Chapter 25

8. Luftschiffe[72].

Seit den ältesten Zeiten schon finden sich Spuren davon, daß der menschliche Geist — wenigstens die Phantasie — sich mit derFortbewegung des Körpers in der Luftbeschäftigte. Die Wagen der Götter und Göttinnen, die Wolkenwagen der Feen, das fliegende Roß in „Tausend und eine Nacht“, der Zaubermantel Fausts, Pegasus und die geflügelten Sohlen des Perseus sind ja nur der phantastische Ausdruck jener im Menschengeiste tief gewurzelten Vorstellung. Das erste bestimmte Zeugnis dafür, daß man es schon frühe verstanden, mit heißer Luft gefüllte, leichte Hohlkörper zum Steigen zu bringen, stammt von Aulus Gellius, einem römischen Schriftsteller des zweiten Jahrhunderts unserer Zeitrechnung. Er erzählt, daß der Pythagoräer Archytas, welcher mehrere Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung zu Tarent lebte, eine hölzerne Taube angefertigt habe, die vermittelst dünner, in deren Hohlkörper eingeschlossener Luft emporgestiegen und, sobald sie eine gewisse Höhe erreicht habe, wieder herabgesunken sei. Der englische MönchRoger Baco(† 1292), der so reich an Projekten war, daß man ihn den Edison des 13. Jahrhunderts nennen möchte, hielt es nicht für schwer, eine Maschine zu bauen, mit der sich ein Mensch wie ein Vogel in die Luft heben könnte. Sehr eingehend beschäftigte sich mit dem Probleme der Luftschiffahrt auchLeonardo da Vinci, von dem bis vor wenigen Jahren die Welt nur wußte, daß er einer der größten Maler aller Zeiten gewesen, nicht aber, daß er auch große Bedeutung als Physiker, Mathematiker, Mechaniker und Ingenieur besaß. Vor allem bemühte er sich, nach dem Vorbilde des Vogelflügels künstliche Flügel für einen Menschen zu konstruieren; desgleichen sind Luftschraube und Fallschirm seine Erfindungen.

Zu einer Reihe neuer Vorschläge und Versuche gab die Erfindung der Luftpumpe (1650) Anlaß. So schrieb der JesuitenpaterLana(um 1670) ein Werk, worin er ausführte, daß man mit vier aus ganz dünnen Kupferplatten bestehenden und luftleer gemachten großen Behältern sich in die Luft müsse erheben können. Da er aber seine Rechnung ohne Berücksichtigung des äußern Luftdrucks gemacht, so war sein Projekt von Anfang an unausführbar. Näher kam der Sache der DominikanerJoseph Galien, in dessen WerkL’art de naviguer dans les airs(Avignon1755) dargethan ist, daß die zum Emporschweben bestimmten Hohlgefäße wegen des äußern Luftdrucks nicht leer, sondern mit einer leichtern Luftart gefüllt sein müßten, deren Dehnbarkeit dem Drucke von außen das Gleichgewicht zu halten vermöge. DieserGedanke stellte sich indessen praktisch als gänzlich unverwertbar dar, weil Galien glaubte, die verdünnte Luft könne nur aus den oberen Schichten der die Erde umgebenden Atmosphäre entnommen werden.

Die Entdeckung des Wasserstoffs durch Cavendish im Jahre 1766, durch welche die leichte Luftart dargeboten war, blieb für die Luftschiffahrt zunächst unbeachtet, da wenige Jahre später der PaterBartolomeo Lourenço de Guzmanauf den Gedanken kam, erwärmte Luft zu dem mehrgedachten Zwecke zu verwenden. Über dessen Versuch wird folgendes berichtet. „Am 8. August 1769 stieg Guzman zu Lissabon vor dem König und seiner Familie, sowie vor einer großen Zuschauermenge mit einem aus zusammengeklebtem Papier angefertigten, mit Weidenruten ausgesteiften Ballon, unter welchem auf einem Roste ein Feuer brannte, bis zur Höhe der Hausdächer, stieß dann aber gegen einen Vorsprung des königlichen Palastes, wodurch seine Maschine beschädigt und zu raschem Sinken gebracht wurde.“ Der unglückliche Ausgang dieses Versuches, die persönlichen Anfeindungen, die Guzman vielfach zu bestehen hatte, sowie der Umstand, daß alsbald eine Unmasse thörichter Phantasten die Guzmansche Idee zu unsinnigen Projekten auszubeuten versuchte, brachten der Sache schließlich nur Spott ein, so daß darüber die Thatsache der Guzmanschen Erfindung beinahe ganz in Vergessenheit geriet. Aus diesen Umständen erklärt es sich auch, daß gewöhnlich der Beginn der Luftschiffahrt von dem ersten öffentlichen Auftreten der GebrüderMontgolfierdatiert wird.

Fig. 37. Die Gebrüder Montgolfier.

Fig. 37. Die Gebrüder Montgolfier.

StephanundJoseph Montgolfier, die Söhne eines reichen Papierfabrikanten in Annonay, beschäftigten sich bei den von ihnen mit Vorliebe betriebenen physikalischen Studien auch mit dem Problem der Luftschiffahrt und traten, nach vielfachen Versuchen im kleinen, schließlich am 5. Juni 1783 mit einer größern Probe an die Öffentlichkeit. Der von ihnen erbaute, nicht weniger als 23000 cbm haltende Ballon war kugelförmig und bestand aus Leinwand, innen mit Papier gefüttert. Gestütztauf ihre bisherigen Versuche, nahmen die Erfinder an, daß der Ballon durch Rauch in die Höhe getrieben werde, und benützten deshalb als Feuerungsmaterial eine Mischung von Stroh und gehackter Wolle. Durch die hierbei stattfindende Erwärmung der im Innern des Ballons befindlichen Luft blähte sich derselbe alsbald auf und stieg unter dem Jubel der Zuschauer ungefähr 300 m empor. Mit dem allmählichen Erkalten der Luft senkte sich der Ballon langsam und kam nach etwa zehn Minuten in einem nahegelegenen Weinberge wohlbehalten wieder zur Erde.

Rasch verbreitete sich die Nachricht dieses staunenswerten Experimentes nach Paris und versetzte dort alles in Begeisterung. Eine völlige Umgestaltung der bis dahin gebräuchlichen Verkehrsmittel war das Wenigste, was man von der „Luftschiffahrt“ erwartete. Im Augenblick war denn auch in Paris das erforderliche Geld zur Herstellung eines großen Ballons zusammengebracht, und der ChevalierFaujas de St. Fond, die GebrüderRobertund ProfessorCharlesunternahmen es, das „Wunder von Annonay“ zu wiederholen. Letzterer hatte sofort erkannt, daß nicht, wie die Montgolfiers glaubten, der Rauch es ist, der dem Ballon Steigkraft verleiht, sondern die durch die Erwärmung verursachte Luftverdünnung. Sobald nämlich der Ballon samt Zubehör weniger wiegt als ein gleich großes Volumen Luft, muß er nach hydro- und aerostatischen Gesetzen emporsteigen. Deshalb schlug Charles vor, den Ballon statt mit erwärmter Luft mit dem leichten Wasserstoffgase zu füllen; auch gab er gleich damals dem Ballon die noch heute übliche Gestalt einer von Netzwerk umgebenen Kugel mit darangehängter Gondel. Am 27. August 1783 stieg der erste Ballon dieser Art auf. Er hatte nur 12 Fuß Durchmesser und wog 25 Pfd. Mit ungeheurer Geschwindigkeit fuhr er empor und verschwand nach kaum zwei Minuten in den Wolken. Nach nicht ganz einstündiger Fahrt zerplatzte er und fiel bei Gonesse nieder, 2½ Meilen von Paris. Jetzt kam auch der jüngere Montgolfier nach Paris und ließ am 19. September zu Versailles in Gegenwart des Hofes und einer zahllosen Menschenmenge einen ungeheuern Ballon aufsteigen. Man hatte dem Ballon einen Käfig angehängt, in welchem sich ein Hammel, ein Hahn und eine Ente befanden. Es waren dies dieersten lebenden Wesen, welche eine Luftreise machten. Sie kamen glücklich wieder herunter. Jetzt dachte man daran, daß auch Menschen im Ballon Luftfahrten unternehmen könnten, und es wurde vorgeschlagen, das erste Wagnis dieser Art einem verurteilten Verbrecher zuzumuten. AlleinPilâtre de Rozierwies energisch daraufhin, daß es sich hier um eine Ehre handle, die man einem Verbrecher nicht zuweisen dürfe, und daß er selbst mit dem Montgolfierschen Ballon die erste Luftfahrt machen wolle. Er bereitete sich dazu vor durch einige kleine Versuche, bei denen der Ballon an einem Seile befestigt war, und endlich am 21. November 1783 stieg er in Begleitung des Marquis d’Arlandes beim Schlosse La Muette in die Höhe. Der Wind trieb den Ballon über Parishinweg, und nach 25 Minuten ließen sich die Luftschiffer in zwei Meilen Entfernung glücklich nieder, indem sie das Feuer allmählich verminderten. Wir besitzen noch das Protokoll über diese Luftreise; es ist unter anderen auch von dem berühmten AmerikanerBenjamin Franklinunterzeichnet, der sich damals als bevollmächtigter Minister seines Vaterlandes in Frankreich aufhielt. Als ihn bei dieser Gelegenheit jemand nach dem Nutzen des Luftballons fragte, antwortete er mit dem bezeichnenden Lakonismus:C’est l’enfant, qui vient de naître(„Wir haben es mit einem neugeborenen Kindezu thun“). Zehn Tage später stiegen Charles und die Gebrüder Robert mit einem Wasserstoffballon auf, und auch diese Luftreise ging ohne Unfall von statten. In den Herbstmonaten des Jahres 1783 und noch lange darüber hinaus herrschte durch ganz Frankreich ein wahres Ballonfieber. Auch der Herzog von Chartres, der Vater Ludwig Philipps, schloß sich 1784 einer Aufsteigung an, was Frau von Vergennes zu der Bemerkung veranlaßte, der Herzog wolle auf diesem Wege seinen Gläubigern entgehen. Selbst Frauen standen an Mut nicht nach, und im gleichen Jahre 1784 machte eine Dame zu Lyon die Fahrt in die Lüfte mit.

Fig. 38. Ballon des Marquis d’Arlandes.

Fig. 38. Ballon des Marquis d’Arlandes.

Fig. 39. Luftschiff Blanchards.

Fig. 39. Luftschiff Blanchards.

Eine gefährliche, aber überaus glückliche Fahrt machte am 7. Januar 1785Blanchard, indem er in 2½ Stunden von Dover nach Calais überflog. Der Luftschiffer würde wohl diese gefahrvolle Fahrt nicht unternommen haben, wenn er nicht geglaubt hätte, durch Anbringung eines Ruders den Ballon nach Willkür lenken zu können. Das war freilich ein völliger Irrtum; allein der Nordwestwind glich die Folgen dieses Irrtums glücklich aus, und der Luftschiffer kam, wie er verheißen, wirklich nach Calais. Dieser Erfolg erregte ein ungeheures Aufsehen, und man glaubte sich schon der Lösung des Problems nahegerückt, als Pilâtre de Rozier, derselbe junge Mann, welcher die erste Luftreise gemacht hatte, am 15. Juni 1785 bei seinem Versuch, von Boulogne aus den Kanal zu überschreiten, verunglückte. Er und sein GenosseRomainwaren kaum eine Viertelstunde von Boulogne entfernt, als man plötzlich eine große blaue Flamme an dem Ballon züngeln und den ganzen Apparat in einem Augenblick in Flammen aufgehen sah. Beide stürzten aus einer Höhe von 3000 Fuß zerschmettert auf die Klippen des Ufers nieder. Ein weiterer Märtyrer war der italienische GrafZambeccari. Am 7. Oktober 1803 fiel er, vonBologna aufgestiegen, mit seinem Ballon ins Adriatische Meer, trieb längere Zeit darin umher und wurde schließlich von einem englischen Fahrzeuge noch glücklich aufgefischt. Unentmutigt führte er dann mehrere Jahre hintereinander eine Reihe von glücklichen Luftfahrten aus, bis im Jahre 1812 sein Apparat in der Luft in Flammen aufging, wobei der mutige Mann leider den Tod fand.

Die zahlreichen, zum Teil mit großer Waghalsigkeit ausgeführten Luftfahrten zeigten, daß mit dem Ballon sehr wohl auch größere Entfernungen zurückgelegt werden könnten; zugleich brach sich aber auch die Überzeugung Bahn, daß eine Verwendung der Luftschiffahrt für Beförderungszwecke erst dann möglich sei, wenn es gelungen, den Luftschiffen eine bestimmte Richtung zu geben, d. h. sie gleich den Schiffen im Meere lenkbar zu machen.

Die gänzliche Fruchtlosigkeit aller in dieser Richtung unternommenen Versuche machte im Laufe des 19. Jahrhunderts die Begeisterung für die neue Erfindung etwas erkalten, und bald beschränkte sich die Benützung des Ballons im wesentlichen aufwissenschaftlicheZwecke, denen einzelne Versuche sich hinzugesellten, den Luftballon für dieKriegführungzu verwenden.

DiewissenschaftlichenBallonfahrten haben nicht nur dazu gedient, die über die Beschaffenheit der Luft bereits auf anderem Wege gewonnenen Kenntnisse zu bestätigen, sie haben dieselben auch in mancher Hinsicht bereichert. So haben die Luftschiffer die Abnahme des Druckes und der Dichtigkeit der Luft bestimmt; Sie haben ferner Gelegenheit gehabt, zu beobachten, wie die Gestirne mit zunehmender Verdünnung der Luft immer heller erglänzen, und wie an Stelle unseres heitern Blau ein immer tieferes Schwarz des Himmels tritt. Durch die Luftschiffahrt ist uns außerdem bekannt geworden, daß in unseren oberen Regionen der Atmosphäre auch im Sommer sibirische Kälte herrscht, und neuestens hat man die Wahrnehmung gemacht, daß in jenen Höhen der menschliche Körper in hohem Grade elektrisch wird, so sehr, daß er Funken sprüht. Nach der Aussage einiger Gewährsmänner kann die Spannung der Elektricität sogar einen fast unerträglichen Druck erzeugen, weshalb es nicht unwahrscheinlich ist, daß so manche der Katastrophen, mit welchen die Luftfahrten noch in jüngster Zeit leider so häufig geendet haben, zum Teil auf dieses elektrische Phänomen zurückzuführen sind.

Unter den zuwissenschaftlichen Zweckengewagten Luftfahrten sind die bedeutendsten die beiden vonBiotundGay-Lussacim Auftrage der Pariser Akademie im Jahre 1804 unternommenen und aus neuester Zeit diejenigen des englischen NaturforschersGlaisher, der sich rühmen darf,unter allen Sterblichen sich am weitesten von der Erde entfernt zu haben. Die von ihm erreichte Höhe von 11277 m übersteigt nämlich die des höchsten Berges der Erde noch um rund 2500 m. Diese letztgenannte Höhe erreichte Glaisher bei einer mit dem LuftschifferCoxwellim Jahre 1863 ausgeführten Fahrt, aber freilich erst, als er bereits das Bewußtsein verloren hatte, und als Coxwell, dessen Hände von der Kälte schon ganz schwarz und gebrauchsunfähig waren, das Ventil nur eben noch mit den Zähnen öffnen konnte, um den Ballon schleunigst sinken zu machen.

ZuKriegszweckenfand der Ballon zuerst Verwendung in der Schlacht von Fleurus (1794); auch bei der Belagerung von Charleroi leistete er Dienste. 1794 errichtete man sogar zu Meudon eine militärisch-aëronautische Schule. Napoleon aber, dem dieselbe keine greifbaren Resultate lieferte, löste sie auf. Bei der Belagerung Venedigs durch die Österreicher (1849) wurden die Ballons wiederum in Anwendung gebracht, doch ohne günstigen Erfolg. Bei Solferino (1859) sollte mit einem Ballon rekognosziert werden; er traf aber, infolge einer Verzögerung auf dem Transport, zu spät auf dem Schlachtfeld ein. Seitens der großen Militärmächte wurde mehr und mehr der Sache Aufmerksamkeit geschenkt, besonders seitdem der letzte entscheidende Schlag des amerikanischen Bürgerkrieges, die Eroberung von Richmond im Jahre 1862, dem General Mac Clellan hauptsächlich durch die mehrfachen Rekognoszierungen und Aufnahmen mittels des Ballons gelang. Nicht zu unterschätzende Dienste haben die Ballons bekanntlich in dem großen Kriege der Jahre 1870 und 1871 bei der Belagerung von Paris geleistet. Im ganzen sind durch die von dem Generalpostdirektor Rampont mit großem Geschick und unermüdlicher Energie organisierte Pariser Ballonpost während der Belagerung 91 Passagiere, 363 Brieftauben und 2½ Millionen Briefe befördert worden. Die Zahl der vom 23. September 1870 bis 28. Januar 1871 abgelassenen Ballons betrug 65. Davon gerieten fünf in die Hände der Sieger, vier gingen in Belgien, drei in Holland, zwei in Deutschland und einer in Norwegen nieder. Nur zwei sind spurlos verschwunden.

Die merkwürdigste Reise, die übrigens zugleich den Beweis lieferte, welch ungeheure Geschwindigkeit mit der Luftschiffahrt erzielt werden kann, machte der nach Norwegen verschlagene Ballon. Derselbe hatte eine Strecke von nahezu 1400 km in 15 Stunden zurückgelegt, d. i. fast die doppelte Schnelligkeit eines Kurierzuges — sicherlich ein mehr als genügender Beweis, daß man mit dem Luftschiff sehr wohl große Entfernungen zurücklegen und zugleich eine Geschwindigkeit erzielen kann, wie mit keinem der bis jetzt benützten Transportmittel. Mit der bisher im Ballon erreichten größten Geschwindigkeit von 20 Meilen in der Stunde würde man eine Luftreise um die Erde in 11 Tagen zurücklegen können.

Was uns vor allem noch von dem Glücke trennt, unseren weit vorgeschrittenen Verkehrsmitteln auch den ungehemmten Flug über Land und Meer hoch im reinen Äther zugesellt zu sehen, das ist dieUnlenkbarkeitdes Luftschiffes. Den Kernpunkt der Frage, Herstellung eines leistungsfähigenMotors von verhältnismäßig geringem Gewicht, hat man längst erkannt, und unermüdlich streben Wissenschaft und Technik nach Lösung dieses Problems.

Fig. 40. Henri Giffards lenkbarer Luftballon mit zweiflügeliger Schiffsschraube und Dampfmaschine.

Fig. 40. Henri Giffards lenkbarer Luftballon mit zweiflügeliger Schiffsschraube und Dampfmaschine.

Den ersten diesbezüglichen Versuch machte der französische IngenieurHenry Giffard(1852); dann unternahmen solche der französische Marine-Ingenieur und AkademikerDupuy de Lôme(1872), der IngenieurPaul Hänleinaus Mainz (1872) und die GebrüderTissandierin Paris (1883). Letztere benutzten bereits elektrische Motoren. Die bedeutsamsten und erfolgreichsten Versuche wurden in neuester Zeit von den französischen OffizierenCharles RenardundA. Krebsausgeführt.

Dieselben fuhren am 9. August 1884 in einem nach ihrer Erfindung erbauten, mit einer sehr leichten elektro-dynamischen Maschine versehenen Luftschiffe in Meudon auf und langten nach Zurücklegung eines von vornherein bestimmten Weges wieder an ihrem Ausgangspunkte an. Auch die vor kurzem mit dem lenkbaren Luftschiff von Renard angestellten neuen Versuche haben ein durchaus günstiges Ergebnis geliefert. So kann man die hochwichtige Frage der Lenkbarkeit des Schiffes in kleinem Maßstabe und untergewissen Voraussetzungen als gelöst betrachten. Gewiß wird aber auch noch das Wort des hervorragendsten Aëronauten Amerikas, John Wises, in Erfüllung gehen: „Unsere Kinder werden nach jedem Teil der Erde reisen können ohne die Belästigung von Dampf, Funken oder Seekrankheit und mit einer Schnelligkeit von 20 geographischen Meilen pro Stunde.“[73]

Fig. 41. Luftschiffahrten von Renard und Krebs.

Fig. 41. Luftschiffahrten von Renard und Krebs.

Hat das Problem einmal ganz und voll seine Lösung gefunden, so wird sicherlich auch die Post sofort am Platze sein, das neue Verkehrsmittel für ihre Zwecke auszubeuten.

Fig. 42. Luftballon, getrieben durch den elektrischen Strom.❏GRÖSSERE BILDANSICHT

Fig. 42. Luftballon, getrieben durch den elektrischen Strom.

❏GRÖSSERE BILDANSICHT


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