13. Kapitel.

Dekoration, Ende Kap. 12

Titeldekoration, Kap. 13

Bärbchen hielt am folgenden Morgen mit ihrem Gatten und Herrn Sagloba Rat, wie man die beiden Herzen, die sich liebten und litten, vereinigen könnte. Beide lachten über ihren Eifer und hörten nicht auf, sie zu necken. Endlich aber gaben sie ihr, wie sie gewohnt waren, wie einem verhätschelten Kinde nach, und versprachen ihr beizustehen.

»Das beste ist,« sagte Sagloba, »wir überreden Nowowiejski, das Mädchen nicht nach Raschkow mitzunehmen, weil die Kälte herankommt, und die Wege nicht ganz sicher sind; dann werden sich die jungen Leute hier sehen und sich vollends ineinander verlieben.«

»Das ist ein vortrefflicher Gedanke!« rief Bärbchen.

»Vortrefflich oder nicht,« versetzte Sagloba, »gelt, laß' sie dann nicht aus den Augen! Du bist ein Weib, und so denke ich, du wirst sie am Ende doch zusammenkoppeln, denn die Weiber setzen alles durch. Gib nur acht, daß der Teufel dabei nicht sein Spiel habe. Du würdest dich schämen, daß du ihm nachgeholfen hast.«

Bärbchen fauchte Herrn Sagloba an wie ein Kätzchen, dann sagte sie:

»Ihr rühmt Euch, daß Ihr in Euren Jugendjahren ein Türke waret und glaubt, ein jeder müsse so sein. Asya ist nicht so wie Ihr!«

»Nein, er ist kein Türke, er ist ein Tatar. Schönes Püppchen, sie will für tatarische Gefühle bürgen!«

»Ans Weinen denken sie beide in ihrem furchtbaren Schmerz ... und Evchen ist das bravste Mädchen.«

»Aber sie hat ein Gesicht, als stünde ihr auf der Stirn geschrieben: Gib's Mäulchen! Hu, das ist eine Dohle! Gestern hab' ich's wohl beobachtet: wenn sie bei Tische einem hübschen Burschen gegenübersitzt, dann überkommt sie's schwül, daß sie den Teller bald fort- und bald heranrückt. Eine Dohle, sag' ich dir!«

»Wollt Ihr, daß ich gehen soll?«

»Du wirst nicht gehen, wenn es sich ums Verheiraten handelt; wir kennen dich, du gehst nicht fort. Oder ist es dir noch zu früh, die Leute zu verheiraten, weil es das Handwerk würdiger Matronen ist? Frau Boska sagte mir gestern, als sie dich in den Höschen sah, wie du aus der Schlacht zurückkamst, sie habe geglaubt, ein Söhnchen der Frau Kommandantin zu sehen, wie er am Zaune Krieg spielt. Du liebst die Würde nicht, aber die Würde liebt auch dich nicht, und das sieht man bald aus deiner zierlichen Figur. Bei Gott, der reine Schulbube! Wie sich die Weiber heute verändert haben! In meiner Zeit, wenn so ein Weibsbild sich auf eine Bank setzte, dann quietschte die Bank, als wenn jemand einem Hunde auf den Schwanz getreten habe. Und du könntest auf einer Katze reiten, ohne daß es der Bestie Beschwerde machte ... Es heißt auch, daß Frauen, die anfangen, andere zu verheiraten, keine Nachkommenschaft haben.«

»Sagt man das wirklich?« fragte der kleine Ritter beunruhigt.

Sagloba aber lachte, und Bärbchen legte ihr rosiges Gesichtan das Gesicht ihres Gatten und sagte mit halber Stimme:

»Weißt du, Michael, zu gelegener Zeit gehen wir nach Tschenstochau zur heiligen Mutter Gottes.«

»Das ist wirklich das beste Mittel,« sagte Sagloba.

Sie umarmten sich, und Bärbchen sagte: »Und jetzt laß' uns von Asya und von Evchen sprechen, wie wir ihnen helfen; uns ist wohl, so soll auch ihnen wohl sein!«

»Wenn Nowowiejski fortgeht, wird ihnen besser werden,« sagte der kleine Ritter, »denn in seiner Gegenwart haben sie sich nicht sehen können, besonders da Asya den Alten haßt; aber wenn der Alte ihm Evchen gibt, vielleicht vergessen sie, was gewesen und gewinnen einander lieb, wie ein Schwiegervater seinen Schwiegersohn. Ich meine, die Hauptsache ist nicht, die Jungen aneinander zu bringen, denn die lieben sich ohnehin — sondern den Alten zu versöhnen.«

»Er ist ein ungeschlachter Mensch,« sagte Bärbchen.

»Bärbchen,« entgegnete Sagloba, »stell' dir vor, du habest eine Tochter und du solltest sie einem Tataren geben.«

»Asya ist ein Fürst,« antwortete Bärbchen.

»Ich leugne nicht, daß Tuhaj-Bey von hoher Herkunft ist, aber auch Ketling[typo: 'Haßling'??? must be: Ketling!!!] war ein Edelmann, und doch hätte Christine ihn nicht genommen, wenn er nicht Bürgerrecht bei uns besessen hätte.«

»So erwirket dem Asya das Bürgerrecht.«

»Leicht gesagt. Wenn ihn jemand in sein Wappen aufnehmen wollte, so müßte der Reichstag das bestätigen, und dazu bedarf es der Zeit und der Protektion.«

»Das höre ich nicht gern, daß es der Zeit bedarf; die Protektion würde sich schon finden. Der Herr Hetman würde sie Asya sicherlich nicht verweigern, denn er liebt die Krieger. Michael, schreibe an den Herrn Hetman! Willst du Tinte,Feder, Papier? Schreibe bald, ich bring' dir alles, Licht und Petschaft, und du setzest dich hin und schreibst unverzüglich.«

Michael lachte.

»Allmächtiger Gott,« sagte er, »ich habe dich um ein ruhiges, verständiges Weib gebeten, und du hast mir einen Sausewind gegeben.«

»Sprich nur so, sprich nur so, dann sterbe ich!«

»Pfui, pfui!« rief der kleine Ritter und spie dabei aus, »verrufe es nicht!«

Jetzt wandte er sich um zu Sagloba.

»Wißt Ihr nicht einen Spruch?«

»Ob ich einen weiß! Ich habe ihn schon gesagt,« antwortete Sagloba.

»Schreibe,« rief Bärbchen, »ich fahre sonst aus der Haut.«

»Ich schreibe ja zwanzig Briefe, wenn du es wünschest, obgleich ich nicht weiß, wozu es nutzen soll. Hier kann der Hetman selbst nichts erwirken, und mit seiner Protektion kommt er erst hervor, wenn es Zeit dazu ist. Liebes Bärbchen, Fräulein Eva hat dir ihr Geheimnis anvertraut, gut, aber mit Asya hast du noch kein Wort gesprochen, und du weißt noch gar nicht, ob er für das Mädchen Gegenliebe hat.«

»Oho, keine Gegenliebe! Wie sollte er sie nicht lieben? Er hat sie doch in der Laube geküßt, oho!«

»Goldenes Herz!« sagte Sagloba lachend, »wie ein neugeborenes Kind, nur daß sie mit der Zunge schneller ist. Liebes Kind, wenn wir, Michael und ich, alle, die wir einmal geküßt haben, hätten heiraten sollen, da hätten wir gleich zu Mohammed schwören müssen, und ich hätte Padischah und er Khan der Krim werden müssen — was, Michael, was?«

»Auf Michael hatte ich einmal Verdacht, noch ehe ich die seine war,« sagte Bärbchen. Und sie fuhr ihm mit dem kleinen Finger vor dem Auge hin und her und neckte ihn:

»Drehe nur den Schnurrbart, dreh' ihn nur: du kannst es nicht leugnen. O ich weiß, und du weißt's auch ... bei Ketling! ...«.

Der kleine Ritter drehte wirklich an seinem Schnurrbart, um seine Verlegenheit zu verbergen. Endlich sagte er, um dem Gespräche eine andere Wendung zu geben:

»Du weißt also nicht, ob Asya das Mädchen liebt?«

»Laßt's mich machen, ich will ihn unter vier Augen ausfragen; aber er ist verliebt, er muß verliebt sein, sonst mag ich ihn nicht leiden.«

»Wahrhaftig, sie redet's ihm noch ein,« sagte Sagloba.

»Ich red' es ihm ein, und wenn ich mich täglich mit ihm einschließen sollte.«

»Erst forsche ihn aus,« sagte der kleine Ritter. »Vielleicht wird er es nicht gleich gestehen, denn er ist ein seltsamer Mensch. Aber das tut nichts; allmählich wird er vertraulich werden, du wirst ihn näher kennen lernen, wirst klar sehen, und dann erst wirst du wissen, was geschehen muß.«

Hier wandte sich der kleine Ritter an Sagloba:

»Sie scheint oberflächlich zu sein und ist doch scharfsinnig.«

»Ziegen pflegen immer scharfsinnig zu sein,« sagte Sagloba.

Das weitere Gespräch wurde durch Herrn Bogusch unterbrochen. Er stürzte wie ein Geschoß ins Zimmer, küßte Bärbchens Hände und schrie:

»Daß in diesen Asya ein Donnerwetter fahre! Die ganze Nacht habe ich kein Auge schließen können.«

»Was hat Herr Asya Euch getan?« fragte Bärbchen.

»Wißt ihr, Herrschaften, was wir gestern gemacht haben?«

Und Bogusch riß die Augen auf und ließ sie über die Anwesenden hinschweifen.

»Geschichte, so wahr ich lebe, ich lüge nicht, Geschichte!«

»Was für Geschichte?«

»Die Geschichte der Republik. Er ist einfach ein großer Mann. Herr Sobieski selbst wird Augen machen, wenn ich ihm Asyas Gedanken vorstelle. Ein großer Mann, sage ich euch, und ich bedaure nur, daß ich nicht mehr sagen kann, denn ich bin überzeugt, ihr würdet so erstaunt sein, wie ich es war. Ich sage nur soviel, wenn das gelingt, was er vor hat — weiß Gott, wohin er es noch bringt!«

»Zum Beispiel,« sagte Sagloba, »er wird Hetman?«

Bogusch stemmte die Hände in die Seiten.

»So ist es, er wird Hetman! Ich bedaure, daß ich nicht mehr sagen kann ... er wird Hetman und damit basta!«

»Vielleicht bei den Hunden? Oder er wird hinter den Viehherden herlaufen, die Tatarenhaufen haben auch ihre Hetmans. Pfui, was schwatzt Ihr, Herr Truchseß! Er ist der Sohn des Tuhaj-Bey, schön; aber wenn er Hetman werden soll, was soll ich werden, was sollte Michael, was solltet Ihr selbst werden? Wohl gar die drei Könige nach Weihnachten, wenn Kaspar, Melchior und Balthasar abdanken? Mich wenigstens hat der Adel zum Regimentar erwählt; ich habe nur aus Freundschaft Herrn Paul Sapieha die Würde abgetreten, aber von Euren Prophezeiungen verstehe ich bei Gott nicht ein Sterbenswörtchen!«

»Und ich sage euch, Asya ist ein großer Mann.«

»Habe ich's euch nicht gesagt,« fiel Bärbchen ein, indemsie sich zur Tür wandte, durch welche die anderen Gäste der Grenzwarte einzutreten begannen.

Frau Boska kam zuerst mit der blauäugigen Sophie, Herr Nowowiejski mit Evchen, die nach einer schlecht durchschlafenen Nacht noch reizvoller als gewöhnlich aussah. Sie hatte schlecht geschlafen, denn seltsame Träume hatten sie beunruhigt; sie hatte im Traume Asya gesehen, nur war er schöner und zudringlicher als früher. Evchen schlug die Röte ins Gesicht bei der Erinnerung an diesen Traum, denn ihr war, als müsse ihn jedermann aus ihrem Gesichte lesen. Aber es beachtete sie niemand, denn es begrüßten alle die Frau Kommandantin mit einem »Guten Morgen«; dann nahm Bogusch wieder seine Erzählung auf von der Größe und der hohen Mission Asyas, und Bärbchen freute sich, daß auch Eva und ihr Vater es anhören mußten. Der Alte hatte sich seit dem Augenblick der ersten Begegnung mit dem Tataren ausgetobt und war bedeutend ruhiger; er forderte ihn nicht mehr als seinen Knecht zurück. Die Wahrheit zu sagen: die Entdeckung, daß Asya ein tatarischer Fürst und der Sohn Tuhaj-Beys sei, hatte auch auf ihn tiefen Eindruck gemacht. Mit Bewunderung hatte er auch von seinem außerordentlichen Mut vernommen, und daß der Hetman selbst ihm einen so hervorragenden Auftrag, wie die Heranziehung aller Lipker und Tscheremissen in den alten Dienst der Republik war, anvertraut habe. Manchmal aber schien es Herrn Nowowiejski sogar, als sei von einem anderen die Rede; zu einem so ungewöhnlichen Manne war Asya in seinen Augen emporgewachsen.

Und Bogusch wiederholte immer wieder mit sehr geheimnisvoller Miene: »Das ist noch gar nichts gegen das, was ihm in Zukunft offen steht; aber ich darf darüber nicht sprechen.«

Als die anderen zweifelnd den Kopf schüttelten, rief er: »Die zwei größten Männer in der Republik sind Herr Sobieski und Tuhaj-Beys Sohn.«

»Bei Gott,« sagte endlich Nowowiejski in seiner Ungeduld, »ob er ein Fürstensohn oder kein Fürstensohn — was kann er in unserer Republik werden, da er kein Edelmann ist. Bisher hat er doch das Bürgerrecht nicht.«

»Der Hetman wird es ihm zehnmal auswirken!« rief Bärbchen.

Evchen hörte diesen Lobeserhebungen mit geschlossenen Augen und pochendem Herzen zu. Wer weiß, ob es ebenso heiß geschlagen hätte für den armen, unbekannten Asya, wie für Asya, den Ritter, den großen Mann der Zukunft? Aber dieser Glanz hatte sie überwältigt, und die Erinnerung an die Küsse, und die Träume der jüngsten Nacht durchrieselten ihren jungfräulichen Körper mit einem Schauer der Wonne.

»So groß ist er, so ausgezeichnet!« dachte Eva. »Ist es da ein Wunder, daß er glüht wie Feuer?«

Bärbchen nahm noch an demselben Tage den Tataren »ins Gebet«; sie folgte aber dem Rate ihres Gatten, der sie vor Asyas Wildheit gewarnt hatte, und beschloß, nicht gar zu plötzlich vorzugehen. Trotzdem platzte sie, da sie kaum vor ihn hingetreten war, mit den Worten heraus:

»Herr Bogusch sagt, daß Ihr ein tüchtiger Mensch seid, aber ich glaube, auch der Hervorragendste kann der Liebe nicht entgehen.«

Asya schloß die Augen und neigte das Haupt.

»Ew. Liebden haben recht,« sagte er.

»Denn seht, mit dem Herzen ist es so: plauz perdauz! — da stolpert's hin.«

Bei diesen Worten schüttelte Bärbchen ihren blonden Kopf und zwinkerte mit den Augen, als ob sie andeutenwollte, daß sie selbst ganz genau Bescheid wisse mit derlei Dingen, und daß sie gleichzeitig die Hoffnung hege, sie spreche mit keinem Unkundigen. Asya aber erhob den Kopf und umfaßte ihre anmutvolle Gestalt mit seinen Blicken. Noch nie war sie ihm so wunderschön erschienen wie jetzt, da ihre Äuglein vor Neugier lebhaft funkelten, und ihr rosiges Kindergesicht sich lächelnd zu ihm erhob. Aber gerade je mehr Unschuld sie umgab, desto größer war der Reiz für Asya, desto mehr Begierde erwuchs in seiner Seele, desto mächtiger ergriff ihn die Liebe, berauschte ihn wie starker Wein und nahm ihm jedes Wollen außer dem einen, sie ihrem Gatten zu entreißen, für sich zu gewinnen, sie für ewig an seine Brust zu drücken, die Lippen auf ihren Mund zu pressen, ihre Hände um seinen Hals geschlungen zu sehen — zu lieben, zu lieben ohne Ende und Maß, gelte es auch seinen Tod, gelte es ihrer beider Tod.

Bei dem Gedanken daran drehte sich alles um ihn her; immer neue Leidenschaften brachen aus der Höhle seiner Seele wie Schlangen aus Felsgeklüft; aber dieser Mann verfügte zugleich über eine ungeheure Kraft über sich selbst; er sagte also in seiner Seele: Noch ist's zu früh — und hielt sein wildes Herz an seinem festen Willen, wie ein scheu gewordenes Pferd an der Schlinge. So stand er vor ihr scheinbar kühl, obwohl es auf seinen Lippen und in seinen Augen glühend brannte, seine tiefliegenden Augen sagten alles, was die aufeinandergepreßten Lippen verschwiegen.

Bärbchen aber, deren Seele so rein wie das Wasser der Quelle war, und deren Gedanken mit ganz anderen Dingen beschäftigt waren, verstand diese Sprache nicht. Sie dachte in diesem Augenblick nur, was sie dem Tataren noch zu sagen habe, und begann endlich, indem sie den Finger erhob:

»So mancher trägt im Herzen verborgene Liebe undwagt nicht, mit einem anderen darüber zu sprechen; wenn er aber aufrichtig sich ausspräche, würde er vielleicht etwas Gutes erfahren.«

Asyas Gesicht verdüsterte sich einen Augenblick, eine wahnsinnige Hoffnung zuckte wie ein Blitz durch seinen Kopf; aber er beherrschte sich und sagte:

»Wovon wollen Ew. Liebden sprechen?«

Und Bärbchen antwortete:

»Manche andere würde Umwege machen, wie die Frauen ungeduldig und unbesonnen zu sein pflegen, ich aber bin anders, helfen möchte ich gern, aber ich verlange nicht sofort ein Bekenntnis, ich sage Euch nur das: Verbergt Euch nicht und kommt zu mir, sei es auch täglich, denn ich habe darüber schon mit meinem Gatten gesprochen. Allmählich werdet Ihr Euch daran gewöhnen und meine Freundlichkeit erkennen; Ihr werdet auch erkennen, daß ich nicht aus leichtfertiger Neugier frage, sondern aus Teilnahme, und da ich doch, wenn ich helfen soll, Eurer Gegenliebe sicher sein muß. Ziemt es doch übrigens Euch, sie zuerst zu bezeigen; wenn Ihr mir bekennt — vielleicht werde auch ich Euch dann etwas sagen.«

Tuhaj-Beys Sohn begriff sofort, wie töricht die Hoffnung gewesen, die ihm einen Augenblick durch den Kopf geschossen war. Ja, er erriet auf der Stelle, daß es sich um Eva handle, und alle Flüche auf ihre ganze Familie, welche die Zeit in seiner rachsüchtigen Seele angesammelt hatte, kamen ihm auf die Lippen. Der Haß tobte in ihm wie eine Flamme, um so mächtiger, als er einen Augenblick vorher sich in ganz andere Gefühle eingewiegt hatte. Aber wieder beherrschte er sich. Er besaß nicht nur Macht über sich selbst, sondern auch die Verschlagenheit der Leute aus dem Osten. In einem Augenblick begriff er, daß, wenn er auf die Nowowiejskisseinen Geifer spritzen wollte, er Bärbchens Gunst und die Möglichkeit, sie täglich zu sehen, für immer verlieren würde; andererseits fühlte er, daß er sich nicht — wenigstens im Augenblick nicht — bis zu dem Grade überwinden könne, um dem geliebten Weibe gegenüber mit Bestimmtheit in Abrede zu stellen, daß es eine andere sei, die er liebe.

Und so warf er sich in dem Zwiespalt seiner Seele und in unverhohlener Qual plötzlich zu Bärbchens Füßen nieder, berührte ihre Füße mit den Lippen und sprach:

»Ew. Liebden Huld empfehle ich meine Seele, in Ew. Liebden Hand lege ich mein Schicksal! Nichts anderes will ich tun, als was Ew. Liebden befehlen, keinen anderen Willen will ich kennen; tun Ew. Liebden mit mir ganz nach Wunsch. In Qualen lebe ich und in Harm, ich Unglückseliger! Erbarmt Euch meiner Seele, — o daß sich die Erde öffnete, um mich zu verschlingen!«

Er stöhnte schwer, denn er empfand einen unsagbaren Schmerz, und die niedergehaltenen Leidenschaften loderten in lebendiger Flamme auf. Bärbchen aber hielt diese seine Worte für einen Ausbruch der lang und schmerzlich verborgen gehaltenen Liebe für Evchen; sie war von Mitleid mit dem ritterlichen Jüngling ergriffen, und zwei Tränen erglänzten in ihren Augen.

»Steht auf, Asya,« sagte sie zu dem knieenden Tataren, »ich war Euch immer geneigt und will Euch aufrichtig helfen. Ihr stammt aus edlem Blut, und um Eurer Verdienste willen wird man Euch das Bürgerrecht nicht versagen können; Herr Nowowiejski wird sich erbitten lassen, denn er sieht Euch schon mit anderen Augen an, und Evchen ...« hier erhob sich Bärbchen von der Bank, richtete ihr rosiges, lächelndes Gesicht empor, stellte sich auf die Zehen und flüsterte Asya ins Ohr: »Evchen liebt Euch.«

Dieser aber runzelte, von Wut erfaßt, die Stirn, griff mit beiden Händen nach seinem Schopf, und ohne zu denken, welche Wirkung seine Worte haben könnten, rief er mit heiserer Stimme: »Allah, Allah — Allah!«

Dann stürzte er aus dem Zimmer.

Bärbchen sah ihm eine Weile nach; der Ausruf setzte sie nicht allzusehr in Erstaunen, denn selbst die polnischen Soldaten gebrauchten ihn häufig, und bei der beispiellosen Erregung des jungen Lipkers sagte sie sich:

»Ein Feuerkopf! Er liebt sie wahnsinnig.«

Dann lief sie wie ein Sturmwind davon, um so schnell wie möglich ihrem Gatten, Sagloba und Evchen Rechenschaft zu geben. Sie traf Michael in der Kanzlei mit den Registern der Fahnen beschäftigt, die im Blockhaus von Chreptiow lagen. Er saß und schrieb; sie aber stürzte auf ihn zu und rief:

»Weißt du, ich habe mit ihm gesprochen. Er ist mir zu Füßen gefallen — er liebt sie wahnsinnig!«

Der kleine Ritter legte die Feder aus der Hand und sah sein Weibchen an. Sie war so belebt, so frisch, daß seine Augen strahlten und ihr entgegenlachten. Dann streckte er die Hände nach ihr aus; sie aber wehrte ihm und wiederholte noch einmal:

»Asya liebt Evchen wahnsinnig.«

»Wie ich dich!« versetzte der kleine Ritter und umschlang sie fester. —

Noch an demselben Tage erfuhren auch Sagloba und Evchen ganz genau das ganze Gespräch mit Asya. Das Mädchenherz ergab sich jetzt ganz dem süßen Gefühl und pochte wie ein Hammer bei dem Gedanken an ein erstes Zusammentreffen, und noch heftiger, wenn sie sich ausmalte, was kommen werde, wenn sie einmal unter vier Augen sichgegenüberständen. Und sie sah schon Asyas braunes Antlitz an ihren Knieen, fühlte seine Küsse auf ihren Händen und empfand jene Hingebung, in der sich das jungfräuliche Haupt auf den Arm des Geliebten senkt, und ihre Lippen stammeln: Auch ich liebe dich! Indessen küßte sie voll Rührung, Unruhe und großer Erregung Bärbchens Hände und schaute immer von neuem nach der Tür, ob dort nicht das düstere, aber schöne Bild des Tataren auftauchte.

Asya aber ließ sich in dem Blockhaus nicht sehen. Halim war zu ihm gekommen, der alte Diener des väterlichen Hauses, jetzt selbst ein angesehener Mirza unter den Tataren der Dobrudscha. Er trat ganz offen auf, denn man wußte in Chreptiow bereits, daß er der Vermittler zwischen Asya und den Hauptleuten der Lipker und Tscheremissen sei, die in den Dienst des Sultans übergetreten waren. Beide schlossen sich in Asyas Quartier ein, und Halim machte vor dem Sohne Tuhaj-Beys die schuldigen Verbeugungen, kreuzte die Hände über der Brust und harrte gesenkten Hauptes der Fragen, die ihm vorgelegt werden würden.

»Hast du Briefe?« fragte Asya.

»Nein, Effendi, man hieß mich alles mündlich sagen.«

»Nun denn, so sprich.«

»Krieg ist gewiß; zum Frühling sollen wir alle nach Adrianopel; Heu und Gerste sollen die Bulgaren dorthin bringen.«

»Und wo wird der Khan sein?«

»Durch die wilden Felder wird er geradeswegs nach der Ukraine und zu Dorosch ziehen.«

»Was hast du aus den Lagern gehört?«

»Sie brennen auf den Krieg und sehen erwartungsvoll dem Frühling entgegen, denn es herrscht Not bei ihnen, obwohl der Winter erst begonnen hat.«

»Ist die Not groß?«

»Viele Pferde sind gefallen, in Bialogrod hat sich so mancher schon selbst als Sklave verkauft, um nur bis zum Frühling das Leben zu fristen. Viele Pferde sind gefallen, Effendi, denn im Herbst gab es wenig Gras in den Steppen ... die Sonne hat es niedergebrannt.«

»Und haben sie von Tuhaj-Beys Sohne vernommen?«

»Was du mir zu sagen gestattetest, habe ich ausgerichtet; das Gerücht ging von den Lipkern zu den Tscheremissen. Aber niemand kennt die volle Wahrheit. Auch das ist bekannt, daß ihnen die Republik ihre Bedingungen erfüllen, daß sie ihnen Land geben will und sie zum Dienste unter deiner Führung aufruft. Auf das bloße Gerücht hin haben sich die ärmeren Stämme empört, sie wollen, Effendi, sie wollen, aber die anderen sagen ihnen, daß das alles nicht wahr sei, daß man in der Republik Heere gegen sie ausschicken wird, und daß es einen Sohn des Tuhaj-Bey nicht gebe. Es waren Kaufleute aus der Krim bei uns; die einen behaupteten dort, es gäbe einen Sohn des Tuhaj-Bey, die anderen, es gäbe keinen, und diese halten sie nieder; wenn es aber allgemein bekannt würde, daß du sie aufrufest, so würden sie in hellen Scharen heranströmen ... wenn ich nur sprechen dürfte.«

Asyas Gesicht strahlte vor Zufriedenheit; er ging mit großen Schritten im Zimmer auf und nieder, dann sagte er:

»Sei mir gegrüßt, Halim, unter meinem Dache; laß dich nieder und iß!«

»Dein Hund und dein Diener bin ich, Effendi,« sagte der alte Tatar.

Asya schlug in die Hände; auf dieses Zeichen trat ein Lipker ein, nahm den Befehl entgegen und brachte einen Imbiß: Branntwein, geräuchertes Fleisch, Brot, etwas Südfrüchteund eine Handvoll getrockneter Kürbiskörner, eines Gerichts, das wie die Körner der Sonnenblume bei allen Tataren sehr beliebt war.

»Du bist mir Freund, nicht Diener,« sagte Asya, nachdem sich die Ordonnanz entfernt hatte, »sei mir gegrüßt, denn du bringst gute Nachrichten. Laß dich nieder und iß!«

Halim begann zu essen, und sie sprachen kein Wort miteinander, bis er sich gesättigt hatte. Aber das war bald geschehen, und er richtete wieder seine Blicke auf Asya, seinen Worten entgegenharrend.

»Man weiß hier schon, wer ich bin,« sagte dieser endlich.

»Und nun, Effendi? ...«

»Nichts, man schätzt mich um so höher. Wenn es ernst wird, werde ich es doch sagen müssen; ich habe es nur verzögert, weil ich die Nachricht von den Horden abwarten wollte, und weil ich wünschte, daß der Hetman der erste sei, der es wisse. Aber Nowowiejski ist hierhergekommen, und er hat mich erkannt.«

»Der junge?« fragte Halim erschrocken.

»Der alte, nicht der junge. Allah hat sie mir alle hierhergeschickt, auch das Mädchen ist dabei. Daß sie der böse Geist regiere! Laß mich nur erst Hetman werden, ich will's ihnen schon zeigen! Das Mädchen wollen sie mir an den Hals hängen, gut, im Harem braucht man Sklavinnen!«

»Der Alte?«

»Nein: sie, sie glaubt, daß ich nicht sie, sondern jene liebe.«

»Effendi,« sagte Halim mit tiefer Verbeugung, »ich bin der Sklave deines Hauses und habe kein Recht, vor deinem Angesichte zu reden. Aber ich habe dich unter den Lipkern erkannt, ich habe dir bei Brazlaw gesagt, wer du bist und diene dir von stundan treu; ich habe den anderen gesagt, daßsie dich als ihren Herrn ansehen sollen; aber obgleich sie dich alle lieben, niemand liebt dich wie ich. Ist es gestattet, zu reden?«

»Rede!«

»Hüte dich vor dem kleinen Ritter, er ist furchtbar, er ist berühmt in der Krim und in der Dobrudscha.«

»Und hast du, Halim, von Chmielnizki gehört?«

»Wohl habe ich gehört, und ich habe Tuhaj-Bey gedient, der mit Chmielnizki gegen die Lechen in den Krieg zog, die Schlösser erstürmte und Beute fortschleppte.«

»Und weißt du auch, daß Chmielnizki dem Tschaplinski die Frau entführt hat, daß er sie zu sich genommen und Kinder von ihr hatte, wie? Krieg hat es gegeben, und alle Heere des Hetmans und des Königs und der Republik haben sie ihm nicht entrissen. Er hat die Hetmans, die Könige und die Republik geschlagen, denn mein Vater hat ihm geholfen, und überdies war er der Hetman der Kosaken. Und wer werde ich sein? Der Hetman der Tataren! Land müssen sie mir geben, reich und viel, und eine Burg zur Residenz, und rings um die Stadt werden die Stämme lagern auf reichem Boden, und bei den Stämmen die guten Mannen der Horden mit ihren Bogen und Schwertern in großer Zahl. Und wenn ich sie dann auf meine Burg entführe, und sie, die liebliche, zum Weibe nehme und zur Hetmansgattin mache — wer wird die Macht haben? Ich! Wer wird sie von mir fordern — der kleine Ritter? Wenn er am Leben sein wird! Und wenn er auch lebte, und wenn er auch heulte wie ein Wolf, und wenn er vor den König selbst seine Klage trüge — glaubst du, daß sie mit mir einen Krieg führen werden um einen blonden Zopf? Einen solchen Krieg haben sie schon gehabt: die halbe Republik ging in Flammen auf. Wer wird sie mir rauben! Der Hetman? Dann verbündeich mich mit den Kosaken, schließe mit Dorosch Bruderschaft und gebe das Land dem Sultan? Ich, der zweite Chmielnizki, ich, besser als Chmielnizki. Ein Löwe wohnt in mir. Wenn sie mir gestatten, sie zu nehmen, so will ich ihnen dienen, will ich gegen die Kosaken kämpfen, gegen den Khan, gegen den Sultan, wenn nicht, so will ich ganz Polen mit den Hufen zertreten, die Hetmane in das Joch nehmen, die Heere vernichten, die Schlösser in Flammen stecken, die Menschen niedermachen, ich, Tuhaj-Beys Sohn, ich, der Löwe.«

Hier glühten Asyas Augen in rotem Licht. Die weißen Eckzähne leuchteten wie dereinst die Tuhaj-Beys, er hob die Hand empor und schüttelte sie drohend nach Norden; er war groß, furchtbar und schön, so daß Halim sich schnell verbeugte und mit leiser Stimme wiederholte: »Allah Kerim, Allah Kerim!«

Ein langes Schweigen trat ein, allmählich wurde Asya ruhig, endlich sagte er:

»Bogusch war hier, ihm habe ich meine Macht und meinen Plan entdeckt, daß in der Ukraine neben dem Volk der Kosaken ein Volk der Tataren sein solle, und neben einem Hetman der Kosaken ein Hetman der Tataren.«

»Und er hat zugestimmt?«

»Er fuhr sich nach dem Kopf und lag fast zu meinen Füßen, und am folgenden Tage eilte er zum Hetman mit der glückverheißenden Neuigkeit.«

»Effendi,« sagte Halim zaghaft, »und wenn der große Löwe nicht zustimmt?«

»Sobieski?«

»So ist's.«

Wieder blitzte ein roter Schein in Asyas Augen auf, aber es dauerte nur einen Augenblick. Sein Gesicht beruhigte sich sofort wieder, dann ließ er sich auf der Bank nieder,stützte sein Haupt auf die Ellenbogen und versank in tiefes Sinnen.

»Ich habe in meinem Verstande erwogen,« sagte er endlich, »was der große Hetman sagen kann, wenn ihm Bogusch die glückliche Neuigkeit verkündet. Der Hetman ist weise und wird zustimmen, der Hetman weiß, daß es bis zum Frühling Krieg mit dem Sultan gibt, und hier in der Republik gibt es weder Geld noch Menschen zu diesem Krieg. Und wenn auch Doroschenko mit den Kosaken auf der Seite des Sultans steht, so kann für ganz Polen das Ende kommen, um so eher, als weder der König noch die Stände an den Krieg glauben und sich rüsten. Ich habe hier ein scharfes Ohr für alles, ich weiß alles, was an dem Hofe des Hetmans gesprochen wird, und Bogusch hat vor mir kein Geheimnis. Herr Sobieski ist ein großer Mann, er wird zustimmen, denn er weiß, wenn die Tataren hier Freiheit und Land bekommen, so kann auch in der Krim und in der Steppe der Dobrudscha der Bürgerkrieg beginnen. Die Macht der Horden wird schwach, und der Sultan selbst muß zunächst daran denken, jenen Sturm niederzuhalten ... Inzwischen wird der Hetman Zeit haben, sich besser vorzubereiten, inzwischen werden die Kosaken und Dorosch in ihrer Treue gegen den Sultan schwankend werden. Dies ist das einzige Mittel für die Republik, die so schwach ist, daß schon die Rückkehr einiger tausend Lipker für sie eine Bedeutung hat. Der Hetman weiß das, der Hetman ist klug, der Hetman wird beistimmen.«

»Ich demütige mich vor deinem Verstande, Effendi,« antwortete Halim. »Was aber wird sein, wenn Allah dem großen Löwen das Licht nimmt, oder wenn der Satan ihn so verblenden wird in seinem Dünkel, daß er deine Pläne von sich weist?«

Asya näherte sein wildes Gesicht dem Ohre Halims und flüsterte ihm zu:

»Du bleibe jetzt hier, bis die Antwort vom Hetman kommt, und auch ich will nicht eher nach Raschkow. Wenn er dort meine Pläne verwirft, so schicke ich dich zu Krytschynski und den anderen. Du wirst ihnen den Befehl überbringen, an jener Seite des Flusses bis an Chreptiow heranzurücken und bereit zu sein, und ich will hier in der ersten besten Nacht mit meinen Lipkern das Kommando überfallen und ihnen den Garaus machen.«

Asya machte eine Gebärde mit dem Finger über den Hals und fügte nach einer Weile hinzu: »Wir wollen sie hängen, hängen, hängen!«

Halim zog den Kopf zwischen die Schultern ein, und auf seinem tierischen Gesicht lag ein unheilverkündendes Lachen.

»Allah! Und der kleine Falke ... auch?«

»Auch er — zuerst.«

»Und dann in Sultans Lande?«

»Ja, mit ihr.«

Dekoration, Ende Kap. 13

Titeldekoration, Kap. 14

Ein grausamer Winter hatte die Wälder in eine dicke Eiskruste gehüllt, und die felsigen Schluchten bis an den Rand mit Schnee gefüllt. Das ganze Land schien eine weiße Ebene zu sein. Plötzlich kamen scharfe Winde, wie sie Menschen und Herden mit ihrem eisigen Hauche erstarren machen, die Pfade wurden ungangbar und gefährlich, und doch erreichte Bogusch mit Anstrengung aller Kräfte Jaworowo, um so schnell wie möglich dem Hetman die großen Pläne Asyas zu überbringen. Als Edelmann von der Grenze in der beständigen Kosaken- und Tatarenfurcht aufgewachsen, in dem Gedanken an die Gefahr, die dem Vaterland von der Rebellion, von den Streifzügen, und von der gesamten türkischen Macht drohte, sah er in diesen Plänen nichts weniger als die Erlösung des Vaterlandes, und war des festen Glaubens, daß der von ihm und von allen Grenzbewohnern vergötterte Hetman nicht einen Augenblick zögern werde, wenn es sich um die Vermehrung der Macht der Republik handele. Und so reiste er mit Freude im Herzen trotz der Schneeverwehungen, der unwegsamen Stege und der Winterstürme.

Endlich kam er an einem Sonntag unter dichtem Schneegestöber in Jaworowo an, und da er glücklicherweise den Hetman angetroffen hatte, ließ er sich sofort anmelden, obwohl man ihm sagte, der Hetman sei Tag und Nacht mit Expeditionen und Briefen beschäftigt, er habe kaum Zeit, seinespärlichen Mahlzeiten zu halten. Aber der Hetman ließ ihn unerwartet schnell vor sich rufen. Nach einer kurzen Wartezeit unter den Hofleuten beugte der alte Krieger sein Knie vor dem Führer.

Er fand Herrn Sobieski sehr verändert, mit einem Antlitz voll Sorgen; es waren die schwersten Jahre seines Lebens gewesen. Sein Name war noch nicht bis an das Ende der christlichen Welt gedrungen, aber in der Republik umgab ihn schon der Ruf eines großen Führers und eines furchtbaren Türkenbezwingers. Dieser Ruhm war die Ursache, daß man ihm seinerseits den großen Feldherrnstab und die Verteidigung der Ostgrenze anvertraut hatte, aber zu der Würde des Hetmans hatte man weder Heere noch Geldmittel hinzugefügt; dennoch war ihm der Sieg bis zum heutigen Tage treu geblieben, er folgte ihm wie der Schatten dem Menschen. Mit einem Häuflein Soldaten hatte er bei Podhaize gesiegt, mit einem Häuflein Soldaten war er wie ein Feuer kreuz und quer durch die Ukraine gezogen und hatte tausendköpfige Tatarenscharen aufgerieben, die Burgen der Rebellen erstürmt und Zittern und Schrecken vor dem polnischen Namen verbreitet. Aber jetzt drohte der unglückseligen Republik ein Krieg mit der entsetzlichsten der Großmächte jener Zeit, ein Krieg mit der ganzen muhammedanischen Welt. Es war für Sobieski kein Geheimnis mehr, daß der Sultan, als Doroschenko die Ukraine und die Kosaken unter seine Botmäßigkeit stellte, gedroht hatte, die Türkei, Kleinasien, Arabien und Ägypten bis ins Innerste von Afrika aufzurufen, den heiligen Krieg zu predigen und in eigener Person auszuziehen, um von der Republik ein neues Paschalik[H]zu fordern. Die tödliche Gefahr schwebte wie ein Raubvogel über ganzReußenland. In der Republik herrschte indessen Unordnung, der Adel tobte, um seinen unfähigen Wahlkandidaten zu halten, und seine bewaffneten Lager waren, wenn überhaupt, um so eher zu einem Bürgerkrieg bereit. Das Land, durch die letzten Kriege und Konföderationen erschöpft, war verarmt, der Haß zerfraß es, gegenseitiges Mißtrauen wühlte in seinem Innern; an einen Krieg mit der Macht des Sultans mochte niemand ernstlich glauben, und man verdächtigte den großen Feldherrn, daß er absichtlich solche Gerüchte aussprenge, um die Geister von den inneren Angelegenheiten abzulenken. Man traute ihm sogar zu, daß er selbst die Türken heranzurufen bereit sei, nur um seiner Partei den Sieg zu sichern. Kurz, man machte ihn zum Verräter, und wären nicht seine kriegerischen Getreuen gewesen, man hätte sich nicht gescheut, ihn vor Gericht zu stellen.

Er aber stand vor dem Kriege der Zukunft, zu dem von Osten Hunderttausende wilder Völker heranziehen sollten, ohne namhafte Heeresmacht, mit einem Häuflein, welches so klein war, daß der Hof des Sultans mehr an Dienern zählte, ohne Geld, ohne die Mittel, die niedergerissenen Festungen aufzurichten, ohne Hoffnung auf Sieg, ohne die Möglichkeit einer Verteidigung, ja ohne die Überzeugung, daß sein Tod wie voreinst den Tod Solkiewskis das erstarrte Land auferwecken und den Rächer gebären werde. Darum saß die Sorge auf seiner Stirn, und das prächtige Antlitz, das dem eines römischen Triumphators glich, mit dem Lorbeer auf der Stirn, trug Spuren eines geheimen Schmerzes und schlafloser Nächte.

Bei dem Anblick Boguschs aber erhellte ein gutmütiges Lächeln das Gesicht des Hetmans. Er legte dem Knieenden die Hände auf die Schultern und sagte:

»Sei mir gegrüßt, Krieger, sei gegrüßt! Ich habe nichtgehofft, dich sobald zu sehen, desto lieber bist du mir in Jaworowo! Woher kommst du? Aus Kamieniez?«

»Nein, gnädiger Herr Hetman, ich habe nicht einmal im Vorübergehen hineingeblickt, ich komme schnurstracks aus Chreptiow.«

»Was macht dort mein kleiner Krieger, ist er gesund? Und hat er die Wüsteneien von Uschyz ein wenig gesäubert?«

»Die Wüsten sind schon so ruhig, daß ein Kind sie gefahrlos durchstreifen kann. Die Räuber sind gehängt, und in den letzten Tagen ist Asba-Bey mit seiner ganzen Bande derart aufs Haupt geschlagen, daß kein Zeuge der Niederlage übrig geblieben ist. Ich kam gerade an dem Tage an, als er vernichtet ward.«

»Daran erkenne ich Wolodyjowski! Nur Ruschtschyz in Raschkow kann sich ihm vergleichen. Und was sagen dort die Steppen, gibt es neue Nachrichten von der Donau?«

»Wohl, aber schlechte; in Adrianopel soll in den letzten Tagen des Winters eine große Heeresversammlung stattfinden.«

»Das weiß ich schon, es gibt jetzt keine anderen als schlechte Nachrichten. Schlechte aus dem Lande, schlechte aus der Krim und aus Stambul.«

»Und doch nicht so ganz, gnädiger Herr Hetman. Denn ich selbst bringe eine so freudige, wäre ich ein Türke oder Tatar, ich würde dafür eine Belohnung fordern.«

»Dann bist du für mich ein Himmelsbote. Nun denn, sprich schnell, vertreibe die Sorgen!«

»Ich bin so erfroren, gnädiger Herr, daß mir der Verstand im Kopfe erstarrt ist.«

Der Hetman klatschte in die Hände und befahl dem Knecht, Met zu bringen. Bald waren eine verstaubte Kanne und brennende Leuchter zur Stelle, denn obwohl es noch früham Tage war, hatten die Schneewolken den Himmel so verdüstert, daß draußen und in den Zimmern Dämmerlicht herrschte.

Der Hetman schenkte ein und trank dem Gaste zu. Dieser verneigte sich tief, leerte sein Glas und sprach:

»Die erste Neuigkeit ist die, daß Asya, derselbe, der die Hauptleute der Lipker und Tscheremissen hierher zurückführen sollte in den Dienst der Republik, nicht Mellechowitsch heißt, sondern ein Sohn des Tuhaj-Bey ist.«

»Des Tuhaj-Bey?« fragte Sobieski mit Erstaunen.

»So ist es, gnädiger Herr. Es ist ans Licht gekommen, daß ihn Herr Nienaschyniez als Kind noch aus der Krim entführt hat; aber er hat ihn auf dem Rückweg verloren, und Asya kam zu den Nowowiejskis und ist dort großgezogen worden, ohne zu wissen, daß er von einem solchen Vater stamme.«

»Es war mir immer verwunderlich, daß er bei seinen jungen Jahren unter den Tataren solche Achtung genießt; jetzt aber begreife ich es. Verehren doch die Kosaken, sogar die, die unserem Lande treu geblieben sind, in Chmielnizki etwas Heiliges, und rühmen sich seiner.«

»Ja, das ist es, das ist es, dasselbe habe ich Asya gesagt,« versetzte Bogusch.

»Seltsam sind die Wege des Herrn,« antwortete der Hetman. »Der alte Tuhaj hat Ströme Blutes in unserem Vaterland vergossen, und der junge dient ihm oder hat ihm wenigstens bis heute treu gedient, denn ich weiß nicht, ob es ihn jetzt nicht gelüsten wird, die Krimsche Größe zu genießen. Jetzt, jetzt ist er noch treu.«

»Und hier beginnt eine zweite Neuigkeit, in der vielleicht die Kraft und die Rettung für die unglückselige Republik liegt.So helfe mir Gott, wie ich um dieser Nachricht willen der Mühen und Gefahren nicht achtete, um sie so schnell als möglich über meine Lippen zu bringen, und das abgehärmte Herz des gnädigen Herrn zu erfreuen.«

»Ich höre aufmerksam,« sagte Sobieski. Bogusch begann nun die Pläne des jungen Tuhaj-Bey zu entwickeln, und das mit solchem Eifer, daß er geradezu beredt wurde. Von Zeit zu Zeit goß er mit erregt zitternder Hand Met in sein Glas, es bis an den Rand mit dem edlen Getränk füllend, und hörte nicht auf zu sprechen ... Vor den erstaunten Augen des großen Hetmans erstanden gleichsam lichte Bilder der Zukunft; Tausende und Myriaden von Tataren ziehen mit Weibern, Kindern und Herden in das Land und in die Freiheit ein; die erschreckten Kosaken, welche diese verjüngte Kraft der Republik sehen, beugen demütig vor ihr, vor dem König und dem Hetman das Knie, es gibt keine Rebellion mehr in der Ukraine, und auf den alten Heidenwegen fluten nicht mehr Scharen, die wie Feuer und Wasser das Land vernichten, nach Reußen; an ihrer Stelle ziehen neben den polnischen und kosakischen Heeren die Scharen des ukrainischen Tatarenadels über die endlose Steppe mit Fanfarengeschmetter und Paukenschall.

»Jahre hindurch ziehen Scharen herein, den Befehlen des Khans und des Sultans trotzend, zahlreiches Fußvolk, das Freiheit und Recht der Bedrückung und den fruchtbaren Boden und das Brot der Ukraine den kargen bisherigen Wohnsitzen vorzieht, und die Macht, die dereinst feindlich gewesen war, steht im Dienste der Republik, — die Krim wird entvölkert, den Händen des Khans und des Sultans entwindet sich die alte Macht, und ein Schrecken erfaßt sie, denn von der Steppe, von der Ukraine her schaut ihnen der neue Hetman des neuen Tatarenadels drohend ins Auge, ein Wächterder Republik und ihr treuer Verteidiger, des furchtbaren Vaters berühmter Sohn — der junge Tuhaj-Bey!«

Boguschs Gesicht glühte; die eigenen Worte schienen ihn zu berauschen, und so hob er am Ende seiner Rede beide Hände empor und rief aus:

»Das ist es, was ich bringe, das ist's, was der junge Drache in den Wüsten von Chreptiow ausgebrütet. Und nun bedarf es nur Eurer Schrift und Eurer Vollmacht, damit er nach der Krim und an die Donau den Ruf ergehen lasse. Gnädiger Herr, wenn Tuhaj-Beys Sohn nichts weiter tun sollte, als daß er in der Krim und an der Donau die Fackel der Zwietracht entzündet, daß er die Hydra des Bürgerkrieges aus dem Schlummer weckt, die einen Stamm gegen die anderen aufreizt, wahrlich, so wird er auch damit am Vorabend des Bürgerkrieges, wiederhol' ich, der Republik einen großen unsterblichen Dienst erweisen!«

Sobieski ging mit großen Schritten im Zimmer auf und nieder und schwieg; sein prächtiges Antlitz war düster, fast drohend, er schien mit sich selbst oder mit Gott zu sprechen.

Endlich schien es klar zu werden in seinem Innern, denn er wandte sich zu dem Harrenden mit den Worten:

»Bogusch, eine solche Schrift und eine solche Vollmacht, hätte ich auch das Recht, sie zu geben, ich gebe sie nie, solange ich lebe.«

Die Worte kamen so gewichtig aus seinem Munde, als seien sie aus geschmolzenem Blei oder Eisen gegossen, und drückten Bogusch so nieder, daß er einen Augenblick verstummte, den Kopf sinken ließ und erst nach langer Pause gepreßt hervorstammelte:

»Warum das, gnädiger Herr, warum?«

»Erst will ich dir antworten als Staatsmann. Der Name des jungen Tuhaj-Bey könnte zwar eine gewisse Anzahlvon Tataren heranziehen, wenn man ihnen überdies Land, Freiheit und Adelsprivilegien verspräche; aber es kämen nicht so viele, wie Ihr meint, und dann wäre es eine Tat des Wahnsinns, die Tataren in die Ukraine zu rufen, ein neues Volk dort ansässig zu machen, da wir uns mit den Kosaken schon nicht zu helfen wissen. Du sagst, es werde zwischen ihnen bald Streit und Krieg entbrennen, und wir haben ein Schwert über dem Nacken der Kosaken; — wer aber bürgt dir, daß jenes Schwert nicht auch im polnischen Fleische wühlen würde? Ich habe diesen Asya bisher nicht gekannt, jetzt aber sehe ich, daß in seinem Busen der Drache des Hochmuts und des Ehrgeizes wohnt, und darum sage ich noch einmal: wer bürgt dir dafür, daß nicht ein zweiter Chmielnizki in ihm steckt? Er wird die Kosaken bändigen, gut; aber wenn die Republik ihn in irgend etwas nicht befriedigt oder für irgend eine Gewalttat mit Gesetz und Strafe bedroht, dann wird er sich mit den Kosaken verbünden und neue Scharen von Osten herbeirufen, wie einst Chmielnizki den Tuhaj-Bey hereinrief. Dann wird er sich dem Sultan selbst botmäßig machen, wie es Doroschenko getan hat, und anstatt unsere Macht erhöht zu sehen, wird neues Blutvergießen, werden neue Niederlagen auf unser Haupt fallen.«

»Gnädiger Herr, wenn die Tataren Edelleute geworden sind, werden sie treu zur Republik stehen.«

»Waren die Lipker und Tscheremissen gering an Zahl? Von alters her waren sie Edelleute und sind doch zum Sultan übergetreten.«

»Den Lipkern wurden die Privilegien nicht gehalten.«

»Und wie, wenn der Adel, wie sicher ist, von vornherein einer solchen Ausbreitung der Adelsrechte widersprechen wird? Mit welcher Stirn willst du diesen wilden, räuberischen Massen, die bisher ununterbochen dieses unserVaterland zertreten, die Macht und das Recht geben, jetzt über ihr Los zu bestimmen, Könige zu wählen und Boten in den Reichstag zu senden? Wofür ihnen solche Belohnung? Welcher Wahnsinn ist diesem Lipker in den Kopf gestiegen, und welcher böse Geist hat dich alten Krieger erfaßt, daß du dich so verführen und hintergehen lässest, solche Unredlichkeit und solche Unmöglichkeit zu glauben?«

Bogusch senkte die Augen und antwortete mit unsicherer Stimme:

»Gnädiger Herr, das wußte ich vorher, daß die Stände widersprechen werden, aber Asya sagt doch, daß die Tataren, wenn sie erst mit Euerer Erlaubnis, gnädiger Herr, Fuß gefaßt haben, sich nicht vertreiben lassen.«

»Mensch, — er hat also schon gedroht, schon das Schwert gegen die Republik erhoben, und du hast das nicht erkannt?«

»Gnädiger Herr,« antwortete Bogusch in Verzweiflung, »man könnte doch schließlich nicht alle Tataren adeln, sondern nur die bedeutendsten, und die anderen zu Freisassen machen. Auch so kommen sie, wenn Tuhaj-Beys Sohn sie ruft.«

»Warum dann nicht lieber alle Kosaken frei erklären? Bekreuzige dich, alter Krieger, denn ich sage dir, ein böser Geist hat dich erfaßt.«

»Und noch eines sage ich dir« — hier runzelte Sobieski seine Löwenstirn, und seine Augen leuchteten — »wenn auch alles so wäre, wie du sagst, wenn selbst unsere Macht dadurch wachsen sollte, wenn selbst der Krieg mit den Türken dadurch abgewendet werden sollte, wenn selbst der Adel es verlangen sollte — solange diese Hand das Schwert führen und das Zeichen des Kreuzes mit ihm machen kann — — nimmermehr! So helfe mir Gott, wie ich das nie dulden werde!«

»Gnädiger Herr, warum?« wiederholte Bogusch, die Hände ringend.

»Weil ich nicht nur der Hetman Polens, sondern der Hetman der Christenheit bin, weil ich auf der Wacht des Kreuzes stehe, und wenn die Kosaken noch blutiger im Innern der Republik wühlen, so werde ich den Nacken des verblendeten aber christlichen Volkes nicht mit heidnischem Schwerte bedrohen. Wenn ich das täte, so würde ich zu unseren Vätern und unseren Ahnen, zu meinen eigenen Ahnen, ihrem Staube, ihrem Blute, ihren Tränen und der ganzen, alten Republik sprechen: Morsch und tot! Beim Himmel, wenn uns der Untergang droht, wenn unser Name der Name von Toten, Vernichteten sein muß, so soll der Ruhm uns bleiben und das Gedenken jenes Dienstes, den uns Gott bestimmt hat. Mögen die Nachkommen, wenn sie jene Kreuze und Hügel sehen, sagen: Sie haben das Christentum, sie haben das Kreuz gegen Mohammeds Unzucht verteidigt, solange Atem in ihrer Brust, solange Blut in ihren Adern war, und sind für die anderen Nationen in den Tod gegangen. — Das ist unser Dienst, Bogusch; wir sind die Festung, auf welcher Christus seine Leiden als Flagge gepflanzt hat. Und du willst mir sagen, ich, der Krieger des Herrn, ich, der Kommandant, sollte zuerst das Tor öffnen, die Heiden wie die Wölfe in den Schafstall hineinlassen, und die Lämmer Christi ihrer Wut ausliefern? Uns ist besser, unter den Überfällen zu leiden, die Empörungen zu erdulden, besser in jenen blutigen Krieg zu ziehen, in den Tod zu gehen, als die ganze Republik dem Untergang zu weihen, als den Namen zu schänden, den Ruhm zu verlieren und jene Wacht, jenen heiligen Dienst Gottes zu verraten.«

Bei diesen Worten richtete sich Sobieski in seiner ganzen Größe auf, und sein Gesicht erstrahlte wie dereinst das Antlitz Gottfrieds von Bouillon, als er die Mauer Jerusalems erstieg mit dem Rufe: Gott will es! Bogusch erschien sich selbstwie ein Nichts, und Asya erschien ihm Sobieski gegenüber wie ein Nichts; die feurigen Pläne des jungen Tataren wurden plötzlich vor Buguschs Augen schwarz und dünkten ihm unredlich und niederträchtig. Was hätte er auch sagen können auf die Worte des Hetmans, daß es besser sei, in den Tod zu gehen, als den Dienst Gottes zu verraten, welche Gründe hätte er noch anführen können? Und so wußte der arme Rittersmann nicht, ob er dem Hetman zu Füßen sinken, ob er sich an die Brust schlagen und sprechen sollte: Meine Schuld, meine große Schuld!

Da ertönte aus dem nahen Dominikanerkloster der Ton der Glocken.

Als Sobieski sie hörte, sagte er:

»Man ruft zur Vesper, komm, Bogusch, wir wollen uns in Gottes Hand empfehlen.«

So sehr sich Bogusch auf dem Wege von Chreptiow zum Hetman beeilt hatte, so langsam machte er jetzt die Heimreise. In jeder größeren Stadt hielt er eine oder zwei Wochen, die Feiertage verlebte er in Lemberg, und dort traf ihn auch das Neujahr. Er führte zwar Instruktionen des Hetmans für Asya mit sich; da diese aber nur den Auftrag schneller Erledigung der Angelegenheit mit den lipkischen Hauptleuten und einen trockenen, aber drohenden Befehl, die großen Pläne aufzugeben, enthielten, so hatte er keine Veranlassung, sich zu eilen, denn ohnehin konnte Asya unter den Tataren nichts beginnen ohne das Dokument des Hetmans.

So zog er säumig seines Weges, besuchte häufig die Kirchen und tat Buße für seine Zustimmung zu Asyas Plänen. Chreptiow war inzwischen unmittelbar nach Neujahr von Gästen angefüllt; Nawiragh, der Delegat des Patriarchenvon Usmiadsin, war aus Kamieniez gekommen, mit ihm zwei Anardraten, treffliche Theologen aus Jaffa, und reichliche Dienerschaft. Die Soldaten waren sehr verwundert über ihre seltsame Tracht, über die violetten und roten Krimmer, die langen Sammet- und Atlas-Shawls, die gebräunten Gesichter, und die große Würde, mit der sie sich in der Grenzwacht von Chreptiow bewegten wie Trappen oder Kraniche. Auch Herr Zacharias Piotrowitsch war gekommen, berühmt durch seine wiederholten Reisen nach der Krim, ja nach Stambul selbst, berühmter noch durch den Eifer, mit dem er die Gefangenen ausfindig machte und auf den orientalischen Märkten verkaufte, als Führer Nawiraghs und der Anardraten Begleiter. Herr Michael zahlte ihm sogleich die Summe, die zur Einlösung Boskis nötig war, aus, da aber die Witwe nicht Geld genug hatte, legte er von seinem zu, und Bärbchen gab ihre Ohrgehänge mit Perlen her, um der abgehärmten Witwe und dem lieben Sophiechen desto wirksamer zu helfen. Auch Herr Seferowitsch, der Prätor von Kamieniez, war gekommen, ein reicher Armenier, dessen Bruder in tatarischen Ketten schmachtete, und zwei Frauen, jung und von großer Schönheit trotz ihrer dunklen Gesichtsfarbe, Frau Neresowitsch und Kieremowitsch; beide weinten um ihre Gatten, die in die tatarische Gefangenschaft geschleppt waren. Das waren traurige Gäste, aber es fehlte auch nicht an heiteren, denn der Priester Kaminski hatte zur Fastenzeit seine Nichte, Fräulein Kaminska, unter Bärbchens Schutz nach Chreptiow geschickt, und außerdem war eines Tages der junge Nowowiejski ganz unerwartet gekommen. Er hatte von der Ankunft seines Vaters in Chreptiow erfahren, sofort Urlaub von Herrn Ruschtschyz genommen und war ihm entgegengeeilt. Der junge Nowowiejski hatte sich in den letzten Jahren sehr verändert. Seine Oberlippe beschatteteein kurzer Schnurrbart, der zwar die weißen Wolfszähne noch nicht verdeckte, dem Jüngling aber schön zu Gesichte stand. Dann war er, der immer kräftigen Körperbau gezeigt hatte, zu förmlicher Riesengröße erwachsen. Die dichte, wirre Haarfülle schien nur einem so ungeheuren Kopfe anzustehen, und dieser ungeheure Kopf schien nur zwischen den unglaublich kräftigen Schultern die nötige Stütze zu finden. Sein Gesicht war dunkel, von den Wüstenstürmen gebräunt, seine Augen glühten wie Kohlen, die Unternehmungslust stand ihm auf der Stirne geschrieben. Einen großen Apfel verbarg er ohne Mühe in seiner mächtigen Faust, so daß er damit »Rate — rate!« hätte spielen können, und wenn er eine Handvoll Nüsse an seinen Schenkel legte und mit der Hand darauf drückte, so brachte er sie als Staub wieder ans Licht. Alles an ihm ging über das Maß hinaus; im übrigen war er hager, sein Leib, über dem indes sich die Brust wie eine Kapelle wölbte, eingefallen. Hufeisen zerbrach er ohne sonderliche Anstrengung; er band den Soldaten Eisendrähte um den Hals und erschien dabei noch größer, als er in Wirklichkeit war. Wenn er auftrat, knarrten die Dielen unter seinen Füßen, und wenn er zufällig an die Bank stieß, sprang die Rinde von ihr ab.

Mit einem Wort, es war ein stämmiger Bursche, in dem Leben und Gesundheit, Mut und Kraft überschäumten wie brodelndes Wasser über den Rand des Gefäßes, da sie selbst in diesem mächtigen Körper nicht Raum fand. Er schien in Brust und Kopf glühendes Feuer zu tragen, und unwillkürlich erwartete man, daß sein Schopf dampfen müsse. Und auch das kam vor, denn er war auch bei der Flasche ein Riese. In die Schlacht ging er mit einem Lachen, das an das Wiehern der Pferde erinnerte, und seine Hiebe waren derart, daß die Soldaten nach jedem Treffen alle seine Leichen beschauten,um die ungewöhnlichen Streiche zu bewundern. Von Kind auf an die Steppe, an die Wachten und den Krieg gewöhnt, war er trotz seines lebhaften Wesens wachsam und besonnen. Er kannte alle Kriegslisten der Tataren und galt neben Michael und Ruschtschyz für den besten Streifzügler.

Der alte Nowowiejski empfing den Sohn trotz seiner Drohungen nicht allzu streng, denn er fürchtete, jener könnte abgeschreckt wieder davongehen und weitere elf Jahre sich nicht blicken lassen. Im Grunde war der Edelmann voll Eigenliebe und Stolz auf diesen Sohn, der kein Geld von Hause brauchte, der sich selbst ausgezeichnet durch die Welt half, unter den Genossen Ruhm erworben, die Gunst des Hetmans und den Rang eines Offiziers erlangt hatte, den mancher trotz der Protektion nicht erreichen konnte. Der Vater mußte sich auch sagen, daß dieser Jüngling, in der Steppe und im Kriege verwildert, sich der väterlichen Autorität nicht beugen konnte, und darum war es besser, ihn nicht auf die Probe zu stellen. Der Sohn fiel ihm zwar zu Füßen, wie es sich ziemte, sah ihm aber mutig in die Augen und antwortete ohne Umschweife auf den ersten Vorwurf:

»Vater, den Vorwurf führt Ihr im Munde, und doch freut Ihr Euch im Herzen über mich, denn ich bin ohne Tadel, und daß ich zur Fahne entfloh — nun, ich bin ja ein Edelmann.«

»Aber wohl gar ein Heide,« antwortete der Alte, »da du dich elf Jahre hindurch nicht hast sehen lassen?«

»Ich habe mich nicht sehen lassen aus Furcht vor Strafe, die meinem Offiziersrang nicht entsprochen hätte; ich habe einen Brief erwartet, in dem Ihr mir meine Schuld vergabt. Der Brief kam nicht, und so kam auch ich nicht.«

»Und jetzt fürchtest du dich nicht?«

Der Jüngling zeigte lachend seine weißen Zähne.

»Hier herrscht die militärische Autorität, vor der die väterliche weichen muß. Wißt Ihr was, umarmt mich lieber, denn Ihr habt doch große Lust dazu.«

Damit öffnete er die Arme, und Nowowiejski der Vater wußte selbst nicht, was er tun sollte. Er konnte nicht fertig werden mit diesem Sohne, der als Bube von Hause davongelaufen war und jetzt zurückkehrte als ein reifer Mann und Offizier, der sich mit Kriegsruhm bedeckt hatte. Eines wie das andere schmeichelte dem väterlichen Stolze, und darum hätte er ihn gern an seine Brust gedrückt; er zögerte nur noch aus Rücksicht auf seine Autorität.

Aber der Sohn riß ihn an sich; in seiner Bärenumarmung knackten dem Edelmann die Knochen, und das rührte ihn vollends.

»Was tun?« rief er schweratmend, »der Schelm fühlt, daß er auf seinem eigenen Pferde sitzt und kümmert sich den Teufel um mich! Bitte, wäre es bei mir im Hause, ich würde sicherlich nicht so weich geworden sein, — aber hier, was tun! Nun so komm doch!«

Und sie umarmten sich zum zweiten Male. Dann fragte der Junge nach der Schwester.

»Ich habe ihr befohlen, sich zurückzuziehen, bis ich sie rufe,« antwortete der Vater; »das Mädchen hält es drinnen kaum aus.«

»Wo ist sie denn, bei Gott!« rief der Sohn. Er öffnete die Tür und schrie so laut, daß ihm von den Wänden ein Echo entgegentönte:

»Evchen, Evchen!«

Evchen, die im Nebenzimmer gewartet hatte, stürzte sofort herein, aber sie vermochte kaum »Adam!« zu rufen, da hatten sie seine mächtigen Arme schon gefaßt und in die Höhe gehoben. Der Bruder war ihr immer in Liebe zugetangewesen. Oft hatte er, um sie vor der Tyrannei des Vaters zu schützen, ihre Schuld auf sich genommen und für sie die Strafe erlitten. Herr Nowowiejski war im Hause ein grausamer Despot gewesen, und das Mädchen bewillkommnete in ihrem heldenhaften Bruder nicht nur den Bruder, sondern auch ihre Zuflucht und ihren Schutz für die Zukunft. Er aber küßte sie auf den Kopf, auf die Augen, auf die Arme, hielt sie vor sich hin, schaute ihr ins Gesicht und rief fröhlich ein über das anderemal: »Ein prächtiges Mädel, so wahr Gott lebt!« Und dann wieder: »Wie sie gewachsen ist! Eine Hopfenstange, das Mädchen!«

Und ihre Augen lachten ihm entgegen. Dann sprachen sie über die lange Trennung, über die Heimat, über den Krieg. Der alte Nowowiejski ging um sie herum und blinzelte mit den Augen; sein Sohn imponierte ihm gewaltig. Aber von Zeit zu Zeit erfaßte ihn eine Unruhe um die zukünftige Herrschaft; es war schon die Zeit der großen väterlichen Macht, die in der Folge bis zur grenzenlosen Übermacht anwuchs. Aber dieser Sohn war ein Krieger, ein Soldat, von den wilden Grenzwachten, der, wie der Vater gleich richtig bemerkt hatte, auf seinem eigenen Pferde saß. Nowowiejski war eifersüchtig auf seine Herrschaft; er hatte zwar die Gewißheit, daß der Sohn ihn stets achten werde, daß er ihm geben werde, was ihm zukam; ob er sich aber wie Wachs werde kneten lassen, ob er alles ertragen werde, wie er es als Knabe ertrug? — Bah! — dachte der alte Edelmann — werde ich selbst es denn wagen, ihn wie einen Knaben zu behandeln? Der Strick von Hauptmann macht Eindruck auf mich, so wahr ich lebe — Zum Überfluß empfand Nowowiejski auch, daß seine Liebe zu seinem Sohn mit jeder Minute wuchs, und daß er gegen den riesigen Sprößling schwach sein werde.

Evchen plauderte inzwischen wie ein Vögelchen und überschüttete den Bruder mit Fragen, wann er zurückkomme, und ob er sich nicht seßhaft machen, ob er nicht heiraten werde. Sie zwar wisse das nicht, aber sie habe doch gehört, daß die Soldaten sich leicht verliebten. Sie erinnerte sich sogar, daß die Frau Wolodyjowska ihr das gesagt habe; sie sei hübsch und so gut, die Frau Wolodyjowska. Eine schönere und bessere könne man mit Licht in ganz Polen suchen. Nur Sophie Boska halte einen Vergleich mit ihr aus.

»Was für eine Sophie Boska?« fragte Adam.

»Die mit der Mutter hier ist, und deren Vater die Horde fortgeschleppt hat. Du wirst sie ja selbst sehen und lieb gewinnen.«

»Bringt Sophie Boska her!« rief der junge Offizier.

Der Vater und Evchen lachten über die Schnellfertigkeit des Sohnes; er aber sagte:

»Was denkt ihr; der Liebe entgeht keiner wie dem Tode. Ich war noch ein Milchbart, und Frau Wolodyjowska ein Mädchen, als ich mich furchtbar in sie verliebte. Du lieber Gott, wie ich dies Bärbchen geliebt habe! Und was geschieht? Ich sag' es ihr einmal — schwapp, hab' ich meine Maulschelle weg: die Milch war nicht für die Katze. Ja, sie liebte Herrn Wolodyjowski schon, und das läßt sich wohl sagen — sie hatte recht!«

»Warum?« fragte der alte Nowowiejski.

»Warum? Nun weil ich, ohne Ruhmredigkeit, jedem standhalten würde, er aber hätte mit mir kurzen Prozeß gemacht. Und dann ist er ein unvergleichlicher Streifzügler, vor dem selbst Herr Ruschtschyz den Hut ziehen muß. Was ist Herr Ruschtschyz gegen ihn? Die Tataren sogar lieben ihn, er ist der erste Krieger in der Republik.«

»Und wie sich die beiden lieben, ei, ei, die Augen tun einem weh, wenn man es mit ansieht,« warf Evchen ein.

»Du bekommst Appetit, nicht, du bekommst Appetit? Es ist ja auch Zeit!« rief Adam, und er stemmte die Hände in die Seiten, warf den Kopf zurück wie ein Füllen und lachte. Sie aber antwortete bescheiden:

»Das liegt mir nicht im Sinn.«

»Fehlt es hier doch nicht an artigen Offizieren und Edelleuten.«

»Nicht doch,« rief Evchen; »ich weiß nicht, ob dir der Vater gesagt hat, daß Asya hier ist.«

»Asya Mellechowitsch, der Lipker? Ich kenne ihn wohl, ein trefflicher Soldat!«

»Du weißt aber nicht,« sagte der alte Nowowiejski, »daß er nicht Mellechowitsch heißt, sondern unser Asya ist, der mit uns aufwuchs.«

»Bei Gott, was hör' ich? Seht einmal, es war mir oft durch den Kopf gegangen, aber man sagte mir, der hier hieße Mellechowitsch, und so dachte ich mir, dann ist es eben ein anderer, denn Asya ist bei ihnen ein weitverbreiteter Name. Hatte ich ihn doch so viele Jahre nicht gesehen, kein Wunder also, daß ich zweifelte. Unser Asya war ziemlich häßlich, und der hier ist stattlich.«

»Unser Asya ist es, unserer,« sagte der Alte, »oder eigentlich nicht mehr unserer, denn weißt du, was sich herausgestellt hat, wessen Sohn er ist?«

»Wie soll ich das wissen!«

»Des großen Tuhaj-Bey!«

Der Jüngling schlug mit den Händen so kräftig auf die Kniee, daß es widerhallte.

»Ich traue meinen Ohren nicht, des großen Tuhaj-Bey?So ist er ein Fürst und mit den Khanen verwandt? Es gibt kein edleres Blut in der ganzen Krim, als Tuhaj-Beys.«

»Feindesblut!«

»Feind war uns der Vater, aber der Sohn dient uns, ich habe ihn wohl selbst an die zwanzigmal in Schlachten gesehen; ha, jetzt begreife ich den Teufelsmut, der in ihm steckt. Herr Sobieski hat ihn vor dem ganzen Heere gerühmt und zum Hauptmann ernannt. Aus ganzer Seele froh begrüße ich ihn, ein tüchtiger Krieger, von ganzem Herzen sei er mir willkommen!«

»Nur sei nicht zu vertraulich mit ihm.«

»Und warum nicht? Ist er etwa mein oder unser Diener? Ich bin Soldat, so er, ich bin Offizier, er auch, bah, wäre er so ein Lump vom Fußvolk, der das Regiment mit dem Rohrstock führt, so wollte ich nichts sagen; aber wenn er Tuhaj-Beys Sohn ist, so stammt er von nicht geringem Blute, er ist ein Fürst, das genügt, und den Adel wird der Hetman selbst ihm verschaffen. Wie sollte ich stolz über ihn hinwegsehen, da ich mit Kulak-Mirza Bruderschaft geschlossen, mit Bakschi-Aga, und alle diese würden sich nicht scheuen, bei Tuhaj-Beys Sohn die Schafe zu hüten.«

Evchen wandelte plötzlich die Lust an, den Bruder von neuem zu küssen. Sie setzte sich nahe an ihn heran und streichelte mit ihrer schönen, weißen Hand sein wirres Haupthaar, aber Herrn Michaels Eintritt unterbrach diese Liebkosungen.

Der junge Nowowiejski sprang auf, begrüßte den älteren Offizier und entschuldigte sich sogleich, daß er nicht zuerst dem Kommandanten die geziemende Ehre erwiesen; er käme nicht im Dienst, sondern als Privatmann. Wolodyjowski aber umarmte ihn freundlich und antwortete:

»Wer wollte es dir verübeln, teurer Genosse, daß dunach so vielen Jahren der Trennung erst deinem Vater zu Füßen gefallen? Etwas anderes wäre es, wenn du im Dienst kamst, aber du hast gewiß keinen Auftrag von Ruschtschyz?«

»Nur Grüße; Ruschtschyz ist ausgerückt, nach Jahorlik zu, denn er erhielt Nachricht, daß im Schnee Pferdespuren gefunden seien. Euren Brief hat mein Kommandant erhalten und sofort an die Horde geschickt, an seine Verwandten und Bruderschafter, damit sie dort forschen und Nachfrage halten. Er selbst antwortet nicht, denn er sagt, er habe eine zu schwere Hand und wenig Erfahrung in der Kunst des Schreibens.«

»Er tut das nicht gern, ich weiß,« sagte Herr Michael, »der Säbel ist sein Instrument.« Er drehte seinen Schnauzbart und fügte nicht ohne Stolz hinzu:

»Und dem Asba-Bey habt Ihr zwei Monate vergeblich aufgelauert?«

»Und Ihr habt ihn verschluckt, wie der Hecht den Weißfisch,« rief Nowowiejski im Eifer. »Je nun, Gott muß ihm wohl den Verstand verwirrt haben, daß er dem Ruschtschyz entwischte und Euch in die Hände lief; da hat er das Richtige getroffen, ha!«

»Mir hat Gott noch keinen Sohn geschenkt, aber wenn er mich dereinst beglücken wollte, so wünschte ich, er möchte diesem Jüngling ähnlich sein.«

»Nichts davon, nichts davon!« versetzte der junge Edelmann, »nequam— und genug.«

Trotz dieses Einwandes keuchte er förmlich vor Vergnügen: »Das wäre auch 'was Besonderes!...«

Der kleine Ritter streichelte währenddessen Evchens Wange und sagte zu ihr:

»Seht, Fräulein, ich bin kein Jüngling, aber mein Bärbchen ist nahezu in Eurem Alter, darum mach' ich ihr auchgern eine Freude, wie sie ihrem jugendlichen Alter ansteht. — Zwar lieben hier alle sie über die Maßen, aber ich hoffe, daß auch Ihr anerkennt, sie verdient's.«

»Du lieber Gott,« rief Evchen, »es gibt keine zweite in der Welt! Ich habe es eben erst gesagt.«

Der kleine Ritter war außerordentlich erfreut, sein Gesicht strahlte, und er entgegnete:

»Habt Ihr das wirklich gesagt, Fräulein, wie?«

»Wahrhaftig, sie hat's gesagt!« riefen Vater und Sohn zugleich.


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