Chapter 2

Trinculo. Hier ist weder Busch noch Gesträuch, worunter einer sich verkriechen könnte, und ein neuer Sturm ist im Anzug; ich hör ihn im Winde sausen; jene schwarze grosse Wolke wird alle Augenblike wie mit Eymern herunterschütten. Wenn es noch einmal so donnert wie vorhin, so weiß ich nicht, wo ich meinen Kopf verbergen soll— Ha! was giebts hier—Mensch oder Fisch! todt oder lebendig? es ist ein Fisch, es riecht wie ein Fisch, ein verflucht mooßichter fischmäßiger Geruch—ein wunderseltsamer Fisch. Wär' ich izt in England, wie ich einst drinn war, und hätte diesen Fisch nur gemahlt, kein Feyrtags-Narr ist dorten, der mir nicht ein Silberstük dafür gäbe, wenn ich ihn sehen ließ. Dort würde diß Ungeheuer für einen Menschen passiren; eine jede abentheurliche Bestie passirt dort für einen Menschen;* wenn sie nicht einen Pfenning geben, einen lahmen Bettler aufzurichten, so geben sie zehne, um einen todten Indianer zu sehen—Füsse wie ein Mensch; und seine Floßfedern wie Arme! Warm, bey meiner Treu! Ich denke bald, es wird wohl kein Fisch seyn: es ist, denk ich, ein Insulaner, den der lezte Donnerschlag zu Boden geschlagen haben wird. Au weh, das Ungewitter ist wieder da. Das beste wird seyn, ich krieche unter seinen Regenmantel; es ist sonst nirgends kein Ort zu sehen, wo man im troknen seyn könnte. Die Noth kan einen Menschen mit seltsamen Bettgesellen bekannt machen. Ich will mich hier zusammenschrumpfen, bis der ärgste Sturm vorbey ist.

{ed.-* Ich kan mich nicht erwehren zu denken, daß unsre Landsleute diese Satyre wohl verdienen, da sie allezeit so bereitwillig gewesen, die ganze Zunft der Affen zu naturalisiren, wie ihre gewöhnlichen Namen zu erkennen geben. So kommt (Monkey), nach der Etymologisten Anmerkung von (Monkin, Monikin), ein Männchen, her; (Baboon) von (babe), Kind, soviel (weil die Endigung in (oon) eine Vergrösserung andeutet) als ein grosses Kind, (Mantygre), ein Mensch-Tyger. Und wenn sie ihre Namen aus ihrem Vaterlande mitgebracht haben, wie (Ape), so hat das gemeine Volk sie gleichsam getauft, durch den Zusaz (Jackan-Ape,) Hans-Aff. Warbürton.}

(Stephano tritt singend auf.)

Stephano.

(Singt das Ende eines Matrosen-Liedleins.)

Das ist eine verzweifelt melancholische Melodie, das liesse sich gut an einem Leichbegängniß singen. Aber hier ist mein Trost.

(Er trinkt, und singt wieder.)

Das ist auch eine schwermüthige Melodie; aber hier ist mein Trost.

(Er trinkt.)

Caliban.Quäle mich nicht, oh!

Stephano. Was giebts hier? haben wir Teufels hier?** Wollt ihr uns mit wilden und indianischen Männern in einen Schreken jagen? ha! ich bin dem Ersauffen nicht entgangen, um mich vor euern vier Füssen hier zu fürchten—

{ed.-** Diese Stelle soll vermuthlich die abgeschmakten Fabeln in des alten Ritter (Maundeviles) Reisebeschreibung lächerlich machen, der unter anderm erzählt, (to have traveled thro' an enchaunted Vale, clepen the vale of Develes, which vale is alle fulle of Develes—and Men seyne there, that it is on of the entrees of Helle.)—"Er sey durch ein bezaubertes Thal gereist, das Thal der Teufel genannt, welches Thal voller Teufel sey, und die Leute sagen, es sey einer von den Eingängen in die Hölle." Eben dieser Autor hat in seinen Nachrichten von wilden Männern und Indianischen Menschen alle die Fabeln des Plinius von Menschen mit langen Ohren, einem Auge, einem Fuß ohne Kopf u. dergl. ausgeschrieben, und so davon gesprochen, als ob er sie selbst gesehen habe. Warbürton.}

Caliban.Der Geist quält mich, oh!

Stephano. Das wird irgend ein vierbeinichtes Ungeheuer aus dieser Insel seyn, das hier das Fieber gekriegt hat—Aber wie zum Teufel hat es unsre Sprache gelernt? Ich will ihm eine kleine Herzstärkung eingeben, und wenn es auch nur darum wäre, weil es italienisch spricht. Wenn ich es wieder zu rechte bringen, zahm machen, und nach Neapel mit ihm kommen kan, so ist es ein Präsent für einen so grossen Kayser, als jemals einer auf Kühleder getreten ist!

Caliban. Quäle mich nicht, ich bitte dich; ich will mein Holz ein andermal bälder heimbringen.

Stephano. Er ist izt in seinem Paroxismus, und redt nicht zum gescheidtesten; er soll meine Flasche kosten. Wenn er noch niemals Wein getrunken hat, so wird es nahe zu sein Fieber vertreiben; wenn ich ihn wieder zurecht bringen und zahm machen kan, so will ich nicht zuviel für ihn nehmen; er soll für den zahlen, der ihn hat, und das wie sichs gehört.

Caliban. Bisher hast du mir doch nicht viel leids gethan; aber izt wirst du's thun müssen; ich spüre an deinem Zittern, daß Prospero auf dich würkt.

Stephano. Kommt hervor, macht euer Maul auf; hier ist etwas das dir die Sprache geben wird, Meerkaze; macht euer Maul auf! das wird eure Fröste wegschütteln, ich kan's euch sagen, und das wie sich's gehört; es weiß einer nicht, wo er von ungefehr einen guten Freund findt; die Kinnbaken auf, noch einmal!

Trinculo. Ich sollte diese Stimme kennen—ich denk', es ist—Aber er ist ertrunken, und das sind Teufels—O heiliger Sanct—

Stephano. Vier Füsse und zwoo Stimmen, das ist ein recht feines Ungeheur; seine fordere Stimme spricht gutes von seinem Freund; seine hintere Stimme stößt böse Reden und Verläumdungen aus. Ich will ihm von seinem Fieber helfen, und wenn aller Wein in meiner Flasche drauf gehen sollte. Komm, Amen! ich will dir etwas in dein Maul giessen —

Trinculo.Stephano—

Stephano.Ich glaube dein andres Maul ruft mich; Barmherzigkeit!Barmherzigkeit! das ist ein Teufel und kein Monster: ich will ihngehn lassen, ich habe keinen langen Löffel.

Trinculo.Stephano, wenn du Stephano bist; so rühre mich an, und sag es mir;denn ich bin Trinculo, fürchte dich nicht, dein guter FreundTrinculo.

Stephano. Wenn du Trinculo bist, so komm hervor, ich will dich bey den dünnern Beinen ziehen, wenn hier welche Trinculo's Beine sind, so müssen es diese seyn. Du bist würklich Trinculo, in der That. Wie kamst du dazu, der Siz von diesem Mondkalb zu seyn?

Trinculo. Ich bildete mir ein, er sey vom Donner erschlagen. Aber wie, bist du nicht ertrunken, Stephano? Ich will nun hoffen, du seyst nicht ertrunken; ist der Sturm vorbey? Ich verbarg mich unter des todten Monkalbs Regenmantel aus Furcht vor dem Sturm; und lebst du noch Stephano? O Stephano, zween Neapolitaner entronnen!

Stephano. Ich bitte dich, dreh mich nicht so herum, mein Magen ist noch nicht wieder am rechten Ort.

Caliban. Das sind hübsche Dinger, wenn es keine Kobolde sind; das ist ein braver Gott, und trägt ein himmliches Getränk bey sich; ich will vor ihm niederknien.

Stephano. Wie bist du davongekommen? Wie kamst du hieher? Schwöre bey dieser Flasche, wie kamst du hieher? ich rettete mich auf einem Faß voll Sect, den die Matrosen über Bord geworfen hatten; das schwör' ich bey dieser Flasche, die ich mit eignen Händen aus der Rinde eines Baums gemacht habe, seit der Zeit, da ich ans Land geworfen wurde.

Caliban.Ich will auf diese Flasche schwören, daß ich dein getreuerUnterthan seyn will; denn der Saft ist nicht irdisch.

Stephano.Hier, schwör dann—Wie wurdest du errettet?

Trinculo. Ich schwamm ans Ufer, Mann, wie eine Ente; ich kan schwimmen wie eine Ente, das schwör' ich!

Stephano. Hier, küß das Buch; wenn du schwimmen kanst wie eine Ente, so kanst du trinken wie eine Gans.

Trinculo. (Nachdem er einen Zug aus der Flasche gethan:)O Stephano, hast du noch mehr dergleichen?

Stephano.Das ganze Faß, Mann. Mein Keller ist in einem Felsen an der Meer-Seite. Wie stehts, Mondkalb, was macht dein Fieber?

Caliban.Bist du nicht vom Himmel herunter gekommen?

Stephano.Aus dem Mond, das versichr' ich dich; es war eine Zeit, da ich derMann im Mond war.

Caliban. Ich habe dich drinn gesehen; und ich bete dich an; meine Mutter zeigte dich mir, dich und deinen Hund und deinen Busch.

Stephano. Komm, schwör auf diß; küß das Buch; ich will es bald wieder mit einem neuen Inhalt versehen; schwöre!

Trinculo. Beym Element, das ist ein recht abgeschmaktes Ungeheuer! Ich sollt es fürchten? Ein recht abgeschmaktes Ungeheuer! Der Mann im Mond? ein höchst dummes leichtgläubiges Ungeheur!—Ein guter Zug, Ungeheuer! in vollem Ernst.

Caliban. Ich will dir jeden fruchtbaren Plaz in der Insel zeigen, und ich will dir die Füsse küssen; ich bitte dich, sey mein Gott.

Trinculo.Beym Element, ein höchst treuloses besoffenes Ungeheuer; wenn seinGott eingeschlafen seyn wird, wird er ihm die Flasche stehlen.

Caliban.Ich will dir die Füsse küssen; ich will schwören, daß ich deinUnterthan seyn will.

Stephano.So komm dann, auf den Boden nieder, und schwöre!

Trinculo. Ich werde mich noch über dieses puppenköpfige Ungeheuer zu tode lachen! ein höchst schwermüthiges Ungeheuer! ich hätte gute Lust, ihn eins abzuprügeln—

Stephano.Kom, küsse!

Trinculo.Wenn das arme Ungeheuer nicht besoffen wäre; ein vermaledeytesUngeheuer!

Caliban. Ich will dir die besten Quellen zeigen; ich will dir Beeren pflüken, ich will für dich fischen, und dir Holz genug schaffen. Daß die Pest den Tyrannen dem ich diene! Ich will ihm keine Prügel mehr zutragen, sondern mit dir gehen, du wundervoller Mann!

Trinculo. Ein höchst lächerliches Ungeheuer, aus einem armen besoffnen Kerl ein Wunder zu machen.

Caliban. Ich bitte dich, laß dich an einen Ort führen, wo Holzäpfelbäume wachsen, ich will dir mit meinen langen Nägeln Trüffeln ausgraben; ich will dir ein Nußheher-Nest zeigen, und dich lehren, die schnelle Meerkaze zu fangen; ich will dir Büschel von Haselnüssen bringen, und dir manchmal junge Gemsen vom Felsen holen. Willt du mit mir gehen?

Stephano. Ich bitte dich, zeig uns den Weg ohne längeres Geschwäze. Trinculo, da der König und alle unsre ehmalige Gefehrten im Wasser umgekommen sind, so wollen wir von dieser Insel Besiz nehmen. Hier, trage meine Flasche; Bruder Trinculo, wir wollen sie gleich wieder füllen.

Caliban. (Singt trunkner Weise ein Abschiedsliedlein von seinemalten Herrn.)Freyheit, heyda! heyda! Freyheit! Freyheit! heyda! Freyheit!

Stephano.O! braves Ungeheuer! zeig uns den Weg.

(Sie gehen ab.)

Dritter Aufzug.

Erste Scene.(Vor Prosperos Celle.)(Ferdinand tritt mit einem Blok auf der Schulter auf.)

Ferdinand. Es giebt Spiele welche mühsam sind, aber eben diese Mühe erhöht das Vergnügen das man dabey hat; es giebt niedrige Geschäfte, denen man sich auf eine edle Art unterziehen kan, und höchst geringschäzige Mittel, die zu einem sehr vortreflichen Ziel fuhren. Dieses mein knechtisches Tagwerk würde mir so beschwerlich als langweilig seyn, wenn nicht die Gebieterin, der ich diene, meine Arbeiten zu Ergözungen machte. O! sie ist zehnmal liebreizender als ihr Vater unfreundlich, ob er gleich aus Härte zusammengesezt ist. Auf seinen strengen Befehl soll ich etliche tausend dergleichen Blöke zusammentragen und auf einander beugen. Meine holdselige Geliebte weint wenn sie mich arbeiten sieht, und klagt, daß ich zu einem so sclavischen Geschäfte mißbraucht werden soll. Ich vergesse darüber das Verdriesliche meines Zustandes, und meine Arbeit verrichtet sich unter diesen angenehmen Gedanken so leicht, daß ich sie kaum empfinde. (Miranda zu den Vorigen; Prospero in einiger Entfernung.)

Miranda. Ach! ich bitte euch, arbeitet nicht so strenge; ich wollte der Bliz hätte diese Blöke verbrennt, die du auf einander beugen sollst. Ich bitte euch sizet nieder und ruhet aus; Wenn diß Holz brennt, wird es weinen, daß es euch so abgemattet hat; mein Vater ist in seinem Studieren vertieft; ich bitte euch, ruhet aus; wir werden ihn in den nächsten drey Stunden nicht sehen.

Ferdinand. O theureste Gebieterin, die Sonne wird untergegangen seyn, eh ich mein auferlegtes Tagwerk vollendet haben werde.

Miranda. Wenn ihr mir versprecht, euch indessen nieder zu sezen, so will ich eure Blöke tragen. Ich bitte euch, thut es mir zu gefallen, ich will sie nur zu dem Hauffen tragen.

Ferdinand. Nein, du unschäzbares Geschöpf; eher sollten mir meine Sehnen springen und mein Rükgrat brechen, eh du eine solche Arbeit thun und ich müßig zusehen sollte.

Miranda. Sie würde sich nicht übler für mich schiken als für euch; und es würde mich noch einmal so leicht ankommen; denn ich thät es aus gutem Willen, und ihr thut es ungern.

Prospero (für sich.)Armer Wurm! du bist angestekt; dieser Besuch ist eine Probe davon.

Miranda.Ihr seht verdrieslich aus.

Ferdinand. Nein, meine edle Gebieterin, wenn ihr im Finstern bey mir wäret, so wär' es frischer Morgen um mich her. Ich bitte euch (vornehmlich damit ich ihn in mein Gebet sezen könne), wie ist euer Name?

Miranda. Miranda—O mein Vater, ich hab' euer Verbot übertreten, indem ich diß sagte.

Ferdinand. Bewundernswürdige Miranda, in der That, alles würdig, was die Welt schäzbarstes hat! Ich habe viele Damen gesehen, mit aufmerksamen Augen gesehen, und manchmal hat die Music ihrer Zungen mein allzuwilliges Ohr gefesselt; um verschiedner Vorzüge willen haben mir verschiedne Frauenzimmer gefallen, aber keine jemals so sehr, daß nicht bald irgend ein Fehler den ich an ihr bemerkt, ihre schönste Eigenschaft verdunkelt hätte. Du allein, o du, so vollkommen, so unvergleichlich, bist aus allem zusammengesezt, was an jedem Geschöpfe das Beste ist.

Miranda. Ich kenne keine von meinem Geschlecht, und habe nie ein weibliches Gesicht erblikt, ausser mein eignes in meinem Spiegel; noch habe ich mehr Männer gesehen, die ich so nennen mag, als euch, mein guter Freund, und meinen theuren Vater. Was für Geschöpfe anderswo seyn mögen, kan ich nicht wissen: Aber, bey meiner Unschuld, meinem besten Kleinod, ich wünsche mir keine andre Gesellschaft in der Welt als die eurige; noch kan meine Einbildungskraft sich eine andre Gestalt vorbilden, die mir gefallen könnte, als die eurige. Aber ich plaudre, denk ich, zu unbesonnen, und vergesse hierinn meines Vaters Ermahnungen.

Ferdinand. Ich bin meinem Stande nach ein Prinz, Miranda; ich denke, ein König (wollte der Himmel ich wär' es nicht!) und ich wollte diese hölzerne Sclaverey nicht mehr erdulden, als ich leiden wollte daß eine Fleischfliege mir auf die Lippen säße. Aber höret meine Seele reden: In dem ersten Augenblik, da ich euch sah, flog mein Herz in euern Dienst, und machte mich auf ewig zu euerm Leibeignen, und um euertwillen bin ich ein so geduldiger Holzträger.

Miranda.Liebet ihr mich also?

Ferdinand. O Himmel, o Erde, seyd meine Zeugen, und krönet meine Rede mit einem glüklichen Erfolg, so wie ich die Wahrheit rede; wo nicht, so verkehret meine besten Hoffnungen in Unglük. Über alles was in der Welt ist, über alle Grenzen, liebe, schäze und verehr' ich euch.

Miranda. Ich bin eine Thörin daß ich darüber weine, was ich so erfreut bin zu hören.

Prospero (für sich.) Wie selten treffen zwey solche Herzen einander an! Ihr Himmel, schüttet euern Segen auf ihre keimende Liebe!

Ferdinand.Warum weinet ihr?

Miranda. Über meine Unwürdigkeit, die es nicht wagen darf anzubieten was ich zu geben wünsche, und noch viel weniger anzunehmen, wessen Verlust mein Tod seyn würde. Doch diß ist Tändeley! Je mehr es sich selbst verbergen will, desto mehr zeigt es seine Grösse. Hinweg, falsche Schaamhaftigkeit, und du allein regiere meinen Mund, offenherzige und heilige Unschuld. Ich bin euer Weib, wenn ihr mich heurathen wollt, wo nicht, so will ich als euer Mädchen sterben; ihr könnt mir abschlagen, eure Gesellin zu seyn; aber eure Sclavin will ich seyn, ihr möget wollen oder nicht.

Ferdinand (kniend.)Meine theureste Gebieterin, und ich ewig der deinige.

Miranda.Mein Gemahl also?

Ferdinand. Mit so verlangendem Herzen, als die Knechtschaft sich nach Freyheit sehnt. Hier ist meine Hand.

Miranda. Und hier die meinige, mit meinem Herzen drinn; und nun lebet wohl, auf eine halbe Stunde.

Ferdinand.Tausend, tausend Lebewohl!

(Sie gehen ab.)

Prospero. So froh über dieses als sie, kan ich nicht seyn, sie, die lauter Entzükung sind; aber es ist nichts in der Welt, worüber ich eine grössere Freude haben könnte. Ich will zu meinem Buche. Denn zwischen izt und der Abend-Essens-Zeit muß ich noch vieles nöthige zu stande bringen.

(Geht ab.)

Zweyte Scene.(Eine andre Gegend der Insel.)(Caliban, Stephano und Trinculo treten auf.)

Stephano.Sagt mir nichts mehr hievon; wenn das Faß leer ist, wollen wirWasser trinken, eher keinen Tropfen. Fülle also wieder auf, undlaß dirs gut schmeken, dienstbares Ungeheuer; trink mirs zu.

Trinculo. Dienstbares Ungeheuer! Wie das eine närrische Insel ist! Sie sagen es habe nur ihrer fünf auf dieser Insel; wir sind drey davon, wenn die andern beyde nicht richtiger im Kopf sind als wir, so wakelt der Staat.

Stephano. Trink, dienstbares Ungeheuer, wenn ichs dich heisse; deine Augen stehen dir gewaltig tief im Kopfe.

Trinculo. Wo sollten sie denn sonst stehen? Er wäre ein feines Ungeheuer, in der That, wenn er sie am H** stehen hätte.

Stephano. Mein menschliches Ungeheuer hat seine Zunge in Sect ersäuft; was mich betrift, mich kan die See nicht einmal ersäuffen. Ich schwamm eh ich das Ufer erreichen konnte, fünf und dreyßig Meilen hin und her; beym Element, du sollst mein Leutnant seyn, Ungeheuer, oder mein Fahnen-Junker—Warum so still, Mondkalb? Sprich einmal in deinem Leben wenn du ein gutes Mondkalb bist.

Caliban.Wie geht's dir? Laß mich deine Schuh leken; ich will ihm

(er deutet auf Trinculo,)

nicht dienen, er ist nicht herzhaft!

Trinculo. Du lügst, du höchst unwissendes Ungeheuer, ich bin im Stand es mit einem Gerichts-Amman aufzunehmen; wie? du lüderlicher Fisch du, ist jemals ein Mann eine Memme gewesen, der so viel Sect in einem Tag getrunken hat als ich? Darfst du so ungeheure Lügen sagen, und bist nur halb ein Fisch und halb ein Ungeheuer?

Caliban.Horch, wie er mich schimpfirt; willt du ihm heimzünden, Mylord?

Trinculo.Mylord, sagt er! Daß ein Ungeheuer so einfältig seyn kan!

Caliban.Horch, horch, schon wieder; beiß ihn zu tode, ich bitte dich.

Stephano. Trinculo, stek deine Zunge ein! Wenn du einen Aufruhr anfangst, so soll der nächste Baum—Das arme Ungeheuer ist mein Unterthan, und ich werde nicht leiden daß ihm übel begegnet werde.

Caliban. Ich danke dir, mein edler Gebieter. Gefällt es dir, die Bitte, die ich an dich gethan habe, noch einmal zu hören?

Stephano. Beym Element, das will ich; knie nieder und wiederhole sie; ich will stehen, und Trinculo soll auch stehen. (Ariel kommt unsichtbar dazu.)

Caliban. Wie ich dir vorhin gesagt habe, ich bin einem Tyrannen unterthan, einem Zauberer, der mir durch seine List diese Insel abgetrödelt hat.

Ariel.Du lügst.

Caliban (zu Trinculo.) Du lügst, du Maulaffe du; ich wollte, daß mein dapfrer Meister dich vernichtete; ich lüge nicht.

Stephano. Trinculo, wenn ihr ihn noch ein einzig mal in seiner Erzählung unterbrecht, beym Sapperment, so will ich euch etliche Zähne supplantiren!

Trinculo.Was? Ich sagte nichts.

Stephano.Husch denn, und nichts weiter; fahre fort!

Caliban. Ich sage, durch Zauberey gewann er diese Insel, von mir gewann er sie. Wenn deine Hoheit sie ihm wieder abnehmen will, (denn ich weiß, du hast das Herz dazu, aber dieses Ding hat kein Herz—)

Stephano.Das ist eine ausgemachte Sache.

Caliban.So sollt du Herr davon seyn, und ich will dir dienen.

Stephano.Wie wollen wir das anstellen? Kanst du mir ein Mittel vorschlagen?

Caliban. Ja, ja, mein Gebieter, ich will ihn dir schlafend überliefern, dann kanst du ihm einen Nagel in den Kopf schlagen.

Ariel.Du lügst, das kanst du nicht.

Caliban. Was für ein elster-mässiger Flegel ist das? du Lumpenkerl du! Ich bitte deine Hoheit, gieb ihm Maulschellen und nimm ihm diese Flasche; wenn er sie nicht mehr hat, so muß er lauter Pfüzenwasser trinken, denn ich will ihm nicht zeigen, wo die Brunnquellen sind.

Stephano.Trinculo, seze dich keiner fernern Gefahr aus. Unterbrich dasUngeheuer nur mit einem Wort, und beym Sapperment, ich will meineBarmherzigkeit zur Thür hinaus stossen, und einen Stokfisch aus dirmachen.

Trinculo.Wie? Was that ich denn? Ich that nichts; ich will weiter weggehen.

Stephano.Sagtest du nicht, er lüge?

Ariel.Du lügst.

Stephano. (Er prügelt den Trinculo.) Thu ich das? Nimm das, und wenn es dir wohl schmekt, so heisse mich ein andermal wieder lügen.

Trinculo. Ich habe dich nicht lügen geheissen—Habt ihr den Verstand verlohren, und das Gehör dazu? daß der Henker eure Flasche! Das kan Sect und Trinken thun! Daß die schwere Noth dein Ungeheuer, und der T** deine Finger—

Caliban.Ha, ha, ha.

Stephano.Nun, weiter in deiner Erzählung—

(zu Trinculo)

ich bitte dich, steh weiter zurük.

Caliban. Schlag ihn bis er genug hat; über eine Weile will ich ihm auch geben.

Stephano.Weiter zurük—Komm, fahre fort.

Caliban. Wie ich dir sagte, er hat die Gewohnheit nachmittags zu schlaffen; dann kanst du ihm den Kopf spalten, aber du must ihm vorher seine Bücher nehmen; oder du kanst ihm mit einem Bloke den Hirnschedel zersplittern, oder ihm mit einem Pfahl den Bauch aufreissen, oder ihm mit deinem Messer die Gurgel abschneiden. Vergiß nicht, ihm seine Bücher vorher wegzunehmen; denn ohne sie ist er nur ein Dummkopf wie ich; und hat nicht einen einzigen Geist mehr, dem er befehlen könnte. Sie hassen ihn alle mit einem so eingewurzelten Haß wie ich. Verbrenne nur seine Bücher. Er hat hübsche Möbeln, wie er sie heißt, womit er sein Haus einrichten will, wenn er eins hat. Und was am tiefsten dabey zu betrachten ist, das ist die Schönheit seiner Tochter; er selbst nennt sie sein Tausendschönchen; ich habe nie mehr als zwey Weibsbilder gesehen, Sycorax, meine Mutter, und sie; aber sie übertrift Sycorax so weit als das Gröste das Kleinste.

Stephano.Ist sie so ein hübsches Mensch?

Caliban. Ja, mein Gebieter; sie wird dein Bette zieren, ich versichre dich's, und dir eine brave junge Zucht bringen.

Stephano.Ungeheuer, ich will diesen Mann umbringen; seine Tochter und ichsollen König und Königin seyn, (Gott erhalte unsre Majestäten!) undTrinculo und du, ihr sollt Vice-Könige seyn. Gefällt dir derAnschlag, Trinculo?

Trinculo.Vortrefflich.

Stephano. Gieb mir deine Hand; es ist mir leid, daß ich dich geprügelt habe: aber so lange du lebst, so halte deine Zunge wohl im Zaum.

Caliban. In der nächsten halben Stunde wird er eingeschlafen seyn; willt du ihn alsdann vernichten?

Stephano.Ja, bey meiner Ehre.

Ariel.Das will ich meinem Herrn erzählen.

Caliban. Du machst mich ganz aufgeräumt; ich bin voller Freuden; laß uns lustig seyn. Wollen wir Bilboquet spielen, das ihr mich nur erst gelernt habt?

Stephano. Weil du mich drumm bittest, Ungeheuer, so will ich dir etwas zu gefallen thun. Komm, Trinculo, wir wollen singen.

(Sie singen ein Gassenlied.)

Caliban.Das ist nicht die rechte Melodie.

(Ariel spielt ihnen die Melodie auf einer Pfeiffe, mit einerBiscayer-Trummel.)

Stephano.Was ist das?

Trinculo. Es ist die Melodie unsers Lieds, von einem Gemählde von Niemand gespielt.

Stephano. Wenn du ein Mensch bist, so zeige dich in deiner Gestalt; und bist du der Teufel, so zeige dich wie du willst.

Trinculo.O! vergieb mir meine Sünden!

Stephano.Wer stirbt, bezahlt alle seine Schulden. Ich biete dir Troz! (DerHimmel steh uns bey!)

Caliban.Fürchtest du dich?

Stephano.Nein, Ungeheuer, nicht ich.

Caliban. Du must dich nicht fürchten; diese Insel ist voll von Getöse, Tönen und anmuthigen Melodien, welche belustigen und keinen Schaden thun. Manchmal sumsen tausend klimpernde Instrumente um mein Ohr; manchmal Stimmen, die, wenn ich gleich dann aus einem langen Schlaf aufgewacht wäre, mich wieder einschläfern würden; dann däuchts mir im Traum, die Wolken thun sich auf, und zeigen mir Schäze, die auf mich herunter regnen wollen; daß ich, wenn ich erwache, schrey und weine, weil ich wieder träumen möchte.

Stephano. Das wird ein braves Königreich für mich werden; ich werde die Musik umsonst haben.

Caliban.Wenn Prospero vernichtet ist.

Stephano.Das soll nicht lange mehr anstehen; ich hab' es nicht vergessen.

Trinculo. Das Getön geht fort; wir wollen ihm nach, und dann an unsre Arbeit gehen.

Stephano. Führ uns, Ungeheuer, wir wollen dir folgen. Ich wollte ich könnte diesen Trummelschläger sehen. Er hört auf.

Trinculo.Willt du kommen? Ich gehe nach Stephano.

(Sie gehen ab.)

Dritte Scene.(Ein andrer Teil der Insel.)(Alonso, Sebastian, Antonio, Gonsalo, Adrian, Francisco, u.s.w.treten auf.)

Gonsalo. Bey Sct. Velten, ich kan nicht weiter, Sire; meine alten Beine schmerzen mich; wir sind hier in einem Labyrinth: Auf meine Ehre, alles geht durch Irrwege, und Mäander. Mit eurer Erlaubniß, ich muß mich niedersezen.

Alonso. Alter Mann, ich kan dirs nicht verdenken, ich bin selbst bis zur Betäubung meiner Lebensgeister abgemattet; seze dich und ruhe aus. Ich gebe die Hoffnung auf, die ich wie einen Schmeichler bisher geheget habe; er ist umgekommen, den wir so mühsam suchen, und das Meer spottet unsers Nachforschens auf dem Lande. Wol dann, es mag seyn.

Antonio (leise zu Sebastian.) Ich bin sehr erfreut daß er so hoffnunglos ist. Vergesset, um eines Fehlstreichs willen, das Vorhaben nicht, wozu ihr euch entschlossen habt.

Sebastian. Bey der nächsten bequemen Gelegenheit wollen wir unsern Vortheil besser nehmen.

Antonio. Laßt es diese Nacht seyn; sie sind von der Reise so abgemattet, daß sie weder daran denken, noch im Stande sind so viel Vorsichtigkeit zu gebrauchen, als wenn sie frisch wären.

Sebastian.Diese Nacht! Nichts weiter.

(Man hört eine seltsame und feyrliche Musik, und Prospero zeigt sich (den redenden Personen unsichtbar) auf der Spize des Berges. Verschiedne wunderbare Gespenster treten auf, tragen eine Tafel mit Speisen und Getränk herzu, tanzen um dieselbe mit freundlichen Gebehrden, als ob sie den König und seine Gefährten willkommen heissen wollten, und nachdem sie dieselben eingeladen zu essen, verschwinden sie wieder.)

Alonso.Was für eine Harmonie ist diß? meine guten Freunde, horcht!

Gonsalo.Eine wunderbar angenehme Musik.

Alonso.Gieb uns freundliche Wirthe, o Himmel! Wer sind diese?

Sebastian. Das ist ein Haupt-Spaß. Nun will ich glauben, daß es Einhörner giebt; daß in Arabien ein einziger Baum ist, der Thron des Phönix, und ein einziger Phönix, der bis auf diese Stunde da regiert.

Antonio. Ich will beydes glauben, und was sonst nicht viel Credit hat, komme nur zu mir, ich will schwören es sey wahr. Reisebeschreiber haben nie gelogen, wenn schon Geken, die hinter dem Ofen sizen, sie verurtheilen.

Gonsalo. Wenn ich nach Neapel käme und das erzählte, würde man mir's glauben? Wenn ich sagte: Ich sahe solche Insulaner (denn gewiß sind das die Einwohner dieser Insel) und ob sie gleich von mißgestalteter und abentheurlicher Bildung sind; so sind doch ihre Manieren leutseliger und artiger als ihr bey manchen finden werdet, die zum menschlichen Geschlecht gehören; ja, in der That.

Prospero (vor sich.) Du ehrlicher Alter, du sprichst wohl; denn es sind hier einige unter euch, die schlimmer als Teufels sind.

Alonso. Ich kan nicht genug erstaunen; solche Gestalten, solche Gebehrden, ein solcher Ton, der, (ob es ihnen gleich am Gebrauch der Zunge fehlt) eine Art von einer vortrefflichen stummen Sprache ausmacht.

Prospero (vor sich.)Diese Lobsprüche könnten zu voreilig seyn.

Francisco.Sie verschwanden auf eine seltsame Art.

Sebastian.Das hat nichts zu sagen, da sie uns zu essen hinterlassen haben;denn ich denke, wir spüren alle, daß wir einen Magen haben.Gefällt es Euer Majestät, etwas hievon zu kosten?

Alonso.Ich habe keine Lust.

Gonsalo. Auf meine Treue, Gnädigster Herr, ihr habt keine Ursache etwas zu besorgen. Wie wir noch kleine Jungen waren, welcher unter uns hätte geglaubt, daß es Leute in Gebürgen gebe, welche einen diken hautigen Hals hätten wie die Ochsen, oder denen der Kopf in der Brust stünde? Was man selbst sieht, glaubt man am besten.

Alonso. Ich will mit zustehen, und essen, wenn es gleich mein leztes wäre; es ligt mir nichts daran, das beste ist vorbey; Bruder, Herzog, stehet zu, und machet's wie wir.

Vierte Scene.(Donner und Blize. Ariel tritt in Gestalt einer Harpye auf,schlägt mit seinen Flügeln auf die Tafel, und vermittelst einerunmerklichen Veranstaltung verschwindet die Mahlzeit im gleichenAugenblik.)

Ariel. Ihr seyd drey Männer der Sünde, welche das rächende Schiksal (so sich dieser untern Welt und alldessen was drinn ist, zu Werkzeugen bedient) im Sturm auf diese unbewohnte Insel ausgeworfen,* als Leute die höchst unwürdig sind unter Menschen zu leben. Ich hab' eure Sinnen betäubt, und euch nicht mehr Stärke übrig gelassen, als ein Mensch nöthig hat, sich selbst zu hängen oder zu ertränken. Ihr Narren! ich und meine Gesellen sind Diener des Schiksals; die Elemente woraus eure Schwerdter bereitet sind, könnten eben so wohl den sausenden Wind verwunden, oder mit lächerlichen Stichen das stets sich wieder schliessende Wasser tödten, als eine einzige Pflaumfeder aus meinen Schwingen reissen. Meine Gesellen sind eben so unverwundbar. Und wenn ihr uns auch verwunden könntet, so sind eure Schwerdter zu schwer für eure izige Stärke, und ihr seyd nicht einmal im Stande sie aufzuheben. Erinnert euch dann (denn das ist mein Geschäft an euch) daß ihr drey es waret, die den rechtschafnen Prospero aus Meiland vertrieben, und der offnen See, (die es euch nun vergolten hat) ausgesezt, ihn und sein unschuldiges Kind! Um dieser Übelthat willen haben die himmlischen Mächte, welche die Bestrafung des Unrechts zwar verschieben aber nie vergessen, das Meer und das feste Land, ja alle Geschöpfe wieder euch empört, dich, Alonso, deines Sohnes beraubt, und sprechen nun durch mich das Urtheil über euch aus; daß langsames Verderben, schreklicher als irgend ein schneller Tod, Schritt für Schritt euch und eure Wege verfolgen soll. Nichts kan euch vor ihrem Zorn (der sonst in diesem wüsten Eiland auf eure Häupter fallen wird) beschüzen, als ein reuevolles Herz, und in Zukunft ein reines Leben.

{ed.-* Im Original: "Welche das Schiksal u.s.w. von der gefräßigen nimmersatten See hat ausrülpsen lassen, und an diese Insel" u.s.w.}

(Ariel verschwindt im Donner, darauf folget eine Symphonie mit Sordinen; die Gespenster kommen, und tragen nach einem Tanz voller seltsamer Grimassen die Tafel wieder hinweg.)

Prospero (vor sich.) Du hast die Role dieser Harpye gut gemacht, mein Ariel—du hast nichts von meiner Vorschrift ausgelassen—eben so gut in ihrer Art haben auch meine geringern Diener ihre verschiednen Personen gespielt; meine Bezauberungen würken, und diese meine Feinde von betäubendem Schreken gefesselt, sind alle in meiner Gewalt. Ich verlasse sie nun in diesem Zustand, um den jungen Ferdinand, den sie für verlohren schäzen, und seinen und meinen Liebling zu besuchen.

(Prospero geht ab.)

Gonsalo. Im Namen alles dessen was heilig ist, Sire, warum steht ihr da, als ob ihr ein Gespenste sähet?

Alonso. O! es ist entsezlich, entsezlich! Mich däuchte die Wellen redeten und warfen mir's vor; die Winde heulten mir's entgegen, und der Donner, diese tieffe fürchterliche Orgelpfeiffe, sprach den Namen Prospero aus—und gab das Zeichen zu meinem Tod—Um meines Verbrechens willen ligt mein Sohn in einem nassen Bette; ich will ihn suchen, tiefer als jemals ein Senkel-Bley gefallen ist, und dort bey ihm im Schlamme begraben ligen.

(Geht ab.)

Sebastian. Das war erst ein Teufel; ich will ihrer ganze Legionen zu Boden fechten.

Antonio.Und ich will dein Secondant seyn.

(Gehen ab.)

Gonsalo. Alle drey sind in Verzweiflung; ihre schwere Verschuldung, gleich einem Gift, das erst nach langer Zeit würken soll, fangt nun an, ihre Lebensgeister zu nagen. Ich bitte euch, ihr die ihr biegsamere Gelenke habt als ich, folget ihnen so eilfertig als ihr könnt, und verhindert sie an dem, wozu die sinnlose Verzweiflung sie treiben mag.

Adrian.Folget mir, ich bitte euch.

(Sie gehen ab.)

Vierter Aufzug.

Erste Scene.(Prospero's Celle.)(Prospero, Ferdinand und Miranda.)

Prospero. Wenn ich euch zu strenge begegnet bin, so hoffe ich, der Ersaz den ich euch gegeben, wird es vergüten; denn ich habe euch einen Faden von meinem eignen Leben gegeben, oder vielmehr das einzige, wofür ich lebe. Hier liefre ich sie nochmals in deine Hand: Alle Kränkungen, die du erduldet hast, waren nur Prüfungen deiner Liebe, und du hast auf eine ausserordentliche Art die Probe gehalten. Hier, im Angesicht des Himmels bestätige ich dieses mein reiches Geschenk. O Ferdinand, lächle nicht über mich, daß ich stolz auf sie bin; du wirst finden, daß sie alles Lob weit hinter sich zurüke lassen wird.

Ferdinand.Ich glaub' es gegen ein Orakel.

Prospero. So empfange dann, als mein Geschenk und als dein wohlverdientes Eigenthum, empfange meine Tochter. Aber wofern du ihren jungfräulichen Gürtel auflösest, eh euer Bündniß durch alle geheiligten Feyerlichkeiten, nach vollständigem Gebrauch bekräftiget werden kan: So möge der Himmel alle die segensvollen Einflüsse zurükhalten, die sonst euere Vereinigung bekrönen würden; und statt derselben soll unfruchtbarer Haß, sauersehender Widerwille und Zwietracht euer Bette mit so wildem Unkraut bestreuen, daß ihr es beyde hassen sollet. Nimm dich also in Acht, so lieb es dir ist, daß Hymens Fakel dir leuchte.

Ferdinand. So wie ich ruhige Tage, eine schöne Nachkommenschaft, und ein langes Leben, mit der unveränderten Dauer einer solchen Liebe, als ich izt empfinde, mir wünsche; so gewiß soll die finsterste Höle, die bequemste Gelegenheit und die stärkste Eingebung unsers bösen Genius nimmermehr vermögend seyn, meine tugendhafte Liebe in unordentliche Lust zu zerschmelzen, daß ich rauben sollte was jenem feyerlichen Tag vorbehalten ist, bey dessen Anbruch mich's dünken wird, entweder die Sonnenpferde seyen steif, oder die Nacht mit Ketten angeschmiedet worden.

Prospero. Wohl gesprochen! Size dann nieder und rede mit ihr, sie ist dein eigen. Wie? Ariel, mein ausrichtsamer Diener, Ariel—

Zweyte Scene.(Ariel zu den Vorigen.)

Ariel.Was befiehlt mein mächtiger Gebieter? hier bin ich.

Prospero. Du und deine geringern Mitgesellen haben vorhin ihren Dienst aufs beste versehen, und ich will euch izt zu einem andern Spiel gebrauchen. Geh, bring die Geisterschaar, über die ich dir Gewalt gegeben habe, an diesen Ort; Muntre sie zu schnellen Bewegungen auf, denn ich muß die Augen dieses jungen Paars mit irgend einer Eitelkeit meiner Kunst belustigen; ich hab' es versprochen und sie erwarten's von mir.

Ariel.Sogleich?

Prospero.Ja, in einem Augenblik.

Ariel. Eh ihr sagen könnt, komm und geh, zweymal athmen, und ruffen, so, so; soll jeder auf den Zehen tripplend hier seyn, und seine Künste machen. Liebt ihr mich nun, mein Gebieter?*

{ed.-* Ariel sagt dieses im Original in kleinen Versen, die sich alle in O reimen, und, weil sie alle ihre Artigkeit daher haben, sich nicht in Reime übersezen lassen.}

Prospero. Höchlich, mein sinnreicher Ariel; komm nicht zurük, bis ich dich ruffe.

Ariel.Gut, ich verstehe dich.

(Geht ab.)

Prospero (zu Ferdinand.)Vergiß du nicht dein Wort zu halten; treibe den Scherz nicht zuweit; die stärksten Eide sind nur Stroh für das Feuer in unsermBlute; halte besser an dich, oder gute Nacht, Gelübde!

Ferdinand.Ich versichre euch, mein Herr, dieser weisse kalte jungfräulicheSchnee an mein Herz gedrükt, kühlt die Hize meiner Leber ab.

Prospero. Gut; komm izt, mein Ariel; bringe lieber einen Geist zuviel, als daß einer mangle; erscheine uns munter—Redet ihr kein Wort, seyd lauter Auge; Still!

(Man hört eine angenehme Musik.)

Dritte Scene.(Ein allegorisches Schauspiel.)(Iris tritt auf.)

Iris. Ceres,* huldreiche Göttin, deine goldnen Felder voll Waizen, Gerste, Haber, Wiken und Bohnen, deine kräuterreichen Berge, mit grasenden Schaafen bedekt, und deine ebnen Wiesen, wo sie in strohbedekten Hürden ligen, deine mit Blumen eingelegte und mit Tulpen bordirte Bänke, vom schwammichten Aprill auf deinen Befehl so geschmükt, um für kalte Nymphen keusche Kränze zu machen, und deine braunen Lauben, deren Schatten der von seinem Mädchen abgewiesene Junggeselle liebt; deine eingezäunte Weinberge, und deine unfruchtbaren Seebänke und Felsen, auf denen du dich zu verlüften pflegst: Alles dieses befiehlt dir die Königin des Himmels, deren Dienerin ich bin, zu verlassen, und auf diesem grünen Plaz ihrer gebietenden Majestät Gesellschaft zu leisten. Ihre Pfauen sind in vollem Anzug. Nähere dich, reiche Ceres, sie zu unterhalten.

{ed.-* Dieses ganze Spiel ist im Original in Reimen.}

(Ceres tritt auf.)

Ceres. Heil dir, vielfarbichte Bötin und Aufwärterin der Gemahlin des Jupiters, die du von deinen saffrangelben Schwingen honigtriefende, erfrischende Regen auf meine Blumen schüttest, und mit jedem Ende deines blauen Bogens, einer reichen Schärpe für meine stolze Erde, meine schwellenden Felder und meine nakten Sandhügel bekrönst; warum hat deine Königin mich hieher beruffen?

Iris. Ein Bündniß treuer Liebe zu begehen, und die glüklichen Liebhaber mit einem freywilligen Geschenke zu begaben.

Ceres. Sage mir, himmlischer Bogen, ist dir nicht bekannt, ob Venus oder ihr Sohn die Königin begleiten? Denn seitdem sie dem düstern Pluto Vorschub gethan haben, meine Tochter zu entführen, hab' ich ihre und ihres blinden Buben ärgerliche Gesellschaft verschworen.

Iris. Fürchte dich nicht vor ihrer Gesellschaft. Ich begegnete ihrer Deität, wie sie die Wolken gegen Paphos zu durchschnitt, sie und ihr Sohn, von Dauben mit ihr gezogen; sie bildeten sich ein, durch irgend ein leichtfertiges Zauberwerk diesen Jüngling und diß Mädchen zu bethören, die das Gelübde gethan haben, sich der Rechte des Ehebettes zu enthalten, bis Hymens Fakel ihnen angezündet wird; aber die heisse Buhlerin des Kriegs-Gottes ist unverrichter Dingen zurük gekommen, und ihr wespen-mässiger Sohn hat seinen Bogen zerbrochen, und schwört, er wolle keinen Pfeil mehr anrühren, sondern mit Spazen spielen und geradezu ein kleiner Junge seyn.

Ceres. Die hohe Königin des Götter-Staats, die grosse Juno kommt; ich erkenne sie an ihrem Gang.

(Juno steigt von ihrem Wagen und tritt auf.)

Juno.Wie befindet sich meine mildreiche Schwester? Komm mit mir, diesesPaar zu segnen, daß sie glüklich seyn, und eine ehrenvolleNachkommenschaft sehen mögen.

(Juno und Ceres singen ein Lied, worinn jede die Verlobten mit ihren eignen Gaben beschenkt.)

Ferdinand.Diß ist ein höchst majestätisches Gesicht, und eine bezauberndeHarmonie; und darf ich kühnlich glauben, daß es Geister sind?

Prospero. Geister, die ich durch meine Kunst aus ihren Bezirken hiehergerufen habe, meine Phantasien auszuführen.

Ferdinand. O! laßt mich hier ewig leben; ein so wundervoller Vater, und ein solches Weib machen diesen Ort zu einem Paradiese.

Prospero. Stille, mein Wehrter! Juno und Ceres lispeln einander ganz ernsthaft etwas in die Ohren; es wird noch etwas zuthun seyn; husch, seyd stumm, oder unser Spiel wird verdorben.

(Juno und Ceres reden leise mit einander, und schiken Iris mit einem Auftrag ab.)

Iris. Ihr Nymphen der schlängelnden Bäche, Najaden genannt, mit euern Schilf-Kränzen und immer freundlichen Bliken, verlaßt eure kräuselnden Canäle und kommt, Juno befiehlt's, auf diese grüne Flur. Kommt, keusche Nymphen, und helft ein Bündniß treuer Liebe zu feyern; säumt euch nicht!

(Eine Anzahl Nymphen treten auf.)

Iris (fahrt fort.) Ihr von der Sonne verbrannten Schnitter, des Augusts müde, kommt aus euern Furchen, und theilet unsre Lust. Macht Feyertag, sezt eure Strohhüte auf, und jeder gebe einer von diesen frischen Nymphen die Hand zum ländlichen Tanz.

Vierte Scene.(Eine Anzahl von nettgekleideten Schnittern treten auf, undvereinigen sich mit den Nymphen zu einem anmuthigen Tanz: Gegen dasEnde des Tanzes fährt Prospero plözlich auf, und spricht diefolgende Rede, worauf alles mit einem seltsamen holen undverworrnen Getöse verschwindet.)

Prospero. Ich hatte diese schändliche Zusammenverschwörung des Viehes Caliban und seiner Gesellen gegen mein Leben völlig aus der Acht gelassen; die Minute die sie zur Ausführung erkießt haben, ist beynahe gekommen—Gut gemacht; hinweg, nichts mehr!

Ferdinand (leise zu Miranda.)Diß ist seltsam, unser Vater ist in irgend einem Affect, der mitMacht auf ihn würkt.

Miranda.Niemals bis auf diesen Tag sah ich ihn in einem so heftigenUnwillen.

Prospero. Ihr seht bestürzt aus, mein Sohn; seyd gutes Muths, unsre Spiele sind nun zu Ende. Diese unsre Schauspieler, wie ich euch vorhin sagte, sind alle Geister, und zerflossen wieder in Luft, in dünne Luft, und so wie diese wesenlose Luftgesichte, so sollen die mit Wolken bekränzte Thürme, die stattlichen Paläste, die feyrlichen Tempel, und diese grosse Erdkugel selbst, und alles was sie in sich faßt, zerschmelzen, und gleich diesem verschwundnen unwesentlichen Schauspiel nicht die mindeste Spur zurüklassen. Wir sind solcher Zeug, woraus Träume gemacht werden, und unser kleines Leben endet sich in einen Schlaf—mein Herr, ich bin beunruhigt, habt Geduld mit meiner Schwachheit, mein altes Gehirn ist in Unordnung; laßt euch diesen kleinen Zufall nicht anfechten; geht in meine Celle, wenn's euch beliebt, und ruhet da—Ein oder zwey Auf- und Abgänge werden mir wieder leichter machen.

Ferdinand. Miranda.Wir wünschen euch Friede.

(Ferdinand und Miranda gehen ab.)

Prospero (vor sich.)Komm in einem Gedanken—

(zu Ferdinand und Miranda.)

Ich danke euch—Ariel, komm.

(Prospero entfernt sich weiter von der Celle; Ariel zu ihm.)

Ariel.Ich klammre mich an deine Gedanken an; was ist dein Wille?

Prospero.Geist, wir müssen uns rüsten den Caliban zu empfangen.

Ariel. Ja, mein Gebieter. Ich dachte, wie ich Ceres vorstellte, dir davon gesagt zu haben; aber ich brach ab, aus Besorgniß dich verdrießlich zu machen.

Prospero.Sag es noch einmal, wo verliessest du diese Schurken?

Ariel. Ich sagte euch, mein Herr, daß sie dik besoffen waren, und so voll Dapferkeit, daß sie die Luft schlugen, weil sie sich unterstuhnd ihnen ins Gesicht zu wehen, und den Boden stampften, weil er ihre Füsse küßte, ohne inzwischen ihr Vorhaben aus der Acht zu lassen. Ich schlug hierauf meine Trummel; dieses Getöse machte sie aufmerksam; sie spizten wie unberittne Füllen ihre Ohren, zogen die Auglieder in die Höhe, und strekten ihre Nasen vor sich hin, wie sie Musik rochen; kurz, ich bezauberte ihre Ohren dergestalt, daß sie wie Kälber meinem Brüllen folgten, durch stachlichte Genister, Disteln, und Dornen, die in ihren dünnen Schienbeinen steken blieben; endlich ließ ich sie in dem kothigen mit Unrath bemantelten Sumpf, hinter eurer Celle, wo sie bis ans Knie hineinsanken, daß der faule Morast ihre Füsse überstunk.

Prospero.Das war wol gethan, mein Vogel; behalt immer deine unsichtbareGestalt. Geh, bringe mir die abgetragnen Kleider in meinem Hausehieher, wir müssen diese Diebe in Versuchung sezen.*

{ed.-* Dieser Umstand bezieht sich auf den gemeinen Aberglauben des Pöbels in unsers Autors Zeiten, als ob Zauberer, Hexen und dergl. nicht eher eine Gewalt über diejenige, so sie bezaubern wollen, haben, bis sie den Vortheil über sie erhalten, sie bey irgend einer Sünde zu ertappen, als wie hier über Dieberey. Warbürton.}

Ariel.Ich geh, ich geh.

(Geht ab.)

Prospero (vor sich.) Ein Teufel ist dieser Caliban, ein gebohrner Teufel, an dessen Natur keine Erziehung haftet; an dem alle meine Mühe, Mühe wie man an einen Menschen wendet, verlohren, gänzlich verlohren ist; und wie mit dem Alter sein Leib in eine viehischere Ungestaltheit auswächßt, so wird auch sein Gemüth ungeheurer; ich will sie alle plagen, bis zum Heulen.

(Ariel kömmt mit allerley schimmerndem Geräthe beladen.)

Komm, hänge sie an dieses Seil.

Fünfte Scene.(Caliban, Stephano und Trinculo treten alle wohl angefeuchtet undvon Morast triefend auf; Prospero und Ariel bleiben unsichtbarzurük.)

Caliban. Ich bitte euch, tretet leise, damit der blinde Maulwurf keinen Fuß fallen hört. Wir sind nimmer weit von seiner Celle.

Stephano.Ungeheuer, euer Kobolt, von dem ihr sagt, er sey ein freundlicherKobolt, der niemand ein Leid thut, hat nichts viel bessers gethan,als den Narren mit uns gespielt.

Trinculo. Ungeheuer, ich rieche lauter Pferd-Pisse, und ich kan dir's sagen, es will meiner Nase gar nicht schmeken.

Stephano.So geht's der meinigen auch; hört ihr's, Ungeheuer! Wenn ich einenUnwillen wider euch fassen sollte—Sehet zu—

Trinculo.Du wärst ein verlohrnes Ungeheuer.

Caliban. Mein lieber gnädiger Herr, laß mich immer in deiner Gunst stehen; gedulde, der Vortheil, zu dem ich dich führe, wird diesem Unfall die Augen ausstechen; redet nur leise, es ist izt alles so still als Mitternacht.

Trinculo.Schon gut, aber unsre Flasche im Morast zu verliehren—

Stephano. Es ist nicht nur Unannehmlichkeit und Schmach in diesem Abentheuer, sondern ein unendlicher Verlust, du Ungeheuer.

Trinculo. Das ist mir über meine Anfeuchtung, und doch ist das euer freundlicher Kobold, der niemand kein Leid thut, Ungeheuer.

Stephano. Ich will meine Flasche wieder hohlen, und wenn ich für meine Mühe bis über die Ohren hineinplumpen sollte.

Caliban.Ich bitte dich, mein König, sey ruhig; siehst du hier, diß ist derEingang in die Celle; kein Getöse, schleich hinein, thue diß guteUnheil, das diese Insel auf ewig zu deinem Eigenthum macht; und ichbin dein Caliban, auf ewig dein Fuß-Leker.

Stephano.Gieb mir deine Hand, ich fange an, blutige Gedanken zu haben.

Trinculo.O König Stephen, o Pair! o würdiger Stephen!* Sieh, was für eineGarderobe hier für dich ist!

{ed.-* Der Spaß in diesen Zeilen besteht in einer Anspielung auf ein altes bekanntes Gassenlied, welches anfängt: (King Stephen was a worthy Peer), und die Sparsamkeit dieses Königs in Absicht auf seine Garderobe anpreist. Es sind zwo Stanzen von diesem Lied im Othello. Warbürton.}

Caliban.Laß es gehen, du Narr, es ist nur Trödelwaare.

Trinculo.Oh, oh, Ungeheuer, wir verstehen uns auch darauf, was in eineTrödelbude gehört—o König Stephen—

Stephano.Lange diesen Rok herunter, Trinculo; beym Element, ich will diesenRok haben.

Trinculo.Deine Gnaden sollen ihn haben.

Caliban. Daß du die Wassersucht kriegtest, du Dummkopf! Wie ungescheidt seyd ihr, daß euch ein solcher Plunder in die Augen sticht! Geht weiter und vollbringet vorher den Mord; wenn er aufwacht, wird er uns vom Wirbel bis zum Zehen die Haut zerkneipen lassen; er wird abscheulich mit uns umgehen.

Stephano.Sey ruhig, Ungeheuer! Frau Seil, ist das nicht mein Wamms?

Trinculo. Ungeheuer komm, schmier ein bißchen Quark an deine Finger, und weg mit dem ganzen Plunder!

Caliban.Ich will nichts davon; wir verderben hier die Zeit, und werdenzulezt noch alle in Barnakel** oder in Affen, mit verflucht niedernStirnen verwandelt werden.

{ed.-** Eine Art von Gänsen auf der Insel Baß, an der Schottischen Küste, von denen ehmals die Tradition gieng, daß sie auf den Bäumen wachsen.}

Stephano. Ungeheuer, leg Hand an; hilf es wegtragen, an den nehmlichen Ort wo mein Weinfaß ligt, oder ich werde dich aus meinem Königreich jagen; geh, trag das!

Trinculo.Und das.

Stephano.Ja, und das.

(Man hört ein Getöse von Jägern. Verschiedne Geister, in Gestalt von Hunden lauffen auf die Bühne und jagen sie fort; Prospero und Ariel sezen ihnen nach. Caliban, Stephano und Trinculo werden heulend ausgetrieben.)

Prospero.Heyda, Sultan hey!

Ariel.Waldmann, hier geht's, Waldmann.

Prospero.Furie, Furie; hier, Tyrann, hier; horch! horch! Geh, sage meinenKobolden, daß sie ihre Gelenke mit Zükungen zermalmen, ihre Sehnenmit Krämpfen zusammenziehen, und sie am ganzen Leibe von Zwiken undKneipen flekichter machen sollen als ein Panterthier.

Ariel.Horch, wie sie heulen.

Prospero.Laß sie weidlich herumgejagt werden. Nunmehr sind alle meineFeinde in meiner Gewalt. In kurzem soll sich all mein Ungemachenden, und du sollst deine Freyheit haben. Nur noch eine kleineWeile folge mir, und thu mir Dienste.

(Sie gehen ab.)

Fünfter Aufzug.

Erste Scene.(Vor der Celle.)(Prospero tritt in seiner Magischen Kleidung mit Ariel auf.)

Prospero.Nun ist mein Entwurf zu seiner Zeitigung gelangt; meineBezauberungen brechen nicht; meine Geister gehorchen, und die Zeitgeht aufrecht mit ihrer Ladung davon; wie viel ists am Tage?

Ariel.Um die sechste Stunde, mein Gebieter, wann, wie ihr sagtet, unsreArbeit geendigt seyn sollte.

Prospero.Das sagte ich gleich anfangs, wie ich den Sturm erregte; sage, meinGeist, was macht der König und seine Gefährten?

Ariel. Sie sind alle, euerm Befehl gemäß, zusammengebannt, gerade so wie ihr sie verlassen habt, alle eure Gefangne, mein Herr, in dem kleinen Hayne, der eure Celle vor dem Wetter schüzt. Sie können nicht von der Stelle, bis ihr sie loslasset. Der König, sein Bruder und der eurige sind alle drey in einer Art von Betäubung; die übrigen trauern ihrentwegen, bis an den Rand mit Kummer und Bestürzung angefüllt; insonderheit derjenige, den ihr den guten alten Gonsalo nanntet. Seine Thränen lauffen über seinen Bart herab, wie Winter-Tropfen von einem rohrbedekten Dach. Eure Bezauberungen arbeiten so stark auf sie, daß, wenn ihr sie izt sehen solltet, euer Herz gewiß zu Mitleiden erweicht würde.

Prospero.Denkst du das, Geist?

Ariel.Das meinige würd' es gewiß, wenn ich ein Mensch wäre.

Prospero. Und das meinige auch. Hast du, der du nur Luft bist, eine Ahnung, ein Gefühl von ihrem Leiden, und ich, einer von ihrer Gattung, der allen ihren Leidenschaften und Bedürfnissen unterworffen ist, sollte nicht zärtlicher gerührt werden als du? Ob sie mich gleich durch schwere Beleidigungen bis in die Seele verwundet haben, so soll doch mein edleres Selbst über meinen Unwillen siegen; es ist mehr Würde in großmüthiger Vergebung als in Rache; da sie bußfertig sind, so habe ich meine ganze Absicht erreicht; geh, erledige sie, Ariel; ich will meine Bezauberungen brechen, ich will ihre Sinnen wieder herstellen, und sie sollen wieder seyn, was sie gewesen sind.

Ariel.Ich will sie herbeyführen, mein Gebieter.

(Er geht ab.)

Zweyte Scene.

Prospero. Ihr Elfen der Hügel, der Bäche, stehenden Seen und Hayne, und die auf Sandbänken mit leichtem Fuß den ebbenden Neptun zurükstossen, und ihn fliehen, sobald er wiederkehrt; ihr kleinen Feen, die beym Mondschein im Gras die kleinen sauren Ringe machen, von denen das Schaaf nichts abfrezt; und ihr, deren Zeitvertreib ist, Mitternachts-Schwämme zu machen; die sich freuen den Ruf des feyrlichen Nachtwächters zu hören; durch deren Hülfe (so schwach ihr auch seyd) ich die mittägliche Sonne verfinstert, die widerspenstigen Winde herbeygenöthiget, und zwischen der grünen See und dem azurnen Gewölbe heulenden Krieg erregt habe; dem fürchterlich rasselnden Donner gab ich Feuer, und entwurzelte die Eiche Jupiters mit seinem eignen Keil; ich machte die Grundfeste der Vorgebürge zittern, und raufte die Fichte und die Ceder mit den Wurzeln aus: Gräber thaten auf meinen Befehl ihren Rachen auf, und liessen ihre Schläfer hervor, die meine mächtige Kunst erweket hatte: Aber alle diese rauhe Zauberkunst schwör ich hier ab, und wenn ich vorher eine himmlische Musik befohlen haben werde, wie ich izt thue, (ihre von jenem magischen Donner gelähmten Sinnen wieder herzustellen), so will ich meinen Stab zerbrechen, ihn etliche Klafter tief in die Erde vergraben, und tiefer als jemals ein Senkbley fiel, mein Zauberbuch im Meer versenken.

(Man hört eine feyrliche Musik.)

Dritte Scene.

(Ariel geht voran; ihm folget Alonso mit den Gebehrden eines von Schwermuth verrükten Menschen, von Gonsalo geführt, hierauf Sebastiano und Antonio auf gleiche Weise, von Adrian und Francisco geleitet; sie gehen in den Cirkel den Prospero vorher gemacht hat, und bleiben da bezaubert stehen. Indem sie kommen, fangt Prospero an.)

Prospero. Die Magische Gewalt der Harmonie, der besten Arzney für eine zerrüttete Phantasie, heile dein izt untüchtiges Gehirn—hier bleibt unbeweglich stehn!—Rechtschaffner Gonsalo, ehrwürdiger Mann, meine Augen schmelzen, von den deinigen erschüttert, in sympathetische Tropfen.—Die Bezauberung lößt auf einmal sich auf; und wie der Morgen, die Nacht überraschend, die Finsterniß hinwegschmelzen macht, so fangen ihre aufgehenden Sinnen an, die betäubenden Nebel zu verjagen, die ihre Vernunft umhüllen—O! mein guter Gonsalo, mein wahrer Erhalter, und ein redlicher Diener dessen dem du folgest; ich will, wenn wir wieder zu Hause sind, deine Wohlthaten beydes mit Worten und Werken bezahlen.—Du, Alonso, du bist höchst grausam mit mir und meiner Tochter umgegangen; dein Bruder war ein Beförderer der bösen That, und wird izt dafür an Leib und Gemüth gefoltert; Ihr, mein Bruder, der seiner Herrschsucht Natur und Gewissen aufopferte, der mit Sebastian seinen König hier ermorden wollte; ich vergebe dir, so unnatürlich du bist!—Ihre Denkungskraft fängt an zu schwellen, und die wiederkommende Fluth wird in kurzem das Gestade der Vernunft anfüllen, das izt faul und sumpficht ligt—Noch ist nicht einer unter ihnen, der mich ansehen darf, oder mich erkennt—Ariel, hole mir meinen Hut und meinen Degen in der Celle; ich will mich ihnen in derjenigen Gestalt darstellen,

(Ariel geht ab, und kommt in einem Augenblik wieder zurük.)

worinn sie mich zu Meiland gekannt haben. Munter, mein Geist; in kurzem sollst du deine Freyheit haben.

Ariel (singt, indem er ihn ankleiden hilft.)Wo die Biene saugt, saug' ich;Im Schooß der Primul lagr' ich mich;Dort schlaf ich, wenn die Eule schreyt;Ich flieg', in steter Munterkeit,Fern von des Winters UngemachDem angenehmen Sommer nach;Wie frölich wird künftig mein Aufenthalt seynUnter den Blüthen im düftenden Hayn!

Prospero. Gut, das ist mein artiger Ariel; ich werde dich vermissen, aber doch sollst du frey seyn. So, so, so; izt, unsichtbar wie du in deiner eignen Gestalt bist, zu des Königs Schiff; dort wirst du die Schiffleute im Raum schlaffend beysammen finden. Weke sie, und nöthige sie hieher; aber hurtig, ich bitte dich.

Ariel. Ich trinke die Luft vor mir, und bin wieder da, eh euch der Puls zweymal schlägt.

(Er geht ab.)

Gonsalo. Lauter Schreknisse, Verwirrung, Wunder und Erstaunen wohnen hier; möge uns irgend eine himmlische Macht wieder aus diesem fürchterlichen Lande führen!

Prospero. Siehe hier, o König, den ungerechter Weise gekränkten Herzog von Meiland, Prospero: Dich desto besser zu versichern, daß ein lebender Fürst izt mit dir spricht, umarme ich dich, und heisse dich und deine Gesellschaft von Herzen willkommen.

Alonso. Ob du Prospero bist, oder irgend ein bezaubertes Phantom, (wie ich kürzlich selbst war,) das meine Augen täuschet, weiß ich nicht; dein Puls schlägt, wie eines würklichen Menschen, und seit ich dich sehe, nimmt die Bangigkeit des Gemüths ab, worinn mich, wie ich fürchte, eine Beraubung der Vernunft sezte; wenn diese Dinge anders würklich sind, so muß die Geschichte davon höchst seltsam seyn—Ich gebe dir dein Herzogthum zurük, und bitte dich, mir zu verzeihen. Aber wie ist es möglich, daß Prospero leben und hier seyn soll?

Prospero (zu Gonsalo.)Zuerst, mein alter edler Freund, laß dich umarmen; du, dessenRedlichkeit so unschäzbar als ohne Grenzen ist.

Gonsalo.Ob das würklich ist, oder nicht, wollt' ich nicht beschwören.

Prospero. Ihr seyd noch so sehr von einigen Seltsamkeiten dieser Insel betroffen, daß ihr nicht glauben könnet, was gewiß ist. Willkommen, meine Freunde, alle willkommen! Aber ihr, mein feines Paar Herren, wenn ich Lust hätte, so sollte mir's nicht schwer fallen, euch den Unwillen seiner Majestät zu zu ziehen, und zu beweisen, daß ihr Verräther seyd; allein ich will izt keine Geschichten erzählen.

Sebastian.Der Teufel spricht aus ihm.

Prospero. Nein—Was euch betrift, höchst boshafter Herr, welchen (Bruder) zu nennen meinen Mund schon vergiften würde, ich vergebe dir deine ungeheursten Vergehungen alle zusammen; aber ich fordre mein Herzogthum von dir zurük, welches du, wenn du gleich wolltest, mir länger vorzuenthalten, nicht vermögend bist.

Alonso. Wenn du Prospero bist, so berichte uns, wie du erhalten worden, und auf welche Weise wir hier mit dir zusammen kommen, nachdem wir vor drey Stunden an diesem Ufer einen Schiffbruch erlidten haben, der mich, (o schmerzliches Angedenken!) meinen Sohn, meinen theuren Sohn Ferdinand gekostet hat.

Prospero.Ich bedaure es, Sire.

Alonso. Der Verlust ist unersezlich, und die Geduld selbst gesteht, daß sie ihn nicht heilen kan.

Prospero.Ich glaube vielmehr, ihr habt ihre Hülfe nicht gesucht; denn durchihren milden und allesvermögenden Beystand, hab ich einen gleichenVerlust mit Gelassenheit ertragen gelernt.

Alonso.Ihr einen gleichen Verlust?

Prospero. Zum mindsten, der für mich eben so wichtig ist, und ihn erträglich zu machen, hab' ich weit schwächere Mittel als ihr zu euerm Trost ruffen könnt; denn ich habe meine Tochter verlohren.

Alonso. Eine Tochter? O Himmel, möchten sie beyde in Neapel leben, König und Königin daselbst zu seyn. Damit sie es seyn möchten, wie gern wünscht' ich selbst in dem nassen Bette versunken zu seyn, wo mein Sohn ligt. Wenn verlohrt ihr eure Tochter?

Prospero. In diesem lezten Sturm—Ich merke, daß diese Herren, über unsre unvermuthete Zusammenkunft so erstaunt sind, daß sie ihren Sinnen nicht trauen dürfen, und mit Mühe glauben, daß ihre Augen ihnen die Wahrheit zeigen, und ihre Worte natürlicher Athem seyen. Allein, so mißtrauisch euch die kürzlich erlidtene Beunruhigung eurer Sinne gemacht hat, so wisset doch für gewiß, daß ich Prospero bin; eben dieser Herzog, der von Meiland ausgetrieben wurde, und auf eine wunderbare Weise an diesem Eilande, wo ihr gestrandet seyd, anländete, um der Herr davon zu seyn. Nichts mehr hievon, denn es ist eine Chronik von Tag zu Tag, und nicht eine Erzählung bey einem Frühstük, noch für diese erste Zusammenkunft geschikt. Willkommen, Sire; diese Celle ist mein Hof; ich habe hier wenige Hausgenossen, und ausser demselben keine Unterthanen. Ich bitte euch, schaut hinein; da ihr mir mein Herzogthum wieder gegeben habt, so will ich euch etwas eben so gutes dagegen geben, oder doch wenigstens ein Wunder vor eure Augen bringen, das euch so sehr erfreuen wird, als mich mein Herzogthum.

Vierte Scene. (Die Thüre der Celle öffnet sich, und entdekt Ferdinand und Miranda, die mit einander Schach spielen.)

Miranda.Mein liebster Herr, ihr spielt mir einen Streich.

Ferdinand. Nein, meine Allerliebste, das wollt ich für die ganze Welt nicht thun.

Miranda. Wenn es Königreiche gälte, ihr würdet gewiß schicaniren, und ich würd' es euch nicht übel nehmen.

Alonso. Wenn das nur eine von den Erscheinungen dieser Insel ist, so werd' ich einen theuren Sohn zweymal verliehren.

Sebastian.Ein erstaunliches Wunder!

Ferdinand. Wenn die Wellen schon drohen, so sind sie doch mitleidig; ich habe ihnen ohne Ursache geflucht.

(Ferdinand kniet vor seinem Vater.)

Alonso.O! alle Segnungen eines erfreuten Vaters ergiessen sich über dich!Steh auf, und sage wie du hieher gekommen bist?

Miranda. O Wunder! Wie viele feine Geschöpfe sind hier beysammen! Wie schön ist das menschliche Geschlecht! O brave neue Welt, die solche Einwohner hat!

Prospero.Das ist etwas neues für dich.


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