Vorwort.
Dies Büchlein ist kein Methodenwerk, das dem Zeichenunterricht in irgendeiner Schule Richtlinien und Beispiele geben möchte. Es ist für denSelbstunterricht des einzelnen gedacht. Gerade hierfür besteht nach meiner Erfahrung ein Bedürfnis. Schon öfters bin ich darum ersucht worden, einmal zu sagen und zu zeigen, wie ich mir die Fertigkeit erworben habe, mit wenig Strichen zeichnerisch auszudrücken, was sich mündlich und schriftlich gar nicht in solcher Kürze und Eigenart zum Ausdruck bringen läßt. Diesem Wunsche suche ich in diesem Büchlein zu entsprechen. »Weg zur Zeichenkunst« nennt es sich, weil es in einem schrittweisen Nach-und-nach jenem Zeichnenkönnen – in diesem schlichten Sinne bitte ich das Wort »Zeichenkunst« zu verstehen – zuführt. Und »derWeg zur Zeichenkunst« soll es heißen dürfen, weil nicht nur mein Pfad bezeichnet wird, sondern weil auf Grund psychologischer und geschichtlicher Erwägungen die heute geltenden Grundsätze des Zeichnenlernens überhaupt mit dargestellt wurden.
Das Büchlein ist in erster Linie für jene Lehrer gedacht, die während ihrer Bildungszeit und später in Amt und Würden keine Gelegenheit fanden, sich zeichnerisch zu schulen, und die doch den neuzeitlichen Anforderungen gern entsprechen möchten. Dann aber auch für alle jene – wes Standes und Alters sie auch sein mögen –, die keine andere Hilfe erreichen können, sich künstlerisch zu vervollkommnen, als einen literarischen Wegweiser. Ihnen möchte mein Büchlein mit Rat und Tat zur Seite stehen.
München, im August1913.
Ernst Weber.