Ritter Kurts Brautfahrt

Ritter Kurts Brautfahrt

von

Johann Wolfgang von Goethe.

Mit des Bräutigams Behagenschwingt sich Ritter Kurt aufs Roß;zu der Trauung soll’s ihn tragen,auf der edlen Liebsten Schloß;als am öden Felsenortedrohend sich ein Gegner naht;ohne Zögern, ohne Worteschreiten sie zu rascher Tat.Lange schwankt des Kampfes Welle,bis sich Kurt im Siege freut;er entfernt sich von der Stelle,Überwinder und gebläut.Aber was er bald gewahretin des Busches Zitterschein,mit dem Säugling still gepaaretschleicht ein Liebchen durch den Hain.Und sie winkt ihn auf das Plätzchen:„Lieber Herr, nicht so geschwind!Habt Ihr nichts an Euer Schätzchen,habt Ihr nichts für Euer Kind?“Ihn durchglühet süße Flamme,daß er nicht vorbei begehrt,und er findet nun die Amme,wie die Jungfrau, liebenswert.Doch er hört die Diener blasen,denket nun der hohen Braut,und nun wird auf seinen StraßenJahresfest und Markt so laut,und er wählet in den Budenmanches Pfand zu Lieb’ und Huld;aber ach! da kommen Judenmit dem Schein vertagter Schuld.Und nun halten die Gerichteden behenden Ritter auf.O verteufelte Geschichte!Heldenhafter Lebenslauf!Soll ich heute mich gedulden?Die Verlegenheit ist groß.Widersacher, Weiber, Schulden,ach! kein Ritter wird sie los.

Mit des Bräutigams Behagenschwingt sich Ritter Kurt aufs Roß;zu der Trauung soll’s ihn tragen,auf der edlen Liebsten Schloß;als am öden Felsenortedrohend sich ein Gegner naht;ohne Zögern, ohne Worteschreiten sie zu rascher Tat.Lange schwankt des Kampfes Welle,bis sich Kurt im Siege freut;er entfernt sich von der Stelle,Überwinder und gebläut.Aber was er bald gewahretin des Busches Zitterschein,mit dem Säugling still gepaaretschleicht ein Liebchen durch den Hain.Und sie winkt ihn auf das Plätzchen:„Lieber Herr, nicht so geschwind!Habt Ihr nichts an Euer Schätzchen,habt Ihr nichts für Euer Kind?“Ihn durchglühet süße Flamme,daß er nicht vorbei begehrt,und er findet nun die Amme,wie die Jungfrau, liebenswert.Doch er hört die Diener blasen,denket nun der hohen Braut,und nun wird auf seinen StraßenJahresfest und Markt so laut,und er wählet in den Budenmanches Pfand zu Lieb’ und Huld;aber ach! da kommen Judenmit dem Schein vertagter Schuld.Und nun halten die Gerichteden behenden Ritter auf.O verteufelte Geschichte!Heldenhafter Lebenslauf!Soll ich heute mich gedulden?Die Verlegenheit ist groß.Widersacher, Weiber, Schulden,ach! kein Ritter wird sie los.

Mit des Bräutigams Behagenschwingt sich Ritter Kurt aufs Roß;zu der Trauung soll’s ihn tragen,auf der edlen Liebsten Schloß;als am öden Felsenortedrohend sich ein Gegner naht;ohne Zögern, ohne Worteschreiten sie zu rascher Tat.

Mit des Bräutigams Behagen

schwingt sich Ritter Kurt aufs Roß;

zu der Trauung soll’s ihn tragen,

auf der edlen Liebsten Schloß;

als am öden Felsenorte

drohend sich ein Gegner naht;

ohne Zögern, ohne Worte

schreiten sie zu rascher Tat.

Lange schwankt des Kampfes Welle,bis sich Kurt im Siege freut;er entfernt sich von der Stelle,Überwinder und gebläut.Aber was er bald gewahretin des Busches Zitterschein,mit dem Säugling still gepaaretschleicht ein Liebchen durch den Hain.

Lange schwankt des Kampfes Welle,

bis sich Kurt im Siege freut;

er entfernt sich von der Stelle,

Überwinder und gebläut.

Aber was er bald gewahret

in des Busches Zitterschein,

mit dem Säugling still gepaaret

schleicht ein Liebchen durch den Hain.

Und sie winkt ihn auf das Plätzchen:„Lieber Herr, nicht so geschwind!Habt Ihr nichts an Euer Schätzchen,habt Ihr nichts für Euer Kind?“Ihn durchglühet süße Flamme,daß er nicht vorbei begehrt,und er findet nun die Amme,wie die Jungfrau, liebenswert.

Und sie winkt ihn auf das Plätzchen:

„Lieber Herr, nicht so geschwind!

Habt Ihr nichts an Euer Schätzchen,

habt Ihr nichts für Euer Kind?“

Ihn durchglühet süße Flamme,

daß er nicht vorbei begehrt,

und er findet nun die Amme,

wie die Jungfrau, liebenswert.

Doch er hört die Diener blasen,denket nun der hohen Braut,und nun wird auf seinen StraßenJahresfest und Markt so laut,und er wählet in den Budenmanches Pfand zu Lieb’ und Huld;aber ach! da kommen Judenmit dem Schein vertagter Schuld.

Doch er hört die Diener blasen,

denket nun der hohen Braut,

und nun wird auf seinen Straßen

Jahresfest und Markt so laut,

und er wählet in den Buden

manches Pfand zu Lieb’ und Huld;

aber ach! da kommen Juden

mit dem Schein vertagter Schuld.

Und nun halten die Gerichteden behenden Ritter auf.O verteufelte Geschichte!Heldenhafter Lebenslauf!Soll ich heute mich gedulden?Die Verlegenheit ist groß.Widersacher, Weiber, Schulden,ach! kein Ritter wird sie los.

Und nun halten die Gerichte

den behenden Ritter auf.

O verteufelte Geschichte!

Heldenhafter Lebenslauf!

Soll ich heute mich gedulden?

Die Verlegenheit ist groß.

Widersacher, Weiber, Schulden,

ach! kein Ritter wird sie los.


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