Am darauffolgenden Tag gefiel es dem launenhaften April ein freundliches Gesicht zu zeigen. Toni war selig darüber und jagte, einen Reif vor sich hertreibend, über die Gartenwege, während Paula, ein Buch in der Hand, am Geländer stand und abwechselnd auf das Kind und auf die Straße blickte. Alle, die vorbei kamen, grüßten sie, manche blieben stehen und sprachen ein paar Worte mit ihr, und Paula gab allen teilnahmvolle Antwort, – gerade so, wie sie es sonst getan. Auch der junge Schullehrer kam des Weges einher; er zögerte, da er des Mädchens ansichtig wurde, und überlegte, ob er sie anreden sollte oder nicht; sein Gefühl siegte, er blieb stehen und zog errötend den Hut vom Kopfe.
Sie waren einander arg entfremdet; selten sahen sie, noch seltener sprachen sie sich. Er hatte diese Entfremdung niemals besser gefühlt als jetzt, wo sie ihn anblickte und seinen Gruß so höflich und gleichgültig erwiderte, – nicht anders, als ob sie einen wildfremden Menschen grüßte.
»Wie steht Ihr Befinden, Fräulein Paula?« fragte er unsicheren Tones.
»Danke, mir geht es gut. Und Ihnen?«
»Nun, so, so.« Er bohrte seinen Spazierstock in die Erde und betrachtete ihn scheinbar aufmerksam. »Was liegt Ihnen auch an meinem Befinden!«
In der Tat, ihr lag nicht viel daran; aber sie erwiderte: »Lassen Sie uns friedlich bleiben, ... ich bitte Sie darum. Was gibt es Neues?«
»Nichts von Belang. Der Nachfolger des Kooperators ist gestern hier eingetroffen. Vielleicht interessiert Sie das.«
Sie schwieg.
»Und unser geliebter Seelsorger, Herr Harteck,« fuhr er mit einer Grimasse fort und stieß die Spitze seines Stockes heftig in den Erdboden, »ist ebenfalls heute morgen zurückgekehrt. Doch das war Ihnen ohne Zweifel schon bekannt.«
»Nein,« sagte Paula.
»Nicht? Das wundert mich.« Er nahm den Hut vom Kopfe und wirbelte mit den Fingern sein Haar auf. »Die Stunde, in der dieser Herr zum Teufel geht, wird die schönste meines Lebens sein,« sprach er und aus seiner Stimme schlug ingrimmige Schadenfreude heraus.
Paula wendete sich zum Gehen.
»O! bleiben Sie nur!« sagte der Lehrer. »Ich bin schon wieder artig.« – Finsteren Blickes starrte er die Straße hinab. »Der Wolf in der Fabel!« murmelte er. »Dieser Mensch läuft aber auch immer über meinen Weg.«
Er bemerkte, daß Paula zusammenschrack und der Richtung seiner Augen folgte.
»Adieu!« rief er kurz und entfernte sich mit großen Schritten.
Sie beachtete ihn nicht weiter; dachte nicht einmal mehr an ihn. Ihr Blick ruhte unverwandt auf der näherkommenden schwarzen Gestalt. Harteck war nicht allein. An seinem Arm hing ein junger Mann, derselbe Geistliche, der gestern Paulas Reisegefährte gewesen war. Die beiden sprachen angelegentlich miteinander und schienen recht heiter zu sein; der fremde Geistliche hatte eine jugendlich klare Stimme, sprach lebhaft und lachte manchmal lustig auf.
Paula konnte sich nicht verhehlen, daß dieser Anblick ihr wehe tat; Eifersucht regte sich in ihrer Brust. Wer war dieser Mensch, der sich so vertraulich auf Georgs Arm stützte, ihn so fröhlich zu stimmen wußte? ... Sie sah den jungen Mann mit zusammengezogenen Brauen und durchdringendem, fast feindseligem Blicke an.
Ganz in sein Gespräch vertieft, bemerkte er sie nicht. Harteck jedoch wendete den Kopf nach dem Garten hin und entdeckte das junge Mädchen. Er sagte seinem Begleiter etwas ins Ohr, was zur Folge hatte, daß dieser die Augen auf Paula heftete und den Arm des anderen fahren ließ. Harteck schritt auf Paula zu, während der Fremde in einiger Entfernung stehen blieb und sich mit Cäsar, der auch dabei war, zu schaffen machte.
Harteck reichte dem jungen Mädchen über dem Gartenzaun die Hand, und zum erstenmal zögerte Paula, seine Hand zu ergreifen; sie tat es am Ende doch, wenn auch sehr flüchtig, und fragte rasch: »Wer ist der Herr?«
»Denken Sie sich diesen eigentümlichen Zufall,« sagte Harteck und der Ton seiner Stimme wie das schwache Rot auf seinen Wangen bekundeten freudige Erregung. »Ich habe Ihnen einige Male von einem Freunde erzählt, ... demjenigen, den ich wartete, da er krank war, ... übrigens habe ich bloß deneinenFreund ... und eben der ist bestimmt, mich hier zu ersetzen.«
»In der Tat,« sagte Paula, »das ist ein seltsames Zusammentreffen. Es ... es freut Sie wohl sehr, ihn wiederzusehen?«
»Sehr,« gab er arglos zu. »Er ist ein so prächtiger, lieber Mensch.« Zärtlich sah er nach ihm hin, und der junge Geistliche, der fühlen mochte, daß von ihm die Rede war, blickte ebenfalls auf die beiden. »Wollen Sie, daß ich ihn Ihnen vorstelle?«
»Nein,« sagte Paula ablehnend. »Lieber ein anderes Mal.«
Sie sagte es so gereizt, daß er sie befremdet ansah.
»Was ist Ihnen?« fragte er. »Habe ich wider Willen das Unglück gehabt, Ihnen in irgend etwas zu mißfallen?«
Worte und Ton entwaffneten sie, und sie versetzte mit kleinlauter Stimme: »Seien Sie mir nicht böse, ... aber ich kann Ihnen nicht verschweigen, daß es mir wehe tut, Sie so ganz erfüllt von Ihrem Freunde zu sehen, ... und das ein paar Tage vor Ihrem Abschied von hier und ... von mir ...«
Sie kehrte das Gesicht weg.
»Wie grausam Sie sind!« entgegnete er mit plötzlichemErnst. »Mißgönnen Sie mir das Glück, jemanden lieb zu haben, und möchten Sie mich lieber traurig als ein wenig gefaßt und aufgeheitert sehen?«
»Nein! O nein!« sprach sie rasch. »Aber ich sehe voraus, daß Sie sich während dieser letzten Tage ganz Ihrem Freunde widmen, mich vollständig vernachlässigen werden ...«
»Das denken Sie nicht,« fiel er ein. »Das können Sie nicht denken, Paula.«
Sie glaubte ihm und fühlte sich beschämt.
»Rufen Sie Ihren Freund her, ich bitte Sie darum,« sprach sie errötend.
In seinem Gesicht prägte sich ungeschminkte Freude aus. »Juchei[20]!« rief er sich umwendend und winkte dem jungen Geistlichen, heranzukommen. Dieser trat grüßend auf sie zu.
»Mein Freund, Kooperator Perkow, Fräulein Reinberg,« sagte Harteck.
Der Geistliche verneigte sich abermals.
»Ich habe gestern schon das Vergnügen gehabt, das Fräulein zu sehen,« sagte er. »Wir sind eine Strecke weit zusammen gefahren.«
»Davon hast Du mir gar nichts gesagt,« warf Harteck ein.
»Ich habe ja nicht gewußt, daß Du mit dem Fräulein bekannt bist,« entgegnete der junge Mann. »Freilich hätte iches mir denken können. Der Ort ist nicht so groß, als daß nicht alle Welt einander kennen sollte. Wohnen Sie schon längere Zeit in St. Jakob?« fragte er Paula.
Sie bejahte die Frage, und weil er sich einige Auskünfte über Land und Leute von ihr erbat, erzählte sie ihm verschiedenes, wovon sie dachte, daß es ihn interessieren könnte; und schließlich sprach sie den Wunsch aus, daß es ihm hier recht gut gefallen möchte.
»Das bezweifle ich keineswegs,« sagte der junge Priester. »Es gefällt mir hier recht wohl, die Gegend, der Ort, alles.«
»Auch der Dekan?« fragte Harteck mit einem Lächeln.
»Weshalb nicht? Wir werden uns gewiß miteinander vertragen. Übrigens war mein früherer Prinzipal auch kein Engel.«
»Ich habe Dir schon mehrere Ratschläge erteilt,« sagte Harteck. »Durch Erfahrung wird man klug, und ich rate Dir alles das zu befolgen, was ich leider zu tun versäumt habe. Der Dekan will geschmeichelt sein, und seinem Fräulein Nichte mußt Du, wenn Du Dich in ihre Gunst setzen willst, ein wenig den Hof machen.«
»Den Hof machen?« wiederholte der andere und zuckte mit den Achseln. »Davon verstehe ich nichts.«
Paula blickte ihn an. Sein junges, hübsches Gesicht sah sehr verständig, aber auch sehr unverdorben aus ... Eine, man könnte fast sagen jungfräuliche Herbheit wohnte in diesen männlichen Zügen, in diesen kalten blauen Augen. »Daß Du davon nichts verstehst noch verstehen willst, glaube ich Dir aufs Wort,« dachte Paula.
Toni hatte sich verstohlen genähert und stand an die große Schwester gelehnt; in der einen Hand hielt sie den Reif, mit dem freien Arm umschlang sie Paulas schlanken Leib und schaute den fremden Geistlichen mit ihrem offenen Kindesblick neugierig an.
»Meine Schwester,« sagte Paula und drückte das Kind an sich. »Gib dem Herrn die Hand, Toni.«
Lächelnd und errötend gehorchte die Kleine. Perkow blickte sie ziemlich gleichgültig an.
»Sind Sie kein Kinderfreund?« fragte ihn Paula, etwas pikiert darüber, daß ihr Schwesterchen so gar keinen Eindruck hervorzurufen schien.
»Ich mag Kinder wohl leiden,« versetzte der Gefragte, »vorausgesetzt nämlich, daß sie gut erzogen sind, sich nicht unnütz machen und vor allem gehorchen.«
»Bist Du ein solches Musterkind, Toni?« sagte Paula zu ihrem Schwesterchen. Die Kleine drückte das Kinn an den Hals und verzog die Lippen. Der neue geistliche Herr mißfiel ihr in hohem Grade.
»Sie scheint ein bißchen trotzig zu sein,« bemerkte dieser. »Lernt sie brav?«
»Sie ist die beste Schülerin,« sagte Paula, »und daß sie trotzig sei, hat bis jetzt noch niemand herausgefunden.«
Der junge Geistliche wollte etwas entgegnen, doch Harteck berührte leise seinen Arm und bat ihn mit den Augen, zu schweigen. Eine Pause trat ein ... Hierauf sagte Perkow: »Wir haben das Fräulein lang genug aufgehalten. Wollen wir uns nicht verabschieden?«
»Wie es Dir gefällig ist,« sagte Harteck unzufriedenenTones. Sie grüßten, die Schwestern dankten schweigend, und während Perkow sich in Bewegung setzte, blieb Harteck noch stehen und fragte Paula mit leiser Stimme: »Gestatten Sie, daß ich heute noch einmal bei Ihnen vorspreche?«
»Wenn Sie Zeit für mich haben, ...« antwortete sie ziemlich kalt.
Er verbeugte sich stumm und eilte dem Freunde nach.
»Bist Du immer so streitlustig, wenn Du mit Frauen zu tun hast?« fragte er, als er ihn eingeholt hatte.
»Ich? Streitsüchtig?« entgegnete Perkow mit ungeheucheltem Erstaunen. »Du bist wohl nicht recht gescheit. Verschweigen kann ich Dir zwar nicht, daß mir dieses Fräulein nicht gefällt. Ich liebe so ernste, blasse, empfindliche und eingebildete Frauenzimmer keineswegs. Junge Mädchen sollen heiter und bescheiden sein.«
»Du bist, trotz Deinen sechsundzwanzig Jahren, nicht wenig pedant,« sagte Harteck.
»Mag sein. Das gehört übrigens zu unserem Berufe. Wohin würde der schuldige Respekt kommen, wenn wir alle diese frauenzimmerlichen Grillen und Launen nachsichtig oder gar wohlgefällig beurteilten? Zwischen dem Auftreten eines Priesters und dem anderer Leute muß doch immer ein gewisser Unterschied bestehen, ... eine Grenze, die nicht überschritten werden darf. Jede Art von Familiarität muß streng vermieden werden. Wenn ich schon durchaus mit Frauen verkehren soll, dann mag es mit Bäuerinnen sein. Diese städtisch gekleideten Dorfbewohnerinnen sind mir von jeher zuwider gewesen; sie dünken sich etwasBesonderes und wollen sich, vermöge ihrer sogenannten Bildung, auf eine Stufe mit uns stellen, ... und das heißt nichts. Ich bin nicht gewohnt, daß junge Mädchen ihrem Seelsorger in so kategorischem Tone antworten, wie Dein Fräulein Reinberg getan hat.«
Harteck schwieg auf diese Rede, sein Gesicht aber drückte Unzufriedenheit aus.
»Ich sehe, daß meine Sprache Dir mißfällt,« sagte Perkow und hängte sich an seinen Arm. »Lassen wir das Gespräch daher lieber fallen. Eines jedoch muß ich Dir noch bemerken: Du weißt eben niemals, was Du in Deiner Stellung als Priester zu tun und zu lassen hast. Das sage nicht ich allein, sondern alle Geistlichen, die Dich kennen. Nimmermehr würdest Du in das armselige Keßten versetzt worden sein, wenn Du Dich den allgemeinen Ansichten besser anzupassen verstanden hättest.«
»Sehr wahr,« sagte Harteck mit einem Seufzer und ließ den Kopf hängen.
»Na, werde nicht melancholisch,« sprach der junge Geistliche tröstend und drückte seinen Arm. »Ich will Dir täglich schreiben und Dich besuchen, so oft ich's werde tun können.«
»Was wird Dein Prinzipal dazu sagen?« warf Harteck ein. »Du weißt, daß er mich nicht leiden kann.«
»Mag er sagen, was ihm gefällt! Ich kann und will Dich nicht so ganz Dir selbst überlassen. Du bist mir das Teuerste, was ich auf Erden habe. Gern würde ich Dir jedes erlaubte Opfer bringen, wenn ich dadurch Dein Leben erhellen könnte ... Aber leider vermag ich Dir, außer meiner Freundschaft, nichts zu bieten.«
Harteck war versöhnt. Alles Mißliebige, was der junge Priester gesprochen, verschwand vor diesem treuherzigen Bekenntnisse echter, warmer Freundschaft.
»Ich danke Dir für Deine Worte,« sagte er. »Wer weiß, ob nicht die Zeit kommen wird, wo ich größere Opfer von Dir fordern werde.«
Sie sollte kommen, diese Zeit, und eher, als beide ahnten. –
Nach Ablauf einer Stunde kehrte Harteck zu Paula zurück. Er fand die Mädchen im Wohnzimmer, Toni schrieb Schulaufgaben und Paula überwachte sie dabei. Er setzte sich zwischen beide, legte den Arm auf die Lehne des Stuhles, auf dem Toni saß und sah zu, wie sie schrieb.
»Störe ich?« fragte Toni mit kindlicher Unschuld. »Soll ich gehen, Paula?«
»Nein, bleibe bei uns,« antwortete die Schwester.
Harteck blickte sie an. Das Wörtchen ›bei uns‹ rührte ihn seltsam; es klang so vertraulich, als ob sie ihn ganz zu sich gehörend betrachtete ... »Was haben Sie in den letzten Tagen getrieben?« fragte er sie.
Sie gestand ihm, daß sie in Keßten gewesen war; von den Mühen und Plagen der Wanderung sagte sie nichts, und seine Frage, welchen Eindruck der Ort auf sie gemacht hätte, beantwortete sie ausweichend. Sie erzählte ihm nur, was sie in seinem neuen Hause getan hatte, zog ihr Notizbuch hervor und nannte ihm alle jene Hausgegenstände, die noch angeschafft werden mußten; und der Gedanke, wie ganz anders, wie schön und traulich eswäre, wenn sie ihm als seine Hausfrau folgen könnte in das neue Heim, lag bei diesem Wirtschaftsgespräch so nahe, daß er beiden zur gleichen Zeit kam. Sie fühlte, daß sein Auge auf ihr ruhte, und senkte das Gesicht. »Ich hoffe immer noch, daß nichts daraus wird,« sagte sie und blätterte in dem Notizbuch. »Ich meine aus Ihrer Versetzung nach Keßten ... Die Luft dort ist sehr rauh und ich fürchte, daß sie Ihnen nicht gut tun wird ... Sie würden mich sehr beruhigen, wenn Sie sich von meinem Vater untersuchen ließen. Er wird Ihnen ehrlich sagen, was er von Ihrer Gesundheit hält; und wenn er den Ausspruch täte, daß eine rauhe Luft Ihnen nicht zuträglich sei, könnten Sie vielleicht doch noch den Versuch machen, zu erwirken, daß Ihnen ein anderer, milderer Ort zugewiesen werde.«
Er schüttelte das Haupt. »Dazu ist es zu spät. Auch würde es nichts helfen. Weshalb aber beunruhigen Sie sich? Ich bin ja leidlich gesund.«
»Leidlich! Sie müssen also selbst zugeben, daß Sie nichtganzgesund sind. Schlagen Sie mir diese Bitte nicht ab! Sprechen Sie mit meinem Vater!« sagte sie drängend.
»Wenn Sie es durchaus wünschen, Paula, will ich Ihnen den Gefallen tun, ... obschon es ein wenig lächerlich ist, wenn ein gesunder Mensch aus Furcht, daß er vielleicht krank seinkönnte, einen Arzt konsultiert.«
»Nehmen Sie das, wie Sie wollen, ... ich bin es zufrieden, wenn Sie es überhaupt tun.« Sie fragte ihn hierauf nach seiner Familie und ob er in Kufstein angenehmeTage verlebt hätte, und er erzählte ihr, was er zu berichten für passend fand, zeigte ihr die neueste Photographie seines kleinen Neffen, die die Schwester ihm geschenkt hatte, sprach sanft und nachsichtig von den Seinen, ohne irgendwelche Bitterkeit, und hob nur ihre guten Eigenschaften hervor.
»Meine Mutter war ganz glücklich, mich wieder einmal die Messe lesen zu hören,« sagte er, »und ich habe sie wiederholt gebeten, mich bald in Keßten zu besuchen; dann kann sie dieses Vergnügen täglich haben.«
Errötend und ohne ihn anzusehen, fragte ihn Paula, ob seine Wäsche und Kleider in gutem Stande wären und ob sie Schadhaftes vielleicht ausbessern dürfte; es würde ihr große Freude bereiten, für seine Bequemlichkeit zu sorgen.
Er lehnte ihr Anerbieten dankend ab. »Das alles kann meine Wirtschafterin in Ordnung bringen,« sagte er.
Paula beschrieb ihm darauf die Frau, die sie im Pfarrhof vorgefunden hatte, und legte ihm ans Herz, sie in seinem Hause zu behalten: sie scheine gut und anhänglich zu sein und er würde sich gewiß bald an sie gewöhnen. »Aber verraten Sie ihr nicht, daß Sie es aufmeineBitte hin tun wollen,« setzte Paula hinzu. »Ich sagte ihr, daß ich Ihnen gleichgültig bin, und Sie müssen sie in diesem Glauben erhalten.Michkennt sie nicht; was sie von mir denkt, spielt folglich keine Rolle. Aber Sie, der Sie in Keßten leben werden, müssen achtsam sein auf Ihren guten Ruf.«
Er mußte lächeln über ihre Worte, seine Stimme jedoch klang gepreßt, als er jetzt sagte: »Sie sind um meinenRuf besorgt, – um den Ihrigen aber kümmern Sie sich nicht. Jetzt, wo Sie wissen, daß ich bald gehe, gestatten Sie mir, täglich zu Ihnen zu kommen, weil Sie in Ihrer Selbstlosigkeit folgern, daß es mir nun nichts mehr anhaben könne. Von diesem Standpunkt aus haben Sie freilich recht, – ich gehe, – aber Sie? Sie bleiben zurück und – merken Sie es wohl, Paula: die Menschen werden den Stab über Sie brechen.«
»Daran habe ich noch nicht gedacht,« schaltete sie ruhig ein.
»Aber ich! Glauben Sie mir, ... so sehr es mich in Ihre Nähe zieht und so glücklich ich mich fühle, wenn ich Sie an meiner Seite habe, ... es kostet mir jedesmal einen schweren Kampf, zu Ihnen zu gehen. Ich kann mir nicht verhehlen, daß ich es bin, der Ihren Ruf untergräbt, und das macht mich elend.«
Paula wies mit den Augen auf Toni, die verwundert aufhorchte. Er biß sich auf die Lippe und schwieg.
»Wie hat Ihnen mein Freund gefallen?« fragte er nach einer Weile.
»Nicht sonderlich gut, wenn ich aufrichtig sein soll,« erwiderte Paula.
»Im Anfang mag er schroff scheinen; ich zweifle jedoch nicht, daß Sie ihn lieb gewinnen werden, wenn Sie ihn näher kennen. Ich will ihn nicht allzu sehr loben, um Sie nicht neuerdings zu erzürnen, aber ich versichere Ihnen, daß er ein vortreffliches Herz hat. Und was mir vorzugsweise an ihm gefällt: er hängt mit Leib und Seele an seinem Beruf. Predigen müssen Sie ihn hören!Er ist immer so ganz bei der Sache, ist so durch und durch Priester und würde für seinen Stand durchs Feuer gehen. Er besitzt eben alle guten Eigenschaften, die mir abgehen.«
»Sie setzen sich immer herab,« warf Paula dazwischen. »Finden Sie die Arroganz Ihres vielgerühmten Freundes gleichfalls bewunderungswürdig?«
»Er ist nicht arrogant, ... nur nicht biegsam oder zugänglich ... Bedenken Sie, daß er im Waisenhause aufgewachsen ist, niemals Liebe genossen hat, und wer selbst nie verzärtelt worden ist, verzärtelt auch andere nicht. Mir jedoch ist er treu ergeben und einen besseren Freund werde ich schwerlich jemals mehr finden. Das alles muß Sie doch ein klein wenig für ihn einnehmen,« schloß er zuredend und bittend zugleich.
»Gewiß,« sagte Paula. »Wenn es ihm erwünscht ist, will ich gern mit ihm verkehren ... Aber wird er es wollen? Ich zweifle daran.«
»Mit der Zeit, ... wer weiß? ... Er hat mich lieb und auch Sie sind mir gut, ... der Gedanke, daß Sie beide von mir sprechen, wird mich trösten in meiner Einsamkeit ... Und wenn Joachim mich besucht, kann er mir von Ihnen erzählen, und er wird mir dann doppelt teuer sein ...«
Paula stieß einen Wehruf aus und schlug die Hände vor das Gesicht.
»Paula!« rief der Priester erschrocken und Toni sprang auf und eilte zu der Schwester hin – »Paula,« – erbeugte sich über sie – »liebe Paula, was hab' ich Ihnen getan?«
»MüssenSie davon sprechen?« brachte sie mühsam heraus. »Haben wir uns nicht gelobt, nie, nie den Abschied zu berühren? ... Und nun malen Sie die Zukunft so deutlich aus ...«
Sie erhob sich, nahm Toni bei der Hand und ging, ehe er's hindern konnte, rasch aus dem Zimmer.
Eine halbe Stunde später kam der Arzt nach Hause. Er fuhr zusammen, als er, in das Wohnzimmer tretend, den Geistlichen am Tisch sitzen sah ... Harteck erblickte ihn, stand auf und verbeugte sich stumm. Die Blässe und Alteration seiner Züge entgingen dem Arzt keineswegs; aber er hatte sich bereits gefaßt und fragte den Priester so ruhig wie möglich nach seinem Begehr.
Mit abgerissenen Worten brachte Harteck vor, was Paula ihm zu sagen aufgetragen hatte. Der Arzt ersuchte ihn, Rock und Weste abzulegen, und als Harteck dem nachgekommen war, lehnte jener das Ohr an seine Brust und bat ihn, tief Atem zu holen. Er untersuchte ihn aufmerksam, befühlte seinen Puls und fragte ihn dann: »Husten Sie öfters?«
»Im Herbst und Frühjahr beständig. Ich erkälte mich überhaupt sehr leicht.«
»Haben Sie Schmerzen?«
»Nein.«
»Auch nicht zwischen den Schulterblättern, wenn Sie zum Beispiel viel gegangen sind?«
»Das ist wahr. Das hatte ich vergessen. Nach weitenSpaziergängen oder wenn ich lang Klavier gespielt habe, empfinde ich im Rücken einen stechenden Schmerz.«
»Hm! ... Ihre Stimme klingt umflort. Ist das Ihre natürliche Stimme?«
»Ich bin seit einiger Zeit etwas heiser.«
»Wie schlafen Sie? Geraten Sie beim Schlafen oft in Schweiß?«
»Sehr oft.«
»Rauchen Sie?«
»Nur wenig; ich vertrage das Rauchen schlecht.«
»Wahrscheinlich reizt es Sie zum Husten?«
»Ja.«
Der Arzt betrachtete seine Hände. Sie waren blaß und mager.
»An welcher Krankheit ist Ihr Vater gestorben?« fragte er dann.
»An der Lungentuberkulose.«
»War das ein Ausnahmefall, oder ist dieses Übel erblich in seiner Familie?«
»Soviel mir bekannt ist, sind alle Verwandten meines Vaters eben dieser Krankheit erlegen.«
»Hm!« sagte der Arzt noch einmal. »Sie müssen vorsichtig sein, sich schonen. In Keßten soll das Klima sehr rauh sein?«
»Man sagt so.«
»Für Sie wäre es besser, wenn Sie nach Südtirol kämen ... Würde sich das nicht machen lassen?«
»Jetzt nicht. Vielleicht später. Wenn mir der Aufenthaltin Keßten nicht gut tut, kann ich um meine Versetzung einkommen.«
Er griff nach seinem Rock und seiner Weste; der Arzt war ihm beim Ankleiden behilflich.
»Aber brustkrank bin ich noch nicht?« fragte Harteck und blickte dem anderen fest in die Augen.
»Nein. Indessen darf ich Ihnen nicht verschweigen, daß Sie einige Anlage zu diesem Leiden besitzen.«
Harteck nickte wie jemand, der etwas hört, worauf er schon vorbereitet war, und langte nach seinem Hute.
»Ich empfehle Ihnen noch einmal dringend an, auf Ihre Gesundheit acht zu geben,« sagte der Arzt. »Dieses Übel ist heimtückischer Art und schöpft aus allem Nahrung ... Es genügt nicht, sich körperlich zu schonen und zu pflegen, ... auch der Geist muß frei und leicht sein. Kummer, Unzufriedenheit, Sorgen sind die besten Förderer dieses schleichenden Übels, sind oft verhängnisvoller als körperliche Unvorsichtigkeiten ... Trachten Sie daher, so viel wie möglich eine gleichmäßige, heitere oder doch ruhige Stimmung anzustreben; grübeln Sie nicht nach, bekämpfen Sie Schwermut und Traurigkeit, beschäftigen Sie sich stets, damit Sie keine Zeit haben, trüben Gedanken nachzuhängen und meiden Sie alles, was Ihnen körperlich von Nachteil sein könnte; Schlaf, kräftige Speisen, gute Luft und ein ruhiges Gemüt sind und bleiben die besten, ja, die einzigen Mittel, um solchen Krankheitsanlagen entgegenzuwirken.«
Er hatte bis dahin als Arzt gesprochen, ohne ein persönliches Motiv zu berücksichtigen: unparteiisch, teilnehmend und voll Interesse, wie er es jedem Fremdengegenüber tat, der einen ärztlichen Rat von ihm begehrte. Doch jetzt, da er fertig war, verbeugte er sich wie verabschiedend und sah den jungen Priester, der unbeweglich stehen blieb, mit strengem Blick an.
»Wünschen Sie noch etwas von mir?« fragte er ihn.
»Ich verlasse St. Jakob in einigen Tagen,« sagte Harteck mit unsicher klingender Stimme, »und da ich vielleicht nicht mehr Gelegenheit haben werde, Sie zu sehen, möchte ich Ihnen jetzt schon Adieu sagen ...«
Er streckte dem anderen die Hand entgegen. Der Arzt erfaßte sie, ließ sie jedoch sogleich wieder fallen.
»Gehaben Sie sich wohl,« sagte er und wendete sich von dem Priester ab.
Dieser tat einen Schritt gegen ihn hin.
»Lassen Sie mich hoffen, daß Sie sich meiner nicht mit Haß erinnern werden ... Ich habe schweres Leid über Ihr Haus gebracht, ... aber ich büße hart dafür, Gott weiß es.«
Der Arzt machte eine abwehrende Bewegung.
»In kurzer Zeit ist alles vorbei,« sprach Harteck weiter. »Ich gehe und damit ist das Spiel zu Ende. Nur zu gut fühle ich, daß es in diesem Fall keinen Mittelweg gibt: es heißt entweder alles wagen oder auf alles verzichten. Ich wähle das zweite. Niemals werde ich Ihrer Tochter schreiben, und wenn sie, in ihrer Güte, sich einfallen lassen sollte, einen Brief an mich zu richten ...«
Der Arzt unterbrach ihn.
»Ich erlasse Ihnen diese Versprechungen,« sagte er. »Glauben Sie denn, daß ich dieser Sache nicht längst schonein Ende gesetzt haben würde, wenn ich nicht wüßte, daß in solchen Fällen Gewalt und Zwang das Übel nur vergrößern, anstatt es auszurotten?« Ein fürchterlich ernster Blick war es, den er bei diesen Worten auf den Priester heftete, ein Blick, vor dem Harteck die Augen senken mußte. »Glauben Sie, daß ich bis jetzt geschwiegen haben würde, wenn ich nicht gefürchtet hätte, in Ihnen auch mein Kind zu treffen? Paula würde alles, was ich Ihnen gesagt hätte, als eine persönliche Kränkung empfunden und ich würde dadurch meine Tochter ganz verloren haben. Nein; versprechen Sie mir nichts. Paula mag tun, was ihr gefällt; wenn sie nicht freiwillig entsagt, helfen alle Gewaltmittel nichts. Sie gehe ihren eigenen Weg; mag sie das, was sie an mir und sich selbst verübt, mit ihrem Gewissen ausmachen. Über dasHerzeines Kindes gebietet der Vater nicht, und wenn dieses Herz durchaus unrecht tun will, dann verlohnt es sich auch nicht der Mühe, es zurückhalten zu wollen.«
Hochaufgerichtet stand er da, als er so sprach. Harteck war zumute, als ob der ernste, hagere Mann zu riesiger Größe emporwüchse, zu einer Größe, neben der er zwerghaft klein erschien. Er kam sich neben dem schwer gekränkten Vater so elend, armselig und verächtlich vor, daß er es für eine Wohltat angesehen haben würde, wenn der Fußboden sich aufgetan und ihn verschlungen hätte. Vorwürfe, Schmähungen, ja Mißhandlungen sogar würde er leichter ertragen haben, als dieses kalte und stolze: Tut, was Ihr wollt.
Der Arzt mochte erraten, was im Innern des Mannesvorging, der in der scheuen Haltung eines Verbrechers vor ihm stand, und in seiner Brust regte sich eine Empfindung, die an Mitleid streifte.
»Wir haben ausgesprochen, denke ich,« sagte er und trat zum Tisch hin.
»Ja,« murmelte Harteck, verneigte sich ungeschickt und verließ das Zimmer. Er kam sich vor wie ein Dieb, dem der Bestohlene die Strafe erläßt.
Noch zwei Tage. Er wünschte, sie wären vorüber. Paula hatte er glauben gemacht, daß er noch drei Tage hier bleiben würde, um ihr und sich selbst die Bitternis des Abschiedes zu ersparen. Den vorletzten Tag seines Hierseins verwendete er dazu, daß er von Haus zu Haus ging und allen Leuten Ade sagte, und er gewann bei dieser Wanderung durch das Dorf aufs neue die Überzeugung, daß die Leute ihn lieb gewonnen hatten und ungern scheiden sahen. Freilich trat dabei auch zu Tage, daß er, wie es ihm überall erging, die Menschen durch allzu große Güte und Nachsicht verwöhnt hatte und daß manche dies benutzten, um dreist zu werden. Mehr als einer hatte die Unverfrorenheit, mit schlauem Augenwinken zu ihm zu sagen: »Es ist ja besser für Sie, daß Sie gehen,« und wenn er nach dem Warum fragte, erfolgte abermaliges Blinzeln und Nicken und ein gutmütiges: »Ich meine halt so, ... Sie verstehen mich schon ...« Sich den nötigen Respekt zu verschaffen, hatte er nicht gewußt, und seine aller Welt bekannte Neigung zu einem Mädchen zerstörte den Nimbus, der sonst den Seelsorger in einem Dorfzu umgeben pflegt, vollends. Das war ihm nicht gleichgültig, verdroß ihn sogar, aber er verschluckte es wie so manches andere. Am Hause Paulas glitt er scheu vorüber: er wollte sie weder sehen noch von ihr gesehen werden; und er nahm sich vor, sie auch morgen zu meiden, wenn er Kraft genug besäße, die Sehnsucht seines Herzens so weit zu besiegen.
Am Abend fühlte er sich von dem vielen Umhergehen, Sprechen und Abschiednehmen auf das äußerste erschöpft. Er ließ sich beim Dekan entschuldigen: er könne am gemeinschaftlichen Mahl nicht teilnehmen, er wäre allzu müde. Mochte der gewesene Prinzipal ihn unhöflich schelten! Jetzt war doch alles gleichbedeutend und jeder Zwang überflüssig.
Harteck kam am folgenden Morgen später als sein Freund, der früher die Messe gelesen hatte, in das Frühstückzimmer und traf dort bloß den Mönch und den jungen Geistlichen an. Diese beiden schienen schon recht gut bekannt miteinander, sie standen am Fenster, Joachim hielt ein Zeitungsblatt in der Hand und der Mönch blickte über seine Schulter in dasselbe.
»Ich habe für diesen Artikel große Lobsprüche geerntet,« sagte Perkow, »sogar der Fürst-Erzbischof hat ihn gelesen und mir seine Zustimmung ausdrücken lassen ... Das Polemisieren ist meine Passion. Sie können sich wohl vorstellen, daß das Organ unserer Gegner dazu nicht geschwiegen hat, ... aber ich weiß, was ich auf alle Einwürfe zu erwidern habe. Ich bin im Recht. Den Gegenartikel trage ich bereits in der Tasche,« schloß der junge Mann mit einem triumphierenden Lächeln und klopftemit der Hand auf die Brust. Jetzt erst gewahrte er den Freund.
»Guten Morgen, Georg,« sagte er.
»Guten Morgen,« sagte Harteck grüßend. »Wo sind die anderen?«
»Über Land gefahren,« berichtete der Mönch. »Sie werden erst abends zurückkehren.«
»Desto besser!« sagte Perkow aufrichtig. »Gegen den Herrn Dekan habe ich zwar nichts einzuwenden, aber seine Nichte, diese alte Jungfer, ist ein unausstehliches Geschöpf. Ist sie immer so geziert und affektiert, wie sie's gestern war?«
»Immer so,« sagte Benediktus. »Und boshaft! Davon haben Sie keinen Begriff.«
»Das werden wir ihr austreiben,« sprach Joachim leichthin und setzte sich. »Vorläufig aber wollen wir frühstücken.«
Der junge Pater nahm an seiner Seite Platz und heftete den Blick unausgesetzt auf seinen blonden, sorglos und zufrieden aussehenden Nachbar. Augenscheinlich bewunderte er ihn.
»Es ist erstaunlich, wie gescheit Sie sind für Ihre Jahre,« sagte der Mönch plötzlich und wurde rot. »Sie werden es noch weit bringen.«
»Ach nein! Warum denn?« entgegnete Joachim bescheiden und geschmeichelt zugleich. »Allerdings höre ich das manchmal und es ist mir, zum Beispiel, in Aussicht gestellt worden, Redakteur unseres Salzburger Parteiblattes zu werden ... Ich weiß jedoch nicht, ob ich dieser Stellung gewachsen sein werde. Es mangelt mir doch an Erfahrung. Nicht wahr, Georg?«
»Für einen Kampfhahn wie Du einer bist wäre das gerade das richtige Feld,« erwiderte dieser mit einem Lächeln.
»Du spottest mich immer aus,« murrte der junge Geistliche.
»Keineswegs; ich meine nur ...«
»Daß ich ein intoleranter, streitsüchtiger Pfaff bin? Intolerant, in der Tat!« rief der junge Priester und schlug mit der Hand auf den Tisch. »So nennt man uns, ... aber dieser Vorwurf ist, nach meiner Ansicht, ein ungerechter. Wer, um alles in der Welt, ist tolerant gegenuns? Welche Stellung nehmen die Katholiken in Deutschland, Rußland und Irland ein? Man duldet sie, weil man muß, und sobald sie eine Bewegung machen, schlägt man sie zu Boden. Davon aber spricht niemand, das finden die Menschen ganz in der Ordnung. Narren und Feiglinge wären wir, wenn wir ihnen nicht gleiches mit gleichem vergälten. Was mich jedoch bei alledem am meisten verdrießt, das ist die Lauheit und Flauheit der Katholiken selber. Alles lassen sie sich gefallen, mit Füßen lassen sie sich treten. Ich möchte einmal hören, was die Protestanten oder Juden sagen würden, wenn ihre Pastoren oder Rabbiner nur halb so vielen Angriffen ausgesetzt wären wie wir! Steinigen würden sie die Angreifer, oder doch wenigstens die Hand rühren und den Mund auftun. Unsere Katholiken aber sind die ersten, die ihre Priester herabsetzen und die Nase rümpfen, wenn von den Klerikalen, wie sie uns und unsere Parteigänger nennen, die Rede ist. Darüber habe ich mich oft schon geärgert und dagegen gesprochen und geschrieben. Unsere Bauern gehen nochan, ... aber die Städter, ...diesind es, die der Sache schaden, die geflissentlich zu vergessen scheinen, daß sie katholisch sind und darum Hand in Hand mit uns gehen sollten, anstatt sich zu unseren Widersachern aufzuwerfen, wie sie es in der Tat tun. Was wird aus unserer heiligen Kirche werden, wenn die eigenen Kinder sich gegen dieselbe empören? Und wir, ... sollen vielleicht auch wir die Flinte in das Korn werfen und gleichgültig zusehen, wie an unserer Kirche gemäkelt wird, wie unsere Gegner sich breit machen und uns verhöhnen? Nimmermehr! Krieg bis aufs Messer! Entweder siegen oder fallen, – aber sich feige ergeben, – das niemals!«
Der junge Mönch nickte lebhaft Beifall und seine leuchtenden Augen hingen an dem geröteten, erregten Gesicht des jugendlichen Paladin der Kirche. »Bist Du nicht auch meiner Ansicht?« wendete Perkow sich an Harteck, der sich schweigend verhielt und weder ein Beifalls- noch ein Mißfallenszeichen zu erkennen gegeben hatte.
»Gewiß,« antwortete dieser, also zum Sprechen aufgefordert. »Indessen darfst Du nicht übersehen, daß der katholische Klerus – teilweise wenigstens – nicht danach angetan ist, sich Sympathien zu erwerben. Die Pastoren, zum Beispiel, begnügen sich damit, Diener des Staates zu sein und ordnen sich dem Staate unter; sie wollen keine politische Rolle spielen und machen selten von sich reden. Wir hingegen haben stets nach der Herrschaft gestrebt und streben noch immer danach, wollen einen Staat im Staate bilden, und das verzeiht die Welt uns nicht. Sind wir Patrioten? Bürger? Geht uns der Staat unseren Sonder-Interessenvor? Nein, müssen wir auf diese Fragen antworten. Wir sind nur so lang Patrioten, als wir unsere Kirche nicht gefährdet glauben, ... unsere Blicke sind nach Rom gerichtet und was der Papst sagt, gilt uns mehr als die Wünsche unserer Mitbürger. So muß es natürlich sein, wir dürfen anders nicht denken. Aber Du mußt doch zugeben, daß die Welt einigen Grund habe, uns mit scheelen Augen anzublicken. Ein jeder Stand ringt nach der Weltherrschaft, ... die Aristokratie so gut wie wir; der Bürger so gut wie das Proletariat oder der vierte Stand; wir sind ihnen folglich im Wege und darum mögen sie uns nicht.«
»Aber Sie haben unrecht, wie mir scheint,« warf der junge Pater stockend und errötend ein. »Wenn irgend jemand berufen ist zu herrschen, dann sind es wir, denen die Aufgabe obliegt, die Gewissen rein zu erhalten und die Menschen auf das ewige Leben vorzubereiten, während unsere Gegner sich bloß um das zeitliche Wohl kümmern. Wenn die Menschen mehr den Tod und was darauf folgen wird, im Auge hätten als ihr vergängliches Dasein, würden sie sich den Priestern gern unterwerfen und sich willig ihrer Leitung anvertrauen.«
Die beiden Freunde blickten zuerst dem Sprecher, dann einander in die Augen. Daß der Mönch es ehrlich meinte und das Gesagte wirklich dachte, – darüber konnte niemand im Zweifel sein. Man brauchte nur sein treuherziges Gesicht anzusehen, ... dann mußte man ihm Glauben schenken. Vondiesemidealen Standpunkt aus hatte er freilich recht ... »Aber – sind wir auch so?« mußte Joachimsich fragen. »Vielleicht viele, ... alle gewiß nicht. Und ich – ebenfalls nicht.«
Wohl war er sich bewußt, ein treuer und eifriger Diener der Kirche zu sein, ... aber daß Ehrgeiz, Herrschlust und Eigenliebe ihm gänzlich fremd, daß er nur die zukünftige, bessere Welt im Auge habe? So weit ging seine Liebe zu Gott noch lange nicht. Fast beschämt blickte er vor sich nieder und versank in Nachdenken.
»Werde ich heute abend Gelegenheit haben, das gnädige Fräulein zu sehen?« fragte Harteck, sich an den Pater wendend. »Ich möchte doch nicht ohne Abschied von ihr gehen.«
»Sie hat gesagt – warum weiß ich nicht –, daß sie diesem Abschied auszuweichen gesonnen wäre,« antwortete Benediktus.
»Dann laß die Närrin!« rief Georgs heißblütiger Freund. »Dir wird doch nicht darum zu tun sein, noch einmal in ihre wässerigen Augen zu schauen.«
»Ich will von aller Welt in Frieden scheiden,« versetzte Harteck. »Wie immer auch die Menschen hier sich gegenmichbetragen haben, ...ichwill allen beweisen, daß ich keinem grolle und es mit jedem gut meinte.«
Der Mönch schlug bei diesen Worten die Augen zu Boden.
»Komm, Joachim,« sagte Harteck mit einem Blick auf den Pater. »Wir haben noch viel zu tun.«
Die Freunde standen auf und verfügten sich in Hartecks Wohnung. Die Möbel und das Klavier waren bereitsverpackt und sollten heute schon mittels der Eisenbahn nach Hartecks neuem Wohnort befördert werden.
»Willst Du mir beim Packen behilflich sein?« fragte Georg.
»Natürlich! Du magst die ganze Arbeit getrostmirüberlassen. Du siehst ohnehin ermüdet aus. Hast Du schlecht geschlafen?«
»Es geht an. Beginne denn mit den Büchern, wenn Du so gut sein willst, mir diese Arbeit abzunehmen ... Ich will einstweilen meine Papiere ordnen.«
Perkow machte sich an die Arbeit und Harteck kramte in Papieren, die auf dem Tische lagen, zerknitterte manche und warf sie auf den Boden, während er andere wieder sorgsam aufeinander legte. Knechte traten ein, luden die Möbel auf ihre Schultern und trugen sie hinaus. Unruhig lief Cäsar hin und her.
»Der Hund weiß, daß wir abermals wandern müssen,« sagte Harteck. »Er hat solchen Umzug schon mehrere Male mitgemacht und ist kein Freund davon. Leg Dich nieder, Cäsar. Du wirst bald wieder dein wohlgeordnetes Daheim haben, und um etwas anderes ist Dir ja nicht zu tun.Dirbleibt nichts Liebes hier zurück,« schloß er mit einem Seufzer.
»Ich habe Dir doch schon gesagt, daß ich Dich oft besuchen werde,« sprach Joachim, auf dem Boden knieend, und tat einen Stoß Bücher in die vor ihm stehende Kiste. »Gib mir ein Staubtuch, wenn Du eines besitzest. Deine Bücher sind nicht im besten Stand ... Schau, wie der Staub aus den Blättern fliegt! Diese Werke liest Du wohl selten?«
»Sehr selten.« (Es waren Bücher theologischen Inhaltes.)
»Ach! dann gib sie mir!« rief Juchei. »Ich überlasse Dir andere dafür; ja, Georg?«
»Behalte, was Dir gefällt. Ich verlange nichts dafür. Es freut mich, wenn ich Dir etwas schenken darf.«
»Dann danke ich schönstens,« sagte der junge Priester und legte mehrere Werke beiseite. Das Packen ging langsam von statten. Perkow blätterte wiederholt in den Büchern, die er für sich zurückgelegt hatte, und vertiefte sich darein. Endlich aber wurde er doch fertig.
»Nun kommen die Wäsche und Kleider an die Reihe,« sagte er und fuhr mit dem Taschentuch über sein erhitztes Gesicht. »Uff! Bei dem Packen wird einem warm. Sollten wir uns nicht Bier bringen lassen, Georg?«
»Ich will sogleich den Auftrag dazu geben,« sagte Harteck und stand auf. »Setz jetzt ein wenig aus. Auf dem Tisch liegt meine Zigarrentasche, wenn Du vielleicht Lust hast zu rauchen.«
Er ging aus dem Zimmer. Juchei brannte sich eine Zigarre an und schaute, die Hände auf dem Rücken gefaltet, zum Fenster hinaus. Es regnete leise, aber ununterbrochen. »Hoffentlich hat er morgen zu seiner Reise besseres Wetter,« dachte Joachim. »Dieser trostlose Regen wirkt bedrückend auf die Nerven ein, und lustig ist der arme Kerl ohnehin nicht ... Was aber kann ihm den Abschied von hier so schwer machen? Mit dem Dekan steht er nicht sonderlich gut und das ist bei uns doch immer die Hauptsache.«
Georg kehrte zurück mit der Meldung, daß das Bier sofort gebracht werden würde. Der junge Geistliche nickte und beobachtete den Freund, der sich an den Tisch setzte und traurig vor sich hinstarrte. In diesem Augenblick fiel Joachim auch auf, wie blaß und mager sein Gesicht war. Er ging zu dem Freunde hin und nahm ihn bei der Hand.
»Na, Georg?« sagte er fragend. »Hast Du Deine Papiere schon in Ordnung gebracht?«
»Ja.«
»Wohin soll ich sie legen? Zur Wäsche?«
»Wohin Du willst.« Er lehnte die Stirn an den Arm des jüngeren Kollegen. »Ach, Joachim,« sagte er und nichts weiter.
»Nun, nun,« sagte Perkow liebreich und besorgt, »was ist Dir denn, mein Alter?«
»Nichts,« versetzte Georg trüb. Sie verstummten eine Zeitlang. Als sie dann die Tür gehen hörten und Uschei mit dem Bier und zwei Gläsern eintreten sahen, richtete Harteck sich in die Höhe und zwang sich zu einem Lächeln.
»Das war sehr schnell,« sagte er zu dem Mädchen.
»I bin recht g'rennt[21], dös is schon wahr,« sagte diese und stellte Krug und Gläser auf den Tisch. »Sie soll'n nix über mi' z'sagen haben am letzten Tag.«
»Ich hatte niemals etwas über Sie zu sagen,« versetzte Harteck und ergriff ihre Hand. Joachim sah ihnund die junge Magd, die ein bißchen geziert tat, mit zweifelhaften Blicken an.
»Was i no' sagen hab' wollen,« sprach Uschei. »Ja, richtig. Wenn die Herren eppes heut' hier, in dem Zimmer da, essen wollen, kann's leicht g'schehen. Der Herr Pater is weit furt gangen zu oam Kranken und ißt a drenten. Sie zwoa sein ganz alloani dahoam, ... Sie können also essen, wo's wollen.«
»Dann essen wir hier,« entschied Harteck und goß die Gläser voll. »Da, nehmen Sie einen Schluck, Uschei.« Sie ergriff das dargebotene Glas und schwenkte es lächelnd gegen Perkow hin. »Zum Wohl! Herr Kopp'ratter,« sagte sie dabei.
»Danke,« sprach Joachim ziemlich ungerührt und stieß flüchtig mit ihr an. Des Mädchens blühende Gestalt brachte nicht den geringsten Eindruck auf ihn hervor. Er sah nichts anderes in ihr als eine Magd, die sich vertraulicher benahm, als eben nötig war, – und das war alles. Harteck entging nicht die leise Ungeduld in den Zügen des unerschütterlichen Freundes und er sagte zu Uschei: »Sorgen Sie nur, daß wir was Gutes zu essen bekommen.«
»Die Herren werden scho' zufrieden sein,« antwortete Uschei, knickste und ließ sie allein.
»Ein hübsches Mädchen, nicht wahr?« sagte Harteck lächelnd zu Perkow.
»O ja,« antwortete dieser gleichgültig ... »Ich verstehe nicht, wie man sich für die Weiber so sehr interessieren kann. Sie gehen Dich nichts an. Laß sie doch in Ruhe.«
Harteck mußte lachen. »Ja, wenn ich so weise wäre wie Du ...«
»Ich bin nicht weise. Aber ich habe, Gott sei Dank! nicht Dein entzündbares Temperament. Überhaupt begreife ich nicht, wie man sich verlieben kann. Ich habe doch auch schon eine Menge hübscher Frauen und Mädchen gesehen, ... daß aber eine, außer flüchtigem Gefallen, andere Gefühle in mir wachgerufen hätte, ist mir nicht bekannt. Es darf nun einmal nicht sein, und wenn man sich beizeiten vorsieht und der Versuchung aus dem Weg geht, kann man das Übel im Keim ersticken. Mir ist die bloße Vorstellung, der Narr einer solchen Dirne zu sein, um ihre Gunst zu betteln und vielleicht von ihr verspottet zu werden, fürchterlich. In welche Abhängigkeit gerät man nicht, wenn man auf die Verschwiegenheit eines Frauenzimmers angewiesen ist! Und was für eine dumme Figur ein Geistlicher macht, von dem die Gemeinde weiß, daß er verliebt ist, ... und solche Dinge kommen immer an den Tag: die Weiber sind eitel und können den Mund nicht halten. Das hast Du ja an Dir selbst erfahren.«
»Mein armes Mädchen ... Du sprichst ja wohl von Kathei? ... hat nicht geschwatzt. Dazu hatte sie mich viel zu lieb. Die Leute haben es eben gemerkt ... Das Mädel und ich waren zu sehr verbrannt ineinander, als daß wir uns genügend hätten verstellen können.«
»Ich glaube wahrhaftig, Du schämst Dich nicht einmal,« rief Joachim unwillig.
»Schämen? Nein, mein keuscher Freund;dazuwar die Sache zu traurig. Aber das gestehe ich Dir gern:mein Leben würde ich gelassen haben, wenn ich das arme Geschöpf nicht kennen gelernt hätte. Was sie gelitten hat, wie sie beschimpft und verhöhnt worden ist, das weiß nur ich. Sie hat ihr kurzes Liebesglück teuer bezahlen müssen ... Doch davon willst Du nichts hören. Du siehst bloß den Fehltritt und den verurteilst Du. Was ihm jedoch voranging, wie schwer sie rang, bevor sie Liebe für Liebe und mit der Liebe die Ehre dahingab und was darauf folgte, ... darum bekümmerst Du Dich nicht; das ist Nebensache, nicht der Rede wert.«
»Wie magst Du nur in einem so bitteren Ton zu mir sprechen!« sagte Perkow. »Hältst Du mich für einen Unmenschen? Glaube mir, ich wäre der erste gewesen, der Euch hilfreiche Hand geboten hätte, wenn ich Euch, da Ihr im Elend wart, von Nutzen hätte sein können.«
»Wirklich?« rief Harteck und ergriff seine Hände. Er schien noch mehr sagen zu wollen, besann sich jedoch und begnügte sich damit, daß er die Hände des Freundes mit Wärme drückte.
»Ich will nun wieder an die Arbeit gehen,« sagte dieser. »Sonst kommt der Abend und ich bin mit dem Packen nicht fertig.«
Die Folge bewies indessen, daß der junge Mann die übernommene Arbeit überschätzt hatte. Als das Mittagbrot aufgetragen wurde, standen die paar Kisten und Koffer gepackt und verschlossen da.
»Was tun wir jetzt?« fragte Perkow, als wieder abgetragen worden war. »Wollen wir vielleicht kegeln?«
Harteck lehnte den Vorschlag ab.
»Oder ausgehen?«
»Es regnet ja ... Ich will lieber zu schlafen versuchen.«
»Auch gut. Während Du schläfst, werde ich in die Kirche gehen und nachsehen, ob es dort nicht einiges zu tun gibt. Und dann will ich zur Schule ... Die Kinder erhalten doch täglich Religionsunterricht?«
»Ja.«
»Leb wohl unterdessen.«
Nach zweistündiger Abwesenheit kehrte Perkow zu dem Freunde zurück und fand diesen auf dem Bette liegend, mit geschlossenen Augen.
»Dieser Faulpelz!« murmelte Joachim vor sich hin und wollte sich zurückziehen. Da schlug Harteck die Augen auf.
»Ich habe nicht schlafen können,« sagte er. »Bleib bei mir, Juchei.«
Perkow setzte sich auf den Rand des Bettes.
»Wie spät ist es?«
»Drei Uhr.«
»Erst drei Uhr! Dieser Tag nimmt kein Ende.«
»Soll ich Dir etwas vorlesen?« fragte Juchei.
»Meinetwegen. Was? gilt mir gleich. Wähle selber.«
Perkow holte Bücher und Zeitungen herbei und las dem Freunde daraus vor. Auf diese Weise verstrich eine Stunde.
»Leg das Zeug beiseite,« sagte Harteck plötzlich, »und sieh nach dem Wetter. Vielleicht hat es zu regnen aufgehört.«
Juchei trat ans Fenster.
»Es regnet nicht mehr,« sagte er.
»Dann gehen wir ins Freie,« sprach Harteck und erhob sich. »In mir ist eine unbeschreibliche Ruhelosigkeit, ... ich kann es in dieser engen Stube nicht länger aushalten.«
Juchei war es zufrieden und, von Cäsar begleitet, verließen die Freunde das Haus. Trotz Nässe und Kälte schlenderten sie lange umher, und wenn Juchei, um die zarte Gesundheit Georgs besorgt, den Vorschlag machte, umzukehren, sagte Harteck jedesmal: »Noch nicht, ... es ist noch zu früh.«
Eine nervöse Unruhe hatte sich seiner bemächtigt. Er ging so rasch, als ob er gehetzt würde; seine Wangen glühten und er atmete mit Anstrengung.
»Ich gehe keinen Schritt weiter,« erklärte Joachim endlich. »Du siehst ganz erschöpft aus. Willst Du Dich absichtlich zugrunde richten?«
Harteck fügte sich und sie schlugen den Heimweg ein. Als sie zu Hause anlangten, verkündete die Turmuhr die siebente Stunde.
»Willst Du nicht etwas essen?« fragte Juchei, setzte sich und betrachtete seine mit Schmutz bespritzten Stiefel. »Ich, meinerseits, bin hungrig wie ein Jagdhund.«
»Dann laß Dir etwas zu essen geben,« sagte Harteck. Er schritt im Zimmer auf und ab, trat wiederholt zum Fenster hin, las zerknüllte Papiere vom Boden auf und zerriß sie. In seinem jetzt wieder todblassen Gesicht spiegelten sich Gefühle aller Art: Pein, Unruhe, Mißmut ... Endlich blieb er vor dem Freunde stehen.
»Joachim ...«
»Nun?«
»Ich muß fort.«
»Wohin denn? Was hast Du vor?«
»Ich kämpfe schon den ganzen Tag. Ich habe stark bleiben, mir auch dieses Letzte versagen wollen, ... aber ich kann nicht ... So ganz ohne Abschied, ... nein! Das geht über meine Kräfte.«
Er griff nach seinem Hute.
»Ich verstehe Dich nicht,« sagte Joachim sich erhebend. »Wovon oder von wem sprichst Du?«
»Ich kehre bald zurück,« sagte Harteck, ohne die Frage zu beachten; vielleicht hatte er sie nicht einmal gehört.
»Willst Du nicht den Hund mitnehmen?« fragte Perkow, der, obschon er sich das Benehmen des anderen nicht erklären konnte, von der Ahnung eines Unheiles erfaßt wurde. Es würde ihn beruhigt haben, wenn er wenigstens ein Tier dem Freunde zur Seite gewußt hätte. Harteck aber sagte Nein zu dem Vorschlag, und ehe Joachim Zeit gefunden, noch ein weiteres Wort zu sprechen, hatte jener das Zimmer verlassen.
Er ging zu Paula. Sie war allein. Beschäftigungslos saß sie am Fenster und rührte sich nicht, als sie ihn eintreten sah. Sie hatte seinen Schritt erkannt. Im Anfang sprachen beide nichts. Georg setzte sich aufs Sofa und zerrte an den Quasten, die von der Lehne herabhingen.
»Wo ist Ihr Vater?« fragte er endlich.
»Noch nicht daheim. Toni ist zu den Nachbarleuten gegangen. Soll ich sie holen lassen?«
»Wozu? ... Sie brauchen sich vor einem Alleinsein mit mir nicht zu fürchten.«
»Ich fürchte mich nicht,« sagte Paula; doch als sie seinem Blick begegnete, schrak sie zusammen. Solch ein Blick voll Leidenschaft und Seelenpein war ihr fremd. Mit gewaltsamer Fassung fragte sie: »Warum sind Sie gestern nicht gekommen?«
»Weshalb hätte ich kommen sollen? Um noch mehr verachtet zu werden? Denn Ihr Vater verachtet mich und mit Recht. Ich bin ein Feigling.«
»Vater hat mir von seiner Unterredung mit Ihnenerzählt,« sagte Paula und ihre Stimme bebte. »Aber daß von anderem als von Ihrer Gesundheit die Rede war, hat er mir nicht gesagt.«
»Nicht? Wahrscheinlich wollte er Ihnen nicht weh tun ... Aber ich werde ihm beweisen, daß auch ich stark sein kann ... Ich habe ihm schon versprochen, daß ich Ihnen niemals schreiben werde, daß Sie nie wieder von mir hören sollen, und ich werde mein Wort halten.«
»Hat er es von Ihnen verlangt?« fuhr Paula auf. »Das kann er nicht verlangt haben. Diesen armseligen letzten Trost kann er mir nicht rauben wollen ... Ist er doch ohnehin gering genug!«
»Eben deshalb,« murmelte der Priester vor sich hin. »Das Wenige sättigt nicht, ... es zeigt vielmehr bloß an, wie groß der Hunger ist.«
Paula stützte die Arme auf das Fensterbrett und legte das Kinn in die gefalteten Hände. Ihre Augen schweiften über den grauen, endlosen Himmel.
»Bleibt es dabei, daß Sie übermorgen reisen?« fragte sie.
»Ja.« – »Sie wird mir den Betrug verzeihen,« dachte er. »Ich tue es zu ihrem Besten, ... sie wird mich verstehen.«
»Und Sie werden mir nicht schreiben, – kein einziges Mal?« fuhr Paula fort.
»Nein. Ich darf und will nicht. Zu tief habe ich mich an Ihnen versündigt ... Lassen Sie uns der Tragödie ein für allemal ein Ende machen.«
Paula beugte den Kopf. Lange konnte sie kein Wort hervorbringen.
»Sagen Sie mir,« hob sie endlich wieder mit dumpfer Stimme an, »warum sind Sie Priester geworden?«
Er antwortete nicht sogleich.
»Fragen Sie meine Mutter,« sprach er dann. »Die wird es Ihnen sagen.«
Er stand auf und trat zu ihr hin.
»Meine Mutter hat es gewollt,« sprach er weiter. »Ich hätte freilich nicht gehorchen müssen. Aber das hätte die alte Frau getötet. Sie ist nicht schlecht, sie meinte es gut mit mir und darum klage ich sie nicht an. Ich könnte heute noch den Priesterrock von mir werfen und ein neues Leben anfangen, ... und ich habe, seit ich Sie kenne, Paula, manchmal daran gedacht. Doch was mich davor zurückhält, ist meine alte Mutter, deren Elend der Preis dieses Schrittes sein würde. Was sage ich Elend! Sie würde in Seelenqual und Verzweiflung dem Tode entgegensehen, würde glauben, daß ihr Sohn sich das Himmelreich verwirkt habe, ... ich würde der Mörder ihres Friedens sein ... und das ... das kann ich nicht auf mein Gewissen laden. Sie ist am Ende doch meine Mutter, ist alt, hat viel gelitten, und ihr einziges Glück, ihr Trost und ihre Hoffnung ist der geistliche Sohn, der, wie sie in ihrem Irrwahn glaubt, berufen sei, Gott dem Herrn allein zu dienen und dadurch sich selbst und den Seinigen die ewige Seligkeit zu sichern. Ein beklagenswerter Wahn, dem mein Leben zum Opfer fiel, das sich viel schöner und segensreicher gestalten hätte können, wenn meine Mutter mich meinen eigenen Weg hätte gehen lassen. Aber ich will mich darein ergeben. Wenn das Opfer nun einmal gebrachtwerdenmuß, soll es wenigstens mit christlicher Demut geschehen. Gott wird mir mein Kreuz tragen helfen, ohne daß ich unter seiner Last zusammenbreche.«
Er schwieg und beugte sich über Paula, die in sich versunken dasaß. Sie erfaßte seine Hände und lehnte das Gesicht an seine Brust.
»Ach! Dieses kalte schwarze Kleid!« sprach sie zurückschaudernd. »Wie schwer haben die Menschen sich an Ihnen vergangen!«
»Nicht doch, Paula. Klagen Sie niemanden an. Soviel bin ich doch Christ und Priester, daß ich aus ganzem Herzen verzeihen kann.«
»Aber ich nicht! Gott helfe mir! Ich kann nicht...«
Sie verkreuzte die Arme, sah zu ihm empor, dann zu Boden und grub die Zähne in die Unterlippe ein. In ihren Zügen arbeitete ein heftiger, innerer Kampf.
»Meine tote Mutter wird es mir vergeben,« sprach sie endlich.
»Was wollen Sie damit sagen, Paula? Worüber sinnen Sie nach?«
»Hören Sie mich an,« fuhr sie mit unbeugsamer Entschlossenheit fort. »Ich habe oft darüber nachgedacht; denken auch Sie darüber nach. Wir werden voneinander scheiden. Versuchen Sie es, sich darein zu schicken. Doch wenn es Ihnen unmöglich, wenn Sie fühlen, daß Sie meiner bedürfen zum Leben, – dann rufen Sie mich. Ich werde warten, – wochen-, monate-, jahrelang, wenn es sein muß. Ich gehöre Ihnen, wenn Sie es wollen, und ich bleibe hier, wenn Sie anders entscheiden.«
»Sie wissen nicht, was Sie reden, Paula,« sagte er und faßte sich an der Stirn. »Es ist nicht großmütig, einen Menschen in solche Versuchung zu führen. Welch ein Elender müßte ich sein, wenn ich nur einen Augenblick schwanken könnte. Bedenken Sie ... Ihr Vater, Ihre kleine Schwester, die Ihrer so notwendig bedarf, ... Ihr eigenes Leben, Ihre ganze Zukunft ...«
»Ich habe alles bedacht. An meinem Leben und meiner Zukunft ist wenig gelegen. Und Vater und Toni würden mich vergessen, wie man eine Unwürdige vergißt.«
»Sie sprechen damit Ihr Urteil aus.Sie, die Sie so ehrlich, pflichtgetreu und opferwillig sind, wollten etwas begehen, was, wie Sie selbst gestehen, unwürdig ist? Sie würden elend werden und auch mich elend machen, wenn ich ruchlos genug wäre, Sie Ihrem Hause zu entreißen. Wissen Sie, was Reue heißt? Sie würden es erfahren. Liebesbande, wie es diejenigen sind, die Sie mit Ihrem Vater und Ihrer Schwester verbinden, lassen sich nicht zerreißen. Sie würden sie immer fühlen, diese Bande, würden sich zurücksehnen nach Ihrem reinen Familienleben, würden sich und mich verfluchen. Nein, Paula.Dazusoll es niemals kommen. Glücklich zu werden ist uns verneint; fügen wir zum Schmerz nicht noch die Sünde hinzu. Wir beide sind nicht schlecht geboren, ... wir könnten uns vielleicht zum Schlechtsein zwingen, vielleicht eine Zeitlang wähnen glücklich zu sein ... wenigstensich, der ich Sie so sehr liebe ..., dann aber würden wir erwachen und uns gänzlich verarmt finden. Sie, Paula, die Geliebte eines katholischen Priesters, ... verachtet, verhöhnt, ausgestoßenvon allen, ... und ich an Ihrer Seite, unfähig, Sie zu schützen, ohnmächtig gegenüber allem Spott und Hohn ... Nein! Tausendmal nein. Für solch ein Glück danke ich.«
»Es ist gut,« sagte Paula. »Ich will Sie nicht weiter drängen. Wie ich denke, wissen Sie. Vergessen Sie es nicht. Und wenn eine Zeit kommen sollte, wo Sie denken wie ich, dann erinnern Sie sich, daß ich warte.«
Sie stand auf.
»Was haben Sie vor?« fragte er erschrocken und hielt sie am Kleide fest. »Wollen Sie mich schon verlassen?«
»Ich muß. Für heute ist es genug. Vater kann jeden Augenblick kommen und ich will, daß er mich ruhig finde, ... und so lang Sie bei mir sind ...« Sie lächelte mühsam und streckte ihm die Hand hin. »Morgen wollen wir von dem allen nicht weiter sprechen und gelassen Abschied voneinander nehmen, ... ja?«
Er neigte sich über ihre Hand und drückte die Lippen darauf. Jetzt wurde es Ernst. Gott im Himmel! So schwer hatte er sich diesen Augenblick nicht gedacht.
»Auf morgen denn,« sagte Paula.
»Auf morgen,« sprach er nach. Er war blaß wie eine Leiche. Fort, fort von hier; keine nutzlose Verlängerung des Todeskampfes.
Eine halbe Minute später stand er auf der Straße. Der Wind peitschte seine Kleider und fuhr ihm mit mürrischem Gruß ins Gesicht. Es war vorüber. –
Geduldig lehnte Perkow am Fenster und wartete auf den Freund. Er sah ihn kommen und eilte ihm entgegen.
»Schon zurück?« redete er ihn an, verstummte jedoch allsogleich. Das Aussehen des anderen war so sonderbar ...
»Ist Dir etwas geschehen?« fragte Joachim erschreckt.
Harteck wollte antworten, vermocht' es aber nicht.
Stumm schritt er durch das Zimmer nach seiner Schlafstube und warf sich dort auf das Bett. Der junge Priester war ihm gefolgt.
»Um Gottes willen, was hast Du nur?« fragte Joachim und beugte sich über ihn.
Harteck stieß ihn von sich.
»Laß mich!« rief er mit heiserer Stimme. »Ich will schlafen.«
Ohne ein Wort zu erwidern, zog Perkow sich zurück in das Wohnzimmer, setzte sich und starrte mit trüber Verwunderung im Gesicht auf den Boden. Unsäglich langsam verstrich die Zeit. Der Geistliche stützte den Kopf mit beiden Händen und dachte über den Freund nach. Es war so still, so dunkel in der Stube, tief und ruhig atmend lag Cäsar unter dem Tische ausgestreckt, ... der junge Mann versank in eine Art Halbschlummer. Das Geräusch eines näher rollenden Wagens brachte ihn indessen bald wieder zu sich; er hörte den Wagen am Tor halten, vernahm Stimmen; der Dekan und dessen Nichte waren von ihrem Ausfluge heimgekehrt.
Harteck fuhr aus seinem dumpfen Schlaf empor.
»Ist es schon Morgen? Muß ich fort?« fragte er verwirrt. »Ich höre einen Wagen.«
Joachim trat zu ihm hin.
»Es ist zehn Uhr,« sagte er. »Der Dekan und dasFräulein sind zurückgekommen. Schlafe nur weiter; der Wagen geht Dich nichts an.«
Harteck seufzte und stöhnte wie ein Mensch, der physische und geistige Qual erduldet, und fiel neuerdings auf die Kissen zurück.
»In den Kleidern schläft es sich schlecht,« sagte Joachim. »Willst Du sie nicht ablegen? Komm, ich will Dir dabei behilflich sein.«
Georg nickte stumm und ließ sich wie ein Kind von dem Freunde auskleiden.
»Vergiß nicht, mich morgen rechtzeitig zu wecken,« sagte er dann und schloß die Augen.
»Sei ohne Sorge.«
Joachim rückte einen Stuhl an das Bett, setzte sich und wachte am Lager des Freundes. Dieser schlief bald wieder ein, doch sein Schlaf war unruhiger Art. Um Mitternacht erwachte er.
»Juchei!«
»Was willst Du?«
»Du bist so gut, ... Ich muß Dir noch etwas sagen, Dich um etwas bitten, ... Du wirst es mir nicht abschlagen.«
»Wenn es in meiner Macht steht, Deinen Wunsch zu erfüllen ...«
»Hier lebt ein Mädchen. Du kennst sie, ... sie heißt Paula Reinberg. Versprich mir, freundlich gegen sie zu sein, wenn sie Dich nach mir fragen sollte, ... ja, noch mehr, ... suche sie manchmal auf und erzähle ihr unaufgefordert von mir ... Willst Du mir das geloben?«
»Ja,« antwortete Juchei gepreßten Tones. Jetzt war ihm alles klar.
»Dank, tausend Dank,« sagte Harteck und drückte die Hände des Freundes. »Nun bin ich ruhig.«
Er sank in Schlaf und Juchei wachte getreulich an seiner Seite. Erst als der Morgen zu dämmern begann und der junge Priester bemerkte, daß Georg fest schlief, beugte sich Joachim, vom Wachen müde, auf das Bett herab und legte den Kopf auf den Rand des Kissens. Sein Blondhaar streifte das dunkle Gelock des Freundes, ihre Atemzüge flossen ineinander und beide schliefen bis zum Morgen.
Joachim war es, der zuerst erwachte. Rasch machte er Toilette, suchte Uschei auf und bat sie, in einer halben Stunde das Frühstück zu bringen und anspannen zu lassen. Dann erst weckte er den Freund. Georg sah sehr schlecht aus, war jedoch leidlich heiter oder stellte sich wenigstens so, und die zwei Freunde verfügten sich in die Kirche, um dort eine heilige Messe zu lesen. Dann kehrten sie in den Pfarrhof zurück und setzten sich zum Frühstück nieder. Während sie damit beschäftigt waren und mehrere Knechte das Gepäck hinaustrugen, um es hinten an dem Wagen festzubinden, trat der Dekan in das Zimmer.
»Lassen Sie sich nicht stören,« sagte er, mit der Hand winkend, da die jungen Männer sich erhoben. Harteck bot ihm einen Stuhl an. Der Dekan setzte sich. Man mag einem Menschen noch so unhold gesinnt sein: im Moment des Scheidens sieht man ihn immer mit milderen Augen an. Der Dekan betrachtete das blasse, hagere Gesicht desjungen Priesters, das im fahlen Frühlicht beinahe grau erschien, und etwas wie Mitleid regte sich in seiner Brust. Hatte er ihn vielleicht nicht doch allzu hart beurteilt und verurteilt? Nun aber waren die Würfel gefallen. Die leisen Selbstvorwürfe kamen zu spät.
»Wie reisen Sie?« fragte der Dekan sich räuspernd. »Wenn ich nicht irre, muß man einen Berg übersetzen, um nach Keßten zu gelangen.«
»Das wäre freilich der kürzeste Weg,« sagte Harteck. »Aber ich habe meiner Bagage wegen beschlossen, um den Berg herumzufahren. Ich muß die Fahrt im Schritt zurücklegen und werde Keßten vor dem Abend schwerlich erreichen.«
»So, so,« sprach der Dekan. Er hätte ihm gern etwas Freundliches gesagt, aber es fiel ihm nichts ein. »Wenn es Ihnen angenehm ist,« fuhr er nach längerer Überlegung fort, »kann Herr Perkow Sie begleiten und morgen mit dem Wagen hierher zurückkehren. Ich gebe ihm gern einen zweitägigen Urlaub.«
Überraschung und Freude malten sich im Gesicht des Priesters; er stand auf und ergriff die Hand des Prinzipals.
»Ich danke Ihnen, Herr Dekan,« sprach er mit Wärme.
»Aber bis morgen abend müssen Sie zurück sein,« sagte der Dekan zu Perkow gewendet. »Übermorgen ist Bittgang und den müssen Sie anführen.«
»Sie dürfen sich auf mich verlassen, gnädiger Herr,« sprach Joachim, der sich gleichfalls erhoben hatte.
Der Dekan nickte und legte die Hand auf Hartecks Schulter.
»Gehaben Sie sich wohl,« sagte er und seine Stimme klang nicht ganz rein, »und lassen Sie sich Ihre Pflichten recht angelegen sein. Der Herr gebe Ihnen seinen Segen dazu.«
»Ich stelle mich unter seinen Schutz,« antwortete Harteck. »Leben Sie wohl, Herr Dekan.«
Dieser entfernte sich rasch.
Uschei trat ein mit der Meldung, daß der Wagen bereit stehe.
Harteck gab auch ihr die Hand und sprach mit ihr, während Joachim, einen Plaid und Georgs Handtasche über dem Arm, zum Wagen hinabeilte. Georg folgte ihm bald.
»Wo ist der Pater?« fragte er, im Begriff einzusteigen.
Der Pater war nicht zu Hause. Hatte eine Pflicht ihn abgerufen oder wollte er dem Abschied aus dem Wege gehen? Harteck zerbrach sich nicht lang den Kopf darüber, trug Uschei auf, den Pater von ihm zu grüßen, schüttelte die Hände des um ihn versammelten Gesindes und stieg in den Wagen. Cäsar hatte keine Lust, ein gleiches zu tun und sprang, trotz Jucheis Pfeifen und Locken, laut bellend vor den Pferden her.