Chapter 60

Mai.388.(KaiserlichDeutsche Botschaft.)Telegramm.Konstantinopel, den 3. Mai 1918.An Auswärtiges Amt.Aus Erzindjan ging folgendes Telegramm ein:Im Kreise Erzindjan waren während der russischen Okkupation 1916/17 1500 mohammedanische Einwohner zurückgeblieben. Verhalten Okkupationsarmee wird allgemein gelobt. Als Russen nach Waffenstillstand Dezember v. J. desertierten, wurde armenisches Schreckensregime unter Mrat Pascha gebildet. 600 Muslims im Alter von 3–70 Jahren wurden ermordet, Hunderte werden vermißt. Stadt ist ein Trümmerhaufen, nur das Zentrum mit Regierungskonak und Generalkommando sind erhalten, da Mine versagte.Bernstorff.389.(Auswärtiges Amt.)Telegramm.Berlin, den 6. Mai 1918.An Deutsche Botschaft, Pera.Von den Armeniern ist der Wunsch geäußert worden, daß ihren aus der Türkei geflüchteten Stammesgenossen die Rückkehr gestattet werde, da ihr Verbleiben im Kaukasus wegen des Mangels an Land und Unterhaltsmitteln zu Reibungen mit der nichtarmenischen Bevölkerung führen würde. Euere Exzellenz bitte ich, General von Lossow als Nachtrag zu seiner Instruktion zu ersuchen, den Versuch zu machen, die bekannten türkischen Bedenken gegen Wiederzulassung der Ausgewanderten zu überwinden.Stellvertretender Staatssekretär v. d. Bussche.390.(KaiserlichDeutsche Botschaft.)Telegramm.Konstantinopel, den 12. Mai 1918.An Auswärtiges Amt.Nach militärischen Meldungen beträgt die Zahl der wegen armenischer Grausamkeiten aus Erivan, Igdir und Nakhitschevan nach Bajasid ausgewanderten Mohammedaner etwa 10000. Ein großer Teil mußte wegen Verpflegungsschwierigkeiten nach Persien weitergeschickt werden. Die Leute können sich nicht gegen die Armenier wehren, da es ihnen an Waffen und Munition fehlt.Bernstorff.391.KaiserlichDeutsches Konsulat.Aleppo, den 15. Mai 1918.Wie mir erst jetzt bekannt wird, sind Mitte März auf Befehl des Kommandeurs des 4. Korps Ali Ihsan Pascha in seinem Bereich, insbesondere im Wilajet Mamuret-ul-Aziz wieder Maßregeln gegen den Rest der noch vorhandenen Armenier ergriffen worden. So sind aus den Ortschaften Pertak und Peri etwa 300 Frauen und Kinder nach Mamuret-ul-Aziz gebracht worden. Die halbwüchsigen Jungens waren gefesselt und wurden gesondert hinterher gebracht. Der Wali von Mamuret-ul-Aziz hat die Frauen und Kinder unbehindert gelassen, die Knaben aber sind in das Gefängnis gebracht worden.Hungersnot herrscht in weiten Gebieten der östlichen Wilajets, so in Diarbekr, Meya-Farkin, Mardin und anderen Orten.Gleichen Bericht lasse ich der Kaiserlichen Botschaft in Konstantinopel zugehen.Rößler.Seiner Exzellenz dem ReichskanzlerHerrn Grafen von Hertling.392.(KaiserlichDeutsche Botschaft.)Telegramm.Konstantinopel, den 15. Mai 1918.Der K. Botschafter an Auswärtiges Amt.Telegramm des Generals von Lossow:„Die maßlose türkische Forderung, auch auf die rein armenischen Gebiete von Achalkalaki, Alexandropol und Eriwan abzielt auf Gebietserwerb weit über Brester Vertrag hinaus, auf alleinige wirtschaftliche AusbeutungKaukasiens und auf völlige Ausrottung der Armenier auch in Transkaukasien.Am 13. abends haben die Türken die Überlassung der Bahn Kars-Alexandropol-Dschulfa in Form eines Ultimatums gefordert, ohne mein Einverständnis erlangt oder mich vorher benachrichtigt zu haben. Ich habe gegen dieses Vorgehen protestiert. Mein Vermittelungsvorschlag, auf Grund dessen eine prinzipielle Regelung der wichtigsten und brennendsten Fragen zu erlangen wäre, ist folgender:1. Die Türken müssen den Brester Vertrag als Basis anerkennen.2. Um den Türken den Rückzug zu erleichtern, wird der muhammedanische Bezirk von Achalzich in Form von Grenzregulierungen gegen georgisches Gebiet nördlich Batum und den rein armenischen Ostteil vom Bezirk Kars ausgetauscht, wobei Festung Kars den Türken verbleibt.Halils Stellung noch unbekannt. Sobald der Vorschlag angenommen ist, kann der Transport türkischer Truppen auf der Strecke Kars-Dschulfa beginnen, jedoch nur unter deutscher Leitung und Garantie. Ich bitte daher, sofort kleine Kommission zu schicken, die gemeinsam mit mir in Tiflis die Bahnsachen bearbeitet, sowie ein deutsches Bataillon, das Wach- und Ordnungsdienst auf den Stationen von Alexandropol bis Dschulfa übernimmt. Dies wird von Kaukasiern unbedingt verlangt, da sie den Türken mit größtem Mißtrauen gegenüberstehen. Türkische Leitung oder Beeinflussung der kaukasischen Bahn lehnen sie mit größter Entschiedenheit ab.Nachsatz: Aus einer Besprechung, die ich nachmittags mit Halil hatte, geht klar hervor, daß er, Wehib und ich im Prinzip einig sind. Dagegen bleibt Enver auf seinen Forderungen bestehen und verlangt ein sofortiges Ultimatum. Soll ein neuer blutiger Krieg im Kaukasus vermieden werden, so muß der Botschafter unverzüglich dem Großwesir erklären, daß die deutsche Oberste Heeresleitung niemals Envers Forderung unterstützen kann und schärfsten Protest gegen das die verbündeten Interessen schwer schädigende türkische Vorgehen einlegt.“Bernstorff.393.Kars, den 16. Mai 1918.Am 14. April d. J. trat ich von Konstantinopel die Reise nach meinem früheren Amtssitz Erzerum an. An Bord der „Gul Nihal“, die eigentlich nach dem von den Türken am 26. Februar d. J. zurückeroberten Trapezunt gehen sollte, befand sich Enver Pascha und das türkische große Hauptquartier. Da auf hoher See durch Funkspruch die Einnahme von Batum gemeldet wurde, so ließ Enver Pascha trotz erheblicher Minengefahr die „Gul Nihal“ nach Batum gehen und lief Trapezunt nur an, um den türkischen Oberbefehlshaber Wehib Pascha an Bord zu nehmen.Bei dem Aufenthalt in Batum vom 18. bis 20. April konnte ich authentisch feststellen, daß die Türken, ebenso wie ich es in Trapezunt am 26. Februar beobachtet hatte, strenge Manneszucht hielten und den Einwohnern von Batum gegenüber Milde walten ließen. Die meisten Armenier waren aus Furcht vor Massakres aus Batum geflohen, jedoch erwies sich ihre Furcht als unbegründet und einige kehrten bereits dorthin zurück. Gewiß trug die persönliche Anwesenheit Enver Paschas, Wehib Paschas und des Generals von Seeckt zur Aufrechterhaltung der Disziplin bei. Es handelte sich hier um Truppen der 37. kaukasischen Division des Kjasim Bey, die sich bereits bei Trapezunt, Rize und Chope ausgezeichnet hatten.Vom 22. bis 25. April hatte ich in Trapezunt Gelegenheit, griechische und persische Kaufleute zu sprechen, die ebenfalls keine Klagen über das Verhalten der Türken hatten. In Trapezunt war seit einigen Tagen der neue Wali eingetroffen und die Zivilverwaltung hatte wieder eingesetzt. Ich erfuhr Einzelheiten über die Verschickung der Armenier aus Trapezunt im Sommer 1915, wobei dieselben auf Mahonen verladen wurden, die jedoch nicht am Bestimmungsort Samsun ankamen, sondern mit Mann und Maus auf hoher See untergegangen sind[148]. Ich stellte authentisch fest, daß auf dieser tragischen Fahrt auch der mir persönlich aus Bagdad und Erzerum befreundete Armenier Regiedirektor Belekdjian mit seiner hochgebildeten Frau und seinen Söhnen umgekommen ist. Während der russischen Okkupation hat im Trapezunter Bezirk Ordnung geherrscht. Als jedoch nach der russischen Revolution vom Kaukasus aus armenische Regimenter nach Trapezunt in Garnison kamen, begannen trübe Zeiten für die Muselmanen. Nach dem Abzug der russischen Truppen im Februar 1918 hatten sich im Gebiet von Trapezunt und Erzindjan armenische Freischaren gebildet, die das Land gegen die vorrückenden Türken verteidigen wollten. Auf der Strecke von Trapezunt bis Erzindjan vom 25. bis 30. April passierte ich viele verwüstete Dörfer. Ob diese Verwüstungen von den armenischen Freischaren verübt worden sind, oder ob die abziehenden griechischen Einwohner vor den anmarschierenden Türken oder die abziehenden Türken vor den armenischen Freischaren selbst ihre Dörfer angezündet haben, war nicht festzustellen.In Erzindjan verblieb ich vom 1. bis 4. Mai. Die Stadt, die ich in ihrer besten Blütezeit noch im Juni 1914 besucht hatte, war nicht wieder zu erkennen. Es sollen nach dem türkisch-kaukasischen Waffenstillstand im Dezember 1917 dort die Armenier unter Führung von Mrat Pascha ein Schreckensregime geführt haben. 600 Muselmanen im Alter von 3–70 Jahren sollen ermordet worden sein, Hunderte werden vermißt. Beim Abzug im März d. J.hatten die Armenier eine Mine gelegt, um die hervorragenden Regierungskonaks und das von Zeki Pascha erbaute Generalkommando zu sprengen; die Mine versagte jedoch. Am furchtbarsten sah das früher blühende armenische Viertel aus, das nach der Verpflanzung der Armenier aus Erzindjan nach Mesopotamien von den Türken okkupiert worden war. Der Bischofssitz, in dem ich dem armenischen Bischof gemeinsam mit dem englischen Konsul in Erzerum, Mr. Monahan, im Juni 1914 einen längeren Besuch abgestattet hatte, war völlig abgebrannt.In Erzindjan erfuhr ich auch noch Einzelheiten von dem tragischen Ende des mir aus Erzerum befreundeten armenischen Bischofs Sinbad, der ein gern gesehener Gast im deutschen Konsulat in Erzerum gewesen war. Nach den mir gemachten Angaben ist Bischof Sinbad, den ich als einen überaus sympathischen und loyalen türkischen Armenier hochschätzte, im Juli 1915 auf dem Wege von Erzindjan nach Kemach, einige Kilometer von Erzindjan entfernt, von türkischen Gendarmen ermordet worden.Zwischen Erzindjan und Erzerum hatte ich schon auf der Informationsreise im Juni 1914 festgestellt, daß außer dem Flecken Mamachatun, dem Sitz des Kaimakams des Kasa Terdjan, nur einige ganz kleine Weiler am Wege lagen. Mamachatun, um dessen Besitz von 1915 bis 1918 Russen und Türken heftig gekämpft hatten, war ein Trümmerfeld. Jetzt ist es türkische Etappenstation und von etwa 100 Muselmanen bewohnt. Seit Ende April war bereits wieder eine türkische Zivilverwaltung eingerichtet. Der Kaimakam sagte mir, daß alsbald von der türkischen Heeresleitung die Genehmigung zur Rückkehr der nach Kemach und Kharput geflüchteten muselmanischen Einwohner in ihre Ländereien zu erwarten sei. Von ihm erfuhr ich auch, daß der bisherige Wali von Sivas zum Wali von Erzerum ernannt sei und in einigen Tagen in Erzerum eintreffen solle.In Erzerum verblieb ich vom 5. bis 8. Mai. Die Stadt, die bereits im Frieden einen trostlosen Eindruck gemacht hatte, war nun fast gänzlich verwüstet. Das deutsche Konsulat, das von den Kosaken am 7. Februar 1916 geplündert worden war, hatte bis zur Wiedereinnahme der Stadt durch die Türken als russisches Hospital gedient. Nun war es türkisches Hospital; in jedem der fünf Zimmer lagen 10 sieche türkische Soldaten.Besonders stark hatte das armenische Viertel gelitten, in dem sich die armenischen Freischaren bis zum Einzug der Türken im April 1918 verteidigt hatten. Dieses Viertel war bereits von den Türken beim Abzug aus Erzerum zerstört worden, dann jedoch von den Russen wieder aufgebaut worden. Von den 10000 Armeniern, die ich im Jahre 1914 dort gekannt hatte, fand ich keinen mehr vor. Doch stellte ich mit Genugtuung fest, daß die beim deutschen Konsulat angestellten Armenier Solighian und Scherefian sowie alle österreichischen Schutzgenossen (die armenisch-römisch-katholischen Mechitaristen, sowie der armenisch unierte katholische Bischof) von denTürken im Sommer 1915 verschont worden waren und sich in Siwas und Konstantinopel in Sicherheit befinden. Dagegen war der mir befreundete zweite Direktor der Ottomanbank, Setrak Pasdirmadjian, ein Opfer der Leidenschaften geworden. Seine Töchter haben zwangsweise türkische Gendarmen geheiratet und sollen zurzeit in Urfa leben. In Erzerum selbst sollen bei dem Auszug der Armenier im Juni 1915 Ausschreitungen gegen das Leben der Deportierten nicht vorgekommen sein, da der Wali Tahsin Bey nur strikt den Ausweisungsbefehl aus Konstantinopel durchführte. Dem Führer der Daschnakisten in Erzerum, Rostom Effendi, war es gelungen, nach Rußland zu entkommen. Die nach der am 6. Februar 1916 erfolgten Einnahme von Erzerum durch Russen dort verbliebenen Muselmanen hatten ein trauriges Los. Viele wurden ins Gefängnis geworfen oder nach Sibirien verschickt. Ein neben mir im Todeskorridor der Zitadelle Tiflis inhaftierter Kurdenscheich wurde ohne kriegsgerichtliches Urteil auf Befehl des Großfürsten Nikolai Nikolajewitsch im Februar 1917 gehängt. Einwandfreie Augenzeugen, deutschstämmige russische Soldaten aus den deutschen Kaukasus-Wolga-Kolonien, hatten mir bereits in Tiflis übereinstimmend erzählt, daß russische und armenische Soldaten türkische Frauen und Kinder in Erzerum unter dem Vorwande, nach Waffen zu suchen, vergewaltigt und geschändet hätten. Einzelheiten über die gegen die Muselmanen von armenischer Seite verübten Racheakte teilte der belgische Journalist Simais in Tiflis mit, der im Stabe des Generals Tschernosuboff den Einmarsch der Russen von Persisch-Azerbeidjan nach Wan und Rewanduz mitgemacht hatte. Dabei sollen armenische Drujinen (Freiwilligenkorps) nach dem russischen Vormarsch auf Bitlis und Musch Einwohner der hinter der neuen russischen Front gelegenen türkischen Dörfer niedergemetzelt haben. Von türkischer Seite wurde dann noch erzählt, daß, als die russischen Soldaten im Januar 1918 freiwillig Erzerum verließen und die Armenier beschlossen, unter Leitung französischer Offiziere die besetzten Gebiete der Türkei zu verteidigen, die Muselmanen Erzerums furchtbaren Martern ausgesetzt worden seien. Hunderte von Muselmanen, Männer, Frauen und Kinder, seien in zwei gegenüberliegende Häuser eingesperrt worden, die alsdann angezündet wurden.Von andrer Seite erfuhr ich jedoch auch, daß vorher die Türken bei der Wiedereroberung von Erzerum sämtliche in der Stadt zurückgebliebenen Armenier hatten über die Klinge springen lassen.Ich reiste von Erzerum über das Schlachtfeld von Sarikamisch nach Kars, wo ich vom 10. bis 14. Mai verblieb. Nach der Erzählung von Deutschrussen, die den Einmarsch der Türken in Kars Ende April d. J. miterlebt haben, war diesmal die Manneszucht gelockert und die einziehenden Truppen raubten und plünderten. Auch gingen die Türken sehr rigoros bei Requirierung von Proviant und Vieh vor. Trotz Weisung Enver Paschas konntenicht verhindert werden, daß das Symbol von Kars, eine zur Verherrlichung des russischen Sieges 1878 gesetzte Statue eines russischen Soldaten in Bronze, der mit dem Fuße eine ottomanische Fahne zertritt, von den erbitterten türkischen Soldaten sofort zertrümmert wurde.Zurzeit leisten die armenischen Truppen, die sich nach Preisgabe der früheren russisch-türkischen Grenze bei Alexandropol konzentriert haben, den Türken verzweifelten Widerstand.Anders.394.(Auswärtiges Amt.)Berlin, den 21. 5. 1918.Aufzeichnung.Ich habe Herrn Nasariantz beim Abschied folgende Mitteilung gemacht:Seit die Delegierten des armenischen Nationalrates von dem stellvertretenden Herrn Staatssekretär empfangen worden sind, haben sich die Ereignisse im Kaukasus weiter entwickelt. Die Türken haben sich aus militärischen Gründen veranlaßt gesehen, die Grenzen von Ardahan, Kars und Batum zu überschreiten. Leider erscheint es infolgedessen zu Zusammenstößen mit Armeniern gekommen zu sein. Wir stehen wegen dieser Fragen in Telegrammwechsel mit der türkischen Regierung. Auch wird bereits in nächster Zeit der Oberst Freiherr von Kreß, ein guter Kenner der Türkei und der Türken, nach dem Kaukasus entsandt werden. Die armenischen Delegierten könnten sich nach ihrer Rückkehr in die Heimat mit ihren Wünschen an Oberst von Kreß wie auch an General von Lossow wenden. Herrn von Kreß ist die armenische Angelegenheit besonders ans Herz gelegt worden.Göppert.395.(KaiserlichDeutsche Botschaft.)Telegramm.Abgang aus Konstantinopel, den 23. Mai 1918.Ankunft, den 24. Mai 1918.An Auswärtiges Amt.General von Lossow drahtet:Eine Deputation armenischer Vertrauensmänner sowie die armenischen Vertreter in transkaukasischer Delegation, die gleichzeitig als Minister der Regierung angehören, hatten mehrfach Besprechungen mit mir. Armenier erwarten von Deutschland Rettung und Hilfe in ihrer verzweifelten Lage.Das Ziel der türkischen Politik ist, wie ich immer wiederhole, dauernde Besitznahme der armenischen Distrikte und Ausrottung der Armenier.Alle gegenteiligen Versicherungen Talaats und Envers sind wertlos. In Konstantinopel herrscht die extreme armenierfeindliche Richtung. Türkischer Plan liegt klar vor mir: den muhammedanischen Bezirk von Achalzich glauben sie sicher zu bekommen, den völlig armenischen Bezirk von Achalkalaki suchen sie unter Verschleierung der Tatsachen als zum Bezirk Achalzich gehörig hinzustellen. Die Stadt Alexandropol ist von ihnen besetzt. Die Bahnstrecke nach Djulfa wollen sie einschließlich eines Geländestreifens 25 Kilometer östlich der Bahn okkupieren; um ihn nie wieder mehr zurückzugeben.Die Annexion des Gouvernements Elisabethpol und Baku haben die Türken mit Einverständnis tatarischer Bevölkerung bewirkt, zugleich vorgehen sie auf Baku, um dortige Bolschewiki zu vertreiben und sich dort festzusetzen. Ferner sind türkische Truppen auf Front südlich Achalkalaki im Vorrücken gegen Tiflis und Eriwan. Die Armee begleitende kurdische und tatarische Freiwillige rauben und morden in armenischen Ortschaften. Männer werden alle abgeführt. Die armenischen Truppen weichen, um Konflikte zu vermeiden, nach Osten aus. Armenische Bevölkerung flieht nach Osten, wo sie alsbald auf Tataren stoßen muß, was zu Massakers führen muß. Türkische Politik hat offenbar das Ziel, unter Vermeidung von Ultimatum bezüglich des Territorialbesitzes ein fait accompli zu schaffen. Für armenische Bevölkerung bleibt kein Platz zum Leben. Dies muß zu Guerillakrieg führen, der Transport und Nachschub auf Linie Alexandropol-Djulfa unmöglich machen wird. Wie ich vermute, liegt dies in türkischer Absicht. Der Bevollmächtigte der Delegation armenischen Volkes, armenischen Nationalrats nachsucht Schutz Deutschlands gegen völlige Vernichtung und bittet, den Rest armenischen Territoriums unter deutsches Protektorat zu nehmen. Offizielles Schriftstück hierfür befindet sich in meiner Hand. Wenn die Ausrottung der Armenier verhindert werden soll, ist sofortiger ständigster Druck auf Türkei notwendig. Erbitte baldigst deutsches Kriegsschiff, damit ein Bataillon nach Poti, ferner Instruktionen über Stellungnahme zu offizieller armenischer Erörterung. Sofortige Aktion erforderlich.396.(Auswärtiges Amt.)Telegramm.Berlin, den 26. Mai 1918.An den Botschafter, Wien.Infolge des Verhaltens der türkischen Regierung sind die Verhandlungen in Batum gescheitert. Die transkaukasische Republik ist auseinandergefallen, während sich Georgien vermutlich inzwischen als selbständiger Staat proklamiert hat.Die türkische Regierung hat sich auf Grund der Bestimmungen des Brester Vertrags, wonach die Bezirke Ardahan, Kars und Batum von Rußland geräumt und es der Bevölkerung überlassen wurde, ihre staatsrechtlichen und völkerrechtlichen Verhältnisse im Einvernehmen mit den Nachbarstaaten, besonders mit der Türkei, neu zu ordnen, für berechtigt gehalten, diese Bezirke zu okkupieren. Sie hat aber an ihren Grenzen nicht haltgemacht, sondern den Vormarsch weiter fortgesetzt. Die türkischen Delegierten haben bei den Verhandlungen in Batum mit dem Vorrücken ihrer Truppen immer weitergehende Gebietsforderungen gestellt. Außer Ardahan, Kars und Batum verlangten sie die Bezirke Achalzych und Achalkalaki, im Gouvernement Eriwan die Bahn Alexandropol-Djulfa, einschließlich des Gebiets westlich davon und einen 25 km breiten Streifen östlich der Bahn, das Gebiet nördlich Batums bis in die Höhe von Kubelity, wogegen sie sich zur Rückgabe des weiter nördlich von ihnen besetzten georgischen Gebietes bereit erklärten. Demgegenüber haben wir der türkischen Regierung nachdrücklichst geraten, die Grundlage des Brester Vertrages nicht zu verlassen und ihr empfohlen, die Stadt Batum nicht zu behalten, sondern den Georgiern zu überlassen, da es sonst wegen der Bevölkerungsverhältnisse und aus wirtschaftlichen Gründen schwerlich zu dauernd friedlichen Verhältnissen zwischen Türken und Georgiern kommen würde. Wir haben einen Austausch des Bezirks Batum nördlich des Tschorochflusses gegen andere und zwar von Tataren bewohnte transkaukasische Gebietsteile ins Auge gefaßt und der Türkei dringend nahegelegt, eine freundschaftliche Einigung mit der transkaukasischen Regierung herbeizuführen.Statt diesem Rate zu folgen, haben die Türken jedes Maß verloren. Sie haben in Elisabethpol und anderen tatarischen Bezirken die türkische Flagge gehißt, beabsichtigen die Annexion des ganzen Gouvernements Elisabethpol und Baku und gehen auf Baku vor, um die Bolschewisten zu vertreiben und sich dort festzusetzen. Auf der Front südlich Achalkalaki sind türkische Truppen im Vorrücken gegen Tiflis und Eriwan. Die sie begleitenden kurdischen und tatarischen Freiwilligen rauben und morden in armenischen Ortschaften, aus denen alle Männer abgeführt werden. Die armenische Bevölkerung flieht nach Osten, wo sie alsbald auf Tataren stoßen wird.Die Lage muß als außerordentlich kritisch bezeichnet werden. Ein weiterer Vormarsch der Türken würde im Kaukasus den allgemeinen Kampf entfesseln. Ferner ist zu besorgen, daß die kaukasischen Christen, besonders die Armenier, dem Wüten der tatarischen Bevölkerung und der irregulären Truppen preisgegeben, ausgeplündert, aus ihren Wohnsitzen vertrieben werden und, wenn es ihnen gelingt, ihr Leben zu retten, in jeder Weise vergewaltigt werden. Wir können es aber weder vor unserem eigenen Volke, noch vor der Welt verantworten, wenn wir es zuließen, daß die Bestimmungen des Brester Vertrages, die mit unserer Hilfe durchgesetzt worden sind, als Freibrief zur Verfolgung der Christen im Kaukasus mißbraucht werden. Abgesehen hiervon, werden durch das türkische Vorgehen im Kaukasus starke Kräfte den wichtigsten militärischen Aufgaben der Türkei, den Operationen zur Verteidigung Mesopotamiens und Palästinas und zur Wiedergewinnung des verlorenen Gebietes, entzogen.Unter diesen Umständen ist dem Kaiserlichen Botschafter in Pera folgende Instruktion erteilt worden:„Das Vorgehen der Türken, die sich über unsere, von wahrer Bundesfreundlichkeit eingegebenen Mahnungen und Warnungen hinweggesetzt haben, hat die Hoffnung auf eine gütliche Einigung mit dem Kaukasus zerstört und die kaukasische Konföderation gesprengt. Angesichts dieser neuen schwierigen und bedauerlichen Lage bitte ich Euere Exzellenz, der Pforte in freundschaftlicher aber bestimmter Form mündlich folgende Erklärung abzugeben:1. Die Kaiserliche Regierung wahrt sich gegenüber allen Geschehnissen im Kaukasus freie Hand und behält sich namentlich ihre Stellung vor zu solchen innerhalb oder außerhalb der Bezirke Ardahan, Kars und Batum getroffenen Maßnahmen, die nicht in Einklang mit dem Friedensvertrag von Brest-Litowsk stehen.2. Die Kaiserliche Regierung kann einen weiteren Vormarsch türkischer Truppen im Kaukasus und eine türkische Propaganda außerhalb der genannten drei Bezirke weder billigen noch unterstützen.3. Die Kaiserliche Regierung erkennt die georgische Regierung als de-facto-Regierung an und erklärt sich vorbehaltlich der Zustimmung der russischen Sowjet-Republik grundsätzlich zur Anerkennung der Unabhängigkeit Georgiens bereit. Sie ladet die Kaiserlich Osmanische Regierung ein, ebenso zu verfahren und die Grenzen Georgiens zu achten. Die genaue Abgrenzung Georgiens wird unter Beteiligung Deutschlands zu vereinbaren sein.4. Die Kaiserliche Regierung ersucht die Kaiserlich Osmanische Regierung, die angemessene Behandlung der Armenier in den von der Türkei besetzten Gebieten sicher zu stellen. Sie behält sich nähere Vorschläge hierüber vor.5. Die Kaiserliche Regierung macht die Kaiserlich Osmanische Regierung darauf aufmerksam, daß die Türkei aus den bestehenden politischen Verträgen gegen Deutschland keine Ansprüche auf Schutz oder Beistand für solche militärischen oder diplomatischen Aktionen herleiten kann, die sie ohne unsere Zustimmung oder gar gegen unseren Rat unternimmt. Die Kaiserliche Regierung lehnt jede Verantwortung für derartige auf eigene Faust begonnene Unternehmungen ab und muß der Türkei die Folgen überlassen. Sollte sich durch willkürliche Zersplitterung der Kräfte die Gesamtlage der Türkei verschlechtern und die Erreichung der vertragsmäßig verbürgten Ziele in Frage gestellt werden, so wird sich die Türkei damit abzufinden haben, da wir uns ihr gegenüber auf eine Mehrbelastung unseres politischen Kontos nicht einlassen können. Ebenso wenig könnten wir die Türkei decken, wenn gegen die christliche Bevölkerung des Kaukasus von türkischer Seite Ausschreitungen verübt würden.“Unsere Oberste Heeresleitung hat entsprechende Schritte bei der türkischen Heeresleitung unternommen.Da Gefahr im Verzuge ist, war es nicht möglich, uns vorher mit der österreichisch-ungarischen Regierung ins Einvernehmen zu setzen. Ich wäre aber dem Grafen Burian besonders dankbar, wenn er den Markgrafen Pallavicini mit größtmöglicher Beschleunigung anweisen wollte, die gleiche Erklärung wie Graf Bernstorff abzugeben, damit sich die türkische Regierung einem einheitlichen Vorgehen der beiden verbündeten Großmächte gegenübersieht und nicht den Versuch macht, die eine gegen die andere auszuspielen.Einem schleunigen Drahtbericht über die Antwort des Grafen Burian sehe ich entgegen.Kühlmann.

Mai.

388.

(KaiserlichDeutsche Botschaft.)

Telegramm.

Konstantinopel, den 3. Mai 1918.

An Auswärtiges Amt.

Aus Erzindjan ging folgendes Telegramm ein:

Im Kreise Erzindjan waren während der russischen Okkupation 1916/17 1500 mohammedanische Einwohner zurückgeblieben. Verhalten Okkupationsarmee wird allgemein gelobt. Als Russen nach Waffenstillstand Dezember v. J. desertierten, wurde armenisches Schreckensregime unter Mrat Pascha gebildet. 600 Muslims im Alter von 3–70 Jahren wurden ermordet, Hunderte werden vermißt. Stadt ist ein Trümmerhaufen, nur das Zentrum mit Regierungskonak und Generalkommando sind erhalten, da Mine versagte.

Bernstorff.

389.

(Auswärtiges Amt.)

Telegramm.

Berlin, den 6. Mai 1918.

An Deutsche Botschaft, Pera.

Von den Armeniern ist der Wunsch geäußert worden, daß ihren aus der Türkei geflüchteten Stammesgenossen die Rückkehr gestattet werde, da ihr Verbleiben im Kaukasus wegen des Mangels an Land und Unterhaltsmitteln zu Reibungen mit der nichtarmenischen Bevölkerung führen würde. Euere Exzellenz bitte ich, General von Lossow als Nachtrag zu seiner Instruktion zu ersuchen, den Versuch zu machen, die bekannten türkischen Bedenken gegen Wiederzulassung der Ausgewanderten zu überwinden.

Stellvertretender Staatssekretär v. d. Bussche.

390.

(KaiserlichDeutsche Botschaft.)

Telegramm.

Konstantinopel, den 12. Mai 1918.

An Auswärtiges Amt.

Nach militärischen Meldungen beträgt die Zahl der wegen armenischer Grausamkeiten aus Erivan, Igdir und Nakhitschevan nach Bajasid ausgewanderten Mohammedaner etwa 10000. Ein großer Teil mußte wegen Verpflegungsschwierigkeiten nach Persien weitergeschickt werden. Die Leute können sich nicht gegen die Armenier wehren, da es ihnen an Waffen und Munition fehlt.

Bernstorff.

391.

KaiserlichDeutsches Konsulat.

Aleppo, den 15. Mai 1918.

Wie mir erst jetzt bekannt wird, sind Mitte März auf Befehl des Kommandeurs des 4. Korps Ali Ihsan Pascha in seinem Bereich, insbesondere im Wilajet Mamuret-ul-Aziz wieder Maßregeln gegen den Rest der noch vorhandenen Armenier ergriffen worden. So sind aus den Ortschaften Pertak und Peri etwa 300 Frauen und Kinder nach Mamuret-ul-Aziz gebracht worden. Die halbwüchsigen Jungens waren gefesselt und wurden gesondert hinterher gebracht. Der Wali von Mamuret-ul-Aziz hat die Frauen und Kinder unbehindert gelassen, die Knaben aber sind in das Gefängnis gebracht worden.

Hungersnot herrscht in weiten Gebieten der östlichen Wilajets, so in Diarbekr, Meya-Farkin, Mardin und anderen Orten.

Gleichen Bericht lasse ich der Kaiserlichen Botschaft in Konstantinopel zugehen.

Rößler.

Seiner Exzellenz dem ReichskanzlerHerrn Grafen von Hertling.

392.

(KaiserlichDeutsche Botschaft.)

Telegramm.

Konstantinopel, den 15. Mai 1918.

Der K. Botschafter an Auswärtiges Amt.

Telegramm des Generals von Lossow:

„Die maßlose türkische Forderung, auch auf die rein armenischen Gebiete von Achalkalaki, Alexandropol und Eriwan abzielt auf Gebietserwerb weit über Brester Vertrag hinaus, auf alleinige wirtschaftliche AusbeutungKaukasiens und auf völlige Ausrottung der Armenier auch in Transkaukasien.

Am 13. abends haben die Türken die Überlassung der Bahn Kars-Alexandropol-Dschulfa in Form eines Ultimatums gefordert, ohne mein Einverständnis erlangt oder mich vorher benachrichtigt zu haben. Ich habe gegen dieses Vorgehen protestiert. Mein Vermittelungsvorschlag, auf Grund dessen eine prinzipielle Regelung der wichtigsten und brennendsten Fragen zu erlangen wäre, ist folgender:

1. Die Türken müssen den Brester Vertrag als Basis anerkennen.

2. Um den Türken den Rückzug zu erleichtern, wird der muhammedanische Bezirk von Achalzich in Form von Grenzregulierungen gegen georgisches Gebiet nördlich Batum und den rein armenischen Ostteil vom Bezirk Kars ausgetauscht, wobei Festung Kars den Türken verbleibt.

Halils Stellung noch unbekannt. Sobald der Vorschlag angenommen ist, kann der Transport türkischer Truppen auf der Strecke Kars-Dschulfa beginnen, jedoch nur unter deutscher Leitung und Garantie. Ich bitte daher, sofort kleine Kommission zu schicken, die gemeinsam mit mir in Tiflis die Bahnsachen bearbeitet, sowie ein deutsches Bataillon, das Wach- und Ordnungsdienst auf den Stationen von Alexandropol bis Dschulfa übernimmt. Dies wird von Kaukasiern unbedingt verlangt, da sie den Türken mit größtem Mißtrauen gegenüberstehen. Türkische Leitung oder Beeinflussung der kaukasischen Bahn lehnen sie mit größter Entschiedenheit ab.

Nachsatz: Aus einer Besprechung, die ich nachmittags mit Halil hatte, geht klar hervor, daß er, Wehib und ich im Prinzip einig sind. Dagegen bleibt Enver auf seinen Forderungen bestehen und verlangt ein sofortiges Ultimatum. Soll ein neuer blutiger Krieg im Kaukasus vermieden werden, so muß der Botschafter unverzüglich dem Großwesir erklären, daß die deutsche Oberste Heeresleitung niemals Envers Forderung unterstützen kann und schärfsten Protest gegen das die verbündeten Interessen schwer schädigende türkische Vorgehen einlegt.“

Bernstorff.

393.

Kars, den 16. Mai 1918.

Am 14. April d. J. trat ich von Konstantinopel die Reise nach meinem früheren Amtssitz Erzerum an. An Bord der „Gul Nihal“, die eigentlich nach dem von den Türken am 26. Februar d. J. zurückeroberten Trapezunt gehen sollte, befand sich Enver Pascha und das türkische große Hauptquartier. Da auf hoher See durch Funkspruch die Einnahme von Batum gemeldet wurde, so ließ Enver Pascha trotz erheblicher Minengefahr die „Gul Nihal“ nach Batum gehen und lief Trapezunt nur an, um den türkischen Oberbefehlshaber Wehib Pascha an Bord zu nehmen.

Bei dem Aufenthalt in Batum vom 18. bis 20. April konnte ich authentisch feststellen, daß die Türken, ebenso wie ich es in Trapezunt am 26. Februar beobachtet hatte, strenge Manneszucht hielten und den Einwohnern von Batum gegenüber Milde walten ließen. Die meisten Armenier waren aus Furcht vor Massakres aus Batum geflohen, jedoch erwies sich ihre Furcht als unbegründet und einige kehrten bereits dorthin zurück. Gewiß trug die persönliche Anwesenheit Enver Paschas, Wehib Paschas und des Generals von Seeckt zur Aufrechterhaltung der Disziplin bei. Es handelte sich hier um Truppen der 37. kaukasischen Division des Kjasim Bey, die sich bereits bei Trapezunt, Rize und Chope ausgezeichnet hatten.

Vom 22. bis 25. April hatte ich in Trapezunt Gelegenheit, griechische und persische Kaufleute zu sprechen, die ebenfalls keine Klagen über das Verhalten der Türken hatten. In Trapezunt war seit einigen Tagen der neue Wali eingetroffen und die Zivilverwaltung hatte wieder eingesetzt. Ich erfuhr Einzelheiten über die Verschickung der Armenier aus Trapezunt im Sommer 1915, wobei dieselben auf Mahonen verladen wurden, die jedoch nicht am Bestimmungsort Samsun ankamen, sondern mit Mann und Maus auf hoher See untergegangen sind[148]. Ich stellte authentisch fest, daß auf dieser tragischen Fahrt auch der mir persönlich aus Bagdad und Erzerum befreundete Armenier Regiedirektor Belekdjian mit seiner hochgebildeten Frau und seinen Söhnen umgekommen ist. Während der russischen Okkupation hat im Trapezunter Bezirk Ordnung geherrscht. Als jedoch nach der russischen Revolution vom Kaukasus aus armenische Regimenter nach Trapezunt in Garnison kamen, begannen trübe Zeiten für die Muselmanen. Nach dem Abzug der russischen Truppen im Februar 1918 hatten sich im Gebiet von Trapezunt und Erzindjan armenische Freischaren gebildet, die das Land gegen die vorrückenden Türken verteidigen wollten. Auf der Strecke von Trapezunt bis Erzindjan vom 25. bis 30. April passierte ich viele verwüstete Dörfer. Ob diese Verwüstungen von den armenischen Freischaren verübt worden sind, oder ob die abziehenden griechischen Einwohner vor den anmarschierenden Türken oder die abziehenden Türken vor den armenischen Freischaren selbst ihre Dörfer angezündet haben, war nicht festzustellen.

In Erzindjan verblieb ich vom 1. bis 4. Mai. Die Stadt, die ich in ihrer besten Blütezeit noch im Juni 1914 besucht hatte, war nicht wieder zu erkennen. Es sollen nach dem türkisch-kaukasischen Waffenstillstand im Dezember 1917 dort die Armenier unter Führung von Mrat Pascha ein Schreckensregime geführt haben. 600 Muselmanen im Alter von 3–70 Jahren sollen ermordet worden sein, Hunderte werden vermißt. Beim Abzug im März d. J.hatten die Armenier eine Mine gelegt, um die hervorragenden Regierungskonaks und das von Zeki Pascha erbaute Generalkommando zu sprengen; die Mine versagte jedoch. Am furchtbarsten sah das früher blühende armenische Viertel aus, das nach der Verpflanzung der Armenier aus Erzindjan nach Mesopotamien von den Türken okkupiert worden war. Der Bischofssitz, in dem ich dem armenischen Bischof gemeinsam mit dem englischen Konsul in Erzerum, Mr. Monahan, im Juni 1914 einen längeren Besuch abgestattet hatte, war völlig abgebrannt.

In Erzindjan erfuhr ich auch noch Einzelheiten von dem tragischen Ende des mir aus Erzerum befreundeten armenischen Bischofs Sinbad, der ein gern gesehener Gast im deutschen Konsulat in Erzerum gewesen war. Nach den mir gemachten Angaben ist Bischof Sinbad, den ich als einen überaus sympathischen und loyalen türkischen Armenier hochschätzte, im Juli 1915 auf dem Wege von Erzindjan nach Kemach, einige Kilometer von Erzindjan entfernt, von türkischen Gendarmen ermordet worden.

Zwischen Erzindjan und Erzerum hatte ich schon auf der Informationsreise im Juni 1914 festgestellt, daß außer dem Flecken Mamachatun, dem Sitz des Kaimakams des Kasa Terdjan, nur einige ganz kleine Weiler am Wege lagen. Mamachatun, um dessen Besitz von 1915 bis 1918 Russen und Türken heftig gekämpft hatten, war ein Trümmerfeld. Jetzt ist es türkische Etappenstation und von etwa 100 Muselmanen bewohnt. Seit Ende April war bereits wieder eine türkische Zivilverwaltung eingerichtet. Der Kaimakam sagte mir, daß alsbald von der türkischen Heeresleitung die Genehmigung zur Rückkehr der nach Kemach und Kharput geflüchteten muselmanischen Einwohner in ihre Ländereien zu erwarten sei. Von ihm erfuhr ich auch, daß der bisherige Wali von Sivas zum Wali von Erzerum ernannt sei und in einigen Tagen in Erzerum eintreffen solle.

In Erzerum verblieb ich vom 5. bis 8. Mai. Die Stadt, die bereits im Frieden einen trostlosen Eindruck gemacht hatte, war nun fast gänzlich verwüstet. Das deutsche Konsulat, das von den Kosaken am 7. Februar 1916 geplündert worden war, hatte bis zur Wiedereinnahme der Stadt durch die Türken als russisches Hospital gedient. Nun war es türkisches Hospital; in jedem der fünf Zimmer lagen 10 sieche türkische Soldaten.

Besonders stark hatte das armenische Viertel gelitten, in dem sich die armenischen Freischaren bis zum Einzug der Türken im April 1918 verteidigt hatten. Dieses Viertel war bereits von den Türken beim Abzug aus Erzerum zerstört worden, dann jedoch von den Russen wieder aufgebaut worden. Von den 10000 Armeniern, die ich im Jahre 1914 dort gekannt hatte, fand ich keinen mehr vor. Doch stellte ich mit Genugtuung fest, daß die beim deutschen Konsulat angestellten Armenier Solighian und Scherefian sowie alle österreichischen Schutzgenossen (die armenisch-römisch-katholischen Mechitaristen, sowie der armenisch unierte katholische Bischof) von denTürken im Sommer 1915 verschont worden waren und sich in Siwas und Konstantinopel in Sicherheit befinden. Dagegen war der mir befreundete zweite Direktor der Ottomanbank, Setrak Pasdirmadjian, ein Opfer der Leidenschaften geworden. Seine Töchter haben zwangsweise türkische Gendarmen geheiratet und sollen zurzeit in Urfa leben. In Erzerum selbst sollen bei dem Auszug der Armenier im Juni 1915 Ausschreitungen gegen das Leben der Deportierten nicht vorgekommen sein, da der Wali Tahsin Bey nur strikt den Ausweisungsbefehl aus Konstantinopel durchführte. Dem Führer der Daschnakisten in Erzerum, Rostom Effendi, war es gelungen, nach Rußland zu entkommen. Die nach der am 6. Februar 1916 erfolgten Einnahme von Erzerum durch Russen dort verbliebenen Muselmanen hatten ein trauriges Los. Viele wurden ins Gefängnis geworfen oder nach Sibirien verschickt. Ein neben mir im Todeskorridor der Zitadelle Tiflis inhaftierter Kurdenscheich wurde ohne kriegsgerichtliches Urteil auf Befehl des Großfürsten Nikolai Nikolajewitsch im Februar 1917 gehängt. Einwandfreie Augenzeugen, deutschstämmige russische Soldaten aus den deutschen Kaukasus-Wolga-Kolonien, hatten mir bereits in Tiflis übereinstimmend erzählt, daß russische und armenische Soldaten türkische Frauen und Kinder in Erzerum unter dem Vorwande, nach Waffen zu suchen, vergewaltigt und geschändet hätten. Einzelheiten über die gegen die Muselmanen von armenischer Seite verübten Racheakte teilte der belgische Journalist Simais in Tiflis mit, der im Stabe des Generals Tschernosuboff den Einmarsch der Russen von Persisch-Azerbeidjan nach Wan und Rewanduz mitgemacht hatte. Dabei sollen armenische Drujinen (Freiwilligenkorps) nach dem russischen Vormarsch auf Bitlis und Musch Einwohner der hinter der neuen russischen Front gelegenen türkischen Dörfer niedergemetzelt haben. Von türkischer Seite wurde dann noch erzählt, daß, als die russischen Soldaten im Januar 1918 freiwillig Erzerum verließen und die Armenier beschlossen, unter Leitung französischer Offiziere die besetzten Gebiete der Türkei zu verteidigen, die Muselmanen Erzerums furchtbaren Martern ausgesetzt worden seien. Hunderte von Muselmanen, Männer, Frauen und Kinder, seien in zwei gegenüberliegende Häuser eingesperrt worden, die alsdann angezündet wurden.

Von andrer Seite erfuhr ich jedoch auch, daß vorher die Türken bei der Wiedereroberung von Erzerum sämtliche in der Stadt zurückgebliebenen Armenier hatten über die Klinge springen lassen.

Ich reiste von Erzerum über das Schlachtfeld von Sarikamisch nach Kars, wo ich vom 10. bis 14. Mai verblieb. Nach der Erzählung von Deutschrussen, die den Einmarsch der Türken in Kars Ende April d. J. miterlebt haben, war diesmal die Manneszucht gelockert und die einziehenden Truppen raubten und plünderten. Auch gingen die Türken sehr rigoros bei Requirierung von Proviant und Vieh vor. Trotz Weisung Enver Paschas konntenicht verhindert werden, daß das Symbol von Kars, eine zur Verherrlichung des russischen Sieges 1878 gesetzte Statue eines russischen Soldaten in Bronze, der mit dem Fuße eine ottomanische Fahne zertritt, von den erbitterten türkischen Soldaten sofort zertrümmert wurde.

Zurzeit leisten die armenischen Truppen, die sich nach Preisgabe der früheren russisch-türkischen Grenze bei Alexandropol konzentriert haben, den Türken verzweifelten Widerstand.

Anders.

394.

(Auswärtiges Amt.)

Berlin, den 21. 5. 1918.

Aufzeichnung.

Ich habe Herrn Nasariantz beim Abschied folgende Mitteilung gemacht:

Seit die Delegierten des armenischen Nationalrates von dem stellvertretenden Herrn Staatssekretär empfangen worden sind, haben sich die Ereignisse im Kaukasus weiter entwickelt. Die Türken haben sich aus militärischen Gründen veranlaßt gesehen, die Grenzen von Ardahan, Kars und Batum zu überschreiten. Leider erscheint es infolgedessen zu Zusammenstößen mit Armeniern gekommen zu sein. Wir stehen wegen dieser Fragen in Telegrammwechsel mit der türkischen Regierung. Auch wird bereits in nächster Zeit der Oberst Freiherr von Kreß, ein guter Kenner der Türkei und der Türken, nach dem Kaukasus entsandt werden. Die armenischen Delegierten könnten sich nach ihrer Rückkehr in die Heimat mit ihren Wünschen an Oberst von Kreß wie auch an General von Lossow wenden. Herrn von Kreß ist die armenische Angelegenheit besonders ans Herz gelegt worden.

Göppert.

395.

(KaiserlichDeutsche Botschaft.)

Telegramm.

Abgang aus Konstantinopel, den 23. Mai 1918.Ankunft, den 24. Mai 1918.

An Auswärtiges Amt.

General von Lossow drahtet:

Eine Deputation armenischer Vertrauensmänner sowie die armenischen Vertreter in transkaukasischer Delegation, die gleichzeitig als Minister der Regierung angehören, hatten mehrfach Besprechungen mit mir. Armenier erwarten von Deutschland Rettung und Hilfe in ihrer verzweifelten Lage.

Das Ziel der türkischen Politik ist, wie ich immer wiederhole, dauernde Besitznahme der armenischen Distrikte und Ausrottung der Armenier.Alle gegenteiligen Versicherungen Talaats und Envers sind wertlos. In Konstantinopel herrscht die extreme armenierfeindliche Richtung. Türkischer Plan liegt klar vor mir: den muhammedanischen Bezirk von Achalzich glauben sie sicher zu bekommen, den völlig armenischen Bezirk von Achalkalaki suchen sie unter Verschleierung der Tatsachen als zum Bezirk Achalzich gehörig hinzustellen. Die Stadt Alexandropol ist von ihnen besetzt. Die Bahnstrecke nach Djulfa wollen sie einschließlich eines Geländestreifens 25 Kilometer östlich der Bahn okkupieren; um ihn nie wieder mehr zurückzugeben.

Die Annexion des Gouvernements Elisabethpol und Baku haben die Türken mit Einverständnis tatarischer Bevölkerung bewirkt, zugleich vorgehen sie auf Baku, um dortige Bolschewiki zu vertreiben und sich dort festzusetzen. Ferner sind türkische Truppen auf Front südlich Achalkalaki im Vorrücken gegen Tiflis und Eriwan. Die Armee begleitende kurdische und tatarische Freiwillige rauben und morden in armenischen Ortschaften. Männer werden alle abgeführt. Die armenischen Truppen weichen, um Konflikte zu vermeiden, nach Osten aus. Armenische Bevölkerung flieht nach Osten, wo sie alsbald auf Tataren stoßen muß, was zu Massakers führen muß. Türkische Politik hat offenbar das Ziel, unter Vermeidung von Ultimatum bezüglich des Territorialbesitzes ein fait accompli zu schaffen. Für armenische Bevölkerung bleibt kein Platz zum Leben. Dies muß zu Guerillakrieg führen, der Transport und Nachschub auf Linie Alexandropol-Djulfa unmöglich machen wird. Wie ich vermute, liegt dies in türkischer Absicht. Der Bevollmächtigte der Delegation armenischen Volkes, armenischen Nationalrats nachsucht Schutz Deutschlands gegen völlige Vernichtung und bittet, den Rest armenischen Territoriums unter deutsches Protektorat zu nehmen. Offizielles Schriftstück hierfür befindet sich in meiner Hand. Wenn die Ausrottung der Armenier verhindert werden soll, ist sofortiger ständigster Druck auf Türkei notwendig. Erbitte baldigst deutsches Kriegsschiff, damit ein Bataillon nach Poti, ferner Instruktionen über Stellungnahme zu offizieller armenischer Erörterung. Sofortige Aktion erforderlich.

396.

(Auswärtiges Amt.)

Telegramm.

Berlin, den 26. Mai 1918.

An den Botschafter, Wien.

Infolge des Verhaltens der türkischen Regierung sind die Verhandlungen in Batum gescheitert. Die transkaukasische Republik ist auseinandergefallen, während sich Georgien vermutlich inzwischen als selbständiger Staat proklamiert hat.

Die türkische Regierung hat sich auf Grund der Bestimmungen des Brester Vertrags, wonach die Bezirke Ardahan, Kars und Batum von Rußland geräumt und es der Bevölkerung überlassen wurde, ihre staatsrechtlichen und völkerrechtlichen Verhältnisse im Einvernehmen mit den Nachbarstaaten, besonders mit der Türkei, neu zu ordnen, für berechtigt gehalten, diese Bezirke zu okkupieren. Sie hat aber an ihren Grenzen nicht haltgemacht, sondern den Vormarsch weiter fortgesetzt. Die türkischen Delegierten haben bei den Verhandlungen in Batum mit dem Vorrücken ihrer Truppen immer weitergehende Gebietsforderungen gestellt. Außer Ardahan, Kars und Batum verlangten sie die Bezirke Achalzych und Achalkalaki, im Gouvernement Eriwan die Bahn Alexandropol-Djulfa, einschließlich des Gebiets westlich davon und einen 25 km breiten Streifen östlich der Bahn, das Gebiet nördlich Batums bis in die Höhe von Kubelity, wogegen sie sich zur Rückgabe des weiter nördlich von ihnen besetzten georgischen Gebietes bereit erklärten. Demgegenüber haben wir der türkischen Regierung nachdrücklichst geraten, die Grundlage des Brester Vertrages nicht zu verlassen und ihr empfohlen, die Stadt Batum nicht zu behalten, sondern den Georgiern zu überlassen, da es sonst wegen der Bevölkerungsverhältnisse und aus wirtschaftlichen Gründen schwerlich zu dauernd friedlichen Verhältnissen zwischen Türken und Georgiern kommen würde. Wir haben einen Austausch des Bezirks Batum nördlich des Tschorochflusses gegen andere und zwar von Tataren bewohnte transkaukasische Gebietsteile ins Auge gefaßt und der Türkei dringend nahegelegt, eine freundschaftliche Einigung mit der transkaukasischen Regierung herbeizuführen.

Statt diesem Rate zu folgen, haben die Türken jedes Maß verloren. Sie haben in Elisabethpol und anderen tatarischen Bezirken die türkische Flagge gehißt, beabsichtigen die Annexion des ganzen Gouvernements Elisabethpol und Baku und gehen auf Baku vor, um die Bolschewisten zu vertreiben und sich dort festzusetzen. Auf der Front südlich Achalkalaki sind türkische Truppen im Vorrücken gegen Tiflis und Eriwan. Die sie begleitenden kurdischen und tatarischen Freiwilligen rauben und morden in armenischen Ortschaften, aus denen alle Männer abgeführt werden. Die armenische Bevölkerung flieht nach Osten, wo sie alsbald auf Tataren stoßen wird.

Die Lage muß als außerordentlich kritisch bezeichnet werden. Ein weiterer Vormarsch der Türken würde im Kaukasus den allgemeinen Kampf entfesseln. Ferner ist zu besorgen, daß die kaukasischen Christen, besonders die Armenier, dem Wüten der tatarischen Bevölkerung und der irregulären Truppen preisgegeben, ausgeplündert, aus ihren Wohnsitzen vertrieben werden und, wenn es ihnen gelingt, ihr Leben zu retten, in jeder Weise vergewaltigt werden. Wir können es aber weder vor unserem eigenen Volke, noch vor der Welt verantworten, wenn wir es zuließen, daß die Bestimmungen des Brester Vertrages, die mit unserer Hilfe durchgesetzt worden sind, als Freibrief zur Verfolgung der Christen im Kaukasus mißbraucht werden. Abgesehen hiervon, werden durch das türkische Vorgehen im Kaukasus starke Kräfte den wichtigsten militärischen Aufgaben der Türkei, den Operationen zur Verteidigung Mesopotamiens und Palästinas und zur Wiedergewinnung des verlorenen Gebietes, entzogen.

Unter diesen Umständen ist dem Kaiserlichen Botschafter in Pera folgende Instruktion erteilt worden:

„Das Vorgehen der Türken, die sich über unsere, von wahrer Bundesfreundlichkeit eingegebenen Mahnungen und Warnungen hinweggesetzt haben, hat die Hoffnung auf eine gütliche Einigung mit dem Kaukasus zerstört und die kaukasische Konföderation gesprengt. Angesichts dieser neuen schwierigen und bedauerlichen Lage bitte ich Euere Exzellenz, der Pforte in freundschaftlicher aber bestimmter Form mündlich folgende Erklärung abzugeben:

1. Die Kaiserliche Regierung wahrt sich gegenüber allen Geschehnissen im Kaukasus freie Hand und behält sich namentlich ihre Stellung vor zu solchen innerhalb oder außerhalb der Bezirke Ardahan, Kars und Batum getroffenen Maßnahmen, die nicht in Einklang mit dem Friedensvertrag von Brest-Litowsk stehen.

2. Die Kaiserliche Regierung kann einen weiteren Vormarsch türkischer Truppen im Kaukasus und eine türkische Propaganda außerhalb der genannten drei Bezirke weder billigen noch unterstützen.

3. Die Kaiserliche Regierung erkennt die georgische Regierung als de-facto-Regierung an und erklärt sich vorbehaltlich der Zustimmung der russischen Sowjet-Republik grundsätzlich zur Anerkennung der Unabhängigkeit Georgiens bereit. Sie ladet die Kaiserlich Osmanische Regierung ein, ebenso zu verfahren und die Grenzen Georgiens zu achten. Die genaue Abgrenzung Georgiens wird unter Beteiligung Deutschlands zu vereinbaren sein.

4. Die Kaiserliche Regierung ersucht die Kaiserlich Osmanische Regierung, die angemessene Behandlung der Armenier in den von der Türkei besetzten Gebieten sicher zu stellen. Sie behält sich nähere Vorschläge hierüber vor.

5. Die Kaiserliche Regierung macht die Kaiserlich Osmanische Regierung darauf aufmerksam, daß die Türkei aus den bestehenden politischen Verträgen gegen Deutschland keine Ansprüche auf Schutz oder Beistand für solche militärischen oder diplomatischen Aktionen herleiten kann, die sie ohne unsere Zustimmung oder gar gegen unseren Rat unternimmt. Die Kaiserliche Regierung lehnt jede Verantwortung für derartige auf eigene Faust begonnene Unternehmungen ab und muß der Türkei die Folgen überlassen. Sollte sich durch willkürliche Zersplitterung der Kräfte die Gesamtlage der Türkei verschlechtern und die Erreichung der vertragsmäßig verbürgten Ziele in Frage gestellt werden, so wird sich die Türkei damit abzufinden haben, da wir uns ihr gegenüber auf eine Mehrbelastung unseres politischen Kontos nicht einlassen können. Ebenso wenig könnten wir die Türkei decken, wenn gegen die christliche Bevölkerung des Kaukasus von türkischer Seite Ausschreitungen verübt würden.“

Unsere Oberste Heeresleitung hat entsprechende Schritte bei der türkischen Heeresleitung unternommen.

Da Gefahr im Verzuge ist, war es nicht möglich, uns vorher mit der österreichisch-ungarischen Regierung ins Einvernehmen zu setzen. Ich wäre aber dem Grafen Burian besonders dankbar, wenn er den Markgrafen Pallavicini mit größtmöglicher Beschleunigung anweisen wollte, die gleiche Erklärung wie Graf Bernstorff abzugeben, damit sich die türkische Regierung einem einheitlichen Vorgehen der beiden verbündeten Großmächte gegenübersieht und nicht den Versuch macht, die eine gegen die andere auszuspielen.

Einem schleunigen Drahtbericht über die Antwort des Grafen Burian sehe ich entgegen.

Kühlmann.


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