Die Fahndung

Die Fahndung

von

Joseph Viktor von Scheffel.

Und wieder sprach der Rodenstein:„Pelzkappenschwerenot!Hans Breuning, Stabstrompeter mein,bist untreu oder tot?Lebst noch? .. Lebst noch und hebst noch?Man g’spürt dich nirgend mehr ...Schon naht die durst’ge Maiweinzeit,du mußt mir wieder her!“Er ritt, bis er gen Darmstadt kam,kein Fahnden war geglückt;da lacht er, als am schwarzen Lammdurchs Fenster er geblickt:„Er lebt noch! .. Lebt noch und hebt noch,doch frag’ mich keiner: wie?Wie kommt mein alter Flügelmannin solche Kompagnie?“In Züchten saß der Stammgast Scharnach Rang und Würden dort,Dünnbier ihr Vespertrünklein war,es klang kein lautes Wort.„Sacht stets! .. sacht und bedacht stetsist Lebens Hochgenuß,“so flüstert ein Kanzleimann justzum Kreisamtssyndikus.In dieser Schöppleinschlürfer Reih’saß auch ein stilles Gast,und als es acht Uhr war vorbei,nahm’s Stock und Hut mit Hast.„Ach jetzt! .. ach jetzt .. gut Nacht jetzt!Einst war ich nicht so brav,doch ehrbar wandeln ist das best’,ich geh’ ins Bett und schlaf’.“Der Rodenstein in grimmem Zornhub grau’nhaft sich empor;dreimal stieß er ins Jägerhornund blies mit Macht den Chor:„’raus da! ’raus aus dem Haus da!’raus mit dem Deserteur!Das lahme, zahme Gast da dringehört zum wilden Heer!“Da faßt das Gast ein Schreck und Graus,erst sank es in die Knie,dann stürzt’ es einen Maßkrug aus,schlug’s Fenster ein und schrie:„’naus da! ’naus aus dem Haus da!O Horn und Sporn und Zorn!O Rodenstein! O Maienwein!Noch bin ich nicht verlor’n.Rumdiridi, Freijagd!Hoidirido, Freinacht!Alter Patron,empfah’ deinen Sohn!Hussa, hallo!Jo, hihaho!’naus, ’naus, ’naus!“

Und wieder sprach der Rodenstein:„Pelzkappenschwerenot!Hans Breuning, Stabstrompeter mein,bist untreu oder tot?Lebst noch? .. Lebst noch und hebst noch?Man g’spürt dich nirgend mehr ...Schon naht die durst’ge Maiweinzeit,du mußt mir wieder her!“Er ritt, bis er gen Darmstadt kam,kein Fahnden war geglückt;da lacht er, als am schwarzen Lammdurchs Fenster er geblickt:„Er lebt noch! .. Lebt noch und hebt noch,doch frag’ mich keiner: wie?Wie kommt mein alter Flügelmannin solche Kompagnie?“In Züchten saß der Stammgast Scharnach Rang und Würden dort,Dünnbier ihr Vespertrünklein war,es klang kein lautes Wort.„Sacht stets! .. sacht und bedacht stetsist Lebens Hochgenuß,“so flüstert ein Kanzleimann justzum Kreisamtssyndikus.In dieser Schöppleinschlürfer Reih’saß auch ein stilles Gast,und als es acht Uhr war vorbei,nahm’s Stock und Hut mit Hast.„Ach jetzt! .. ach jetzt .. gut Nacht jetzt!Einst war ich nicht so brav,doch ehrbar wandeln ist das best’,ich geh’ ins Bett und schlaf’.“Der Rodenstein in grimmem Zornhub grau’nhaft sich empor;dreimal stieß er ins Jägerhornund blies mit Macht den Chor:„’raus da! ’raus aus dem Haus da!’raus mit dem Deserteur!Das lahme, zahme Gast da dringehört zum wilden Heer!“Da faßt das Gast ein Schreck und Graus,erst sank es in die Knie,dann stürzt’ es einen Maßkrug aus,schlug’s Fenster ein und schrie:„’naus da! ’naus aus dem Haus da!O Horn und Sporn und Zorn!O Rodenstein! O Maienwein!Noch bin ich nicht verlor’n.Rumdiridi, Freijagd!Hoidirido, Freinacht!Alter Patron,empfah’ deinen Sohn!Hussa, hallo!Jo, hihaho!’naus, ’naus, ’naus!“

Und wieder sprach der Rodenstein:„Pelzkappenschwerenot!Hans Breuning, Stabstrompeter mein,bist untreu oder tot?Lebst noch? .. Lebst noch und hebst noch?Man g’spürt dich nirgend mehr ...Schon naht die durst’ge Maiweinzeit,du mußt mir wieder her!“

Und wieder sprach der Rodenstein:

„Pelzkappenschwerenot!

Hans Breuning, Stabstrompeter mein,

bist untreu oder tot?

Lebst noch? .. Lebst noch und hebst noch?

Man g’spürt dich nirgend mehr ...

Schon naht die durst’ge Maiweinzeit,

du mußt mir wieder her!“

Er ritt, bis er gen Darmstadt kam,kein Fahnden war geglückt;da lacht er, als am schwarzen Lammdurchs Fenster er geblickt:„Er lebt noch! .. Lebt noch und hebt noch,doch frag’ mich keiner: wie?Wie kommt mein alter Flügelmannin solche Kompagnie?“

Er ritt, bis er gen Darmstadt kam,

kein Fahnden war geglückt;

da lacht er, als am schwarzen Lamm

durchs Fenster er geblickt:

„Er lebt noch! .. Lebt noch und hebt noch,

doch frag’ mich keiner: wie?

Wie kommt mein alter Flügelmann

in solche Kompagnie?“

In Züchten saß der Stammgast Scharnach Rang und Würden dort,Dünnbier ihr Vespertrünklein war,es klang kein lautes Wort.„Sacht stets! .. sacht und bedacht stetsist Lebens Hochgenuß,“so flüstert ein Kanzleimann justzum Kreisamtssyndikus.

In Züchten saß der Stammgast Schar

nach Rang und Würden dort,

Dünnbier ihr Vespertrünklein war,

es klang kein lautes Wort.

„Sacht stets! .. sacht und bedacht stets

ist Lebens Hochgenuß,“

so flüstert ein Kanzleimann just

zum Kreisamtssyndikus.

In dieser Schöppleinschlürfer Reih’saß auch ein stilles Gast,und als es acht Uhr war vorbei,nahm’s Stock und Hut mit Hast.„Ach jetzt! .. ach jetzt .. gut Nacht jetzt!Einst war ich nicht so brav,doch ehrbar wandeln ist das best’,ich geh’ ins Bett und schlaf’.“

In dieser Schöppleinschlürfer Reih’

saß auch ein stilles Gast,

und als es acht Uhr war vorbei,

nahm’s Stock und Hut mit Hast.

„Ach jetzt! .. ach jetzt .. gut Nacht jetzt!

Einst war ich nicht so brav,

doch ehrbar wandeln ist das best’,

ich geh’ ins Bett und schlaf’.“

Der Rodenstein in grimmem Zornhub grau’nhaft sich empor;dreimal stieß er ins Jägerhornund blies mit Macht den Chor:„’raus da! ’raus aus dem Haus da!’raus mit dem Deserteur!Das lahme, zahme Gast da dringehört zum wilden Heer!“

Der Rodenstein in grimmem Zorn

hub grau’nhaft sich empor;

dreimal stieß er ins Jägerhorn

und blies mit Macht den Chor:

„’raus da! ’raus aus dem Haus da!

’raus mit dem Deserteur!

Das lahme, zahme Gast da drin

gehört zum wilden Heer!“

Da faßt das Gast ein Schreck und Graus,erst sank es in die Knie,dann stürzt’ es einen Maßkrug aus,schlug’s Fenster ein und schrie:„’naus da! ’naus aus dem Haus da!O Horn und Sporn und Zorn!O Rodenstein! O Maienwein!Noch bin ich nicht verlor’n.Rumdiridi, Freijagd!Hoidirido, Freinacht!Alter Patron,empfah’ deinen Sohn!Hussa, hallo!Jo, hihaho!’naus, ’naus, ’naus!“

Da faßt das Gast ein Schreck und Graus,

erst sank es in die Knie,

dann stürzt’ es einen Maßkrug aus,

schlug’s Fenster ein und schrie:

„’naus da! ’naus aus dem Haus da!

O Horn und Sporn und Zorn!

O Rodenstein! O Maienwein!

Noch bin ich nicht verlor’n.

Rumdiridi, Freijagd!

Hoidirido, Freinacht!

Alter Patron,

empfah’ deinen Sohn!

Hussa, hallo!

Jo, hihaho!

’naus, ’naus, ’naus!“


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