf dem Tisch und wagte nicht aufzusehen. Sie trat an ihn heran, legte ihre Hand leise auf seinen dunklen Scheitel und sagte ernst, doch ohne Vorwurf:
»Ich weiß nun alles, Manuel. Wir wollen Gott danken, daß es nicht schlimmer ausgelaufen ist.«
Er tastete nach ihren Händen, überströmte sie mit Tränen und bedeckte sie wieder und wieder mit Küssen. Sie ließ es ruhig geschehen; es würde ihm gut tun. Endlich entzog sie sich ihm leise.
»Fasse dich nun, mein Junge,« sagte sie fast zärtlich. »Wir haben dir alles verziehen. Du wirst zu deinem Vater zurück müssen, und alles, was gewesen, wird wieder gut werden. Und nun gib mir die Hand und versprich mir, daß du immer dein Herz und deine Hand hüten willst.«
Er gab ihr leidenschaftlich die Hand und wollte sich wieder über die ihre neigen, doch sie faßte ihm mit der Linken unters Kinn, hob sein Gesicht ein wenig zu sich empor und küßte ihn mütterlich auf die Stirne.
Als sie die Tür hinter sich geschlossen hatte, hörte sie ihn wieder laut aufschluchzen. Sie glaubte diese Knabenseele zu verstehen: Manuels Tränen galten ebenso sehr Blanche, von der er sich jetzt trennen sollte, als Lux und der Reue. Das erste heiße Feuerin einer erwachenden Kinderseele; helle, hohe Flammen, heftig auflodernd, als wollten sie die Welt in Brand stecken, und dann ein ebenso jähes Erlöschen.
Um Blanche und Lux war sie ein wenig in Sorge, welchen Einfluß dieses Erlebnis auf ihre jungen Seelen haben würde. Auch dachte sie darüber nach, wie weit sie Blanche Vorwürfe zu machen hätte. Jedes Wort zu viel könnte schaden statt nützen. Blanche war doch noch ein ganzes Kind, harmlos, wenig fest, und leicht zu bestimmen. Frau Elisabeth wußte schon die Antwort voraus, als sie sie fragte, wie sie dazu gekommen wäre, ihre Gäste einfach zu verlassen und mit Manuel zu gehen.
»Er wollte es ja durchaus.«
»Und du weißt nicht, daß sich das nicht schickt? Wäret ihr bei den anderen geblieben, so wäre alles nicht geschehen. Das war sehr unrecht von dir. Du siehst, was für ein Unglück aus solchen Kindereien entstehen kann.«
Frau Elisabeth hielt es für das richtigste, Blanche gegenüber diesen Ausdruck zu gebrauchen: Kindereien. Blanche freilich war wenig geneigt, es als Kindereien zu nehmen. Sie kam sich sogar sehr wichtig vor. Schade, daß noch Ferien waren; am liebsten wäre sie morgen in die Schule gegangen, um zu hören, was die Freundinnen sagten.
Natürlich tat Lux ihr furchtbar leid. Und wie traurig Dr. Irmler aussah. Aber Lux würde ja nicht sterben. Sie wußte, was der Arzt gesagt hatte. Und sie wollte auch jeden Abend beten, daß der liebe Gott Lux doch wieder gesund werden ließe.
Am meisten waren ihre Gedanken natürlich bei Manuel. Der kam nicht von seinem Zimmer, und sie sah und hörte nichts von ihm. Sie wollte die Mutter nach ihm fragen, wagte es aber dann doch nicht. So spionierte sie herum, ob sie nicht irgendwo etwas von ihm erhaschen könne.
Sie war in Angst um ihn. Ob er wohl bestraft werden würde? Er durfte nichtstechen. Lux hatte allerdings angefangen. Was ging es den überhaupt an? Und wie hatte er auf Manuel losgeprügelt. Der konnte sich ja garnicht anders wehren, noch dazu, da er gefallen war und unter Lux lag.
Vier Tage später fuhr ihr Vater mit dem kleinen Spanier weg, ohne daß Blanche ihn wieder gesehen hatte. Manuel ist wieder zu seinem Papa gefahren, hieß es, er läßt dich freundlich grüßen.
Das fand sie empörend. So abzureisen, ohne ihr Adieu gesagt zu haben!
Ob er nie wieder kommen würde?
Sie wagte nicht, danach zu fragen. Aber sie sagte sich, daß sie ihn zum letzten Mal gesehen hatte, daß er für immer weg war.
Und nicht das kleinste Andenken an ihn besaß sie. Sie wußte, er hatte ein altes Schreibheft von ihr, ein paar Haarbänder und ein Stückchen von ihrer roten Geburtstagsschärpe, das er sich selbst abgeschnitten hatte. Aber sie besaß nichts von ihm, garnichts. Zum Geburtstag hatte er ihr einen Kasten mit feinsten Bonbons geschenkt. Sie hatte sich sehr gefreut, aber die Freundinnen hatten nachher die meisten aufgenascht. Ein paar waren noch nachgeblieben, die wollte sie aufheben. Eine Stunde später aber erschien es ihr doch pietätvoller, sie so zu verwenden, wie Manuel es gewollt hatte. Und sie setzte sich ans Fenster, nahm das Kästchen vor sich auf den Schoß und schob einen Bonbon nach dem anderen in ihren kleinen Mund und zerlutschte ihn mit Hingebung. Ihre Gedanken waren dabei gar nicht einmal bei Manuel, sondern ganz bei der Sache: der schmeckte nach Himbeeren, der nach Pfeffermünz, und das war Kakaobutter!
Und ihre Blicke schweiften dabei träumerisch über den Garten bis zu den hohen Bäumen, die die Wiese jenseits des Bächleins einfaßten und auf deren Wipfeln die leuchtende Sonne eines ersten heißen Augusttages lag.
Manuel war abgereist, und Lux war umgebettet worden. Blanche war wieder allein im Hause, in dem das Leben wie früher verlief, nur um ein weniges gedämpfter. Sie war zu lange durch die Spielkameraden verwöhnt worden und langweilte sich nun manchmal. Mit Lux würde sie wohl sobald nicht spielen können. Zwar war er außer Gefahr und ging der Genesung entgegen. Aber es ging langsam. Er mußte wohl noch ein paar Wochen ruhig im Bette verbringen. Sie hörte täglich von ihm, aus dem Gespräch der Eltern, und einmal hatte er sie auch grüßen lassen. Ihr Verlangen, ihn zu sehen, war nicht übermäßig groß; es war mehr Neugierde, die sie gern befriedigt hätte, als eigentliche Teilnahme. Er würde schon wieder besser werden, und dann würden sie im Garten wieder zusammentreffen,und sie würde sich erst ein wenig vor ihm schämen, und dann würde alles wie früher sein.
Als Lux soweit war, daß er Besuch empfangen durfte, schickte Frau Elisabeth Blanche mit ein paar Blumen hinüber. Es war Blanche fürchterlich, und sie hätte am liebsten nein gesagt: doch trotzen durfte sie nicht.
Sie ging also zu Irmlers, konnte es aber nicht über sich gewinnen, zu Lux hineinzugehen. Sie gab die Blumen der alten Magdalene und log, ihre Mutter habe gemeint, sie solle Lux lieber noch nicht guten Tag sagen. Natürlich mußte die Unwahrheit herauskommen, und Frau Elisabeth war sehr böse und schickte sie zur Strafe auf ihr Zimmer.
Jetzt vertrotzte sich Blanche.
»Wenn sie mich wieder hinschicken, gehe ich nicht.«
Frau Elisabeth war solche Widersetzlichkeit bei ihr nicht gewohnt. Sie war überrascht und überlegte, ob es nur kindischerTrotz sei, oder ob andere Beweggründe dahinter stecken könnten. Berechtigte Auflehnung mit Gewalt zu brechen, gehörte nicht zu ihren Erziehungsgrundsätzen. Drum sagte sie nur:
»Ich wundere mich über dich, Blanche, und bin sehr traurig. Ich hoffe, du besinnst dich und siehst ein, daß der arme Lux ein Anrecht auf ein freundliches Wort von dir hat.«
Diese Worte machten wohl einigen Eindruck auf Blanche, aber brachen doch ihren Trotz nicht.
»Ich wünsche, daß du jetzt hinüber gehst,« befahl Frau Elisabeth nach ein paar Tagen. »Hier sind Orangen, die werden Lux erfreuen. Komm, ich werde dich begleiten.«
Sie nahm Blanche bei der Hand und ging mit ihr ins Nachbarhaus. Das Kind war blaß und schwankte zwischen Trotz und Tränen. Die alte Magdalene lächelte gutmütig und rief:
»Ei, wird der Lux sich aber freuen, daßdu kommst. Und die schönen Orangen! Da geh nur gleich zu ihm hinein. Gerade Orangen sind so gut für ihn.«
Das war freilich alles mit Überlegung gesagt und mit Frau Elisabeth unter einer Decke gespielt. Aber es ermunterte Blanche doch und machte ihr einigen Mut, als ihre Mutter sie nun einfach ins Krankenzimmer schob und die Türe hinter ihr schloß.
Da stand sie, ihr Körbchen Orangen in der Hand, mitten im Zimmer und sah verlegen und hilflos auf Lux, der sie mit großen Augen anleuchtete. Sie hätte kein Wort herausgebracht, wenn nicht er das Schweigen gebrochen hätte.
»Blanche! Du?« rief er.
Es lag ebenso viel Überraschung als Freude darin.
Da trat sie näher, und ihre Stimme zitterte, als sie sagte:
»Ich wollte doch mal sehen, wie es dir geht.«
»Danke, ganz gut! Der Doktor meint, ich würde wohl bald wieder aufstehen dürfen.«
Sie sagte nichts darauf, sondern stand mit ihrem Körbchen dicht vor seinem Bett, und sah ihn mit verlegenem Lächeln neugierig an, musterte das Bett, die Wand, die Bilder daran, und dachte endlich an die Orangen.
»Die soll ich dir geben,« sagte sie.
»O wie schön!« rief Lux. »Danke, Blanche!«
Und er nahm das Körbchen und stellte es vor sich auf die Decke.
»Willst du dich nicht hinsetzen?« fragte er.
Sie setzte sich auf einen Stuhl vor seinem Bett und sah bald das Körbchen, bald den Kranken an, während Luxens Augen still auf ihrem Gesicht ruhten, mit einem gespannten Ausdruck, als erwarte er ein Wort von ihr.
Es war merkwürdig, wie wenig sie sich zu sagen hatten. Endlich fragte sie:
»Tut es noch weh?«
»Manchmal. Aber nur ein ganz klein wenig.«
Sie wurde mit einmal blutrot. Es war ihr, als müsse sie sich schämen, als wäre sie selbst es, die ihn gestochen hätte. Wie dumm! Sie konnte doch nichts dafür.
Er aber dachte: »Warum wird sie so rot? Es ist doch nicht ihre Schuld.«
In diesem Augenblick wurde die Tür leise aufgemacht und gleich wieder geschlossen. Blanche nahm das als Zeichen, abbrechen zu müssen. Sie erhob sich und gab ihm ungelenk die Hand.
»Adieu, Lux!«
»Adieu, Blanche! Ich danke dir auch. Willst du so gut sein und sie auf den Tisch stellen?«
Sie stellte die Orangen auf den Tisch und nickte ihm noch einmal zu.
»Adieu, Lux!«
Dann schloß sich die Tür hinter ihr.
»Nun, hat Lux sich nicht gefreut?« fragte Frau Elisabeth.
»Ja, sehr,« antwortete Blanche.
»Siehst du? Und du wolltest nicht zu ihm gehen.«
»Das wollte ich schon, aber nicht so schnell.«
Blanche war froh, den ersten Besuch hinter sich zu haben; nun würde es ihr leichter werden, wieder hinzugehen. Ob er wirklich nur wenig Schmerzen mehr hätte? Er sah doch noch sehr blaß aus. Das tat er freilich immer. Aber doch nicht so furchtbar blaß wie jetzt. Ob er wohl ganz wieder besser würde? So ganz und gar wie früher?
Dr. Irmler sagte abends zu ihrer Mutter, daß Lux sich sehr über den Besuch von Blanche gefreut habe, und er sagte es auch ihr selbst:
»Komm nur recht oft, Lux wird sich immer freuen. Er liegt so allein.«
Sie war fast glücklich. Wenn er sich wirklich freute, wollte sie ja gern zu ihm gehen; meinetwegen jeden Tag.
»Vielleicht nimmst du ein Buch mit,« sagte Frau Elisabeth.
Und sie ging am nächsten Tag mit einem Buch zu ihm.
»Soll ich dir etwas vorlesen?« fragte sie.
»Wenn du willst!«
Seine Augen leuchteten auf und sprangen von ihrem Gesicht auf das Buch über.
Sie sah die Frage in seinem Blick.
»Andersens Märchen,« sagte sie. »Magst du das auch hören?«
»Ja, gern. Lies nur, was du willst, Blanche; es ist alles hübsch.«
Er legte sich in die Kissen zurück, und sie blätterte noch ein wenig, obgleich sie sich schon für die Geschichte von der kleinen Seejungfrau entschieden hatte, und fing endlich an:
»Weit hinaus im Meere ist das Wasser so blau wie die Blätter der prächtigen Kornblume und so klar wie das reinste Glas, aber es ist außerordentlich tief, tiefer als irgend ein Ankertau reicht. Viele Kirchtürme müßten übereinander gestellt werden, um vom Grunde bis über das Wasserhervor zu reichen. Dort wohnt das Meervolk.«
Ihre Stimme war wie das Klingen kleiner Wellen, wie ihr leises Rauschen und Plätschern am Strande. Und ihr eigenes Bild verfloß ihm mit dem der jüngsten Meertochter.
»Sie war doch die Schönste von allen, ihre Haut war so durchsichtig und zart wie ein Rosenblatt, ihre Augen so blau wie das tiefste Meer, aber wie alle die anderen hatte sie keine Füße, der Körper ging in einen Fischschwanz aus.«
Und Blanche saß so vor seinem Bett, daß er ihre Füße nicht sah, und er lächelte ganz heimlich bei dem Gedanken und schloß die Augen.
Sobald sie ihre fünfzehn Jahre erreicht hatte, sollte die kleine Meerprinzessin Erlaubnis haben, aus dem Meere empor zu tauchen, im Mondschein auf der Klippe zu sitzen und die großen Schiffe sich anzusehen, die vorbei segeln.
Blanche war nun vierzehn. Ein Jahr noch, so dachten sie beide, obgleich Blanche doch keine Meerjungfrau war, die sich sehnte, empor zu tauchen und auf Klippen zu sitzen. Aber je weiter sie lasen, je mehr nahm Blanche die Gestalt der jüngsten Prinzessin an, sowohl für Lux, wie für sich selbst.
So knüpfte das Buch ein neues Band zwischen ihnen. Lux hatte nicht geglaubt, daß er noch soviel Geschmack an Märchen fände. Und gerade diese kannte er ja alle schon. Aber wie neu klangen sie aus dem Munde der kleinen Blanche, die mit geröteten Wangen und leuchtenden Augen auch das Nebensächlichste mit so großer Wichtigkeit und herzlicher Betonung las. Sie hatte einen lieblichen, singenden Klang in der Stimme und las so sicher und fließend und versprach sich nicht ein einziges Mal. Doch! Als sie las, wie die Störche nach Afrika zogen, da versprach sie sich sogar zweimal hintereinander. Das machte, siedachte dabei an Manuel und an dessen Heimat, an die Brandung in dem Hafen von Tanger und an die braune Nushat. Und dabei versprach sie sich, und Lux mußte lachen.
Aber Manuels Name wurde nie wieder zwischen ihnen genannt.
Schade, daß die Ferien zu Ende gingen. Blanche würde nun nicht jeden Tag kommen können. Die Schule nahm viele Stunden des Tages in Anspruch, die Schule und die Hausarbeiten. Aber Lux würde ja auch bald ganz gesund sein, und dann würden sie wieder zusammen im Garten spielen.
Und dann kam sie das letzte Mal mit dem Buch, und Lux bat: »Lies noch mal das Märchen von der Nachtigall.«
Und sie las noch einmal das Märchen von der Nachtigall, und Lux hörte fast die ganze Geschichte mit geschlossenen Augen an, während ein glückliches Lächeln auf seinem Gesicht lag.
Frau Elisabeth war sehr froh, daß Blanche so bald vergaß, und legte es ihr nicht als Oberflächlichkeit aus. Das Kind lebt dem Tage und soll ihm leben. Seine kleinen Leiden überwindet es schnell und öffnet mit jedem neuen Tag sich wieder der Sonne; wie die Blume am Abend ihren Kelch schließt und ihn am Morgen in Reinheit und Frische wieder auftut. Und sie meinte, man solle das Kind in diesem auf das nächste, auf die Gegenwart gerichteten Wesen nicht stören und man solle froh sein, wenn ihm der Tag alles ist und das Gestern nichts mehr gilt. Die Wandlung kommt leise von selbst, und stete Sorge für eine rechte Gemütsbildung verhindert die Oberflächlichkeit.
Für Lux war sie in dieser Beziehung nicht bange. Ihre eigene Beobachtung undviele kleine Züge, die Dr. Irmler ihr erzählt hatte, sprachen dafür, daß er ein reiches Innenleben führte.
Wenn Lux mit keinem Wort nach Manuel fragte, so war es nur Scheu, einen Namen zu nennen, der in jedermann schmerzliche Erinnerung erwecken mußte. Hörte er doch auch von den Erwachsenen Manuels nie erwähnen, so daß es war, als wäre sein vorübergehender Aufenthalt unter ihnen nur ein Traum gewesen.
Nun war Manuel keineswegs so vergessen, als es den Anschein hatte. Blanches Vater blieb nach wie vor in Geschäftsverbindung mit Herrn Negros, und es kam Nachricht von dem weiteren Ergehen des kleinen Spaniers auf dem Weg über das Kontor ins Haus. Ja von ihm selbst gelangte ein für seine Jahre reifer und doch auch wieder kindlicher Brief in Frau Elisabeths Hände:
»Ich denke jeden Tag und jede Nacht an Sie und an Blanche und an Lux undbete für sie alle. Und ich bin sehr böse auf mich, daß ich ihnen so weh getan habe und daß ich nun nie mehr zu ihnen zurück kann. Grüßen Sie Blanche, ich werde sie nie vergessen. Und grüßen Sie auch Lux. Er soll mir schreiben, daß er mir nicht mehr böse ist. Ich habe auch hier gute Menschen gefunden, aber ich werde Sie nie vergessen können.«
Sie schrieb ihm gütig zurück und bestellte ihm Grüße von Blanche und auch von Lux, der noch nicht selbst schreiben dürfe, aber es ginge ihm besser, und er dächte nur noch freundlich an ihn.
Ob sie recht daran tat, den Kindern Manuels Grüße vorzuenthalten? Sie überlegte lange und kam zu dem Entschlusse, daß es besser sei. Blanche schloß sich eben in alter Weise wieder an Lux an, in harmloser Kameradschaft; das wollte sie nicht stören.
Es war in den ersten Tagen des September, daß Lux zum ersten Male in den Garten gehen durfte. Er war völlig wiederhergestellt.Aber er trug noch die Farbe des Krankenzimmers. Doch der Spätsommer war so schön, wie er selten war, und die Sonne hatte noch Kraft genug, kranke Wangen zu bräunen. Die Bäume standen still und früchteschwer, auf den Beeten dufteten Goldlack und Levkojen, und Dalien und Georginen blühten üppig und farbenprächtig am Wege.
Hand in Hand gingen Lux und Blanche auf den sonnigen Steigen durch all die reife, satte Sommerpracht zu ihrem Lieblingsplätzchen. Hier schwellten am Strauch die grünen Haselnüsse. Kaum merklich stockte ihr Fuß, und sie gingen verstummend vorüber.
Das Bächlein, das im Hochsommer oft ein armseliges Rinnsal gewesen, lief wasserreich vorbei und lockte sie. Sie setzten sich auf die Stufen, die hinabführten, und sahen bis auf den klaren Grund. Da lag, halb übersandet, ein verrostetes, offenes Taschenmesser. Sie sahen es beide zugleich.
»Das ist es!« rief Blanche und reckte den Hals noch weiter vor.
»Soll ich es holen?« fragte sie.
»Ich darf es nicht!« sagte Lux. »Aber laß es doch. Was willst du damit?«
»Nein, ich hole es.«
Sie legte Schuhe und Strümpfe ab, und watete in das klare Wasser hinein; es ging ihr fast bis an die Knie. Sie streifte die Ärmel hoch, als sie sich nach dem Messer bückte, und ihr goldenes Haar fiel ihr wie ein goldener Schleier vors Gesicht.
Sie bemühte sich, das Messer zu schließen; doch vergeblich.
»Gib her,« sagte Lux, tat, als ob er es auch versuche, besann sich einen Augenblick und schleuderte es weit weg.
»Du kannst dir Blutvergiftung damit zuziehen,« sagte er.
Sie sah ihn unwillig an, beruhigte sich aber doch; was wollte sie auch mit dem alten verrosteten Messer.
»Möchtest du wohl, daß Manuel wiederkommt?« wollte sie fragen, dachte aber noch rechtzeitig, daß sie ihn das kaum fragen dürfe. Er aber, als hätte er ihre unterlassene Frage dennoch verstanden, sagte:
»Es ist doch viel besser so, – jetzt – –«
»Aber nett war er doch,« sagte Blanche nachdenklich.
Durch den Garten zitterten die dumpfen Töne eines Gong.
Langsam erhoben sie sich und gingen dem Hause zu, diesmal nicht Hand in Hand.
Blanche schlenderte etwas vorauf. Unter einem jungen Apfelbaum blieb sie stehen.
»Sieh mal!« rief sie bewundernd und wandte sich halb zurück.
An einem niederhängenden Zweig saß an der äußersten Spitze ein schöner, wachsglänzender, rotbackiger Frühapfel.
Sie streckte die Hand danach aus, blieb einen Augenblick so auf den Zehenspitzenstehen, und drehte leise an der schönen Frucht.
Plötzlich löste sich der Apfel und blieb in ihrer Hand.
»Ach!« rief sie und errötete vor Schreck.
Doch schnell entschlossen gab sie den Apfel Lux.
»Da!«
Sollte er ihn zurückweisen?
Zögernd nahm er ihn und ließ ihn ohne ein Wort in seine Tasche verschwinden.
»Blanche! Blanche!« klang die helle Stimme Frau Elisabeths vom Hause her.
»Gleich!« rief Blanche zurück. »Ich komme schon! Adieu, Lux!«
Sie nickte ihm zu und sprang leicht den Steig herauf.
Lux blieb an der kleinen Pforte zurück und sah ihr nach; die Hand in der Tasche spielte dabei mit dem Apfel. Ein leises Leuchten lag auf dem schmalen, blassen Knabengesicht; und Lux wandte sich nicht eher weg, als bis das weiße Kleid der zierlichenBlanche in der Nähe des Hauses verschwand, in dessen Fenstern des Mittags rote Rosen blühten.
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Der Text des Originalbuches wurde grundsätzlich beibehalten, einschließlich uneinheitlicher Schreibweisen, mit folgenden Ausnahmen,
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