Annesmeert[231]
von
Lulu von Strauß und Torney.
Die Fliegen summen, die Wanduhr tickt,er hockt am Ofen im Stuhl gebückt,von Zeit und Arbeit das Wams zerschlissen,zahnlos der Mund und spärlich das Haar,auf der Stirn die Runzeln der achtzig Jahr.Und neben ihm in den Wiegenkissenein winziges Köpfchen mit dünnem Flaum,ein Stückchen Leben, drei Tage kaum.Steht vor den beiden ein kleiner Wicht,weißblond der Krauskopf und derb die Glieder,der beugt sich über das Bettchen niederund guckt und schneidet ein kraus Gesicht:„Slöppt use Lüttje[232]? Ne kiek eis dor,Grotvatter, de het jo gorkeen Hor.“Der Alte streicht sich den weißen Bart,„dat kummt noch, Jung, wenn he gröter ward.Nu lop[233]man hen!“ Der Junge bleibt stehn.„Grotvatter, he het jo gorkeen Tähn[234]?“Der Alte knurrt nur halb grämlich müd.„De wasset[235]ok noch, dat het noch Tid[236].“Die braune erdige Bubenpfotetippt auf das Köpfchen, das runzlich rote,und rückt die Wiege ins grelle Licht:„Un Schrumpeln het he ok ins Gesicht!“Der Graukopf im Stuhle schweigt und nickt,die Fliegen summen, die Wanduhr tickt,der Blondkopf trottet zur Türe stumm,doch auf der Schwelle dreht er sich um,er zieht das Gesicht in wichtige Faltenund blinzelt pfiffig zurück zu dem Alten:„Grotvatter, us’ Lüttje, de is nix wert,ick glöv, mit den sünd wi annesmeert,de het jo’n Gesicht just sao as din,dat möt jau’n ganzen Ollen sien.“
Die Fliegen summen, die Wanduhr tickt,er hockt am Ofen im Stuhl gebückt,von Zeit und Arbeit das Wams zerschlissen,zahnlos der Mund und spärlich das Haar,auf der Stirn die Runzeln der achtzig Jahr.Und neben ihm in den Wiegenkissenein winziges Köpfchen mit dünnem Flaum,ein Stückchen Leben, drei Tage kaum.Steht vor den beiden ein kleiner Wicht,weißblond der Krauskopf und derb die Glieder,der beugt sich über das Bettchen niederund guckt und schneidet ein kraus Gesicht:„Slöppt use Lüttje[232]? Ne kiek eis dor,Grotvatter, de het jo gorkeen Hor.“Der Alte streicht sich den weißen Bart,„dat kummt noch, Jung, wenn he gröter ward.Nu lop[233]man hen!“ Der Junge bleibt stehn.„Grotvatter, he het jo gorkeen Tähn[234]?“Der Alte knurrt nur halb grämlich müd.„De wasset[235]ok noch, dat het noch Tid[236].“Die braune erdige Bubenpfotetippt auf das Köpfchen, das runzlich rote,und rückt die Wiege ins grelle Licht:„Un Schrumpeln het he ok ins Gesicht!“Der Graukopf im Stuhle schweigt und nickt,die Fliegen summen, die Wanduhr tickt,der Blondkopf trottet zur Türe stumm,doch auf der Schwelle dreht er sich um,er zieht das Gesicht in wichtige Faltenund blinzelt pfiffig zurück zu dem Alten:„Grotvatter, us’ Lüttje, de is nix wert,ick glöv, mit den sünd wi annesmeert,de het jo’n Gesicht just sao as din,dat möt jau’n ganzen Ollen sien.“
Die Fliegen summen, die Wanduhr tickt,er hockt am Ofen im Stuhl gebückt,von Zeit und Arbeit das Wams zerschlissen,zahnlos der Mund und spärlich das Haar,auf der Stirn die Runzeln der achtzig Jahr.Und neben ihm in den Wiegenkissenein winziges Köpfchen mit dünnem Flaum,ein Stückchen Leben, drei Tage kaum.Steht vor den beiden ein kleiner Wicht,weißblond der Krauskopf und derb die Glieder,der beugt sich über das Bettchen niederund guckt und schneidet ein kraus Gesicht:„Slöppt use Lüttje[232]? Ne kiek eis dor,Grotvatter, de het jo gorkeen Hor.“Der Alte streicht sich den weißen Bart,„dat kummt noch, Jung, wenn he gröter ward.Nu lop[233]man hen!“ Der Junge bleibt stehn.„Grotvatter, he het jo gorkeen Tähn[234]?“Der Alte knurrt nur halb grämlich müd.„De wasset[235]ok noch, dat het noch Tid[236].“Die braune erdige Bubenpfotetippt auf das Köpfchen, das runzlich rote,und rückt die Wiege ins grelle Licht:„Un Schrumpeln het he ok ins Gesicht!“Der Graukopf im Stuhle schweigt und nickt,die Fliegen summen, die Wanduhr tickt,der Blondkopf trottet zur Türe stumm,doch auf der Schwelle dreht er sich um,er zieht das Gesicht in wichtige Faltenund blinzelt pfiffig zurück zu dem Alten:„Grotvatter, us’ Lüttje, de is nix wert,ick glöv, mit den sünd wi annesmeert,de het jo’n Gesicht just sao as din,dat möt jau’n ganzen Ollen sien.“
Die Fliegen summen, die Wanduhr tickt,
er hockt am Ofen im Stuhl gebückt,
von Zeit und Arbeit das Wams zerschlissen,
zahnlos der Mund und spärlich das Haar,
auf der Stirn die Runzeln der achtzig Jahr.
Und neben ihm in den Wiegenkissen
ein winziges Köpfchen mit dünnem Flaum,
ein Stückchen Leben, drei Tage kaum.
Steht vor den beiden ein kleiner Wicht,
weißblond der Krauskopf und derb die Glieder,
der beugt sich über das Bettchen nieder
und guckt und schneidet ein kraus Gesicht:
„Slöppt use Lüttje[232]? Ne kiek eis dor,
Grotvatter, de het jo gorkeen Hor.“
Der Alte streicht sich den weißen Bart,
„dat kummt noch, Jung, wenn he gröter ward.
Nu lop[233]man hen!“ Der Junge bleibt stehn.
„Grotvatter, he het jo gorkeen Tähn[234]?“
Der Alte knurrt nur halb grämlich müd.
„De wasset[235]ok noch, dat het noch Tid[236].“
Die braune erdige Bubenpfote
tippt auf das Köpfchen, das runzlich rote,
und rückt die Wiege ins grelle Licht:
„Un Schrumpeln het he ok ins Gesicht!“
Der Graukopf im Stuhle schweigt und nickt,
die Fliegen summen, die Wanduhr tickt,
der Blondkopf trottet zur Türe stumm,
doch auf der Schwelle dreht er sich um,
er zieht das Gesicht in wichtige Falten
und blinzelt pfiffig zurück zu dem Alten:
„Grotvatter, us’ Lüttje, de is nix wert,
ick glöv, mit den sünd wi annesmeert,
de het jo’n Gesicht just sao as din,
dat möt jau’n ganzen Ollen sien.“