Paul Wertheimer.

Ich lauschte in die Krone des Baums; – da hieß es im Laub:Noch – nicht!Ich legte das Ohr an die Erde; – da klopft's unter Kraut und Staub:Noch – nicht!Ich sah mich im Spiegel; mein Spiegelbild grinste:Du – nicht!Das war mein Gericht.Ich verwarf mein Lied,Und das lüsterne Herz, das sich nicht beschied.Ich trat auf die Straße. Sie strömte schon abendlich.Auf der Stirne der Menschen fand ich das Wort: Wir nicht.Doch in allem Blicken las ich geheimnisvoll ein Lob,Und wußte: Auch ich, vom lauen Trug entstellt,Werde nochmals begonnen, weil neu ein Schoß mich hältWie all dies Wesen um mich. Da lobte ich den Tod,Und weinend pries ich allen Samen in der Welt.

Ich lauschte in die Krone des Baums; – da hieß es im Laub:Noch – nicht!Ich legte das Ohr an die Erde; – da klopft's unter Kraut und Staub:Noch – nicht!Ich sah mich im Spiegel; mein Spiegelbild grinste:Du – nicht!Das war mein Gericht.Ich verwarf mein Lied,Und das lüsterne Herz, das sich nicht beschied.Ich trat auf die Straße. Sie strömte schon abendlich.Auf der Stirne der Menschen fand ich das Wort: Wir nicht.Doch in allem Blicken las ich geheimnisvoll ein Lob,Und wußte: Auch ich, vom lauen Trug entstellt,Werde nochmals begonnen, weil neu ein Schoß mich hältWie all dies Wesen um mich. Da lobte ich den Tod,Und weinend pries ich allen Samen in der Welt.

Geboren am 4. Februar 1874 zu Wien. – Gedichte 1896. Neue Gedichte 1904. Im Lande der Torheit 1910.

Du weißt, wir bleiben einsam: Du und ich,Wie Stämme, tief in Gold und Blau getaucht,Mit freien Kronen, die der Seewind küßt …So nah, doch ganz gesondert, ewig zwei.Doch zwischen beiden webt ein feines LichtUnd Silberduft, der in den Zweigen spielt,Und dunkel rauscht die Sehnsucht her und hin …

Du weißt, wir bleiben einsam: Du und ich,Wie Stämme, tief in Gold und Blau getaucht,Mit freien Kronen, die der Seewind küßt …So nah, doch ganz gesondert, ewig zwei.Doch zwischen beiden webt ein feines LichtUnd Silberduft, der in den Zweigen spielt,Und dunkel rauscht die Sehnsucht her und hin …

Da lieg' ich an dem weißen Ostseestrande.Das Meer … Das Meer! Mein wahrgewordner Traum!Ich bin vergraben in dem feinen SandeUnd bin nur Wind und Welle, Sturm und Schaum.Und meine Wunschgedanken lass' ich gleitenHinauf-, hinunterwärts die grüne Bahn.O meines jungen Traums Unendlichkeiten!Ein Hauch bewegt der Sehnsucht goldnen Kahn.Mein Kahn ist ganz mit Wein und Obst beladenUnd voll Musik: von Gott und Welt und Mut,Und von des Meeres königlichen GnadenUnd von der Kraft, die lächelnd in mir ruht!

Da lieg' ich an dem weißen Ostseestrande.Das Meer … Das Meer! Mein wahrgewordner Traum!Ich bin vergraben in dem feinen SandeUnd bin nur Wind und Welle, Sturm und Schaum.

Und meine Wunschgedanken lass' ich gleitenHinauf-, hinunterwärts die grüne Bahn.O meines jungen Traums Unendlichkeiten!Ein Hauch bewegt der Sehnsucht goldnen Kahn.

Mein Kahn ist ganz mit Wein und Obst beladenUnd voll Musik: von Gott und Welt und Mut,Und von des Meeres königlichen GnadenUnd von der Kraft, die lächelnd in mir ruht!

Menschen sterben von mir ab wie BlütenMeines lieben Baumes vor dem Fenster.Gestern war er noch voll rot und weißenGlanzes, sieh, nun ist er grün und keimend.Hat ein Wandrer an dem Stamm geschüttelt –Solch ein aufrecht-großer Lebensschreiter?Sprach zu laut ein Vogel im Gezweige?Murmelte der Wind zur Nacht von neuen,Ahnungsvollen, ungewissen Dingen –Und die Blüten stoben hin erschrockenUnd sie fielen weit, weit ab und starben …

Menschen sterben von mir ab wie BlütenMeines lieben Baumes vor dem Fenster.Gestern war er noch voll rot und weißenGlanzes, sieh, nun ist er grün und keimend.Hat ein Wandrer an dem Stamm geschüttelt –Solch ein aufrecht-großer Lebensschreiter?Sprach zu laut ein Vogel im Gezweige?Murmelte der Wind zur Nacht von neuen,Ahnungsvollen, ungewissen Dingen –Und die Blüten stoben hin erschrockenUnd sie fielen weit, weit ab und starben …

Geboren am 28. Dezember 1888 zu Halle. – Die gottlosen Jahre 1914. Die Freundschaft 1917. Die Nackten 1917. Menschlicher Kämpfer 1919.

Nah wie Löcher eines Siebes stehnFenster beieinander, drängend fassenHäuser sich so dicht an, daß die StraßenGrau geschwollen wie Gewürgte sehn.Ineinander dicht hineingehaktSitzen in den Trams die zwei FassadenLeute, wo die Blicke eng ausladenUnd Begierde ineinanderragt.Unsre Wände sind so dünn wie Haut,Daß ein jeder teilnimmt, wenn ich weine.Flüstern dringt hinüber wie Gegröle –Und wie stumm in abgeschloßner HöhleUnberührt und ungeschautSteht doch jeder fern und fühlt: alleine.

Nah wie Löcher eines Siebes stehnFenster beieinander, drängend fassenHäuser sich so dicht an, daß die StraßenGrau geschwollen wie Gewürgte sehn.

Ineinander dicht hineingehaktSitzen in den Trams die zwei FassadenLeute, wo die Blicke eng ausladenUnd Begierde ineinanderragt.

Unsre Wände sind so dünn wie Haut,Daß ein jeder teilnimmt, wenn ich weine.Flüstern dringt hinüber wie Gegröle –

Und wie stumm in abgeschloßner HöhleUnberührt und ungeschautSteht doch jeder fern und fühlt: alleine.

Sie wirbelt weichDie Hände schwingend vor ..Sie rollt auf Zehen starr zurück:Steht gipfelnd von Musik umflossen,Silbern sichtbar in die Luft gegossen!Sie schmilzt hinabUnd hebt zu kreisen anUm ihrer Seele stillsten Punkt,Wie Schnee, um sein Gebirge fließend,In immer weichere Hand sich gießend,Wie Wasser weiß ..Dick schwellen aus der WandDer Lampen blutige Fäden anUnd sinken plötzlich ..: Sie steht funkelndDa, steil gezackt, geprägt im Dunkeln!

Sie wirbelt weichDie Hände schwingend vor ..Sie rollt auf Zehen starr zurück:Steht gipfelnd von Musik umflossen,Silbern sichtbar in die Luft gegossen!

Sie schmilzt hinabUnd hebt zu kreisen anUm ihrer Seele stillsten Punkt,Wie Schnee, um sein Gebirge fließend,In immer weichere Hand sich gießend,

Wie Wasser weiß ..Dick schwellen aus der WandDer Lampen blutige Fäden anUnd sinken plötzlich ..: Sie steht funkelndDa, steil gezackt, geprägt im Dunkeln!

Sie schweift den Fuß wie Pfaunrad aus, zum Blumenkreis,Sie spitzt den Fuß wie Sterne zu, Zeh'nstrahlen spitz,Sie gleitet der Bewegung ungebundnes Gleis –Im Saale lagern Tiere stier auf wuchtigem Sitz.Von Säulen schielt das Breitgesicht der Decke weißHerab auf ihrer schnellen Brüste Blitz und Blitz,Aus vorgewölbten Mäulern bläst es gelb und heiß,Ihr Lichtknie schluckt der ungerührten Augen Schlitz!Da schüttelt sie sich zagender: O falle, Gier!Da wirft sie sich in Lüfte fort – Doch immer schwingtDie Schönheit wie ein Bumerang zurück zu ihr,Daß jedem Sprung nur stachelndere Glut entspringt.Rot hängt des Vorhangs offner Wundrand über ihr,Rauch höhnt als Vorhang, den doch jeder Blick durchdringt,Ihr Tanz verlöscht nicht, angespritzt von Staub und Bier,Noch immer klatschen Fäuste, bis Musik noch klingt.

Sie schweift den Fuß wie Pfaunrad aus, zum Blumenkreis,Sie spitzt den Fuß wie Sterne zu, Zeh'nstrahlen spitz,Sie gleitet der Bewegung ungebundnes Gleis –Im Saale lagern Tiere stier auf wuchtigem Sitz.

Von Säulen schielt das Breitgesicht der Decke weißHerab auf ihrer schnellen Brüste Blitz und Blitz,Aus vorgewölbten Mäulern bläst es gelb und heiß,Ihr Lichtknie schluckt der ungerührten Augen Schlitz!

Da schüttelt sie sich zagender: O falle, Gier!Da wirft sie sich in Lüfte fort – Doch immer schwingtDie Schönheit wie ein Bumerang zurück zu ihr,Daß jedem Sprung nur stachelndere Glut entspringt.

Rot hängt des Vorhangs offner Wundrand über ihr,Rauch höhnt als Vorhang, den doch jeder Blick durchdringt,Ihr Tanz verlöscht nicht, angespritzt von Staub und Bier,Noch immer klatschen Fäuste, bis Musik noch klingt.

So flieh, enttanzeIn dich! du Unsichtbare!Wie ein rasendes Rad innen schwindet –Schon hüllen Wellen dich und bleichenDie Gier, im Saale sitzen Leichen –Du, neu geborenAuf einen andern Stern hin!In eignen immer wildren Sturmleib,In Fuß und Brust und Stirn verflogen,Vom Geistermund des Umschwungs ausgesogen.Und fließt zusammenMit sich – und fühlt nur Tanzen,Luft, Atmen, Aufatmen von Flammen –Es hebt sie einsames GefiederUnd Sammetvorhang senkt sich nun auch nieder.

So flieh, enttanzeIn dich! du Unsichtbare!Wie ein rasendes Rad innen schwindet –Schon hüllen Wellen dich und bleichenDie Gier, im Saale sitzen Leichen –

Du, neu geborenAuf einen andern Stern hin!In eignen immer wildren Sturmleib,In Fuß und Brust und Stirn verflogen,Vom Geistermund des Umschwungs ausgesogen.

Und fließt zusammenMit sich – und fühlt nur Tanzen,Luft, Atmen, Aufatmen von Flammen –Es hebt sie einsames GefiederUnd Sammetvorhang senkt sich nun auch nieder.

Von Stern zu SternWie an schwankenden RingenSausen wir durch die Welt.Vom Dunkel zur Freundschaft,Von Freundschaft zur schaffenden Einsamkeit schwingenWir uns durch die Erde.Aber das steigt nichtVom Seufzen zum Singen:Dahinter winkt wieder Finsternis, und wieder Licht.Wie Sturm, Blitz und FlußMiteinander verschlingenSich ewig in uns, ewig zugleich:Dunkles Tasten an der Wahrheit Wand,Feuriger Freundschaft Weltdurchdringen,Zeugung der Wahrheit und Welt aus uns!Drei Gewalten, die um jedesKämpfers Seele miteinander ringen,Heben ihn nur himmlisch über sich empor!Schöpfung kreistAus ihrem An-einander-klingen:Aus Musik des Kämpfers wächst rings Gottes Geist.

Von Stern zu SternWie an schwankenden RingenSausen wir durch die Welt.

Vom Dunkel zur Freundschaft,Von Freundschaft zur schaffenden Einsamkeit schwingenWir uns durch die Erde.

Aber das steigt nichtVom Seufzen zum Singen:Dahinter winkt wieder Finsternis, und wieder Licht.

Wie Sturm, Blitz und FlußMiteinander verschlingenSich ewig in uns, ewig zugleich:

Dunkles Tasten an der Wahrheit Wand,Feuriger Freundschaft Weltdurchdringen,Zeugung der Wahrheit und Welt aus uns!

Drei Gewalten, die um jedesKämpfers Seele miteinander ringen,Heben ihn nur himmlisch über sich empor!

Schöpfung kreistAus ihrem An-einander-klingen:Aus Musik des Kämpfers wächst rings Gottes Geist.

Vor der verschlungnen Finsternis stöhnt,Stöhnt mein Mund,Ich an Lärmen unruhig gewöhnt,Starre suchend rund:Berge von Bäumen behaart ruhnSchwarz wüst herein,Was ihre Straßen nun tun,Äußert kein Schein, kein Schrei'n.Aber ein wenig sich zu irrnWünscht, wünscht mein Ohr!Schwänge nur eines Käfers SchwirrnMir ein Auto vor.Wäre nur ein Fenster drüben bewohnt,Doch im gewölbten HausNichts als Sterne und hohlen Mond– Halt ich nicht aus –Halt ich nicht aus, meinem Schlaf allmächtig umstellt,Fremd, fremd und nah –Durch den See noch näher geschwelltLiegt es lautlos da.Aber glaubt mich nicht schwach.Daß ich – soeben die Stadt noch gehaßt,Nun das Land flieh –: es ist nur die Nacht,Nur auf dich, diese Nacht, war ich nicht gefaßt –Wie du tot oder tausendfach unbekanntMein schwarzes Bett umlangst,Nirgends durchbrochen von menschlicher Hand,Gottlose Angst –

Vor der verschlungnen Finsternis stöhnt,Stöhnt mein Mund,Ich an Lärmen unruhig gewöhnt,Starre suchend rund:

Berge von Bäumen behaart ruhnSchwarz wüst herein,Was ihre Straßen nun tun,Äußert kein Schein, kein Schrei'n.

Aber ein wenig sich zu irrnWünscht, wünscht mein Ohr!Schwänge nur eines Käfers SchwirrnMir ein Auto vor.

Wäre nur ein Fenster drüben bewohnt,Doch im gewölbten HausNichts als Sterne und hohlen Mond– Halt ich nicht aus –

Halt ich nicht aus, meinem Schlaf allmächtig umstellt,Fremd, fremd und nah –Durch den See noch näher geschwelltLiegt es lautlos da.

Aber glaubt mich nicht schwach.Daß ich – soeben die Stadt noch gehaßt,Nun das Land flieh –: es ist nur die Nacht,Nur auf dich, diese Nacht, war ich nicht gefaßt –

Wie du tot oder tausendfach unbekanntMein schwarzes Bett umlangst,Nirgends durchbrochen von menschlicher Hand,Gottlose Angst –

Der D-Zug schreit und steigert sich, der Mond steht hell –O Einklang aller Füße langsam – Füße schnell!Die Herzen schlagenAuf blanker Schiene mit den Wagen.Wir sind ein Schwarm dem spröden Schritt der Städte fern!Ihr Häuser fort! mit uns fährt eisern nur der Stern.Die Dörfer blinken,Von unserm Sturm verlöscht versinken.Versenken wir das Aschengrau der Abendwelt!Wie gutes Blut zerschmilzt der Zug, was uns umstellt.Gebirge gleitenIn Seen .. ins Meer der Schnelligkeiten.Doch wir gezackt wie Wolken aus dem glatten MeerMit einem Atem dampfen wir darüber herUnd brausend sehenWir brausendere Sterne stehen ..Seht auf, seht auf .. da steigt und schreit und hebt der ZugUns hoch in Glanz .. das Gleis verstummt .. die Nacht wird Flug ..Wir alle flammenIm wildren Schmelz des Sterns zusammen!Und nagelt uns die Bremse auf Stationen fest,Wir fahren noch .. ins muffige Hotel gepreßt!Aus Fenstern neigenWir uns und sausen Sternenreigen.

Der D-Zug schreit und steigert sich, der Mond steht hell –O Einklang aller Füße langsam – Füße schnell!Die Herzen schlagenAuf blanker Schiene mit den Wagen.

Wir sind ein Schwarm dem spröden Schritt der Städte fern!Ihr Häuser fort! mit uns fährt eisern nur der Stern.Die Dörfer blinken,Von unserm Sturm verlöscht versinken.

Versenken wir das Aschengrau der Abendwelt!Wie gutes Blut zerschmilzt der Zug, was uns umstellt.Gebirge gleitenIn Seen .. ins Meer der Schnelligkeiten.

Doch wir gezackt wie Wolken aus dem glatten MeerMit einem Atem dampfen wir darüber herUnd brausend sehenWir brausendere Sterne stehen ..

Seht auf, seht auf .. da steigt und schreit und hebt der ZugUns hoch in Glanz .. das Gleis verstummt .. die Nacht wird Flug ..Wir alle flammenIm wildren Schmelz des Sterns zusammen!

Und nagelt uns die Bremse auf Stationen fest,Wir fahren noch .. ins muffige Hotel gepreßt!Aus Fenstern neigenWir uns und sausen Sternenreigen.

Himmel baut sich um die Brust mir bis zum Kiefer,Aber durchbrechend sein DachSproßt mein Auge frei hinaus, indes die Hüften tieferStehen in Wiese und Luft, grünem und blauem Gemach!Aber durchbrechend das Dach – in welchen RäumenWächst mein Haupt? Unten in MeerUnd Wald und irdischen Maschinen schäumenDie Dinge lärmend und schwer –Dennoch nur wie leiser Schlaf in engen Wänden,Wie ein bescheidenes Spiel!Aber riesig über Himmelsschultern, Bergeslenden,Schwebt die Stirn, – Sonne auf schmächtigem Stiel,Drache, unerschöpflich über seinen Hälsen,Mond über Ebbe und Flut,Hochgebirg über allen Felsen,Reicht die Stirn in jede Glut!In das Schicksal reicht die Stirn – und kann nicht siegen,Aber singen! – bis sie dem Schicksal gleicht an Glanz,Aus der Erde klingend weltallgebogne Spiralen durchfliegen,Bis sie hoch in den Sternen – mit Menschen sich trifft im Tanz.

Himmel baut sich um die Brust mir bis zum Kiefer,Aber durchbrechend sein DachSproßt mein Auge frei hinaus, indes die Hüften tieferStehen in Wiese und Luft, grünem und blauem Gemach!

Aber durchbrechend das Dach – in welchen RäumenWächst mein Haupt? Unten in MeerUnd Wald und irdischen Maschinen schäumenDie Dinge lärmend und schwer –

Dennoch nur wie leiser Schlaf in engen Wänden,Wie ein bescheidenes Spiel!Aber riesig über Himmelsschultern, Bergeslenden,Schwebt die Stirn, – Sonne auf schmächtigem Stiel,

Drache, unerschöpflich über seinen Hälsen,Mond über Ebbe und Flut,Hochgebirg über allen Felsen,Reicht die Stirn in jede Glut!

In das Schicksal reicht die Stirn – und kann nicht siegen,Aber singen! – bis sie dem Schicksal gleicht an Glanz,Aus der Erde klingend weltallgebogne Spiralen durchfliegen,Bis sie hoch in den Sternen – mit Menschen sich trifft im Tanz.

Geboren am 19. Februar 1881 zu Briesen. – Schollenbruch 1912. Die eiserne Brücke 1913. Der Wald 1914. Das schwarze Revier 1914. Der feurige Busch 1919. Golgatha 1919. Das Terzett der Sterne 1920.Venus consolatrix1921.

Am Abend stehn die Dinge nicht mehr blindund mauerhart in dem Vorüberspülengehetzter Stunden; Wind bringt von den Mühlengekühlten Tau und geisterhaftes Blau.Die Häuser haben Augen aufgetan,Stern unter Sternen ist die Erde wieder,die Brücken tauchen in das Flußbett niederund schwimmen in der Tiefe Kahn an Kahn.Gestalten wachsen groß aus jedem Strauch,die Wipfel wehen fort wie träger Rauchund Täler werfen Berge ab, die lange drückten.Die Menschen aber staunen mit entrücktenGesichtern in der Sterne Silberschwallund sind wie Früchte reif und süß zum Fall.

Am Abend stehn die Dinge nicht mehr blindund mauerhart in dem Vorüberspülengehetzter Stunden; Wind bringt von den Mühlengekühlten Tau und geisterhaftes Blau.

Die Häuser haben Augen aufgetan,Stern unter Sternen ist die Erde wieder,die Brücken tauchen in das Flußbett niederund schwimmen in der Tiefe Kahn an Kahn.

Gestalten wachsen groß aus jedem Strauch,die Wipfel wehen fort wie träger Rauchund Täler werfen Berge ab, die lange drückten.

Die Menschen aber staunen mit entrücktenGesichtern in der Sterne Silberschwallund sind wie Früchte reif und süß zum Fall.

Den leeren Ranzen lässig umgesacktund grünen Filzhut windschief auf den Strähnen,so schiebt er sich ins Dorf, wo sattes Gähnenrauchwirbelnd über feuchte Dächer flackt.Er probt mit langen Fingern, die von Gichtkrummstehn, das Tür-an-klopfen,und weitet Taschen aus zum Brotverstopfenund setzt in Kummerfalten das Gesicht.Sturm orgelt lauter auf in den Kaminenund Tor an Tor knirscht krachend im Verschluß ....Armselig, wer nun wandern, wandern muß.Man wirft aus Fenstern Fäuste jähzornschwer,und hetzt Gebrüll von Hunden hinterher.… Der Nebel gittert graue Eisgardinen.

Den leeren Ranzen lässig umgesacktund grünen Filzhut windschief auf den Strähnen,so schiebt er sich ins Dorf, wo sattes Gähnenrauchwirbelnd über feuchte Dächer flackt.

Er probt mit langen Fingern, die von Gichtkrummstehn, das Tür-an-klopfen,und weitet Taschen aus zum Brotverstopfenund setzt in Kummerfalten das Gesicht.

Sturm orgelt lauter auf in den Kaminenund Tor an Tor knirscht krachend im Verschluß ....Armselig, wer nun wandern, wandern muß.

Man wirft aus Fenstern Fäuste jähzornschwer,und hetzt Gebrüll von Hunden hinterher.… Der Nebel gittert graue Eisgardinen.

Das Dorf liegt aufgebahrt. Ein Wetterriegelschiebt schwarz sich vor: die Sonne abzusperrn.Doch die steil abgeschrägten Dächerziegelhalten die Hitze unter rotem Siegelzitternd von aller Kühle fern.Verzweifelt strebt der Rauch aus den Kaminenin den verbleiten Horizont empor.Die Fenster ruhn verschlossen in Gardinen,und des Gesindes abgespannte Mienenbeschattet tief des Schlafes Flor,bis wie ein Traumschrei aus den Schlummerzellendie Dreschmaschine heult und wie ein Pfeilin angestrengtem Vorwärtsschnellendie Luft zerschneidet, messerscharf und steil.

Das Dorf liegt aufgebahrt. Ein Wetterriegelschiebt schwarz sich vor: die Sonne abzusperrn.Doch die steil abgeschrägten Dächerziegelhalten die Hitze unter rotem Siegelzitternd von aller Kühle fern.

Verzweifelt strebt der Rauch aus den Kaminenin den verbleiten Horizont empor.Die Fenster ruhn verschlossen in Gardinen,und des Gesindes abgespannte Mienenbeschattet tief des Schlafes Flor,

bis wie ein Traumschrei aus den Schlummerzellendie Dreschmaschine heult und wie ein Pfeilin angestrengtem Vorwärtsschnellendie Luft zerschneidet, messerscharf und steil.

Es kam ein Wind von Frühlingsland,der riß vom Strom das Silberbandund ließ die blauen Schimmerwellen tanzen.Da fiel der Nebel wie zerschlitztins Uferrohr, das, rot beglitzt,emporwuchs wie ein Wald von goldnen Lanzen.Und alle Wiesen wurden wasserfrei,Alarm beflammte Kuckucksruf und Kiebitzschrei,bis, losgelassen von den Farmen,die jungen Pferde Funken schlugen querfeldein,als müßten sie im Fliegen noch den Steinvor lauter Blut umarmen.

Es kam ein Wind von Frühlingsland,der riß vom Strom das Silberbandund ließ die blauen Schimmerwellen tanzen.

Da fiel der Nebel wie zerschlitztins Uferrohr, das, rot beglitzt,emporwuchs wie ein Wald von goldnen Lanzen.

Und alle Wiesen wurden wasserfrei,Alarm beflammte Kuckucksruf und Kiebitzschrei,bis, losgelassen von den Farmen,

die jungen Pferde Funken schlugen querfeldein,als müßten sie im Fliegen noch den Steinvor lauter Blut umarmen.

Geboren am 28. November 1881 zu Wien. – Gesammelte Gedichte 1921.

Blauer Blick des MondescheinesKühlte meines Zimmers Wand;Da hört' ich die Stimme eines,Der im Dunkel unten stand.Und wie ich die Scheibe staunendIn den Garten niederbog,War es Singen, süß und raunend,Das zu mir ans Fenster flog.Keinen sah ich. Nur im DunkelnBlinkte das erhellte SpielDer Fontäne, die mit FunkelnZwischen Busch und Bäume fiel.Unruhvoll und doch beständigSchien das silberne GetönWie ein lautes Herz lebendigDurch die Brust der Nacht zu gehn.Und ich fragte: „Warum rauschst duHeute mir zum erstenmal?“ –Und ich horchte: „Warum lauschst duHeute mir zum erstenmal?In das heiße Gold der Tage,Stumm im Steigen, Lied im Fall,Durch den Samt der Nächte trageStet ich den erregten SchwallMeiner eignen Überfülle,Und du, der mir nahe ruhst,Wirst erst durch den Gruß der StilleUnsrer Brüderschaft bewußt?Hast du nie denn an der SchwelleDes Erwachens wirr gefühlt,Daß dir eine lautre WelleNächtens durch dein Herz gespült,Daß mein Singen dich durchwebteUnd im Schlafe aufwärts schwoll,Bis es Blut um Blute lebteUnd an deine Lippen quoll,Bis als Lied der eingeengteSchauer einer fremden Lust,Die ein Traum in dich versenkte,Wild aufbrach aus deiner Brust?So in dein Geschick verflechteIch mir meines Lebens Spur,Und bin doch im Kreis der MächteEine leise Stimme nur,Eines von den stummen Dingen,Die dein Wesen zauberhaftUnd geheimnisvoll durchdringen,Und von deren steter KraftNur verloren-leise KundeManchmal deine Seele faßt,Wenn du dich hinab zum GrundeEines Traums getastet hast.“Immer ferner schien der Schimmer,Immer dunkler Wort und Sinn,Doch mein Herz lauschte noch immerNach der weißen Stimme hin,Die vom Garten, bald wie Trauer,Bald wie Lächeln, wundersamÜber Bäume, Busch und MauerSchwebend an mein Lager kam,Und an meine Brust sich schmiegendIhrer Worte Wiege schwang,Bis ich, fern im Schlummer liegend,Glanz nur fühlte und Gesang.

Blauer Blick des MondescheinesKühlte meines Zimmers Wand;Da hört' ich die Stimme eines,Der im Dunkel unten stand.

Und wie ich die Scheibe staunendIn den Garten niederbog,War es Singen, süß und raunend,Das zu mir ans Fenster flog.

Keinen sah ich. Nur im DunkelnBlinkte das erhellte SpielDer Fontäne, die mit FunkelnZwischen Busch und Bäume fiel.

Unruhvoll und doch beständigSchien das silberne GetönWie ein lautes Herz lebendigDurch die Brust der Nacht zu gehn.

Und ich fragte: „Warum rauschst duHeute mir zum erstenmal?“ –Und ich horchte: „Warum lauschst duHeute mir zum erstenmal?

In das heiße Gold der Tage,Stumm im Steigen, Lied im Fall,Durch den Samt der Nächte trageStet ich den erregten Schwall

Meiner eignen Überfülle,Und du, der mir nahe ruhst,Wirst erst durch den Gruß der StilleUnsrer Brüderschaft bewußt?

Hast du nie denn an der SchwelleDes Erwachens wirr gefühlt,Daß dir eine lautre WelleNächtens durch dein Herz gespült,

Daß mein Singen dich durchwebteUnd im Schlafe aufwärts schwoll,Bis es Blut um Blute lebteUnd an deine Lippen quoll,

Bis als Lied der eingeengteSchauer einer fremden Lust,Die ein Traum in dich versenkte,Wild aufbrach aus deiner Brust?

So in dein Geschick verflechteIch mir meines Lebens Spur,Und bin doch im Kreis der MächteEine leise Stimme nur,

Eines von den stummen Dingen,Die dein Wesen zauberhaftUnd geheimnisvoll durchdringen,Und von deren steter Kraft

Nur verloren-leise KundeManchmal deine Seele faßt,Wenn du dich hinab zum GrundeEines Traums getastet hast.“

Immer ferner schien der Schimmer,Immer dunkler Wort und Sinn,Doch mein Herz lauschte noch immerNach der weißen Stimme hin,

Die vom Garten, bald wie Trauer,Bald wie Lächeln, wundersamÜber Bäume, Busch und MauerSchwebend an mein Lager kam,

Und an meine Brust sich schmiegendIhrer Worte Wiege schwang,Bis ich, fern im Schlummer liegend,Glanz nur fühlte und Gesang.

Ist es schon Abend? Ich will nicht hinaus,Vergeblich flimmert ihr, o buhlerische Sterne!Faß mich doch enger, du vertrautes Haus,Reiß mich an dich, gib mich nicht an die Ferne,Lieg nicht so träg, so stumm, so atemlos,Sprich jetzt zu mir! Ich brauche einen,Der zu mir spricht in dieser Zwielichtstunde,Hörst du: Ich brauche einen, sei es bloßDas Ticken einer Uhr, ein Kinderweinen,Das Knurren nur von einem nahen Hunde,Nur nicht dies fröstelnde Verlassenscheinen,Nur Etwas, das dies drohende GewichtDer ganz verstummten Stube von mir hält,Und daß des Herzens Hammer nichtSo ohne Antwort in die Stille fällt!Haus, halt mich fest! Zu vielVon meinen Nächten hab' ich hingegebenAn dieses sinnlich aufgepeitschte Spiel.Wie bin ich müd, die abenteuerlichErregte Luft, die lichterlose SchwüleDer stummen Gassen an mein Kleid, an mich,Und endlich flackernd in mir selbst zu fühlen.Schließ du mich, Buch, in deine dunklen Zeilen,Senkt, Briefe, ihr dies in die Ferne StrebenIn lieber Menschen Bild, in eine Frau,Beschwichtigt ihr das nun vom Abend lauAufschwülend unerklärliche Verlangen,Des Blutes Unruh in die Nacht zu jagen!Dies willenlose Durch-die-Gassen-Treiben,Ob mich nicht Etwas aus dem Dunkel will,Dies lüstern Spähn, dies angespannte HangenAn jeder mattbeglänzten Fensterscheibe –Wird dieses knabenhaft verworrne TreibenDenn noch nicht in mir still?Nein, halt mich, Haus! Verschließ mit dunklen ScheibenAll meine Unrast: und ich bleibe dein.Ich selbst will ja den Abend so, nur so,Wie er den andern ist: ein Müdesein,Nur so,Als sinke mit den schwindenden KulissenEin buntes Spiel in bilderlose Räume.Nicht will ich mehr. Vielleicht noch irgendwoFreund oder Frau, ein mir Vertrautes wissen, –Und dann nur Träume, bilderlose Träume.

Ist es schon Abend? Ich will nicht hinaus,Vergeblich flimmert ihr, o buhlerische Sterne!Faß mich doch enger, du vertrautes Haus,Reiß mich an dich, gib mich nicht an die Ferne,Lieg nicht so träg, so stumm, so atemlos,Sprich jetzt zu mir! Ich brauche einen,Der zu mir spricht in dieser Zwielichtstunde,Hörst du: Ich brauche einen, sei es bloßDas Ticken einer Uhr, ein Kinderweinen,Das Knurren nur von einem nahen Hunde,Nur nicht dies fröstelnde Verlassenscheinen,Nur Etwas, das dies drohende GewichtDer ganz verstummten Stube von mir hält,Und daß des Herzens Hammer nichtSo ohne Antwort in die Stille fällt!

Haus, halt mich fest! Zu vielVon meinen Nächten hab' ich hingegebenAn dieses sinnlich aufgepeitschte Spiel.Wie bin ich müd, die abenteuerlichErregte Luft, die lichterlose SchwüleDer stummen Gassen an mein Kleid, an mich,Und endlich flackernd in mir selbst zu fühlen.Schließ du mich, Buch, in deine dunklen Zeilen,Senkt, Briefe, ihr dies in die Ferne StrebenIn lieber Menschen Bild, in eine Frau,Beschwichtigt ihr das nun vom Abend lauAufschwülend unerklärliche Verlangen,Des Blutes Unruh in die Nacht zu jagen!Dies willenlose Durch-die-Gassen-Treiben,Ob mich nicht Etwas aus dem Dunkel will,Dies lüstern Spähn, dies angespannte HangenAn jeder mattbeglänzten Fensterscheibe –Wird dieses knabenhaft verworrne TreibenDenn noch nicht in mir still?

Nein, halt mich, Haus! Verschließ mit dunklen ScheibenAll meine Unrast: und ich bleibe dein.Ich selbst will ja den Abend so, nur so,Wie er den andern ist: ein Müdesein,Nur so,Als sinke mit den schwindenden KulissenEin buntes Spiel in bilderlose Räume.Nicht will ich mehr. Vielleicht noch irgendwoFreund oder Frau, ein mir Vertrautes wissen, –Und dann nur Träume, bilderlose Träume.

ABDEFGHIJKLMNORSTUVWZ


Back to IndexNext