Usambara besteht, geographisch genommen, aus dem Bergland, dem eigentlichen Uschamba der Eingeborenen, aus der Nyika- und Bondei-Ebene und der Küstenniederung zwischen den Flüssen Umba und Pangani.
Das Gebirge, mit einer durchschnittlichen Erhebung von 1400 m, ist von Granit und Gneis gebildet. Es dacht sich von Norden nach Osten und Süden ab, von den Höhen von Mlalo (1560 m) in breiter Linie nach denKombola-undHandei-Bergen(1200 und 1350 m), und entsendet als Ausläufer die Höhenkette vonMagila(1050–624 m), denPambiliundTongwe(600 und 715 m) in die sanft nach Osten geneigte, gewellte Ebene von Bondei, welche mit vom Wanga bis Pangani ansteigender Uferhöhe den Indischen Ocean begrenzt.
Die Gestalt der Berge ist größtentheils steile Kuppelform, eng aneinander gedrängt und zahlreiche tiefe Schluchten umschließend; im Westen, von Wuga bis Mbaramu, lagern sich kesselförmige Mulden zwischen die einzelnen Höhen; breite Thäler findet man allein an den Ufern des Luengera und des Sigi. In jähem Absturz fällt das Gebirge in das Thal des Mkomasi und in die Ebenen im Norden und Osten hinab, während es zum Pangani in sanfteren Böschungen sich senkt.
Die Hauptwasserscheide liegt an dem Nordostrand; hier fließt der Umba mit seinen Nebenflüssen und in entgegengesetzter Richtung derLuengeramit demKumba.
Eine zweite Wasserscheide befindet sich in der südöstlichen Ecke, in den Bergen von Handei; es ist das Quellgebiet desSigi.
Von den Vorbergen im Osten bei Magila entspringen derUdofuundUkumbine.
In nahezu parallelem Laufe scheiden der Umba im Norden und der Pangani im Süden das Gebirge von den anstoßenden Ebenen. Im Westen bewirkt die weitausgedehnte Thalsenkung des Mkomasi die Trennung von der Berglandschaft Pare.
Unsere Kenntniß von den Witterungs- und Temperaturverhältnissen Usambaras beschränkt sich auf die lückenhaften Berichte einzelner Reisenden. Unser Wissen ist daher vorläufig noch Stückwerk.
Die große Regenzeit beginnt im Gebirge schon Mitte Februar und endet mit geringen Regenfällen im Laufe des Monats Mai. Die Trockenzeit wird durch vereinzelte Niederschläge im Juli und August unterbrochen. Die kleine Regenzeit setzt im November für kurze Zeit ein; der December ist trocken, im Januar gibt es häufig Gewitter. Der trockenste Monat dürfte der September sein.
In Bondei scheinen sich Regen- und Trockenzeit auf die gleichen Monate wie in Sansibar zu vertheilen.
Ueber die Temperaturverhältnisse besitzen wir durch die sorgfältigen Aufschreibungen Burton’s und des Lieutenant Kurt Weiß einige werthvolle und positive Anhaltspunkte zur Beurtheilung der Wärmeschwankungen im Pangani- und Mkomasi-Thal und auf den Höhen von Wuga während der Monate Februar und Mai und Anfang Juli.
In der nebenstehenden Tabelle sind sie nach der Einheit des Orts und der Tageszeit zusammengestellt und ist das Monatsmittel der Temperatur von Sansibar um dieselbe Stunde zur Vergleichung vorangesetzt.
Temperaturen in Usambara
nach den Beobachtungen von Burton im Februar 1857 und von Lt. Kurt Weiß im Mai und Juli 1885.
OrtHöhe über dem Meer in mTageszeitR.°vom 4.-17. Febr.vom 11.-31. MaiAnfang JuliSansibar—6hNm.22,220,719,7Pangani-Thal.Stadt Pangani—„24,4——Tschogwe88„282016[3]Tongwe (Station)263„20,818,815,2[4]Westl. Tongwe[5]368„29,718,416,8Kohodeca. 400„28,419,2—Maurui436„26,518,416,8Mkomasi-ThalTarawande?„2119,2—Wugaca. 13506hN. u. 11hV.1813,6—bei Mombo?6hN. u. 3hN.25,716,816,8Masindi5126hN.—18,416,4Mkumbara493„—18,4—Die Mitteltemperatur in Usambara(unter Ausschluß von Wuga).—6hN.25,518,7—
Aus diesen wenigen Zahlen lassen sich ein paar sichere Schlüsse ziehen:
Die Abnahme der Temperatur von Februar bis Juli, also der Wechsel zwischen einer heißen und kühlern Zeit, macht sich in Usambara um vieles bemerkbarer als in Sansibar.
Die Erhebung über dem Meere bis zu 500 m bringt im Juli einige, im Mai sehr geringe Minderung der Temperatur, im Februar sogar eine Steigerung. Auf den Höhen von 1300 und mehr Metern aber weht eine frischere Luft als in den Thälern und in Sansibar.
Ergänzende Auskunft gewährt die nächste Tabelle. Wenn sie auch nur einmaligen und auf kurzen Zeitraum beschränkten Beobachtungen entnommen ist, so bietet sie doch manche interessante Andeutungen über den wahrscheinlich herrschenden Temperaturcharakter.
Temperatur- und Wetterbeobachtungen in Usambara
von Lt. Weiß im Mai und Juli 1885.
Bemerkung: Morgens zwischen 6 und 8 Uhr, mittags zwischen 12 und 4 Uhr, abends zwischen 6 und 8 Uhr.
OrtMonatR.°WettermorgensmittagsabendsTschogwe11. Mai19,221,620Regen.„12. „19,42120Trüb.„13. „17,2——Regen.Kitiwu13. „—23,421,6Schön, dann trüb.„14. „18,4——Schön.Lewa14. „—22,419,2Schön, dann trüb.„15. „19,225,618,8Trüb, dann schön.„16. „18,4——Schön.Fungo16. „—24,418,4Schön.„17. „16,8——Schön.Sangarawe17. „—2418,4Schön, dann trüb.„18. „16,4——Trüb.Mgumi18. „—2219,2Trüb.„19. „17——Trüb.Maurui19. „—2018,4Trüb.„20. „16,8——Schön.Tarawande20. „—21,616,8Schön.„21. „13,624,819,2Schön.„22. „18——Schön.Wuga23. „—13,6—Schön.Tarawande25. „—16,8—Regen.Masindi29. „——17Regen.„30. „16,22218,4Regen.„31. „17——Trüb.Mkumbara31. „—21,618,4Trüb, dann schön.Masindi2. Juli——16,4Trüb.„3. „15,6——Trüb.Mombo3. „——16,8Trüb.„4. „15,2——Regen.Maurui4. „——16,8Trüb.„5. „16——Regen.Mgumi6. „16,4——Trüb.Sangarawe6. „——16,8Trüb.„7. „16——Trüb.Fungo7. „——15,2Trüb.„8. „14,8——Trüb.Kitiwu8. „——16Schön.„9. „15,6——Schön.
Folgende Behauptungen lassen sich darauf gründen:
Die Minderung der Hitze vom Februar bis Juli offenbart sich vornehmlich in den Morgenstunden:
MorgensMitteltemperaturimFebruar(nach Burton): 24° R.„„„Mai(nach Weiß): 17,8°„„„Juli(nach Weiß): 15,6°
Im Vergleich mit Sansibar steigert sich die Wärme in Usambara von Morgen bis Mittag im Mai fühlbarer; am Abend ist es in beiden Gegenden im Mai und Juli um nicht ganz 1° R. gleichmäßig wärmer.
MaiJulimorgensmittagsabendsmorgensmittagsabendsSansibar19,521,220,71820,319,7Usambara17,82218,715,6—16,2
Das Wetter verändert die Temperaturen kaum merklich.
morgensmittagsabendsInUsambarabeischönemWetterimMittel17,423,318,3„„„trübem„„„17,721,119,4
Der bedeckte Himmel schwächt etwas die Mittagshitze; die sporadischen Regen kühlen die Luft nicht ab.
Die Beschaffenheit desBodensentspricht zum Theil den Bedingungen der Fruchtbarkeit. Der mit Feldspath durchsetzte Gneis verwittert auf den Gipfeln und Kämmen sehr leicht und überzieht sie in diesem ersten Stadium als poröse rothe Erde mit einer wenig fruchtbaren Decke. Abschwemmende Regen und zahlreiche Bäche zerreiben an den schroffen Abstürzen das grobkörnige Material und setzen es bei stufenweis zunehmender Fruchtbarkeit um in graurothe Erde an den Hängen, in Humus in den dichtgeschlossenen Wäldern und in schwarze Erde in den breitern Thalgründen. Wo die aufgelösten Thontheile zum Stillstand und zum Niederschlag als compacte, abflußlose Masse gezwungen werden, da bildet sich dunkelschlammiger Sumpf.
In großen Zügen betrachtet, zeichnen sich demnach durch Fruchtbarkeit aus die breiten Thäler und die sanfter geneigten Böschungen der Berge, in hohem Grade das unmittelbar dem Gebirge vorgelagerte Hügelland von Bondei und das hochgelegene, muldenförmige Plateau von Wuga. Unfruchtbar erscheinen alle Strecken, auf denen die verwitterte rothe Erde ungestört liegen bleibt, so auf den höchsten Kuppen und auf den weitausgedehnten Flächen der Umba-Ufer; endlich jene vereinzelten Streifen von Fluß- und Bachrändern, an denen die schwarze Erde zu moorigem Grunde sich verdichtet.
DieVegetationist eine tropisch gewaltige. Zu mächtiger Höhe empor schießen in den geschlossenen Regenwäldern die Areca-, Fächer-, Dum- und Raphia-Palmen, die Kopal- und Teakbäume, Gummi-Akazien, Tamarinden, Bambusen und baumartige Farrn. Ein eigenthümliches Gepräge verleiht der in massenhaften Beständen auftretende Wollbaum. Gummilianen und andere Schlinggewächse von mehr als doppelter Armesstärke schwingen sich von Stamm zu Stamm, von Ast zu Ast. Der Waldgrund bleibt oftmals ganz frei von Gestrüpp. Leichte Savannenwälder von Palmen und Akazien stehen aufdem graurothen Boden der Thäler und auf dem langgestreckten Bergrücken des Nordrandes, westlich vom Luengera.
Die Kokospalme gedeiht in reichlicher Menge in dem ganzen Küstengebiet, den Pangani aufwärts bis Maurui und im Thal des Mkomasi bis Masindi. Die bis in das höchste Gebirge verbreitetste Pflanze ist die Banane; sie liefert Erträgniß in ganz besonderer Fülle. An vereinzelten Stellen, aber in Massen, blühen der Mango- und der Melonenbaum und in Bondei wildwachsend die Baumwollstaude.
Wo Feuchtigkeit der lockern porösen Erde fehlt, da spreizen einsam in der Steppe oder auf den Bergrücken stehende Baobabs ihre gigantischen Aeste zu einem Schutzdach aus, da drängen sich baumgroße Euphorbien und Aloën zu dornigem Dschungel zusammen oder es unterbrechen die fahlfarbigen Mimosen und Eriken gebüschweise das brennende Roth des Bodens.
Futtergras im Innern des Gebirges und am mittlern Lauf des Pangani ermöglicht die Zucht großer Rinderheerden. Außer Korn, Hirse, Mais, Reis und Maniok, welche in der Tiefebene auch zum Exportproduct werden, baut der Msambara einen scharfen, doch angenehm riechenden Taback, der selbst auf dem Markte von Sansibar als verkaufsfähig gilt, und er pflanzt, selbst in den hochgelegenen Gebirgsmulden, das Zuckerrohr. Dies liefert auch den großen arabischen Plantagen am untern Pangani ergiebige Ernten.
Kaum dürfte unter den Tropen ein Land sich finden, das in zoologischer Beziehung so armselig an Menge und Gattungen wäre als Usambara und Bondei. Lautlos sind die ewig schattigen Bergwälder am Handei, lautlos die Nyika-Ebene; nur hie und da durchstreifen Hyäne, Schakal und Leopard die ersteren und Löwen und Antilopen die letzteren. Schlangen und selbst die Mosquitos fehlen. Ein reicheresLeben entfaltet sich am Pangani und in den üppigen Fluren im Vorland der Magila-Kette: da gibt es Webervögel, Lerchen, Drosseln, Habichte und Elstern, Kukuke und Papagaien. Alle Flüsse wimmeln von Krokodilen; weniger häufig trifft man das Flußpferd. Zum Glück für die Rindviehzucht hat die Tsetsefliege, hier Donderobe genannt, noch nicht den Weg aus der Umba-Ebene in das Gebirge gefunden. Eine Lebensplage dagegen sind die verheerenden Ameisenzüge.
Von der Küste leiten vier Flußläufe nach dem Innern des Landes: der Pangani, der Ukumbine mit dem Udofu, der Sigi und der Umba.
Der Pangani (auch Ruvu oder Rufu) entsteht aus der Vereinigung des Jipe-Flusses und des Weriweri, welche mit zahlreichen Bächen in dem Kilimandscharo-Gebirge entspringen. Südlich von Klein-Aruscha (730 m ü. d. M.) durchströmt er eine Strecke von mehr als 300 km in felsigem Bett, meist mit schlammigen Uferrändern, im Oberlauf durch das breite steinige Thal zwischen den Pare- und Sogonoi-Bergen, im mittlern und untern Theil durch eine wechselnd fruchtbare Ebene, welche am linken Ufer rasch zum Usambara-Gebirge sich erhebt und am rechten in die Hochfläche von Useguha übergeht. Bei Kisunga (ca. 60 km von der Küste) bildet er einen weithin dröhnenden Wasserfall. Seine Breite wird angegeben bei der Furt südlich Aruscha mit 96 m, bei Kohode mit 72 m, bei Tschogwe mit 150–200 m, an der Mündung mit 1500 m. In der Regenzeit überschwemmt er die ganze Thalsohle. Er ist im allgemeinen seicht und reißend und deshalb nur bei steigender Flut bis Tschogwe (ca. 40 km) für flachgehende Boote schiffbar.
An seiner Mündung liegt die StadtPangani. Sie liegt auf dem flachen, sumpfigen Strande an dem frühern Delta des Flusses und besteht aus etwa dreißig steinernen Häusern, darunter die Wohnung des Wali, das Zollgebäude, eine Moschee, und aus einigen hundert einfacher Strohhütten. Die winkeligen, unregelmäßigen und kothigen Straßen sind unter einem Hain von Kokospalmen versteckt. Das Trinkwasser ist schlecht, der Aufenthalt überhaupt sehr ungesund. Gegen 5000 Einwohner (Araber, Inder und Suaheli mit ihren Sklaven) bewohnen den Ort, da er ein bedeutender Ausgangspunkt für die Karavanen nach Usambara und dem Masai-Land auf dem nördlichen und nach Useguha und Nguru auf dem südlichen Flußufer ist. Zu Burton’s Zeit betrug die Ausfuhr an Elfenbein 1750 kg und an Rhinoceroshörnern 875 kg; auch Korn, Mais und Zuckerrohr wurde exportirt.
Pangani hat keinen Hafen und ist schwer zugänglich. Die Rhede liegt 1½ Stunde seewärts. Die Mündung des Flusses wird durch eine Barrière von Korallen und Sandbänken gesperrt; durch diese führt ein enger, 2½ m tiefer Kanal, nur für geringere Fahrzeuge benutzbar.
Die Stadt wird unmittelbar im Westen von dem bewaldeten Terrassenrand überragt; am nördlichen Flußufer erhebt er sich zu 50 m mit Kokos- und Areca-Palmen; am südlichen, über steile, gelbe Sandsteinwände empor, bis zu 120 m. Hier oben steht die arabische Niederlassung Bueni zwischen Plantagen von Palmen, Melonenbäumen, Bananen und Zuckerrohr.
Bis Tschogwe reichen auf der rechten Höhe und in der Thalsohle die schön gehaltenen Pflanzungen der Araber.
Auf der entgegengesetzten Seite breitet sich ein schmales Band von Reis- und Bananenfeldern aus und daran grenzt ein weitausgedehntes trockenes Savannenland, das hier und da von Baobabs und Dumpalmen und in größerm Umfang von dichtem Akazien- und Euphorbiengestrüpp unterbrochen wird. Es ist dies die LandschaftMadanga; sie erstreckt sichetwa 20 km weit bis Makumba und geht weiter nördlich in die Nyika-Steppe über.
BeiTschogwe(88 m) trifft man auf den ersten Ansatz des Hauptgebirges, auf den Berg von Tongwe (715 m). Die Umgegend soll noch am Ende der vierziger Jahre gut angebaut gewesen sein, bis sie durch die vom südlichen Ufer heranstürmenden Waseguha verödet wurde. Hang und Gipfel bedeckt ein fast undurchdringliches Dschungel, vermischt mit wilden Orangen und Kokospalmen, während saftiges Gras, genährt durch eine frisch sprudelnde Quelle, den welligen Fuß bekleidet.
Südöstlich vom Tongwe-Berg befindet sichLewa(263 m) mit der ehemaligen Station der Ostafrikanischen Plantagengesellschaft. Es war eine vielversprechende Anlage. Zwischen drei flachen Hügelketten von braunrothem Boden waren 400 Morgen urbar gemacht worden, welche im September 1888 eine reiche Ernte von 700000 Stück Tabackpflanzen erwarten ließen. Fließendes Grundwasser sicherte für das ganze Jahr die nöthige Feuchtigkeit.
Zwischen Lewa undSangaraweführt der obere Weg durch eine ungefähr 25 km lange, theilweise dornige, theilweise von hohem, hartem Gras überwucherte Strecke. Nach dieser beginnt eine anbaufähige und stellenweis gut cultivirte Gegend, welche bis westlich von Korogwe reicht.
Die Kämme der flachen Hügel der Thalsohle sind mit unfruchtbarer röthlicher Erde bedeckt; an den Abdachungen und in den Senkungen gedeihen auf graurothem Boden Maispflanzungen und vortreffliches Wiesengras. Man begegnet stattlichen Rinderheerden.
BeiMgumi(365 m), kurz vor Korogwe, mündet der im Norden auf dem Lutindi entspringendeLuengera. Mit diesem vereinigt sich im obern Lauf derKumba, welcher durch mehrfach sumpfige Gründe den Tropenwald der Kombola-Berge von dem steppenartigen Nordostrand des Hochlandes scharf abtrennt. Der Luengera fließt als ein ruhiges Wasser durchein breites, früher cultivirtes, jetzt durch Kriegszüge entvölkertes Thal, dessen Sohle Savannenwald und hohes Gras bedeckt. Von Mgumi zweigt ein steiler Pfad durch die Berge nach Wuga ab.
Korogwe(früher Station) liegt auf einem Laterithügel, der sich bis zum Fluß in einer 700 m breiten, gewellten Ebene von braunrother Erde abflacht. Das Dorf gleichen Namens befindet sich auf einer Insel. Am Südufer steigt aus der schlammigen Ebene allmählich das vegetationsreiche Plateau von Useguha empor. Bei Lutyomo (Luchomo), 25 km aufwärts, befindet sich ein beide Ufer verbindender Uebergang. Am nördlichen Ufer (15 km von Korogwe) verwandelt sich nach und nach der Wiesen- und Ackerboden in unfruchtbare Steppe. Ein schmächtiger Savannenwald mit niedrigem Mimosengebüsch fristet ein kümmerliches Dasein dem Fuß der Mafi-Hügel entlang. Der letzte Rest grüner Vegetation hat sich an die Ränder des Flußbettes zurückgezogen.
Bei dem auf einer Insel gelegenenMaurui(436 m) vereinigt der im Pare-Gebirge entspringendeMkomasisein träges, grün-gelbliches Sumpfwasser mit dem des Pangani. Sein linkes Ufer begleitet zuerst die isolirte Masse des Dassa-Berges und dann die jähen Felsenabstürze des Hauptgebirgsstockes, während sein rechtes Ufer die niedrigen, wahrscheinlich vulkanischen Höhenreihen von Mafi (Yermandia) begrenzen. Er steht mit demManga-See, vermuthlich nur während der Regenzeit, in Verbindung. Dieser, 7 km lang, 6 km breit und 3–5 m tief, hat untrinkbares, brakisches Wasser; dürftiges Grün umgibt ihn. Heerden von Antilopen beleben die von den dolomitartigen Zacken der Usambara-Berge und von dem langgestreckten Pare-Gebirge umrahmte Gegend. Culturfähig ist das Thal des Mkomasi am Fuß der Berge; beiTarawandeaber versumpft es auf eine stundenlange Strecke.
Schmale Streifen reicherer Vegetation erwecken die rauschenden Gebirgsbäche bei Masindi und Mombo.
Masindi(512 m), mit der etwas höher gelegenen Residenz des Häuptlings Sembodja, war früher ein bedeutender Handelsplatz, in dem die Wakuafi des Nordens sich mit den Leuten von Pangani begegneten. An der nordöstlichen Ecke des Gebirges, auf den Vorstufen der höchsten Erhebung, haben sich viele Dörfer eingenistet, darunter das größteMbaramu(488 m) mit 56 Hütten, eine grünende, von Wald und von den Zuflüssen des Umba, dem Mbaramu-Bach und Tëue, umgebene Raststätte der Reisenden.
Von Tarawande, Mombo oder Masindi gelangt man auf ungemein beschwerlichem, doch von erfrischenden Quellen begleiteten Bergpfad zu dem Hauptort des westlichen Usambara,Wuga(1350 m nach Burton, 1410 m nach New, 1209 m nach Lt. Weiß), in frühern Zeiten (unter Kimweri I.) der Hauptort von ganz Usambara.
Die Landschaft ist durchaus verändert. Eine kühlere Luft weht selbst im heißen Februar über die gewellte Fläche; frei ist der Umblick, den Pangani hinab, nach den Ebenen von Useguha und hinüber zu den fernen Bergen von Pare; im Norden schließen die nahen felsgekrönten Häupter von Mlalo, der Watëue und Schegeserai (2000 m), den Horizont ab. Röthlicher Boden mit sammtartigem Gras, mit Farrn und Eriken überdeckt die kesselartigen Mulden; dazwischen lagern sich, von rieselnden Bächen befeuchtet, Felder von Taback, Bananen und Zuckerrohr. Der Boden enthält nach Dr. K. W. Schmidt 48,3% Sand und 50,7% thonhaltigen Staub, Phosphorsäure 0,35% und Humus 6,33%; er wäre demnach auch zur Kaffee- und Cacaokultur geeignet. Waldlos erstreckt sich die hauptsächlich als Weideland benutzte Gegend: nach Osten gegen den Luengera, im Norden nachKwambuguundMlalo. Den Nordostrand des Gebirges begleitet ein weniger fruchtbares, gering bevölkertes Steppenland bis zu den kahlen Gomeni-Bergen und den Quellen des Kumba. Unmittelbar südlich, in der Richtung des untern Laufes des Luengera,öffnen sich in kurzer Entfernung schluchtartige Thäler mit hohen Felswänden.
Der FlußUkumbine, welcher in die Tangata-Bai bei Tongoni mündet, und derUdofu(Mkulumusi), welcher sich in die Bucht von Tanga ergießt, entspringen in den zwei Tagemärsche von der Küste entfernten Vorbergen. Beide Flüsse sind nicht schiffbar. Der Ukumbine trocknet in den heißen Monaten ein, der stürmische Udofu überschwemmt in der Regenzeit ringsum das Land. Der Boden, unmittelbar an der Küste schlammig, erhebt sich langsam zu einigen gutbebauten Gefilden; er wird, in die Nyika-Ebene eintretend (60 m ü. d. M.), zu einem unregelmäßig breiten Streifen von Savannenwald und dornigem Dschungel, der in gleicher Beschaffenheit sich südlich bis nach Madanga fortsetzt. In der Höhe vonUmba(150 m) verwandelt er sich in ein kalkhaltiges, mit marinen Fossilien vermengtes, welliges und äußerst fruchtbares Terrain. Kokoswälder, Korn-, Reis-, Bananen- und Zuckerrohrpflanzungen überdecken das Land. Versteckt in vereinzelten Waldungen liegen die Dörfer. Das Gebirge steigt jählings empor: der isolirtePambili(600 m) und die zusammenhängende, mit Gehöften übersäete Kette der bewaldeten Höhen von Magila, mit dem FelsendomMlinga(1050 m), mit demKituli(930 m) und mit den südlichsten Spitzen, demManga(590 m) undMgambo(660 m).
Am Fuße der letztern steht die englische MissionsstationMagila(180 m ü. d. M.) in quellenreicher Gegend mit ausgedehnten Reisfeldern in den tiefern Mulden. Hier ist auch der Herrschersitz Kibanga’s, des Häuptlings von Süd-Usambara.
Das Gebiet, welches der Ukumbine und der Udofu durchströmen, ist die durch keine Grenzen bestimmte LandschaftBondei. Nicht nur durch Wasserreichthum, sondern auch durch vortreffliche Bodenbeschaffenheit wird sie zu den üblichen Culturenund zum Plantagenbau begünstigt. Der Boden besteht nach Dr. K. W. Schmidt aus sehr feinkörnigem lehmigen Sand und reichlichem Humus (63,9% Sand, 35,6% thonhaltiger Staub, 0,17% Phosphorsäure und 2,61% Humus).
Der Ausfuhrhafen dieses gesegneten Landstrichs ist dieTangata-Bai. Sie wird durch die Insel Karangi, durch Riffe und Sandbänke vor Seestürmen geschützt. Der mündende Ukumbine hat einen tiefen, 90 m breiten Kanal in das seichte und sandige Bett ausgegraben und dieser ermöglicht eine gesicherte Einfahrt im Norden. Im Süden der 2900 m breiten Bucht liegt das durch eine Mauer von Korallenfels befestigte DorfMorongo; im NordenTongoni, das trotz seiner Dämme bei Hochwasser von den Fluten des Meeres im Rücken gefaßt wird.
Der Sigi und der Udofu münden in die Bai vonTanga. Diese besitzt keinen Hafen für größere Schiffe; die offene Rhede liegt 800 m seewärts. Korallenbänke erschweren und gefährden die Einfahrt in den 8 km langen und 6½ km breiten Meerbusen. Der Strand ist von dem herrlichsten Pflanzenwuchs überzogen. Der Ort Tanga zählt an 5000 Einwohner, besteht aber nur aus Strohhütten; er ist Handelsplatz für die nach dem Kilimandscharo und dem Masai-Land ziehenden Karavanen.
DerSigi, ein frisches, reißendes, unschiffbares Gebirgswasser, hat nahe der Küste 12–15 m hohe, mit Maniok, Bananen und Palmen geschmückte Ufer. Verfolgt man ihn aufwärts, so kommt man zuerst nach dem vielbesuchten MarktplatzAmboni, dann nachMuschesa, wichtig als Uebergangspunkt für die von Magila nördlich nach Wanga Reisenden. Zwischen den zerstreuten Dschungelcomplexen wird hier besonders viel Taback gebaut.
Dreißig bis vierzig Kilometer von der Küste entfernt umschließt das Gebirge den Fluß in einem breiten, von wild- und üppig wuchernder Vegetation erfüllten Thal. Eine mehrfacheKette steiler, mit Granitzacken gekrönter Bergrücken trennt ihn von dem Hügelland im Osten und vom Laufe des Pangani im Süden; die ebenso zerklüfteten Handei-Berge (1350 m) und der Kombola (1200 m) bilden die Wasserscheide zwischen ihm und dem Luengera. Geschlossener, ewig düsterer Urwald von riesigen Wollbäumen, Banianen und Tamarinden steigert den großartigen Charakter der Gebirgsgegend. Sie ist während der Regenzeit wegen der steilen, schlüpfrigen Pfade schwierig zu durchwandern, denn in erschöpfender Wiederholung muß man von Kamm zu Kamm über tiefeingesenkte Gründe hinauf- und hinabklettern. Bebaute Felder hat weder die Sohle des Sigi-Thales noch der andern Thäler; an den Abhängen allein haben die Eingeborenen sich in zerstreuten Gruppen angesiedelt.
Der kürzeste Weg von der Küste Usambaras nach dem fernen Innern führt längs des Umba.Wanga, der Ausgangspunkt, hat sehr ungünstige Landungs- und Terrainverhältnisse; durch den 20 m breiten Zugang können nur bei Hochwasser kleine Boote sich nähern. Zwischen Mangrove-Wäldern setzt sich das Watt als Sumpfland 6–7 km landeinwärts fort. Auf einem Stückchen trockenen Bodens ist der Ort Wanga erbaut: etwa 2–300 Lehmhütten mit übrigens breiten und reinlichen Straßen und Plätzen verbergen sich unter einem Palmenhain und werden von einer Mauer umschlossen. Die Luft ist fieberhaft, das Trinkwasser schlecht.
VorGonjakommt man, bei einer Reise flußaufwärts, zuerst auf festen, gesunden Boden; da gibt es schöne Felder von Reis, Bohnen und Maniok. Aus der weiten Ebene im Süden erhebt sich der stark bewaldeteKilulu(255 m), am Fuß von Melonenbäumen und Baobabs dicht umgeben. Hier beginnt eine schmale Culturzone, die von Dorf zu Dorf bis an den Sigi sich fortsetzt.
Von Gonja westlich erhält sich die Fruchtbarkeit noch bisYesa Mkubwa; von da an nimmt eine bis Mbaramu reichende, 80 km lange, trostlose, ausgedörrte Steppe ihren Anfang. Hartes Savannengras wechselt mit fast undurchdringlichem, dornigem Gebüsch und mit nackter, steiniger Wüste ab.
Diese,Nyikagenannte Steppenwildniß wird im Norden von demUmba-Flußdurchschnitten. Er entspringt auf den Höhen von Mlalo und Mbaramu und nimmt eine Anzahl größerer und kleinerer Gebirgswässer auf, welche von Galeriewäldern umsäumt werden. Der Umba mündet in einem morastigen Delta bei Wanga.
Das Thal des untern Pangani, bei Tongwe und Korogwe, und der fruchtbare Landstrich von Bondei sind stark bevölkert, weniger das Innere des Gebirges und das Mkomasi-Thal, am geringsten der Nordostrand. Die Raubzüge der Masai den Pangani und die Nyika-Ebene herab in das Thal des Luengera und in die Küstengegenden, auch gegenseitige Befehdungen der Häuptlinge im Hochlande, trieben die Bewohner entweder auf die Kuppen der Berge oder in das Dickicht der Wälder oder auf die Inseln des Flusses Pangani. Allen gemeinsam ist Sinn und Geschick zum Ackerbau, zur Viehzucht und zum Handel. Erhebliche Quantitäten von Getreide, Bohnen, Taback, Melasse, Butter und Honig, auch etwas Kautschuk werden zum Export nach den Küstenplätzen gebracht. Zur Bekleidung dient leichter Manchester-Baumwollstoff als Ueberwurf und Lendenschurz. Speere, Pfeil und Bogen sind noch in Gebrauch neben den Feuergewehren.
Nach Sprache, Abstammung und Lebensweise zerfallen sie in drei Hauptgruppen: in die Bewohner von Bondei, des Pangani-Thales und von Usambara.
Die Bevölkerung vonBondei, von der Küste bis zu den Vorbergen, besteht, außer den Arabern, Indern und Suaheli in der Stadt Pangani, aus den Waschinsi, Wasegeju undWadigo. DieWaschinsibilden mehr einen social-religiösen als einen ethnographischen Gegensatz zu den Suaheli. Während diese als Mohammedaner das höchste Ansehen neben den Arabern sich zu verschaffen suchen und an Küsten- und Handelsplätzen mit Vorliebe sich niederlassen, sind jene die verachteten Heiden, die Bauern-Neger. Sie sind in Madanga und am Ukumbine seßhaft. Ihre Dörfer stecken tief in den Waldungen, mit Euphorbien und Cacteen sorgfältig verschanzt. DieWasegeju, ein kriegslustiges Volk, wahrscheinlich aus den Galla-Ländern eingewandert und am Udofu angesiedelt, verlegen sich mit Vorliebe auf Menschenraub und Sklavenhandel und ziehen deshalb gern als Träger mit den Karavanen. DieWadigoin Tanga und Wanga leben in größern, ebenfalls befestigten Ortschaften. Sie gebrauchen als Waffen fast nur Pfeil und Bogen. Mit Leidenschaft sind sie dem Handel ergeben, sei es auf den Märkten von Amboni und Gondja, sei es als Theilnehmer von Karavanen.
In das Thal des Pangani von Tongwe bis Maurui zogen vor einigen Jahrzehnten plündernd und mordend dieWaseguha, vertrieben die schwächeren Wasambara und wurden seitdem die herrschende Rasse an beiden Ufern. Sie sind übrigens tüchtige Ackerbauer und Viehzüchter geworden.
Das Gebirgsland Usambara bewohnen die Wakilindi, Wasambara und Wambugu.
Zu denWakilindirechnen sich, wie es scheint, allein die Angehörigen der Herrscherfamilie, die von Wuga bis Magila den Dorfschaften die Häuptlinge liefert. Kimweri I. soll 100 Söhne hinterlassen haben. Wenn diese Anzahl auch nur von ferne der Wahrheit entspricht, so ist es erklärlich, daß aus der fürstlichen Sippschaft allmählich ein Volksstamm geworden.
Die Heimat derselben wird von einigen nach Nguru, von den meisten nach dem Dschaggaland verlegt. Sie unterscheiden sich auffallend von den Negern: lichtgelbe Hautfarbe,semitischer Typus im Gesichtsschnitt und Körperbau. Sie beugen sich willig dem Gebot und der Willkür der Araber und suchen durch die Nachahmung arabischer Sitten die eigene Autorität zu steigern. Zur Zeit tragen sie die feindseligste Abneigung gegen alle Europäer mit Vorliebe zur Schau.
Die Masse des Gebirgsvolkes, dieWasambara, zeichnen sich vor den Küstennegern durch hohe Stirn, durch ebenmäßig angesetzte Unterkiefer, durch untersetzte und kräftige Statur aus. Die Männer rasiren sich das Haupt bis auf einen kurzen Schopf; die Weiber ganz. Als Stammesmarke gilt das markstückgroße Brandmal auf der Stirn; die vordersten Schneidezähne werden spitz zugefeilt. Die Farbe der Haut wechselt von lichtbraun zu dunkelschwarz. Sie schmücken sich mit Glasperlen und Eisenkettchen. Sie besitzen wenige Feuergewehre und noch weniger Pulver; ihre Hauptwaffen sind Pfeile, Speere und Schwerter. In den kreisrund aus Lehm gebauten und in drei bis vier Räume eingetheilten Hütten befindet sich der dürftigste Hausrath, ein paar dreibeinige Holzstühle und Töpfe. Die Dörfer werden entweder im Wald durch ein doppeltes, mit Dornhecken ausgefülltes Pfostengitter abgeschlossen und geschützt, oder auf steilabfallenden Bergkuppen angelegt und für die Feinde unzugänglich gemacht.
Sowol Männer wie Frauen bebauen das Feld und hüten Rinder, Schafe und Ziegen. Auch Bienenzucht treiben sie und gewinnen dunkelbraunen, sehr süßen Honig in Menge. Die Wasambara sind klug und verständig, gastfreundlich und gewürfelt. Ja, sie besitzen die unter Negern seltene Tugend der Dankbarkeit. Sie kennen den Werth der Silbermünze und sind bereit, für Geld alle möglichen Arbeiten zu übernehmen.
Ein eigenthümlicher Stamm lebt auf dem Hochplateau zwischen Wuga und Mlalo: dieWambugu. Das sind hohe, schlankgewachsene Leute mit scharfgeschnittenen Gesichtern, ähnlich den Wakuafi und Masai, dabei ruhig, freundlich und tapfervon Charakter. Sie tragen kein Baumwollzeug, sondern Ueberwürfe von feingegerbtem Leder. Erkenntlich macht sie ein Ohrschmuck von 1–7 cm breiten Holzscheiben; die Weiber behängen sich mit schweren Schnüren von blauen Glasperlen. Es ist ein Hirtenvolk, das sich den Wakilindi als Viehknechte verdingt.
Mkande, ein Häuptling der Wakilindi, soll vor vielen Jahrzehnten von Dschagga gekommen und sich Usambara und Bondei unterworfen haben. Ihm folgte später als fünfter HerrscherKimweriI., der 1868 im angeblichen Alter von hundert Jahren gestorben ist. Von seinen hundert Söhnen herrschte der älteste,KimweriII., nur ein Jahr mit Hinterlassung eines Minderjährigen, Kingassi.Sembodja,KibangaundMkande, die Brüder Kimweri’s II. geriethen in blutigen Streit und gewannen schließlich nur in einzelnen Theilen des Landes die Oberherrschaft.
Demnach zerfällt jetzt Usambara in folgende Gebiete:
Das Mkomasi-Thal mit dem den Ort Wuga umgebenden Gebirge unterSembodja. Er selbst residirt in Masindi; seinem ältesten Sohn, Kimweri II., der nach Unabhängigkeit trachtet, hat er Wuga überlassen.
Der nördliche Theil, von Kwambugu über Mbaramu bis zum Ursprung des Luengera, nominell unter Kingassi, factisch unterMkande, mit der Residenz in Hundu.
Der südliche Theil, vom Kombola bis Handei und zum Quellgebiet des Ukumbine und Udofu, unterKibanga; mit Magila als Wohnsitz.
Bondei und das Thal des Pangani gehören politisch nicht zu Usambara.
Die Bevölkerung steht, außerhalb der schmalen, am Meere gelegenen Gebietssphäre des Sultans von Sansibar, nirgends unter einem gemeinschaftlichen Oberhaupt, sondern überallunter unabhängigen Dorfhäuptlingen, welche in einzelnen Fällen benachbarte Ortschaften unter ihrer Herrschaft vereinigt haben.
AnNaturproductenerzeugen Usambara und Bondei:
auf den Feldern: alle Getreidearten; Maniok und Bataten; Bohnen und Reis, Taback und Zuckerrohr; Bananen und Kokosnüsse; die Baumwollstaude (wild);
auf den Weidegründen: schönes starkes Rindvieh und Schafe;
in den Wäldern: Honig, Kautschuk und Kopal; Nutzholz von den Tamarinden und Teakbäumen.
Die Production kann bei der Ergiebigkeit des Bodens durch Vermehrung der Bevölkerung und durch geregelte intensive Arbeit gesteigert werden, und zwar namentlich in Bezug auf Reis, Taback, Zucker, Baumwolle und Kautschuk.
Zur Zeit werden von den Eingebornenexportirt: Bohnen, Taback, Zucker, Butter, Honig und Kautschuk.
Die wichtigstenImportartikelsind Manchester-Baumwollstoff, blaue und milchweiße Perlen; außerdem geringere europäische Krämerwaare.
Zur Anlegung vonPlantageneignet sich in erster Linie die der Küste nahegelegene, ungemein fruchtbare Landschaft Bondei; selbst Kaffee- und Cacaopflanzungen würden hier Erfolg versprechen.
Auch das südliche Pangani-Ufer, nahe der Mündung des Flusses, bietet Aussicht auf lohnenden Ertrag.
Die Umgebung von Wuga, trotz vorzüglicher Verhältnisse in Bezug auf Klima und Bodenbeschaffenheit, kann erst in zweiter Linie in Betracht kommen; denn die Entfernung von der Küste ist sehr groß und die Verkehrswege dahin sind sehr ungünstig.
Die Urbarmachung des Sigi- und Luengera-Thales muß einer spätern Zeit vorbehalten bleiben.
Da der Eingeborene über den häuslichen Bedarf zu säen und zu ernten gewohnt, auf Gewinn und Verdienst erpicht ist, so stehen auch die nöthigen Arbeitskräfte bei mäßigem Lohn zur Verfügung.
Das Pare- und Ugono-Gebirge zieht sich in einer Länge von etwas mehr als 100 km oder von 8–10 Tagemärschen mit geringer Breitenausdehnung an der östlichen Seite des Pangani vom Norden Usambaras bis in die Ebene von Aruscha und des Jipe-Sees hin. Das Innere der waldigen Berge ist noch nicht erforscht; Dr. Fischer schätzt die Höhen auf 600–900 m. Die Ostseite fällt ziemlich steil ab; die Westseite ebnet sich sanft gegen den Pangani hinunter. Das Gestein ist Gneis, in Ugono reich an Eisenglimmer. Aus der Mitte der Bergkette schiebt sich von West nach Ost eine niedrige Hügelreihe, dieKisungu, in die Nyika-Ebene vor. Wenn auch die Naturproducte, welche die Bewohner auf die Marktplätze am Rande des Gebirges bringen, auf Fruchtbarkeit und deshalb auf Feuchtigkeit im Innern schließen lassen, so treten doch nur ein paar Flußläufe in Pare nach außen: derMkomasibei Gondja, der bei Maurui in den Pangani mündet, derKiswani, der östlich in der Steppe verrinnt, und auf der Westseite allein die BächeWudereundMakujuni, letzterer mit tiefem Thaleinschnitt, dem Uebergang vom Pangani-Thal nach Gondja.
Angebaut werden: Bohnen, Erbsen, Mais, Bananen, Zuckerrohr, auch Taback, und in West-Ugono Ricinusstauden von erstaunlicher Höhe. Rindviehzucht wird überall betrieben und man erhält im Gegensatz zu Usambara eine ganz vortreffliche Butter.
Ugono ist berühmt durch das Vorkommen von Eisen. Man gewinnt es aus dem Sand der Bäche; leicht abgeschwemmtenthält er kleine glänzendschwarze Krystalle. Man schüttet sie in tiefe Gruben, schichtet Holz dazwischen und zündet es an. Nachdem das Feuer fünf Tage unterhalten worden, läßt man die Masse erkalten und verarbeitet die Schlacken in der Schmiede zu kleinen Haken; als solches kommt das Ugono-Eisen in den Handel.
Eine trostlose, dürre Steppe umgibt den Süden, Osten und Westen des Gebirges.
Die begangenste Karavanenstraße führt von Masindi oder von Mbaramu in Usambara längs des Ostrandes der Berge gegen den Jipe-See in langsamer Steigung von 493–727 m. Der Charakter der Ebene bleibt sich fast völlig gleich: eine bräunlich-violettschimmernde Erde, bedeckt von dorniger Savanne oder überzogen von kleinen blauen Disteln und von unzerreißbaren, kriechenden Schlinggewächsen. Ist das Gras von der Sonne verdorrt oder vom Feuer verbrannt, so marschirt man — wie in der Gegend von Ugono — stunden-, ja tagelang in einem fußtiefen, erstickenden Staub. Die wenigen Ortschaften, die man berührt, sind Oasen in der Wildniß. In ihnen versorgt man sich mit Lebensmitteln und namentlich mit Wasser. Denn wasserlos ist die Wüste von Mbaramu bis zum Jipe-See.
Gondja(563 m), die Residenz eines Sohnes des Usambara-Fürsten Sembodja, liegt dreiviertel Stunde von den mit felsigen Zacken gekrönten Bergen entfernt, getrennt durch einen Schilfsumpf. Der Mkomasi stürzt in einer Reihe von Wasserfällen vom Rande des Gebirges herab.
InKiswani(722 m, 674 m nach von der Decken), an dem Fluß gleichen Namens, der aus enger Thalschlucht hervorbricht, doch in der heißen Zeit gänzlich vertrocknet, erquickt den Reisenden eine schöne Landschaft mit Felspartien, rauschenden Bächen und grünenden Bäumen und der Genuß von Ochsenfleisch, Milch, Butter und Honig.
Von Kiswani bis zum Jipe-See (727 m) herrscht völligeUnwirthlichkeit. Wasser erhält man ein einziges mal aus den tiefen, oft mit verwestem Gethier angefüllten Erdlöchern vonNgurungani(810 m). Erst nach Ueberschreitung der Kisungu-Hügel belebt sich die Gegend wieder mit welligen Erhebungen und mit dem Grün von frischem Gras und belaubten Bäumen.
Seitwärts, in den Ugono-Bergen eingebettet, liegt zwischen Reis-, Bananen- und Zuckerrohrfeldern der Hauptort der Eisengewinnung,Usanga. Steigt man die nächsten Höhen hinan, so erblickt man die rauchenden Eisengruben und zahlreiche Hütten in fruchtbarer Umgebung.
Die Westseite des Gebirges, den hier seichten und felsigenPanganiaufwärts von Mkoramo (520 m) bis in die Gegend vonKlein-Aruscha(730 m), gewährt den Eindruck der Sterilität in noch höherm Grade wie die Ostseite. Die anfängliche Fülle von Mimosen und Akazien weicht in rascher Abnahme dem Dorngestrüpp von Euphorbien und Aloën und geht schließlich in wildzerklüftetes Terrain und steinige Wildniß über. Selbst die Abhänge der Berge sind unbewohnt, nur im südlichen Theil trifft man auf eine Ortschaft, wie das von hohen Gipfeln umschlosseneMembe, das einen besonders starken Viehstand unterhält.
Die einzige erfreuliche Abwechselung in diesen Steppenregionen verschafft der Anblick großer Heerden vonAntilopen,ZebrasundGiraffen. Die Reisenden berichten von Elefanten- und Rhinoceros-Fährten, doch haben sie weder selbst ein Stück erlegt noch gesehen.
DasKlimavon Pare und Ugono scheint etwas kühler zu sein, als jenes von Usambara. Von der Decken erzählt, wie im Juli und October morgens seine schwarzen Begleiter vor Frost gezittert hätten. Die meteorologischen Tabellen von K. Weiß liefern hierfür eine annähernd sichere Bestätigung.
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