KAPITEL V.DAS SEXUALPROBLEM.

190019101.Frankfurt a. M.7,66,32.Köln2,62,43.Königsberg2,11,94.Wiesbaden3,52,55.Kassel2,31,86.Essen1,10,97.Dortmund1,41,28.Bonn1,71,49.Münster0,80,710.Duisburg0,90,711.Gelsenkirchen2,20,712.Bielefeld1,31,113.Emden4,63,514.Erfurt0,80,715.Kattowitz7,16,916.Hannover1,91,717.Hagen18.Zabrze19.Marburg2,552,3720.Düsseldorf1,14[16]1,11

Bei einer Reihe von ihnen zeigt sich in 10 Jahren eine relative Abnahme der jüdischen Bevölkerung von 20-40%. Handelt es sich auch stellenweise um Orte, die durch Eingemeindung rasch anschwellen, die Tatsache bleibt dieselbe. Die kolossale Abnahme der Landbevölkerung hat zu keiner Vermehrung des jüdischen Anteils in den Städten geführt. Nur ein Ort in Preußen konnte sich von 1900 bis 1910 den gleichen prozentualen Stand der Juden wahren. Nämlich München-Gladbach 1900 und 1910 = 1,26 %.

Eine relative Zunahme finden wir in zwei Orten, in Fulda und Elberfeld, und selbst bei diesen beiden Orten ist der prozentuale Zuwachs minimal.

Fulda1900:19104,0:4,25 %derBevölkerungElberfeld„:„1,06:1,13 %„„

Wir haben bis jetzt der Entwicklung von Groß-Berlin noch nicht gedacht. Die verschiedenen Vororte von Berlin bilden bekanntlich mit der alten Hauptstadt längst ein organisches Ganze. Groß-Berlin insgesamt zählte[17]im Jahre 1900 4,35% Juden und 1910 nur noch 4,05% oder um ca. 7,5% weniger.

Die jüdischen Gemeinden in Deutschland haben sich somit relativ überall und selbst in den Großstädten und Industriecentren vermindert. Hier sank durchschnittlich der jüdische Anteil um 25%. In der Hälfte der Groß-Gemeinden trat auch eine absolute Abnahme der Bevölkerung ein, so daß ein Teil von ihnen zur baldigen Bedeutungslosigkeit verurteilt ist. Dieser Prozess ist keine auf Preußen beschränkte Erscheinung. Wir finden analoge Verhältnisse in den übrigen deutschen Staaten:

in Hessen: Mainz3104(1900)2906(1910)im Elsaß: Mülhausen2466„2287„in Braunschweig: Braunschweig:861„720„

In Bayern hatten eine Abnahme

Fürth3017auf2826Würzburg2567„2514Kaiserslautern741„726Landau874„785Regensburg571„493Speyer520„478

Bamberg blieb seit 1880 stationär.

Die Volksverschiebung und Konglomeration gibt die Entwicklung der einzelnen Provinzen wieder: Es hatten Juden

18801910Ostpreußen1821813027Westpreußen2654713954Pommern138868862Posen5660326512Schlesien5268244985Schleswig-Holst.35223343Sachsen67007833Hannover1479015545Westfalen1881021036Hessen-Nassau4131651781Rheinland4369457287Berlin und Brandenburg66245151298

Die Provinzen Ost- und Westpreußen, Pommern, Posen, Schlesien und Schleswig verloren seit 1880 bis 1910 somit neben ihrem Geburtenüberschuß an ihrer absoluten Ziffer den dritten Teil(= 60000Juden). Auf der anderen Seite hatten die übrigen Provinzen einen Gewinn von 113000, der sich in folgender Weise verteilte:

Berlin-Brandenburg gewann 85000 Juden,[18]die Rheinlande 14500, Hessen-Nassau über 10000, Westfalen 2000, Sachsen und Hannover je 1000.

Damit beteiligten sich an der Volksvermehrung der deutschen Juden Berlin mit 75 %, die Rheinlande mit 13 %, Westfalen, Sachsen und Hannover mit etwas über 3 %.

Wohnten von hundert preußischen Juden 1880 noch 46% im Osten, so waren es 1910 25,8 %. (Im Jahre1817 wurden im damaligen Preußen 127345 Juden angetroffen, von denen 41 % = 52568alleinin Posen ansässig waren, gegenüber 6 % im Jahre 1910).

Die Zunahme betrug

in1905 gegen 19001910 gegen 1905Hessen Nassau19111675Rheinland31571879

Davon gewann Köln (in den Rheinlanden) 1900 auf 1905 allein 1300 Juden, Frankfurt in derselben Zeit 1500. Auch diese Provinzialstatistik zeigt, daß die Zunahme der Juden nur die bekannten Immigrationspunkte der Ostjuden berührt.

Von den 150000 Juden in Brandenburg und Berlin wohnten 144000 in Groß-Berlin,somit ebenso viele Juden in Berlin, als in folgenden Provinzen zusammen: nämlich in Posen, Westpreußen, Ostpreußen, Pommern, Schlesien, Schleswig-Holstein, Sachsen und Hannover. Eine Volkszählung um 1920 wird durch die erneute Umgruppierung und bei der Zunahme für Berlin hierfür ebensoviel Juden ergeben, wie für das übrige ganze Preußen. Nehmen wir die zehn größten Judengemeinden Preußens zu Berlin, so umfassen die paar Gemeinden über2/3aller Juden Preußens! —

Auch für die Bevölkerung existiert das Großstadtproblem. Gleichwohl verfügt Deutschland über eine bedeutende sich gleich bleibende Landbevölkerung, die ihren Geburtenüberschuß auf kleine und Großstädte verteilt. Immerhin nehmen im Reiche kleinere und größere Orte an Bevölkerung zu. Das jüdische Problem kann aber in ihren Tendenzen soziologisch in die Worte gekleidet werden, daß es sich um eine völlige Entvölkerung des Landes und um eine Volkswanderung in wenige Hauptstädte, insbesondere Berlin, handelt.

„Der nivellierende und teilweise abstumpfende Einfluss,” schreibt Paul Drey am Schlüsse seiner „Juden in Stadt und Land,” Berlin 1906, „städtischen Lebens macht sich aber inder ganzen Lebenshaltung auch in religiösen Anschauungen geltend. Mit den bewegenden Ideen der modernen Kultur und durch die Besserung der wirtschaftlichen Lage schwinden manche mitgebrachten religiösen Vorstellungen, vollzieht sich langsam eine Entfremdung gegenüber dem ererbten Bekenntnis.”

„Der nivellierende und teilweise abstumpfende Einfluss,” schreibt Paul Drey am Schlüsse seiner „Juden in Stadt und Land,” Berlin 1906, „städtischen Lebens macht sich aber inder ganzen Lebenshaltung auch in religiösen Anschauungen geltend. Mit den bewegenden Ideen der modernen Kultur und durch die Besserung der wirtschaftlichen Lage schwinden manche mitgebrachten religiösen Vorstellungen, vollzieht sich langsam eine Entfremdung gegenüber dem ererbten Bekenntnis.”

Auch kein orthodoxer Jude kann bestreiten, daß das großstädtische Wirtschaftsleben der stärkste Feind der Sabbathheiligung ist, daß die breiten Massen in ihrer jüdischen Lebensweise durch die Einflüsse der Großstädte einer schweren Belastungsprobe ausgesetzt sind. Wir wollen die allgemeinen Nachteile und die Schädigungen für das Judentum sondern und auseinanderhalten. Die allgemeinen Großstadtprobleme sind in der medizinischen und nationalökonomischen Literatur häufig behandelt. O.AmonundRoesehaben der Großstadtbevölkerung nachgesagt, daß sie rasch ausstirbt. Roese hat den Beweis an Dresden erbracht, Stubenluft, Alkoholismus, kalkarme Nahrung sind die Totengräber. Ich selbst konnte in meinem „sterilen Berlin” die gewaltige Ehe- bezw. Kinderlosigkeit und Kinderarmut der Großstadtbevölkerung in ihrer noch nicht abgeschlossenen Entwicklung darlegen.Woltmanhat auf die Bedeutung der Reservekräfte hingewiesen, die in gesunder Lebensanschauung und Lebensführung auf dem Lande gelegen sind.Dadehat den minder physiologischen Wert der Berliner Bevölkerung aufgedeckt. Ferner sei an dieWestergaardschenSpezialuntersuchungen erinnert. Nur großzügiges Erfassen kann diese volksgesundheitlichen Schädigungen feststellen und ihre Wurzeln bloßlegen (Gesetz von Ursache und Wirkung); denn die Völker verfaulen, wieDodemeint, ohne daß sie es merken.

Napoleone Colajannihat in seinem Werke Latini e Anglosassoni gezeigt, daß der Verfall der Nationen begann, ehe er nach außen deutlich wurde. Dem moralischen Rückgang soll der geistige und wissenschaftliche folgen.

Die Generation, die heute in den Städten wohnt, ist größtenteils noch auf dem Lande geboren, zum mindesten stammen die Eltern oder Großeltern vom Dorfe. Der Jude des platten Landes war ein Muster an Einfachheit. Sein Leben war ein natürliches, von keinerlei „Ueberkultur” beleckt. Tätigkeit und Aufenthalt brachten die Ausübung rein physischer Arbeit mit sich. Der einfache, religiöse, mäßige Jude stellte ein Kapitel „Volksgesundheit” dar.

Daß ihre ersten Nachkommen noch von deren zähen Lebenskraft zehren, erscheint selbstverständlich. Die Urwüchsigkeit kann sich aber erschöpfen. Die Geschichte gibt Beweise des Niederganges tüchtiger Rassen. An den Adelsgeschlechtern der ganzen Kulturwelt ist nachgewiesen, daß nur das Einströmen bislang Namenloser die Kaste vor dem Verfall bewahrt hat.

Die Schattenseiten der Großstädte gelangen bei der Mehrzahl der preußischen Juden vorerst noch nicht voll zur Erscheinung. Erst in der Descendenz der Zugewanderten machen sich die Einflüsse der großstädtischen Sitten und Verhältnisse frei geltend. Ist nun der Zug nach Berlin nur eine vorübergehende Erscheinung und ein durch Zufälligkeiten bedingtes Ereignis, das morgen einem plötzlichen Abbruch unterliegt? Es gehört ein großer Mangel an sozialem Verständnis dazu, diese organische, zu einem Orkan anwachsende Volksbewegung für eine Zufälligkeit zu halten. Diese Verschiebung in den Wohnsitzen der Juden in Deutschland bedingen hauptsächlich folgende Ursachen:

So lange Berlin nur einen Teil der Juden und zwar einen kleinen darstellte, hatte es schon eine über ihreGröße bedeutsame Beeinflussung auf die Entwicklung der deutschen Juden ausgeübt. Sobald es an Zahl die übrigen deutschen Juden überholt haben wird, werden die Vorgänge in Berlin umsomehr bewußt und unbewußt die kleinstädtischen Verhältnisse im Berliner Geist beeinflussen. Dieses Abfärben großstädtischen Geistes und großstädtischer Sitten läßt sich schon heute nachweisen.

Bei den bekannten Wechsel-Wirkungen zwischen Berlin und der Provinz, die bei den Juden besonders erstarkt sind, bleibt es nicht nur bei der Nachahmung der Mode, bei der Aufnahme großstädtischer Lektüre und bei dem Anschluß an die Organisationsformen, welche hier das Licht der Welt erblicken, sondern tausend Imponderabilien, die den äußeren Erscheinungsformen anhaften, werden mit übernommen und bestimmen auch das „dabei” der Kleinstadt und so wird der Provinzjude gewissermaßen nur noch ein Vorposten der Gemeinde Groß-Berlin. Wenn wir mit der Geschichte Berlins die Geschichte vorerst der Hälfte der preußischen Juden schreiben, so ist das nur mathematisch richtig.

Die vernunftmässige Ueberlegung erobert auch die Sexualsphäre. Die Zeit, wo die Rassen instinktmässig dahinlebten und neben der Stillung des Hungers keinen anderen intensiven Lebensgenuss als den ehelichen Verkehr kannten, ist vorbei.

Dr. Mensinga.

1. Die Ehelosigkeit.

Mit der Umwälzung, welche die Judenheit durch die Lösung ihrer religiösen Gebundenheit und durch Umstellung in Beruf und Wohnort erfahren hat, traten Sexualverhältnisse auf, die wir zusammenfassend folgendermaßen kennzeichnen können:

Von 100 Juden, heiraten 25 überhaupt nicht. Ein weiteres Viertel bleibt kinderlos, das dritte Viertel begnügt sich mit ein oder zwei Kindern und nur beim letzten Viertel treffen wir drei und bei einem kleinen Prozensatz mehr Geburten.Diese vorweggenommenen Resultate bedürfen der näheren Untersuchung. Wir werden zuerst die Frage der Ehelosigkeit berühren.

Die Ehelosigkeit ist aus verschiedenen Gründen bedingt. In den Wirtschaftsverhältnissen ist ein Teil der Hindernisse gelegen. Die Großstadt verfügt über tausende von jungen Beamten und kaufmännischen Angestellten die nach ihrem Stand sich zur Schicht des Mittelstandes rechnen, und ihrem Einkommen nach Proletarier sind.Während der Arbeiter frühzeitig eine Lebensgefährtin nimmt, die mit ihrem Verdienst — wo es nötig ist — die Einkünfte der Familie sicher stellt, hat der Jude den Uebergang in das moderne Wirtschaftsleben noch nicht vollkommen gefunden. Bei ihm soll die Frau nur im Heim ihre Fertigkeit entfalten und da der jüdische Kastengeist eine gewisse Stufe, resp. Höhe der Lebenshaltung zum ungeschriebenen Gesetz erhoben hat, ist es für den niederen Angestellten eine Schwierigkeit, mit einer produktiv kaum gewinnreich tätigen Frau und mit kostspieligem Nachwuchs das armselige Budget zu belasten. Wie jeder Soldat angeblich den Marschallstab im Tornister trägt, so glaubt mancher Kaufmann es noch zu einem kleinen Rothschild zu bringen. Es ist daher in den Kreisen der jüdischen Handlungsgehilfen Sitte, mit der Vermählung zu warten, bis der Herr Kommis sich aus dem kümmerlichen Lohnverhältnis herausgearbeitet hat und selbst Unternehmer geworden ist. Was vor wenigen Jahrzehnten verhältnismäßig einfach war, ist in dem Zeitalter der Konglomeration des Kapitals eine Schwierigkeit geworden. Und wenn der 30jährige noch immer auf die passende Gelegenheit lauert, so hat der 40jährige schon die Hoffnung aufgegeben, im Kampf ums Dasein den ökonomischen Aufstieg für sich günstig zu entscheiden. Er bleibt das, was ihm als eine vorübergehende Periode erschien, sein Lebtag ein Gehilfe. Zu spät hat er seinen Beruf erfahren und damit zum Teil verfehlt. Und die meisten können sich auch dann nicht in den Gedanken finden, Proletarier zu sein. Die echten Proletarier haben manches vor ihnen voraus. Der einfache Arbeiter baut sein Leben auf seine derzeitigen Existenzverhältnisse auf, der jüdische kommerzielle Angestellte rechnet mit Größen aus dem Reiche der Wahrscheinlichkeit oder Unwahrscheinlichkeit.

DerArbeiterheiratet im Durchschnitt recht früh. Er erlangt schon Anfang der Zwanziger das Maximum seines Einkommens. Er vermietet seineArbeitsleistung, seine Kraft, seine Arme an den Unternehmer und gewinnt damit durchrein physische Leistungden Lebensunterhalt. Also erreicht der Proletarier etwa mit der Volljährigkeit, in der Zeit der sexuellen Vollreife die wirtschaftliche Höhe seines Einkommens, die die Unterlage für Ehen seines Standes zu bilden pflegt.

Der jugendliche Handlungsangestellte und der Beamtebekommt nicht wie der Arbeiter den Lohn, den auch die älteren Berufsgenossen beziehen. Er vermietet zwar seine volle Arbeitsleistung, sein Hauptkapital das er besitzt, wird aber im jugendlichen Alter nur insoweit entlohnt, daß er knapp allein sein Leben fristen kann. Je länger er ausgebildet ist, Schulen besucht, Sprachen gelernt hat, das Ausland bereiste, in anderen Unternehmungen sich betätigte, Erfahrungen und Zeugnisse sammelte, desto größer wird die Chance seines Einkommens. Das schließt für diese Berufsangehörige den Verzicht in sich, frühzeitig viel zu verdienen. Seine ökonomischen Verhältnisse türmen der Familienbildung Widerstände entgegen, die sich im Laufe der Jahre verringern, insbesondere, wenn der niedere Angestellte eine gehobene Stellung erreicht oder den Traum seines Lebens, den Weg zum Unternehmertum, gefunden hat.

DerUnternehmerarbeitet nicht nur mit Kraft und Intelligenz, sondern besonders mit seinem Kapital. Das Kapital gibt ihm die Ware, die Unterlagen, Räume zu mieten, Kräfte einzustellen, Reklame zu treiben, Kunden anzulocken. Der Besitz des Kapitals gibt ihm Arbeitsmöglichkeiten. Der kapitalarme Unternehmer kann höchstens durch besondere Intelligenz, durch glücklichen Kredit (was dem eigenen Kapital nahekommt) den Kampf mit kapitalskräftigen Konkurrenten aufnehmen. Es ist klar ersichtlich, daß jeder Händler, jeder Inhaber eines Ladengeschäftes, jeder größere Agent das Geld nicht nur um des Geldes willen, sondern als Arbeitskraft, als Vorausbedingungbraucht. Daher ist es erklärlich, daß der Jude als das nach Erfahrungen und Statistiken am meisten zur Selbständigkeit und Unternehmertum strebende Element im Tanze um das goldene Kalb sich verzehrt. Mit dem immer schwieriger werdenden wirtschaftlichen Kampfe rückt das Alter hinaus, in dem der Kaufmann sich eine selbständige Position errungen hat. Und da er hinwiederum erst dann auf eine Mitgift rechnen kann, wenn er schon selbst sich eine kleine Basis, eine Position geschaffen hat, ist sein Heiratsalter um so später. In den Kreisen aber, in denen die jungen Leute wissen, daß sie jahrelang nicht an eine Ehe denken können, wird der Anreiz immer stark sein, mit Surrogaten der Liebe vorlieb zu nehmen. Umsomehr als der jüdische Kaufmann auf den vielen Reisen, bei der leichten Lebensauffassung seines Standes, bei der großen Zahl der Mädchen, die ihn umgeben, die gleichfalls die Möglichkeit einer Ehe für nicht allzu groß erachten, Auswahl und Anreiz in Menge vor sich sieht. Deshalb ist die freie sexuelle Betätigung des jüdischen Kaufmannes und Studierenden eine ökonomisch besonders bedingte und bei aller Bewunderung, die wir denen zollen, welche sich in Aufrufen an das Verantwortlichkeitsgefühl der jungen Leute abmühen, ist es doch ausgeschlossen, daß dadurch der starke sexuelle Trieb unterdrückt wird. Die Frühehe der alten Juden mochte den Menschen Genüge tun. Sie verzichtete auf das törichte Verfangen, naturam expellere furca. Wo die jüdische Lehre aber in zu starkem Widerspruch mit den Voraussetzungen des Lebens geriet, erlitt auch sie eine Niederlage. Ein Beispiel mag es bezeugen: Verpönt war die Geldehe, (Eben Haezar 2, 1). Die gesetzestreuen Juden haben sich nicht daran gekehrt. Die alten jüdischen Weisen rechneten wenigstens mit der Gewalt des Geschlechtstriebes und gaben ihm Unterlagen. Die modernen Prediger in der Wüste vertrösten erwachsene Menschen.

Die Aussicht auf die Spätehe muß die Verseuchungder großstädtischen kaufmännischen Bevölkerung auslösen. Die Folge zahlreicher Infektionen ist aber wiederum ein Anschwellen impotenter Ehemänner und Dauerzölibatäre. Immer größer wird die Zahl der jüdischen Junggesellen. In der Großstadt ist die Heirat keine Lebensnotwendigkeit. Die Gründe für die Ehelosigkeit sind im Zunehmen begriffen. Niemand findet heute an dem Junggesellentum einen sittlichen Mangel. (Selbst unter den Rabbinern und orthodoxen Juden befinden sich ledige Juden.)

Für Hessen hatRuppinbereits für 1905 die geringere Heiratsneigung der Juden nachgewiesen. (Zeitschr. f. St. der Juden, Band III.) Nach meiner Preisarbeit der Gesellsch. f. Rassenhygiene waren von hundert Berliner Juden verheiratet:

189519001910männl.weibl.männl.weibl.männl.weibl.Bis25J. alt2,021,43,321,518-20 J.0,110,0„30„20,652,919,052,720-3012,035,4„35„47,065,543,766,030-4057,969,6„40„70,071,357,469,840-5077,770,2„45„78,073,078,368,150-6081,556,8„50„82,668,382,067,1„55„83,762,768,654,6„60„81,250,666,952,7

Danach waren bis zum dreißigsten Lebensjahr (1910) 12,4% der Männer verheiratet gegen 20,6% im Jahre 1895, vom 35.-40. etwas über die Hälfte. Die älteren Jahrgänge entstammen einer früheren Zeit, sodaß wir heute wohl mit geringeren Ziffern zu rechnen haben. Gleichwohl ergab sich, daß von100 männlichen und weiblichen Juden in den Jahresklassen der 40- bis 50-jährigen 22,3% resp. 29,8% unverheiratet, (darunterüber 20%ledige) eine Zahl, die nach dem Stand von 1920 auch ohne Berücksichtigung der schweren wirtschaftlichen Verhältnissen der neuen Zeit zugenommen hätte.

Die Statistik zeigt, daß die Jahrgänge 25-40 der Berliner Juden durchschnittlich mit 1700 bis 1800 Personen besetzt waren (1910), während an jüdischen und nichtjüdischen Eheschließungen zwischen 1910 und 1913 ca. 1200 Eheleute jährlich beteiligt waren, von denen wir die Witwen und Geschiedenen abziehen. Es heirateten also vor dem Krieg keine2/3der jüdischen Berliner Bevölkerung. Bei der allgemeinen Berliner Bevölkerung gab es von den 40- bis 50jährigen nur 10,7% männliche und 14,7% weibliche ledige, gegenüber 22 und 27% bei den Juden. Wie wir aus der vorliegenden Statistik ersehen, betrifft bei den Juden ein großer Teil der geschlossenen Ehen, Spätehen. Von Frauen zwischen 20 und 30 Jahren war nur ein Drittel verheiratet. Die Folge muß eine geringe Ziffer von Geburten sein. Auch ein Heiratsalter von über 45 Jahren von Seiten des Mannes kann unmöglich zur Erzeugung einer großen Zahl von Kindern führen: unbeachtet von der Frage, ob diese späte Eheschließung noch physisch und geistig gutgeartete Kinder zuläßt. Die Erschwerung der Eheschließung, welche durch den Krieg ausgelöst wurde, betrifft die jüdischen Kreise stärker wie die nichtjüdischen, weil die Juden viel rationeller alle Fragen des Familienlebens überdenken. Die Gründung eines eigenen Heims wird auf Jahre hinaus eine schwere ökonomische Frage für alle Heiratenden sein und während bei der nichtjüdischen Bevölkerung viel eher Einschränkungen vollzogen werden, hält der Jude an dem Auftreten, an dem Schein und Zeigen eines gewissen Wohlstandes fest. Jugendliche Idealisten scheinen den Weg der Jugend zu beeinflussen. Rücksichtslos wollen sie ihre Verbindungen anknüpfen, gegen den Stachel der Gesellschaft löcken und ein Heim, wenn auch auf wirtschaftlichem Nichts, begründen. Aber können sie zum Prototyp einer Zeit werden, in der alle Nöte, Teuerung und späte Selbständigkeit ihrer Klasse so sehr die Stunde regieren? Einen Gradmesser der sexuellen Nöte verraten allein schondie jüdischenunehelichen Geburten.

In Preußen wurden uneheliche Geburten bei Juden betroffen:

in %in %d. jüd. Geburtend. Geburten1821/30941,71891/952373,01831/401272,01896/002593,41841/501622,41901/052613,61861/652503,61906/103184,21881/902482,51910/143185,0

In Berlin allein waren uneheliche Geburten:

1875/815181882/917891892/018471902/111051

In den letzten Jahren vor dem Krieg bildeten die unehelichen Geburten 10 Prozent der ehelichen Geburten der Juden Berlins gegen 5% in den 70er Jahren.

Weder Entrüstung noch der Ausdruck irgend welcher sonstiger krasser moralischer Werturteile ist hier am Platze. Die in der Enge des jüdischen Familienlebens erzogene Jüdin, ihre an alten Beispielen verankerte Sittlichkeit und ihre im Kreise der Kleinstadt und der Ihrigen behütete und bewachte sexuelle Auffassung hat eine völlige Ummodelung in dem Augenblick erfahren, wo das junge Mädchen in das Erwerbsleben eintritt. Eine neue Umgebung läßt neue Anschauungen aufkommen. Die Emanzipation vom Elternhaus, die Möglichkeit sich selbst den Unterhalt zu verdienen, gibt ihr die Kraft sich von aller Konvention, von aller Abhängigkeit vom Hause freizumachen, ein eigenes modernes Leben zu führen und nicht nach dem zu fragen, was einst für gut und böse gehalten wurde. Die völlige Freiheit des jüdischen Mannes ist seit langem geduldet. Vor hundert Jahren war es auch darin anders und es ist keine Unwahrscheinlichkeit, daß sich auch die Frau dasselbe laisser-faire, laisser-passer erringen wird. Ob wir es wünschen oder nicht — ist dabei gleichgültig. Der Einfluß der Civilisation, die Neuzeitmit ihrer breit ausladenden Sinnlichkeit, das Großstadtmilieu, die Einwirkungen des Kapitalismus, die unglückliche Verteilung der wirtschaftlichen Güter und die ungerechte Bezahlung der Arbeitsleistungen der einzelnen Stände und der Geschlechter u. a. bringen Einflüsse mit sich, welche eine Umwälzung in der Psyche des Weibes vornehmen. Die Ausschließung lebensfreudiger Elemente von der Ehe muß eine natürliche Reaktion sinnlicher Individuen hervorrufen und die Prediger der Enthaltsamkeit warnen so lange vergebens, als der natürlichen Regung des Weibes, ihrem unbewußten Sehnen, ihrem selbstverständlichen Trieb das eigentliche Objekt: Ehe und Mutterschaft entzogen wird. Mit dem Steigen der Ehelosigkeit der Jüdinnen nimmt die Zahl der unehelichen Geburten zu, soweit sie die Geburtenpraevention nicht verhütet, was in noch stärkerem Maße der Fall ist. Trotz allem ist ihre Ziffer nicht groß genug, um von Bedeutung für die Erhaltung der Judenheit zu sein. Die 300 unehelichen Kinder in Preußen sind eigentlich lächerlich wenig an und für sich, nur das Sinken der allgemeinen Geburtenziffern und die frühere relative Seltenheit unehelicher Kinder bei den Juden überhaupt lassen sie zu einer soziologischen Bedeutung werden. Moralstatistisch ist sie hochbedeutsam; Bevölkerungstechnisch ist ihr Wert zu übersehen.

Es ist sicher, daß die Ziffer der unehelichen Geburten absolut keinen erschöpfenden Ueberblick über das sexuelle Leben der unehelichen Jüdinnen gibt. Die Jüdin der Großstadt, insbesondere das Mädchen von Berlin W, das den Weg zur Ehe nicht findet, hat keine große Vorliebe für außereheliche Mutterfreuden, die sie zu hintertreiben weiß. Wer aber dem berühmten Schrei nach dem Kinde Leben verleiht, den überläßt die Oeffentlichkeit der Aechtung. Aber alle Schuld rächt sich auf Erden. Die Entwicklung, die heute nur ein Fünftel der jüdischen Mädchen in dem angemessenen Alter zum Altar führt und die Aussicht für eine Heirat überhaupt immer unsicherer gestaltet, modelt dieberühmte altjüdische Sittlichkeit des Weibes um, nachdem die des Mannes längst zum Teufel ging. Ist es Schicksalswende der Juden oder Entwicklung des Sexualismus: Liebe, Ehe, Sexualbefriedigung finden ihre Umwälzung und der Prozeß, der sich anbahnt, ist noch lange nicht zum Abschluß gekommen. Eine weibliche Jugend mit eigenen starken Impulsen wächst heran, die ihr Leben sich selbst einrichten will, ohne Rücksicht auf die Philistermoral. Und mit einer Energie, die der Sexualtrieb verstärkt und die logische Ueberlegung stützt, nimmt sich die Jüdin ihr Recht auf das Leben, das nun einmal der Güter höchstes ist, das Recht auf ihr eigenes Leben.

Die alte Ehe war der beste Hort des Konfliktes zwischen der individuellen und generativen Leistung. Eine neue Ehe muss die glückliche Harmonie bringen, die beide Geschlechter als Eltern und Menschen zur vollen Entfaltung bringt. Dann wird jede neue Generation das biologische und traditionelle Erbgut reicher an die Zukunft weiter geben.

M. Vaerting.

Alle Untersuchungen ergeben, daß der Bevölkerungsaufbau der Juden eine 10-20%stärkereBesetzung ihrer Bevölkerung imheiratsfähigen Alteraufweist. Das hat seine Ursache in der herabgeminderten Säuglings- und Kindersterblichkeit. Wir besitzen Untersuchungen von Großstädten (Berlin, München, Leipzig), ferner eine Auszählung von Hessen, die uns die falsche Auffassung zurückweisen läßt, als ob eine große Auswanderung die Zahl der Heiratsfähigen geschwächt hätte. Trotzdem ergibt sich, daß auch mit den Elementen, welche eine Mischehe eingehen, die Zahl der Eheschließungen um durchschnittlich 20-50% geringer ist, als bei den Nichtjuden. Die Ursachen, die in den vorigen Kapiteln bereits angedeutet wurden, führen zu folgenden Erscheinungen:

Spät geschlossene Ehen sind weniger fruchtbar, als jung eingegangene Ehen. Zwischen dem Alter der Eheschließenden und der Kinderzahl besteht ein natürliches Verhältnis. Das urwüchsige sexuelle Bedürfnis wird im fortgeschrittenen Alter eher allen Hemmungen, Ueberlegungen und Vernunftsgründen unterworfen. Die Impotenz ist eine Begleiterscheinung des höheren Alters, insbesondere wenn Jahre und Jahrzehnte vorehelichen Sexuallebens vorausgegangen sind.

Liebe ist in jüdischen Kreisen ein Faktor, der stark von äußeren Einwirkungen beeinflußt ist. Damit ist noch nicht gesagt, als ob wir nicht ähnliche Einstellung auch bei gewissen Bevölkerungsschichten des deutschen Volkes beobachten würden. Der Adlige legt sich gleichfalls Beschränkungen in der Auswahl der Zukünftigen auf. Der mit dem Kapital arbeitende Christ übersieht ebenso immer mehr den Nutzen, den ihm eine materiell gut fundierte Heirat einbringt. Ein Sprichwort sagt, daß der Jude bei der Eheschließung nicht nur an die Kinder, sondern schon an die Enkel denke und dieses Verantwortlichkeitsgefühl ist wohl löblich, hat aber für die Erhaltung der Art Nachteile. Die große nichtjüdische Masse pflegt noch heute eine Eheschließung viel unbekümmerter um die Fragen der Zukunft einzugehen. Sie ist weniger berechnend, weniger überlegend, weniger besorgt. Dazu kommt noch die Belastung, welche dem jüdischen Mittelstand dadurch erwächst, daß die verheiratete Jüdin nicht im Erwerbsleben stehen soll, daß sie oft verwöhnt ist und in der Ehe eine Verbesserung ihrer Stellung und ihrer Bedürfnissesucht. Die frühere allgemeine Verehelichung der Töchter stellte ihre Versorgung dar. Das Einkommen des Heiratskandidaten spielte naturgemäß eine ausschlaggebende Rolle über Schönheit und Gestalt. Wenn heute die Liebe, d. h. das erotisch-psychische Empfinden bei der Eheschließung der Jüdin mitwirkt, so kann dieses Gefühl doch nicht bei der Gebundenheit der Ehemöglichkeit an Geld und Einkommen über alle traditionelle Gedankengänge und reale Ueberlegungen sich hinwegsetzen. Vielmehr wirken auch diese Faktoren mehr oder weniger stark mit ein. Die Jüdin von heute möchte einen Mann, den sie liebt und eine wirtschaftliche Sicherstellung ihrer Person. Man kann ihr beides nicht verübeln. Große nichtjüdische Massen folgen dagegen stärker ihren erotischen Trieben und heiraten ohne Rücksichten auf die ökonomischen Voraussetzungen und Folgen. (Im christlichen Mittelstand hat sich die Rationalisierung zusehends und die Angleichung an die Verhältnisse bei den Juden vollzogen).

Wir haben schon betont, daß der Arbeiter, der Lohnempfänger und der Bauer frühzeitig die volle Höhe seines Einkommens, das ihm die Arbeit seiner Hände einbringt, erreicht. Der Jude, der zumeist Träger des Kapitalismus ist, oder es werden will, unterwirft sein Liebesleben diesem Idol. Er ist Herr und Sklave des goldenen Kalbes. Die Bewegungsfreiheit ist auf diesem Altar geopfert und der Einzelne machtlos gegen die überwältigenden Einflüsse dieses Götzen. Wenn er die Schranken des Wirtschaftsgesetzes durchbrechen will, in dessen Schatten er steht, so wird er nur persönliche Nachteile erfahren, die sein aufopferndes Beispiel nicht als begehrenswertes Vorgehen vielen Jüngeren erscheinen lassen wird ...

Bedeutsam sind inbesonders diese und weitere Punkte, die wir kurz andeuten wollen:

Die Entwicklung der Eheschließungen verraten uns einige Ziffern.

Es fand statt eine Eheschließung von Juden


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