Böser Markt

von

Adelbert von Chamisso.

Einer kam vom Königsmahle,in dem Park sich zu bewegen,aus dem Busch mit einem Maletrat ein andrer ihm entgegen.Zwischen Rock und Kamisolegriff der schnell, und die Pistolesetzt er jenem auf die Brust.„Leise, leise! muß ich bitten;was wir hier für Handel treibenmag vom unberufnen Drittenfüglich unbelauschet bleiben.Wollt Ihr Uhren nebst Gehänkenwohl verkaufen, nicht verschenken?Nehmt drei Batzen Ihr dafür?“ —„Mit Vergnügen!“ — „Nimmer richtigist die Dorfuhr noch gegangen;tut der Küster auch so wichtig,weiß er’s doch nicht anzufangen;jeder weiß in unsern Tagen,was die Glocke hat geschlagen;gottlob! nun erfahr’ ich’s auch.„Sagt mir ferner: Könnt Ihr missen,was da blinkt an Euern Fingern?Meine Hausfrau, sollt Ihr wissen,ist gar arg nach solchen Dingern;solche Ringe, solche Sterne,wie Ihr da habt, kauf’ ich gerne;nehmt drei Batzen Ihr dafür?“ —„Mit Vergnügen!“ — „Habt Ihr künftigmehr zu handeln, laßt mich holen;edel seid Ihr und vernünftig,und ich lob’ Euch unverhohlen.Gleich mich dankbar Euch zu zeigen,laß’ ich jede Rücksicht schweigenund verkauf’ Euch, was Ihr wollt.„Seht den Ring da, den ich habe!Nur von Messing, schlecht, unscheinsam,aber, meiner Liebsten Gabe.Ach, sie starb, und ließ mich einsam!Nicht um einen Goldeshaufen ...!Aber Ihr, wollt Ihr ihn kaufen,Gebt mir zehn Dukaten nur!“ —„Mit Vergnügen!“ — „Ei! was seh’ ich?Schöner Beutel, goldgeschwollen,du gefällst mir, das gesteh’ ich;die Pistole für den vollen!Sie ist von dem besten Meister,Kuchenreuter, glaub’ ich, heißt er,nehmt sie für den Beutel hin!“ —„Mit Vergnügen! Nun Geselle,ist die Reih’ an mich gekommen!Her den Beutel auf der Stelle!Her, was du mir abgenommen!Gib mir das Geraubte wieder,gleich! ich schieße sonst dich nieder,wie man einen Hund erschießt!“ —„Schießt nur, schießt nur! wahrlich Schadenwär’t ihr fähig anzurichten,wäre nur das Ding geladen.Ihr gefallt mir so mit nichten.Unfein dürft’ ich wohl Euch schelten;abgeschloss’ne Händel gelten,merkt es Euch, und gute Nacht!“Ihn verlachend unumwunden,Langgebeint, mit leichten Sätzen,war er in dem Busch verschwundenmit den eingetauschten Schätzen.Jener, mit dem Kuchenreuterin der Hand, sah nicht gescheuteraus, als Augenblicks zuvor.

Einer kam vom Königsmahle,in dem Park sich zu bewegen,aus dem Busch mit einem Maletrat ein andrer ihm entgegen.Zwischen Rock und Kamisolegriff der schnell, und die Pistolesetzt er jenem auf die Brust.„Leise, leise! muß ich bitten;was wir hier für Handel treibenmag vom unberufnen Drittenfüglich unbelauschet bleiben.Wollt Ihr Uhren nebst Gehänkenwohl verkaufen, nicht verschenken?Nehmt drei Batzen Ihr dafür?“ —„Mit Vergnügen!“ — „Nimmer richtigist die Dorfuhr noch gegangen;tut der Küster auch so wichtig,weiß er’s doch nicht anzufangen;jeder weiß in unsern Tagen,was die Glocke hat geschlagen;gottlob! nun erfahr’ ich’s auch.„Sagt mir ferner: Könnt Ihr missen,was da blinkt an Euern Fingern?Meine Hausfrau, sollt Ihr wissen,ist gar arg nach solchen Dingern;solche Ringe, solche Sterne,wie Ihr da habt, kauf’ ich gerne;nehmt drei Batzen Ihr dafür?“ —„Mit Vergnügen!“ — „Habt Ihr künftigmehr zu handeln, laßt mich holen;edel seid Ihr und vernünftig,und ich lob’ Euch unverhohlen.Gleich mich dankbar Euch zu zeigen,laß’ ich jede Rücksicht schweigenund verkauf’ Euch, was Ihr wollt.„Seht den Ring da, den ich habe!Nur von Messing, schlecht, unscheinsam,aber, meiner Liebsten Gabe.Ach, sie starb, und ließ mich einsam!Nicht um einen Goldeshaufen ...!Aber Ihr, wollt Ihr ihn kaufen,Gebt mir zehn Dukaten nur!“ —„Mit Vergnügen!“ — „Ei! was seh’ ich?Schöner Beutel, goldgeschwollen,du gefällst mir, das gesteh’ ich;die Pistole für den vollen!Sie ist von dem besten Meister,Kuchenreuter, glaub’ ich, heißt er,nehmt sie für den Beutel hin!“ —„Mit Vergnügen! Nun Geselle,ist die Reih’ an mich gekommen!Her den Beutel auf der Stelle!Her, was du mir abgenommen!Gib mir das Geraubte wieder,gleich! ich schieße sonst dich nieder,wie man einen Hund erschießt!“ —„Schießt nur, schießt nur! wahrlich Schadenwär’t ihr fähig anzurichten,wäre nur das Ding geladen.Ihr gefallt mir so mit nichten.Unfein dürft’ ich wohl Euch schelten;abgeschloss’ne Händel gelten,merkt es Euch, und gute Nacht!“Ihn verlachend unumwunden,Langgebeint, mit leichten Sätzen,war er in dem Busch verschwundenmit den eingetauschten Schätzen.Jener, mit dem Kuchenreuterin der Hand, sah nicht gescheuteraus, als Augenblicks zuvor.

Einer kam vom Königsmahle,in dem Park sich zu bewegen,aus dem Busch mit einem Maletrat ein andrer ihm entgegen.Zwischen Rock und Kamisolegriff der schnell, und die Pistolesetzt er jenem auf die Brust.

Einer kam vom Königsmahle,

in dem Park sich zu bewegen,

aus dem Busch mit einem Male

trat ein andrer ihm entgegen.

Zwischen Rock und Kamisole

griff der schnell, und die Pistole

setzt er jenem auf die Brust.

„Leise, leise! muß ich bitten;was wir hier für Handel treibenmag vom unberufnen Drittenfüglich unbelauschet bleiben.Wollt Ihr Uhren nebst Gehänkenwohl verkaufen, nicht verschenken?Nehmt drei Batzen Ihr dafür?“ —

„Leise, leise! muß ich bitten;

was wir hier für Handel treiben

mag vom unberufnen Dritten

füglich unbelauschet bleiben.

Wollt Ihr Uhren nebst Gehänken

wohl verkaufen, nicht verschenken?

Nehmt drei Batzen Ihr dafür?“ —

„Mit Vergnügen!“ — „Nimmer richtigist die Dorfuhr noch gegangen;tut der Küster auch so wichtig,weiß er’s doch nicht anzufangen;jeder weiß in unsern Tagen,was die Glocke hat geschlagen;gottlob! nun erfahr’ ich’s auch.

„Mit Vergnügen!“ — „Nimmer richtig

ist die Dorfuhr noch gegangen;

tut der Küster auch so wichtig,

weiß er’s doch nicht anzufangen;

jeder weiß in unsern Tagen,

was die Glocke hat geschlagen;

gottlob! nun erfahr’ ich’s auch.

„Sagt mir ferner: Könnt Ihr missen,was da blinkt an Euern Fingern?Meine Hausfrau, sollt Ihr wissen,ist gar arg nach solchen Dingern;solche Ringe, solche Sterne,wie Ihr da habt, kauf’ ich gerne;nehmt drei Batzen Ihr dafür?“ —

„Sagt mir ferner: Könnt Ihr missen,

was da blinkt an Euern Fingern?

Meine Hausfrau, sollt Ihr wissen,

ist gar arg nach solchen Dingern;

solche Ringe, solche Sterne,

wie Ihr da habt, kauf’ ich gerne;

nehmt drei Batzen Ihr dafür?“ —

„Mit Vergnügen!“ — „Habt Ihr künftigmehr zu handeln, laßt mich holen;edel seid Ihr und vernünftig,und ich lob’ Euch unverhohlen.Gleich mich dankbar Euch zu zeigen,laß’ ich jede Rücksicht schweigenund verkauf’ Euch, was Ihr wollt.

„Mit Vergnügen!“ — „Habt Ihr künftig

mehr zu handeln, laßt mich holen;

edel seid Ihr und vernünftig,

und ich lob’ Euch unverhohlen.

Gleich mich dankbar Euch zu zeigen,

laß’ ich jede Rücksicht schweigen

und verkauf’ Euch, was Ihr wollt.

„Seht den Ring da, den ich habe!Nur von Messing, schlecht, unscheinsam,aber, meiner Liebsten Gabe.Ach, sie starb, und ließ mich einsam!Nicht um einen Goldeshaufen ...!Aber Ihr, wollt Ihr ihn kaufen,Gebt mir zehn Dukaten nur!“ —

„Seht den Ring da, den ich habe!

Nur von Messing, schlecht, unscheinsam,

aber, meiner Liebsten Gabe.

Ach, sie starb, und ließ mich einsam!

Nicht um einen Goldeshaufen ...!

Aber Ihr, wollt Ihr ihn kaufen,

Gebt mir zehn Dukaten nur!“ —

„Mit Vergnügen!“ — „Ei! was seh’ ich?Schöner Beutel, goldgeschwollen,du gefällst mir, das gesteh’ ich;die Pistole für den vollen!Sie ist von dem besten Meister,Kuchenreuter, glaub’ ich, heißt er,nehmt sie für den Beutel hin!“ —

„Mit Vergnügen!“ — „Ei! was seh’ ich?

Schöner Beutel, goldgeschwollen,

du gefällst mir, das gesteh’ ich;

die Pistole für den vollen!

Sie ist von dem besten Meister,

Kuchenreuter, glaub’ ich, heißt er,

nehmt sie für den Beutel hin!“ —

„Mit Vergnügen! Nun Geselle,ist die Reih’ an mich gekommen!Her den Beutel auf der Stelle!Her, was du mir abgenommen!Gib mir das Geraubte wieder,gleich! ich schieße sonst dich nieder,wie man einen Hund erschießt!“ —

„Mit Vergnügen! Nun Geselle,

ist die Reih’ an mich gekommen!

Her den Beutel auf der Stelle!

Her, was du mir abgenommen!

Gib mir das Geraubte wieder,

gleich! ich schieße sonst dich nieder,

wie man einen Hund erschießt!“ —

„Schießt nur, schießt nur! wahrlich Schadenwär’t ihr fähig anzurichten,wäre nur das Ding geladen.Ihr gefallt mir so mit nichten.Unfein dürft’ ich wohl Euch schelten;abgeschloss’ne Händel gelten,merkt es Euch, und gute Nacht!“

„Schießt nur, schießt nur! wahrlich Schaden

wär’t ihr fähig anzurichten,

wäre nur das Ding geladen.

Ihr gefallt mir so mit nichten.

Unfein dürft’ ich wohl Euch schelten;

abgeschloss’ne Händel gelten,

merkt es Euch, und gute Nacht!“

Ihn verlachend unumwunden,Langgebeint, mit leichten Sätzen,war er in dem Busch verschwundenmit den eingetauschten Schätzen.Jener, mit dem Kuchenreuterin der Hand, sah nicht gescheuteraus, als Augenblicks zuvor.

Ihn verlachend unumwunden,

Langgebeint, mit leichten Sätzen,

war er in dem Busch verschwunden

mit den eingetauschten Schätzen.

Jener, mit dem Kuchenreuter

in der Hand, sah nicht gescheuter

aus, als Augenblicks zuvor.


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