Chapter 9

Hier schließt die Vorlesung aus den Protokollen der Brüderschaft. Niemand wird die Gemeinschaft der Brüder für eine Bier- und Ruhebank halten, die Faulenzern und Feiglingen Gelegenheit gibt, stumpfzusinnen. Die geruhigen Brüder haben ein Verständnis dafür, daß es Invaliden des Lebens gibt, die sich darauf zurückziehen, täglich an derselben Stelle dasselbe Glas bis zur bestimmten Höhe gefüllt vorzufinden, es in der immer gleichen Zeit zu leeren und dabei auf dieselbe allgemeine Schnupftabaksdose in der Mitte der Tafel zu starren und in der sanften Betäubung dieses stillen Zirkeltanzes das bißchen Lebensrest zu verdämmern – die Brüder vom geruhigen Leben respektieren dieHaken, die für die Hüte dieser Invaliden ein für allemal reserviert sind – aber sie haben nichts mit ihnen gemein. Die Brüder vom geruhigen Leben sind Kämpfer. Nur wollen sie den Kampf nicht dort führen, wo er sich nicht lohnt, wollen sie das Leben nicht dort schon tragisch nehmen, wo die Tragödie noch gar nicht beginnt, wollen sie ihre Eingeweide nicht schon opfern in den Vorhöfen des Lebens, wollen sie nicht wie die törichten Jungfrauen ihr Öl verbrennen, bevor der Bräutigam kommt. Sie wollen in dem verdammten »Objekt« keinen Machtkitzel erwecken, indem sie seine kleinen und gemeinen, niedrigen und widrigen, schäbigen und klebigen Nücken und Tücken mit nervösem Ernst behandeln, und wollen ihre Kraft sparen, um das Große zu verteidigen und das Größte, das Schicksal, mit Würde zu tragen. Denn das ist der allerhöchste und allerheiligste Grundsatz unserer Brüderschaft:

»Ein Leben in Wacht und in Waffen wider die Großmächte der Finsternis ist eines Erdenpilgers tiefste Ruhe.«


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