Die achtundachtziger Weine. Ein saures Stück Arbeit

von

Johannes Trojan.

In diesem Jahr am Rheinesind leider gewachsen Weine,die an Wert nur geringe,es reiften nur Säuerlingeim Verlauf dieses Herbstes;nur Herberes bracht’ er und Herbstes —zu viel Regen, zu wenig Sonnenscheinließ erhofften Segen zerronnen sein,nichts Gutes floß in die Tonnen ein.Der 88er Rheinweinist, leider Gottes, kein Wein,um Leidende zu laben,um Gram zu begraben,um zu vertreiben Trauer;er ist dafür zu sauer.An der Mosel steht es noch schlimmer,da hört man nichts als Gewimmer,nichts als Ächzen und Stöhnenvon den Vätern und Söhnen,den Müttern und den Töchternüber den noch viel schlechternErtrag der heurigen Lese.Der Wein ist wahrhaft böse,ein Rachenputzer und Krätzer,wie unter Gläubigen ein Ketzer,wie ein Strolch, ein gefährlicher,in dem Kreise Ehrlicherunter guten Weinen erscheint er.Aller Freude ist ein Feind er,aller Lust ein Verderber;sein Geschmack ist fast noch herberals der des Essigs, des reinen —ein Wein ist er zum Weinen.Aber der Wein, der in Sachsenin diesem Jahr ist gewachsen,und bei Naumburg, im Taleder rasch fließenden Saale,der ist saurer noch viele Maleals der sauerste Moselwein.Wenn du ihn schlürfst in dich hinein,ist dir’s, als ob ein Stachelschweindir kröche durch die Kehle,das deinen Magen als Höhleerkor, darin zu hausen.Angst ergreift dich und Grausen.Aber der Grünbergerist noch sehr viel ärger.Laß ihn nicht deine Wahl sein!Gegen ihn ist der Saalweinnoch viel süßer als Zucker.Er ist ein Wein für Mucker,für die schlechtesten Dichterund dergleichen Gelichter.Er macht lang die Gesichter,blaß die Wangen; wie Rasenso grün färbt er die Nasen.Wer ihn trinkt, den durchschauert es,wer ihn trank, der bedauert es.Er hat etwas so Versauertes,daß er sich nicht läßt mildernund schwer nur ist zu schildernin Worten oder Bildern.Aber der Züllichauerist noch zwölfmal so sauerals der Wein von Grünberg.Der ist an Säure ein Zwerggegen den Wein von Züllichau.Wie eine borstige wilde Sauzu einer zarten Taubeso verhält sich, das glaube,dieser Wein zu dem Rebensaftaus Schlesien. Er ist schauderhaft,er ist gräßlich und greulich,über die Maßen abscheulich.Man sollte ihn nur auf Schächerbänkenden Gästen in die Becher schenken,mit ihm nur schwere Verbrecher tränken,aber nicht ehrliche Zecher kränken.Wenn du einmal kommstin diesem Winter nach Bomst,deine Erfahrung zu mehren,und man setzt, um dich zu ehren,dir heutigen Bomster Wein vor,dann, bitt’ ich dich, sieh dich fein vor,daß du nichts davon verschüttestund dein Gewand nicht zerrüttest,weil er Löcher frißt in die Kleiderund auch in das Schuhwerk leider.Denn dieses Weines Säureist eine so ungeheure,daß gegen ihn Schwefelsäureder Milch gleich ist, der süßen,die zarte Kindlein genießen.Fällt ein Tropfen davon auf den Tisch,so fährt er mit lautem Gezischgleich hindurch durch die Platte.Eisen zerstört er wie Watte,durch Stahl geht er wie durch Butter,er ist aller Sauerkeit Mutter.Stand halten vor diesem Sauernweder Schlösser noch Mauern.Es löst in dem scharfen Bomster Weinsich Granit auf und Ziegelstein.Diamanten werden sogleich,in ihn hineingelegt, flaumenweich,aus Platina macht er Mürbeteig.Dieses vergiß nicht, falls du kommstin diesem Winter einmal nach Bomst.

In diesem Jahr am Rheinesind leider gewachsen Weine,die an Wert nur geringe,es reiften nur Säuerlingeim Verlauf dieses Herbstes;nur Herberes bracht’ er und Herbstes —zu viel Regen, zu wenig Sonnenscheinließ erhofften Segen zerronnen sein,nichts Gutes floß in die Tonnen ein.Der 88er Rheinweinist, leider Gottes, kein Wein,um Leidende zu laben,um Gram zu begraben,um zu vertreiben Trauer;er ist dafür zu sauer.An der Mosel steht es noch schlimmer,da hört man nichts als Gewimmer,nichts als Ächzen und Stöhnenvon den Vätern und Söhnen,den Müttern und den Töchternüber den noch viel schlechternErtrag der heurigen Lese.Der Wein ist wahrhaft böse,ein Rachenputzer und Krätzer,wie unter Gläubigen ein Ketzer,wie ein Strolch, ein gefährlicher,in dem Kreise Ehrlicherunter guten Weinen erscheint er.Aller Freude ist ein Feind er,aller Lust ein Verderber;sein Geschmack ist fast noch herberals der des Essigs, des reinen —ein Wein ist er zum Weinen.Aber der Wein, der in Sachsenin diesem Jahr ist gewachsen,und bei Naumburg, im Taleder rasch fließenden Saale,der ist saurer noch viele Maleals der sauerste Moselwein.Wenn du ihn schlürfst in dich hinein,ist dir’s, als ob ein Stachelschweindir kröche durch die Kehle,das deinen Magen als Höhleerkor, darin zu hausen.Angst ergreift dich und Grausen.Aber der Grünbergerist noch sehr viel ärger.Laß ihn nicht deine Wahl sein!Gegen ihn ist der Saalweinnoch viel süßer als Zucker.Er ist ein Wein für Mucker,für die schlechtesten Dichterund dergleichen Gelichter.Er macht lang die Gesichter,blaß die Wangen; wie Rasenso grün färbt er die Nasen.Wer ihn trinkt, den durchschauert es,wer ihn trank, der bedauert es.Er hat etwas so Versauertes,daß er sich nicht läßt mildernund schwer nur ist zu schildernin Worten oder Bildern.Aber der Züllichauerist noch zwölfmal so sauerals der Wein von Grünberg.Der ist an Säure ein Zwerggegen den Wein von Züllichau.Wie eine borstige wilde Sauzu einer zarten Taubeso verhält sich, das glaube,dieser Wein zu dem Rebensaftaus Schlesien. Er ist schauderhaft,er ist gräßlich und greulich,über die Maßen abscheulich.Man sollte ihn nur auf Schächerbänkenden Gästen in die Becher schenken,mit ihm nur schwere Verbrecher tränken,aber nicht ehrliche Zecher kränken.Wenn du einmal kommstin diesem Winter nach Bomst,deine Erfahrung zu mehren,und man setzt, um dich zu ehren,dir heutigen Bomster Wein vor,dann, bitt’ ich dich, sieh dich fein vor,daß du nichts davon verschüttestund dein Gewand nicht zerrüttest,weil er Löcher frißt in die Kleiderund auch in das Schuhwerk leider.Denn dieses Weines Säureist eine so ungeheure,daß gegen ihn Schwefelsäureder Milch gleich ist, der süßen,die zarte Kindlein genießen.Fällt ein Tropfen davon auf den Tisch,so fährt er mit lautem Gezischgleich hindurch durch die Platte.Eisen zerstört er wie Watte,durch Stahl geht er wie durch Butter,er ist aller Sauerkeit Mutter.Stand halten vor diesem Sauernweder Schlösser noch Mauern.Es löst in dem scharfen Bomster Weinsich Granit auf und Ziegelstein.Diamanten werden sogleich,in ihn hineingelegt, flaumenweich,aus Platina macht er Mürbeteig.Dieses vergiß nicht, falls du kommstin diesem Winter einmal nach Bomst.

In diesem Jahr am Rheinesind leider gewachsen Weine,die an Wert nur geringe,es reiften nur Säuerlingeim Verlauf dieses Herbstes;nur Herberes bracht’ er und Herbstes —zu viel Regen, zu wenig Sonnenscheinließ erhofften Segen zerronnen sein,nichts Gutes floß in die Tonnen ein.Der 88er Rheinweinist, leider Gottes, kein Wein,um Leidende zu laben,um Gram zu begraben,um zu vertreiben Trauer;er ist dafür zu sauer.

In diesem Jahr am Rheine

sind leider gewachsen Weine,

die an Wert nur geringe,

es reiften nur Säuerlinge

im Verlauf dieses Herbstes;

nur Herberes bracht’ er und Herbstes —

zu viel Regen, zu wenig Sonnenschein

ließ erhofften Segen zerronnen sein,

nichts Gutes floß in die Tonnen ein.

Der 88er Rheinwein

ist, leider Gottes, kein Wein,

um Leidende zu laben,

um Gram zu begraben,

um zu vertreiben Trauer;

er ist dafür zu sauer.

An der Mosel steht es noch schlimmer,da hört man nichts als Gewimmer,nichts als Ächzen und Stöhnenvon den Vätern und Söhnen,den Müttern und den Töchternüber den noch viel schlechternErtrag der heurigen Lese.Der Wein ist wahrhaft böse,ein Rachenputzer und Krätzer,wie unter Gläubigen ein Ketzer,wie ein Strolch, ein gefährlicher,in dem Kreise Ehrlicherunter guten Weinen erscheint er.Aller Freude ist ein Feind er,aller Lust ein Verderber;sein Geschmack ist fast noch herberals der des Essigs, des reinen —ein Wein ist er zum Weinen.

An der Mosel steht es noch schlimmer,

da hört man nichts als Gewimmer,

nichts als Ächzen und Stöhnen

von den Vätern und Söhnen,

den Müttern und den Töchtern

über den noch viel schlechtern

Ertrag der heurigen Lese.

Der Wein ist wahrhaft böse,

ein Rachenputzer und Krätzer,

wie unter Gläubigen ein Ketzer,

wie ein Strolch, ein gefährlicher,

in dem Kreise Ehrlicher

unter guten Weinen erscheint er.

Aller Freude ist ein Feind er,

aller Lust ein Verderber;

sein Geschmack ist fast noch herber

als der des Essigs, des reinen —

ein Wein ist er zum Weinen.

Aber der Wein, der in Sachsenin diesem Jahr ist gewachsen,und bei Naumburg, im Taleder rasch fließenden Saale,der ist saurer noch viele Maleals der sauerste Moselwein.Wenn du ihn schlürfst in dich hinein,ist dir’s, als ob ein Stachelschweindir kröche durch die Kehle,das deinen Magen als Höhleerkor, darin zu hausen.Angst ergreift dich und Grausen.

Aber der Wein, der in Sachsen

in diesem Jahr ist gewachsen,

und bei Naumburg, im Tale

der rasch fließenden Saale,

der ist saurer noch viele Male

als der sauerste Moselwein.

Wenn du ihn schlürfst in dich hinein,

ist dir’s, als ob ein Stachelschwein

dir kröche durch die Kehle,

das deinen Magen als Höhle

erkor, darin zu hausen.

Angst ergreift dich und Grausen.

Aber der Grünbergerist noch sehr viel ärger.Laß ihn nicht deine Wahl sein!Gegen ihn ist der Saalweinnoch viel süßer als Zucker.Er ist ein Wein für Mucker,für die schlechtesten Dichterund dergleichen Gelichter.Er macht lang die Gesichter,blaß die Wangen; wie Rasenso grün färbt er die Nasen.Wer ihn trinkt, den durchschauert es,wer ihn trank, der bedauert es.Er hat etwas so Versauertes,daß er sich nicht läßt mildernund schwer nur ist zu schildernin Worten oder Bildern.

Aber der Grünberger

ist noch sehr viel ärger.

Laß ihn nicht deine Wahl sein!

Gegen ihn ist der Saalwein

noch viel süßer als Zucker.

Er ist ein Wein für Mucker,

für die schlechtesten Dichter

und dergleichen Gelichter.

Er macht lang die Gesichter,

blaß die Wangen; wie Rasen

so grün färbt er die Nasen.

Wer ihn trinkt, den durchschauert es,

wer ihn trank, der bedauert es.

Er hat etwas so Versauertes,

daß er sich nicht läßt mildern

und schwer nur ist zu schildern

in Worten oder Bildern.

Aber der Züllichauerist noch zwölfmal so sauerals der Wein von Grünberg.Der ist an Säure ein Zwerggegen den Wein von Züllichau.Wie eine borstige wilde Sauzu einer zarten Taubeso verhält sich, das glaube,dieser Wein zu dem Rebensaftaus Schlesien. Er ist schauderhaft,er ist gräßlich und greulich,über die Maßen abscheulich.Man sollte ihn nur auf Schächerbänkenden Gästen in die Becher schenken,mit ihm nur schwere Verbrecher tränken,aber nicht ehrliche Zecher kränken.

Aber der Züllichauer

ist noch zwölfmal so sauer

als der Wein von Grünberg.

Der ist an Säure ein Zwerg

gegen den Wein von Züllichau.

Wie eine borstige wilde Sau

zu einer zarten Taube

so verhält sich, das glaube,

dieser Wein zu dem Rebensaft

aus Schlesien. Er ist schauderhaft,

er ist gräßlich und greulich,

über die Maßen abscheulich.

Man sollte ihn nur auf Schächerbänken

den Gästen in die Becher schenken,

mit ihm nur schwere Verbrecher tränken,

aber nicht ehrliche Zecher kränken.

Wenn du einmal kommstin diesem Winter nach Bomst,deine Erfahrung zu mehren,und man setzt, um dich zu ehren,dir heutigen Bomster Wein vor,dann, bitt’ ich dich, sieh dich fein vor,daß du nichts davon verschüttestund dein Gewand nicht zerrüttest,weil er Löcher frißt in die Kleiderund auch in das Schuhwerk leider.Denn dieses Weines Säureist eine so ungeheure,daß gegen ihn Schwefelsäureder Milch gleich ist, der süßen,die zarte Kindlein genießen.Fällt ein Tropfen davon auf den Tisch,so fährt er mit lautem Gezischgleich hindurch durch die Platte.Eisen zerstört er wie Watte,durch Stahl geht er wie durch Butter,er ist aller Sauerkeit Mutter.Stand halten vor diesem Sauernweder Schlösser noch Mauern.Es löst in dem scharfen Bomster Weinsich Granit auf und Ziegelstein.Diamanten werden sogleich,in ihn hineingelegt, flaumenweich,aus Platina macht er Mürbeteig.Dieses vergiß nicht, falls du kommstin diesem Winter einmal nach Bomst.

Wenn du einmal kommst

in diesem Winter nach Bomst,

deine Erfahrung zu mehren,

und man setzt, um dich zu ehren,

dir heutigen Bomster Wein vor,

dann, bitt’ ich dich, sieh dich fein vor,

daß du nichts davon verschüttest

und dein Gewand nicht zerrüttest,

weil er Löcher frißt in die Kleider

und auch in das Schuhwerk leider.

Denn dieses Weines Säure

ist eine so ungeheure,

daß gegen ihn Schwefelsäure

der Milch gleich ist, der süßen,

die zarte Kindlein genießen.

Fällt ein Tropfen davon auf den Tisch,

so fährt er mit lautem Gezisch

gleich hindurch durch die Platte.

Eisen zerstört er wie Watte,

durch Stahl geht er wie durch Butter,

er ist aller Sauerkeit Mutter.

Stand halten vor diesem Sauern

weder Schlösser noch Mauern.

Es löst in dem scharfen Bomster Wein

sich Granit auf und Ziegelstein.

Diamanten werden sogleich,

in ihn hineingelegt, flaumenweich,

aus Platina macht er Mürbeteig.

Dieses vergiß nicht, falls du kommst

in diesem Winter einmal nach Bomst.


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