The Project Gutenberg eBook ofDer rote Komet

The Project Gutenberg eBook ofDer rote KometThis ebook is for the use of anyone anywhere in the United States and most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included with this ebook or online atwww.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you will have to check the laws of the country where you are located before using this eBook.Title: Der rote KometAuthor: Robert HeymannRelease date: November 12, 2011 [eBook #37991]Most recently updated: January 8, 2021Language: GermanCredits: Produced by Jens Sadowski*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DER ROTE KOMET ***

This ebook is for the use of anyone anywhere in the United States and most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included with this ebook or online atwww.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you will have to check the laws of the country where you are located before using this eBook.

Title: Der rote KometAuthor: Robert HeymannRelease date: November 12, 2011 [eBook #37991]Most recently updated: January 8, 2021Language: GermanCredits: Produced by Jens Sadowski

Title: Der rote Komet

Author: Robert Heymann

Author: Robert Heymann

Release date: November 12, 2011 [eBook #37991]Most recently updated: January 8, 2021

Language: German

Credits: Produced by Jens Sadowski

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Anmerkungen zur Transkriptionam Ende des Buches.

Anmerkungen zur Transkriptionam Ende des Buches.

Wunder der ZukunftRomane aus dem dritten JahrtausendBand 2

Leipzig—BerlinJulius Püttmann1909

Uebersetzungsrecht für alle Sprachen vorbehalten.Copyright 1909 by Julius Püttmann, Leipzig

Band 2.Der rote Komet.

„Siehst du die purpurne Röte, die in gerader Linie sich herab auf die Erde senkt?“ fragte Romulus Futurus in größter Aufregung seinen Freund John Crofton, den berühmten Berichterstatter des „New York Herald“ in Berlin. „Bist du nun überzeugt, daß ich die Wahrheit gesprochen habe? Noch kannst du den roten Kometen nicht erkennen, und niemand wird imstande sein, ihn mit bloßemAuge zu sehen. Aber jetzt gibst du zu, daß meine Diagnose richtig war?“

John Crofton, ein Mann von etwa sechsunddreißig Jahren, mit echt amerikanischem Typus, beugte sich schweigend nieder und sah durch eines der großen Riesenferngläser hinauf zum Horizont. Es war abends um 9 Uhr am 10. Oktober des Jahres 2439.

„Berlin steht augenblicklich in der Ekliptik des „Steinbocks“, des „Wassermanns“, der „Fische“, des „Widders“, des „Stieres“ und der „Zwillinge“, fuhr der große Astronom zu sprechen fort. „Im Osten stehen „Castor und Pollux“, die Zwillingssterne, die in letzter Zeit eine seltsame Lichtfülle verbreiten. Oestlich zwischen dem Horizont und dem Scheitelpunkt erblickst du die „Capella“ im „Fuhrmann“.

„Ist das jener Doppelstern, von dem der eine strahlender erscheint als der andere?“ fragte Crofton, immer noch durch das Fernrohr blickend.

„Ganz recht. Schon die ältesten Astronomen schreiben der „Capella“ das Alter der Sonne zu. Diese beiden Sterne brauchen hundertundvier Tage, um sich umeinander zu bewegen.“

„Wenn ich nicht irre,“ meinte John Crofton, „so haben verschiedene Gelehrte den Untergang der Welt durch einen Zusammenstoß mit der „Capella“ prophezeit?“

Romulus Futurus lächelte. Das stand ihm wohl an; denn er war ein großer, kräftiger Mann mit schwarzem, leicht meliertem Vollbart und sinnenden Augen.

„Das kam daher, weil diese Zwillingssterne sich im Laufe der letzten Jahrzehnte fast unmerklich der Erde genähert haben, allerdings um ein Minimum, das nur die Mathematik der Astronomen hat feststellen können. Du wirst dich erinnern, John, daß man zuerst den roten Schimmer, der seit einiger Zeit unsere Erde erfüllt, der „Capella“ zugeschrieben hat.“

„Bis du aufgetreten bist, Romulus, und mit Hilfe deiner neuen, fabelhaften Erfindung, der lichtempfindlichsten photographischen Platte der Welt, dem „Lumen“, nachwiesest, daß ein neuer Komet, vorläufig unsichtbar durch einen dichten Nebelmantel, der Erde sich nähere. Auf diese Entdeckung hin wurde dir ja auch der Ehrenname ‚Futurus‘ verliehen.“

John Crofton sprach die Wahrheit. Dieser Komet, der die beiden Männer in der Sternwarte beschäftigte, war bis jetzt noch nicht sichtbar geworden. Aber die Erdestand im Zeichen eines roten Schimmers seit mehr denn sieben Monaten, umflossen von einem purpurnen Glanz, der sich wie ein fabelhafter Regenbogen scharf vom Himmel abhob und alles mit einer aufregenden Lichtfülle übergoß.

Einige Wochen hatte ein Taumel die Welt erfaßt, denn niemand hatte anders geglaubt, als daß der Weltuntergang schon hereinbreche. Das kam in der Hauptsache wohl daher, weil man zuerst die „Capella“ für den verhängnisvollen Kometen hielt, und weil die Astronomen berechnet hatten, daß, wenn sie der Erde überhaupt nur so nahe kommen würde, wie die Sonne, jedes Leben unten unmöglich werden müßte.

„Fabelhaft! Einfach fabelhaft!“ begann John Crofton plötzlich, indem er den Blick auf einen großen photographischen Apparat heftete, der mitten in der Sternwarte stand. „Da drinnen befindet sich also deine phänomenale Erfindung, Romulus?“

Der Astronom lächelte.

„Ich habe bis jetzt nur gehört, Romulus, daß du imstande gewesen bist, den roten Kometen zu photographieren, ehe ihn eines Menschen Auge überhaupt hat wahrnehmen können; nicht einmal durch die größten und sichersten Fernrohre war er zu sehen. Was ist das für ein unglaubliches Ding, das um so vieles lichtempfindlicher ist, als das menschliche Auge?“

„Das ist eine Platte, die ich dir gerne zeigen möchte, wenn sie nicht mit dem Augenblick unbrauchbar werden würde, da sie mit dem Lichte in engste Berührung kommt,“ entgegnete Romulus Futurus. „Diese photographische Platte ist von solcher Vollendung und Lichtempfindlichkeit, daß die Dinge bei der Aufnahme sichnicht so reproduzieren, wie man sie seit langen Zeiten kennt und wie das menschliche Auge sie sieht.

Nein!“ fuhr Romulus Futurus in wachsender Begeisterung fort, während seine Augen leuchteten. „Wenn alle Sinne trügen, so spricht meine photographische Platte die lauterste Wahrheit, denn sie zeigt alles so, wie es ist. Man wird in unserem Jahrtausend erkennen müssen, daß fast alles anders ist, als man bislang angenommen hat; ja ich behaupte, daß meine neueste Erfindung die äußersten Grundsätze umstoßen wird.“

In der Tat, Romulus Futurus hatte recht. Das erkannte auch die deutsche Nation, als sie ihn in Anerkennung seiner Verdienste und Fähigkeiten zum Kultusminister machte. War doch das Ereignis auf die Prophezeiung erfolgt! Während man erst nur einen dichten, grauen Nebel am Himmel gesehen hatte, war plötzlich dieser rote Strahl auf die Erde geglitten, der von Woche zu Woche, ja beinahe von Tag zu Tag sich verstärkte und die Menschen in einen wahren Sinnestaumel versetzte. Schließlich hatte Romulus Futurus der Akademie der Wissenschaften die Photographie des roten Kometen gezeigt, desselben, den bis jetzt noch niemand hatte wahrnehmen können.

— Bis dorthin hatte Romulus einen anderen Namen besessen; „Futurus“ war der Ehrenname, den ihm die Akademie auf die Entdeckung des Kometen hin verlieh. Denn in damaliger Zeit fand man es geschmacklos, die wenigen Gärten der Erde auszurotten und durch Denkmäler zu verunzieren, oder gar Orden und Denkmünzen als Ehrenzeichen zu verteilen; man gab dem, den man über die anderen hervorheben wollte, das Recht, einen besonderen, auf seineFähigkeiten und Verdienste hinweisenden Namen zu tragen. —

Berlin stand also seit Monaten im Zeichen des roten Kometen. Nicht nur Berlin! Ganz Deutschland, ganz Europa, die ganze Welt! Und die ganze Erde war verwandelt! Von alters her wußte jeder Psychiater, daß die rote Farbe eine aufreizende Wirkung auf die Sinne besitzt. Das Leuchten des neuen Kometen aber war so intensiv, daß sich kein Mensch auf der Erde seinem Einfluß entziehen konnte. Es trat ein plötzlicher Umschwung in den Charakteren ein, der kaum zu beschreiben wäre. Die Welt, die bis zu diesem Zeitpunkte sich mehr und mehr von den Uebertreibungen des Mittelalters und des Altertums in sinnlicher Beziehung entfernt hatte, kehrte zu den ursprünglichen Leidenschaften zurück.

In den Palästen der Reichen jagten sich die Orgien. Das Verbrechen nahm in furchtbarer Weise überhand und trat gerade da auf, wo man es bislang am wenigsten vermutete. —

John Crofton hatte sich schweigend in einen Sessel geworfen und eine Zigarette angezündet. Der Abend schritt vor.

Die beiden Männer waren seit vielen Jahren Freunde, und dieses Band hatte sich noch gefestigt durch ihre gegenseitige Stellung, denn John Crofton war in seiner Position das, was in früheren Zeiten die Gesandten vorstellten. Es gab keinen diplomatischen Austausch zwischen den Ländern mehr, sondern die regierende Presse sandte ihre Vertreter in die einzelnen Staaten, und in den Händen dieser Männer lagen alle die Rechte und Befugnisse, welche ehedem die offiziellen Gesandten inne gehabt hatten.

„Hättest du nicht Lust, Romulus, uns heute abend Gesellschaft zu leisten?“ fragte der Journalist plötzlich.

Futurus entgegnete lachend:

„Ich habe für heute nichts vor, John, und werde mich also freuen, mit meiner Gemahlin zu dir zu kommen. Hast du ihr schon deine Aufwartung gemacht?“

„Nein, ich will das nachholen, ehe ich dich verlasse,“ entgegnete John Crofton mit einer gewissen Verlegenheit, die seinem Freunde entging.

Futurus fragte neuerdings:

„Erwartest du außer uns noch weitere Gäste?“

„Ja, mein Freund. Es haben sich angesagt: Miß Head, die berühmte Sängerin der großen Oper, die übrigens vor kurzer Zeit durch den Minister der schönen Künste den Ehrennamen „Divina“, die Göttliche, erhielt; sodann General Treufest, welcher vor einigen Monaten das Kommando der schweren deutschen Küstenartillerie übernommen hat. In seiner Begleitung versprach Ralph Jonathan Wieland zu kommen, derselbe, der die großen elektrischen Kraftwerke der Nord- und Ostsee besitzt, also ein richtiger deutscher Magnat des Goldes, nach neuester Schätzung der reichste, den wir überhaupt besitzen. Gegen ihn waren die amerikanischen Kohlenbarone die reinsten Waisenkinder!“

„Sonst kommt niemand?“

„Wenn wir Glück haben, so werden wir auch die junge Fürstin Angelika bei mir sehen, desgleichen Dr. Diabel den Hausarzt des Regenten. Er dürfte in Begleitung seines Famulus, des Studenten der Medizin Peter Cornelius, erscheinen.“

„Also eine Gesellschaft, die interessant zu werden verspricht,“ entgegnete Romulus Futurus.

John Crofton verabschiedete sich. Er schritt von der Sternwarte durch einen schier endlosen Gang, der durch die Bibliothek und die kostbare Gemäldegalerie des berühmten Astronomen und Kultusministers führte, bis er die Gemächer Frau Fabias, der Gattin des Romulus Futurus erreicht hatte.

Es war kein Geheimnis in Berlin, daß der Astronom mit seiner Gattin nicht gerade sehr gut lebte.

„Nicht umsonst war es eine Liebesheirat“, pflegte John Crofton zu witzeln, wenn er sich imeingeweihten Freundeskreise befand.

Jetzt blieb er vor einem der riesengroßen Venezianer stehen, richtete seine nach neuester Mode gefärbte Krawatte und ließ sich Frau Fabia melden.

Durch hallende Prunkgemächer hindurch führte ihn der Diener in das große Wohnzimmer der jungen Frau.

Sie saß nachlässig zurückgelehnt in einem byzantinischen Sessel und beschäftigte sich mit einer Stickerei. Um sie waren afrikanische Sklavinnen, junge Negerinnen, welche aus den Kolonien nach Europa geschickt worden waren, um die mangelnden Arbeitskräfte zu ersetzen.

Unruhig sah sie auf, als der Kammerdiener John Crofton meldete, gab aber doch durch ein leichtes Kopfnicken ihre Zustimmung kund, ihn zu empfangen.

Der Besucher trat ein. Einige Sekunden blieb er stehen, ganz und gar in den Anblick dieser wundervollen Frau versunken. Sie war außergewöhnlich schön. Gleich Romulus Futurus, ihrem Gatten, war sie groß, ein richtiges Kind unverfälschter Rasse, mit breiten Schultern, deren vornehme Rundung durch ihre kraftvolle Gestaltung nicht beeinträchtigt wurde. SchwarzesHaar umrahmte das edel geschnittene Gesicht mit den großen, dunklen Augen, in denen der Glanz einer fröhlichen Lebensauffassung lag. Die Miene, welche John Crofton zur Schau trug, war eine ganz andere, als bei Romulus Futurus. Auf seinem Gesicht spielte ein heimliches, sinnliches Lächeln, als er sich Frau Fabia näherte, ihre weiße, kühle Hand an seine Lippen zog und sagte:

„Wie befinden Sie sich, gnädigste Frau?“

Sie entgegnete lachend, das große, schöne Auge zu dem Besucher erhebend:

„Gut, wie immer, mein Freund.“

Sie sprach nicht die Wahrheit. Aber niemandem hätte sie gestanden, daß sie Tage und Nächte durchweinte in der Einsamkeit; das Unglück ihrer Ehe war nicht durch ihre Schuld hervorgerufen, sondern durch Romulus Futurus, der ihre Nähe mied. Sie selbst liebte ihren Gatten mit einer an Wahnsinn grenzenden Leidenschaftlichkeit, aber ihr Stolz verbot ihr, dies kundzutun.

John Crofton, der geschickte Weltmann, bemerkte sehr wohl, daß sie log, und flüsterte:

„Die Einsamkeit macht Sie noch schöner, Frau Fabia. Unter allen Todsünden ist wohl jene die größte, die Romulus an Ihnen begeht.“

Sie zuckte leicht zusammen und sandte ihre Dienerinnen aus dem Zimmer. Dann sagte sie, während ihre Stimme einen kühlen Klang annahm:

„Ich habe Ihnen kein Recht gegeben, Mr. Crofton, in dieser Weise von meinem Gatten, von mir und unseren eigenen Angelegenheiten zu sprechen.“

Zwischen seine Brauen grub sich eine Falte. Fast heftig entgegnete er:

„Doch, Frau Fabia! Ich weiß, daß Sie vorübergehendeine Neigung für mich besaßen, daß Sie hofften, bei mir Trost zu finden!“

Sie wurde tiefrot und entgegnete:

„Es ist wahr. Es gab eine kurze Zeit, in der ich alles tat, um meinen Gatten zu vergessen und wo ich glaubte, eine Neigung für Sie zu empfinden. Warum sollte ich es leugnen? Aber das ging schnell vorüber, und ich kann Sie versichern, Mr. Crofton, daß ich Ihre Worte und die Art, wie Sie sich heute bei mir einführen, als Beleidigung empfinde!“

Er entgegnete leidenschaftlich:

„Die Liebe, die wahnsinnige Liebe, die ich für Sie empfinde, Frau Fabia, gibt mir ein Recht, anders zu Ihnen zu sprechen, als zu jeder andern Frau!“

Sie erhob sich rasch. Er aber faßte mit beiden Händen nach ihrem weißen, hübschen, kühlen Arm und drückte die schöne Frau mit Gewalt in ihren Sessel zurück. Ja, einige Augenblicke entspann sich ein Ringen zwischen diesen beiden Menschen; die Beleidigung, die John Crofton der Gattin eines der angesehensten Männer in Berlin zufügte, war unerhört. Aber alle Bande der Sitte und jener Rücksichten, die die Menschen im eigensten Interesse zu Gesetzen gemacht hatten, waren gerissen unter dem Einfluß des rötlich schimmernden Lichtes, das auch Frau Fabias Zimmer geheimnisvoll durchflutete.

„Sie müssen mich erhören!“ fuhr John Crofton mit einer Stimme fort, welche die unglückliche Frau erschreckte und sie jedes weiteren Widerstandes beraubte. „Ja, ich liebe Sie, werde nie aufhören, Sie zu verehren, und Sie werden mein werden, ich schwöre es Ihnen, und wenn ich Berge niederreißen müßte, Sie zu gewinnen!“

Er hatte sich auf die Knie niedergelassen und seine Arme um den Leib der Frau geschlungen, die die Gattin seines Freundes war, den er in diesem Augenblick in der schmählichsten Weise betrog. Frau Fabia aber sprang auf, riß seine Arme von ihren Hüften und schleuderte sie von sich, als seien sie giftige Reptilien, vor denen sie sich entsetzte.

„Ich habe Ihnen nichts mehr zu sagen, als das eine: Betreten Sie nie mehr meine Gemächer ohne Begleitung meines Gatten!“

John Crofton machte einen letzten Versuch, sich ihr zu nähern. Er stürzte noch einmal auf sie zu, riß sie an sich, ja, er vergaß in diesem Augenblick, was er Frau Fabia als Weib schuldig war, und bog ihren Kopf zurück, um seine Lippen auf die ihren zu pressen, sie aber riß sich los und erreichte die elektrische Klingel, welche in das Dienerzimmer führte.

Da verließ der Amerikaner das Gemach. Draußen, als der Lakai ihm den Mantel um die Schultern hing, knirschte er mit den Zähnen.

„Du sollst es mir büßen! Du sollst es furchtbar büßen!“

Damit verließ er des Romulus Futurus’ Haus.

Es war eine bizarre Idee des Astronomen, daß er in den kleinen Kreis, den er bei John Crofton traf, seinen photographischen Apparat mitnahm. Vielleicht hatte der Journalist ihn auch darum gebeten; jedenfalls wurde die photographische Platte, die in aller Weltbereits bekannt war, der Beginn von Romulus Futurus Unglück und Untergang.

Der große Gesellschaftssaal in dem Hause John Crofton war mit einer langen Tafel versehen worden. Man hatte alle elektrischen Lichter perlöscht und ließ nur dem purpurnen Lichte des Kometen Zutritt, das ganz Berlin erfüllte und die Menschen in einer ewig prickelnden Aufregung hielt.

Die kleine, gewählte Gesellschaft unterhielt sich aufs beste. Schon die Tatsache, daß Divina, die Sängerin, in diesen vornehmen Kreis geladen worden war, bewies, daß man im dritten Jahrtausend alle lästigen Vorurteile der früheren Zeiten beiseite ließ.

Das Gespräch drehte sich natürlich um den roten Kometen, der seit Monaten alle anderen Interessen in den Hintergrund gedrängt hatte. Zudem war Romulus Futurus die einzige Autorität, die über den neuen Stern sachkundige Aufklärungen geben konnte.

„Nun, was meinen Sie, Herr Kultusminister,“ sagte Miß Head-Divina, indem sie mit einer koketten Bewegung das feingeschliffene, biegsame Sektglas an die rotleuchtenden Lippen hob und Romulus Futurus einen ihrer zündendsten Blicke zuwarf: „Wird der neue Komet zu uns kommen ober nicht?“

Romulus Futurus nickte.

„Er wird zu uns kommen, Miß Head-Divina, verlassen Sie sich darauf!“

Sie legte den schönen Hals zurück und lachte, wurde aber plötzlich ernst und beugte sich vor mit dunkel sprühenden Augen:

„Ich erwarte ihn! Ich erwarte ihn voll Ungeduld! Ob Sie mir glauben oder nicht, Herr Minister,ich vergehe förmlich vor tiefer, heißer Sehnsucht nach diesem Stern, den man ja bald zu sehen bekommen wird! Sein Licht ruft in mir etwas wie eine stete Raserei hervor!“

John Crofton, der bevorzugte Günstling der schönen Amerikanerin, beugte sich über ihre weißen Schultern und flüsterte:

„Ich werde eifersüchtig werden, göttliche Happy, eifersüchtig auf diesen Kometen, der dich scheinbar mehr interessiert, als meine Liebe!“

Sie warf ihm einen lächelnden Blick zu und sah dann zu Ralph Jonathan Wieland hinüber, dem Krösus, der mit gleichgültiger Miene sein Sektglas hob. Und es wollte Romulus Futurus, dem Menschenkenner, scheinen, als ob in dem nebensächlichen Blick der göttlichen Sängerin und der offen zur Schau getragenen Gleichgültigkeit des Krösus ein geheimer Sinn läge.

Aber der Astronom war klug genug, zu schweigen, um so mehr, als ihm die Leidenschaft für eine Frau etwas Unverständliches war. Er hatte nie in seinem Leben geliebt, und der Rausch, den er einstmals für seine Braut Fabia empfunden, war eben nichts weiter gewesen als eine Aufwallung, die sich rasch genug gelegt hatte. Das Weib erschien ihm als etwas durchaus Minderwertiges, das kein Anrecht auf männliche Ehrerbietung besaß, und Romulus Futurus hatte aus diesen seinen Ansichten auch niemals ein Hehl gemacht. Sein Benehmen gegen die Frau war, wenn auch durch weltmännische Gewandtheit verdeckt, stets von einer heimlichen Brutalität geleitet.

„Und was wird werden, wenn der Komet auf die Erde kommt?“ fragte Dr. Diabel, indem er sein bleiches, von einem blauschwarzen Bart umrahmtes Gesicht überden Tisch neigte und gleichzeitig die großen, glänzenden Augen auf die Fürstin Angelika heftete, die am Ende der Tafel saß und keinen Blick von Romulus Futurus wandte. Die junge Fürstin war das Gegenteil von Frau Fabia. Schlank, zierlich, dabei von seltener Schönheit, glich sie einer jener Orchideen, die in den Treibhäusern ihre schönsten Farben entwickeln. „Was wird geschehen, wenn der Komet auf die Erde kommt?“ wiederholte Dr. Diabel seine Frage.

Da Romulus Futurus nicht sofort antwortete, so entgegneteGeneral Treufest:

„Darüber kann ich Ihnen Auskunft geben. Auf alle Fälle werden wir mit allen Hilfsmitteln der Technik, die uns zur Verfügung stehen, versuchen, das drohende Unheil abzuwenden. Sollte es aber etwa gar auf einen Eroberungszug der mystischen Bewohner dieses Kometen abgesehen sein, so werden sie eine fatale Bekanntschaft mit unseren großen Riesenkanonen machen müssen.“

„Es besteht sehr wenig Wahrscheinlichkeit, daß dieser Komet bewohnt ist!“ wandte Romulus Futurus ein. „Die Tatsache, daß er eine so phänomenale Leuchtkraft besitzt, spricht dagegen. Dieses Purpurlicht, meine ich, ist auch vorläufig für uns eine größere Gefahr, als der Komet selbst, denn unsere Zeitungen bringen tagtäglich neue, fürchterliche Berichte über Entartungen und Verbrechen, die im Zeichen des roten Kometen geschehen!“

„Zuerst wird wohl eine Revolution ausbrechen, wie die Erde keine zweite gesehen hat!“ sagte plötzlich hastig Peter Cornelius, der junge Student, indem er sich nervös durch das reiche, blonde Haar fuhr. „Die Völker werden aufstehen und das Joch der Tyranneiabwerfen, unter dem sie lange genug geschmachtet haben.“

Während er das sagte, sah er mit brennenden Augen zu Miß Head-Divina hinüber. Die aber schenkte ihm keinen Blick. Sie hatte sich vorgebeugt und flüsterte dem General zu:

„Ist es wahr, wovon man allgemein spricht? Wir werden einen Krieg mit Frankreich und England bekommen?“

Der General, der sich schon in vorgerückter Weinlaune befand, entgegnete:

„Es ist richtig, daß eine außergewöhnliche Aufregung zwischen diesen drei Ländern besteht und daß im Kriegsministerium eifrig gerüstet wird. Aber woher wissen Sie davon? Bis jetzt wird alles geheim gehalten!“

Woher sie davon wußte? Natürlich von John Crofton, dem Bevollmächtigten Amerikas, der besser orientiert war als General Treufest. Miß Head aber versuchte, den General weiter auszuforschen.

Plötzlich kam John Crofton auf die bizarre Idee, Romulus Futurus möchte sie doch alle zusammen photographieren.

„Nachdem dein Apparat von einer so immensen Schärfe ist, Romulus, daß er selbst versteckte Kometen auf die Platte zaubert, so dürften die Bilder, die du von uns erhältst, sicherlich das Beste werden, was hervorgebracht werden kann. Wir werden keine verschwommenen, oberflächlichen Züge tragen. Wir müssen auf dem Bilde ganz so sein, wie wir in Wirklichkeit sind und wie wir uns mit unseren schwachen Augenüberhaupt nicht sehen. Happy,“ — der große Journalist wandte sich an die Schauspielerin, die die Brauen hochgezogen hatte und mit einer gewissen Unruhe diesem Vorschlage zuhörte. — „Happy, nimm dich in acht! Die Entstehungsgeschichte deiner Schönheitspflästerchen wird sicherlich auch auf diese mysteriöse Platte gezaubert werden, und ich werde vielleicht, wenn ich dich im Bilde sehe, finden, daß du abscheulich bist!“

Romulus Futurus widersprach lebhaft dem Wunsche des Freundes, ein Experiment auszuführen, das der berühmte Astronom bis zu diesem Augenblick noch nie versucht, denn er hatte seine Erfindung ganz und gar in den Dienst der Wissenschaft gestellt.

Sein Freund John Crofton aber ließ nicht nach mit Bitten, und schließlich mußte Romulus Futurus doch selbst zugeben, daß er etwas Aehnliches im Sinne gehabt, sonst hätte er den Apparat ja gar nicht in die Wohnung seines Freundes zu bringen brauchen. Oder war dies rein mechanisch geschehen, unter dem Drucke jenes Unbewußten, das John Crofton „das schwarze Schicksal“ zu nennen pflegte? —

Genug — Romulus Futurus entschloß sich, zum Andenken an diesen vergnügten Abend ein Gruppenbild herzustellen. Auch seine Gattin nahm an dem Tische Platz, um den sich alle Anwesenden mit natürlicher Grazie gruppierten. Romulus Futurus schob unter dem Schutze eines schwarzen Tuches die lichtempfindliche Platte „Lumen“ in den Apparat.

Eigentlich empfand er ein dunkles, geheimes Grauen gegen die Ausführung seines Planes. Aber er scheute sich, es zu gestehen. Nachdem er also mit seinen Vorbereitungen zu Ende war, exponierte ereine halbe Minute, nahm dann die „Lumen“-Platte heraus und überzeugte sich, daß die Aufnahme gelungen war.

„Ich werde jedem der Beteiligten morgen ein Bild senden,“ sagte er. — Eine leichte Blässe überzog sein Antlitz, nachdem er die Platte gegen das Licht längere Zeit beobachtet hatte. Es war nämlich eine Eigenheit derselben, daß sie sofort, ohne entwickelt und fixiert werden zu müssen, deutlich nach der Aufnahme das Negativ dem Auge zeigte.

Spät des Nachts trennten sich die Gäste. Intensiv und grell war das purpurne Licht, das vom Himmel in die Fenster strömte.

„Der Komet ist wieder um viele Tausend Kilometer näher gekommen,“ murmelte Romulus Futurus und sah auf die Uhr.

In dem prachtvollen Flugcoupé, das der Astronom besaß, fuhr er mit seiner Gattin Fabia, die den ganzen Abend über schweigsam gewesen war, nach Hause.

Eine Viertelstunde später saß er wieder in dem großen, kühlen Raume der astronomischen Sternwarte. Die fabelhaften Riesengläser glotzten ihn mit ihren schwarzen, unheimlichen Augen an. Das Firmament schien ein unendlicher Teppich von blauer Farbe zu sein, in den ungezählte blitzende Diamanten gewebt waren. Ueber alles spannte sich ein greller, roter Bogen.

Das war der Himmel.

Angesichts der gigantischen Unendlichkeit begann Romulus Futurus einen Abzug von der Platte zu machen. Warum zitterte er? Warum nahm diesesnebensächliche Geschäft seine Aufmerksamkeit dermaßen in Anspruch, daß er in jener Nacht sogar vergaß, seine gewöhnlichen Beobachtungen zu machen und zu registrieren, daß der rote Komet sich der Erde wiederum ein verhängnisvolles Stück genähert hatte? — —

Es war etwa drei Uhr morgens, als Romulus Futurus den sprechenden Abzug vor sich auf den Knien liegen hatte.

Da war er so bleich wie die weißen Wände des Sternwartensaales und seine Augen glühten beinahe so rot wie der Komet. Auf dieser Platte stand ein furchtbarer Roman, mit blutiger Tinte geschrieben, mit häßlichen Wahrheiten durchsetzt. Er bemerkte nicht, daß Frau Fabia leise und unhörbar, das weiße Gewand gerafft, daß es nicht rauschen konnte, in die Sternwarte getreten war. Und wie sie nun einen Blick über die Schultern ihres Gatten hinweg auf das Bild geworfen hatte, schrie sie plötzlich auf und rang verzweifelt die Hände:

„Ich bin unschuldig! Ich schwöre dir, Romulus, ich bin unschuldig!“

Er aber packte sie an ihren langen, wunderschönen schwarzen Haaren und stieß sie zu Boden, daß sie beinahe die Besinnung verlor und zusammengekauert liegen blieb, gleich einem verwundeten Reh. Romulus Futurus aber rannte wie ein Rasender auf und nieder; indem er zu seiner Gattin Fabia sprach, deutete er von Zeit zu Zeit auf das Bild, dann wieder gestikulierte er mit den Händen in der Luft.

„Ich wußte es ja!“ schrie er, „ich wußte es ja! Die „Lumen“-Platte ist so empfindlich, daß sie die schwächsten Reaktionen mit genauester Deutlichkeit wiedergibt! Die Platte hat nicht nur die Gesichterall dieser Elenden photographiert, sondern auch ihre heimlichsten, tiefsten und innerlichsten Gedanken. Ha! Ich halte also jetzt den Schlüssel zu einer neuen, geheimnisvollen und furchtbaren Wissenschaft in Händen! Ich werde imstande sein, von heute ab zu wissen, was jeder Mensch denkt!“

Selbstverständlich hatten sich die Gedanken, von denen Romulus Futurus sprach, nicht in Schriftzeichen auf der Photographie kopiert. Es ist eine alte Weisheit, daß jedes Ding auf Erden einen Reflex hinterläßt, jede Bewegung, jede Schall-, jede Lichtwelle. Ebenso gibt auch der menschliche Gedanke, so schnell er immer gedacht sein mag, einen unwillkürlichen Reflex in den menschlichen Mienen, so deutlich, daß jedes Kind den Gedanken lesen könnte, wenn sein Auge nur scharf genug wäre, den Reflex zu sehen.

Romulus Futurus hätte kein so großer Psychologe sein müssen, um nicht die Empfindung, die sich in den Mienen des Einzelnen in dem Moment der photographischen Aufnahme ausgeprägt hatte, lesen zu können.

„Es ist ein Wunder! Ein unnennbares Wunder!“ murmelte Frau Fabia, die immer noch nicht die Kraft besaß, sich zu erheben, und mit einer Miene wahnsinnigen Entsetzens auf ihren Gatten blickte. „Ich habe deutlich gesehen, daß aller Augen auf den photographischen Apparat gerichtet waren. Und doch blickt jetzt auf der entwickelten Photographie jeder nach einer anderen Seite!“

„So groß ist die Beweglichkeit des menschlichen Auges, so enorm die Verwandlungsmöglichkeit der Iris!“ stieß Romulus Futurus zwischen den Zähnen hervor. Plötzlich beugte er sich zu Frau Fabia nieder.

„Siehst du dein Gesicht? Siehst du deine Mienen? Siehst du, wie du zu John Crofton hinüberblickst? Ah, nicht genug, daß ich nur einen einzigen Freund besitze! Du willst ihn mir noch rauben! Der starre Blick, mit dem du ihn betrachtest, beweist mir alles! Warum denkst du immer an ihn? Warum beschäftigten sich deine Gedanken in dem Augenblick, da ich die photographische Aufnahme machte, einzig nur mit ihm?“

„Ich liebe ihn ja nicht, ich hasse und verabscheue ihn!“ rief Fabia verzweifelt. Aber Romulus Futurus hörte nicht auf sie. Er fuhr fort, den Blick in die Photographie förmlich vergrabend:

„Miß Head-Divina sieht zu dem reichen Krösus hinüber. Ihre Miene ist schrecklich, halb Wahnsinn, halb diabolische Grausamkeit und Schlechtigkeit. Wie sie Ralph Jonathan Wieland anblickt! Ihr Auge taucht förmlich in das seine! Ihr Gesicht, das im Moment der Aufnahme ernst und starr gewesen wie Stein, ihr Gesicht lächelt, und um ihre Mundwinkel ringeln sich abscheuliche Schlangen. Soll ich dir sagen, was sie denkt? Hier steht es geschrieben! Hier steht es! Seid ihr nicht alle gleich, ihr Frauen?

„„Ja, ich bin geneigt, Ihren Antrag zu erhören, Ralph Jonathan Wieland,““ sagt sie. „„Aber““ —

Siehst du, Fabia, wie sie sich zu gleicher Zeit halb zu meinem Freunde John Crofton hinüberwendet? Und da! Da!“ —

Romulus Futurus schüttelte sich und heftete den Nagel des rechten Zeigefingers auf das Gesicht Ralph Jonathan Wielands.

„Siehst du die scheußliche Grimasse des Krösus? Siehst du, wie er meinen Freund John Crofton anstarrt?Die Lippen Wielands sind halb geöffnet. Ich sehe förmlich die gefletschten Zähne! Die Nasenflügel sind hinaufgezogen, wie man dies bei wilden Tieren im Augenblick des Angriffs bemerken kann. Die Augen sind zusammengekniffen, und strahlenförmig spannen sich die Falten um seine Schläfen!“

Romulus Futurus schwieg. Seine Augen öffneten sich unnatürlich weit, denn er las, las deutlich auf diesem bis zur Scheußlichkeit verzerrten Gesicht den furchtbaren Gedanken, der Ralph Jonathan Wieland im Augenblick der Aufnahme beherrschte.

Inzwischen blickte Frau Fabia mit nicht minder entsetzten Augen auf das Gesicht der jungen Fürstin Angelika, die Romulus Futurus ansah. Auch ihre Gedanken waren mit unverkennbarer Deutlichkeit photographiert, und Frau Fabia las, las mit blutendem Herzen die Gedanken der Fürstin:

„Romulus Futurus, ich liebe dich in Ewigkeit!“

Und neben der Fürstin saß Dr. Diabel und starrte sie an und dachte:

„Ich werde dich zu Tode martern, wenn du mich nicht erhörst!“

Romulus Futurus schrie plötzlich auf und starrte mit fiebernden Augen hinaus in die Nacht.

„Er will meinen Freund John Crofton töten! Jawohl, so ist es! In dieser Nacht noch! Ralph Jonathan Wielanddachte darüber nach, wie er John Crofton aus dem Wege räumen konnte, um sich selbst in den Besitz seiner Geliebten, der Schauspielerin Happy Head-Divina zu setzen!“

Und in einer Anwandlung von Abscheu und Verzweiflung warf Romulus Futurus die kostbare Plattezu Boden, zertrat sie mit den Füßen und zerriß die Photographie in tausend Fetzen, so daß er nicht mehr die Gedanken der Fürstin Angelika lesen konnte, nicht mehr das, was der Student dachte, während Frau Fabia im letzten Augenblick noch deutlich von den Lippen Happy Head-Divina den Gedanken abgeschaut hatte:

„Ich muß versuchen, alles von dem General zu erfahren, denn die englische Regierung verlangt die Pläne des Kriegshafens von Kiel!“

Wie gesagt, die Entdeckung, welche Frau Fabia gemacht hatte, kannte Romulus Futurus nicht. Ihn beherrschte nicht nur die Erkenntnis, daß Ralph Jonathan Wieland in dieser Nacht seinen Freund John Crofton töten wollte; und während er darüber nachsann, wie er den Freund retten könnte, kam er auf eine bizarre Idee.

Die Sternwarte des Romulus Futurus lag gerade im Tiergarten, etwa dort, wo vor einigen hundert Jahren der „Große Stern“ gewesen. Von hier aus beherrschte die Sternwarte ganz Berlin. Die neue Stadt war nämlich in einem großen Halbkreis gebaut worden und gruppierte sich, etwa von der ehemaligen Jungfernheide angefangen, in einem Bogen, der allerdings viele, viele Stunden weit über den Gesundbrunnen, die Schönhauser Allee, Neu-Weißensee, Rummelsburg, Stralau, Rixdorf, Schöneberg und Wilmersdorf hinausreichte, um den Tiergarten.

Von seiner Sternwarte aus konnte also Romulus Futurus ganz Berlin, übersehen und beobachten. Ja,er konnte noch mehr! Er erinnerte sich, daß Ralph Jonathan Wieland in der ehemaligen Königgrätzerstraße Wohnung genommen hatte. Diese war die erste Straße, die, von der Sternwarte an gerechnet, jenseits des Tiergartens überhaupt bewohnt werden durfte. Dort standen denn auch die Paläste der reichsten Millionäre von Berlin, darunter das Riesenhaus Ralph Jonathan Wielands.

Schon oft hatte Romulus Futurus nach jener Richtung geblickt und mit dem Glase den Nabob beobachten können.

„Ich habe keine Zeit zu verlieren!“ murmelte er.

Ohne sich um Frau Fabia zu bekümmern, die ihn mit vorgestrecktem Hals beobachtete und plötzlich von dunklem, unbewußtem Grauen ergriffen, aus der Sternwarte floh, setzte Romulus Futurus den Riesenscheinwerfer in Tätigkeit. Er schraubte die Linse so zu, daß der Lichtschein keinen größeren Umfang hatte als höchstens 1 Meter. Diesen schmalen, spitzen Lichtstrahl ließ er geradeaus nach dem Schlafzimmer des Ralph Jonathan Wieland gleiten.

Er selbst bewaffnete seine Augen mit einem scharfen Vergrößerungsglas. Es hatte die Form einer Automobilbrille. Die kleinen Gläser saßen auf hohen, runden, schwarzen Einfassungen, die wieder hohl auf den Augen lagen. So stellte er sich an das Fenster und beobachtete. In dem Bruchteil einer Minute, bevor Ralph Jonathan Wieland auf die Störung durch den weißen Strahl aufmerksam gemacht wurde, sah Romulus Futurus durch das geöffnete Fenster, daß der Krösus eben damit beschäftigt war, eine kleine schwarze Kugel mit Acetylen zu füllen. Er begriff sofort den schändlichenMordplan dieses von Leidenschaften ganz und gar irre geführten Millionärs.

Acetylen war nämlich das neueste, furchtbarste Sprengmittel, das man im dritten Jahrtausend kannte und Acetylengranaten waren bereits bei allen schweren Geschützen eingeführt. Diese Geschosse bestanden aus Holzbüchsen mit Eisenkern, die mit Calcium Carbid gefüllt waren. Unter dem Calcium Carbid lag eine Schicht Phosphatkalium, die, sobald Wasser eindrang, Phosphorwasserstoff bildete, während das Calcium Carbid das Acetylen entwickelte. Sowie der Phosphorwasserstoff mit Luft in Berührung kam, entzündete er sich von selbst und setzte das Acetylen in Brand, das eine furchtbare Flamme entwickelte, daß die größten Wassermassen nicht hinreichen konnten, sie zu löschen.

Ohne Zweifel wollte Ralph Jonathan Wieland das Haus Croftons auf diese Weise in Brand setzen und in die Luft sprengen. Ein teuflischer Plan, den Romulus Futurus in jener Nacht zunichte machte.

Der Millionär drehte sich plötzlich um, erschreckt und verblüfft durch die schmale Lichtflut, die in sein Zimmer drang. Als er mit den Augen ihrer Richtung folgte, da begriff er, daß sie von der Sternwarte ausging.

„Romulus Futurus!“ flüsterte er in höchster Angst und versuchte, die Acetylenbombe zu verstecken und das Zimmer zu verlassen.

Aber er konnte nicht. Grenzenloses Grauen packte ihn.

Ralph Jonathan Wieland sah diese Lichtflut wie ein weißes Band, das kerzengerade von dem Leuchtturm zu ihm herüber glitt. Die Spitze des Scheines bohrte sich inseine Brust und verursachte ihm einen wahnsinnigen Schmerz.

Gerade über dem weißen Band aber, das die rot durchleuchtete Nacht wie ein Dolch durchdrang, lagen die Augen des Erfinders, von schwarzen Rändern umgeben, spitz, drohend, mit einem furchtbaren Glanz ausgestattet. Sie machten den Eindruck von zwei quallenartigen, schlüpfrigen Sternen, die über der milchigen Flüssigkeit schimmerten.

Jonathan Wieland schüttelte sich vor Grauen. Er machte die verzweifeltsten Anstrengungen, sich von diesem furchtbaren Anblick loszureißen. Aber er war nicht imstande, auch nur die geringste Bewegung zu machen.

Inzwischen beobachtete ihn Romulus Futurus mit einem teuflischen Lächeln. Er nahm seine ganze Willenskraft zusammen, legte sie in seine Augen und fesselte Jonathan Wieland in seinen Bann.

Dieser stand in der Mitte seines Zimmers, die furchtbare Bombe in Händen, die durch die geringste ungeschickte Bewegung allein schon zur Entzündung gebracht werden konnte, grün vor Entsetzen, während der schmale Lichtstreifen sich immer tiefer in seinen Körper bohrte und die Schmerzen immer gewaltiger wurden.

Und Romulus Futurus sagte in seiner Sternwarte laut, während er den Kopf zwischen die Schultern steckte und die furchtbaren Augen immer noch unbeweglich über der Lichtflut glitzern ließ:

„Ich will, daß du die Acetylen-Bombe zu Boden fallen lassest!“

Nicht sofort wirkte der auf diese Weise übertragene Wille. Obgleich Jonathan Wieland sich ganz und garim Banne der Hypnose befand, besaß er doch selbst so viel gesunde Kraft, daß er sich zu wehren vermochte, daß er dem furchtbaren Willen seines entfernten Feindes Wiederstand entgegen setzen konnte.

Der aber ließ nicht nach.

„Ich will, daß du die Acetylen-Bombe zu Boden fallen lassest!“ wiederholte er noch einmal eintönig, biß die Zähne aufeinander und bohrte seine Augen in die des Jonathan Wieland. Jener begann zu zittern, während diese furchtbaren schwarzen Quallen über der Lichtflut, vergrößert durch die Gläser, seine Blicke förmlich in sich einsogen, während diese entsetzlichen, gierigen Spinnenaugen des Romulus Futurus den letzten Willen aus dem Körper Wielands bannten und seine letzten Kräfte fraßen.

Und plötzlich stieß der Millionär einen furchtbaren, gellenden Schrei aus und ließ die Bombe fallen.

Die Folge war schrecklich. Das Haus des Krösus stürzte ein und begrub ihn und seine zahlreiche Dienerschaft unter seinen Trümmern. Eine ungeheure Flammensäule schoß augenblicklich in die Höhe und hätte vielleicht halb Berlin eingeäschert, würde nicht das Tekton, ein unverbrennbarer Baustoff, mit dem fast alle Häuser überzogen waren, selbst diesen furchtbaren Flammen einen energischen Widerstand entgegengesetzt haben.

Es gelang der rasch herbeigeeilten Feuerwehr, nach unendlichen Anstrengungen, den Brand zu löschen und die übrigen Häuser vor der Vernichtung zu bewahren.

Von Ralph Jonathan Wieland wurde nichts, aber auch nichts mehr gefunden. Sein Körper war dermaßen zu Asche verbrannt, daß auch nicht die Knochen eines Gliedes übrig geblieben waren.

Und niemals erfuhr man, auf welche Weise dieses entsetzliche Unglück zustande gekommen war.

Die Aufmerksamkeit der Berliner wurde übrigens rasch wieder durch den roten Kometen abgelenkt. Dieser hatte sich nämlich jetzt der Erde soweit genähert, daß man deutlich seine Form und Gestaltung erkennen konnte.

Die Deutschen aber hatten kaum mehr Zeit, sich mit dem neuen Gestirn zu beschäftigen; denn der Krieg zwischen der deutschen Nation einerseits und den Engländern und Franzosen andererseits stand bevor. Eifrig wurde gerüstet. Und ungeheure Mengen von Munition wurden an den großen Kriegshäfen Wilhelmshafen und Kiel aufgestapelt.

Die Armee trat unter Waffen.

Romulus Futurus nahm an diesen Vorgängen wenig Anteil. Er erkannte sehr richtig, daß die plötzliche Kriegsleidenschaft zwischen den Nationen ebenfalls nichts weiter als eine Folge des roten Lichtes war, das dieser Unglückskomet ausstrahlte. Und doch wollte es Romulus Futurus scheinen, als ob die Schnelligkeit, mit der der Komet sich bisher der Erde genähert hatte, abnahm. So arbeitete der große Astronom in aller Ruhe an seinen Problemen weiter. Er empfand nicht die geringsten Gewissensbisse über sein nächtliches Verbrechen und kam mit Frau Fabia kaum mehr in Berührung. Und doch war es eigentlich nur der rote Komet, der das Schicksal des Romulus Futurus in die seltsamsten Bahnen trieb.

In sein Leben trat nämlich ein neues, merkwürdiges Ereignis. In dem Hause befand sich ein großer Saal, in dem die Bilder seiner Ahnen hingen. Dieser Raum, dermit einer riesigen Bibliothek in Verbindung stand, war der Lieblingsaufenthalt des Astronomen; hier hing auch in der Mitte der Wand in goldenem Rahmen sein Jugendbildnis. Das ihn als dreißigjährigen Mann darstellte, als er Fabia zur Gattin genommen hatte.

Das lag acht Jahre zurück. Oftmals dachte Romulus Futurus, der ein Philosoph war, darüber nach, ob es wohl Liebe gewesen, was ihn damals zu Fabia getrieben; um sich darüber Aufklärung zu verschaffen, kam er auf die phantastische Idee, durch die „Lumen“-Platte sein eigenes Bild aus damaliger Zeit zu photographieren.

Zu diesem Zwecke also stellte er, um ein möglichst genaues Bildnis zu erhalten, den Apparat nachts in dem großen Ahnensaale auf, gerade seinem Bilde gegenüber, und entfernte am nächsten Morgen die Platte, um sie zu entwickeln.

Da wischte er sich mit der Hand über die Augen, fuhr sich von neuem über die Stirn, als wollte er die Gedanken verscheuchen; ja, er nahm einen Spiegel und hielt ihn über die Photographie, um sich zu überzeugen, ob die Augen ihn nicht trogen.

Aber auch der zeigte dasselbe:

Sein Bild. Es sah nicht viel anders aus, wie das Portrait an der Wand; denn Romulus Futurus hatte damals wirklich einen vornehmen Charakter besessen und keine Hintergedanken gehabt. Doch sein Bild interessierte ihn jetzt nicht weiter. Was ihn zu gleicher Zeit erschreckte und in grenzenloses Erstaunen versetzte, war ein ganz anderer Umstand:

Vor dem Bildnis stand nämlich eine Gestalt.

Es wäre schwer gewesen, sie zu beschreiben, überhaupt genauer anzugeben, wer sie war, wie sie aussah, was sie trug.

Es war ein Weib, das stand fest. Vielleicht sah man es nicht. Aber Romulus Futurus fühlte es. Ihre Gestalt kam nicht über eine nebelhafte Unsicherheit hinaus, und es wäre ein Ding der Unmöglichkeit gewesen, mehr über die Züge dieser Erscheinung zu sagen. Und doch war sie da, hatte unzweifelhaft lange Zeit vor dem Bildnis Romulus Futurus’ gestanden und mit einer gewissen Andacht zu ihm emporgeblickt.

Der Astronom wußte nicht, was er davon denken und halten sollte. Schließlich schrieb er das Ganze seiner überhitzten Phantasie zu, vielleicht auch einem Fehler der Platte selbst, die vorher nicht genügend gegen das Licht geschützt worden war. Um sich Sicherheit zu verschaffen, ließ er es in der zweiten Nacht auf einen neuen Versuch ankommen. Als er aber am Morgen die Platte entwickelte, da zeigte sich das gleiche Phänomen: eine weibliche Gestalt, etwas stärker ausgeprägt, als am Tage vorher, eine Frau von wundervoller Reinheit, mit einem Antlitz von außerordentlicher Schönheit, das Ganze so durchsichtig wie Kristall, unfaßbar, unbeschreiblich.

Romulus Futurus wurde nun von einer quälenden Unruhe erfaßt, die ihn nicht mehr verließ. Da er in seinen Freund John Crofton vollstes Vertrauen setzte, um so mehr, als dieser ihm die Rettung seines Lebens verdankte, so rief er ihn zu sich, bat ihn hinauf in die Sternwarte und zeigte ihm das Bild. Dann weihte er ihn in die Vorgeschichte ein.

John Crofton blickte die Photographie lange an.

„Siehst du dasselbe wie ich?“ fragte Romulus Futurus.

„Ohne Zweifel, mein Freund! Ich sehe eine lichte Gestalt vor deinem Bilde!“

„Ist das nicht sonderbar? Ist das nicht, um verrückt zu werden? Eine Gestalt, die man mit bloßem Auge nicht erkennen kann?“

John Crofton lächelte.

„Die Erklärung, meine ich, ist sehr einfach, Romulus. Diese Gestalt ist kein gewöhnliches Lebewesen, das steht fest. Sonst würde es ihr nicht möglich sein, durch verschlossene Türen und Fenster in den Ahnensaal einzudringen. Ebenso sicher ist es aber, daß sie eine besondere Vorliebe für dich besitzt, sonst würde sie nicht die Nächte vor deinem Bilde zubringen.“

Romulus Futurus, durch diese Auskunft, die seine eigenen Empfindungen und Hoffnungen bestätigte, aufs höchste erregt, ging mit großen Schritten in dem Raume auf und nieder.

„Aber, was ist da zu tun?“ rief er, verzweifelt die Hände ringend.

„Was ist da zu tun, John? Diese Erscheinung erschreckt mich im höchsten Grade, während sie zugleich in den Tiefen meiner Seele etwas aufwühlt, das mich in die größte Unruhe versetzt. Ich muß dieses Phänomen sehen! Willst du mir behilflich sein, John, daß ich einen Zeugen habe und meinen eigenen Augen nicht mißtrauen muß?“

Der Freund nickte.

„Mit Vergnügen, Romulus!“

Die beiden verabredeten also, daß sie in der nächsten Nacht in dem großen Ahnensaale wachen wollten,während Romulus Futurus zu gleicher Zeit wieder seine lichtempfindliche Platte in dem Apparat dem Bilde gegenüber in Bereitschaft setzte.

Sie warteten die ganze Nacht hinter einem schweren Brokatvorhang. Sämtliche Eichentüren waren verschlossen worden. Alle Fenster waren zu; nur das rote Licht des Kometen verbreitete eine traumhafte Helligkeit in dem Saale. Romulus Futurus und sein Freund John Crofton warteten die ganze Nacht bis zum Morgen. Sie sahen nichts, hörten nichts und bemerkten nichts; und Romulus Futurus meinte seufzend:

„Sicherlich haben wir sie durch unsere Gegenwart vertrieben.“ Dann besah er die photographische Platte, während seine Hände in fieberhafter Ungeduld zitterten.

Das Bild zeigte die gleiche Erscheinung wie am vergangenen Tage, nur noch ausgeprägter, so daß man selbst das lange, fließende Haar, das bis auf die Hüften wallte, die feinen Linien des Körpers, der in ein durchsichtiges Gewand gehüllt war, erkennen konnte.

Der Astronom rannte in dem astronomischen Saale auf und nieder.

„Ich muß sie kennen lernen!“ rief er ein über das andere Mal. „Ich muß! Diese Erscheinung gewinnt, ich gestehe es, von Tag zu Tag einen größeren Einfluß auf mich, und ich möchte beinahe behaupten, ich sei von einer rasenden, leidenschaftlichen, entsetzlichen Liebe zu ihr erfüllt!“

John Crofton, der das heimliche Schaudern, das ihm dieses Phänomen verursachte, hinter Frivolitäten zu verbergen suchte, entgegnete:

„Nun, bei einem Manne, der gegen Fleisch und Blut so unempfindlich ist wie du, ist’s nichts Wundersames, wenn er sich in Geister verliebt!“

Das Wort fesselte Romulus Futurus Aufmerksamkeit.

„Geister . . .“ wiederholte er. „Das ist sicherlich nicht das richtige Wort, John. Es handelt sich um keinen Geist, und ich glaube auch nicht, daß die Seelen Verstorbener sich uns auf diese Weise bemerkbar machen können.“

„Wie willst du es dann erklären?“ entgegnete John Crofton verwundert. „Auf alle Fälle ist das eine Erscheinung, die ohne Materie, das heißt ohne Fleisch und Blut ist, sonst müßten wir sie doch mit unseren Augen erkennen. Nur die fabelhaft empfindliche Platte war imstande, das Unsichtbare sichtbar zu machen.“

Das war eine Erklärung, die Romulus Futurus weder befriedigen noch beruhigen konnte.

„Auf diese Weise kommen wir zu keinem Resultate!“ rief er. „Ich will aber wissen, John, wer sie ist! Gib mir einen Rat. Du weißt nicht, welches große Opfer ich für dich gebracht, daß ich dir sogar das Leben gerettet habe. Du staunst? Nun, nimm es an! Jetzt ist der Augenblick gekommen, wo ich von dir einen Gegendienst verlange! Ja, ich bin verliebt! Das ist nicht das rechte Wort! Ich habe ein rasendes, wildes Verlangen nach jenem Wesen, das Nacht für Nacht sich vor meinem Bilde zeigt. Ich muß sie besitzen! Also gib mir ein Mittel! Ein Mittel, John Crofton!“ Und der sonst so vernünftige, ruhige, kühle und gemessene Mann rannte in der Sternwarte auf und nieder, packte seinen Freund Crofton und schüttelte ihn, als wollte er ihn töten.

„Laß mir einige Augenblicke Zeit!“ murmelte John Crofton und ließ sich in einen Sessel nieder. Ihm war ein elender Gedanke gekommen. — —

Seitdem Frau Fabia seine Liebeswerbung so schnell abgewiesen, hatte er einen tiefen und unauslöschlichen Haß gegen die schöne Frau mit sich herum getragen. Von Natur aus ein schlechter, verdorbener Charakter, war seine Leidenschaft für das schöne Weib zu teuflischer Bosheit geworden, und Tag und Nacht dachte er darüber nach, wie er ihr Furchtbares antun könnte.

Aber er fürchtete Romulus Futurus zu gleicher Zeit! Er fürchtete diesen mächtigen, in seinen Leidenschaften unberechenbaren Mann und hatte bislang nichtgewagt, irgend etwas gegen sein Weib zu unternehmen.

Und jetzt gab sich Romulus Futurus in seine Hände! Jetzt verlangte er ein Mittel von ihm, das ihm kein Mensch verraten konnte! John Crofton vergaß vollständig, daß sowohl er wie Romulus Futurus vor einem phänomenalen Rätsel standen. Er dachte nur mehr an Frau Fabia, an seinen Haß, an die Möglichkeit, sich zu rächen, ohne sich selbst strafbar zu machen. Und er hob das bleiche Gesicht mit den dunkel umränderten Augen zu Romulus Futurus, der ihn erwartungsvoll ansah, und sagte:

„Ich wüßte wohl ein Mittel!“

Der Astronom war Feuer und Flamme.

„So sprich denn! Sprich! Mein Gehirn ist zu verwirrt, um selbst einen klaren Gedanken zu fassen. Was ist zu tun?“

John Crofton ließ sich drängen. Er wiegte den Kopf hin und her und tat, als getraue er sich nicht, zu sprechen. Bis Romulus Futurus ihn beschwor,bis er ihm zusicherte, daß er jede Verantwortung tragen würde.

Dann begann John Crofton:

„So viel steht fest: die Platte, die an und für sich eine wunderbare Erfindung bedeutet, hat dir und der ganzen Menschheit neue Wege gewiesen; ungeheuerliche Entdeckungen werden gemacht werden. Nun, diese Gestalt vor deinem Bilde existiert, das ist sicher. Und ohne Zweifel ist es die Seele, der Geist, das vom Körper losgelöste Wesen eines jungen Weibes, das dich leidenschaftlich liebt. Willst du sie gewinnen und besitzen, so mußt du dieses Wesen in einen neuen Körper bannen. Ob das Experiment gelingen wird, weiß ich nicht. Aber es sollte glücken! Du verfügst über fabelhafte Kräfte! Dein Wille ist unermeßlich! Versuche, sage ich!“

Futurus stand von seinem Sessel auf und rannte hin und her.

„Ja, das ist eine Idee! Das ist glänzend! Das ist großartig!“

Plötzlich brach er ab. Er begriff, daß der Vorschlag John Croftons scheinbar unüberwindliche Schwierigkeiten aufwies.

„Aber woher diesen Körper bekommen, John? Was meine Gewalt über dieses Wesen anbetrifft, verzweifle ich nicht. Es wird mir gelingen, die Unsichtbare zum Gehorsam zu bringen! Aber in welchen Körper soll ich sie bannen? Es muß der Leib eines Weibes sein, dessen äußerliche Schönheit mit diesem Wesen harmonieren würde! Ein Weib, das ich anbeten, vor dem ich mich auf die Knie werfen könnte —“

Er brach erschöpft ab. Und John Crofton sagteso ruhig, als handle es sich um, die einfachste Sache der Welt, während in seine Augen ein furchtbarer Schimmer trat:

„Deine Frau!“

Romulus Futurus blieb wie zur Statue erstarrt stehen, seine Augen weiteten sich, seine Lippen bebten.

„Meine Frau . . .“ wiederholte er tonlos.

„Natürlich!“ fuhr John Crofton fort, indem er mit einem eisernen Willen sofort auf das eine Ziel losging, Frau Fabia zu vernichten; denn er glaubte in Wirklichkeit nicht daran, daß Romulus Futurus, den er für einen Narren hielt, in Wahrheit ein so ungeheuerliches Werk vollbringen konnte. „Natürlich deine Frau! Kein anderer Mensch auf Erden würde sich für dieses Experiment eignen! Du liebst sie nicht — du hast es mir ja selbst bereits gestanden, hast oftmals mir dein Leid geklagt! Du fliehst sie und sie grämt sich darüber! Töte sie und banne dieses Wesen in ihren Leib, so wirst du sie lieben können, wie nie ein Weib von einem Manne geliebt wurde!“

Romulus Futurus sprach lange Zeit kein Wort. Er ging auf und nieder, von Zeit zu Zeit vor dem Freunde stehen bleibend und ihn mit furchtbaren Blicken messend. Es dämmerte noch, und der purpurne Schimmer des Kometen flutete durch die Sternwarte.

„Und warum sollte ich es nicht tun?“ schrie der Gelehrte plötzlich hinaus, sich selbst die schreckliche Frage beantwortend. „Sage selbst, warum nicht? Es ist kein Verbrechen! Fabia ist unglücklich, sagst du? Ja, ja, sie ist es! Ich weiß es, ich habe es unzählige Male gefühlt! Ich liebe sie nicht! Aber ich liebe diesesWeib, das ich nicht kenne, das ich nur fühle, bis zum Wahnsinn! Und ich werde Fabia bis zur Raserei verehren, wenn dieses Wesen in ihrem Leibe wohnt!“

„Also!“ entgegnete John Crofton und warf seine Cigarette weg, während seine Augen vor Mordlust glühten . . . . .

Romulus Futurus streckte sich in einen Sessel. Er kreuzte die Beine übereinander, vergrub die Hände in die Taschen und zog den Kopf zwischen die Schultern, während ein feiger Zug sein männlich schönes Gesicht entstellte.

„Ich kann es aber nicht tun!“ flüsterte er.

„Was, Romulus?“

„Ich kann sie nicht töten! Denn es ist klar, daß ich sie erwürgen muß, wenn ich die wesenlose Gestalt in ihren Körper bannen will!“

„Freilich!“ entgegnete John Crofton brutal. „Du wirst sie töten müssen!“

„Nein, nein!“ wehrte Romulus Futurus ängstlich ab. „Ich kann es nicht! Ich bringe es nicht über mich! Aber vielleicht — könntest du —“

John Crofton stand auf. Ueber sein Gesicht huschte ein phosphoreszierendes Leuchten. Seine Augen sanken förmlich in die Höhlen zurück, und seine Lippen bebten vor verhaltener Freude.

„Was meinst du, Romulus?“

Romulus Futurus packte ihn am Arm, zog ihn ganz nahe an sich heran und flüsterte ihm ins Ohr:

„Vielleicht könntest du — sie töten!“

John Crofton riß sich los und tat über die Maßen erstaunt.

„Ich, wo denkst du hin? Ich soll sie töten? Dein Weib? Damit du mir im nächsten Augenblick selbst die Pistole auf die Brust setzest und mich tötest?“

Romulus Futurus wandte jetzt alle seine Ueberredungskunst auf. Er machte John Crofton begreiflich, daß er ihm den größten Dienst seines Lebens erweisen könne. Er bat, flehte, weinte schließlich wie ein Kind. So groß war die eingebildete Macht des unbekannten Wesens über ihn.

Und doch war alles nur die Wirkung des roten Kometen . . . .

Endlich gab John Crofton nach und die beiden Freunde verabredeten, daß sie sich in der kommenden Nacht in der Sternwarte treffen wollten. — —

Es war Nacht.

Die roten Strahlen des Kometen wogten hin und her wie hunderttausend elektrische Lichtzungen. Berlin glich einer Märchenstadt. Himmelhoch ragten die riesigen Häuser empor, mitten hinein in das Meer von Purpur, das das Blut aufregte und die Sinne verwirrte.

Die Stadt war ziemlich leer von Menschen. Der Krieg war ausgebrochen, und die Armeen standen im Felde. In der Nähe von Wilhelmshaven tobte die erste Seeschlacht und bei Bitsch waren die deutschen und französischen Heeresmassen gegeneinander geprallt. Immerhin waren in Berlin noch genug Menschen zurückgeblieben, um jene heimliche, hin und her surrendeund summende Aufregung zu verursachen, die sich allen Ohren aufdrängte. Es waren junge und ältere Leute, die da und dort auf öffentlichen Plätzen sich sammelten, die flüsterten, sich heimliche Zeichen gaben und wieder verschwanden . . . .

Man munkelte von einer Revolution. —

Nie war Romulus Futurus liebenswürdiger gegen seine Gattin gewesen, als am verflossenen Tage. Frau Fabia war glücklich wie nicht mehr seit den ersten Tagen ihrer Ehe.

„Willst du den roten Kometen sehen, Fabia?“ fragte Romulus Futurus abends gegen elf Uhr. Und Frau Fabia antwortete lächelnd:

„Wenn du ihn mir zeigen willst, mein Freund, so werde ich glücklich sein!“

Und sie folgte ihm hinauf in die Sternwarte. Dort herrschte magisches Licht. Romulus Futurus streckte den Arm aus und wies empor zu dem rotschimmernden Ball, der am kaltgrauen Himmel mit schrecklicher Deutlichkeit stand, so groß, so nahe, so drohend, daß man die Empfindung hatte, als müsse er jeden Augenblick herabstürzen, alles unter sich begrabend.

Frau Fabia schauderte.

„Und doch, heute möchte ich sterben!“ flüsterte sie. „Ich habe das größte Glück meines Lebens genossen, denn ich empfand, daß du mich immer noch liebst!“

Romulus Futurus wandte sich betreten ab, gepeinigt von seinem Gewissen. Da ging die Türe im rückwärtigen Raume auf und eine Gestalt trat ein.

John Crofton hatte nicht den Mut gefunden, Frau Fabia so gegenüberzutreten, wie er war. Er trug eine schwarze Maske vor dem Gesicht und einen purpurrotenMantel über den Schultern. Frau Fabia, deren Sinne wirr waren unter dem direkten Einfluß des roten Lichtes, das sie umgab, schmiegte sich ängstlich an ihren Gatten und flüsterte.

„Sage mir, Romulus, wer ist das?“

Romulus Futurus löste ihre Arme fast mit Gewalt von seinem Körper und stieß sie dem entgegen, der eingetreten war. Frau Fabia sah die weißen, gepflegten Hände Croftons, der sich bereit machte, auf sie zuzugehen. Und von unbestimmter Furcht ergriffen, flüchtete sie nach dem anderen Ende der Sternwarte und schrie:

„Rette mich, Romulus, ich fürchte mich.“

Der aber brachte noch mehr Zwischenraum zwischen sich und seine Gattin. Er schlich sich zurück bis zu der kleinen Tür, die der Eingetretene offen gelassen hatte, und huschte hinaus, ohne den Mut zu finden, auch nur einen Blick zurückzuwerfen.

John Crofton war allein mit Frau Fabia. Und nun konnte er ein Schauspiel genießen, auf das sich seine entarteten Nerven bis zu dieser Stunde vorbereitet hatten.

Frau Fabia floh vor ihm wie das geängstigte Tier vor dem Jäger. Sie maß ihn mit scheuen, verwirrten Blicken, während er ihr rund um die Sternwarte herum folgte, angesichts des Kometen, angesichts des Himmels, der dieses schändliche Verbrechen nicht hinderte . . . .

Schließlich, als sie kaum mehr die Kraft fand, sich auf ihren zitternden Füßen zu halten, riß John Crofton die Maske vom Gesicht, warf den Mantel ab und rief mit diabolischem Gelächter:

„Erkennst du mich, geliebte Fabia? Die Stunde der Abrechnung ist gekommen!“

Sie fuhr zurück. Sie klammerte sich an die Wand. Sie schrie mit wahnsinnig klingender Stimme nach Romulus, ihrem geliebten Gatten! Sie schrie um Hilfe; aber niemand half ihr.

Sie stürzte auf die Knie nieder und flehte diesen Schurken um ihr Leben an, aber er dürstete nach ihrem Blute.

Sie sprang noch einmal auf, floh rund um den Raum, streckte wie hilfesuchend ihre Arme nach dem Gestirne aus — in diesem Augenblick hatte John Crofton sie erreicht und die letzten Worte der Unglücklichen erstarben in der Anrufung des roten Kometen, von dem sie Hilfe, von dem sie Vergeltung forderte.

John Crofton hatte sich auf sie geworfen und seine Finger in ihren Hals gekrallt. Er ließ sie nicht mehr los, bis das letzte Leben aus ihr entflohen war.

Dann wandte er sich, halb von Schauder, halb von Freude überwältigt, ab, taumelte zur Tür und rief nach Romulus Futurus. Der kam. Er warf nur einen entsetzten Blick auf die Leiche. Dann hob er sie mit Hilfe John Croftons auf.

Und die beiden Verbrecher trugen den entseelten Körper nach der Galerie.

Von den Straßen herauf tönte jenes eigentümliche, surrende Geräusch, das das Zusammenströmen großer Volksmassen verkündet. Dann und wann hörte man den verlorenen Ton einer lauten schreienden Stimme. Dazwischen Johlen, Händeklatschen und Pfeifen.

In der Ferne ein Trommelwirbel.

Ganz Berlin befand sich in Aufruhr; aber die beiden Männer, die zwischen sich den entseelten Körperder Frau Fabia trugen, achteten auf nichts. Romulus Futurus befahl seinem Freund, den Leib Fabias gerade unter sein Bild zu legen.

Er hatte sich eine kunstreiche Konstruktion erdacht, um die geheimnisvolle Gestalt in dem Augenblicke sehen zu können, da sie sich auf der „Lumen“-Platte abbildete. Während er nämlich unter seinem Bild einen starken Reflektor anbrachte, wartete er, indes er einerseits zu dem Spiegel, andererseits zu dem photographischen Apparat in einem rechten Winkel stand. Gleichzeitig legte er sich zwei äußerst lichtempfindliche Gläser, die alles in riesiger Vergrößerung spiegelten, über die Augen.

So verharrte er regungslos, während das Toben auf den Straßen allmählich verstummte; denn man hörte weit in der Ferne den Schritt der herannahenden Bataillone.

Während der Gelehrte also halb ängstlich, halb voll wahnwitzigen Hoffens seine Augen fieberhaft auf den Reflektor heftete, der die Gestalt in dem Augenblick spiegeln sollte, da sie auf der lichtempfindlichen Platte erschien — Romulus Futurus konnte also ganz einfach die Platte in dem Spiegel erblicken; denn das Wesen selbst war ja für das Auge nicht sichtbar — während er beide Hände gegen das wildpochende Herz preßte, um es gewaltsam zur Ruhe zu zwingen, hatte sich John Crofton mit einem hämischen Lächeln in einen Sessel geworfen.

„Zu dumm,“ dachte er. „Dieser Narr glaubt, er könne das Unmöglichste vollbringen! Sind die Menschen nicht wirkliche Hampelmänner, die sich an den Schnüren unseres Willens bewegen und drehen, wie wir es wollen, wenn wir nur erst die Kraft dazu haben?

Romulus hat mir das Henkergeschäft über sein Weib übertragen; er wird nie das Recht und die Fähigkeit besitzen, mich zu bestrafen.“

Inzwischen aber wurden die Gedanken John Croftons abgelenkt. Er sah in der grellroten Helle, die durch das Fenster drang, wie Romulus Futurus plötzlich in ungeheure Aufregung geriet. Er sah es an dem Spiele der Gesichtsmuskeln. Draußen stand, riesengroß, eine gewaltige Kugel, der Komet.

Romulus Futurus hatte die Gestalt erblickt. In dem Augenblick, da sie unter sein Bild getreten war, hatte die lichtempfindliche Platte sie festgehalten, und diese spiegelte sich nun in dem Reflektor, der das Bild in die Augen des Astronomen zurückwarf.

Futurus richtete sich hoch auf. Ohne ein Wort zu sprechen, zog er seinen ganzen Willen, all seine Energie und innere Macht in seine Augen und blickte das schemenhafte Wesen an.

Da wandte dieses sich um und drehte ihm das durchsichtige Gesicht zu, dieses wunderschöne Antlitz, das er nur fühlte, aber nicht sehen konnte.

Und sagte, während seine Stimme dumpf klang, als käme sie aus weiter Ferne:

„Wer du auch sein mögest, ich befehle dir, mir zu gehorchen!“ Er bemerkte deutlich, daß etwas wie Schrecken die Gestalt erfaßte. Sie sah ihn starr an, offenbar unfähig, den Blick von ihm zu wenden, ohne daß Romulus Futurus eigentlich ihre Augen sehen konnte, und er fuhr fort, triumphierend über den schnellen Sieg, den er errungen hatte.

„Ich befehle dir, in diesem Leib Wohnung zu nehmen!“

Mit diesen Worten deutete Romulus Futurus halb auf den Leichnam seiner Gattin Fabia, halb hob er beschwörend die Hände und beschrieb die magischen Zeichen über der seltsamen Gestalt.

Sie gehorchte nicht sofort. Es war wie ein stummer Widerstand, den sie dem gigantischen Willen des Gelehrten gegenübersetzte. Aber der ließ nicht nach.

In dem Augenblick, da er das schemenhafte Wesen wieder erblickt, war auch seine namenlose Leidenschaft gewachsen, und mit einem Willen, der stärker war als alles Menschliche, wiederholte er noch einmal den Befehl, während die Gestalt, von unwiderstehlicher Macht angezogen, sich immer mehr dem Körper der Frau Fabia näherte. Und schließlich gab sie den Widerstand auf. Aber es war Romulus Futurus, als ob das geisterhafte Wesen eine unendliche Traurigkeit zeigte — im nächsten Augenblick war es zerflossen wie nichts, und der Astronom sah nur mehr einen schwachen Nebel, der in der purpurroten Nacht verschwand.

Gleichzeitig sank er selbst erschöpft, mit hämmernden Pulsen in einen Sessel zurück.

In großen Tropfen stand der Schweiß auf seiner Stirn.

John Crofton aber, der alles gehört, doch nichts gesehen hatte, war halb von seinem Sitze aufgestanden, streckte den Kopf vor und lauschte mit zitterndem Atem.

Plötzlich regte sich Frau Fabias Körper.

John Crofton riß die Augen weit auf. Er wollte, er konnte es nicht glauben! Namenloses Entsetzen erfaßte ihn. Hatte er sie denn nicht mit eigenen Händen erwürgt? War es möglich, daß noch Leben in ihr war? Stehen denn die Toten auf, um sich an den Lebenden zu rächen?

Indem er die Beine an sich zog und sich zitternd in dem Sessel barg, starrte er zu Frau Fabia hinüber.

Sie erhob sich langsam von der Erde, mit jener müden Bewegung, die die zeigen, welche eine lange Reise gemacht haben, glättete das seidene Kleid und sagte, unfähig, im ersten Augenblicke die zwei Männer zu erkennen, die tief im Schatten saßen:

„Wo bin ich?“

Plötzlich aber schien ihr eine unbestimmte Erinnerung zu kommen, eine Erinnerung, die wenig mit der Wahrheit zu tun hatte und die sich nur dem Augenblicke anpaßte.

„Ganz recht!“ murmelte sie lächelnd, indem sie die schweren, dunklen Haarsträhnen aus der Stirne strich. „Ganz recht! Ich bin in den Ahnensaal getreten und habe vermutlich dein Bild betrachtet, Romulus; dabei hat mich der Schlaf übermannt. Wie lächerlich das ist!“

Und sie ging auf Romulus Futurus zu, der sie im ersten Augenblick wie etwas Furchtbares anstarrte. Dann aber sprang er auf, eilte ihr entgegen, schloß sie in seine Arme und preßte sie an sich.

„Nicht war, du liebst mich? Du liebst mich rasend, wie immer? Du wirst nie von mir gehen? Wir werden ewig in die Sonne unserer Liebe wandeln?“

Sie schlang die weißen Arme um seinen Hals und flüsterte:

„Habe ich dich nicht immer geliebt? Wohl ist es mir, als ob wir uns heute zum erstenmal sähen. Aber dein Bild war immer bei mir!“


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