3. Bierhumor und Bierpoesie.

Das Jahr ist gut, braun Bier ist geraten,Dann wünsch ich mir nichts, als dreitausend Dukaten,Damit ich kann schütten braun Bier in mein Loch;Und jemehr ich davon trinke, desto besser schmeckts noch.Fliegendes Blatt.

Das Jahr ist gut, braun Bier ist geraten,Dann wünsch ich mir nichts, als dreitausend Dukaten,Damit ich kann schütten braun Bier in mein Loch;Und jemehr ich davon trinke, desto besser schmeckts noch.Fliegendes Blatt.

Das Jahr ist gut, braun Bier ist geraten,Dann wünsch ich mir nichts, als dreitausend Dukaten,Damit ich kann schütten braun Bier in mein Loch;Und jemehr ich davon trinke, desto besser schmeckts noch.

Fliegendes Blatt.

Der edle Wein ist dem Deutschen der Sorgenbrecher, das Bier sein guter Kamerad. Der Rebensaft macht das Blut leicht, lockert die Gedanken, gebiert den Witz; das behäbige Bier macht Körper und Gedanken träge, weckt aber den Humor, jenes urdeutsche Etwas, das wie die Gemütlichkeit, nur das deutsche Volk und der deutsche Sprachschatz kennt.

Darum liebt der Deutsche auch sein Bier, und was sich liebt, das neckt sich. Wer schimpft, der kauft! Der Deutsche schimpft auf den Gerstensaft, legt ihm allerlei Namen bei, oft recht grobe, aber nichts destoweniger sehr bezeichnende, und sauft – pardon, kauft soll es heißen. Heute, wo wir feiner geworden sind, sprechen wir allerdings nichtmehr so despektierlich vom Bier, wie es unsere Vorfahren getan, denen eine Zote und ein Zötchen, wie Luther sagt, als Würze der Geselligkeit schienen. Wir sind nobler geworden – wir tun jetzt im Geheimen, was vordem die breite Öffentlichkeit nicht scheute und nicht zu scheuen brauchte, denn der Nachbar, sogar die Damen machten es ebenso. Und was die Ahnen ohne Bedenken ausführten, das benannten sie auch mit dem richtigen Namen – es klang freilich nicht immer zart und »passend«, aber die Prüderie war eben damals noch nicht Allgemeingut geworden. Man war rücksichtsloser und derber und heuchelte wenigstens noch nicht in Kleinigkeiten. Man trank sein Bier ganz öffentlich aus großen Töpfen, nippte nicht in Wirtshäusern aus gläsernen Tulpen, um im Geheimen Maßkrüge zu leeren. Man sagte nicht: »Gose bekommt mir nicht!« sondern

Es ist ein wunderschönes Bier,Die Goslarische Gose:Man glaubt, man hat sie in dem LeibUnd hat sie in der Hose!

Es ist ein wunderschönes Bier,Die Goslarische Gose:Man glaubt, man hat sie in dem LeibUnd hat sie in der Hose!

Wie viel gesitteter, aber langweiliger, klingt, was Friedrich Herm zweihundert Jahre später von derselben Gose singt:

Du Göttertrank, du Leipziger Sekt.Wie schäumst du im hohen Glas.O wie bedauern wir jeden doch,Der schwelgend vor dir nie saß,Du, süßer wie Mädchengekose,Gose!

Du Göttertrank, du Leipziger Sekt.Wie schäumst du im hohen Glas.O wie bedauern wir jeden doch,Der schwelgend vor dir nie saß,Du, süßer wie Mädchengekose,Gose!

Weniger affektiert aber bei weitem richtiger charakterisiert ihr Landsmann Edwin Bormann die Gose:

Wennste probst der Gose SaftWappne dich mit Heldenkraft,Denn du weeßt nich, werd dei MagenJa un' Amen derzu sagen?Drum bevor de rechde HandNoch um's Stempelglas sich wand,Leg aus Vorsicht deine LinkeUf de Stuwendhierenklinke.

Wennste probst der Gose SaftWappne dich mit Heldenkraft,Denn du weeßt nich, werd dei MagenJa un' Amen derzu sagen?Drum bevor de rechde HandNoch um's Stempelglas sich wand,Leg aus Vorsicht deine LinkeUf de Stuwendhierenklinke.

So wie die Gose hing der Deutsche fast allen seiner Lieblingsbiere einen Klaps an, sei es, daß er ihre Wirkung übertrieb oder ihren ursprünglichen Namen verballhornte. Aus dem Breslauer Stadtbier, dem Scheps, wurde der – Schöps, von dem es hieß:

Schöps steigt ins Gehirn,Braucht keine Leiter nicht.Er sitzet in der Stirn,Wirkt Wunder im Gehirn.

Schöps steigt ins Gehirn,Braucht keine Leiter nicht.Er sitzet in der Stirn,Wirkt Wunder im Gehirn.

oder wie das Original im klassischen Küchenlatein lautet:

Scheps caput ad scandit,Non scalis indigitet actis;Sessitat in Stirnis,Mirabilis intus in Hirnis.[69]

Scheps caput ad scandit,Non scalis indigitet actis;Sessitat in Stirnis,Mirabilis intus in Hirnis.[69]

Auf »durchschlagendere« Wirkung lassen die Namen etlicher anderer Biere schließen, so das Eckernförder, von dem Krünitz in aller Gelassenheit berichtet: »Von diesem wird erzählt, daß, als im Jahre 1503 der Kardinal Reymundus dahin gekommen und dieses Bier gekostet, habe es ihm so wohlgeschmeckt, daß er ziemlich sich darinn berauschet; als er aber hier auch des Nachts etliche Stuhlgänge gehabt, habe er esCacabellaoder Cacabulle genannt, da es vormahls Quackeldeiß geheißen.« Und dieser anrüchige Name blieb auf ihm sitzen.

Ebenso bezeichnend hieß das Bier von Dasseln im Braunschweigischen derHund, weil es im Leibe knurrte und murrte, ehe es sich gewaltsam einen Ausweg suchte.

Die Lust an Derbheiten bei unseren Altvorderen kommt in vielen Biernamen zum unverfälschten Ausdruck, so wenn sie das Gebräu von Dransfeld im HildesheimschenHosenmilchnennen – eine Zweideutigkeit, die gar nicht zweideutig ist, oder das Nauensche Bier Zitzenille benamsen, das ein Ungenannter also apostrophiert:

Wer Zitzenille trinken will,Der muß drei Tage liegen still!

Wer Zitzenille trinken will,Der muß drei Tage liegen still!

Das Bier aus Eisleben wird »Krabbel an der Wand« und »Mordundtotschlag«, das Bier aus Stade – Kater, das aus Boitzenburg Beißdenkerl und endlich das von Osnabrück – Buße getauft.

Am reichsten an Bieren mit absonderlichen Namen war Frankfurt a. d. O. Eine Durchsicht meiner Tabelle der Bierspitznamen ergibt für diese Mittelstadt an zwanzig verschiedene Biere, von denen ein großer Teil ihre Bezeichnungen bereits seit dem fünfzehnten Jahrhundert tragen.[70]

Unseres heiligen römischen Reiches deutscher Nation gesegnete Streusandbüchse war in der Vorzeit das Dorado des Bieres – ein Abklatsch des bierseeligen Bayerns unserer Zeit. Jedes Nestchen hatte sein eigenes Bier, dazu kam noch eine Hochflut fremder Gebräue – und doch schwärmte der Brandenburger für kein Bier mehr als für sein heißgeliebtesBernauer.

Mit behaglichem Schmunzeln, nach einem Kuhschluck des schäumenden Trankes, tischt der behäbige Märker dem Fremden die Geschichte auf, wie ein Schusterjunge in Berlin, dem der Meister das bißchen Grips aus dem Kopfe gebeutelt, von der nicht minder handfesten Meisterin nach einem Krug Bernauer geschickt wird und statt nach dem Ratskeller zu gehen, sich gen Bernau trollte, der Residenz Wippchens und der Geburtsstadt des »Froschmäuselers« Georg Rollenhagen. Als ihm dann plötzlich auf dem Rückweg nach Berlin seine Torheit klar wurde und er sich die zahllosen Kopfnüsse ausmalte, die ihm winkten, vergrub er den Deckelkrug voll Bier am Wegrand und ging in die Fremde. Viele Jahre vergingen ehe der zu einem Kriegsobersten gewordene Lehrling nach dem Spreestrand heimkehrte und nach dem Krug Bernauer grub, den er unversehrt fand, ebenso das Bier in ihm, das zu einem wahren Göttertrank geworden war. Dieses Bernauer begeisterte einen Poeten um 1720 herum zueinem endlos langen Gedicht, dessen letzte zwei Strophen lauten:

Schönster Preis von allen SäftenWertestes Bernauer Bier,Welcher Trank kann dir an KräftenUnd an Tugend gehen für?Keiner, keiner kann dir gleichen,Aller Nektar muß dir weichen;Ja, es ist ja nichts auf Erden,Das dir kann verglichen werden.Tee, Kaffee und Chokolade, –Trinke Wasser, wer da will!Ros solis und Limonade,Diese acht' ich auch nicht viel.Wein ist teuer und zu hitzig,Branntewein macht aber witzig; –Alle diese müssen passenUnd Bernau die Ehre lassen.

Schönster Preis von allen SäftenWertestes Bernauer Bier,Welcher Trank kann dir an KräftenUnd an Tugend gehen für?Keiner, keiner kann dir gleichen,Aller Nektar muß dir weichen;Ja, es ist ja nichts auf Erden,Das dir kann verglichen werden.

Tee, Kaffee und Chokolade, –Trinke Wasser, wer da will!Ros solis und Limonade,Diese acht' ich auch nicht viel.Wein ist teuer und zu hitzig,Branntewein macht aber witzig; –Alle diese müssen passenUnd Bernau die Ehre lassen.

Eine ähnliche Dichtung findet sich, sogar in drei Sprachen: lateinisch, hoch- und plattdeutsch, zu Ehren des Gardelegener Gartei. Ihr Verfasser ist der hochgelahrte Helmstädter Professor der Medizin und spätere Oberarzt in Lübeck, Heinrich Meibomius, der sich auch viel mit dem Geißeln beschäftigte und uns eine diesbezügliche, in gewissen Kreisen noch unvergessene Abhandlung »de flagrorum usu in re veneria« hinterlassen hat. Die Entstehungsgeschichte dieses Gedichtes ist folgende: Herzog Heinrich Julius von Braunschweig hatte verboten, in Helmstädt das Gartei an die Studenten zu verschänken. Das beklagte Meibomius imNamen seiner Studenten und des Gartei selbst mit den Worten:

Ik himmelseute Kind, dat man nach seiner Meumen,Der wiet berühmten Stadt »Gartie« plegt tau neumen,Maut leider van de Eim mit Sack und Packe theinUn mine ohle Borch an mit'n Rüggn anseihn. –

Ik himmelseute Kind, dat man nach seiner Meumen,Der wiet berühmten Stadt »Gartie« plegt tau neumen,Maut leider van de Eim mit Sack und Packe theinUn mine ohle Borch an mit'n Rüggn anseihn. –

Das Gedicht verrät dann, daß auch die Damenwelt dem Gartei nicht abgeneigt gewesen sei, denn, sagt das Bier von sich selbst:

De Mann, de van mick hefft gaut dichte Töge dahnDe kann mit Pries und Ehr tau siener Frau gahn;Dat merckt de Mämnncke's wohl, de looft mick utermahn.Un will mick ut de Stadt Kortzumme nit verlaten.

De Mann, de van mick hefft gaut dichte Töge dahnDe kann mit Pries und Ehr tau siener Frau gahn;Dat merckt de Mämnncke's wohl, de looft mick utermahn.Un will mick ut de Stadt Kortzumme nit verlaten.

Ebenso wie das Gartei, fand der Tangermündner Kuhschwanz und das Karthäuser aus Frankfurt a. d. Oder seine Sänger.

Aber trotz dieser guten Biere ergoß sich ein Strom fremden Stoffes über die Mark. Was man z. B. in Berlin um das Jahr 1711 alles hinter die Binde goß, ist aus dem nachstehenden »Bier-Carmine« zu ersehen.

Krossener, Kottbuser, Ruppiner,Zerbster, Breihahn und DemminerLandbier und Bernauer Bier,Gartei aller Tränke Zier,Duckstein wie auch Fürstenwalder,Spandauer und Mittenwalder,Der Karthäuser edles Bräu,Der zu Frankfurt schäumt auf's Neu',Tuchebander, Brandenburger,Stolper und Oranienburger,Köpenicker, Moll, Magdeburger,Brietzer, sowie Quedlinburger,Machen Wirt und Gäste rund. –Tuts der Trunk auch von Sarmund?Darvon ward uns nie was kund!Grüß' dich Gott, berühmte Gose,Bier von Rudow und Mülrose!Neuendorfer, Kniesenacker,Spannagel macht's Herze wacker.Lange möge Potsdam blüh'nUnd der Trank von Lübejün!Malchower und Krossendorfer,Forster, sowie Fredersdorfer,Dessauer und Nauener,Teupitzer und Cremmener,Falkenhagner, Liebenwalder,Alte Lebuser, Königswalder,Bartscher, Wusterhausener,Machen froh selbst Klausener,Machen Grillenfänger heiter:Trink' sie in Gesundheit weiter.Frankfurt, Rathenow und Straußberg,Schwedt und Storkow, Wrietzen, Landsberg,Zehdenick, ja auch MorinManchmal gute Biere ziehn.Freienwalder, Eberswalder,Stendaler und Luckenwalder,Englisches, sowie Trebbiner,Liebenberger und Küstriner,Mühlenbecker, Dahlewitzer,Kufenbier und dich, Kyritzer,Brandenburger Domherrnbier,Böhmischesund Pommersch' BierSchlürft man hier mit frohem Brummen,Doch noch höher gilt dieMummen,Mag's auch arg im Kopf d'rauf summen.Was ich noch zu nennen habe,Ist ein Bier nur zweiten Rang's,Dennoch manches Mannes Labe,Denn manch' Fürste selber trank's.Dahin rechn' ich BiesentalerUndStockholmer; – eitle PrahlerTrinken gern den fremden Trank,Würd' auch Börs' und Magen krank.Güstrower und sächsisch BierSind zwar nicht des Tisches Zier;Wehe aber jedem Gaste,Den Granseer je erfaßte.Oder Trank von Buchholz, Birkholz.Weh' im Auge und im Kopfe rollt'sUnd noch tagelang im Leibe grollt's.Doch du fragst: »Und welches Tränklein,Kundiger empfiehlst du mir?« –So vernimm's: »Ein arges SchwänkleinIst's oft mit dem fremden Bier.Ich gesteh's: Manch guter TropfenKommt von fremden Malz und Hopfen;Aber was der fremde kann,Kann auch wohl der heim'sche Mann.Sieh', dies Bier so goldig leuchtend,So erquickend, witzanfeuchtend.Wurde eingebraut allhierUnd bekommt vortrefflich dir!Ein Berliner Brauer schuf'sUnd's ist würdig besten Ruf's.S'ist der Sorg ein starker Knebel,S'ist des Mannesmutes Hebel:Dieses sagt Andreas Rebel.[71]

Krossener, Kottbuser, Ruppiner,Zerbster, Breihahn und DemminerLandbier und Bernauer Bier,Gartei aller Tränke Zier,Duckstein wie auch Fürstenwalder,Spandauer und Mittenwalder,Der Karthäuser edles Bräu,Der zu Frankfurt schäumt auf's Neu',Tuchebander, Brandenburger,Stolper und Oranienburger,Köpenicker, Moll, Magdeburger,Brietzer, sowie Quedlinburger,Machen Wirt und Gäste rund. –Tuts der Trunk auch von Sarmund?Darvon ward uns nie was kund!

Grüß' dich Gott, berühmte Gose,Bier von Rudow und Mülrose!Neuendorfer, Kniesenacker,Spannagel macht's Herze wacker.Lange möge Potsdam blüh'nUnd der Trank von Lübejün!Malchower und Krossendorfer,Forster, sowie Fredersdorfer,Dessauer und Nauener,Teupitzer und Cremmener,Falkenhagner, Liebenwalder,Alte Lebuser, Königswalder,Bartscher, Wusterhausener,Machen froh selbst Klausener,Machen Grillenfänger heiter:Trink' sie in Gesundheit weiter.

Frankfurt, Rathenow und Straußberg,Schwedt und Storkow, Wrietzen, Landsberg,Zehdenick, ja auch MorinManchmal gute Biere ziehn.Freienwalder, Eberswalder,Stendaler und Luckenwalder,Englisches, sowie Trebbiner,Liebenberger und Küstriner,Mühlenbecker, Dahlewitzer,Kufenbier und dich, Kyritzer,Brandenburger Domherrnbier,Böhmischesund Pommersch' BierSchlürft man hier mit frohem Brummen,Doch noch höher gilt dieMummen,Mag's auch arg im Kopf d'rauf summen.

Was ich noch zu nennen habe,Ist ein Bier nur zweiten Rang's,Dennoch manches Mannes Labe,Denn manch' Fürste selber trank's.Dahin rechn' ich BiesentalerUndStockholmer; – eitle PrahlerTrinken gern den fremden Trank,Würd' auch Börs' und Magen krank.Güstrower und sächsisch BierSind zwar nicht des Tisches Zier;Wehe aber jedem Gaste,Den Granseer je erfaßte.Oder Trank von Buchholz, Birkholz.Weh' im Auge und im Kopfe rollt'sUnd noch tagelang im Leibe grollt's.

Doch du fragst: »Und welches Tränklein,Kundiger empfiehlst du mir?« –So vernimm's: »Ein arges SchwänkleinIst's oft mit dem fremden Bier.Ich gesteh's: Manch guter TropfenKommt von fremden Malz und Hopfen;Aber was der fremde kann,Kann auch wohl der heim'sche Mann.Sieh', dies Bier so goldig leuchtend,So erquickend, witzanfeuchtend.Wurde eingebraut allhierUnd bekommt vortrefflich dir!Ein Berliner Brauer schuf'sUnd's ist würdig besten Ruf's.S'ist der Sorg ein starker Knebel,S'ist des Mannesmutes Hebel:Dieses sagt Andreas Rebel.[71]

Die umfassenden bierologischen Kenntnisse Rebels lassen darauf schließen, daß er entweder Student oder Gastwirt oder Bierbrauer gewesen. Das Selbstlob des Berliner Bieres am Schlusse seines Poems lassen beinahe auf letzteres schließen.

Eine verifizierte Biergeographie findet sich in der Falckensteiner Chronik von Schwabach. Sie ist interessant genug, um ihren Abdruck zu rechtfertigen.

Leipzigsonst die LindenstadtRastrum in den Keller hat,Hallkann mit dem Puff stolzierenUnd dahin die Säuffers führen;Wittenbergden Kuckuk zeigt,Breslauist zum Scheps geneigt,Halberstadtden Breihan braut,GardelegenGartey schaut,Mord und Todtschlag drohtEisleben,Goslarkann uns Gose geben,KyritzFried und Einigkeiten.Braunschweigbrauet Mumm bei Zeiten,Gustrauschenkt uns Kniesenack,Colbergtrinkt uns zu das Black,KeuterlingWettin uns schenket,Rummeldeiß anRatzburgdenket.Delitzschhält den Kuhschwanz her,Herfordhat an Komma Ehr,Osnabrückkann Buße zeigen,Witte will inKielnicht schweigen,Jenahat Dorffteufels genug,Israel machtLübeckklug.Helmstädtmuß Clapit ausschenken,Junker muß anMarburgdenken,Münsterschenket Koite ein,KönigslutterDuckestein,EckenförderCacabulleIst nicht feil für eine Nulle.Brandenburggibt alten Klaus,Wartenbergschenkt Bockshaut aus.ZerbsterWürze läßt sich trinken,Gerawill in Angst versinken,Wernigerodehat Lumpenbier,Boitzburgbiet den Kerl zur Zier.DransfeldHasenmilch verkaufet,Brockhußnach dem Wallsack laufet,Königsberghat Preussing feil,Pattensenbraut Pohk mit Weil,HadelenSähl den Kerl schließet,Wenn man in die Kehlen gießet.

Leipzigsonst die LindenstadtRastrum in den Keller hat,Hallkann mit dem Puff stolzierenUnd dahin die Säuffers führen;Wittenbergden Kuckuk zeigt,Breslauist zum Scheps geneigt,Halberstadtden Breihan braut,GardelegenGartey schaut,Mord und Todtschlag drohtEisleben,Goslarkann uns Gose geben,KyritzFried und Einigkeiten.Braunschweigbrauet Mumm bei Zeiten,Gustrauschenkt uns Kniesenack,Colbergtrinkt uns zu das Black,KeuterlingWettin uns schenket,Rummeldeiß anRatzburgdenket.Delitzschhält den Kuhschwanz her,Herfordhat an Komma Ehr,Osnabrückkann Buße zeigen,Witte will inKielnicht schweigen,Jenahat Dorffteufels genug,Israel machtLübeckklug.Helmstädtmuß Clapit ausschenken,Junker muß anMarburgdenken,Münsterschenket Koite ein,KönigslutterDuckestein,EckenförderCacabulleIst nicht feil für eine Nulle.Brandenburggibt alten Klaus,Wartenbergschenkt Bockshaut aus.ZerbsterWürze läßt sich trinken,Gerawill in Angst versinken,Wernigerodehat Lumpenbier,Boitzburgbiet den Kerl zur Zier.DransfeldHasenmilch verkaufet,Brockhußnach dem Wallsack laufet,Königsberghat Preussing feil,Pattensenbraut Pohk mit Weil,HadelenSähl den Kerl schließet,Wenn man in die Kehlen gießet.

Der »arme Mann im Tockenberg«[72]trank in Berlin zu des alten Fritz' Zeiten seinen »Krug Rußiner- oder Gottwitzerbier«.

Wie man das Bier zu trinken hatte, sagt der unbekannt gebliebene Verfasser des Büchleins »de generibus ebriosorum et ebrietate vitanda«:[73]

Sauffs aus mir zuAls einer Khu.Ich warte seinAls ein schwein:HalbAls ein Kalb.Ist gut bier:Es gilt dir,Liebes thier,Ein stübgen oder vier.

Sauffs aus mir zuAls einer Khu.Ich warte seinAls ein schwein:HalbAls ein Kalb.Ist gut bier:Es gilt dir,Liebes thier,Ein stübgen oder vier.

Dasselbe Werkchen gibt die etwas grobkörnige Unterweisung für den Trinker, die auch Fischart in seinem »trunken Gespräch« in der »Geschichtsklitterung« aufführt:

Sauff dich voll und leg dich niderStee fru auff und fuell dich wider,So vertreibt ein Fuell die ander:Das schreibt der gut frum priester Ars lex ander.

Sauff dich voll und leg dich niderStee fru auff und fuell dich wider,So vertreibt ein Fuell die ander:Das schreibt der gut frum priester Ars lex ander.

Ja, getrunken mußte werden, und wenn das letzte Kleidungsstück ins Leihhauswandern sollte. Und so sangen denn die Altvorderen im kräftigsten Bierbaß:

Gott gebe, Gott grüße,Bier und Wein schmeckt süße,Vertrink ich die Schuhe, so behalt ich die Füße;Noch hat mir niemals kein Geld gebrochen,Denn nur sieben Tage in der Wochen! –Amate, da ihr noch jung seid,Cantate, da ihr traget Leid,Doch ob ihr habet Lust oder Weh,Ob jung, ob alt seid – bibite! –

Gott gebe, Gott grüße,Bier und Wein schmeckt süße,Vertrink ich die Schuhe, so behalt ich die Füße;Noch hat mir niemals kein Geld gebrochen,Denn nur sieben Tage in der Wochen! –

Amate, da ihr noch jung seid,Cantate, da ihr traget Leid,Doch ob ihr habet Lust oder Weh,Ob jung, ob alt seid – bibite! –

Etwas Galgenhumor klingt aus dem Sprüchlein:

Wenn ich das Bier könnt meidenGing ich in Sammt und Seiden,Da ich's aber nicht meiden kann,Hab ich zerrissene Kleider an. –

Wenn ich das Bier könnt meidenGing ich in Sammt und Seiden,Da ich's aber nicht meiden kann,Hab ich zerrissene Kleider an. –

Unsere Vorfahren waren gar kluge Leute. Um niemals den Genuß des Bieres zu entbehren, den heutzutage hier und da ein übereifriger Doktor der Medizin seinem durstigen Patienten verbieten zu müssen glaubt, fanden sie darin ein unfehlbares Gegenmittel, daß sie dem edlen Gerstensaft allerlei Heilwirkungen zuschrieben und gegen jede Krankheit ein Bier als Heilmittel wußten.

»Obschon das Bier mit dem Wein sich in keine Kompetenz einlasset und demselben gern den Vorsitz vergönnet, dennoch wird es mehrmals von den verständigen Medicis manchen Patienten zugelassen und darf dersonst so redliche Wein nicht unter die Augen kommen, welches desto mehr die Ehre des Bieres und folglich des Bierbrauers vergrößert.«[74]

Schon der alte Plinius rechnet den Schaum des Bieres zu den Schönheitsmitteln, weshalb die Römerinnen auch gerne vom Schaum nippten – tout comme chez nous.

Wie man heute dem Magenkranken Pilsener Bier erlaubt, verordnete man ihm in der Vorzeit Einbecker, das überdies in Gelbsucht und Fieber gute Dienste leistete, so behauptete wenigstens Plakotomus in einem Buche »de natura cerevisiarum«, wie das Danziger Preußing bei Bluthusten und Brüchen, das Kniesenack und das Ducksteiner gegen den Stein, das letztere auch noch gegen Podagra von exzellenter Wirkung war.

Mit diesem bierologisch-medizinischen Blödsinn, »Braunbier, braunisch kuriert«,[75]ließen sich Bände füllen, da ebenso wie dem Bier im allgemeinen nachgesagt wurde:

Das Bier giebt grober feuchte viel,Streckts geblüt und mehrets Fleysch ohn Ziel.Es lährt die blasen und weycht den Bauch,Es kühlt ein wenig und blaht auf auch,(1568)

Das Bier giebt grober feuchte viel,Streckts geblüt und mehrets Fleysch ohn Ziel.Es lährt die blasen und weycht den Bauch,Es kühlt ein wenig und blaht auf auch,

(1568)

fast jeder Biersorte eine andere Wundergabe zugesprochen wurde, – sollten doch gewisse Gerstensäfte Marienbad bei der Damenwelt und Aachen usw. bei den Herren ersetzen können.

Balthasar Schnurrens Regel:

Bad nicht, laß dich nicht kurirMeid' Würtz und Wein, trink gut alt Bier,Salat von Zoltig, Spargeln, KressigDrauff Eier, Wurst, Oel, Rosenessig

Bad nicht, laß dich nicht kurirMeid' Würtz und Wein, trink gut alt Bier,Salat von Zoltig, Spargeln, KressigDrauff Eier, Wurst, Oel, Rosenessig

erschöpft noch lange nicht die im Biere schlummernden Kräfte, denn

Edles Bier was soll ich sagen?Weil dein Lob zu überhäufft,Du erkühlest unsern Magen,Wann ihm Hitz' und Durst angreifft.Du bringest fast gäntzlich verdorrete Glieder,Zu vorigen Kräfften in kurtzer Zeit wieder.

Edles Bier was soll ich sagen?Weil dein Lob zu überhäufft,Du erkühlest unsern Magen,Wann ihm Hitz' und Durst angreifft.Du bringest fast gäntzlich verdorrete Glieder,Zu vorigen Kräfften in kurtzer Zeit wieder.

lobpreist ein anderer Bierkenner.

Über die medizinischen Eigenschaften des Bieres ergeht sich ein unbekannt gebliebener Gelehrter in folgenden Worten:

Von des Bieres Eigenschaft, Schaden und Nutzbarkeit.

Bier wird gekocht mit Weizen, Gersten, Haber und Hopfen. Es ist zweierlei: das dicke wird Doppelbier genannt, das andere ist lieblicher, subtiler und besser. Dickes Bier macht Feuchtigkeit, das andere, das lieblicher ist, nicht so viel. Bier mehret die Kräfte, Fleisch und Blut, ist von großer Nahrung, bewegt den Harn, bringt Linderung des Bauchs, zumal wenn es mit Hopfen gekocht ist. Mit zu viel Hopfen schadet es denen, die ein schwaches Hirn haben, dieselben macht es trunken, und diese Trunkenheit währet länger denn die des Weins. – Bier, das nicht wohl gekocht wird,da kühlet ein wenig und blähet den Bauch. Aber das saure beschädigt den Magen, das trübe verstopft und schadet denen, die den Stein haben, verursacht Blähungen oder Kürze des Athems. Bier, das übel gekocht wird, machet Wind im Magen und Bauch und bewegt die Bärmutter. Und solches, das nicht wohl alt und von seiner Hefen gereinigt ist, das wird nicht wohl verdauet, bringet Harnwind und eben die Schäden wie das übel gekochte Bier. Bier aus Gersten und Hopfen wohl gekochet, welches das temperirteste ist und gesundeste, öffnet die Verstopfung.«[76]

War nun das Bier gegen alle möglichen und unmöglichen Gebrechen gut, gegen eines half es niemals, im Gegenteil es beförderte dieses ebenso wie der Wein – denRausch.

Um dieses Erbübel des Trinkers aus der Welt zu schaffen, ohne jedoch den gewohnten Trunk einzuschränken, griff man zu allerhand abenteuerlichen Mitteln.

Johannes Rasch zu Wien, der im Jahre 1582 das »Weinbuch von Baw, Pfleg und Bruch des Weins« herausgab, empfiehlt: – »ehe du ein wein trinkst, iß Wethamerwurtz oder Petulanakraut oder thue ein guten trunck Milch, so wirstu nit so leichtlich vol gemacht werden. Epheu hat diese Tugend und Kraft, daß es den Kopf vor des vergangenen tagsrausch und wehthumb behütet« – also Katzenjammer unmöglichmacht. O du herrlicher Johannes Rasch, dein Andenken sei gesegnet. Von nun ab werden Epheupflanzungen wie Pilze aus der Erde schießen.

Christoph von Hellwig, der unter dem Pseudonym Valentin Kräutermann eine ganze Anzahl »kompendiöse« hirnverbrannte naturwissenschaftliche und medizinische Bücher in die Welt sandte, verbrach auch ein Werkchen »Der curieuse und vernünftige Zauber-Arzt«,[77]auf dessen Seite 61 er folgende »curieuse und vernünftige« Wundermittel gegen die Trunkenheit verzapft.

»Daß einer nicht truncken werde.

Ingemein pfleget man fünff oder sieben bittere Mandeln vor dem Trinken zu essen, weil man noch nüchtern ist.

Die Trunckenheit zu bewältigen, daß man nicht berauschet werde, so ist das beste Mittel der rothe Kohl, wenn man aus desselben Stengeln den Safft mit den Zähnen heraus presset, und ihn einschlucket: oder denselben gekocht unter die erste Gerichte zum Essen aufsetzet: Dieses thut die Portulacus Levius Lemnius. Oder man nähe Epheu oder Jelänger Jelieber in eine Mütze, und trage solche beym Trincken auf dem Kopffe.

D. Sebizius in seinem Buche vom Feld-Bau rühmet folgenden lateinischen Hexametrum, welchen man man noch, bey auffhabender Mütze von Epheu und Jelänger Jelieber, öffters bey sich heimlich recitirensolle, so würde die Verhütung der Trunckenheit desto eher geschehen; nemlich:

Jupiter his acta sonuit clementius Ida.

Das Sal volatile oleosum ist auch nich zu verwerffen, wenn man es offt gebrauchet.

Wer einen sauren Apffel früh nüchtern isset, und trinckt Wasser drauff, der wird denselben Tag nicht voll.«

So. Nun weiß man's.

Radikal aber wird die Trunkenheit nur dann ausgemerzt, wenn man ihrer Grundursache, dem Durst, zu Leibe geht, – so meinten die alten Herren, als ob man nicht auch ohne Durst trinken könnte!

Diesen bösen Durst vertreibt man gründlich nach einem Rezept des sechzehnten Jahrhunderts auf diese Weise:

»In dem Hahne findet sich ein Stein einer Bohne groß, durchsichtig wie ein Crystall. Er wird in den Kapphähnen erst in vier Jahren in der Leber des Hahns gefunden; wenn er bei dem Hahne gefunden wird, so trinkt er nicht mehr. Diesen im Munde gehalten, bekommt keiner keinen Durst und machet unüberwindlich vor seinem Feinde.«[78]

Kräutermann faßt die Sache ganz anders an. Entweder nehme man Saft von Hauswurz oder »die Tinctur von gefüllten Maßlieben oder blauen Mertzen-Violen, oder Rosen, mit Spiritu Vitrioli ausgezogen, ins tägliche Trincken davon getröpffelt, ist auch gut«.

Schließlich bekommt Kräutermann-Hellwig noch eine Vernunftsanwandlung und empfiehlt – horribile dictu – »frisch Brunnenwasser, thut dazu Candelzucker und eine zerschnittene Citrone, lasset es mit einander kochen,zuweilengetrunken. Es kühlet die Leber und löschet den Durst.«

Wer's nicht glaubt, probier's!

Ja, man konnte auch in der Vorzeit mitunter recht vernünftig sein, – wenn auch nur ausnahmsweise. Zuweilen dämmerte in einzelnen und vereinzelten Köpfen etwas auf, was sogar heute noch Geltung hat, – trotzdem es in der Gegenwart ebenso wenig befolgt wird, wie ehemals, weil es eben vernünftig ist.

Ein Beispiel hiervon ist die altehrwürdige »Ordnung des Trinkens«, die neben manchem veralteten Bombast auch manch beherzigenswerten hygienischen Fingerzeig enthält.

»Diese Ordnung soll ein jeglicher zugleich beim Morgen- und Nachtessen behalten, daß keiner trinke, bis er wohl gegessen hat, und daß er mehr esse, denn trinke. Denn mehr trinken, als sich gebühret, zerstört die Däuung, und aus Überflüssigkeit des Trinkers geschieht es, daß die Speisen aus dem Magen steigen in die Glieder, ehe sie vollkommen verdäuet werden, und bringet so viel der Gefährlichkeit, daß etliche Doktoren wollen, wenn man esse, daß man nicht trinken soll.[79]Aber dasist zu verstehen von dem Arzneitrank. Auch sagte Avicenna, daß wir nicht trinken sollen zwischen dem Morgen- und Nachtessen, denn davon wird die Däuung zerstöret, und sonst von anderer Ursache wegen sprechen alle Doktores, daß es fast schädlich sei. Und wenn eins gleich nach dem Essen dürstet, und begehret zu trinken, und dieser Durst ist nicht falsch, so soll er sittlich trinken, gleich als durch die Zähne.

Wenn einer will schlafen gehen, dem ist auch unnütz nach dem Essen zu trinken, von wegen der vorgemeldeten Ursach; es wäre denn ein natürlicher Durst und nicht trughaft von wegen vieler Einnehmung von Speis und Trank, oder daß er natürlich wäre in einem Menschen, der ein Cholericus ist, dem soll das Trinken zugelassen werden, wenn die Ursache des Dursts nicht herkommt von der Viele des Trinkens. Man soll auch die jungen Kinder und die, so cholerischer Complexion sind, nicht lassen Durst leiden, zumal in Sommerszeiten, damit sie nicht ausdorren.

Es spricht Rasis, daß die Menschen mittelmäßigen Fleisches, nicht zu feist noch zu mager, haben eine große Begierde zu trinken: diese mögen ohne Furcht Wasser trinken. Auch ein Durst von wegen überflüssigen Trinkens ist trughaft und nicht von nöthen, daß einer darauf trinke. Auch soll niemand nüchtern trinken, weder Weinnoch Wasser. Das Wasser, so über dem Tisch getrunken wird, soll kalt sein, und nicht gemacht mit Schnee, auch nicht Schneewasser.«[80]

Ein anderer Medicus empfiehlt:

»In dem Winter sollt du deinen Wein nit kalt trinken, dann er viel schädlich ist und ferbläuet den Menschen inwendig; du sollt ihn lau machen. Oder sonst ein gemeine Lehre sollt du hie merken: die Speis sollt du gar wohl und klein zerbeißen in dem Mund und den Wein klein, gleich als ein Faden, hinein schlinden. Das ist ein Sach der Gesundheit und des langen Lebens.«[81]

Alle diese medizinischen Vorschriften würden natürlich in sich zusammenfallen, wenn sich die auf deutscher Erde seßhafte Menschheit des Trunkes gänzlich entschlagen wollte. Ein überaus kluger Kopf, dem die Mit- und Nachwelt eine, leider längst vergessene Podagraschrift verdankt, hat diesen geistvollen Gedanken schon vor ein paar hundert Jahren gehabt und ihn noch prägnanter als Luther in seinem

Wer zum Tischtrunk Fischtrunk nimmt,Selten dem die Fußgicht kimmt

Wer zum Tischtrunk Fischtrunk nimmt,Selten dem die Fußgicht kimmt

dahin ausgesprochen:

Liessen wir die Güß,So liessen vns die Flüß!

Liessen wir die Güß,So liessen vns die Flüß!

Ob der Mann recht hat!


Back to IndexNext