Zwischen Rufidschi und Rovuma.

Monat.Gegend.Meeres­höhe in Metern.Anzahl der Beobach­tungstage.R.°R.°V. 6 U.N. 4 U.N. 6 U.Maxi­mumMini­mumDiffe­renzJanuarSansibar—292122,821,423,520,43,1(Februar)Kondutschi, an der Küste—12029,721———JanuarPlateau von Usaramoca. 30–60101931,622,634,618,616JanuarSungomero in Kutu1532317,929,421,734,618,616V. 10 U.N. 4 U.N. 6 U.AugustSansibar—2819,420,6—21,816,65,2(Juli)Kaole, an der Küste—321,421,7————AugustSungomero153718,920,8—23,6185,6

Temperaturen in der Thalebene und im Gebirge vom Kutu.

Monat.Gegend.Meeres­höhe in Metern.Anzahl der Beobach­tungstage.R.°R.°V. 6 U.N. 4 U.N. 6 U.Maxi­mumMini­mumDiffe­renzDecember (Ende)Mabruki-Paß u. Kirengwe600 u. 204418,727,522,4———Jan.(Anf.)Sungomero15341832,722,1———Juli(Anf.)Mabruki-Paß u. Kirengwe600 u. 204715,318,522———Aug.(Anf.)Sungomero1537—20,8————

Anmerkung.Die Aufzeichnungen Burton’s für das Festland sind nicht genau um 6 Uhr vormittags und 6 Uhr nachmittags gemacht, sondern bei „Sonnenaufgang” und „Sonnenuntergang”. Die Temperaturen auf dem Mabruki-Paß Anfang Juli stammen von J. Thomson, der sie „am Morgen, Mittag und Abend” notirte.

Betrachtet man die Durchschnittstemperatur im Monat Januar für Sansibar und Sungomero, so springt der bedeutende Unterschied in die Augen; in Sansibar steigt und sinkt während des Tages und der Nacht das Thermometer kaum um 2° R., in Sungomero dagegen kühlt sich die starke Mittagshitze rasch in zwei bis drei Stunden um 7,1° R. und während der Nacht noch um 4,2° R. ab. Noch deutlicher zeigen sich die starken Differenzen, wenn man die Schwankungen der Temperatur nicht im Monatsmittel, sondern an einzelnen Tagen, wie bei Burton zu finden ist, beachtet.

Abkühlung.Von 4 Uhr nachm. bis SonnenuntergangVon Sonnenuntergang bis SonnenaufgangVom 3. bis 8. Januar:um11°R.um2,4°R.11,2485,2124,69,13,4Vom 16. bis 21. Januar:um10,6um5,48,58,255,49,76,310,76.

Der Abkühlung bis zum Abend folgt eine ungleichartige während der Nacht; niemals ist aber die Abkühlung im Verlaufder ganzen Nacht gleich intensiv wie jene während der kurzen Zeit von 4 Uhr nachmittags bis zu Sonnenuntergang.

Mit einigem Vorbehalt müssen die Temperaturangaben über das Plateau von Usaramo der Betrachtung unterzogen werden. Denn sie erstrecken sich auf einen verhältnißmäßig ungenügenden Zeitraum und wurden in stetem Wandern von dem Innern nach der Küste gemacht. Aber die Temperaturabnahme ist auch hier eine rapide und an einzelnen Tagen eine sehr intensive.

Abkühlung.Von 4 Uhr nachm. bis SonnenuntergangVon Sonnenuntergang bis SonnenaufgangVom 21. bis 31. Januarum3,9°R.um3,3°R.5,72,34,72,482,674,411,81,610,6511,64,48,84,6

Die Hitze um Mittag steigert sich in Usaramo um ein Merkliches im Verhältniß zur Kutu-Ebene und mildert sich (wenn man drei von den angeführten Tagen nicht in Rechnung zieht) in geringerm Grade, da ja die kalten Luftströmungen vom Gebirge auf weitere Entfernungen nicht so wirksam sein können, als in der nächsten Umgebung. Daß die Differenz zwischen Maximum und Minimum in Kutu und Usaramo gleich hoch ist, dürfte vielleicht dem Einfluß jener drei absonderlich gearteten Tage zugeschrieben werden.

Die Temperaturvergleichung von Sansibar und Sungomero im Monat August erlaubt (bei allem Vorbehalt wegen der geringen Zahl von Beobachtungstagen) den einen Schluß, daß Kutu an der allgemeinen Abnahme der Hitze theilnimmtund daß es nur in Erinnerung an die höhere Januartemperatur bedeutend kühler erscheint als Sansibar.

Nach allen Reiseberichten ist die Luft, sobald man das Gebirge selbst betritt, ungemein erfrischend. Wenn auch die Mittagshitze um 2°–5° sich mindert und in vereinzelten Fällen das Thermometer nachts sogar auf 16° und 15° herabsinkt, so scheint doch die ausschlaggebende Ursache des erhöhten Wohlbefindens die Dunstlosigkeit und Reinheit der Atmosphäre zu sein.

Von Ukami wissen wir nach Stanley nur, daß die Tagestemperatur sich gewöhnlich zwischen 23° und 24° R. hält und daß die Nächte kühl sind.

Wirft man zum Vergleich einen Rückblick auf die klimatischen Verhältnisse des Wami-Gebietes, so ergibt sich, wenigstens für Januar und Februar, ein wesentlicher Unterschied zwischen Useguha und Usagara einerseits und Usaramo und Kutu andererseits. Jene um 2–400 m höher gelegenen Binnenländer besitzen eine viel gleichmäßigere warme Tagestemperatur und infolge dessen eine um die Hälfte verminderte Abkühlung; dagegen übersteigt das Maximum der Mittagshitze am Kingani, am Mgeta und auf dem südlich anstoßenden niedrigen Plateau das Maximum der andern Landschaften um 7° R. Auch die Heftigkeit der Abkühlung von Nachmittag bis Sonnenuntergang in der Thalebene von Sungomero wird nur annähernd von jener am Südfuße des Rubeho-Gebirges erreicht: dort 8°–12°, hier 4°–8° R.

Nach der allgemeinen Gestaltung und nach den klimatischen Verhältnissen hat das Gebiet des Kingani drei voneinander getrennte Eigenthümlichkeiten in Bezug auf diePflanzenbedeckung: der schmale Küstensaum producirt außer Getreide eine große Anzahl tropischer Früchte, er zeichnet sich durch Kokospalmen und Kopalwaldungen aus, in denen das halbfossile Harz in ungeheuerer Menge und von besonderer Güteausgegraben wird; das Plateauland ist wegen der ausdörrenden Hitze und der Lateriteigenschaft des Bodens mit wenigen Ausnahmen gänzlich unfruchtbar und die Thalsohle des Kingani wegen seiner morastigen Beschaffenheit höchstens für vereinzelte Reisculturen verwerthbar; die Gebirgsgegenden von Ukami und Kutu strotzen von der Fähigkeit, die reichsten Früchte dem Anbau zu gewähren, liefern aber theils wegen der mächtigen Urwälder, theils wegen geringer Bevölkerung und herrschender Fieberluft kaum viel mehr als den Bedarf der täglichen Nahrungsmittel.

Nur in Bezug auf Kutu muß hervorgehoben werden, daß der in Sungomero gebaute Taback sehr gesucht ist und bis an die Küste verschickt wird und daß in seinen Waldungen Schätze von Kautschuk verborgen liegen.

Charakteristisch für das ganze Gebiet ist das Nichtvorhandensein von Rinderheerden; entweder gedeiht kein Futtergras, sondern nur das harte, hohe schilfartige, mit Giftpflanzen in ungeheuerer Menge untermischte, oder die Tsetsefliege vernichtet mit ihrem tödlichen Stich jede aufwachsende Zucht.

Man findet, je nach der Beschaffenheit der Bezirke, Felder von Reis, Zuckerrohr, Taback (besonders in Kutu), den Stechapfel (Datura stramonium), Reis, Hirse, Sesam, Erdnüsse, Bohnen, süße Kartoffeln, selbst Ananas und Orangen (doch nur an der Küste); wild wächst der Bang (Hanf), die Baumwoll- und die Ricinusstaude. An Bäumen wird sorgsam gepflegt die Kokospalme, der Mango- und der Melonenbaum. Mit der Einführung der Oelpalme wurde bei Dar-es-Salaam ein halbgelungener Versuch gemacht. Die Wälder bestehen in der Küstenniederung besonders aus Mangrove- und Kopalbäumen, im Gebirge aus Fächerpalmen, Wollbäumen, Mimosen, Tamarinden und gummireichem Schlinggewächs.

Erprobte Culturfähigkeit des Bodens zeigt sich an der Küste, an ein paar Stellen des Plateaurandes längs des Kingani und in den Thälern des Gebirges.

Wild ist selbst in den weiten Savannen Usaramos wenig vorhanden. Wer vom Jagdglück begünstigt ist, kann bei Kidunda am Kingani und am obern Gerengere hie und da Heerden von Antilopen, Zebra und Büffeln antreffen. Auch dem Leoparden kann man begegnen, höchst selten dem Löwen. Desto massenhafter erscheint im Kingani das Flußpferd und das Krokodil, und im Ufergestrüpp eine Menge von Schlangen, doch von ungefährlicher Natur.

Außer den gefürchteten riesigen Ameisenzügen ist die Hauptplage des Landes die Tsetsefliege; sie herrscht verderbenbringend namentlich in Ukami (aber nicht in Mrogoro); sie verschont nur die Menschen, Ziegen und säugenden Kälber.

Als Hausthier trifft man überall Ziegen und Hühner; Schafe jedoch in geringerer Anzahl.

Usaramo grenzt im Osten an das Meer, im Süden an die Thalebene des Rufidschi, im Nordwesten an den Kingani. Die Westgrenze gegen Kutu läßt sich im allgemeinen durch eine Linie bezeichnen, welche von Kidunda aus in südsüdöstlicher Richtung gegen den Rufidschi gezogen wird.

DieKüste, auch hier Mrima genannt, besteht aus dem weißesten und feinsten Sand, den Trümmern von Korallenbänken, zusammengehalten durch eine Art von kriechenden Winden mit fleischigen Blättern und lilafarbigen Blüten. Zahlreiche Buchten schneiden in das Festland ein; hinter den mit wilder Vegetation üppig bewachsenen Sandbänken ziehen sich Lagunen hin, deren Ufer mit dichtem Mangrovegebüsch umsäumt sind. Wo der Boden aus dem Flutgebiet der See emporsteigt, ragt ein Wall von Kokos- und Delebpalmen, Melonen- und Wollbäumen auf.

Bagamoyoliegt 8 km südlich der Kingani-Mündung. Es besitzt keinen Hafen, sondern nur eine Rhede, 3–4 km seewärts. Bei ruhigem Wetter erfolgt die Landung mit Schiffsbooten ohne Schwierigkeit, bei Seewind ist sie unmöglich, und bei Ebbe müssen die letzten 100 m durchwatet werden. Bei Sturm bieten die nördlichen und südlichen Sandbänke einigen Schutz.

Bagamoyo ist der wichtigste Handelsplatz an der deutsch-ostafrikanischen Küste; hier münden die begangensten Karavanenstraßen aus dem Innern; vor dem Aufstand 1888 kamen in der günstigen Jahreszeit oft 8–10000 Träger wöchentlich an. Für sie ist die Stadt das ersehnte Eldorado, in dem es Nahrungsmittel, Pombe und Weiber in Hülle und Fülle gibt und wo wochen-, ja monatelang Rast gehalten wird. Häuser von Korallengestein und Fachwerk, die Wohnsitze der Araber und der indischen Krämer, bilden einige enge, übelriechende, unregelmäßige Straßen, die dem Strande parallel laufen; diese umschließt im Südwesten das Negerviertel mit seinen Hunderten von Strohhütten. Zu den größten Gebäuden zählen: eine Moschee, ein Hindutempel, das Stations- oder Usagarahaus der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft (früher für den Wali bestimmt), 150 m vom Strande entfernt, und das Ratu-Haus (Lagerhaus für die Karavanen). Während der Belagerung Bagamoyos durch Buschiri wurden sämmtliche Negerhütten und ein großer Theil der Gebäude aus Fachwerk zerstört oder verbrannt. Der ganze Ort liegt wie in einem Hain von Kokospalmen und Mangobäumen. Die ständige Einwohnerzahl wurde auf 15000 geschätzt.

In der nächsten Umgebung befinden sich die Schambas der reichen Araber mit den Pflanzungen von Kokospalmen, Bananen, Mangobäumen, Baumwollstauden, Zuckerrohr, Getreide, Hülsenfrüchten und Ananas. Nordwestlich, nicht ganz 1 km entfernt, liegt die wegen ihrer wirkungsvollen Thätigkeit und außerordentlichen Gastlichkeit berühmte französischeMissionsstation „de la congrégation du Saint-Esprit et du Saint-Cœur de Marie”. Sie besitzt außer einer hübschen steinernen Kirche ein schloßähnliches Gebäude, massivgebaute Wohnhäuser für die Ordensschwestern und für die Zöglinge, eine Schreiner- und Schlosserwerkstätte sowie Viehstallungen. Was der Boden von Bagamoyo, wenn emsig gepflegt, an Naturproducten in reichster Fülle hervorzubringen vermag, das beweisen die Gärten, Felder und Haine der Mission. Auch wird behauptet, daß durch die Anpflanzung Tausender von Kokospalmen die Missionare die Gesundheitsverhältnisse ihrer Station bedeutend verbessert hätten.

Zwei bis zwei und eine halbe Stunde von der Stadt landeinwärts betritt der Fuß des Reisenden unberührte Wildniß; in der Richtung der Kingani-Fähre: zuerst sumpfige Stellen, lichtes Gehölz in der Savanne; dann in der Thalebene dichtes Dschungel und Wald, zuletzt tiefen Morast. Oder das rechte Ufer aufwärts: Savanne mit Busch und zwischen flachen Bodenanschwellungen sumpfige Mulden.

Der Küste entlang südlich von Bagamoyo bis Dar-es-Salaam setzt sich die Fülle tropischer Vegetation fort.

In dem nahenKaule(Kaole) nahmen bis zu Anfang der sechziger Jahre die Karavanen ihren Ausgang; das Landen bei Ebbe ist hier noch schwieriger als bei Bagamoyo, man muß 800 m entfernt aus den Booten steigen, um durch Waten trockenen Grund zu gewinnen.

Kondutschi, ein reizend gelegener Ort, in dem auch Viehzucht getrieben wird, ist Ausfuhrplatz für Getreide und Kopal und ein berüchtigter Schlupfwinkel der Sklavenhändler.

Dar-es-Salaam.Die Rhede bietet bei Südwestmonsun gute und geschützte Ankerplätze, nicht aber bei Nordostmonsun; in letzterm Falle ankern die Schiffe in der nahen, nördlich und günstig gelegenen Bai von Msasani. Dar-es-Salaam besitzt einen geräumigen und vollkommen sichern Hafen; die Einfahrt durch die gewundene und enge Gasse von Korallenriffenist schwierig, namentlich für Segelschiffe. Dampfer mit 6 m Tiefgang können nur bei Hochwasser durchkommen, diejenigen von geringerm Tiefgang bei jedem Wasserstand. Die Stadt liegt an der Mündung des Msinga; er bleibt bis über 6 km landeinwärts schiffbar für Boote von 3–3½ m Tiefgang.

Said Madschid, ein Vorgänger von Said Bargasch, Sultan von Sansibar, hatte beabsichtigt, durch Hafenanlagen und durch den Bau von geraden und breiten Straßen die Stadt mit ihrer entzückenden, fruchtbaren, schönbewaldeten Umgebung zu einem behaglichen Wohnsitz und zu einem Haupthandelsplatz zu erheben. Sein Werk wurde nicht fortgesetzt. Was an steinernen Häusern nicht vollendet wurde, verfiel in Trümmer. Doch machen noch jetzt die Reihen massiver Gebäude längs des Hafens, die breiten, steinernen Treppen, die zum sandigen Quai hinabführen, und die sorglich eingefaßten Quellen mit frischem Trinkwasser den Eindruck civilisatorischer Thätigkeit. Gegenwärtig ist die deutsche evangelische Mission am Werk, ein stattliches Gebäude aufzuführen.

Da Dar-es-Salaam als Hinterland das unfruchtbare Usaramo und die noch nicht exportfähigen Gebirgsländer Kutu und Ukami besitzt und von der bedeutendsten Karavanenstraße nach dem Innern, nämlich der durch Ukwere und Useguha führenden, zu entfernt liegt, so wird für die nächste Zukunft seine Anziehungskraft nur eine local beschränkte, hauptsächlich für den Kopalhandel an der Mrima wirksame sein.

Die Ebene steigt von der Stadt mäßig in zwei, von Korallenfelsen gebildeten und mit rothem Sandstein und Thon überdeckten Stufen an. Die Höhe der ersten beträgt 6 m, die der zweiten 15–18 m.

Südlich von Dar-es-Salaam bis zumMkundeerstreckt sich eine 50 km lange wellige, stellenweise morastige Savanne mit Waldgebüsch, die am Strand vonMboamadschibisKimbidschiin Mangrovesümpfe übergeht und in dem ausgedehntenSchlammgebiet von Iegea endet. AmMbesitritt eine Unterbrechung ein durch gut cultivirten Alluvialboden; der Fluß kommt aus der sehr fruchtbaren, besonders mit Reis bebauten Ebene vonLiwali. Zwischen dem Mkunde und Mgasi liefert „der Garten von Kwale”, durch regelmäßige leichte Regenschauer befruchtet, die ausgiebigsten Ernten von Mais, Hirse, Reis, von Kokosnüssen und Mangofrüchten. Die übrigen Küsten- und Handelsplätze liegen in sumpfigen Mangrovegebüschen, in Brutstätten des Fiebers. Die Bewohner der Mrima gewinnen aus den großen Waldungen von Kopalbäumen, die den Ostrand des Plateaus vonMangatanibis zu den jenseit des Rufidschi gelegenenMatumbi-Bergen umsäumen, sehr bedeutende Quantitäten von halbfossilem Kopal, dem wesentlichsten Handelsartikel an den KüstenplätzenKisiju,KitmangaoundKivinja. Die Bevölkerung zieht dorfweise und wohlbewaffnet in die Wälder und gräbt aus Löchern von 1½ m Tiefe das werthvolle Product aus. Das Harz der Kopalbäume wird nur zur Gewichtsvermehrung des reinen Fossils benutzt. Der Export von Kopal aus Kwale und Delgado betrug 1867/68 an 40000 Dollar Werth. Der feinste wird im DistrictKirgesi(nördlich vom Mkunde) gefunden.

VonKisijubisSandasi, welch letzteres von einem Hain riesiger Kopalbäume überschattet wird, nimmt die Gegend den steppenartigen Charakter des nördlichen Landstrichs an.

DasPlateau von Usaramoist ein einförmig gewelltes Land; der quarzhaltige, rothbraune Sandboden, mit dünner schwarzer Humusschicht überzogen, ist im Wechsel bedeckt mit 2–3 m hohem, hartem Gras, mit lichtem Gehölz und stacheligen Dschungeln; aus morastigen Einsenkungen strömt die verfaulende Vegetation verpestende Dünste aus. Während der Regenzeit fast vollständig überschwemmt, versengt die glühende Sonne in der Trockenheit alles blühende Leben. Das ist der Typus der Landschaft sowol an der Karavanenstraße von Bagamoyo bisMakutaniroam Kingani als auch auf dem Wegedurch die Mitte von Dar-es-Salaam bis westlich vonMsangapwani. Das „Thal des Todes und des Hungers” wird der hohe Uferrand des Kingani vonMuhonjerabis gegen Usungula und „Malaria-Ebene” die ihn begleitende Flußniederung genannt. Das zum Trinken gebotene Wasser ist entweder schmutzig und gesundheitsschädlich, oder es fehlt ganz, wie westlich vonMkambain dem höhern Theil des Plateaus.

Wo sich aber der Mensch an die Ausrodung der Wälder gemacht oder wo engbeschränkte günstige Bodenverhältnisse es gestatten, da hat die Productionskraft der geringen Humusschicht genügt, um mit guten Ernten von Getreide, Taback und besonders von Reis den angewendeten Fleiß zu belohnen. So am Kingani. Man könnte inDunda(der ehemaligen deutschen Station), wenn es auch wegen der umliegenden fiebererzeugenden Sümpfe und der schweren, ungünstig zusammengesetzten Erde nicht sehr empfehlenswerth ist, doch mit einigem Erfolg Reis im Thale und vielleicht Baumwolle und Taback auf der Höhe bauen; ebenso inMadimola(deutsche Station), obwol dessen Boden bei der Analyse ein noch weniger befriedigendes Resultat als jener von Dunda ergeben hat.

Kiranga-Rangaernährt eine große Anzahl von Eingeborenen durch den reichlichen Ertrag seiner Felder.

Usungula(deutsche Station) besitzt nach K. W. Schmidt Boden von erster Qualität (49,1% Sand, 50% thonhaltigen Staub, reich an Phosphorsäure, geringer an Humus); aber es bedarf einer ergiebigen künstlichen Bewässerung.

Bis Usungula reicht die Existenzfähigkeit der Dumpalme; weiter nach dem Innern wird die Mimose der charakteristische Baum. VonDegela-Morabehauptet Speke, es wäre der reichste Bezirk in Usaramo und an Ergiebigkeit der Ernten mit Indien zu vergleichen.

Westlich von Dar-es-Salaam, 20 km entfernt, befindet sich das hübsch auf einer sanften Erhebung gelegenePugu, wo eine Station der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft und ihrgegenüber auf steil abfallender Höhe eine Niederlassung der bairischen katholischen Benedictiner-Mission errichtet worden waren. Man hat den Versuch gemacht, in dieser freundlichen Gegend Taback zu pflanzen.

Auch inmitten der öden monotonen Hochfläche (südwestlich von Liwali) wird der Reisende von einer üppigen Landschaft überrascht: es istMkambamit gutbewaldeten Höhen, mit Mango-, Melonen- und Orangenbäumen, mit Korn, Gemüse- und Reisfeldern.

Kopal wird, wenn auch nicht in der Masse wie an der Mrima, doch immerhin die Arbeit lohnend bei Tumba, Makutaniro und westlich von Mkamba ausgegraben.

Die Bewohner der Mrima vom Kingani bis zum Rufidschi sind aus denselben Elementen zusammengesetzt, wie diejenigen an der Küste von Useguha (siehe S.140): aus denWamrimaundSuaheli. Die Dorfhäuptlinge der Wamrima heißen „Jumbe”; sie sind es, welche die aus dem Innern kommenden Karavanen mittels Tributforderungen und Ueberfahrtszöllen, so namentlich an der großen Fähre über den Kingani bei Bagamoyo, auf das Unverschämteste ausgebeutet haben und eine Veränderung der politischen Verhältnisse als ihren persönlichen Nachtheil betrachteten. Die Wamrima im Bezirk Kwale (südlich von Dar-es-Salaam) vom Mbesi bis Mangatani standen, als sie Elton 1874 besuchte, unter einem einheitlichen Herrscher, Kimwere; die Jumbe hatten als Rathgeber einen „Jemader” zur Seite. Bedurfte der Jumbe erhöhtes Einkommen oder verlockten ihn die von den Indern in Aussicht gestellten Verkaufspreise, so befahl er seinen Unterthanen in die Wälder zu ziehen und Kopal zu graben. Niemals duldete er, daß die Inder selbst oder die Dorfbewohner aus eigenem Antrieb die Kopalreichthümer sich verschafften. Er besaß das ausschließliche Monopol der Kopalgräberei undstrich für seine Person einen beträchtlichen Antheil am Gewinn ein. Beim Export mußte noch ein 20% betragender Zoll an den Sultan entrichtet werden. So blieb den Arbeitern, d. h. den gewöhnlichen Dorfbewohnern, selbst nur ein mäßiger Lohn.

In Bagamoyo und Dar-es-Salaam sind als gebietender Theil dieArabervon Sansibar ansässig; zu ihnen gesellen sich als Händler, Unterhändler und Zollbedienstete dieInder; an den Küstenplätzen südlich von Dar-es-Salaam liegt in den Händen der letztern fast ausschließlich der ganze Handel mit dem Binnenland und Sansibar.

DieWasaramoam Kingani waren zu Burton’s Zeiten der Schrecken der Karavanen; wurden ihre Forderungen nicht vollauf befriedigt, so erklärten sie sofort den Krieg; zuweilen überfielen sie auch die Reisenden plötzlich und hinterlistig. Das dürfte sich nach den Berichten aus neuerer Zeit wesentlich verändert haben; der friedfertige Charakter der Eingeborenen in der Mitte des Plateaus, in Mkamba und Kikonga, wie Thomson ihn schildert, scheint auch bei dieser Bevölkerung, mindestens bei jener am untern Kingani, die Oberhand gewonnen zu haben. Uebrigens ist ihnen stolzes Selbstvertrauen auf eigene körperliche Kraft und geistige Findigkeit in höherm Grade verblieben als den benachbarten Wakutu.

Die Wasaramo sind gut gebaut, dunkelbraun bis tiefschwarz, von ausgeprägtem Negertypus. Sie tragen Baumwollzeuge um die Lenden, die Reichern weiße Hemden und Fes, die Frauen ein Busentuch, Perlhalsbänder und um die Handgelenke Messingspangen. Man sieht bei ihnen häufig einen eigenthümlichen Halsschmuck (Mgoweko), eine Art von Cravatte von rothen, gelben, weißen und schwarzen Perlen, mit Holzstücken dazwischen. Das Haar wird mit rother Erde steif pomadisirt. Sie kennen weder Beschneidung noch Tätowirung. Ihre Hauptbewaffnung bestand früher aus Speeren und vergifteten Pfeilen; jetzt trifft man auch bei ihnen Feuergewehre, wenn auch in geringer Menge an. Daß sie von jeher einenhöhern Grad von Cultur erreichten, beweisen die Wohnungen der Häuptlinge und Wohlhabenden: sie sind aus Lehm, viereckig, mit zweiseitigem Strohdach und einer Veranda, im Innern in Zimmer abgetheilt.

Die Wasaramo betreiben Ackerbau und Kopalgräberei; ja sie verdingen sich nicht nur als Träger, sondern auch zur Arbeit an die Küste. Eine Anzahl von mehrern, aus 5–6 Hütten bestehenden Ansiedelungen steht unter einem Häuptling, dem „Fasi”, dem ein erster Rathgeber, Mwene Goha, beigegeben ist. Eine weiter ausgebildete politische Organisation existirt nicht.

1857 haben sich flüchtendeWadoëbei Makutaniro und Degela-Mora am obern Kingani niedergelassen; ob sie sich erhalten oder ganz verschmolzen, ist nirgend erwähnt. Ebenso wenig wissen wir von denMakambaundWafangara, die Burton als Unterabtheilungen der Wasaramo bezeichnet, die aber in keinem andern Reisebericht wieder auftauchen.

Die Heimat derWakamigrenzt im Norden und Nordwesten längs des Gerengere an Useguha und Ukwere, im Südosten, dem Mgeta entlang, an Usaramo; der unbewohnte höchstgelegene Theil des Uruguru-Gebirges trennt im Süden von Kutu ab, wie im Westen die Kigambwe-, Kihindo- und Mguruwandege-Gebirge von Usagara.

Schönheit der Gegend, Reichthum der Vegetation und Cultivation des Bodens culminiren in den zwei Parallelthälern des obern Gerengere beiSimbamweniundMohale. Von Süden und Westen überragen die malerischen Häupter des Uruguru- und Kigambwe-Gebirges die sanft nach Norden verlaufenden Höhenzüge; die schönbewaldeten Abhänge sind bis in die Höhe von 1000 m mit kleinen Dorfschaften übersäet und senden frisch und klar rieselnde Bäche in die Tiefe hinab; die Thalsohle schmücken blumenreiche, Honig lieferndeWiesen, ein seltener Anblick in Ostafrika, und auf den Feldern gedeihen außer Korn, Mais und Bohnen das Zuckerrohr und die Banane. Das Klima gilt im allgemeinen als gesund. Zwei Feinde bedrohen dies Eden: Ueberschwemmungen, die nicht regelmäßig, aber doch häufig mit verheerender Gewalt eintreten, und die Tsetsefliege, welche das Aufblühen einer ersprießlichen Rindviehzucht verhindert. Doch der Ruf des Wohlstandes dieser Gegend war von jeher ein so mächtiger Reiz gewesen, daß ungefähr vor vierzig oder funfzig Jahren ein Stamm der Waseguha von Magubika (westlich von Saadani) unter Führung des Häuptlings Kisabengo aufbrach und nach hartem Kampfe und mit Unterstützung des Sultans Said Soliman von Sansibar sich zum Herrn des Landes machte. Kisabengo legte seine Residenz am Ufer des Mrogoro an, umgab die Wohnhäuser seiner Familie, seiner Rathgeber und vornehmsten Unterthanen mit einer 4 m hohen steinernen Mauer, die mit Thürmen an den Ecken und mit Thoren an den Seiten, durch kunstvoll geschnitzte Thüren verschlossen, sichern Schutz gewährte. Um diese burgartige Wohnstätte des Fürsten siedelten sich an tausend Hütten der Eingeborenen an; eine niedrige Lehmmauer begrenzte und schützte auch sie. Als Kisabengo starb (wahrscheinlich 1867), hinterließ er drei Kinder. Das älteste von ihnen, seine TochterSimbamweni(d. i. die Löwen-Fürstin), übernahm die Herrschaft und nach ihr ist der Hauptort von Ukami benannt. Ihr ältester Bruder, Kingo Mkuba, ließ sich in Usagara nieder; der jüngere, Kingo Mdogo, verblieb am Mrogoro. Simbamweni, verheirathet mit Mwane Gomera, trennte sich von ihrem Mann und verlegte ihren Wohnsitz nach dem benachbarten, am Tongeni gelegenenMohale(zuweilen Kunguhera oder Kingruira genannt), sodaß gegenwärtig der Ort Simbamweni oderMrogorodie Residenz von Kingo Mdogo geworden ist. Nahe auf einem Hügel wurde die französische Missionsstation Mrogoro gegründet.

Von Mrogoro geht die Karavanenstraße durch lichtesGehölz über den Gerengere und über die hügelige Einsattelung der Kihindo-Berge nach der Makata-Ebene in Usagara.

Um in östlicher Richtung von Mohale nachMusondiam mittlern Gerengere zu gelangen, hat man vorKirokaeinen dichtbewaldeten, steilzerklüfteten Engpaß zu überschreiten, dessen Untergrund aus Quarz und glattem Sandstein besteht. BeiKongasabefindet man sich mitten in der Gebirgswelt des hohen Uruguru; auf dem schwarzschlammigen Thalboden wird Reis in großer Menge, an den Abhängen Hirse und Korn gebaut. Von dem mächtigenKungwe- (oder Kira-)Berge senkt sich das Gelände allmählich zum Gerengere hinab als stark gewelltes, schwierig gangbares Hügelland, das zuerst als dürrer Granitboden von Akaziengehölz bekleidet wird und von 12–15 m tiefen Schluchten durchzogen ist, später von einem 12 km breiten Wald von Wollbäumen, Tamarinden und Mimosen überdeckt ist und zuletzt in einer sumpfigen Strecke endet.

Das Gebirge tritt längs des Gerengere bis zur Mündung des Longwe hart an dessen Ufer heran; zwischen diesem und dem Mgeta liegt eine gegen 20 km breite unbewohnte Savannen-Ebene.

Um die Wakami als einen ursprünglichen Stamm aufzufassen oder sie den Waseguha oder Wasagara als Unterabtheilung einzuverleiben, geben die bisherigen ethnographischen Berichte keine genügenden Anhaltspunkte. Man kann nur annehmen, daß sie, verborgen in einem ziemlich hohen Gebirgsland, vom Völkerverkehr getrennt im Norden durch steinige Steppenwildniß, im Süden durch ungangbare Bergeshöhen, sich jedenfalls einen concentrirten Stammescharakter allmählich hätten erwerben müssen, wenn sie nicht durch den massenhaften Andrang von Karavanen und durch fortwährende Sklavenjagden in ihrer eigenartigen Entwickelung gestört wordenwären. Was man von ihnen weiß, beschränkt sich darauf, daß sie scheu, gutartig und sehr fleißige Ackerbauer sind, daß ihre meist aus 15–20 Hütten bestehenden Dörfer im Waldgestrüpp versteckt und außerdem durch befestigte Thore geschützt liegen; daß ihre ärmlichen, von Ungeziefer wimmelnden runden Hütten aus Flechtwerk und Erde gemacht sind und sich einer Veranda als einziger Annehmlichkeit erfreuen. Einen Vortheil würden sie, wenigstens den umwohnenden Stämmen gegenüber, dadurch besitzen, daß sie ein einheitliches Stammesoberhaupt in der Person der Fürstin Simbamweni haben. Allein diese Landesmutter scheint sich weniger um die Wohlfahrt ihrer Unterthanen zu bekümmern, als um die Vermehrung ihres eigenen Reichthums, ihres arabischen Prunkes und um die Erhaltung der ihr so nothwendigen Gunst des Sultans von Sansibar. Sie hat ihre Macht jenseit der Kihindo-Berge und über die Makata-Ebene hinaus bis nach Rudewa und Farhani in Usagara ausgedehnt.

Die Grenzen von Kutu ergeben sich im Norden und Westen durch das Uruguru- und Rufutu-Gebirge, im Süden größtentheils durch die Wasserscheide des Mgeta und Ruaha-Rufidschi; im Osten aber kann sie nur willkürlich durch eine Linie angenommen werden, die von Kidunda südlich nach dem Plateaurücken gezogen wird. Mgunda sowol, wie Behobeho, müssen trotz ihrer Lage am Südabhang der Wasserscheide wegen der ansässigen Wakutu zur Landschaft Kutu gerechnet werden.

Der bewohnte und bisjetzt allein bekannte Theil von Kutu erscheint als ein nach Osten geöffneter Bergkessel. In ihn führen hinein die Karavanenstraßen vom Kingani-Mgeta über Dutumi, vom Rufidschi über Behobeho, vom Makata-Hochthal über die Pässe Mabruki und Goma und vom Ruaha durch das Thal des Msendasi über Mgunda.

Dutumiist einer der fruchtbarsten Bezirke Kutus. In der Ebene von schwarzer, mit Sand gemischter Erde, welche die wildgezackten Kämme des Uruguru- (hier Mkambaka genannten) Gebirges nördlich umkränzen, werden auf den Feldern der ausgerodeten Waldungen Maniok, Bataten, Gurken, Sesam, Zuckerrohr und Bananen gebaut und Schafe, Ziegen und Hühner in großer Menge gezüchtet.

Im weitern Umkreis ist Dutumi von uncultivirbaren Strecken eingeschlossen. Folgt man dem nach dem Ort benannten Bach bis zur Mündung in den Mgeta beiKiriru, so trifft man zuerst auf den Jegea-Sumpf, der in der Höhe der Regenzeit nicht zu durchwaten ist, sondern südlich umgangen werden muß; dann auf dornige Savannen und vereinzelte Waldpartien von Wollbäumen und Akazien und zuletzt auf einen schwarzschlammigen Boden mit Büscheln von hohem und hartem Gras. Zwischen dem durch Reisbau ausgezeichneten Kiriru und Kidunda wechselt ein durch Mimosen und Gummibäume geschmücktes parkähnliches, ziemlich wildreiches Land mit dichtem Dschungelgebüsch ab. Einen ähnlich niederschlagenden Eindruck macht die Landschaft westlich von Dutumi bis nach Sungomero. Hier erreicht das ohnehin lästige Savannengras die enorme Höhe von 4 m, die endlosen Wälder sind netzartig von Lianen durchzogen und fiebererzeugende Miasmen steigen auf aus den düstern, engen und schlüpfrigen Pfaden.

Freundlicher erscheint der Zugang ins Innere von Kutu vonBehobehoaus. Der Ort selbst liegt mitten in einem ausgerodeten Urwald von Fächerpalmen, Wollbäumen, Akazien, riesigen Epheuranken und Farrnbäumen, in dem eine ungeheuere Menge von Pavianen haust; ein krystallhelles Wasser in sandigem Bett durchschneidet die kornreichen Gefilde. Westlich von Behobeho und jenseit eines niedrigen Höhenzuges eröffnet sich ein liebliches Thal mit Hainen oder breitern Lichtungen in den geschlossenen Waldungen und mündet in den Mgeta.

Die heißen Quellen vonMadschijawetaentspringen auf der nördlichen Abdachung der Mgeta-Ruaha-Wasserscheide, am Fuße eines aus Granit gebildeten Höhenrückens; sie besitzen eine Temperatur von 52°–58° R. Das aufquellende, stark strömende Wasser formt durch Sinterabsonderung hohe Kegel. Reicht der unterirdische Druck nicht mehr hin, um die höher und höher werdenden Kegel zu überströmen, so bricht die Quelle an anderer Stelle durch die schuppigen Schichten von Kalktuff hervor. Thätige Kegel sind weich, außen grau, inwendig weiß. Die Sinterbildungen haben hellgelbe, rosarothe und rothbraune Färbungen. Das über Terrassen abfließende Wasser sammelt sich in einem Weiher von 60 m im Umfang, dessen Ränder brüchig sind und dessen aufsteigende Dämpfe eine unerträgliche Hitze verbreiten. Das Wasser der Quelle selbst ist klar, wohlschmeckend, wohlriechend und enthält sehr viel Kohlensäure. Es wirkt heilsam auf den menschlichen Organismus, namentlich soll es die hochgradigsten Verdauungsstörungen heben.

Steigt man über denMabruki-Paß durch dorniges Gebüsch und auf abschüssigem, rothem Pfade abwärts, so erquickt das Auge der kornreiche Bezirk vonUsirahaoderMbwigwaund das von wilder Vegetation erfüllte, 48 km lange und 10–12 km breite Thal desMsendasi. Hier, in nächster Nähe der Quellen des Msegwe liegtMgunda, so benannt nach einem Häuptling der Waniamwesi, der auf dem Marsch aus dem Innern dauernd sich hier niedergelassen und die ehemalige Bedeutung Sungomeros als Rastplatz der Karavanen auf diesen Ort übertragen hat.

Ueber einen Paß von niedrigen Hügeln kommt man von Mgunda den Msegwe entlang durch ein malerisch prächtiges Thal, in welches der Vilansi zwischen hohen, sumpfigen und wildbewachsenen Ufern mündet. Von hier aus schlingt sich der Pfad seitab von dem rechten Ufer des Msegwe durch ein zerschnittenes, mit Farrnkräutern und Sträuchern anmuthigbewachsenes Terrain, in dem verwitternder Basalt zu Tage tritt, nach den freundlichen Gefilden von Kiregwe.

Anders der Abstieg vom Rufutu-Gebirge über den Goma-Paß nach Sungomero.Kiahenge, ein Conglomerat elender Hütten, der erste bewohnte Ort, liegt am Fuße der Berge an der Vereinigung des Rufutu-Baches mit dem Mgeta. Einzelne Tamarinden stehen auf dem spärlichen, von Wasserrinnen zerrissenen Boden; erfrischend wirkt die klare, fieberfreie Luft und der weite Umblick auf die umliegenden Berge. Einen ähnlichen Anblick gewährtMsisi Mdogo(240 m), dessen Boden mit rothen, gelben und weißen Quarztrümmern übersäet ist. Der Weg zwischen beiden Plätzen führt über steile, rothbraune Hügel zwischen Gebüsch von Aloën und Euphorbien und Waldpartien von Kalebassen und Mimosen hindurch.

In der Ebene vonSungomerosammeln sich die Gewässer der nah umschließenden Hügel und Berge; sie finden bei der geringen Höhenlage von 153 m über dem Meere nur einen träg schleichenden Abfluß. Die fortwährenden, kaum während ein paar Wochen im Jahre aussetzenden Regenschauer, im Verein mit einer drückenden Mittagshitze und mit starken Thaufällen am Morgen vermehren die Feuchtigkeit der verdunstenden Bäche und Flüsse. Was gebaut wird an Korn, Taback und Kokospalmen, was wild wächst an Bang (rauchbarer Hanf) und an massenhaft vorkommenden Stechäpfeln, gedeiht in der üppigsten Fülle. Die Gegend lieferte früher den zahlreichen Karavanen eine unerschöpfliche Menge von Lebensmitteln, Fleisch ausgenommen; denn für Rindvieh ist kein geeignetes Gras und Weideland vorhanden. Die allmähliche Verringerung der Bevölkerung und der Feldarbeiter, vor allem die stets herrschende Fieberluft hat in dem letzten Jahrzehnt die Karavanen aus Sungomero nach dem ebenso fruchtbaren und dabei gesündern Mgunda gedrängt. Nach Thomson ist sogar der Name Sungomero verschollen und man kennt die Gegend nur noch unter der BezeichnungKisaki.

DieWakutusind eine durch Klima und besonders durch Sklavenjagden gänzlich degenerirte Rasse. Schwächlich von Körperbau, elend genährt durch Mehlbrei unter Zusatz von Sesam- und Ricinusöl und durch moderige Fische aus stagnirenden Gewässern, dürftig mit einem Schurz aus Kalebassenfasern, in seltenen Fällen mit einem Stück Baumwollzeug oder Ziegenfell bekleidet, bewohnen sie niedrige, schmutzige Hütten. Entlaufene Sklaven und Sträflinge und heruntergekommene Freie aus der Küstengegend trieben zu Burton’s Zeiten ihr räuberisches Unwesen unter ihnen; der Sultan von Sansibar, zur Hülfe gegen diese angerufen, vermochte die fast vollständige Ausrottung nicht zu verhindern. Die Zuvorkommenheit der Wakutu gegen Fremde, ihre Bereitwilligkeit, Karavanen abgabenfrei durch das Land ziehen zu lassen, beruht auf ihrer Hauptcharaktereigenschaft, der Verzagtheit. Selbst als Träger sind sie kaum zu verwenden, denn die Furcht vor der Fremde macht sie, wo sich Gelegenheit findet, sofort zu Ausreißern.

Vom Gesichtspunkt der Besiedelung durch europäische Unternehmungen sind die Verhältnisse an der Mrima, am Kingani und im Gebirgsland wesentlich voneinander verschieden.

DieMrimaeignet sich in Bezug auf Klima und Boden unfraglich zur Anlage vonPlantagenan folgenden Plätzen: bei Bagamoyo und Dar-es-Salaam; in der Thalebene des Mbesi bis Liwali und in dem „Garten von Kwale”. Die französische Mission bei Bagamoyo hat den Beweis geliefert, daß mit Sorgfalt und Ausdauer befriedigende Ernten werthvoller tropischer Producte erzielt werden können. Auch die blühenden Schambas der Araber überzeugen von dem gewinnreichen Erfolg cultureller Arbeit. Den Hauptertrag liefern die Kokospalmenpflanzungen. Die Mrima fällt freilich in dieZone der Souveränetät des Sultans von Sansibar; die daraus entspringenden Schwierigkeiten werden aber ein wirkliches Hinderniß dann nicht mehr bilden, sobald einmal die zugestandene deutsche Verwaltung hier effectiv geworden. Die größte Schwierigkeit dürfte darin zu suchen sein, daß herrenloses oder unberührtes Land hier selten oder in zu geringem Umfang existirt und daß der Kaufpreis rentabeln Bodens ein zu hoher ist, um die kostspielige Cultur durch deutsche Pflanzer zinstragend zu machen. Quantität und Qualität der Arbeiter wäre in genügendem Grad vorhanden, die Nähe des Meeres von besonderm Vortheil. An einzelnen Stellen würde man gewiß mit der feindseligen oder misgünstigen Haltung der Eingeborenen zu kämpfen haben; denn sie würden durch die Einwanderung vielmehr eine Störung ihres altherkömmlichen Thun und Treibens befürchten und sich dagegen wehren, als daß sie bei den ohnehin ziemlich geordneten Verhältnissen die Weißen als die sonst wirksamsten Beschützer von Person und Eigenthum begrüßten. Man müßte mit Vorsicht ans Werk gehen, jedenfalls anfangs der Versuchung widerstehen, den ergiebigen Kopalhandel den Händen der habgierigen Häuptlinge und Inder zu entziehen. Bei dem Mangel umfassender, diesen Punkt besonders berührender Berichte kann nicht mehr zu Gunsten oder Ungunsten der Colonisirung der Mrima gesagt werden.

Das rechteKingani-Uferverspricht nach den gemachten Erfahrungen und nach den Bodenuntersuchungen von Dr. K. W. Schmidt für die nächsten Jahre keine nennenswerthe Ausbeute, wobei jedoch nicht ausgeschlossen sein soll, daß umfangreiche Reisculturen in der Thalebene möglich sind und daß durch Ausrodung von Waldungen auf dem Plateaurand ziemlich ertragsfähige Felder in späterer Zeit gewonnen werden können. Dagegen berechtigt die außerordentliche Fruchtbarkeit der Umgebung vonUsungulazu der Annahme, daß hier die Plantagenarbeit unter Zuhülfenahme künstlicher Bewässerung einer günstigen Zukunft entgegensieht.

Von denGebirgsländernist Kutu wegen dünner Bevölkerung und verderblichen Klimas nicht in Betracht zu ziehen, sondern nurUkami. Es mag noch andere, dem Meere nähergerückte fruchtbare Landschaften in Ukami geben, zur Zeit kennen wir nur allein die Thäler von Mohale und Simbamweni als ungemein productiv. Die Existenz einer angesehenen fürstlichen Macht und das Vorhandensein einer an Ackerbau gewöhnten thätigen Bevölkerung sind wichtige und günstige Factoren. Ungünstig ist natürlich die von der See entfernte Lage (180 km oder 14 Marschtage) und die zur Zeit bestehende Bedrohung durch große Ueberschwemmungen.

Mit Ausnahme des sehr beliebten Tabacks von Sungomeroexportirtdie Küste allein, und zwar in erster Linie: Kokosnüsse und Kopal, dann Korn, Reis und Zucker. Der Import an Baumwollzeugen, Gewehren, Pulver, Eisen und Metallwaaren wird fast ausschließlich von der Bevölkerung der Mrima consumirt; die Kauffähigkeit und die Nachfrage nach Waaren im ziemlich menschenarmen Binnenland ist sehr gering.

Das Landgebiet zwischen Rufidschi und Rovuma ist der am wenigsten erforschte Theil von Deutsch-Ostafrika; keine bedeutende, vielbegangene Karavanenstraße geht von irgendeinem Punkte der dazwischenliegenden Küstenstrecke aus, und bekanntlich haben von jeher die Karavanenstraßen den Forschungsreisenden die Richtung nach den unbekannten Fernen gegeben. Nur im südlichsten Theil, von Lindi und Mikindani aus, führt ein wichtiger Handelsweg am Nordufer des Rovuma nach dem Nyassa-See, und von dieser Gegend besitzen wir auch einigermaßen befriedigende topographische Nachrichten. Dagegen ist die Küste in allen Buchten und Flußdeltas und einige Meilenlandeinwärts so vollkommen untersucht, daß wir über ihren Culturwerth und über die besten und schlechtesten Landungsplätze genügend orientirt sind. Auch die Richtung, Verzweigung und Benutzbarkeit der zwei Hauptströme unterliegen im allgemeinen keinen geographischen Zweifeln mehr.

Aber trotz dieses gegebenen Materials würde eine erschöpfende Darstellung des Landes in Bezug auf Gestaltung, Bodenbeschaffenheit, Vegetation, Bevölkerung und Culturfähigkeit mehr ein Product der Phantasie als des Wissens sein.

Der schmale niedrigeKüstensaum, die Mrima von Usaramo, erweitert sich von Kikunja im Norden bis Furu im Süden zu einer Ebene von 50 km Ausdehnung; sie erstreckt sich zungenartig, vornehmlich am rechten Ufer des Rufidschi, an den Matumbi-Hügeln vorbei bis nach Korogera in einer unbestimmten Breite. Südlich von Furu verengert sie sich mehr und mehr und wird von Kilwa Kivindje bis Mikindani von dem dicht an das Meer herantretenden Hochplateau überdeckt.

Das linke Ufer des Rufidschi (das Plateau von Usaramo, 110–120 m hoch) erhebt sich bis Korogera ziemlich steil, dagegen scheint das rechte Ufer ganz allmählich als Hochfläche von Nord nach Süd emporzusteigen.

Diese Hochfläche erreicht ihre höchste Erhebung in der Landschaft Makonde mit 770 m. Vereinzelte (noch nicht durch die Forschung in Zusammenhang gebrachte) Bergkuppen und Höhenzüge sehen wie aufgesetzt aus: die Matumbi- und die Mandandu-Berge ca. 570 m (?), der Nangwale 426 m und Lukunde 610 m, endlich der Mtandi bei Masasi 640 m.

Eine Besonderheit dieser Hochfläche ist ihre gleichmäßig niedrig bleibende Ausdehnung bis weit nach Westen, nach dem Innern des Festlandes. Während die erste Terrasse Useguhas schon bei Magubika in einer Entfernung von 50 km von der Küste ihre höchste Höhe von 339 m und diejenige von Usaramo mit 240 m bei Msisi Mdogo in Kutu nach 200 km ihr Endeerreicht, schließt die Hochebene des rechten Rufidschi-Ufers erst bei Mkomokere in Mahenge mit 240 m Höhe nach einer Strecke von 330 km ab.

Die westliche Begrenzung ist nur im nördlichen Winkel durch die 2100 m hohen Uhehe-Berge festgestellt; die östliche bildet die Mrima von Kikunja bis Kilwa Kivindje und von da an das Meer bis zur Mündung des Rovuma.

Bei der ungeheuern Ausdehnung des gleichmäßig langsam ansteigenden Landes muß man auf ein gleichmäßiges, sonnendurchglühtes Klima im östlichen Theil des Innern schließen. Dagegen verdichtet sich die Feuchtigkeit der Küstenluft, unterbrochen durch diese breite Zone der Trockenheit, ähnlich wie im südlichen Usaramo, an den Bergen von Uhehe und an den Höhen von Lukunde, von Masasi und Makonde zu häufigen Niederschlägen, sodaß die Regenzeit am obern Rufidschi Anfang Januar beginnt, während sie bei Kilwa erst Ende März einsetzt.

Wegen der Lagunen und Sümpfe gilt das Klima an der Mrima und in der Thalebene des Rufidschi als sehr ungesund; etwas günstiger ist es an der Küstenstrecke von Kiswere bis Mikindani; als sehr gesund wird es in der hochgelegenen und waldreichen Masasi-Gegend gerühmt.

Ueber dieTemperaturenläßt sich gar nichts Positives sagen; Thomson hat wol in seinem Werke „Expedition nach den Seen” eine erkleckliche Reihe von Thermometerablesungen mitgetheilt; da sie aber nur zur Bestimmung des Barometerstandes vorgenommen wurden und keine Tageszeit, die jedenfalls verschieden war, angegeben ist, so sind sie in Bezug auf Temperaturverhältnisse unbenutzbar.

Bei Maples (Proc. of the R. G. S.1880, S. 353) befindet sich allein eine bemerkenswerthe Notiz; während desNovember 1879 war in Masasi die Mitteltemperatur 22° R. von 9 Uhr vormittags bis 4 Uhr nachmittags blieb sie constant auf 29,2° R.

Den klimatischen Verhältnissen entsprechend gliedert sich dieVegetationin drei Zonen: in die der Küste, des mittlern Plateau und des Gebirgslandes.

Der niedrige Küstensaum ist zum größten Theil mit Sümpfen und Savannen, der hochgelegene mit dichtem Gehölz und Gestrüpp bedeckt im Zusammenhang mit anstoßenden Kopal- und Gummiwaldungen. An den wenigen Stellen, wo das Land urbar gemacht worden und bebaut wurde, zeigen sich Kokospflanzungen und Kornfelder in bestem Wachsthum.

Weiter landeinwärts läßt die ausdörrende Hitze nichts anderes aufkommen als kärgliche Savanne und dornige Akazienwaldungen. Eine Ausnahme schafft das vom Rufidschi im Mittellauf am rechten Ufer in weiter Ebene abgelagerte Schwemmland; dieses liefert dem Ackerbauer mehr als den eigenen Bedarf. Auch die massigen, in dem durchschnittenen wasserreichen Hügelland gelegenen Waldungen nördlich vom Rovuma, in denen die Kautschuk-Liane überaus kräftig wuchert, bergen in sich die Keime erfreulichster Culturfähigkeit, wie vereinzelte Niederlassungen, so Mesule und Masasi, beweisen.

Im Gebirgsland Mahenge offenbart sich auf den herabgeschwemmten, nahrungsreichen Bodenschichten die Ueberfülle der Pflanzenwelt sowol in der Mächtigkeit der Dschungeln und Gräser, als auch in dem reichen Erträgniß der bebauten Gefilde. Gänzlich unfruchtbar ist die Bergwildniß am obern Rufidschi zwischen Kingani und Schuguli; der steinige Grund bringt hauptsächlich nur dornige Mimosen hervor.

Auffallend ist in diesem ganzen Gebiet die Armuth an jagdbarenThieren. Weder die Wälder noch die Steppen sind belebt; nur in den Fluten des Rufidschi und Rovuma treiben scharenweise das Flußpferd und das Krokodil ihr Unwesen.

Da weder geographisch noch ethnographisch abgegrenzte Bezirke nach unserer gegenwärtigen Kenntniß in dem Land zwischen Rufidschi und Rovuma (mit Ausnahme von Mahenge) existiren, muß die Topographie mit folgenden ungleichartigen Landcomplexen versucht werden: das Flußthal des Rufidschi und des Ulanga mit Mahenge, die Küste, die Route von der Decken’s und das Land Makonde mit Masasi.

DerRufidschierhält seinen Namen nach der Vereinigung des Ulanga mit dem 90 m breiten unerforschtenLuwego. Beide Flüsse umströmen bei Schuguli eine dichtbewaldete Halbinsel, die aus Granit besteht und sich als Mbrerara-Berg 600 m über die Thalsohle erhebt. Durch eine Felsenenge von 6 m Breite stürzen die vereinigten Wasser zwischen 15 m hohen Ufern jählings hinab und durchfließen bis zum zweiten Katarakt bei Maruka eine mehr als 120 km lange fast unbewohnte, spärlich mit Wald bedeckte Bergwildniß. Nahe oberhalbMarukamündet derRuaha. Unterhalb dieses Ortes durchbricht der Rufidschi in 4½ m Breite eine von Nord nach Süd laufende Felsenbergkette (wahrscheinlich die Fortsetzung des Kilima-Hatambula bei Behobeho), erweitert darauf bei Korogera sein Rinnsal in zahlreichen Verzweigungen und verringert seine Tiefe bis auf einen Fuß. Die Umgebung ist gewelltes Land mit Quarzblöcken und zahlreichen Mimosen und scheint sehr wenig bevölkert zu sein. Die Breite des Flußbettes zwischen Korogera und Ndungunu wechselt von 90 zu 800 m je nach der Menge der Inseln, die das Wasser in viele Arme vertheilen, sodaß der Strom in der Trockenzeit wie ein schlammiges Sumpfgewirr sich ausnimmt. Die Umgegend verflacht sich; nur beiKikumbisteigt das Nordufer wieder empor und begleitet als rotherdige vertrocknete Steppe in einer Höhe von 6–15 m den Fluß bisMalingwa; auf der rechten Seite setzt sich die Ebene, durch die Matumbi-Hügel unterbrochen, sowol stromabwärts als auch nach Süden fort, die, wenn unberührt von Menschenhand, nur Savannengras und lichtes Buschwerk hervorbringt, bei fleißiger Bebauung aber Reis, Mais, Taback, Zuckerrohr und auch Baumwolle zu liefern im Stande ist. Zur Regenzeit ist diese Ebene eine einzige Wasserfläche.

Ist es auch einmal dem Engländer Beardall gelungen, ein Boot von der Mündung bei Kikunja bis nach Korogera zu bringen, so ist doch wegen der zahllosen Untiefen an eine Schiffbarkeit des obern und mittlern Rufidschi nicht zu denken, kaum für flache Canoes von 2 Fuß Tiefgang und zwar nur bei Hochwasser. Beardall war oftmals gezwungen, sein ebenfalls flaches Boot auf die Schultern nehmen und streckenweise tragen zu lassen. VonNdungunuabwärts wächst die Stärke der Bevölkerung. Malingwa ist sogar ein Ort von 200 Hütten. Die Breite des Flusses nimmt mehr und mehr ab, seine Tiefe dafür zu. Bei Ndungunu beträgt jene 270 m, bei Nananda 70 m, bei Kadi 135 m und endlich bei der großen Ueberfahrtsstelle Njantumbo (Kisomo) 72 m.Njantumbo, ein Ort von 70 Hütten, liegt in der Mitte der großen, fast baumlosen und sehr fruchtbaren Savanne zwischenKikunjaundMohoro: es gedeihen Mais, Hirse, Bananen, Erdnüsse und Kokospalmen; Rinder, fette Schafe, Ziegen und Hühner werden in Menge gehalten, namentlich südlich des Flusses. Die Masse der Producte ist so groß, daß sehr viel nach Kikunja oder Samanga zum Export gebracht wird.Mpembenowar früher die Uebergangsstelle, wurde aber ganz verlassen. Von hier bis zur Mündung ist der Rufidschi für Dampfbarkassen mit 1 m Tiefgang schiffbar, auch rückwärts zu jeder Jahreszeit, wenngleich wegen der vielen Untiefen ziemlich schwierig. Die Eingeborenen benutzen die Wasserstraße nicht einmal stromabwärts, weil die Rückkehr entgegen der starken Strömung zu viel Arbeit macht; sie ziehen den Landweg nach Kikunja vor.

DasDelta des Rufidschiist mit Mangrovewaldungen dicht besetzt, die zum Schiffsbau vorzüglich geeignetes und in weite Ferne verschicktes Holz liefern; beiKisimitierheben sich landeinwärts die Ufer, der Boden wird sandig und trägt Mangobäume, Kokospalmen und Bananen in reichlicher Fülle.

Der Rufidschi hat drei Hauptmündungen:

DerKikunja, 3½ km breit mit 3½ m Tiefe am Ende. Der Ort Kikunja selbst ist sehr ungesund, das Trinkwasser schlecht, die Felder aber sind gut bebaut, auch auf den nahegelegenen, nach Südwest verlaufenden Sandsteinhügeln. Kikunja ist Exporthafen besonders für Kopal aus der Landschaft Kwale.

DerSimboranga; ein ziemlich tiefer Kanal, für Kutter benutzbar.

DerMsala; die directeste Verbindung mit dem Meer, aber so eng und mit Sandbänken durchsetzt, daß nur Canoes ihn befahren können; am Ausfluß erweitert er sich von 17 zu 135 m mit einer Tiefe von 3½ m.

Die übrigen, aber wenig benutzten Arme sind: Suninga, Kiomboni und Jaja.

Von denUferbewohnerndes Rufidschi wird wenig berichtet; sie bilden keine ethnographische Einheit; gemeinsam ist ihnen nur die Hinneigung zum Araberthum und Mohammedanismus und die Kenntniß des Kisuaheli. Jedes Dorf hat seinen eigenen Häuptling, und kein Häuptling ist von dem andern abhängig. Den Ackerbau betreiben sie mit großem Fleiß. In der Ebene von Njantumbo ist die Bevölkerung intensiv schwarz, untersetzt, sehr häßlich und besonders schmutzig. Ihnen eigenthümlich ist die Anlage der Dörfer mit durchgehender breiter Hauptstraße und das Unterlassen jeder Art von Umzäunung, was auf sehr friedliche Verhältnisse schließen läßt.

Die Namen der verschiedenen Stämme flußaufwärts sind: Wamamboka (wahrscheinlich eine Unterart der Wagindo), Wasoma, Wamlanji, Wamhoka und Wahimba.

Die LandschaftMahengeliegt zwischen dem Ruaha undUlangaund wird im Westen von dem 2100 m hohen Uhehe-Gebirge abgeschlossen.

DerRuahahat seine Quellen in den Konde-Bergen (am Nordende des Nyassa-Sees) und durchbricht nach langem, noch nicht erforschtem Laufe die Gebirgsmasse zwischen Uhehe, Usagara und Kutu. Trotzdem führt er weniger Wasser mit sich als der Ulanga; er ist unschiffbar wegen der zahlreichen Sandsteinbarrièren; er ist in der Trockenzeit im Land Mahenge sehr seicht. Bei der Mündung des Msendasi besitzt er eine Breite von 70–90 m. DerMsendasifließt von den Höhen von Mgunda durch ein pfadloses, wildarmes Dickicht von Dschungeln und Wäldern.

DerUlangaist der Abfluß des 40–50 km sich ausdehnenden Sumpfes von Tschikoja; an seiner engsten Stelle hat er eine Breite von 68 m, bei Ngohoma wurde sie auf 200 m geschätzt. Im Oberlauf von hohen Bergen umgeben, flacht sich bei Ngohoma sein linkes Ufer zu einer bis an den Fuß der Uhehe-Berge reichenden Ebene ab, die zur Regenzeit weithin überschwemmt wird. Seine Schiffbarkeit scheint auf kurze Strecken beschränkt zu sein; jedenfalls findet sie an den Schuguli-Fällen und an der Unbefahrbarkeit des Rufidschi ein unüberwindbares Hinderniß der Fortsetzung.

DasUhehe- oderUdschungwe-Gebirge (2100 m) wird nach vier- bis fünftägigem Marsch von Matanga aus auf einem Paß (2030 m) überschritten. Es stellt eine Reihe von Bergketten dar, eine fast vollkommen unbewohnte Wald- und Felsenwildniß, aber voll herrlicher, erfrischender Luft und von malerischem, großartigem Landschaftscharakter. Nach Westen fällt es allmählich und in geringer Tiefe ab zu dem monoton gewellten Hügelland von Uhehe.

DieNiederung von Mahengebesteht aus sehr fruchtbarem Schwemmland, das bei stets herrschender Feuchtigkeit allen Pflanzen zum üppigsten Wachsthum verhilft. Wo esbebaut wird, da gedeihen Reis, Mais, Bataten, Erdnüsse, Melonen, Taback, Zuckerrohr, Baumwolle, nur nicht die Banane. Da die Bevölkerung gering und die vorhandene mehr zu Raubzügen als zum Ackerbau geneigt ist, so erscheint Mahenge zum größten Theil als das Land der dichtesten Dschungel mit versumpften Strecken. Die einzige größere Culturstätte istMkomokere.

DieMahengesind heller von Farbe, feiner von Gesichtszügen und klüger von Verstand als die benachbarten Wakutu. Im Frieden reducirt sich ihre Bekleidung auf ein schmales Tuch, vorn und hinten am Gürtel herabhängend oder nur über die Schulter geworfen, auf ein Stückchen Thierfell oder Rindenzeug; für die Frauen auf eine Schürze von Affenhäuten und auf Armbänder von Messingdraht. Für einen Kriegszug jedoch schmücken sie den Kopf übermäßig mit Federn und behängen Rücken und Seiten mit Katzen- und Leopardenfellen. Besondere Sorgfalt verwenden sie auf den Bau und die Verwendung ihrer Hütten. Auf Mauern von geschickt bearbeitetem Flechtwerk ruht das runde oder viereckige Strohdach; oder es wird der Unterbau auf eine 1 m hohe Plattform gestellt und das Dach wie eine Kapuze zum Boden reichend darüber gestülpt. Sie erbauen für die Feldfrüchte eigene Speicher und für die Schafe, Ziegen und Hühner von den Wohnungen abgesonderte Ställe.

Die Mahenge wurden früher einmal von den Maviti, einem Zweigstamm der Zulus, der von dem Nyassa-See herabkam, in Furcht und Schrecken versetzt. Da dieser Kriegszug weiter nach Osten sich wälzte und überall die Bevölkerung bis zur Wehrlosigkeit einschüchterte, so nahmen die Mahenge, nachdem das Gewitter über sie weggezogen, Kleidung und Waffen der Maviti an und versuchten auf diese Weise und zwar mit Glück bei den Nachbarn Unterwürfigkeit mit leichter Mühe zu erlangen. So brachten sie selbst die Bewohner des ferngelegenen Korogera und Behobeho unter ihre unbeschränkte Botmäßigkeit.

VonMohorobisMatompiani(nördlich von Kilwa Kivindje) zieht sich eine mit Wald und Gebüsch bestandene Savanne hin und endet in schwarzem, schlammigem Boden zwischen braunen, tiefeingeschnittenen Bächen; der niedrige und für Boote schwer zugängliche Strand verläuft in Mangrovesümpfe. Die spärliche Bevölkerung concentrirt sich inFuruund namentlich inSamanga; sie verstand es durch angestrengte Thätigkeit vereinzelte wüste Strecken in Reis- und Zuckerrohrfelder umzuwandeln und Futter für beträchtliche Viehheerden zu gewinnen.

Der Korallenarchipel von Kilwa Kivindje bis nördlich Kimbidschi (bei Dar-es-Salaam) und zwischen der Rufidschi-Mündung und der Insel Mafi bietet der Schiffahrt zu keiner Jahreszeit Schwierigkeiten oder Gefahren.

Kilwa Kivindje.Die Rhede befindet sich 3 km seewärts; das Watt ist so sanft ablaufend, daß bei Niedrigwasser die Boote auf 1 km Entfernung vom Strand festsitzen und man gezwungen ist, diese Strecke zu durchwaten. Der Strand selbst besteht aus tiefem Sand- und Schlammboden, gegen Norden aus Mangrovesümpfen. Es ist eine bösartige Fiebergegend mit schlechtem Trinkwasser. DerMdschindjerafließt als ein dürftiges Gewässer in die Bai. Nur im Westen erhebt sich ein grünes, fruchtbares und viehreiches Hügelland mit den Schambas der Araber zwischen Kokospalmen und Orangenbäumen. Trotz der ungünstigen Verhältnisse der Landung und des Klimas ist der Ort wegen der Zufuhr von Producten von der Nord- und der Südküste und aus dem Innern einer der größten Städte nach Dar-es-Salaam. Von der Decken schätzte schon vor dreißig Jahren die Einwohnerzahl auf 15000. Freilich wohnt die Masse in elenden Hütten; es existiren nur einzelne steinerne Häuser, darunter das Zollhaus, ein Bazar und ein verfallendes Fort.

Kilwa Kivindje errang seine Bedeutung erst, als die NachbarstadtKilwa Kisiwaniin Verfall gerieth. Hier hatten sich um 1500 die Portugiesen angesiedelt und ein großartiges Fort mit Bastionen errichtet. Als sie es wegen des verderblichen Klimas verließen, kamen die Araber und schufen es zu einem politisch wichtigen und reichen Handelsplatz um; an 300 Moscheen sollen dort einmal gestanden haben. Von all dieser Herrlichkeit besteht jetzt nur noch ein antiquarisch interessanter Trümmerhaufen, außerdem ein zweistöckiges, sehr schadhaftes Zollgebäude, ehemals die Residenz des Gouverneurs, etwa zehn brauchbare steinerne Häuser und das Fort, das zwar 1857 neu aufgebaut wurde, zur Zeit aber den anschlagenden Meereswellen überlassen wird. Kisiwani liegt auf einer Insel voll wildwuchernder Vegetation in reizloser, unfruchtbarer Umgebung. Zwei Meerbusen umschließen die Insel: Kuawi im Norden und Mavudji im Süden mit dem Pactolushafen. In 1½ km Entfernung von ihr ist guter Ankergrund.

Von Kilwa Kisiwani bis zur Rovuma-Mündung fällt das Hochplateau fast direct zur See hinab; breite Korallenriffe umsäumen den (ausgenommen bei Lindi und Mikindani) ganz allmählich unter das Wasser verlaufenden Strand.

Dem gering bevölkerten, doch wildreichenKiswerekann man nur bei Hochwasser sich nähern. Ebenso ungünstig ist der eine enge Einfahrt besitzende Landungsplatz beiMdschinga.

Lindidagegen hat in der äußern Bucht eine vorzügliche Rhede. Es ist neben Kilwa Kivindje der bedeutendste Ort, der Ausgangspunkt der Karavanen nach dem Nyassa-See. Es zählt 500 Häuser, in einem Hain von Kokospalmen, Bananen und Bambusen auf niedrigem sumpfigen Terrain zerstreut gelegen. Auf dem trockenen Land im Norden steht ein Fort halb in Ruinen. Der Lindi- oderUkeredi-Fluß, der bis Liawa schiffbar ist und wahrscheinlich östlich von Masasi entspringt, mündet bei einem südlich sich erhebenden, mit Waldgestrüpp bedeckten Hügel von 50 m Höhe. Lindi ist einFiebernest. Die im Westen dicht herantretende Hochfläche hat gesündere Luft, wäre auch sehr geeignet zu Culturen und zur Viehzucht, ist aber nur spärlich bebaut.

Die Außenbai vonMikindaniliegt offen, allen Stürmen ausgesetzt und hat keine Ankerplätze. Doch im Innern besitzt sie drei vollkommen geschützte Häfen, zu denen man zwischen Korallenriffen in tiefem Wasser bei Flut gelangt. Der beste Hafen wäre der von Pemba, allein hier fehlt jede Landverbindung. Gewöhnlich wirdKimberiangelaufen, das am Ausgang eines tief eingeschnittenen Thales und am Fuße eines 100 m hohen Berges liegt. Auch das niedrig gelegeneMirumbaist günstig; es besitzt eine Kaserne zur Vertheidigung, die aber beim Mangel von Geschützständen nichts gegen Kriegsschiffe zu leisten vermag.

Araber, Inder und Eingeborene bilden in großer Menge die Bevölkerung der drei Hafenplätze; lebhafter Handel wird mit Kopal, Kautschuk, Reis und Vieh betrieben.

Um einen, wenn auch nur flüchtigen Blick in die Natur des Binnenlandes zu erhalten, muß man bis auf die Berichte von der Decken’s von 1860 zurückgreifen; kein zweiter Reisender hat uns sichere Kunde über diese Gegenden gegeben.

Von der Decken kam, von Kilwa Kisiwani bis Mesule, ungefähr 250 km landeinwärts. Das langsam bis 400 m ansteigende Plateau endet mit dem 610 m hohen Lukunde-Gebirge, einem Trümmerhaufen riesiger Felsblöcke, wie die vorher durchschrittene Landschaft zahlreiche Bäche nach Süden entsendet. Da das Land von Masasi und Makonde höher liegt als jenes von Mesule, und bei Kiswere ein Fluß, Umbekuru genannt, aus Westen strömend, mündet, so hat die Vermuthung, daß letzterer alle Bäche aufnimmt, welche die Route von der Decken’s von Norden nach Süden durchkreuzen, Anspruch auf Wahrscheinlichkeit.


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