Führ’ uns nicht in Versuchung!

von

Franz von Gaudy.

Da ständ’ ich wieder an der Ecke!Höchst wunderbar! Wie kam es nur?Die Beine wollen nicht vom Flecke,recht nach Philisterpferds-Natur.Der Weinkranz, der im Winde schwanket,er winkt und winkt: So tritt doch ein!Ja, locke nur! Gott sei’s gedanket,auf ewig schwur ich ab dem Wein.’s ist doch recht heiß! Mir klebt die Zungeam Gaumen. Wie die Sonne sticht!Der Kellner grüßt. Schön Dank, mein Junge!Was sagst du? Laut! — Ich höre nicht. —Leicht möglich, daß ich was vergessen —wohl gar vom letzten Male herdie Zeche. Zahlen gern — indessenWein trinken — nun und nimmermehr!Was gibt es? Nichts? — Der Schlingel freutesich nur, mich so gesund zu sehn.Das ist wohl hübsch, mein Kind, doch heute —ich bin — ich habe — ich muß gehn.Nein, nein — ich sagt’ es klar und deutlich:ich trinke nicht. Wem soll dies Glas? —Ei, nun, die Blume ist ganz leidlich —und, was du sagst, vom neuen Faß?Nun ja, für Wein vom vor’gen Jahrepassiert er, läßt sich wacker an.Doch weißt du, daß mit junger Wareich nie mich recht befreunden kann.Ja, meine alte Sorte kennst du —bring mir ein Achtel doch von der —ein Schöppchen höchstens — und — was rennst du —bring lieber gleich ’ne Ganze her.Wie kommt’s, daß, geht erst auf die Neigedie Flasche, stets das letzte Glasam liebenswürdigsten sich zeige?Ein Phänomen — wie deut’ ich das?Heißt es: noch eine? — Ob ich’s wage?Sie sprechen: So jung käme mannicht mehr zusammen. — Nun, ich fragebeim Schicksal, Knöpfe zählend, an.Ja — nein — ja — nein — — Wie? schon der letzte?O weh, der letzte Knopf brummt: nein.Das harte Schicksal widersetztesich meinem Durst — es soll nicht sein. —Und weil der Spruch mit nein beschlossen,wär’ ich gebunden? Kinderei!Nein, just dem dummen Knopf zum Possentrink’ ich noch eine — ja, noch zwei.

Da ständ’ ich wieder an der Ecke!Höchst wunderbar! Wie kam es nur?Die Beine wollen nicht vom Flecke,recht nach Philisterpferds-Natur.Der Weinkranz, der im Winde schwanket,er winkt und winkt: So tritt doch ein!Ja, locke nur! Gott sei’s gedanket,auf ewig schwur ich ab dem Wein.’s ist doch recht heiß! Mir klebt die Zungeam Gaumen. Wie die Sonne sticht!Der Kellner grüßt. Schön Dank, mein Junge!Was sagst du? Laut! — Ich höre nicht. —Leicht möglich, daß ich was vergessen —wohl gar vom letzten Male herdie Zeche. Zahlen gern — indessenWein trinken — nun und nimmermehr!Was gibt es? Nichts? — Der Schlingel freutesich nur, mich so gesund zu sehn.Das ist wohl hübsch, mein Kind, doch heute —ich bin — ich habe — ich muß gehn.Nein, nein — ich sagt’ es klar und deutlich:ich trinke nicht. Wem soll dies Glas? —Ei, nun, die Blume ist ganz leidlich —und, was du sagst, vom neuen Faß?Nun ja, für Wein vom vor’gen Jahrepassiert er, läßt sich wacker an.Doch weißt du, daß mit junger Wareich nie mich recht befreunden kann.Ja, meine alte Sorte kennst du —bring mir ein Achtel doch von der —ein Schöppchen höchstens — und — was rennst du —bring lieber gleich ’ne Ganze her.Wie kommt’s, daß, geht erst auf die Neigedie Flasche, stets das letzte Glasam liebenswürdigsten sich zeige?Ein Phänomen — wie deut’ ich das?Heißt es: noch eine? — Ob ich’s wage?Sie sprechen: So jung käme mannicht mehr zusammen. — Nun, ich fragebeim Schicksal, Knöpfe zählend, an.Ja — nein — ja — nein — — Wie? schon der letzte?O weh, der letzte Knopf brummt: nein.Das harte Schicksal widersetztesich meinem Durst — es soll nicht sein. —Und weil der Spruch mit nein beschlossen,wär’ ich gebunden? Kinderei!Nein, just dem dummen Knopf zum Possentrink’ ich noch eine — ja, noch zwei.

Da ständ’ ich wieder an der Ecke!Höchst wunderbar! Wie kam es nur?Die Beine wollen nicht vom Flecke,recht nach Philisterpferds-Natur.Der Weinkranz, der im Winde schwanket,er winkt und winkt: So tritt doch ein!Ja, locke nur! Gott sei’s gedanket,auf ewig schwur ich ab dem Wein.

Da ständ’ ich wieder an der Ecke!

Höchst wunderbar! Wie kam es nur?

Die Beine wollen nicht vom Flecke,

recht nach Philisterpferds-Natur.

Der Weinkranz, der im Winde schwanket,

er winkt und winkt: So tritt doch ein!

Ja, locke nur! Gott sei’s gedanket,

auf ewig schwur ich ab dem Wein.

’s ist doch recht heiß! Mir klebt die Zungeam Gaumen. Wie die Sonne sticht!Der Kellner grüßt. Schön Dank, mein Junge!Was sagst du? Laut! — Ich höre nicht. —Leicht möglich, daß ich was vergessen —wohl gar vom letzten Male herdie Zeche. Zahlen gern — indessenWein trinken — nun und nimmermehr!

’s ist doch recht heiß! Mir klebt die Zunge

am Gaumen. Wie die Sonne sticht!

Der Kellner grüßt. Schön Dank, mein Junge!

Was sagst du? Laut! — Ich höre nicht. —

Leicht möglich, daß ich was vergessen —

wohl gar vom letzten Male her

die Zeche. Zahlen gern — indessen

Wein trinken — nun und nimmermehr!

Was gibt es? Nichts? — Der Schlingel freutesich nur, mich so gesund zu sehn.Das ist wohl hübsch, mein Kind, doch heute —ich bin — ich habe — ich muß gehn.Nein, nein — ich sagt’ es klar und deutlich:ich trinke nicht. Wem soll dies Glas? —Ei, nun, die Blume ist ganz leidlich —und, was du sagst, vom neuen Faß?

Was gibt es? Nichts? — Der Schlingel freute

sich nur, mich so gesund zu sehn.

Das ist wohl hübsch, mein Kind, doch heute —

ich bin — ich habe — ich muß gehn.

Nein, nein — ich sagt’ es klar und deutlich:

ich trinke nicht. Wem soll dies Glas? —

Ei, nun, die Blume ist ganz leidlich —

und, was du sagst, vom neuen Faß?

Nun ja, für Wein vom vor’gen Jahrepassiert er, läßt sich wacker an.Doch weißt du, daß mit junger Wareich nie mich recht befreunden kann.Ja, meine alte Sorte kennst du —bring mir ein Achtel doch von der —ein Schöppchen höchstens — und — was rennst du —bring lieber gleich ’ne Ganze her.

Nun ja, für Wein vom vor’gen Jahre

passiert er, läßt sich wacker an.

Doch weißt du, daß mit junger Ware

ich nie mich recht befreunden kann.

Ja, meine alte Sorte kennst du —

bring mir ein Achtel doch von der —

ein Schöppchen höchstens — und — was rennst du —

bring lieber gleich ’ne Ganze her.

Wie kommt’s, daß, geht erst auf die Neigedie Flasche, stets das letzte Glasam liebenswürdigsten sich zeige?Ein Phänomen — wie deut’ ich das?Heißt es: noch eine? — Ob ich’s wage?Sie sprechen: So jung käme mannicht mehr zusammen. — Nun, ich fragebeim Schicksal, Knöpfe zählend, an.

Wie kommt’s, daß, geht erst auf die Neige

die Flasche, stets das letzte Glas

am liebenswürdigsten sich zeige?

Ein Phänomen — wie deut’ ich das?

Heißt es: noch eine? — Ob ich’s wage?

Sie sprechen: So jung käme man

nicht mehr zusammen. — Nun, ich frage

beim Schicksal, Knöpfe zählend, an.

Ja — nein — ja — nein — — Wie? schon der letzte?O weh, der letzte Knopf brummt: nein.Das harte Schicksal widersetztesich meinem Durst — es soll nicht sein. —Und weil der Spruch mit nein beschlossen,wär’ ich gebunden? Kinderei!Nein, just dem dummen Knopf zum Possentrink’ ich noch eine — ja, noch zwei.

Ja — nein — ja — nein — — Wie? schon der letzte?

O weh, der letzte Knopf brummt: nein.

Das harte Schicksal widersetzte

sich meinem Durst — es soll nicht sein. —

Und weil der Spruch mit nein beschlossen,

wär’ ich gebunden? Kinderei!

Nein, just dem dummen Knopf zum Possen

trink’ ich noch eine — ja, noch zwei.


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