Geboren am 18. Nov. 1863 zu Wendisch-Hermsdorf in der Mark Brandenburg. Absolvierte das Gymnasium zu Danzig, studierte 1882–87 Philosophie, Naturwissenschaft und Sozialökonomie, wohnte zunächst in Berlin, reiste dann im Ausland, lebte in Blankenese bei Hamburg und starb dort am 8. Februar 1920. – Erlösungen 1891. Aber die Liebe 1893. Lebensblätter 1895. Weib und Welt 1896. Ausgewählte Gedichte 1901. Zwei Menschen 1903. Verwandlungen der Venus 1907. Schöne wilde Welt 1913.
Unruhig steht der hohe Kiefernforst;Die Wolken wälzen sich von Ost nach Westen.Lautlos und hastig ziehn die Krähn zu Horst;Dumpf tönt die Waldung aus den braunen Ästen,Und dumpfer tönt mein Schritt.Hier über diese Hügel ging ich schon,Als ich noch nicht den Sturm der Sehnsucht kannte,Noch nicht bei euerm urweltlichen TonDie Arme hob und ins Erhabne spannte,Ihr Riesenstämme rings.In großen Zwischenräumen, kaum bewegt,Erheben sich die graugewordnen Schäfte;Durch ihre grüngebliebnen Kronen fegtDie Wucht der lauten und verhaltnen KräfteWie damals.Undeinesteht, wie eines Erdgotts HandIn fünf gewaltige Finger hochgespalten;Die glänzt noch goldbraun bis zum WurzelstandUnd langt noch höher als die starren altenEinsamen Stämme.Durch die fünf Finger geht ein zäher Kampf,Als wollten sie sich aneinanderzwängen;Durch ihre Kuppen wühlt und spielt ein Krampf,Als rissen sie mit Inbrunst an den SträngenEiner verwunschnen Harfe.Und von der Harfe kommt ein HimmelstonUnd pflanzt sich mächtig fort von Ost nach Westen.Den kenn' ich tief seit meiner Jugend schon:Dumpf tönt die Waldung aus den braunen Ästen:Komm, Sturm, erhöre mich!Wie hab' ich mich nach einer Hand gesehnt,Die mächtig ganz in meine würde passen!Wie hab' ich mir die Finger wund gedehnt!Die ganze Hand, die konnte niemand fassen!Da ballt' ich sie zur Faust.Ich habe mit Inbrünsten jeder ArtMich zwischen Gott und Tier herumgeschlagen.Ich steh' und prüfe die bestandne Fahrt:NureineInbrunst läßt sich treu ertragen:Zur ganzen Welt.Komm, Sturm der Allmacht, schüttel den starren Forst!Schüttelst auch mich, du urweltliches Treiben.In scheuen Haufen ziehn die Krähn zu Horst;Gib mir die Kraft, einsam zu bleiben,Welt! –
Unruhig steht der hohe Kiefernforst;Die Wolken wälzen sich von Ost nach Westen.Lautlos und hastig ziehn die Krähn zu Horst;Dumpf tönt die Waldung aus den braunen Ästen,Und dumpfer tönt mein Schritt.
Hier über diese Hügel ging ich schon,Als ich noch nicht den Sturm der Sehnsucht kannte,Noch nicht bei euerm urweltlichen TonDie Arme hob und ins Erhabne spannte,Ihr Riesenstämme rings.
In großen Zwischenräumen, kaum bewegt,Erheben sich die graugewordnen Schäfte;Durch ihre grüngebliebnen Kronen fegtDie Wucht der lauten und verhaltnen KräfteWie damals.
Undeinesteht, wie eines Erdgotts HandIn fünf gewaltige Finger hochgespalten;Die glänzt noch goldbraun bis zum WurzelstandUnd langt noch höher als die starren altenEinsamen Stämme.
Durch die fünf Finger geht ein zäher Kampf,Als wollten sie sich aneinanderzwängen;Durch ihre Kuppen wühlt und spielt ein Krampf,Als rissen sie mit Inbrunst an den SträngenEiner verwunschnen Harfe.
Und von der Harfe kommt ein HimmelstonUnd pflanzt sich mächtig fort von Ost nach Westen.Den kenn' ich tief seit meiner Jugend schon:Dumpf tönt die Waldung aus den braunen Ästen:Komm, Sturm, erhöre mich!
Wie hab' ich mich nach einer Hand gesehnt,Die mächtig ganz in meine würde passen!Wie hab' ich mir die Finger wund gedehnt!Die ganze Hand, die konnte niemand fassen!Da ballt' ich sie zur Faust.
Ich habe mit Inbrünsten jeder ArtMich zwischen Gott und Tier herumgeschlagen.Ich steh' und prüfe die bestandne Fahrt:NureineInbrunst läßt sich treu ertragen:Zur ganzen Welt.
Komm, Sturm der Allmacht, schüttel den starren Forst!Schüttelst auch mich, du urweltliches Treiben.In scheuen Haufen ziehn die Krähn zu Horst;Gib mir die Kraft, einsam zu bleiben,Welt! –
Klar ruhn die Lüfte auf der weiten Flur;Fern dampft der See, das hohe Röhricht flimmert,Im Schilf verglüht die letzte Sonnenspur,Ein blasses Wölkchen rötet sich und schimmert.Vom Wiesengrunde naht ein Glockenton,Ein Duft von Tau entweicht der warmen Erde;Im stillen Walde steht die Dämmrung schon,Der Hirte sammelt seine satte Herde.Im jungen Roggen rührt sich nicht ein Halm,Die Glocke schweigt wie aus der Welt geschieden;Nur noch die Grillen geigen ihren Psalm.So sei dochfroh, mein Herz, in all dem Frieden!
Klar ruhn die Lüfte auf der weiten Flur;Fern dampft der See, das hohe Röhricht flimmert,Im Schilf verglüht die letzte Sonnenspur,Ein blasses Wölkchen rötet sich und schimmert.
Vom Wiesengrunde naht ein Glockenton,Ein Duft von Tau entweicht der warmen Erde;Im stillen Walde steht die Dämmrung schon,Der Hirte sammelt seine satte Herde.
Im jungen Roggen rührt sich nicht ein Halm,Die Glocke schweigt wie aus der Welt geschieden;Nur noch die Grillen geigen ihren Psalm.So sei dochfroh, mein Herz, in all dem Frieden!
Die Rosen leuchten immer noch,Die dunkeln Blätter zittern sacht;Ich bin im Grase aufgewacht,O kämst du doch,Es ist so tiefe Mitternacht.Den Mond verdeckt das Gartentor,Sein Licht fließt über in den See,Die Weiden warten still empor,Mein Nacken wühlt im feuchten Klee;So liebt' ich dich noch nie zuvor!So hab' ich es noch nie gewußt,So oft ich deinen Hals umschloßUnd blind dein Innerstes genoß,Warum du so aus banger BrustAufstöhntest, wenn ich überfloß.O jetzt, o hättest du gesehn,Wie dort das Glühwurmpärchen kroch!Ich will nie wieder von dir gehn!O kämst du doch!Die Rosen leuchten immer noch.
Die Rosen leuchten immer noch,Die dunkeln Blätter zittern sacht;Ich bin im Grase aufgewacht,O kämst du doch,Es ist so tiefe Mitternacht.
Den Mond verdeckt das Gartentor,Sein Licht fließt über in den See,Die Weiden warten still empor,Mein Nacken wühlt im feuchten Klee;So liebt' ich dich noch nie zuvor!
So hab' ich es noch nie gewußt,So oft ich deinen Hals umschloßUnd blind dein Innerstes genoß,Warum du so aus banger BrustAufstöhntest, wenn ich überfloß.
O jetzt, o hättest du gesehn,Wie dort das Glühwurmpärchen kroch!Ich will nie wieder von dir gehn!O kämst du doch!Die Rosen leuchten immer noch.
Richard Dehmel
So war's auch damals schon. So lautlosVerhing die dumpfe Luft das Land,Und unterm Dach der TrauerbucheVerfingen sich am GartenrandDie Blütendünste des Holunders;Stumm nahm sie meine schwüle Hand,Stumm vor Glück.Es war wie Grabgeruch … Ich bin nicht schuld!Du blasses Licht da drüben im Geschwele,Was stehst du wie ein Geist im Leichentuch –Lisch aus, du Mahnbild der gebrochnen Seele!Was starrst du mich so gottesäugig an?Ich brach sie nicht! sie tat es selbst! Was quäleIch mich mit fremdem Unglück ab …Das Land wird grau; die Nacht bringt keinen Funken,Die Weiden sehn im Nebel aus wie Rauch,Der schwere Himmel scheint ins Korn gesunken.Still hängt das Laub am feuchten Strauch,Als hätten alle Blätter Gift getrunken;So still liegt sie nun auch.Ich wünsche mir den Tod.
So war's auch damals schon. So lautlosVerhing die dumpfe Luft das Land,Und unterm Dach der TrauerbucheVerfingen sich am GartenrandDie Blütendünste des Holunders;Stumm nahm sie meine schwüle Hand,Stumm vor Glück.
Es war wie Grabgeruch … Ich bin nicht schuld!Du blasses Licht da drüben im Geschwele,Was stehst du wie ein Geist im Leichentuch –Lisch aus, du Mahnbild der gebrochnen Seele!Was starrst du mich so gottesäugig an?Ich brach sie nicht! sie tat es selbst! Was quäleIch mich mit fremdem Unglück ab …
Das Land wird grau; die Nacht bringt keinen Funken,Die Weiden sehn im Nebel aus wie Rauch,Der schwere Himmel scheint ins Korn gesunken.Still hängt das Laub am feuchten Strauch,Als hätten alle Blätter Gift getrunken;So still liegt sie nun auch.Ich wünsche mir den Tod.
Das sind die Abende, die bleich verfrühten.Die Georginen, die im SonnenscheineWie rot und gelbe letzte Rosen glühten,Stehn fahl, Rosetten aus verfärbtem Steine.Der Nebel klebt an unsern Hüten.Komm, Schwester. Dort der Zaun von ErzUmgitterteine, die zu früh verblich.Komm heim; mich friert. Sie liebte mich.Sie hatte nichts vom Leben als ihr Herz;Still tat sie wohl, still litt sie Schmerz.
Das sind die Abende, die bleich verfrühten.Die Georginen, die im SonnenscheineWie rot und gelbe letzte Rosen glühten,Stehn fahl, Rosetten aus verfärbtem Steine.Der Nebel klebt an unsern Hüten.
Komm, Schwester. Dort der Zaun von ErzUmgitterteine, die zu früh verblich.Komm heim; mich friert. Sie liebte mich.Sie hatte nichts vom Leben als ihr Herz;Still tat sie wohl, still litt sie Schmerz.
Der Abend graut; Herbstfeuer brennen.Über den Stoppeln geht der Rauch entzwei.Kaum ist mein Weg noch zu erkennen.Bald kommt die Nacht; ich muß mich trennen.Ein Käfer surrt an meinem Ohr vorbei.Vorbei.
Der Abend graut; Herbstfeuer brennen.Über den Stoppeln geht der Rauch entzwei.Kaum ist mein Weg noch zu erkennen.Bald kommt die Nacht; ich muß mich trennen.Ein Käfer surrt an meinem Ohr vorbei.Vorbei.
Liegt eine Stadt im Tale,Ein blasser Tag vergeht;Es wird nicht lange dauern mehr,Bis weder Mond noch Sterne,Nur Nacht am Himmel steht.Von allen Bergen drückenNebel auf die Stadt;Es dringt kein Dach, nicht Hof noch Haus,Kein Laut aus ihrem Rauch heraus,Kaum Türme noch und Brücken.Doch als den Wandrer graute,Da ging ein Lichtlein auf im Grund;Und durch den Rauch und NebelBegann ein leiser LobgesangAus Kindermund.
Liegt eine Stadt im Tale,Ein blasser Tag vergeht;Es wird nicht lange dauern mehr,Bis weder Mond noch Sterne,Nur Nacht am Himmel steht.
Von allen Bergen drückenNebel auf die Stadt;Es dringt kein Dach, nicht Hof noch Haus,Kein Laut aus ihrem Rauch heraus,Kaum Türme noch und Brücken.
Doch als den Wandrer graute,Da ging ein Lichtlein auf im Grund;Und durch den Rauch und NebelBegann ein leiser LobgesangAus Kindermund.
Wenn die Felder sich verdunkeln,Fühl' ich, wird mein Auge heller;Schon versucht ein Stern zu funkeln,Und die Grillen wispern schneller.Jeder Laut wird bilderreicher,Das Gewohnte sonderbarer,Hinterm Wald der Himmel bleicher,Jeder Wipfel hebt sich klarer.Und du merkst es nicht im Schreiten,Wie das Licht verhundertfältigtSich entringt den Dunkelheiten.Plötzlich stehst du überwältigt.
Wenn die Felder sich verdunkeln,Fühl' ich, wird mein Auge heller;Schon versucht ein Stern zu funkeln,Und die Grillen wispern schneller.
Jeder Laut wird bilderreicher,Das Gewohnte sonderbarer,Hinterm Wald der Himmel bleicher,Jeder Wipfel hebt sich klarer.
Und du merkst es nicht im Schreiten,Wie das Licht verhundertfältigtSich entringt den Dunkelheiten.Plötzlich stehst du überwältigt.
In die dunkle BergschluchtKehrt der Mond zurück.Eine Stimme singt am Wassersturz:O Geliebtes,Deine höchste WonneUnd dein tiefster SchmerzSind mein Glück –
In die dunkle BergschluchtKehrt der Mond zurück.Eine Stimme singt am Wassersturz:O Geliebtes,Deine höchste WonneUnd dein tiefster SchmerzSind mein Glück –
Ob du wohl auch so schlaflos liegstUnd dich in wachen Träumen wiegst,Vor Glück, wie sehr die Sehnsucht brennt?Ich starr ins dunkle Firmament:Der Morgenstern, in großem Bogen,Ist langsam längst heraufgezogenUnd läßt mich lächelnd fühlen, was uns trennt.Vor meinen schwachen Augen– Nun weiß ich doch, zu was sie taugen –Strahlt er, je höher her, je flimmernder.Weihnächtig glänzt die graue Stille.O zögre, Alltag! Ohne BrilleSieht man die Welt unendlich schimmernder.Schon aber glitzert sein Gezitter blasser;Nun steh' ich auf und geb' der Lilie Wasser,Die du mir gestern heimlich brachtest.Und wenn du mich dafür auslachtest:Sanft nehm' ich sie von ihrer StätteUnd leg' sie auf mein warmes BetteUnd fühle lächelnd, wie du nach mir schmachtest.
Ob du wohl auch so schlaflos liegstUnd dich in wachen Träumen wiegst,Vor Glück, wie sehr die Sehnsucht brennt?Ich starr ins dunkle Firmament:Der Morgenstern, in großem Bogen,Ist langsam längst heraufgezogenUnd läßt mich lächelnd fühlen, was uns trennt.
Vor meinen schwachen Augen– Nun weiß ich doch, zu was sie taugen –Strahlt er, je höher her, je flimmernder.Weihnächtig glänzt die graue Stille.O zögre, Alltag! Ohne BrilleSieht man die Welt unendlich schimmernder.
Schon aber glitzert sein Gezitter blasser;Nun steh' ich auf und geb' der Lilie Wasser,Die du mir gestern heimlich brachtest.Und wenn du mich dafür auslachtest:Sanft nehm' ich sie von ihrer StätteUnd leg' sie auf mein warmes BetteUnd fühle lächelnd, wie du nach mir schmachtest.
Gib mir nur die Hand,Nur den Finger, dannSeh' ich diesen ganzen ErdkreisAls mein Eigen an!O, wie blüht mein Land!Sieh dir's doch nur an,Daß es mit uns über die WolkenIn die Sonne kann!
Gib mir nur die Hand,Nur den Finger, dannSeh' ich diesen ganzen ErdkreisAls mein Eigen an!
O, wie blüht mein Land!Sieh dir's doch nur an,Daß es mit uns über die WolkenIn die Sonne kann!
Nocheinmal so! Im Nebel durch den Sturm:Das Segel knatterte, die Schiffer schrien,Am Bugspriet stand das Wasser wie ein Turm,Ich fühlte deine Angst in meinen KnienUnd sah dein stolz und fremd Gesicht.Noch einmal wollte mir dein Auge drohn,Wie eine Flamme stand dein Haar im Winde,Doch in den Wellen rang ein TonWie das Gewein von einem Kinde –Da wehrtest du mir nicht:Um meine Lippen lag dein naß wild Haar,Um deine Schulter lag mein Arm gezogen,Und unsern Kuß versüßte wunderbarDer Schaum der salzigen Sturzwogen –Da schrie ich laut vor Freude auf.Nocheinmal so! Was tust du jetzt so kalt,Hast du denn Furcht vorm offnen Meere!Es peitscht dich warm! Komm bald, komm bald!Im Hafennebel tanzt die Fähre –Hinaus! hinauf!
Nocheinmal so! Im Nebel durch den Sturm:Das Segel knatterte, die Schiffer schrien,Am Bugspriet stand das Wasser wie ein Turm,Ich fühlte deine Angst in meinen KnienUnd sah dein stolz und fremd Gesicht.
Noch einmal wollte mir dein Auge drohn,Wie eine Flamme stand dein Haar im Winde,Doch in den Wellen rang ein TonWie das Gewein von einem Kinde –Da wehrtest du mir nicht:
Um meine Lippen lag dein naß wild Haar,Um deine Schulter lag mein Arm gezogen,Und unsern Kuß versüßte wunderbarDer Schaum der salzigen Sturzwogen –Da schrie ich laut vor Freude auf.
Nocheinmal so! Was tust du jetzt so kalt,Hast du denn Furcht vorm offnen Meere!Es peitscht dich warm! Komm bald, komm bald!Im Hafennebel tanzt die Fähre –Hinaus! hinauf!
O mein Geliebter – in die KissenBet' ich nach dir, ins Firmament!O könnt' ich sagen, dürft' er wissen,Wie meine Einsamkeit mich brennt!O Welt, wann darf ich ihn umschlingen!O laß ihn mir im Traume nahn,Mich wie die Erde um ihn schwingenUnd seinen Sonnenkuß empfahnUnd seine Flammenkräfte trinken,Ihm Flammen, Flammen wiedersprühn,O Welt, bis wir zusammensinkenIn überirdischem Erglühn!O Welt des Lichtes, Welt der Wonne!O Nacht der Sehnsucht, Welt der Qual!O Traum der Erde: Sonne, Sonne!O mein Geliebter – mein Gemahl –
O mein Geliebter – in die KissenBet' ich nach dir, ins Firmament!O könnt' ich sagen, dürft' er wissen,Wie meine Einsamkeit mich brennt!
O Welt, wann darf ich ihn umschlingen!O laß ihn mir im Traume nahn,Mich wie die Erde um ihn schwingenUnd seinen Sonnenkuß empfahn
Und seine Flammenkräfte trinken,Ihm Flammen, Flammen wiedersprühn,O Welt, bis wir zusammensinkenIn überirdischem Erglühn!
O Welt des Lichtes, Welt der Wonne!O Nacht der Sehnsucht, Welt der Qual!O Traum der Erde: Sonne, Sonne!O mein Geliebter – mein Gemahl –
Du hattest einen Glanz auf deiner Stirn,Und eine hohe Abendklarheit war,Und sahst nur immer weg von mir,Ins Licht, ins Licht –Und fern verscholl das Echo meines Aufschreis.
Du hattest einen Glanz auf deiner Stirn,Und eine hohe Abendklarheit war,Und sahst nur immer weg von mir,Ins Licht, ins Licht –Und fern verscholl das Echo meines Aufschreis.
Zwei Menschen gehn durch kahlen, kalten Hain;Der Mond läuft mit, sie schaun hinein.Der Mond läuft über hohe Eichen;Kein Wölkchen trübt das Himmelslicht,In das die schwarzen Zacken reichen.Die Stimme eines Weibes spricht:Ich trag' ein Kind, und nit von dir,Ich geh' in Sünde neben dir.Ich hab' mich schwer an mir vergangen.Ich glaubte nicht mehr an ein GlückUnd hatte doch ein schwer VerlangenNach Lebensinhalt, nach MutterglückUnd Pflicht; da hab' ich mich erfrecht,Da ließ ich schaudernd mein GeschlechtVon einem fremden Mann umfangen,Und hab' mich noch dafür gesegnet.Nun hat das Leben sich gerächt:Nun bin ich dir, o dir, begegnet.Sie geht mit ungelenkem Schritt.Sie schaut empor; der Mond läuft mit.Ihr dunkler Blick ertrinkt im Licht.Die Stimme eines Mannes spricht:Das Kind, das du empfangen hast,Sei deiner Seele keine Last,O sieh, wie klar das Weltall schimmert!Es ist ein Glanz um alles her;Du treibst mit mir auf kaltem Meer,Doch eine eigne Wärme flimmertVon dir in mich, von mir in dich.Die wird das fremde Kind verklären,Du wirst es mir, von mir gebären.Du hast den Glanz in mich gebracht,Du hast mich selbst zum Kind gemacht.Er faßt sie um die starken Hüften.Ihr Atem küßt sich in den Lüften.Zwei Menschen gehn durch hohe, helle Nacht.
Zwei Menschen gehn durch kahlen, kalten Hain;Der Mond läuft mit, sie schaun hinein.Der Mond läuft über hohe Eichen;Kein Wölkchen trübt das Himmelslicht,In das die schwarzen Zacken reichen.Die Stimme eines Weibes spricht:
Ich trag' ein Kind, und nit von dir,Ich geh' in Sünde neben dir.Ich hab' mich schwer an mir vergangen.Ich glaubte nicht mehr an ein GlückUnd hatte doch ein schwer VerlangenNach Lebensinhalt, nach MutterglückUnd Pflicht; da hab' ich mich erfrecht,Da ließ ich schaudernd mein GeschlechtVon einem fremden Mann umfangen,Und hab' mich noch dafür gesegnet.Nun hat das Leben sich gerächt:Nun bin ich dir, o dir, begegnet.
Sie geht mit ungelenkem Schritt.Sie schaut empor; der Mond läuft mit.Ihr dunkler Blick ertrinkt im Licht.Die Stimme eines Mannes spricht:
Das Kind, das du empfangen hast,Sei deiner Seele keine Last,O sieh, wie klar das Weltall schimmert!Es ist ein Glanz um alles her;Du treibst mit mir auf kaltem Meer,Doch eine eigne Wärme flimmertVon dir in mich, von mir in dich.Die wird das fremde Kind verklären,Du wirst es mir, von mir gebären.Du hast den Glanz in mich gebracht,Du hast mich selbst zum Kind gemacht.
Er faßt sie um die starken Hüften.Ihr Atem küßt sich in den Lüften.Zwei Menschen gehn durch hohe, helle Nacht.
Zwischen zwei Rappen jachtert ein Schimmel.Sonne glitzert auf Schneestaubgewimmel:Ein Schlitten stiebt mit zwei Menschen dahin.Schwarz funkeln die Schellen der silbernen Bügel.Ein Weib schwingt die Peitsche, der Mann führt die Zügel.Jetzt reckt er das Kinn:Lea! seit meinen JugendjahrenBin ich nicht so im Fluge gefahren,So rasend noch nie.Aber noch rasender war's gestern morgen,Als ich im Sturm deinen Namen schrieUnd, als wäre mein Gott drin verborgen,Mit ihm rang um dich, Knie an Knie:Schleife mich, Sturmgott, um die Erde,Sei sie unrein, sei sie rein!Gönne mir nur kein Glück am Herde,Hingerissen will ich sein! –Sage mir, du, ich frage dich: schreitDein Gott auch so meinenNamen?Peitscht dich der Schnee auch wie Frühlingssamen?Kennst du den Wahnsinn dieser Seligkeit?!Er reißt ihr die Peitsche weg; die Rappen schäumen schon.Die Zügel schlackern; die Bügel bäumen schon.Das Weib umschlingt ihn fallbereit:Nenn's nicht Wahnsinn, nenn's lieber Ahnsinn!Lukas! ich hab' in manchen furchtbaren WochenDagelegen wie zerbrochenUnd wußte doch: ich will, muß, willmuß fliegen!Ja, Lux: rase! laß brechen, laß biegen!Mir wiegt ein Gefühl der Erleuchtung die Brüste,Als ob es die Sonne blind machen müßte!Und wenn mir der Schneestaub die Augen zerstäche,Und wenn mir dein Sturmgott den Atem bräche,Ich lasse mich wiegen, du – wiegen – wiegen –Sie starrt verzückt in das wilde Gewimmel.Zwei Menschen glauben sich im Himmel.
Zwischen zwei Rappen jachtert ein Schimmel.Sonne glitzert auf Schneestaubgewimmel:Ein Schlitten stiebt mit zwei Menschen dahin.Schwarz funkeln die Schellen der silbernen Bügel.Ein Weib schwingt die Peitsche, der Mann führt die Zügel.
Jetzt reckt er das Kinn:Lea! seit meinen JugendjahrenBin ich nicht so im Fluge gefahren,So rasend noch nie.Aber noch rasender war's gestern morgen,Als ich im Sturm deinen Namen schrieUnd, als wäre mein Gott drin verborgen,Mit ihm rang um dich, Knie an Knie:Schleife mich, Sturmgott, um die Erde,Sei sie unrein, sei sie rein!Gönne mir nur kein Glück am Herde,Hingerissen will ich sein! –Sage mir, du, ich frage dich: schreitDein Gott auch so meinenNamen?Peitscht dich der Schnee auch wie Frühlingssamen?Kennst du den Wahnsinn dieser Seligkeit?!
Er reißt ihr die Peitsche weg; die Rappen schäumen schon.Die Zügel schlackern; die Bügel bäumen schon.Das Weib umschlingt ihn fallbereit:
Nenn's nicht Wahnsinn, nenn's lieber Ahnsinn!Lukas! ich hab' in manchen furchtbaren WochenDagelegen wie zerbrochenUnd wußte doch: ich will, muß, willmuß fliegen!Ja, Lux: rase! laß brechen, laß biegen!Mir wiegt ein Gefühl der Erleuchtung die Brüste,Als ob es die Sonne blind machen müßte!Und wenn mir der Schneestaub die Augen zerstäche,Und wenn mir dein Sturmgott den Atem bräche,Ich lasse mich wiegen, du – wiegen – wiegen –
Sie starrt verzückt in das wilde Gewimmel.Zwei Menschen glauben sich im Himmel.
Kaminfeuer und MorgenrotschimmerSchmücken ein hohes Damenzimmer.Ein Weib erhebt aus meergrüner SeideIhre nackten Arme beideVor einem Mann breit in die LuftUnd lacht, umschwebt von Mandelduft:Ich glaub', ich bin noch immer schön;Mein Kind hat mir nichts weggenommen.Und hättst mich eben baden sehn,Du wärst mit mir gen Himmel geschwommen!Was stehst denn wieder wie im Schlaf?O Lux, was bist du für ein – Schaf!Er lächelt eigen, sie merkt es nicht:Er senkt, scheinbar grübelnd, sein scharfes Gesicht.Sein Fuß streichelt ein Eisbärfell.Er fragt halbhell:Schönheit? – das ist mir nichts als HülleUm irgend eine Liebreizfülle.Der Reiz zur Liebe und zum Leben,Wenn den die Reize einer GestaltMir wie aus eigner Seele eingeben,Dann bin ich – schön in ihrer Gewalt;Sonst sind sie angeflogne Schäume,Nachwehen toter Künstlerträume.Du würdest ja Raffael nicht entzücken:Du bist zu kriegrisch ins Kraut geschossen.Deine dunkle Haut ist voll Sommersprossen.Dein Pferdshaar, dein herrischer NasenrückenTaugen zu keiner klassischen Ode,Und dein klassisch Kinn ist gar nit mehr Mode.Aber – jetzt will ich die Augen zudrücken,Will nichts mehr fühlen als deinen Bann,Nichts küssen als deine Wildkatzenstirne;Und wärst du die durchtriebenste Dirne,Du wirst mir eine Heilige dann –Prüfend blicken zwei Seelen einander an.
Kaminfeuer und MorgenrotschimmerSchmücken ein hohes Damenzimmer.Ein Weib erhebt aus meergrüner SeideIhre nackten Arme beideVor einem Mann breit in die LuftUnd lacht, umschwebt von Mandelduft:
Ich glaub', ich bin noch immer schön;Mein Kind hat mir nichts weggenommen.Und hättst mich eben baden sehn,Du wärst mit mir gen Himmel geschwommen!Was stehst denn wieder wie im Schlaf?O Lux, was bist du für ein – Schaf!
Er lächelt eigen, sie merkt es nicht:Er senkt, scheinbar grübelnd, sein scharfes Gesicht.Sein Fuß streichelt ein Eisbärfell.Er fragt halbhell:
Schönheit? – das ist mir nichts als HülleUm irgend eine Liebreizfülle.Der Reiz zur Liebe und zum Leben,Wenn den die Reize einer GestaltMir wie aus eigner Seele eingeben,Dann bin ich – schön in ihrer Gewalt;Sonst sind sie angeflogne Schäume,Nachwehen toter Künstlerträume.Du würdest ja Raffael nicht entzücken:Du bist zu kriegrisch ins Kraut geschossen.Deine dunkle Haut ist voll Sommersprossen.Dein Pferdshaar, dein herrischer NasenrückenTaugen zu keiner klassischen Ode,Und dein klassisch Kinn ist gar nit mehr Mode.Aber – jetzt will ich die Augen zudrücken,Will nichts mehr fühlen als deinen Bann,Nichts küssen als deine Wildkatzenstirne;Und wärst du die durchtriebenste Dirne,Du wirst mir eine Heilige dann –
Prüfend blicken zwei Seelen einander an.
Und es rauscht nur und weht.Es liegt eine Insel, wohl zwischen grauen Wogen;Es kommen wohl Vögel durch die Glut geflogen,Die blaue Glut, die stumm und stetDie Dünen umschlingt.Da gebiert die Erde im stillen wohl ihr EmpfindenUnd nimmt ihre Träume und gibt sie den Wellen, den Winden.Die Seele eines Weibes singt:O laß mich still so liegen,An deiner Brust, die Augen zu.Ich sehe zwei Wolken fliegen,Die eine Sonne wiegen;Wo sind wir, du? –Und es rauscht und weht.Es liegt eine Düne, wohl zwischen tausend andern.Es werden wohl Sterne den blauen Raum durchwandern,Der über den bleichen wilden Hügeln stehtUnd golden schwingt.Die Seele eines Mannes singt:Still, laß uns weiterfliegen,Beide die Augen zu.Ich sehe zwei Meere liegen,Die einen Himmel wiegen.O du –Es rauscht, es weht;Über die heißen Höhenzüge gehtHöher und höher der goldne ScheinIns Blaue hinein,Wo das Dunkel schwebt.Und aus dem Dunkel herüber, auf großen Wogen,Kommt die Einsamkeit gezogen.Und zwei Seelen singen: Eine Seele lebt,Wohl zwischen den Sternen, den Sonnen, den Himmeln, den Erden,Die will uns wohl endlich leibeigen werden:Es schwellen die Wogen herüber, wie Herzen klingen,Menschenherzen! – Zwei Seelen singen –
Und es rauscht nur und weht.Es liegt eine Insel, wohl zwischen grauen Wogen;Es kommen wohl Vögel durch die Glut geflogen,Die blaue Glut, die stumm und stetDie Dünen umschlingt.Da gebiert die Erde im stillen wohl ihr EmpfindenUnd nimmt ihre Träume und gibt sie den Wellen, den Winden.Die Seele eines Weibes singt:
O laß mich still so liegen,An deiner Brust, die Augen zu.Ich sehe zwei Wolken fliegen,Die eine Sonne wiegen;Wo sind wir, du? –
Und es rauscht und weht.Es liegt eine Düne, wohl zwischen tausend andern.Es werden wohl Sterne den blauen Raum durchwandern,Der über den bleichen wilden Hügeln stehtUnd golden schwingt.Die Seele eines Mannes singt:
Still, laß uns weiterfliegen,Beide die Augen zu.Ich sehe zwei Meere liegen,Die einen Himmel wiegen.O du –
Es rauscht, es weht;Über die heißen Höhenzüge gehtHöher und höher der goldne ScheinIns Blaue hinein,Wo das Dunkel schwebt.Und aus dem Dunkel herüber, auf großen Wogen,Kommt die Einsamkeit gezogen.Und zwei Seelen singen: Eine Seele lebt,Wohl zwischen den Sternen, den Sonnen, den Himmeln, den Erden,Die will uns wohl endlich leibeigen werden:Es schwellen die Wogen herüber, wie Herzen klingen,Menschenherzen! – Zwei Seelen singen –
Geboren am 9. Dezember 1876 zu Kremsier in Mähren. – Tage und Nächte 1898. Judenlieder 1899. Mensch und Liebe 1901.
Wenn ich leide, wenn ich dulde,Wandern meine kranken TränenFort in meine ferne Heimat,Wo die gute Mutter wohnt.Und die gute Mutter öffnetIhre kleinen weichen Hände,Betet für den schwachen Dulder,Der die Tränen heimgesandt.Segnend legt sie dann die krankenIn ein stilles, feines Kästchen,Das aus Seele sie gezimmert,Das nur sie erschließen kann,Und sie pflegt die kranken TränenWie ein Gärtner, der sein Leben,Seine edle, stumme GüteZarten Blütenknospen weiht …Wenn ich einst in FreudestundenZitternd nach den Tränen frage,Küßt mir meine gute MutterSchnell den Dank vom Herzen weg.
Wenn ich leide, wenn ich dulde,Wandern meine kranken TränenFort in meine ferne Heimat,Wo die gute Mutter wohnt.
Und die gute Mutter öffnetIhre kleinen weichen Hände,Betet für den schwachen Dulder,Der die Tränen heimgesandt.
Segnend legt sie dann die krankenIn ein stilles, feines Kästchen,Das aus Seele sie gezimmert,Das nur sie erschließen kann,
Und sie pflegt die kranken TränenWie ein Gärtner, der sein Leben,Seine edle, stumme GüteZarten Blütenknospen weiht …
Wenn ich einst in FreudestundenZitternd nach den Tränen frage,Küßt mir meine gute MutterSchnell den Dank vom Herzen weg.
Geboren am 23. Dezember 1886 zu Wien. – Die weiße Zeit, 1914. Der Mensch schreit, 1916. Die rote Zeit, 1917. Den ermordeten Brüdern, 1918. Die Gedichte, Gesamtausgabe, 1920.
Dem Rauch einer Lokomotive juble ich zu,Mich freut der weiße Tanz der Gestirne,Hell aufglänzend der Huf eines Pferdes,Mich freut den Baum hinanblitzend ein Eichhorn,Oder kalten Silbers ein See, Forellen im Bache,Schwatzen der Spatzen auf dürrem Gezweig.Aber nicht blüht mir Freund noch Feind auf der Erde,Ferne Wege gehe ich durch das Feld hin.Ich zertrat das Gebot:„Ringe, o Mensch, dich zu freuen und Freude zu geben den andern!“Düster umwandle ich mich,Vermeidend die Mädchen und Männer,Seit mein weiches, bluttränendes HerzIm Staube zerstießen, die ich verehrte.Nie neigte sich meinem einsam jammernden SinnDie Liebe der Frauen, denen ihr Atmen ich dankte.Ich, der Fröstelnde, lebe dies weiter. Lange noch.Ferne Wege schluchze ich durch die Wüste.
Dem Rauch einer Lokomotive juble ich zu,Mich freut der weiße Tanz der Gestirne,Hell aufglänzend der Huf eines Pferdes,Mich freut den Baum hinanblitzend ein Eichhorn,Oder kalten Silbers ein See, Forellen im Bache,Schwatzen der Spatzen auf dürrem Gezweig.Aber nicht blüht mir Freund noch Feind auf der Erde,Ferne Wege gehe ich durch das Feld hin.
Ich zertrat das Gebot:„Ringe, o Mensch, dich zu freuen und Freude zu geben den andern!“Düster umwandle ich mich,Vermeidend die Mädchen und Männer,Seit mein weiches, bluttränendes HerzIm Staube zerstießen, die ich verehrte.Nie neigte sich meinem einsam jammernden SinnDie Liebe der Frauen, denen ihr Atmen ich dankte.Ich, der Fröstelnde, lebe dies weiter. Lange noch.Ferne Wege schluchze ich durch die Wüste.
Wochen, Wochen sprach ich kein Wort;Ich lebe einsam, verdorrt.Am Himmel zwitschert kein Stern.Ich stürbe so gern.Meine Augen betrübt die Enge,Ich verkrieche mich in einen Winkel,Klein möchte ich sein wie eine Spinne,Aber niemand zerdrückt mich.Keinem habe ich Schlimmes getan,Allen Guten half ich ein wenig.Glück, dich soll ich nicht haben.Man will mich nicht lebend begraben.
Wochen, Wochen sprach ich kein Wort;Ich lebe einsam, verdorrt.Am Himmel zwitschert kein Stern.Ich stürbe so gern.
Meine Augen betrübt die Enge,Ich verkrieche mich in einen Winkel,Klein möchte ich sein wie eine Spinne,Aber niemand zerdrückt mich.
Keinem habe ich Schlimmes getan,Allen Guten half ich ein wenig.Glück, dich soll ich nicht haben.Man will mich nicht lebend begraben.
Die Bäume lauschen dem Regenbogen,Tauquelle grünt in junge Stille,Drei Lämmer weiden ihre Weiße,Sanftbach schlürft Mädchen in sein Bad.Rotsonne rollt sich abendnieder,Flaumwolken ihr Traumfeuer sterben.Dunkel über Flut und Flur.Froschwanderer springt großen Auges,Die graue Wiese hüpft leis mit.Im tiefen Brunnen klingen meine Sterne.Der Heimwehwind weht gute Nacht.
Die Bäume lauschen dem Regenbogen,Tauquelle grünt in junge Stille,Drei Lämmer weiden ihre Weiße,Sanftbach schlürft Mädchen in sein Bad.
Rotsonne rollt sich abendnieder,Flaumwolken ihr Traumfeuer sterben.Dunkel über Flut und Flur.
Froschwanderer springt großen Auges,Die graue Wiese hüpft leis mit.Im tiefen Brunnen klingen meine Sterne.Der Heimwehwind weht gute Nacht.
Grenz ich an dich im Grenzenlosen?Retten mich aus Todestosen Mädchenrosen?Ihr Küsse fern, wild ringend Kosen– Steht schon still die Liebesuhr?Coyllur!Die, ein Kind, bei mir geruht,O, wie warst du traulich-gut!Gift vergällte mein Herzblut,Seit dein Schweigen mich durchfuhr,Coyllur!Nacht um Nacht ich nie entschlief,Wochenewig tränkte mich kein Brief,Auf eine Karte wartend tiefMeiner harrte harte Kur,Coyllur!Wort starb mir im toten Hain.Bei Wasser, Tinte, Blut und WeinDacht ich dein.Jenseits der Zeit zersehnt die Seele sich dein Troubadour,Coyllur!
Grenz ich an dich im Grenzenlosen?Retten mich aus Todestosen Mädchenrosen?Ihr Küsse fern, wild ringend Kosen– Steht schon still die Liebesuhr?Coyllur!
Die, ein Kind, bei mir geruht,O, wie warst du traulich-gut!Gift vergällte mein Herzblut,Seit dein Schweigen mich durchfuhr,Coyllur!
Nacht um Nacht ich nie entschlief,Wochenewig tränkte mich kein Brief,Auf eine Karte wartend tiefMeiner harrte harte Kur,Coyllur!
Wort starb mir im toten Hain.Bei Wasser, Tinte, Blut und WeinDacht ich dein.Jenseits der Zeit zersehnt die Seele sich dein Troubadour,Coyllur!
Meine Freunde sind schwank wie Rohr,Auf ihren Lippen sitzt ihr Herz,Keuschheit kennen sie nicht;Tanzen möchte ich auf ihren Häuptern.Mädchen, das ich liebe,Seele der Seelen du,Auserwählte, Lichtgeschaffene,Nie sahst du mich an,Dein Schoß war nicht bereit,Zu Asche brannte mein Herz.Ich kenne die Zähne der Hunde,In der Wind-ins-Gesicht-Gasse wohne ich,Ein Sieb-Dach ist über meinem Haupte,Schimmel freut sich an den Wänden,Gute Ritzen sind für den Regen da.„Töte dich!“ spricht mein Messer zu mir.Im Kote liege ich;Hoch über mir, in Karossen befahrenMeine Feinde den Mondregenbogen.
Meine Freunde sind schwank wie Rohr,Auf ihren Lippen sitzt ihr Herz,Keuschheit kennen sie nicht;Tanzen möchte ich auf ihren Häuptern.
Mädchen, das ich liebe,Seele der Seelen du,Auserwählte, Lichtgeschaffene,Nie sahst du mich an,Dein Schoß war nicht bereit,Zu Asche brannte mein Herz.
Ich kenne die Zähne der Hunde,In der Wind-ins-Gesicht-Gasse wohne ich,Ein Sieb-Dach ist über meinem Haupte,Schimmel freut sich an den Wänden,Gute Ritzen sind für den Regen da.
„Töte dich!“ spricht mein Messer zu mir.Im Kote liege ich;Hoch über mir, in Karossen befahrenMeine Feinde den Mondregenbogen.
Tag um TagStirbt – ich bin?Wo geht meine Zeit denn hin?Traum versank,Nacht ist Spiel,Schlaf das Gut,Tod das Ziel.Erde, SternKlingt nur so,Ort ist Ort, wer weiß wo?
Tag um TagStirbt – ich bin?Wo geht meine Zeit denn hin?
Traum versank,Nacht ist Spiel,Schlaf das Gut,Tod das Ziel.
Erde, SternKlingt nur so,Ort ist Ort, wer weiß wo?
Wie lang schon darb ich vor dem Paradiese,Schlichte Sehnsucht nach der guten Wiese,Bravem Schlaf in treuer Bucht.Herr, gib mir die Blüte, mir die Frucht.Willst du, o Gott, mich niemals gütig grüßen?Almosen gibst du Bettlern, Söhnen des Weges,Kühles Wasser der Forelle,Seelenantlitz einem Mädchen.Mir nur, daß ich Trän an Träne weine,Eule unter Käuzen werde –Selig kleine SchottersteineMütterlich umwärmt sie Erde.Ratten! Fresset meine Eingeweide!Zerspell mich, Fels, ertränk mich, Furt!Was starb ich nicht vor der Geburt?Aufstrahlt mir nie das Land der Freude.
Wie lang schon darb ich vor dem Paradiese,Schlichte Sehnsucht nach der guten Wiese,Bravem Schlaf in treuer Bucht.Herr, gib mir die Blüte, mir die Frucht.
Willst du, o Gott, mich niemals gütig grüßen?Almosen gibst du Bettlern, Söhnen des Weges,Kühles Wasser der Forelle,Seelenantlitz einem Mädchen.
Mir nur, daß ich Trän an Träne weine,Eule unter Käuzen werde –Selig kleine SchottersteineMütterlich umwärmt sie Erde.
Ratten! Fresset meine Eingeweide!Zerspell mich, Fels, ertränk mich, Furt!Was starb ich nicht vor der Geburt?Aufstrahlt mir nie das Land der Freude.
Geboren am 10. Juli 1871 zu Winsen a. d. Luhe. – Fundamente 1892. Eva 1893. Königslieder 1894. Deutsche Lieder 1895. Hohe Lieder 1896. Paradiese 1897. Der Halbgott 1900. Erntelieder 1901.
An manchem Abend weht mich Sehnsucht an,Dann fühl' ich, wie du liebend zu mir strebst,Und halberregte Wünsche spür' ich dannUnd wie du nach mir bebst.Dann muß dein Blut von neuen Wundern träumen,Weil so das meine klingt und loht,Vor meinem Haus, von allen BäumenLockt glühender das Abendrot.Wenn dann die Wächter von den Türmen blasen,Will ganz mein Herz nach dir vergehn ..Ich glaube dich über den stillen RasenMit lauter Rosen kommen zu sehn …
An manchem Abend weht mich Sehnsucht an,Dann fühl' ich, wie du liebend zu mir strebst,Und halberregte Wünsche spür' ich dannUnd wie du nach mir bebst.Dann muß dein Blut von neuen Wundern träumen,Weil so das meine klingt und loht,Vor meinem Haus, von allen BäumenLockt glühender das Abendrot.
Wenn dann die Wächter von den Türmen blasen,Will ganz mein Herz nach dir vergehn ..Ich glaube dich über den stillen RasenMit lauter Rosen kommen zu sehn …
Am Schlehdorn, am Schlehdorn –Wißt ihr, wo der steht?Da sprach der HirtenknabeSein Morgengebet.Trieb die Schafe dann auf die WeideHin durch den sonnigen Raum;Über die blühende HeideTräumte sein junger Traum.Am Schlehdorn, am Schlehdorn –Wißt ihr, wo der steht?Da sprach eine junge DirneIhr Abendgebet.Und der Wind kam von der HeidenUnd küßte ihres Kleides Saum ..Die beiden, die beidenTräumten den ersten Traum.
Am Schlehdorn, am Schlehdorn –Wißt ihr, wo der steht?Da sprach der HirtenknabeSein Morgengebet.Trieb die Schafe dann auf die WeideHin durch den sonnigen Raum;Über die blühende HeideTräumte sein junger Traum.
Am Schlehdorn, am Schlehdorn –Wißt ihr, wo der steht?Da sprach eine junge DirneIhr Abendgebet.Und der Wind kam von der HeidenUnd küßte ihres Kleides Saum ..Die beiden, die beidenTräumten den ersten Traum.
Du ferne FlöteHinter dem Hügel dort,Wie sprichst du glühenden Klangs,Was mein Herz verschweigen muß,Wie bebst du zitternd dahinÜber die Apfelblüten im Mondlicht,Daß die Schatten der BäumeZu schwinden scheinenUnd alles in Glanz getauchteSelige Sehnsucht wird,Aus Menschenschmerz leise sich ringend:Selige Lebensglut.Einsame Stimme duHinter dem Hügel dort,Mein Herz, mein Herz sprichst du aus.
Du ferne FlöteHinter dem Hügel dort,Wie sprichst du glühenden Klangs,Was mein Herz verschweigen muß,Wie bebst du zitternd dahinÜber die Apfelblüten im Mondlicht,Daß die Schatten der BäumeZu schwinden scheinenUnd alles in Glanz getauchteSelige Sehnsucht wird,Aus Menschenschmerz leise sich ringend:Selige Lebensglut.Einsame Stimme duHinter dem Hügel dort,Mein Herz, mein Herz sprichst du aus.
Mit leisem Herzen trat ich in dein Zimmer;Die Rosen blühten auf; das Fenster klang.Und von den Gärten draußen kam noch immerDer weiche sehnsuchtsvolle Jünglingssang.Du hingst an mir, und deine Augen glänzten;Dein Haar verwirrte sich in meiner Hand …Und Abendlichter, die dich rot umkränzten,Und selige Sehnsucht, die dich mir verband.Und nichts als goldne Fülle um uns beide:Die bebenden Hände und der taumelnde Mund …Der junge Gärtner draußen sang sein Lied vom Leide,Das zitterte von dir und war so wund –Du aber lächeltest.
Mit leisem Herzen trat ich in dein Zimmer;Die Rosen blühten auf; das Fenster klang.Und von den Gärten draußen kam noch immerDer weiche sehnsuchtsvolle Jünglingssang.
Du hingst an mir, und deine Augen glänzten;Dein Haar verwirrte sich in meiner Hand …Und Abendlichter, die dich rot umkränzten,Und selige Sehnsucht, die dich mir verband.
Und nichts als goldne Fülle um uns beide:Die bebenden Hände und der taumelnde Mund …Der junge Gärtner draußen sang sein Lied vom Leide,Das zitterte von dir und war so wund –
Du aber lächeltest.
„Es liegt ein Plan in einem weiten Tal,Wo nur die Lautersten zu wandeln wagenUnd selig sind. Und du verfehlst ihn leicht.Der schwarze Wald, der ihn vom Leben scheidet,Ist so von ungekanntem Sehnen schwer,Daß du dich kaum hindurchzufinden wagst.Der Plan ist voll von Wiesen, die nicht welken,Von einer Ruhe, die du kaum empfunden,In einem Licht, das Farben voller macht.Die schmalen Wege sind mit Kies bestreut,Auf daß es doch vertraute Laute wecke,Wenn hohe Menschen wandeln diesen Pfad.Denn weich und mild ist nebenan der Rasen,Der weithin das Geräusch des Lebens dämpft.Inmitten, wo drei alte RieseneschenMit vollem Laub dem leisen Grund entragen,Raucht ein Altar aus Buchs und Rosenbüschen.Da bringen Menschen ihre Sehnsucht darUnd knieen dann. Und wenn es Abend ist,Empfangen sie den Tau der Gnadensonne,Die sacht und sicher ihre Stirnen klärt,Die weißen Menschenstirnen. Heil den Helden,Die ihre Sehnsucht opferten! Sie leben!“So kündete der alte Sänger mir,Der zu der Harfe sang. Das war erst gestern;Und heute schon fand ich die klaren Wege.Ich bin allein. Von fern, aus dunklem WaldBläst nur ein Hirte noch, und hin und wiederScheint es von Schritten in der Luft zu liegen,Die mir zu folgen wünschen. Sonst ist Ruhe.Ich sehe schon den graden Rauch der Weihe,Der sich in bleichem bläulichem ZerschwebenIm Laub der Eschen fängt. Der Abend duftet.Der Rasen ruht in weichem Schlummer da.Mein Mantel drückt so schwer in diesem Land,Ich leg' ihn ab. Nackt geh ich zum Altar,Ich bringe meine Menschensehnsucht dar,Und fühle meine Seele ganz erwachen.Und wie die Rosen stärker sich entfachenIm Abendglühn, sinkt nun auf mein entblößtesGeneigtes Haupt der Tau, der Segen ist …Ich sehe, was mein Auge nicht vergißt,Und was ich schaue, ist der Wunder größtes:Dich, du formender Gott!
„Es liegt ein Plan in einem weiten Tal,Wo nur die Lautersten zu wandeln wagenUnd selig sind. Und du verfehlst ihn leicht.Der schwarze Wald, der ihn vom Leben scheidet,Ist so von ungekanntem Sehnen schwer,Daß du dich kaum hindurchzufinden wagst.Der Plan ist voll von Wiesen, die nicht welken,Von einer Ruhe, die du kaum empfunden,In einem Licht, das Farben voller macht.Die schmalen Wege sind mit Kies bestreut,Auf daß es doch vertraute Laute wecke,Wenn hohe Menschen wandeln diesen Pfad.Denn weich und mild ist nebenan der Rasen,Der weithin das Geräusch des Lebens dämpft.Inmitten, wo drei alte RieseneschenMit vollem Laub dem leisen Grund entragen,Raucht ein Altar aus Buchs und Rosenbüschen.Da bringen Menschen ihre Sehnsucht darUnd knieen dann. Und wenn es Abend ist,Empfangen sie den Tau der Gnadensonne,Die sacht und sicher ihre Stirnen klärt,Die weißen Menschenstirnen. Heil den Helden,Die ihre Sehnsucht opferten! Sie leben!“
So kündete der alte Sänger mir,Der zu der Harfe sang. Das war erst gestern;Und heute schon fand ich die klaren Wege.Ich bin allein. Von fern, aus dunklem WaldBläst nur ein Hirte noch, und hin und wiederScheint es von Schritten in der Luft zu liegen,Die mir zu folgen wünschen. Sonst ist Ruhe.Ich sehe schon den graden Rauch der Weihe,Der sich in bleichem bläulichem ZerschwebenIm Laub der Eschen fängt. Der Abend duftet.Der Rasen ruht in weichem Schlummer da.Mein Mantel drückt so schwer in diesem Land,Ich leg' ihn ab. Nackt geh ich zum Altar,Ich bringe meine Menschensehnsucht dar,Und fühle meine Seele ganz erwachen.Und wie die Rosen stärker sich entfachenIm Abendglühn, sinkt nun auf mein entblößtesGeneigtes Haupt der Tau, der Segen ist …Ich sehe, was mein Auge nicht vergißt,Und was ich schaue, ist der Wunder größtes:Dich, du formender Gott!
Geboren am 11. Januar 1853 zu Lübeck; war Musiklehrer in Hamburg, wo er am 8. Februar 1916 starb. – Mynheer der Tod 1891. Tanz und Andacht 1893. Zwischen zwei Nächten 1894. Neue Fahrt 1897. Mit dem Leben 1899. Hohe Sommertage 1902. Die Auswahl 1910.
Es war einmal, ich weiß nicht wannUnd weiß nicht wo. Vielleicht ein Traum.Ich trat aus einem schwarzen TannAn einen stillen Wiesensaum.Und auf der stillen Wiese standRings Mohn bei Mohn und unbewegt,Und war bis an den fernsten RandDer rote Teppich hingelegt.Und auf dem roten Teppich lag,Von tausend Blumen angeblickt,Ein schöner, müder Sommertag,Im ersten Schlummer eingenickt.Ein Hase kam im Sprung. ErschrecktHat er sich tief ins Kraut geduckt,Bis an die Löffel zugedeckt,Nur einer hat herausgeguckt.Kein Hauch. Kein Laut. Ein VogelflugBewegte kaum die Abendluft.Ich sah kaum, wie der Flügel schlug,Ein schwarzer Strich im Dämmerduft.Es war einmal, ich weiß nicht wo.Ein Traum vielleicht. Lang' ist es her.Ich seh' nur noch, und immer so,Das stille, rote Blumenmeer.
Es war einmal, ich weiß nicht wannUnd weiß nicht wo. Vielleicht ein Traum.Ich trat aus einem schwarzen TannAn einen stillen Wiesensaum.
Und auf der stillen Wiese standRings Mohn bei Mohn und unbewegt,Und war bis an den fernsten RandDer rote Teppich hingelegt.
Und auf dem roten Teppich lag,Von tausend Blumen angeblickt,Ein schöner, müder Sommertag,Im ersten Schlummer eingenickt.
Ein Hase kam im Sprung. ErschrecktHat er sich tief ins Kraut geduckt,Bis an die Löffel zugedeckt,Nur einer hat herausgeguckt.
Kein Hauch. Kein Laut. Ein VogelflugBewegte kaum die Abendluft.Ich sah kaum, wie der Flügel schlug,Ein schwarzer Strich im Dämmerduft.
Es war einmal, ich weiß nicht wo.Ein Traum vielleicht. Lang' ist es her.Ich seh' nur noch, und immer so,Das stille, rote Blumenmeer.