Juni.351.KaiserlichDeutsche Botschaft.Pera, den 15. Juni 1917.Im Anschluß an den Bericht vom 19. v. M.Das American Bible House, das bisher die amerikanischen Hilfsgelder für die Türkei ihrer Bestimmung übermittelte, ist seit Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen der Türkei und Amerika von jeder Verbindung mit den Geldgebern abgeschnitten. Der bisherige Leiter des Bible House, Mr. Peet, ist vor einiger Zeit nach der Schweiz abgereist und hat bisher keine Nachrichten hierher gelangen lassen. Inzwischen sind die vorhandenen Fonds fast völlig aufgebraucht, und der Betrieb müßte demnächst eingestellt werden, wenn nicht dem Vertreter des Mr. Peet neue Kredite eröffnet werden.Meines Erachtens haben auch wir ein wesentliches Interesse daran, daß die amerikanischen Geldsendungen nicht unterbrochen werden oder ganz aufhören.Ich glaube daher der Bitte des Mr. L. R. Fowle, der den abwesenden Mr. Peet vertritt, um Beförderung des anliegenden Briefes entsprechen zu sollen. Gegebenenfalls bitte ich die Antwort des Mr. Peet auf gleichem Wege hierher gelangen zu lassen wollen; eine tunlichst baldige Erledigung würde im allseitigen Interesse sein und von den Beteiligten mit besonderem Dank begrüßt werden.v. Kühlmann.Seiner Exzellenz dem ReichskanzlerHerrn von Bethmann Hollweg.352.Berlin, den 20. Juni 1917.Seiner Hochwohlgeboren Herrn Geheimrat von Rosenberg, Auswärtiges Amt.In der Anlage überreiche ich Ihnen die Abschrift eines Briefes, der mir aus Angora zugegangen ist. Ich würde es für gut halten, wenn man die Türkei doch wissen lassen würde, daß diese Art des Auftretens den türkischen Interessen in Deutschland schädlich ist.Erzberger, Mitglied des Reichstags.353.Auswärtiges Amt.Berlin, den 25. Juni 1917.Nach dem auszugsweise hier beigefügten, dem Abgeordneten Erzberger zugegangenen Schreiben des Dr. David in Angora gibt das Verhalten der dortigen Behörden gegenüber den katholischen Armeniern neuerdings zu Besorgnissen Anlaß. Nach Dr. Davids Ansicht ist es auf Zwangsbekehrungen abgesehen; möglicherweise werden auch neue Austreibungen beabsichtigt, die sich durch militärische Gründe nicht würden rechtfertigen lassen.Euere Exzellenz bitte ich, die türkische Regierung auf die Vorgänge in Angora aufmerksam zu machen und die Erwartung auszusprechen, daß sie die dortigen katholischen Armenier vor Zwangsbekehrungsversuchen und anderen Verfolgungen der Ortsbehörden schützen wird.Zimmermann.Seiner Exzellenz dem Kaiserlichen BotschafterHerrn von Kühlmann, Konstantinopel.Anlage.Angora (Kleinasien), den 3. Juni 1917.Seit Dezember vorigen Jahres fand sich hier wieder ein armenisch katholischer Priester, der in vollkommener Freiheit Seelsorge ausüben konnte. Die Folge war, daß die so hart geprüfte Bevölkerung wieder aufatmete und neue Lebenshoffnung bekam. Damit ist es nun wieder völlig vorbei.Schon im Februar dieses Jahres verleidete man den Armeniern die Teilnahme an meinem Gottesdienste, indem man während der hl. Messe in brutalster Weise lärmend mit Polizei und Gendarmerie eindrang und alle Armenier hinauswies. Seit Pfingsten ist nun auch dem armenisch-katholischen Priester die Abhaltung öffentlicher Gottesdienste untersagt. Außerdem finden Vorkehrungen statt, die nach früheren Erfahrungen und nach ausdrücklicher Versicherung unterer Polizeiorgane eine neue Exilierung einleiten sollen. Ich habe allerdings einstweilen noch den Eindruck, es handele sich mehr darum, die wieder mutiger gewordenen Katholiken einzuschüchtern, ihren Widerstand gegenüber der Einladung zum Übertritt zum Islam zu lähmen und die früher in nicht rechtsverbindlicher Form Übergetretenen beim Islam festzuhalten.Wie dem auch sei, jedenfalls liegt eine eigentliche religiöse Verfolgung vor. Jedenfalls kommen Gründe militärischer Art gar nicht in Betracht, da es sich fast nur um Frauen und Kinder handelt und Angora zudem soweit als möglich von jedem Kriegsgebiet entfernt liegt.Dr. David, Feldgeistlicher in Angora.
Juni.
351.
KaiserlichDeutsche Botschaft.
Pera, den 15. Juni 1917.
Im Anschluß an den Bericht vom 19. v. M.
Das American Bible House, das bisher die amerikanischen Hilfsgelder für die Türkei ihrer Bestimmung übermittelte, ist seit Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen der Türkei und Amerika von jeder Verbindung mit den Geldgebern abgeschnitten. Der bisherige Leiter des Bible House, Mr. Peet, ist vor einiger Zeit nach der Schweiz abgereist und hat bisher keine Nachrichten hierher gelangen lassen. Inzwischen sind die vorhandenen Fonds fast völlig aufgebraucht, und der Betrieb müßte demnächst eingestellt werden, wenn nicht dem Vertreter des Mr. Peet neue Kredite eröffnet werden.
Meines Erachtens haben auch wir ein wesentliches Interesse daran, daß die amerikanischen Geldsendungen nicht unterbrochen werden oder ganz aufhören.
Ich glaube daher der Bitte des Mr. L. R. Fowle, der den abwesenden Mr. Peet vertritt, um Beförderung des anliegenden Briefes entsprechen zu sollen. Gegebenenfalls bitte ich die Antwort des Mr. Peet auf gleichem Wege hierher gelangen zu lassen wollen; eine tunlichst baldige Erledigung würde im allseitigen Interesse sein und von den Beteiligten mit besonderem Dank begrüßt werden.
v. Kühlmann.
Seiner Exzellenz dem ReichskanzlerHerrn von Bethmann Hollweg.
352.
Berlin, den 20. Juni 1917.
Seiner Hochwohlgeboren Herrn Geheimrat von Rosenberg, Auswärtiges Amt.
In der Anlage überreiche ich Ihnen die Abschrift eines Briefes, der mir aus Angora zugegangen ist. Ich würde es für gut halten, wenn man die Türkei doch wissen lassen würde, daß diese Art des Auftretens den türkischen Interessen in Deutschland schädlich ist.
Erzberger, Mitglied des Reichstags.
353.
Auswärtiges Amt.
Berlin, den 25. Juni 1917.
Nach dem auszugsweise hier beigefügten, dem Abgeordneten Erzberger zugegangenen Schreiben des Dr. David in Angora gibt das Verhalten der dortigen Behörden gegenüber den katholischen Armeniern neuerdings zu Besorgnissen Anlaß. Nach Dr. Davids Ansicht ist es auf Zwangsbekehrungen abgesehen; möglicherweise werden auch neue Austreibungen beabsichtigt, die sich durch militärische Gründe nicht würden rechtfertigen lassen.
Euere Exzellenz bitte ich, die türkische Regierung auf die Vorgänge in Angora aufmerksam zu machen und die Erwartung auszusprechen, daß sie die dortigen katholischen Armenier vor Zwangsbekehrungsversuchen und anderen Verfolgungen der Ortsbehörden schützen wird.
Zimmermann.
Seiner Exzellenz dem Kaiserlichen BotschafterHerrn von Kühlmann, Konstantinopel.
Anlage.
Angora (Kleinasien), den 3. Juni 1917.
Seit Dezember vorigen Jahres fand sich hier wieder ein armenisch katholischer Priester, der in vollkommener Freiheit Seelsorge ausüben konnte. Die Folge war, daß die so hart geprüfte Bevölkerung wieder aufatmete und neue Lebenshoffnung bekam. Damit ist es nun wieder völlig vorbei.
Schon im Februar dieses Jahres verleidete man den Armeniern die Teilnahme an meinem Gottesdienste, indem man während der hl. Messe in brutalster Weise lärmend mit Polizei und Gendarmerie eindrang und alle Armenier hinauswies. Seit Pfingsten ist nun auch dem armenisch-katholischen Priester die Abhaltung öffentlicher Gottesdienste untersagt. Außerdem finden Vorkehrungen statt, die nach früheren Erfahrungen und nach ausdrücklicher Versicherung unterer Polizeiorgane eine neue Exilierung einleiten sollen. Ich habe allerdings einstweilen noch den Eindruck, es handele sich mehr darum, die wieder mutiger gewordenen Katholiken einzuschüchtern, ihren Widerstand gegenüber der Einladung zum Übertritt zum Islam zu lähmen und die früher in nicht rechtsverbindlicher Form Übergetretenen beim Islam festzuhalten.
Wie dem auch sei, jedenfalls liegt eine eigentliche religiöse Verfolgung vor. Jedenfalls kommen Gründe militärischer Art gar nicht in Betracht, da es sich fast nur um Frauen und Kinder handelt und Angora zudem soweit als möglich von jedem Kriegsgebiet entfernt liegt.
Dr. David, Feldgeistlicher in Angora.