Brigitte
von
Felix Dahn.
Im alten braunen Giebelhaus,da sind viel stille Gänge;da weicht man schwer einander aus,denn sie sind allzuenge:An einen Gang, den Speichergang,gedenk’ ich all mein Leben lang.Da riecht es süß von Obst und fein,’s ist ein verschwiegen Plätzlein,am Simse liegt im Sonnenscheinund schnurrt das weiße Kätzlein,und an der Wand ist blank und braunviel Holzgetäfelwerk zu schau’n.Ich kam hinauf von ungefähr:da hört’ ich leichte Tritte,vom Speicher kommt es klirrend her:„Seid Ihr’s, Jungfrau Brigitte?Wie tragt Ihr schwer in jeder Hand?Dazu solch großes Schlüsselband?“„Ei, laßt mich nur geschwind vorbei,der Vater hat’s befohlen,Obst soll ich aus der Kämmereiund Wein vom Keller holen.Ein Herr vom Rat hält unten Rastund der ist unser Vespergast.“„Ach, viel zu voll ist Euer Krug,laßt trinken mich ein Schlücklein,des Obstes habt Ihr schwer genug,o, schenkt mir auch ein Stücklein,und bis das nicht nach Wunsch geschehn,laß’ ich Euch nicht vorübergehn.“Da hielt die kleine Blonde stillund seufzte loser Weise:„So nehm’ Er sich denn, was Er will,doch nehm’ Er’s rasch und leise! —Das hat der Maurer schlecht bedacht,der diesen Gang so eng gemacht.“Der Vater rief — die Kleine lief,die blonden Zöpfe wehen,das weiße Kätzlein aber schliefund hatte nichts gesehen.Ich ging auf meine Kammer sachtund habe dieses Lied gemacht.
Im alten braunen Giebelhaus,da sind viel stille Gänge;da weicht man schwer einander aus,denn sie sind allzuenge:An einen Gang, den Speichergang,gedenk’ ich all mein Leben lang.Da riecht es süß von Obst und fein,’s ist ein verschwiegen Plätzlein,am Simse liegt im Sonnenscheinund schnurrt das weiße Kätzlein,und an der Wand ist blank und braunviel Holzgetäfelwerk zu schau’n.Ich kam hinauf von ungefähr:da hört’ ich leichte Tritte,vom Speicher kommt es klirrend her:„Seid Ihr’s, Jungfrau Brigitte?Wie tragt Ihr schwer in jeder Hand?Dazu solch großes Schlüsselband?“„Ei, laßt mich nur geschwind vorbei,der Vater hat’s befohlen,Obst soll ich aus der Kämmereiund Wein vom Keller holen.Ein Herr vom Rat hält unten Rastund der ist unser Vespergast.“„Ach, viel zu voll ist Euer Krug,laßt trinken mich ein Schlücklein,des Obstes habt Ihr schwer genug,o, schenkt mir auch ein Stücklein,und bis das nicht nach Wunsch geschehn,laß’ ich Euch nicht vorübergehn.“Da hielt die kleine Blonde stillund seufzte loser Weise:„So nehm’ Er sich denn, was Er will,doch nehm’ Er’s rasch und leise! —Das hat der Maurer schlecht bedacht,der diesen Gang so eng gemacht.“Der Vater rief — die Kleine lief,die blonden Zöpfe wehen,das weiße Kätzlein aber schliefund hatte nichts gesehen.Ich ging auf meine Kammer sachtund habe dieses Lied gemacht.
Im alten braunen Giebelhaus,da sind viel stille Gänge;da weicht man schwer einander aus,denn sie sind allzuenge:An einen Gang, den Speichergang,gedenk’ ich all mein Leben lang.
Im alten braunen Giebelhaus,
da sind viel stille Gänge;
da weicht man schwer einander aus,
denn sie sind allzuenge:
An einen Gang, den Speichergang,
gedenk’ ich all mein Leben lang.
Da riecht es süß von Obst und fein,’s ist ein verschwiegen Plätzlein,am Simse liegt im Sonnenscheinund schnurrt das weiße Kätzlein,und an der Wand ist blank und braunviel Holzgetäfelwerk zu schau’n.
Da riecht es süß von Obst und fein,
’s ist ein verschwiegen Plätzlein,
am Simse liegt im Sonnenschein
und schnurrt das weiße Kätzlein,
und an der Wand ist blank und braun
viel Holzgetäfelwerk zu schau’n.
Ich kam hinauf von ungefähr:da hört’ ich leichte Tritte,vom Speicher kommt es klirrend her:„Seid Ihr’s, Jungfrau Brigitte?Wie tragt Ihr schwer in jeder Hand?Dazu solch großes Schlüsselband?“
Ich kam hinauf von ungefähr:
da hört’ ich leichte Tritte,
vom Speicher kommt es klirrend her:
„Seid Ihr’s, Jungfrau Brigitte?
Wie tragt Ihr schwer in jeder Hand?
Dazu solch großes Schlüsselband?“
„Ei, laßt mich nur geschwind vorbei,der Vater hat’s befohlen,Obst soll ich aus der Kämmereiund Wein vom Keller holen.Ein Herr vom Rat hält unten Rastund der ist unser Vespergast.“
„Ei, laßt mich nur geschwind vorbei,
der Vater hat’s befohlen,
Obst soll ich aus der Kämmerei
und Wein vom Keller holen.
Ein Herr vom Rat hält unten Rast
und der ist unser Vespergast.“
„Ach, viel zu voll ist Euer Krug,laßt trinken mich ein Schlücklein,des Obstes habt Ihr schwer genug,o, schenkt mir auch ein Stücklein,und bis das nicht nach Wunsch geschehn,laß’ ich Euch nicht vorübergehn.“
„Ach, viel zu voll ist Euer Krug,
laßt trinken mich ein Schlücklein,
des Obstes habt Ihr schwer genug,
o, schenkt mir auch ein Stücklein,
und bis das nicht nach Wunsch geschehn,
laß’ ich Euch nicht vorübergehn.“
Da hielt die kleine Blonde stillund seufzte loser Weise:„So nehm’ Er sich denn, was Er will,doch nehm’ Er’s rasch und leise! —Das hat der Maurer schlecht bedacht,der diesen Gang so eng gemacht.“
Da hielt die kleine Blonde still
und seufzte loser Weise:
„So nehm’ Er sich denn, was Er will,
doch nehm’ Er’s rasch und leise! —
Das hat der Maurer schlecht bedacht,
der diesen Gang so eng gemacht.“
Der Vater rief — die Kleine lief,die blonden Zöpfe wehen,das weiße Kätzlein aber schliefund hatte nichts gesehen.Ich ging auf meine Kammer sachtund habe dieses Lied gemacht.
Der Vater rief — die Kleine lief,
die blonden Zöpfe wehen,
das weiße Kätzlein aber schlief
und hatte nichts gesehen.
Ich ging auf meine Kammer sacht
und habe dieses Lied gemacht.