Fig. 153. Linien zwischen Europa und Südamerika.❏GRÖSSERE BILDANSICHT
Fig. 153. Linien zwischen Europa und Südamerika.
❏GRÖSSERE BILDANSICHT
b. Englische Linien.
c. Französische Linien.
Fig. 154. Linien zwischen Europa einerseits und Mittelamerika Westindien andererseits.❏GRÖSSERE BILDANSICHT
Fig. 154. Linien zwischen Europa einerseits und Mittelamerika Westindien andererseits.
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a. Deutsche Linien.
Anschlüsse in Colon (Panama).(ZwischenColonundPanamaEisenbahnverbindung; 47 englische Meilen in 3–4 Stunden, 25 Doll.)1.Panama-Callao-Valparaiso(Pacific Mail Packet Service). Fahrtdauer von Panama nach Valparaiso: 24 Tage (3077 Seemeilen).2.Panama-San Francisco(Pacific Mail Steamship Company). 3241 Seemeilen in 17 Tagen.
Anschlüsse in Colon (Panama).
(ZwischenColonundPanamaEisenbahnverbindung; 47 englische Meilen in 3–4 Stunden, 25 Doll.)
1.Panama-Callao-Valparaiso(Pacific Mail Packet Service). Fahrtdauer von Panama nach Valparaiso: 24 Tage (3077 Seemeilen).
2.Panama-San Francisco(Pacific Mail Steamship Company). 3241 Seemeilen in 17 Tagen.
Aus diesem Überblick über die wichtigsten Dampferlinien ergiebt sich zunächst, daß dasdichteste Netz von Schiffskursendas atlantische Becken aufweist und hier vor allem wieder die Wasserräume des nordwestlichen Europa. Von dort gehen, wie v.Schweiger-Lerchenfeldsagt, die Dampferrouten wie Strahlenbündel von einem Brennpunkte — dem Ärmelkanal und der Nordsee — aus. Dicht aneinandergedrängt liegen dort die bedeutendsten Seehandelsplätze an den englischen, französischen, holländischen und deutschen Küsten. Und die ausschwärmenden Linien, welche das nord- und südatlantische Becken in dichten Reihen durchfurchen, streben fast allesamt nach den Küsten des neuen Erdteils hinüber, wo eine andere Reihe bedeutsamer Hafenplätze die Maschen dieses Verkehrsnetzes schließen hilft. Wenn wir über die kulturellen Verhältnisse der amerikanischen Gebiete auch gänzlich ununterrichtet wären: jenes Liniennetz müßte uns sofort über die größere oder geringere Bedeutung derselben aufklären.
An dem transatlantischen Dampferverkehr sind dermalen etwa 30 Dampfer-Gesellschaften beteiligt mit rund 1000 Dampfern.
Diewenigsten Dampferkurseentfallen auf denpacifischen Ocean. Zwischen Südamerika und Australien besteht nicht eine einzige Linie, zwischen San Francisco und Ostasien nur zwei, zwischen San Francisco und Australien vollends nur eine. Freilich wird sich das mit Vollendung des Panama-Kanals wesentlich ändern.
Amzweitdichtestenist das Netz der Dampferkurse imMittelmeerbecken. Die große Zahl von Schiffslinien wird hier indes nicht allein durch den Verkehr der Mittelmeerländer veranlaßt; denn seit Eröffnung der Suezpassage nehmen auch die Schiffe nach Ostafrika, Süd- und Ostasien, dem hinterindischen Archipel und Australien ihren Kurs über das Mittelmeer.
DerIndische Oceansteht infolge des großen Produktenreichtums seiner Gebiete hinsichtlich der Dichtigkeit der Schiffahrtslinien andritterStelle.
Dendunkeln Erdteilumschwärmen im Westen und Osten nur einige wenige Linien.
Prüft man die oben angeführtenSchiffahrtslinienhinsichtlich derLänge des Weges, so stehen in dieser Beziehung obenan dieaustralischen Routen, und zwar unter diesen wieder die von derNew Zealand Shipping Companybefahrene RoutePlymouth-Aucklandmit 13694 Seemeilen; es ist dies diegrößtevon ein und demselben Schiffe im Weltverkehr zurückzulegende Entfernung; es folgen die LinienBremerhaven-Sydneymit 12368 Seemeilen,London-Brisbanemit 12311 undMarseille-Numea(Neu-Caledonien) [Messageries Maritimes] mit 11841 Seemeilen. — Den australischen Linien reihen sich an jene nach demsüdamerikanischen WestenundOstasien. Es beträgtz. B.die Entfernung zwischenHamburg-Callao10962, zwischenLiverpool-Callao11061 Seemeilen; ferner die Entfernung zwischenLondon-Shanghai10669, zwischenLondon-Yokohama11591, zwischenBremerhaven-Shanghai11083 und zwischenMarseille-Yokohama9853 Seemeilen. — Auf 5000–8000 Seemeilen beläuft sich die Entfernung auf den Linien nach Vorderindien, der südamerikanischen Ostküste, nach Mittelamerika, dann West- und Südafrika; soz. B.zwischen London-Calcutta auf 8083, zwischen London-Bombay auf 6274, zwischen Bremerhaven-Buenos-Aires auf 6745, zwischen Hamburg-Colon auf 5580, zwischen Hamburg-Tampico auf 6145, zwischen Lissabon-Mossamedes auf 5250 und zwischen Plymouth-Kapstadt auf 5951 Seemeilen. — Zu den kürzesten überseeischen Routen zählen jene nach denVereinigten Staaten von Amerika(Bremerhaven-New-York3565,Hamburg-New-York3675 Seemeilen).
Vergleicht man die verschiedenen Schiffahrtskurse nach derZeitdauer, die sie beanspruchen, so erfordert die längste Zeit die LinieHamburg-Callao(65 Tage). — NachAustralienundOstasienwährt die Fahrt von Brindisi aus ca. 32–40 Tage. — Die Häfen dersüdamerikanischen Ostküste(Rio de Janeiro, Montevideo, Buenos-Aires), sowie jene vonMittelamerika(Colon, Veracruz) erreicht man von Hamburg und Bremerhaven in ca. 30 Tagen. — NachSüdafrika(Kapstadt) gelangt man von England aus in 20 Tagen, in der gleichen Zeit (21 Tagen) auch von Brindisi nachZanzibar, nachOber-undNieder-Guineadagegen sowohl von England wie auch von Deutschland aus erst in ca. 32–53 Tagen. — Nach denvorderindischenHäfen Bombay und Calcutta beträgt die Fahrtdauer von Brindisi aus nur 15, bezw. 26 Tage. — Zwischen Deutschland und denVereinigten Staatenverkehrt man in 9–12 Tagen.
Stellen wir endlich auch noch diePreisefür die verschiedenen Seefahrten abdeutschenHäfen zusammen, so ergiebt sich folgendes Resultat:
Über dieVorzüge und Nachteile der verschiedenen Dampferlinienurteilt der vielgereisteHeinrich Semleralso[237]:
Was dieenglischenDampfer betrifft, so haben die Zwischendeckspassagiere gerechten Grund zur Klage einerseits über die schlechte Verpflegung, andererseits über die rohe Behandlung seitens des Schiffsvolks. Die Beköstigung ist in den Zwischendecken geradezu erbärmlicher Art. Was in dieser Hinsicht geboten wird, sind klebrige Hafergrütze, ungeschälte Kartoffeln und schlechtes Fleisch. Außerdem wird eine widerliche schwarze Brühe verabreicht, die morgens Kaffee und abends Thee genannt wird. — Das Benehmen der Schiffsmannschaft gegen die Passagiere, namentlich gegen solche, die nicht englisch sprechen, ist häufig empörend. „Ich habe gesehen,“ sagt Semler, „daß Seekranke im buchstäblichen Sinne des Wortes aus ihren Kojen geprügelt wurden, weil sie nicht aufstehen wollten, als gereinigt werden sollte. Die Roheit und Ungeschliffenheit des englischen Schiffsvolks, vom Kapitän bis zum Schiffsjungen herab, ist übrigens sprichwörtlich.“ Bezeichnend für die Behandlung der Zwischendeckspassagiere auf englischen Dampfern istu. a.auch dies, daß sie auf Deck durch ein Seil von den Kajütenpassagieren getrennt werden. Mag das Zwischendeck überfüllt, mag die Kajüte nur spärlich besetzt sein, gleichviel, die Passagiere des erstern werden durch ein Seil eingepfercht, das ein Matrose zu überwachen hat.
Aber auch für deutscheKajütenpassagiere empfehlen sich, wo immer thunlich, die englischen Dampfer nicht. Die Speisen in der Kajüte sind zwar vortrefflich, aber eben nach englischen Begriffen, nicht nach deutschen. So verlangt unser nationaler Geschmack eine gute Suppe; die Engländer verstehen aber eine solche nicht zu bereiten. Das Gemüse kochen sie nur halb gar, und vollends als eine Strafe muß es betrachtet werden, englischen Kaffee trinken zu müssen. — Eine weitere Schattenseite der englischen Dampfer besteht darin, daß der Obersteward nicht dem Befehl des Kapitäns unterstellt ist; er verfährt ganz als Selbstherrscher an Bord, und vollständig nutzlos ist es, beim Kapitän Beschwerde zu führen.
DiefranzösischenDampfer sind in einigen Beziehungen besser als die englischen. Die Küche ist vorzüglich und das Schiffsvolk höflich.
Volles Lob verdienen nur die deutschen Linien.Wiederholt haben Passagiere, welche den Ocean unter verschiedenen Flaggen gekreuzt, es ausgesprochen, daß sie nur mit deutschen Dampfern fortan eine atlantische Seefahrt machen werden. Semler berichtet von englischen Kaufleuten, die jährlich nach New-York zu reisen haben, daß sie, trotzdem selbe eifrige Patrioten sind, jedesmal in Southampton auf einem deutschen Dampfer sich einschiffen.
Die Schiffe desÖsterreichischen Lloydsind nicht ganz das, was sie sein sollen. Die konkurrierenden englischen und französischen Dampfer sind reinlicher, komfortabler und führen eine bessere Küche.
DieitalienischenDampfer dürften reinlicher gehalten sein; ihre Küche verdient die Bezeichnung „mager“.
DiespanischenDampfer wimmeln in der Regel von Ungeziefer, und wer den Steward darauf aufmerksam macht, erhält die Antwort, daß er solches an Bord gebracht haben müsse, da man nie zuvor davon geplagt worden sei. Die Küche läßt viel zu wünschen übrig.
DieamerikanischenSeedampfer endlich stehen an Eleganz, Reinlichkeit und Verpflegung den viel gerühmten Flußdampfern der Union wesentlich nach.
Was dieBefähigung der verschiedenen Nationen für den Seedienstbetrifft, so sind nach dem Zeugnisse vieler erfahrener Reisenden jene, welche derdeutschen Nordseeküsteentstammen, die besten Seefahrer der Welt. Intelligent in ihrem Fache, kaltblütig in der höchsten Gefahr und gehorsam den Befehlen der Vorgesetzten — so stehen sie unerreicht da. — Ihnen zunächst kommen dieNorweger, die ihnen ebenbürtig sein würden, wenn sie weniger dem Trunke frönten. Selbstverständlich kann auch die seemännische Befähigung derEngländernicht geleugnet werden; aber während der deutsche Seemann in der Gefahr nüchtern bleibt und nur an seine Pflicht denkt, trinkt sich der englische Matrose in der Stunde der Gefahr Mut an, er flucht und schilt und ist geneigt, den Gehorsam zu verweigern. Auch diefranzösischenSeeleute sind nicht so zuverlässig, wie die nordischen Germanen, und ebensowenig sind in dieser Beziehung die Italiener zu loben, jene an der Riviera ausgenommen; dieSpaniervollends sind als Seevolk nur mehr der Schatten ihrer Vorfahren.
Über diekörperliche Leistungsfähigkeitder verschiedenen Seemannschaften gestattet ein häufig wiederholter und jeden Einwand ausschließender Versuch ein unmittelbares Urteil. Wenn nämlich in demselben Hafen Kriegsschiffe verschiedener Flaggen längere Zeit zusammen liegen, so daß sich außer gewissen dienstlichen, von alters her üblichen Beziehungen auch ein freundschaftlicher Verkehr herausbildet, dann werden oft großartige Bootswettfahrten nach gegenseitiger Verabredung veranstaltet — einzig dastehende internationale Wettkämpfe, bei welchen der Eifer durch das Nationalgefühl aufs äußerste gesteigert wird. Nach diesen Versuchen nun gebührt der Preis der höchsten körperlichen Tüchtigkeit demdeutschenMatrosen[238].