Chapter 43

November.305.KaiserlichDeutsches Konsulat.Aleppo, den 11. November 1916.Am 25. September d. J. hatte mir Djemal Pascha erzählt, daß er beabsichtige, die Herren Dr. Niepage und Dr. Graeter, welche beide bis zum Juni d. J. als Lehrer an der deutschen Realschule in Aleppo tätig gewesen waren, wegen Veröffentlichungen in der Armenierangelegenheit kriegsgerichtlich verurteilen zu lassen. Dieser Tage sind nun Polizisten mehrfach in der Schule erschienen, um nach ihnen zu forschen. Offenbar wird also das Verfahren ernstlich durchgeführt[137].Rößler.Seiner Exzellenz dem ReichskanzlerHerrn Dr. von Bethmann Hollweg.306.KaiserlichDeutsche Botschaft.Pera, den 13. November 1916.Wie der Kaiserliche Konsul zu Smyrna meldet, haben die dortigen Behörden mit der Verschickung der armenischen Bevölkerung begonnen. Den Anlaß dazu bot der Umstand, daß angeblich vor einigen Wochen auf dem katholischen Friedhofe alte Bomben u. dgl. Material aufgefunden wurden, die von Armeniern dort versteckt sein sollen. Daraufhin forderte der Wali den armenischen Bischof bzw. die Gemeinde auf, die verdächtigen Personen zu benennen und noch vorhandene Waffen abzuliefern, der Bischof erklärte jedoch, daß ihm keine solche Personen bekannt und keine Waffen mehr versteckt seien.Infolgedessen wurden am 8. d. M. eine Anzahl Verhaftungen vorgenommen und den folgenden Tag 300 Armenier ohne Unterschied des Alters und Geschlechts mit der Eisenbahn abgeschoben; weitere Transporte sollen folgen.Die Verschickung wird vom Polizeichef von Smyrna geleitet, dem der Wali freie Hand gelassen hat.Der zurzeit in Smyrna anwesende Marschall Liman von Sanders hat den Wali darauf aufmerksam gemacht, daß diese Massenverschickung die militärischen Interessen schädige und er daher weitere Verhaftungen und Abschiebungen nicht dulden würde.Der Marschall schreibt folgendes: „Da derartige Massendeportationen in das militärische Gebiet hinübergreifen — Wehrpflichtige, Gebrauch der Eisenbahnen, Gesundheitsmaßnahmen, Unruhe der Bevölkerung in einer Stadt nahe vor dem Feinde etc. —, so hatte ich den Wali benachrichtigt, daß ohne meine Genehmigung derartige Massenverhaftungen und -deportationen nicht mehr stattfinden dürften. Ich verständigte den Wali, daß ich sie im Wiederholungsfalle mit Waffengewalt verhindern lassen würde.Daraufhin hat der Wali nachgegeben und mir zugesagt, daß sie unterbleiben würden.Da er aber angibt, von Konstantinopel aus (Talaat Bey) dazu veranlaßt zu sein, so bin ich nicht sicher, daß nur vielleicht andere Wege gewählt werden.Soweit ich in Erfahrung bringen konnte, beläuft sich die Zahl der in Smyrna lebenden Armenier auf 6–7000, darunter die reichsten Leute der Stadt, aber auch einzelne üble Persönlichkeiten.“Aus der Aufzeichnung des Grafen Spee füge ich folgendes hinzu:„Die ganze Angelegenheit ist, abgesehen von der rechtlichen Vergewaltigung und den unabsehbaren Folgen für die Opfer, für die deutschen Interessen bzw. das deutsche Ansehen von größter Tragweite.Die Maßnahmen der Regierung erfolgen in einer Zeit, zu welcher außer dem deutschen Korpskommandeur auch der Oberbefehlshaber, Marschall Liman von Sanders, in Smyrna anwesend war. Das Gerücht geht in der Stadt, daß das planmäßige Vorgehen von den Deutschen vorbereitet sei, damit sie sich der ihrem Handel unbequemen armenischen Konkurrenten auf diese Weise entledigen könnten.Materiell wird ein direkter Schaden entstehen, da tatsächlich die armenischen Kaufleute deutsche Waren in großem Umfange abgenommen haben, die zum großen Teil noch nicht bezahlt sind. Die von den Armeniern noch zurückgehaltene Ware wird unter Anwendung des neuen Gesetzes über zurückgelassene Habe den üblen türkischen Elementen die Handhabe bieten, sich ohne weiteres in den Besitz dieser Waren gleichzeitig mit den sehr beträchtlichen Vermögen der Armenier zu setzen. Und dies alles unter dem billigen Vorwande, daß die Deutschen es gemacht haben.Radowitz.Seiner Exzellenz dem ReichskanzlerHerrn von Bethmann Hollweg.307.KaiserlichDeutsche Botschaft.Pera, den 17. November 1916.Euerer Exzellenz beehre ich mich in der Anlage Abschrift einer Aufzeichnung des Marschalls Liman von Sanders über die Armenierverschickungen in Smyrna vorzulegen. Wie daraus und auch aus dem nebenbezeichneten Bericht hervorgeht, sind die gegen die Armenier gerichteten Maßnahmen auf Anordnung aus Konstantinopel getroffen worden. Der Vorwand für die Verschickungen — das angebliche Auffinden von Bomben und Waffen auf einem armenischen Friedhof — gehört zu dem schon bekannten Inventar der türkischen Behörden an solchen Vorwänden. Das Eingreifen des Marschalls ist auch deshalb zu begrüßen, weil sich in Smyrna, wie dies auch an anderen Orten vorgekommen ist, das Gerücht verbreitet hatte, die deutschen militärischen Stellen hätten die Austreibung der Armenier verlangt. Ich werde nicht verfehlen, die türkische Regierung auf den Vorfall anzureden und ihr größte Zurückhaltung in der Behandlung der Armenierfrage zu empfehlen.Kühlmann.Seiner Exzellenz dem ReichskanzlerHerrn von Bethmann Hollweg.Anlage.Militärmission.Konstantinopel, den 17. November 1916.Aufzeichnung für die Kaiserliche Botschaft.Vom 4. bis 11. November war ich zur Besichtigung der neu formierten 56. Division und der nach dem europäischen Kriegsschauplatz abzutransportierenden 16. Division in Smyrna.Am Donnerstag, den 9. November, gegen Abend, als ich von der Besichtigung der österreichischen Batterie bei Phokia zurückkehrte, wurde mir von Konsul Graf v. Spee mitgeteilt, daß am 8. und in der vergangenen Nacht zahlreiche Armenierverhaftungen in Smyrna stattgefunden hätten und daß diese Armenier mit der Eisenbahn in das Innere des Landes abtransportiert seien.Ich zog an verschiedenen Stellen nähere Erkundigungen ein. Es wurde mir bestätigt, daß durch die Polizei — zum Teil in rohester Weise, indem alte Frauen und kranke Kinder in der Nacht aus den Betten geholt wurden — mehrere hundert Armenier verhaftet und direkt auf die Bahn gebracht worden seien. Zwei Eisenbahnzüge voll Armenier waren abtransportiert worden. — In der Stadt herrschte große Aufregung über diese Vorgänge.Ich schickte am 10. November morgens den Chef des Stabes derV. Armee, Oberst Kiasim Bey, zum Wali und ließ ihm sagen, daß ich derartige Massenverhaftungen und Transporte, welche in einer vom Feinde bedrohten Stadt nach verschiedenen Richtungen in das militärische Gebiet eingriffen, nicht weiter dulden würde. Sollte die Polizei trotzdem mit diesen Maßnahmen fortfahren, so würde ich sie mit Waffengewalt durch die mir unterstehenden Truppen verhindern. Ich gab dem Wali bis zum Mittag dieses Tages Zeit, sich zu entscheiden.Den Kommandierenden General in Smyrna, Königlich Preußischen Oberst Trommer, der die Vorgänge bereits kannte, verständigte ich durch Major Prigge von obiger Mitteilung und den eventuell zu treffenden Maßnahmen.Gegen 1,30 Uhr nachmittags kam Major Kiasim Bey vom Wali, der in Burnabad war, zurück und meldete mir, daß die Verhaftungen und Transporte eingestellt worden seien und unterbleiben würden.Am Nachmittag des Tages kam der erste Departementschef des Wali — Kara Biber Bey — zu mir, und hatte ich ausführliche Rücksprache über die Angelegenheit mit ihm.Am selben Abend kamen 3 Griechen aus Urla bei Smyrna (ca. 25000 griechische Einwohner) zu mir und zeigten mir mit Bitte um Hilfe an, daß die 10 angesehensten und reichsten Notabeln in Urla durch 30 dorthin entsandte Gendarmen ohne Verhör verhaftet und in das Smyrnaer Gefängnis verbracht worden seien.Am 11. November vormittags war ich zu Besichtigungen in Urla, fand die Tatsache bestätigt und erhielt vom Abschnittskommandeur nähere Meldung.Am 11. November nachmittags suchte mich der Wali persönlich auf. In einer langen Rücksprache setzte mir der Wali die Gründe für die Massenverhaftungen der Armenier auseinander. Ich konnte diese Gründe, die auf ganz unzureichenden Grundlagen beruhten, nicht billigen und betonte, daß die militärische Lage die größte Ruhe in der zum größten Teil von Griechen bewohnten Stadt Smyrna unbedingt erfordere.Ich erklärte dem Wali, daß ich hier als Oberbefehlshaber in meinem Bezirk Verschickungen nicht dulden dürfe, ohne die Ruhe zu gefährden. Er könne sich auf mich berufen. Er sagte dies zu und versprach mir, schriftlich Nachricht zu geben.Ebenso veranlaßte ich sofortige Untersuchung über die scheinbar unschuldig verhafteten Einwohner von Urla.Am Abend reiste ich ab. Der Wali war an der Bahn.Kurz nach meiner Rückkehr nach Panderma erhielt das Oberkommando Schreiben des Wali, worin mitgeteilt wurde, nach welchem Ort die Armenier verbracht worden seien, und in dem erklärt wurde, daß die unschuldig Befundenen nach Smyrna zurücktransportiert werden würden.Liman von Sanders,Königl. Preuß. General der Kavallerie.308.(KaiserlichDeutsche Botschaft.)Telegramm.Pera, den 25. November 1916.An das Auswärtige Amt.In Smyrna sind die Armenierverschickungen inzwischen sistiert. Angelegenheit ist damit erledigt.Kühlmann.

November.

305.

KaiserlichDeutsches Konsulat.

Aleppo, den 11. November 1916.

Am 25. September d. J. hatte mir Djemal Pascha erzählt, daß er beabsichtige, die Herren Dr. Niepage und Dr. Graeter, welche beide bis zum Juni d. J. als Lehrer an der deutschen Realschule in Aleppo tätig gewesen waren, wegen Veröffentlichungen in der Armenierangelegenheit kriegsgerichtlich verurteilen zu lassen. Dieser Tage sind nun Polizisten mehrfach in der Schule erschienen, um nach ihnen zu forschen. Offenbar wird also das Verfahren ernstlich durchgeführt[137].

Rößler.

Seiner Exzellenz dem ReichskanzlerHerrn Dr. von Bethmann Hollweg.

306.

KaiserlichDeutsche Botschaft.

Pera, den 13. November 1916.

Wie der Kaiserliche Konsul zu Smyrna meldet, haben die dortigen Behörden mit der Verschickung der armenischen Bevölkerung begonnen. Den Anlaß dazu bot der Umstand, daß angeblich vor einigen Wochen auf dem katholischen Friedhofe alte Bomben u. dgl. Material aufgefunden wurden, die von Armeniern dort versteckt sein sollen. Daraufhin forderte der Wali den armenischen Bischof bzw. die Gemeinde auf, die verdächtigen Personen zu benennen und noch vorhandene Waffen abzuliefern, der Bischof erklärte jedoch, daß ihm keine solche Personen bekannt und keine Waffen mehr versteckt seien.

Infolgedessen wurden am 8. d. M. eine Anzahl Verhaftungen vorgenommen und den folgenden Tag 300 Armenier ohne Unterschied des Alters und Geschlechts mit der Eisenbahn abgeschoben; weitere Transporte sollen folgen.Die Verschickung wird vom Polizeichef von Smyrna geleitet, dem der Wali freie Hand gelassen hat.

Der zurzeit in Smyrna anwesende Marschall Liman von Sanders hat den Wali darauf aufmerksam gemacht, daß diese Massenverschickung die militärischen Interessen schädige und er daher weitere Verhaftungen und Abschiebungen nicht dulden würde.

Der Marschall schreibt folgendes: „Da derartige Massendeportationen in das militärische Gebiet hinübergreifen — Wehrpflichtige, Gebrauch der Eisenbahnen, Gesundheitsmaßnahmen, Unruhe der Bevölkerung in einer Stadt nahe vor dem Feinde etc. —, so hatte ich den Wali benachrichtigt, daß ohne meine Genehmigung derartige Massenverhaftungen und -deportationen nicht mehr stattfinden dürften. Ich verständigte den Wali, daß ich sie im Wiederholungsfalle mit Waffengewalt verhindern lassen würde.

Daraufhin hat der Wali nachgegeben und mir zugesagt, daß sie unterbleiben würden.

Da er aber angibt, von Konstantinopel aus (Talaat Bey) dazu veranlaßt zu sein, so bin ich nicht sicher, daß nur vielleicht andere Wege gewählt werden.

Soweit ich in Erfahrung bringen konnte, beläuft sich die Zahl der in Smyrna lebenden Armenier auf 6–7000, darunter die reichsten Leute der Stadt, aber auch einzelne üble Persönlichkeiten.“

Aus der Aufzeichnung des Grafen Spee füge ich folgendes hinzu:

„Die ganze Angelegenheit ist, abgesehen von der rechtlichen Vergewaltigung und den unabsehbaren Folgen für die Opfer, für die deutschen Interessen bzw. das deutsche Ansehen von größter Tragweite.

Die Maßnahmen der Regierung erfolgen in einer Zeit, zu welcher außer dem deutschen Korpskommandeur auch der Oberbefehlshaber, Marschall Liman von Sanders, in Smyrna anwesend war. Das Gerücht geht in der Stadt, daß das planmäßige Vorgehen von den Deutschen vorbereitet sei, damit sie sich der ihrem Handel unbequemen armenischen Konkurrenten auf diese Weise entledigen könnten.

Materiell wird ein direkter Schaden entstehen, da tatsächlich die armenischen Kaufleute deutsche Waren in großem Umfange abgenommen haben, die zum großen Teil noch nicht bezahlt sind. Die von den Armeniern noch zurückgehaltene Ware wird unter Anwendung des neuen Gesetzes über zurückgelassene Habe den üblen türkischen Elementen die Handhabe bieten, sich ohne weiteres in den Besitz dieser Waren gleichzeitig mit den sehr beträchtlichen Vermögen der Armenier zu setzen. Und dies alles unter dem billigen Vorwande, daß die Deutschen es gemacht haben.

Radowitz.

Seiner Exzellenz dem ReichskanzlerHerrn von Bethmann Hollweg.

307.

KaiserlichDeutsche Botschaft.

Pera, den 17. November 1916.

Euerer Exzellenz beehre ich mich in der Anlage Abschrift einer Aufzeichnung des Marschalls Liman von Sanders über die Armenierverschickungen in Smyrna vorzulegen. Wie daraus und auch aus dem nebenbezeichneten Bericht hervorgeht, sind die gegen die Armenier gerichteten Maßnahmen auf Anordnung aus Konstantinopel getroffen worden. Der Vorwand für die Verschickungen — das angebliche Auffinden von Bomben und Waffen auf einem armenischen Friedhof — gehört zu dem schon bekannten Inventar der türkischen Behörden an solchen Vorwänden. Das Eingreifen des Marschalls ist auch deshalb zu begrüßen, weil sich in Smyrna, wie dies auch an anderen Orten vorgekommen ist, das Gerücht verbreitet hatte, die deutschen militärischen Stellen hätten die Austreibung der Armenier verlangt. Ich werde nicht verfehlen, die türkische Regierung auf den Vorfall anzureden und ihr größte Zurückhaltung in der Behandlung der Armenierfrage zu empfehlen.

Kühlmann.

Seiner Exzellenz dem ReichskanzlerHerrn von Bethmann Hollweg.

Anlage.

Militärmission.

Konstantinopel, den 17. November 1916.

Aufzeichnung für die Kaiserliche Botschaft.

Vom 4. bis 11. November war ich zur Besichtigung der neu formierten 56. Division und der nach dem europäischen Kriegsschauplatz abzutransportierenden 16. Division in Smyrna.

Am Donnerstag, den 9. November, gegen Abend, als ich von der Besichtigung der österreichischen Batterie bei Phokia zurückkehrte, wurde mir von Konsul Graf v. Spee mitgeteilt, daß am 8. und in der vergangenen Nacht zahlreiche Armenierverhaftungen in Smyrna stattgefunden hätten und daß diese Armenier mit der Eisenbahn in das Innere des Landes abtransportiert seien.

Ich zog an verschiedenen Stellen nähere Erkundigungen ein. Es wurde mir bestätigt, daß durch die Polizei — zum Teil in rohester Weise, indem alte Frauen und kranke Kinder in der Nacht aus den Betten geholt wurden — mehrere hundert Armenier verhaftet und direkt auf die Bahn gebracht worden seien. Zwei Eisenbahnzüge voll Armenier waren abtransportiert worden. — In der Stadt herrschte große Aufregung über diese Vorgänge.

Ich schickte am 10. November morgens den Chef des Stabes derV. Armee, Oberst Kiasim Bey, zum Wali und ließ ihm sagen, daß ich derartige Massenverhaftungen und Transporte, welche in einer vom Feinde bedrohten Stadt nach verschiedenen Richtungen in das militärische Gebiet eingriffen, nicht weiter dulden würde. Sollte die Polizei trotzdem mit diesen Maßnahmen fortfahren, so würde ich sie mit Waffengewalt durch die mir unterstehenden Truppen verhindern. Ich gab dem Wali bis zum Mittag dieses Tages Zeit, sich zu entscheiden.

Den Kommandierenden General in Smyrna, Königlich Preußischen Oberst Trommer, der die Vorgänge bereits kannte, verständigte ich durch Major Prigge von obiger Mitteilung und den eventuell zu treffenden Maßnahmen.

Gegen 1,30 Uhr nachmittags kam Major Kiasim Bey vom Wali, der in Burnabad war, zurück und meldete mir, daß die Verhaftungen und Transporte eingestellt worden seien und unterbleiben würden.

Am Nachmittag des Tages kam der erste Departementschef des Wali — Kara Biber Bey — zu mir, und hatte ich ausführliche Rücksprache über die Angelegenheit mit ihm.

Am selben Abend kamen 3 Griechen aus Urla bei Smyrna (ca. 25000 griechische Einwohner) zu mir und zeigten mir mit Bitte um Hilfe an, daß die 10 angesehensten und reichsten Notabeln in Urla durch 30 dorthin entsandte Gendarmen ohne Verhör verhaftet und in das Smyrnaer Gefängnis verbracht worden seien.

Am 11. November vormittags war ich zu Besichtigungen in Urla, fand die Tatsache bestätigt und erhielt vom Abschnittskommandeur nähere Meldung.

Am 11. November nachmittags suchte mich der Wali persönlich auf. In einer langen Rücksprache setzte mir der Wali die Gründe für die Massenverhaftungen der Armenier auseinander. Ich konnte diese Gründe, die auf ganz unzureichenden Grundlagen beruhten, nicht billigen und betonte, daß die militärische Lage die größte Ruhe in der zum größten Teil von Griechen bewohnten Stadt Smyrna unbedingt erfordere.

Ich erklärte dem Wali, daß ich hier als Oberbefehlshaber in meinem Bezirk Verschickungen nicht dulden dürfe, ohne die Ruhe zu gefährden. Er könne sich auf mich berufen. Er sagte dies zu und versprach mir, schriftlich Nachricht zu geben.

Ebenso veranlaßte ich sofortige Untersuchung über die scheinbar unschuldig verhafteten Einwohner von Urla.

Am Abend reiste ich ab. Der Wali war an der Bahn.

Kurz nach meiner Rückkehr nach Panderma erhielt das Oberkommando Schreiben des Wali, worin mitgeteilt wurde, nach welchem Ort die Armenier verbracht worden seien, und in dem erklärt wurde, daß die unschuldig Befundenen nach Smyrna zurücktransportiert werden würden.

Liman von Sanders,Königl. Preuß. General der Kavallerie.

308.

(KaiserlichDeutsche Botschaft.)

Telegramm.

Pera, den 25. November 1916.

An das Auswärtige Amt.

In Smyrna sind die Armenierverschickungen inzwischen sistiert. Angelegenheit ist damit erledigt.

Kühlmann.


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