Stälin I, 235-240. Baehr S. 118-122. Ild. v. Arx, Geschichte von St. Gallen. Weidmann, Geschichte der Bibliothek von St. Gallen, 1841. G. Scherrer, Verz. der Handschriften d. Stiftsbibl. Halle 1875. F. Keller, Bilder und Schriftzüge in den irischen Manuscripten der Schweizer Bibliotheken, in den Mittheilungen der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich VII, 3. 1851. Dümmler, Das Formelbuch des Bischofs Salomo III von Constanz, 1857. Derselbe, St. Gallische Denkmale aus der Karolinger Zeit, Mittheilungen der Antiquarischen Gesellschaft XII, 6. 1859. G. Meier, Gesch. d. Schule von St. G. im Mittelalter, im Jahrb. f. Schweizer Gesch. X. St. Gallische Geschichtsquellen, neu herausgeg. v. G. Meyer von Knonau. 1870-1877. Rec. von Dümmler, HZ. XXXVIII, 327-343. Uebers. von Ekk. Casus nebst Proben aus den übrigen Theilen, von M. v. Knonau, 1878, Geschichtschr. 38 (X, 11). Ueber Sanct-gall. Formelsammlungen Zeumer, NA. VIII, 505-553.
Stälin I, 235-240. Baehr S. 118-122. Ild. v. Arx, Geschichte von St. Gallen. Weidmann, Geschichte der Bibliothek von St. Gallen, 1841. G. Scherrer, Verz. der Handschriften d. Stiftsbibl. Halle 1875. F. Keller, Bilder und Schriftzüge in den irischen Manuscripten der Schweizer Bibliotheken, in den Mittheilungen der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich VII, 3. 1851. Dümmler, Das Formelbuch des Bischofs Salomo III von Constanz, 1857. Derselbe, St. Gallische Denkmale aus der Karolinger Zeit, Mittheilungen der Antiquarischen Gesellschaft XII, 6. 1859. G. Meier, Gesch. d. Schule von St. G. im Mittelalter, im Jahrb. f. Schweizer Gesch. X. St. Gallische Geschichtsquellen, neu herausgeg. v. G. Meyer von Knonau. 1870-1877. Rec. von Dümmler, HZ. XXXVIII, 327-343. Uebers. von Ekk. Casus nebst Proben aus den übrigen Theilen, von M. v. Knonau, 1878, Geschichtschr. 38 (X, 11). Ueber Sanct-gall. Formelsammlungen Zeumer, NA. VIII, 505-553.
Wenden wir unsern Blick nach dem Süden Deutschlands, so zieht vor allemSt. Gallenunsere Aufmerksamkeit auf sich, nebst dem nahe gelegenenReichenau. Hatten wir früher schon in dem alten Leben des heiligen Gall wenigstens einen ersten Versuch litterarischer Thätigkeit zu erwähnen, so finden wir nun auch hier einen Schüler Alcuins, Grimald, als Abt (841-872); Sanctgaller Mönche, wie Werinbert und Hartmut, Otfrids Mitschüler, besuchen, wie es scheint, die berühmte Schule des Klosters Fulda, und Hrabans Schüler Walahfrid wird Abt von Reichenau (842-849). Hierzu kommt noch der Unterricht gelehrter Iren, welche auch die Kenntniß des Griechischen hier heimisch machen, während der lebhafte Verkehr mit Italien nicht minder anregend wirkt. Die Sanctgaller Schule war vielleicht von allen die bedeutendste, und glücklicher Weise besitzen wir zugleich von ihr das lebendigste Bild in der reichhaltigen Klosterchronik[1], welche von verschiedenen Verfassern bis 1330 fortgeführtwurde. Die Schule war hier lange Zeit der Mittelpunkt des Klosterlebens, der Stolz und die Freude der Sanctgaller Mönche, und die Lebensnachrichten von den bedeutenderen Lehrern nebst mannigfachen Schulgeschichten verschiedener Art nehmen einen sehr hervorragenden Raum in der Chronik ein. Doch die Aufzeichnung dieses Theiles derselben gehört einer späteren Zeit an; von Ekkehard (IV) im elften Jahrhundert nach mündlicher Ueberlieferung aufgezeichnet, ist er in allen Einzelheiten unzuverlässig, giebt aber doch ein culturhistorisch unschätzbares, im Gesammteindruck auch sicher zutreffendes Bild. Der erste Theil dagegen bis zum Jahre 883, von Ratpert verfaßt, ist erfüllt von den äußeren Schicksalen des Klosters, den langen Kämpfen um seine Unabhängigkeit und Selbständigkeit, welche den Bischöfen von Constanz nur mit Mühe abgerungen war, und gegen verschiedene Anfechtungen vertheidigt wurde. Das Verhältniß zu den Bischöfen, welche formell völlig im Rechte waren, hat Ratpert, der schon ganz entstellten Klostertradition folgend, durchaus umgekehrt dargestellt, wie kürzlich Sickel auf die Urkunden gestützt nachgewiesen hat[2]; seine Aufmerksamkeit aber war diesem Gegenstand so vorwiegend zugewandt, daß er auch aus der späteren Zeit der Blüthe wenig über das innere Leben des Klosters berichtet.
Die ersten Zeiten des angestrengten und oft unglücklichen Kampfes waren der litterarischen Entwickelung nicht günstig. Eine Zierde des Klosters war jedoch schon damalsWaldo, der zum Abt erhoben, nach Ratperts Darstellung wegen der Bedrängung durch den Bischof nach 1-1/2 Jahren (784) die Abtei Reichenau erhielt, welcher er 22 Jahre vorstand, endlich aber als Abt von Saint-Denis bis an seinen Tod 813 an dem litterarischen Treiben des Hofes Theil nahm[3].
Die neugewonnene Freiheit unter dem selbständigen AbteGozbert(816-837) erwies sich für das Gedeihen des Klosters sehr förderlich; 830 begann Gozbert den Bau der neuen Kirche, zu welcher er den noch vorhandenen Grundriß[4]entwerfen ließ; der Urheber desselben, welcher den Musterplan eines großen Benedictinerklosters darstellt, ist unbekannt, eine Widmung, gerichtet, wie es scheint, an den jüngerenGozbert, des Abtes gleichnamigen Neffen. Dieser beschrieb um diese Zeit das Leben des ersten Sanct Galler Abtes Othmar, welcher am 16. November 759 in der Verbannung gestorben war, und fügte auch zum Leben des heiligen Gallus, welches der Reichenauer Wetti für Gozbert bearbeitet hatte (oben S. 120), ein Buch über die Wunder desselben hinzu. Doch genügten ihm selber diese Arbeiten nicht, und er bat den berühmten Abt von Reichenau, Walahfrid, beide zu überarbeiten[5]. Uns liegt daher das Leben Othmars nur in Walahfrids reiner Sprache vor; es enthält einige schätzbare Nachrichten über die damaligen Verhältnisse von Alamannien, doch tilgte leider Walahfrid die Namen der Gewährsmänner als zu barbarisch. Begreiflich ist es, daß man daneben auch des heiligen Gallus Leben in seiner schlichten unsauberen Gestalt nicht mehr ertragen konnte: wenn es bei der Mahlzeit oder am Gedächtnißtage des heiligen Mannes verlesen wurde, störten die Germanismen und Sprachfehler die Andacht der Zuhörer. Walahfrid mußte deshalb auch dieses Buch nebst den dazu gefügten Wundergeschichten in eine zeitgemäße Form bringen[6]; doch hat sich auch Wettins Arbeit erhalten. Auch in Versen wollte Walahfrid denselben Gegenstand behandeln, ist aber nicht mehr dazu gekommen. Dagegen hat es auf das ungestüme Andrängen des jüngeren Gozbert, des Kahlkopfs, ein ungenannter Mönch unternommenund in der That Walahfrids Werk im Jahre 850 in Hexameter umgesetzt, doch stand sein Können bei weitem tiefer und entsprach nicht seinem guten Willen[7].
Nach dem Bürgerkriege verlieh Ludwig der Deutsche die Abtei seinem ErzkaplanGrimald(841-872), der sich das Wohl derselben sehr angelegen sein ließ, so daß jetzt die rechte Blüthezeit des Klosters und namentlich der Schule beginnt[8]. Da er selbst nicht Mönch war und in der Regel am Hofe lebte, vertraute er Hrabans Schüler Hartmut die unmittelbare Verwaltung des Klosters an, und nach Grimalds Tod stand dieser demselben bis 883 als Abt vor. Beide sorgten eifrig für die Bereicherung der Bibliothek, und als der erste bedeutende Lehrer wird unter ihnenIsogenannt[9]; ihm zur Seite der SchotteMoengal, auchMarcellusgenannt[10], welcher in der inneren Schule die für das Mönchskleid bestimmten Knaben unterwies, während jener in der äußeren Schule die Söhne des Adels für ihren Beruf als Domherrn und Bischöfe vorbereitete.
Im Jahre 864 wurde Othmars Leib erhoben und in der neuen Kirche des heiligen Gallus feierlich beigesetzt, bis 867 die ihm bestimmte eigene Kirche vollendet war, welche auch Grimalds Ruhestätte wurde, der 870 zuletzt als Kanzler erscheint, und den Rest seiner Tage in St. Gallen zubrachte. Von jener Erhebung Othmars mit den Wundern, die dabei natürlich nicht fehlten, berichtet uns eine bald nachher verfaßte Schrift Iso's[11]. Später soll dieser jedoch das Kloster verlassen, und als Lehrer im Kloster Grandval eine große Wirksamkeit und außerordentlichen Ruf erlangt haben, bis er am 14. Mai 871 starb.
Die volle geistliche Bildung der inneren Schule erhielten zweiSchüler des Iso, welche Marcellus von ihm übernahm, und nicht minder als in der Wissenschaft, auch in der Musik und anderen Künsten unterwies, deren er als Irländer Meister war. Diese waren der berühmte Erfinder der Sequenzen, Notker der Stammler[12], später Marcellus' Gehülfe, Verfasser des oben erwähnten Martyrologiums und anderer Werke, die wir gleich zu erwähnen haben werden, und der kunstreiche Tutilo[13]. Als dritten nennt Ekkehard auchRatpert, einen Züricher, der aber vielmehr sein Zeitgenosse war, und bis an das Ende des neunten Jahrhunderts der Klosterschule vorstand. Dieser hat, wie schon erwähnt, den ersten Theil der Klosterchronik verfaßt. Die Einweihung der von der Aebtissin Bertha, Ludwig des Deutschen Tochter, neu erbauten Fraumünsterkirche in Zürich verlockte ihn zu einer Wallfahrt, die er in Versen ausführlich beschrieb[14]; übrigens aber war er so eifrig in seinem Amte, daß er jede Entfernung vom Kloster dem Tode gleich achtete, und nicht mehr als zwei Schuhe im Jahre verbrauchte; selbst die Messen und Gebete versäumte er darüber, denn sagte er, wir hören die besten Messen, wenn wir andere lehren sie zu feiern. Unnachsichtig handhabte er den Stock, der überhaupt in diesen Jahrhunderten eine große Rolle in der Erziehung spielte, und doch wußte er sich durch seine Berufstreue und wahres Wohlwollen auch die Liebe seiner Schüler zu gewinnen. Als er auf seinem Todbette lag, hatte gerade das Fest des heiligen Gallus (Oct. 16) die Geistlichkeit Alamanniens im Kloster versammelt, und 40 seiner Schüler umgaben das Sterbelager ihres Lehrers[15].
Als Karl III 883 das Kloster besuchte[16], fand er in St. Gallen einen alten Mönch, dessen Gedächtniß noch in die Zeit des großen Karl reichte und der die Geschichten zu erzählen wußte, welche er einst von des tapferen Gerolds Waffengefährten, von Adalbert und dessen Sohne, dem Priester Werinbert, gehört hatte. Karl III, von dem sonst wenig löbliches zu berichten ist, hatte an diesen Geschichten solche Freude, daß er den guten Alten veranlaßte, sie aufzuschreiben; emsig ging er an die Arbeit, scheint sie aber nicht vollendet zu haben. In diesem Mönche hat man schon frühNotkerden Stammler erkannt, aber Pertz widersprach dieser Annahme, weil der Stil gar zu roh und grammatisch fehlerhaft ist, und weil Notker damals noch nicht alt genug war, um durch Zahnlosigkeit zum Stammler geworden zu sein. Es scheint jedoch, daß er durch einen Naturfehler gestammelt hat, und die Vergleichung der Ausdrucksweise hat den vollkommen überzeugenden Nachweis gestattet, daß wirklich Notker der Verfasser dieses anmuthigen Buches gewesen ist, an welchem man schon früh und vielfach Gefallen gefunden und es trotz seiner mangelhaften Form mit Einhards Meisterwerk verbunden hat.
Ferner aber ist es wegen der auffallendsten Uebereinstimmungen in Ausdruck und Auffassung als vollkommen sichergestellt anzusehen, daß Notker auch der Fortsetzer der obenS. 219erwähnten Chronik Erchanberts gewesen ist[17]. Er fügte nämlich eine kurze Uebersicht über die Theilungen und die Regentenfolge im karolingischen Reich hinzu, bald nach der Kaiserkrönung Karls III (881), von dem er mit lebhafter Verehrung spricht, wie denn auch damals noch kein Grund war, an seinen guten Erfolgen zu zweifeln.
Des Kaisers Besuch erschien als ein Höhepunkt der Blüthe des Klosters, und nicht ohne Wahrscheinlichkeit vermuthet Meyer von Knonau, daß eben hierdurch Ratpert zur Abfassung der Gesta veranlaßt sei, welche mit diesem Besuche abschließen. Auch mit des Kaisers Günstling, Bischof Liutward von Vercelli, einem geborenenSchwaben, standen die Mönche in gutem Vernehmen und Notker widmete ihm seine Sequenzen[18].
Am Schlusse dieser Periode steht Notkers berühmtester Schüler[19]SalomoIII, von 890-920 Bischof von Constanz und zugleich Abt von St. Gallen, ein Mann von den glänzendsten Geistesgaben, der kluge und gelehrte Freund Hatto's von Mainz, der das schöne und blühende Kloster wie seinen Augapfel liebte und hegte. Mehrere uns erhaltene Briefe und Gedichte zeugen von Notkers Liebe zu ihm und zugleich von der Sorge des treuen Lehrers um das Seelenheil seines Schülers in den Gefahren der Welt, denen er am Königshofe ausgesetzt war. Eine Mustersammlung von Urkundenformeln und Briefen[20], in welcher uns einige auch für die Geschichte der Zeit wichtige Briefe aufbewahrt sind, während die Urkunden über mannigfache Verhältnisse reichen Aufschluß gewähren, schrieb Dümmler Salomo um das Jahr 896 zu, während nach Zeumers Ansicht Waldo mit seinem Bruder Salomo sie 877 und 878 während ihres Aufenthalts bei Salomo II von Constanz und Liutbert von Mainz zusammengebracht haben, Notker nachträglich noch einige Briefe hinzugefügthat. Schon war man in Reichenau[21]und an andern Orten mit ähnlichen Sammlungen vorangegangen, aber die Sanctgaller Sammlung läßt sie durch ihren Inhalt wie durch ihre Form weit hinter sich. Aus der späteren Zeit besitzen wir von Salomon zwei schöne poetische Episteln an den Bischof Dado von Verdun, deren ansprechender, von wahrem Gefühl getragener Inhalt die ziemlich incorrecte Form übersehen läßt; die Ueberschrift „Versus Waldrammi ad Dadonem episcopum a Salomone episcopo missi“ läßt jedoch vermuthen, daß sie nur im Auftrag und nach Anweisung Salomons in dessen Namen vonWaldramverfaßt sind. In der einen[22]beklagt der Bischof in elegischer Form voll tiefer Trauer den Tod seines letzten Bruders, des Bischofs Waldo von Freising (906), an den nach Zeumer mehrere der Briefe in der Formelsammlung gerichtet sind; in der anderen[23], schon früher geschriebenen, schildert er mit den lebhaftesten Farben das Unglück des Vaterlandes, dessen König ein Kind ist, dessen Gaue erfüllt sind von allgemeiner Zwietracht, von innerem Kampfe in allen Ständen des Volkes, während die Ungern ungehindert das Land verheerend durchziehen. Auch St. Gallen wurde von ihnen 926 verheert.
Ekkehards lebendige Schilderung hat die Sanctgaller Schule unsterblich gemacht; ohne ihn würden wir nicht so gar viel davon wissen, und ohne Zweifel herrschte in manchem andern Kloster ein ganz ähnliches Treiben, von dem nur niemand uns Nachrichten aufbewahrt hat. So vor allem inReichenau, welches schon in hoher Blüthe stand, als St. Gallen noch schwach und unbedeutend war[24].AbtWaldo(784-806), ein vornehmer Herr, mit Grimald nahe verwandt und vorher Abt von St. Gallen (oben S. 269), hatte schon den Mönch Wadilcoz nach dem Martinskloster zu Tours geschickt, der von dort Bücher für die Bibliothek übersandte, welche Waldo mit großem Eifer zu bereichern bestrebt war[25]; unter ihm begann der fleißigeReginbertseine musterhafte Thätigkeit für dieselbe, welche er bis an seinen Tod 846 rastlos fortsetzte, theils durch eigene Arbeit, theils durch Geschenke die Sammlung zu sehr ansehnlichem Umfang vermehrend[26]. Ihm übersandten seine Schüler Grimald und Tatto die Klosterregel nebst den Beschlüssen des Reichstages von 817, der wohl ihre Aussendung veranlaßt hatte[27]. Auf seinen Antrieb schrieb Walahfrid das bedeutende Werkde rebus ecclesiasticis, wie dieser es in den Worten ausspricht:Dura Reginberti jussio adegit eum. Als Lehrer war neben ihmHeitothätig, ein Bruder jenes Wadilcoz, Waldo's Nachfolger als Abt und Bischof von Basel, welches Bisthum Waldo ebenfalls verwaltet hatte. Karl der Große sandte ihn 811 nach Constantinopel, und über diese Sendung verfaßte er eine Reisebeschreibung[28], die leider verloren ist;823 entsagte er seinem Bisthum und zog sich in sein altes Kloster zurück, wo er 836 gestorben ist. Die Abtei übergab erErlebold(823-838), der bei einem leider ungenannten Schotten große Gelehrsamkeit erworben, und Heito auf seiner Reise begleitet hatte. Der Schule standen jetztTatto(† 847) vor, den Walahfrid seinen Lehrer nennt, in dessen Namen er Verse an Ebo von Reims und an Thegan richtete[29], undWetti, ein naher Verwandter Grimalds und Waldo's. Wie mangelhaft jedoch noch seine grammatische und metrische Bildung gewesen ist, haben wir jetzt erst mit Verwunderung erfahren, da durch das von Bücheler entdeckte Akrostichon (oben S. 120) festgestellt ist, daß er der Verfasser der Vita S. Galli und ihrer Widmung in ganz barbarischen Hexametern ist, welche man für viel älter gehalten hatte. Wetti hatte kurz vor seinem Tode am 3. November 824 eine Vision, indem er, wie so viele andere vor und nach ihm, Himmel und Hölle zu durchwandern glaubte, und was er in diesen Regionen gesehen zu haben vermeinte, den gläubigen Brüdern berichtete. Heito hatte diese Vision in Prosa[30],Walahfrid in Versen bearbeitet[31], und der Eindruck derselben auf die Zeitgenossen war außerordentlich groß; hatte er doch sogar den großen Kaiser Karl im Fegefeuer Schlimmes leiden gesehen, auch Waldo. Beide werden, nebst einigen anderen, von Walahfrid nur durch Anacrosticha bezeichnet. Unter den Märtyrern dagegen erscheint darinGerold, der Königin Hildegard Bruder, welcher im Kampfe gegen die Avaren gefallen war, ein geborner Alamanne, und des Klosters Hort und Beschirmer. Eine vielleicht von Walahfrid verfaßte Grabschrift auf ihn[32]findet sich in einer Handschrift neben dem Epitaph desBernald, an den die Reichenauer ebenfalls mit Stolz zurückdachten. Dieser Bernald war nämlich ein gebornerSachse, aber in Reichenau erzogen; er kam dann in die kaiserliche Capelle, und erhielt um das Jahr 821 das Bisthum Straßburg. Zu den treuen Anhängern des alten Kaisers gehörend, wurde er 825 als Gewaltbote nach Rätien, 832 nach Rom gesandt, und starb am 17. April 840. Man rühmte ihn als einen klugen und gelehrten Mann, der auch die deutsche Sprache zur Unterweisung des Volkes verwandte[33].
Den größten Glanz aber verbreitete über Reichenau der AbtWalahfrid, mit dem Beinamen Strabo oder Strabus, einer der besten Lateiner seiner Zeit, ein viel bewunderter Gelehrter und gewandter Dichter[34]. Ueber sein Leben haben wir leider nur wenig sichere Nachrichten, und so befreundet er auch mit den Sanctgaller Gelehrten war, wird er doch in der Klosterchronik gar nicht genannt; doch ist nach und nach durch neugefundene Verse mehr Licht über ihn gewonnen. Er war ein Schwabe von armer und geringer Herkunft, um 807 geboren; früh ins Kloster gekommen, dichtete er schon mit 15 Jahren eine Epistel an Ebo von Reims im Namen seines Lehrers Tatto[35], aber dieser war hart und strenge, und auch der Abt Erlebold war ihm nicht gewogen. In Wetti verlor Walahfrid seinen väterlichen Freund und Wohlthäter; nach dessen Tod (824) litt er sogar an Nahrung und Kleidung Mangel, und hatte häufig Schläge zu erdulden. Er klagte seine Noth an Grimald, dessen Wohlwollen er schon früher gewonnen hatte, und dieser forderte ihn auf, die Vision Wettins, welche wahrscheinlich er selbst auf Wachstafeln aufgezeichnet hatte, dichterisch zu bearbeiten. Dieselbe Aufforderung kam auch von dem Priester Adalgis, wie wir wissen, seitdem K. Plath das Akrostichon der seiner Antwort[36]zugefügten Verse:Adalgiso dandaerkannt und die ganze Sachlagescharfsinnig entwickelt hat[37]. Walahfrid bat ihn um bessere Kleidung und um Pergament, da er das Werk heimlich ausführen müsse; er bat ihn, selbst zu kommen, und Adalgis kam. Unter hartem Drängen vollendete er sein Werk[38], in welchem er reichliche Lobsprüche auf Haito, Erlebold und Tatto anbrachte, und übersandte es Grimald. Nach solcher Leistung und mit solchen Fürsprechern wird er nun auch im Kloster, und bei dem Abt, obgleich dieser kein Freund von Visionen war, mehr Anerkennung gefunden haben. Grimald hat er auch das anmuthige Gedichtde cultura hortorumgewidmet, und in dem Gedicht de imagine Tetrici (v. 228) feiert er ihn unter dem Namen Homer. Später hat er in Fulda Hrabans Unterricht genossen. Im Sommer 829 finden wir ihn am Hofe zu Aachen; von Kaiser Ludwig, sagt er einmal, sei er „paupere de fovea protractus“[39], mag sich das nun auf diese Zeit seines Hoflebens oder auf die Verleihung der Abtei Reichenau 839 beziehen. In Aachen beschrieb er damals in einem merkwürdigen Gedichte die aus Ravenna hingeführte Reiterstatue Theodorichs[40], der hier als Tyrann aufgefaßt wird im Gegensatz zu Ludwig, feiert Hilduin, Grimald, Einhard, widmet aber vor allem dem Kaiser, der Kaiserin Judith und dem kleinen Karl überschwengliches Lob; er wird als Caplan der Kaiserin und als Lehrer des kleinen Karl bezeichnet. Den Rodbern, welcher 834 dem Kaiser zuerst Nachricht von der in Tortona gefangenen Judith unter großen Gefahren brachte, feierte er in einem längeren Gedicht[41]. Mit Thegan, dem Diacon Florus und anderen der classisch und kirchlich gebildeten Männer jener Zeit war er befreundet, Prudentius rühmt er als seinen Lehrer,bittet ihn aus der Ferne um Bücher und eigene Gedichte; zugleich übersendet er ihm Gedichte „Modoini magni“, den er auch in andern an ihn selbst gerichteten Versen feiert[42]. Kaum hatte er die Abtei Reichenau erhalten — bei seiner geringen Herkunft eine ganz ungewöhnliche Auszeichnung —, so wurde er auch in die politischen Wirren hineingezogen; als eifriger Anhänger Lothars und der Reichseinheit, deren Herstellung er noch von ihm hoffte, flüchtete er nach Ludwigs Tod und der Ueberwältigung Alamanniens durch Ludwig den Deutschen nach Speier, wo er ein Gedicht voll Lobpreisung an Lothar richtete, in welchem er seinen Klagen und seinen Hoffnungen Ausdruck gab[43]. Lothar hatte in früheren Zeiten einmal persönlich den vermeintlichen Leib des h. Januarius nach Reichenau gebracht, was merkwürdiger Weise im Kloster ganz vergessen wurde und nur durch eine sehr schöne Sapphische Ode Walahfrids bekannt ist[44].
Sehr bald hat sich Walahfrid doch auch mit Ludwig dem Deutschen ausgesöhnt, und vielleicht durch Grimalds Einfluß erhielt er 842 die Abtei Reichenau von neuem; im Jahre 849 wurde ihm eine Botschaft des Königs an dessen Bruder Karl anvertraut. Auf dieser Reise starb er, kaum vierzigjährig, am 18. August durch einen Unfall beim Ueberschreiten der Loire[45].
Die von Walahfrid überarbeiteten Lebensbeschreibungen des Gallus und Othmar, sein Vorwort zu Einhards und zu Thegans Werken erwähnten wir schon; selbständige geschichtliche Werke hat er so wenig wie Hraban verfaßt, aber sein Buch über Ursprung und Entwickelung der kirchlichen Einrichtungen enthält viel beachtenswerthes über die Verfassung der Kirche in jenen Zeiten, ähnlich dem Werke Hrabans, aber noch lehrreicher, weil er durchgängig die kirchlichen Einrichtungen mit den weltlichen vergleicht[46].
Eines der merkwürdigsten Zeugnisse für den ernstlichen Eifer, mit welchem man in diesen Klöstern damals das Studium des classischen Alterthums betrieb, bietet uns die durch Mabillon bekannt gewordeneHandschrift von Einsiedeln, deren Urschrift aus Reichenau zu stammen scheint. Wohl ein Schüler Walahfrids, imvollen Besitz der damaligen Schulbildung und auch des Griechischen kundig, hat mit einer Beschreibung des damaligen Rom und des Ceremoniels der kirchlichen Feste auch antike Inschriften aus Pavia und Rom mit größter Genauigkeit und Sorgfalt nach älteren Vorlagen hier zusammengestellt[47].
Durch besondere Lernbegierde zeichnete sich auchErmenrichaus, ein Ellwanger Mönch, dessen Leben uns recht anschaulich die Beweglichkeit der jungen mönchischen Studenten in jener Zeit vor Augen führt[48]. Wie Walahfrid, ging auch er nach Fulda, wo er Hrabans und Rudolfs Schüler wurde. Besondere Freundschaft verband ihn mit Hrabans Neffen, dem Diacon und königlichen Caplan Gundram, welcher der fuldischen Zelle Solenhofen an der Altmühl im Eichstädter Sprengel vorstand, und diesem, der den Stifter seiner Kirche,Sualo, feierlich erhoben hatte, zu Liebe, schrieb er das Leben desselben und übersandte es Hraban zur Durchsicht[49]; Rudolf, den er als seinen Lehrer preist, sollte die Fehler verbessern. Sualo, den Ermenrich willkürlichSolusnannte, gest. 3. Dec. 794, gehörte zu den Begleitern des h.Bonifaz; Ermenrich standen aber nur mündliche Erzählungen über ihn zu Gebote, und der geschichtliche Werth seiner Nachrichten ist daher unbedeutend. Wo er, damals noch Diaconus, dieses Werk geschrieben hat, wissen wir nicht; es ist sehr wahrscheinlich, daß er auch zu den Hofcaplänen gehört hat, und von dieser Zeit her den Erzkanzler Gozbald (829-833) als seinen Lehrer bezeichnet, sowie er auch Grimald als seinen Herrn und Meister verehrt[50].
An Gozbald, jetzt (841-855) Bischof von Würzburg, sandte er, schon als Priester, eine kleine Schrift, in Form eines Dialoges der Consolatio des Boethius nachgebildet, dem Inhalt nach völlig sagenhaft, über die Gründung seines KlostersEllwangen, das Leben desStiftersHariolf, König Pippins Zeitgenossen, Bruders und später Nachfolgers des Bischofs Erlolf von Langres, und die Wunder, welche man ihm zuschrieb[51]. Er gehörte nämlich zu Gozbalds Familie.
Im Jahre 849 finden wir Ermenrich wieder im Kloster Reichenau als Schüler Walahfrids; als dieser seine unglückliche Reise nach Frankreich antrat, schickte ihn Grimald nach St. Gallen, um dort seine Studien fortzusetzen. Hier verfaßte er zum Dank für die gute Aufnahme, die er in beiden Klöstern gefunden und zum Preise Grimalds ein Sendschreiben an denselben, geschrieben zwischen 850 und 855, in welchem er seine ganze Gelehrsamkeit, die nicht unbedeutend, aber schlecht verarbeitet war, zur Schau trägt, von Philosophie, Grammatik und vielen anderen Dingen handelt, in der schwülstigen, gezierten Weise vieler Gelehrten der damaligen Zeit; eine Schreibart, die auch das Leben des h. Solus entstellt und am wenigsten in dem Leben Hariolfs hervortritt[52]. Er prahlt mit Griechisch, das er aber offenbar nicht versteht, und eignet sich aus Alcuin, Priscian und Ausonius falsche Gelehrsamkeit an, kennt aber Pindarus Thebanus und Lucretius nebst vielen anderen Schriften. Verse von Theodulf und Naso verwendete er ohne Scheu. Es enthält aber dieser Brief auch einige wichtige geschichtliche Daten und eine Lobpreisung Grimalds und der gelehrten und kunstreichen Sanctgaller Mönche, welche zur Ergänzung der dortigen Klosterchronik dient. Am Schluß geht er in Verse über, und feiert den h. Gallus, wozu auch ihn Gozbert, der Kahlkopf, gedrängt hatte. Doch ist dieser Theil mehr entworfen und begonnen als wirklich ausgeführt[53].
In der Aufschrift dieses Briefes hat eine etwas spätere Hand zu dem Namen Ermenrich das Wort Bischof gesetzt, und man hat deshalb nicht ohne Wahrscheinlichkeit geschlossen, daß der Verfasser identisch ist mit dem gleichnamigen Bischof von Passau, den Ludwig der Deutsche 867 zu den Bulgaren sandte, und dessen Tod am 26. Dec. 874 sich in alamannischen Jahrbüchern und im Todtenbuche von Reichenau verzeichnet findet[54].
Ermenrichs Name ist auch gemißbraucht in einer häßlichen Betrügerei, dem angeblichenLeben des h. Magnus, eines der Genossen von Columban und Gallus, von Theodorus, das bei der Uebertragung der Gebeine in der Mitte des neunten Jahrhunderts in St. Magnus Grab soll gefunden sein. Der Bischof Lanto von Augsburg soll dann den Ellwanger Mönch Ermenrich veranlaßt haben, das kaum noch lesbare Denkmal zu erneuern. So wird dort erzählt; die Art, wie Ermenrichs Name erwähnt wird, macht es aber nicht wahrscheinlich, daß wirklich er selbst zu dieser Fälschung seine Hand geboten habe. Dümmler vermuthet, Forsch. XIII, 475, daß doch etwas daran sei und Ermenrich an der formalen Bearbeitung Theil habe, doch bemerkt er selbst, daß die Legende nichts von dem ihm eigenthümlichen Gepräge zeige. Ich halte die angebliche ältere Legende überhaupt für leeres Vorgeben des Fälschers, welcher ein von den gröbsten chronologischen Fehlern erfülltes Plagiat aus den Vitae Columbani und Galli für das Werk eines Zeitgenossen ausgab[55].
Auch Reichenau bezog wie Fulda seine Reliquien aus Italien, doch scheint man damit wenig Glück gehabt zu haben. Die älteste dieser Geschichten (Miracula S. Genesii) ist von Dr. A. Holder in Carlsruhe in einem von Reginbert herrührenden Codex entdeckt, und von mir in der Zeitschrift für Geschichte des Oberrheins XXIV, 1-21 herausgegeben[56]. Sie berichtet von der Uebertragung derheiligen Genesius und Eugenius aus Jerusalem durch den Grafen Gebahard von Treviso, der 798 seine Boten aussandte, aber vor deren Rückkunft starb. Der heimkehrende Diacon fand in Porto seinen Bruder, der den Grafen Scrot von Florenz[57]nach Rom begleitet hatte; mit Einwilligung des Pabstes Leo erhält Graf Scrot den rechten Schenkel des Genesius, während der Rest nach dem bei Treviso dafür schon bereiteten Kloster gebracht wird. Graf Scrot aber bringt seinen Theil in seine Heimath am Bodensee, und stiftet hier das KlosterSchienen, welches durch Ludwig das Kind an Reichenau gekommen ist. Da Wunder nicht ausblieben, veranlaßte Abt Erlebold (822-838) einen ungenannten Mönch zur Aufzeichnung dieser denkwürdigen Begebenheiten. Während nun aber von diesen Reliquien weiterhin nicht mehr die Rede ist, behauptete man später in Reichenau, daß die ganzen Leiber der hh. Senesius und Theopompus, welche in unklarer Weise an die Stelle von Genesius und Eugenius getreten sind, 830 durch Bischof Ratolf von Verona nach Radolfzell übertragen seien, da doch ganz unbekümmert darum dieselben 911 von Treviso aus dem inzwischen durch die Ungern zerstörten Kloster nach Nonantula übertragen wurden. Ebenso wenig wollte man ihnen glauben, daß der heilige Valentin, von dem ihre alten Annalen noch allein reden, der heiligeMarcusselber sei, welcher, wie sie behaupteten, in demselben Jahr 830 aus Venedig zu ihnen gebracht sein sollte; und ihre eigene Erzählung läßt den Betrug deutlich genug erkennen[58]. Den h.Januariussollte, wie wir oben S. 281 sahen, Kaiser Lothar selbst gebracht haben; davon verlautet weiter nichts, dagegen aber ein Bericht, nach welchem ihn und seine Genossen im Jahre 871 ein wackerer Reitersmann aus Schwaben auf einer Heerfahrt unter Kaiser Ludwig II aus einer verödeten Kirche geraubt und nach der Reichenau gebracht haben sollte. Man traute ihm aber dort vermuthlich selbst nicht, da in jüngeren Handschriften anstatt ihrer die h.Fortunatamit ihren Brüdern in derselben Erzählung erscheint. Aber auch diese waren bereits 780 nach Neapel in das Nonnenkloster des h. Gaudiosus übertragen, wo sie fortfuhren die schönsten Wunder zu thun[59]. Unbestritten bliebden Reichenauern nur ein Krug von der Hochzeit zu Cana, den ein griechischer Mönch ihnen aufgeschwatzt hatte[60].
Sehr deutlich tritt uns in diesen Geschichten die lebhafte Verbindung mit Italien entgegen, welche in hohem Grade anregend wirken mußte[61]; Reichenau lag gerade an einer der besuchtesten Pilgerstraßen nach Rom, und auch Schottenmönche werden nicht gefehlt haben, wenn sie auch in Reichenau selbst kein Andenken hinterlassen haben. Dagegen wurde inRheinaugegen das Ende dieses Jahrhunderts das Leben eines Schottenmönches, des h.Findan, aufgezeichnet († 878), welches für das Treiben dieser fremden Pilger charakteristisch und durch einige Stellen in irischer Sprache merkwürdig, übrigens aber sehr fabelhaft und geschichtlich wenig bedeutend ist[62]. Größerer Ruhm ist dem h.Meginratzu Theil geworden, dessen Leben, wie aus dem Alter der Handschriften hervorgeht, schon im zehnten Jahrhundert ein Reichenauer Mönch beschrieben hat[63]. Er wurde nach dessen Bericht in Reichenau von Erlebold unterrichtet, und als dieser als Abt auf Heito folgte, als Mönch eingekleidet. Der Abt schickte ihn nach einer Reichenauer Zelle am Züricher See, nach der Tradition Bollingen, um da Schule zu halten. Er aber ging statt dessen als Eremit ins Gebirge, wo Räuber ihn 861 erschlugen. Das noch jetzt blühende Kloster Meinradszell oder Einsiedeln bewahrt sein Andenken.
Fast überall finden wir theils die ascetische, theils die formale Richtung vorherrschend in der Litteratur dieser Zeit, den historischen Sinn aber noch wenig entwickelt.
Doch fehlte es auch in St. Gallen und Reichenau nicht ganz an Annalen. Die in ihrem älteren Theil aus Murbach stammendenAnnales Alamannici(obenS. 147) enthalten 802-858 dürftige Reichenauer Notizen; 860-926 werden sie mit zunehmender Reichhaltigkeit in St. Gallen fortgesetzt. Die aus denselben Annalen entnommenenAnnales Sangallenses breves708-815[64]gewährten den Anfang (bis 791) derAnnales Augienses, welche bis 939 in Reichenau fortgesetzt wurden. Sie waren auf den Rand der Ostertafeln geschrieben, welcheReginbertin seine oben S. 276 erwähnte historisch-mathematische Sammlung aufgenommen hatte, die er von 820 bis gegen sein Todesjahr 846 zusammengebracht hat. Diese jetzt verlorene Handschrift benutzte Hermannus Contractus. Für Friedrich von Mainz abgeschrieben, wurde sie zu 937 mit einer Notiz über Friedrichs Weihe, 953, 954 mit Aufzeichnungen des Erzbischofs Wilhelm vermehrt; benutzt wurde diese Handschrift vom Fortsetzer des Regino, von Marianus Scottus, und nebst den eingehefteten Annales S. Albani vom Verfasser der Disibodenberger Annalen[65]. Wir finden ferner die Annales Augienses bis 939 benutzt in den Annales Colonienses, jedoch so, daß einzelne Eintragungen vielmehr auf die Ann. Alamannici, Sangallenses und Hermann deuten, wodurch die Vermuthung entsteht, daß eine reichhaltigere Aufzeichnung allen zu Grunde liegt[66].
Auch in der BischofstadtAugsburgwar ein gelehrter und ausgezeichneter Bischof,Adalbero(887-910), der Erzieher Ludwigs des Kindes, ein vertrauter Freund der Sanctgaller Lehrer, und ohne Zweifel derselbe, welchem Regino, der seiner mit großem Lobe gedenkt, seine Chronik widmete; wir haben eine Biographie von ihm, sie ist aber erst im zwölften Jahrhundert von Udalschalk geschrieben und gewährt uns keine Belehrung[67].
ImElsassbeschrieb ein ungenannter Mönch vonNeuweilerbei Zabern die Uebertragung des BischofsAdelphusvon Metz, den ihnen Erzbischof Drogo abgelassen hatte, mit Wundern, worin viele Ortsnamen vorkommen[68].
[1]Casus S. Gallied. Ild. v. Arx, MG. SS. II, 59-183 (bis zum Jahre 1233). Zwischen 833 und 890 ist ein Stück verloren, auf welches sich Ekkehard in seiner Fortsetzung MG. II, 83 mit den Worten bezieht:Kerhaldo(corr.Bernhardo)itaque abbate, ut alias in alio libro relatum est, deposito(890). In d. neuen Ausg. c. 11 S. 37 fehlen die Wortein alio libro. Nach G. Scherrer, Verz. S. 9 u. 166, hat Jod. Metzler († 1639) noch eine verlorene Quelle gehabt. —Ratperti Casus S. Gallinach obiger Ausgabe bei Migne CXXVI, 1055-1080. Neue Ausg. von G. Meyer von Knonau in den St. Galler Mittheilungen zur vaterl. Gesch. XIII. mit ausführl. Commentar u. Excursen. DesgleichenEkkeharti(IV)Casus S. Galliebenda XV. XVI. 1877. Mit den Vitis et miraculis Galli et Otmari auch besonders ausgegeben als St. Gall. Geschichtsquellen. —Catal. abb. S. Galli, Augiensium, epp. Constantt.MG. II, 34-39; ersterer neu herausgegeben u. bearbeitet von G. Meyer von Knonau, Mittheil. XI, 125-138; v. Holder-Egger SS. XIII, 326-330; Aug. ib. p. 331; Const. p. 324. — Mitth. XI, 1-124 St. Galler Todtenbuch und Verbrüderungen, von E. Dümmler und H. Wartmann; S. 6 über das um 817 angelegte Verbrüderungsbuch. Dieses ist jetzt von P. Piper herausgegeben, MG. Libri Confraternitatum, 1884, 4. Verz. d. Constanzer Domgeistlichkeit s. XI. NA. XI, 408.[2]Th. Sickel, St. Gallen unter den ersten Karolingern, in den Mittheilungen zur vaterl. Gesch. IV. 1865. Daß die Bischöfe doch auch über ihre formelle Berechtigung hinaus sich, wie es fast immer geschah, Uebergriffe erlaubt haben mögen, hebt Monod zu Ratperts Gunsten hervor, Revue crit. 1873, II, 409-413.[3]Verse von König Ludwig und von dem Schotten Dungal an Baldo hat Dümmler herausgegeben im Arch. d. W. Ak. XXII, 289, vgl. S. 283, u. (mit Froben) auf ihn bezogen, folgt jedoch Poet. Lat. I, 412 Foltz, Gesch. d. Salzb. Bibl. S. 13, welcher den Salzburger Lehrer Baldo unterscheidet; s. unten→ S. 292.[4]F. Keller, Bauriß des Klosters St. Gallen vom Jahr 820. Zürich 1844. Von dem etwas späteren Bau Grimalds heißt es im cod. 397: Aula palatinis perfecta est ista magistris, Insula pictores transmiserat Augia clara.[5]Sie sind nur in dieser Form vorhanden,V. S. OthmariMG. II, 41 bis 47, und von G. Meyer von Knonau Mitth. XII, 94-113. Uebers. v. Potthast mit Vita S. Galli.Miracula S. Galliib. 21-31 u. 62-93.[6]Gedruckt bei Mabillon Act. II, 227-250. Neue Ausg. von R. Thuli, St. Gall. Mitth. XXIV (1890) S. 1-76. Daran knüpft sich eine Kritik in dem wunderlichen Dialog←, welcher Notker u. Hartmann in den Mund gelegt, aber viel jünger ist, höchst confus u. voll chronolog. Widersprüche, bei Weidmann, Gesch. d. Stiftsbibl. S. 483-493 (S. 486 l.strophastattscropha).[7]Nur der Anfang MG. II, 31. Vollständig zuerst herausgegeben von Dümmler, Poet. Lat. II, 428-473, vgl. p. 266.[8]Vgl. oben→ S. 222.Gegen Scherers einseitige Hervorhebung des Einflusses der Fulder Schule, s. Dümmler Ostfr. III, 655. Ein für Grimald scotice geschriebener Priscian bei F. Keller l. c. tab. XI, 2. Libri quos Gr. de suo dedicavit, bei Weidmann S. 396-400. Ein Recept de libro Grim. Zeitschr. f. D. Alt. XX, 214.[9]Urkundlich in St. Gallen erwähnt von 852-868.[10]Von 848-865 urkundlich erwähnt. Er war vorher Abt von Bangor in Ulster u. starb 871. NA. XVII, 211. — Sehr barbarische Verse vonDubduinzum Preise seiner Landsleute NA. X. 341.[11]Ysonis de miraculis S. Othmari libri II, MG. SS. II, 47-54. Mitth. XII, 114-139 im Auszug. Ekkehards Erzählung von Iso's Wirksamkeit in Burgund bezweifelt Dümmler Denk. S. 260, weil er 868 noch in St. Gallen war. M. v. Knonau jedoch, der zum Ekkeh. S. 116-126 über Iso handelt, hält seine Thätigkeit in Moutier-Grandval für gesichert durch die Tradition, nur kann nicht Rudolf von Burgund ihn eingeladen haben, sondern der Bischof von Basel.[12]S. über ihn Dümmler Denkm. S. 244 ff. 258 ff. NA. IV, 546. Meyer v. Kn. zu Ekk. S. 126 ff. und Der h. Notker v. St. Gallen, Neujahrsbl. 1877. Er starb 912. Autograph von ihm bei W. Arndt, Schrift. 15b.[13]Dessen berühmtes Diptychon abgebildet in: Das Kloster St. Gallen I. Herausgegeben vom historischen Verein in St. Gallen, 1863, und bei Alwin Schultz: Tuotilo von St. Gallen in: R. Dohme, Kunst und Künstler des Mittelalters und der Neuzeit, I, 1877; doch vgl. dazu Rahn: Nachlese zur Gesch. der bildenden Künste in der Schweiz, S. 787-790. u. M. v. Knonau zu Ekkeh. S. 93 u. 129. Jul. v. Schlosser, Wiener SB. CXXIII, S. 180 bis 185.[14]Erhalten ist nur ein Bruchstück, die Beschreibung der neuen Kirche und der Uebertragung von Reliquien der hh. Felix et Regula vom Großmünster nach Fraumünster, herausgegeben v. G. von Wyß, Geschichte der Abtei Zürich (Mittheil. VIII), Beilagen S. 11; vgl. Dümmler Denkm. S. 255. Ostfr. II, 427. G. Meyer von Knonau in d. Vorrede der Casus. Sein Lobgesang auf den heiligen Gallus in Ekkehards lat. Uebersetzung bei Müllenhoff und Scherer I, 217. II, 78. Vgl. Dümmler, NA. IV, 541. G. R. Zimmermann, Ratpert der erste Zürchergelehrte (Basel 1878) ohne wissensch. Werth nach Dümmler im Centralbl. Sp. 1314.[15]Das Jahr des Todes ist wegen der vielen gleichnamigen Mönche ganz ungewiß.[16]Hierhin gehören wohl die Verse von Ratpert, Hartmann, Notker Balbulus u. a., die sich vielleicht alle auf diese Gelegenheit beziehen, neu herausgegeben von Dümmler, Denkm. S. 218-221, vgl. 255 ff. und ein späteres vielleicht von 887 S. 221, vgl. 257. Das von Waldram verfaßteRex benedicteS. 220, ist aber Weihn. 911 an Konrad gerichtet, nach Heidemann S. 454, vgl. M. v. Knonau, Jahrbuch 1867 S. 129. Litanei aus König Konrads Zeit bei Dümmler, Denkm. S. 222, vgl. 258. NA. IV, 510. 551.[17]MG. SS. II, 329. Uebers. bei dem Mönch von St. Gallen. Notkers Autorschaft nachgewiesen von B. Simson u. Zeumer, s. Waitz-Aufsätze S. 113; NA. XII, 428.[18]Vgl. Meyer v. Knonau, Mitth. XIII, 60. XV, 161.[19]Diese Ansicht Dümmlers bekämpft Dammert, Forsch. VIII, 327 bis 366 u. will vielmehr Roudker, den Ekkehard als Mentor Salomons bezeichnet, auch die Briefe zuschreiben. Meyer v. Knonau hat diese Ansicht S. 21 als chronologisch unmöglich widerlegt. Ebenso bekämpft er S. 4 auch Notker, aber hier ist die Chronologie ganz unsicher, und mir erscheinen die Gründe für Notker auch jetzt noch überwiegend, u. so auch Zeumer, NA. VIII, 513-517. — Ueber Salomons Familie s. Graf Zeppelin, Thurgauische Beitr. XXX, 42.[20]FrüherFormulae Alsaticaegenannt. Zum ersten Mal kritisch und vollständig herausgegeben von Dümmler: Das Formelbuch des Bischofs Salomo III, Leipzig 1857. Verbesserungen St. Gallische Denkm. S. 261. Verse von Notker (?) an Salomo S. 225. Ueber Salomo Formelbuch 103 ff. Denkm. 262 ff. Eine populäre Schilderung in: Das Kloster St. Gallen, vom historischen Verein, II, 1864, mit schöner Abbildung seines grossen C in Sintrams Evangelium longum. Das Formelbuch nach der Münchener Handschrift ed. Rockinger, Quellen zur bayerischen und deutschen Geschichte VII, und in De Rozière's Sammlung. Vgl. auch Heidemann, Salomon III von Constanz vor Antritt des Bisthums, Forsch. VII, 425-462. Dammert ib. VIII, 327-366. Vorzüglich aber jetzt Zeumer, Formulae Salomonis, NA. VIII, 506-540, u. seine Ausgabe MG. Form. p. 390-437. Ein merkwürdiges Denkmal der St. Galler Gelehrsamkeit und Schreibkunst ist das Psalterium, welches Salomo 909 schreiben ließ, mit 3 lateinischen Versionen und dem griechischen Text in lateinischen Buchstaben, mit einem einleitenden Gedicht; dieses neu herausgegeben von Dümmler, Ostfr. (1. Ausg.) II, 681, von Hamann: Canticum Moysi ex psalterio quadruplici Salomonis III (Lips. 1874), p. 18. Frühzeitig ist eine um 6 Verse am Anfang verstümmelte Abschrift der Verse verbreitet, s. Bianchini, Vindiciae p. CCLI, Codd. Colon. p. 3. 4.[21]Zeumer, Reichenauer Formeln, NA. VIII, 481-505. Daselbst S. 547 ff. Nachweis, daß Iso nur irrthümlich Formeln zugeschrieben sind.[22]Nach Canis. (II, 3, 245) berichtigt nach der Handschrift von Dümmler, Denkm. S. 239, mit dem größtentheils aus Reminiscenzen von Venantius bestehenden Trostgedicht von Waldram, und anderen Gedichten desselben. Vgl. Scherrers Verz. 73 über den Cod. 197. NA. IV, 550-554.[23]Bei Dümmler, Denkm. S. 230-239 (v. 9. l. iterare, v. 42: si domui conjuncta domus primordia sumpsit.); vgl. W. Giesebrecht, Geschichte der Kaiserzeit I, 174, Dümmler, Ostfr. III, 527. Ueber die Salomo zugeschriebene Encyclopädie (Glossae Salomonis) s. Stälin I, 404, Scherrers Verz. S. 321 bis 323. Sie ist von älterem Ursprung und die Benennung ungerechtfertigt, doch könnte S. vielleicht diese Sammlung veranlaßt haben. Als Ableitung eines älteren Glossars nachgewiesen von G. Götz: Der liber glossarum, Leipz. 1891 (Abh. d. philol.-hist. Cl. der K. Sächs. G. d. W. XIII).[24]Die älteste Lebensbeschreibung des Stifters,S. Pirmin, mit der Gründungsgeschichte von Reichenau (um 724) zuerst gedr. von Mone, Quellens. I, 30-36, ist nach Mone im neunten Jahrhundert in Reichenau verfaßt; in den Nachträgen S. 528 verlegt jedoch derselbe den Ursprung nach Hornbach und trifft darin zusammen mit Rettberg (II, 51), welcher ihre geschichtliche Werthlosigkeit nachweist, Dümmler verweist auch auf Wal. Visio Wett. v. 30 für den Ursprung in Hornbach. Dafür auch Holder-Egger in der Ausg.Vita PirminiiI. et II. cum miraculis MG. SS. XV, 17-35; vgl. p. 574a. Vgl. O. Breitenbach im NA. II, 170-174 über die von Gallus Oehem benutzte Bearbeitung. Sehr merkw. Predigt von ihm bei Caspari, Kirchenhist. Anecdota (1883) S. 151-159 (Dicta Priminii).[25]Neugart Ep. Const. I, 142 aus Oheims Chronik, und jetzt Gallus Oheims Chronik von Reichenau ed. Barack (1866) S. 43. Oheim muß über die Bereicherung der Bibliothek und eingetretene Mönche in dieser Zeit, von Waldo bis Rudhelm, eine jetzt verlorene Quelle gehabt haben, die bis c. 840 reichte und vielleicht von Reginbert herrührte, s. O. Breitenbach, NA. II, 201. Waldo hat danach eine Zeit lang auch das Bisthum Pavia verwaltet. In der Visio Wettini büßt er für die Sünde des Geizes. Das Diptychon aus Erlebalds Zeit NA. IV, 72, ist das von Piper herausgegebene Verbrüderungsbuch.[26]S. den 821 begonnenen Catalog bei Neugart I, 536-552, vgl. S. 152 und Mommsen, Die Chronik des Cass. Senator S. 573-585 über die von ihm angelegte hist. mathematische Sammlung. Auch die Carlsruher Vita Bonif. stammt daher, s. d. Inschrift MG. II, 332, Jaffé Bibl. III, 425. Fragment des Liber sextus in Libri's Auctionscatalog (1859) S. 246 mit Facsimile. Die Verse, welche er in die Bücher eintrug, Poet. Lat. II, 424, vgl. NA. XIII, 665.[27]Baluzii Capit. II, 1382. Reginbert wird von ihnenflos juvenum forma speciosus amoenagenannt. Das Buch nebst einem zweiten von denselben geschenkten im Catalog S. 550. Das Martyrologium ed. A. Holder, Röm. Quartalschrift III, S. 204-261. Oben→ S. 60.[28]Herm. Contr. a. 811, vgl. über ihn Neugart I, 142-148, Rettberg II, 93-96, und die Reichenauer Inschriften bei Mone, Quellens. III, 133. Dümmler, NA. IV, 284. Poet. Lat. II, 425. O. Seebass vermuthet in ihm den Vf. der Statuta Murbacensia, Zts. f. Kirchengesch. XII, 322 (NA. XVI, 645). — Gleichzeitige Aufzeichnung darüber, daß am 21. Dez. 823 das Bisthum Basel Odalrich commendirt wurde, in Mone's Zeitschr. f. Gesch. d. Oberrheins II, 384; MG. SS. XIII, 374 cum catal. epp. Basil.[29]Poet. Lat. II, 350. Ein Brief von Tatto Bibl. III, 323.[30]Heitonis Visio Wettini, abgedr. mit dem früher hier mitgetheilten Prolog bei Dümmler, Poet. Lat. II, 267-275. Walahfrids Bearbeitung ist durch seine Zuthaten besonders wichtig für die Geschichte des Klosters. Vgl. über die Anspielungen auf Bedränger desselben, und über die Nachahmung des Prudentius, Bock im Jahrb. d. Alterthumsfr. im Rheinland L, (1871) S. 7. — Meistens mit dieser Vision verbunden, findet sich im Cod. S. Galli 573, Lambac. qu. 77, Monac. Lat. 536 u. 18 546, Brux. 10 687, Run. 51, folgende:VISIO CUIUSDAM PAUPERCULAE MULIERIS.Fuit namque in Laudonico pago quaedam mulier paupercula, quae in extasi rapta rediens multa ac miranda narravit. Ducebat autem illam, ut ipsa referebat, quidam homo in monachico habitu constitutus, ubi requiem sanctorum et poenam iniquorum cernebat, talem qualem Paulus apostolus in epistola sua scribit: quod oculus non vidit nec auris audivit nec in cor hominis ascendit. Ibi etiam videbat quendam principem Italiae (Karl d. Gr. ganz ähnlich wie in der Visio Wettini) in tormentis, multosque alios notos, quosdam in poena, quosdam in gloria. Interrogavit illa eundem ductorem illius, si ille ad aeternam ultra vitam redire debuisset. At ille: Utique debet. Nam si Hlodouuicus, inquit, imperator, natus ejus, septem agapes pro illo pleniter dispensat, resolutus est. Pichonem (al. Picconem) vero hujus regis qui quondam fuit amicus, supinum jacere in tormentis, taetrosque spiritus duos aurum liquefacere et in os ejus infundere dicentes: Hinc sitisti in saeculo nec saturari potuisti; modo bibe ad saturitatem! Irmingartam namque reginam aeque in tormentis, quae super se habebat cautes tres quasi molares, unum super caput, alterum super pectus, tertium super dorsum, qui semper eam in profundum mergebant. Mira namque dicturus sum. Clamavit namque ad istam dicendo: Vade et dominum meum roga imperatorem, ut me misellam adjuvare dignetur. Et da ei signum ut sciat a me missam te fore, istud quod meae depositionis (desponsationis?) tempestate sola cum ipso loquebar in uno pomerio, et hoc statim bene cognoscet, quia adhuc hodie cunctos latet eadem locutio nisi nos tantum. Cumqueinde pergerent, ostendit ei ductor illius murum cujus cacumen coelum usque tendebat, et post eum alterum qui totus scriptus erat aureis caracteribus. Interrogavitque illa quid hoc esset. Terrestris, inquit, paradisus est, ubi nullus intrabit nisi qui hic scriptus reperitur. Imperavitque illi ut legeret. At illa ait: Non didici litteras. Scio inquit, sed tamen lege. Legit namque illa, et invenit nomen Bernharti quondam regis tam luculentis litteris exaratum sicut nullius ibidem fuit. Postea Hlodouuici regis tam obscurum et oblitteratum, ut vix agnosci potuisset. At illa: Quid est, inquit, quod istud nomen tam oblitteratum est? Antequam, ait, in Bernhartum homicidium perpetrasset, nullius ibi nomen clarius erat. Illius interfectio istius oblitteratio fuit. Vade et cave diligenter, ne horum quid regem celaveris. Illa vero non ausa conticuit. Non post multum rursum ammonuit eam, que ut prius conticuit. Tertia vero vice venit et dixit: Quid est quod non gestis obsecundare verbo Domini? Quae respondit: Domine, vilis sum persona, et ista non audeo in medum proferre. Ex hoc ait illi: Luminum tuorum non gaudebis, donec ea coram rege exponis. Cujus ilico pupilla caligine obducta est. Post dies multos venit in praesentiam regis, cuncta tradidit, lumenque recepit.Diese Visio ist wieder abgedruckt bei Malfatti: Bernardo rè d'Italia, Firenze 1876 (Nuova Antologia). Irmgard st. den 3. October 818; ihr schreibt auch Andreas Berg. c. 8. Bernhards Tod zu, der in den Ann. Aug. 817 und im Necrol. zum 17. Apr. verzeichnet ist. Daß Irmgard sich zur Zeit ihres Todes mit Ludwig gerade in einem Baumgarten unterhalten habe, scheint mir kaum wahrscheinlich. Ueber Picho oder Bego s. B. Simson, Ludwig d. Fr. I, 11 Anm. 8. Nach freundl. Mittheilung des H. Prof. Sievers in Jena steht die Visio auch im cod. Aug. 111 (Carlsr. 185) saec. X mit dem Schluß:Hinc quedam que mihi narravit minus commoda supersedenda sunt, ut ea introducantur, unde tota oratio sumpsit exordium.Danach scheint es ein Bruchstück aus einem unbekannten Werk zu sein. Es folgt auch hier die Visio Wettini, im cod. Sangall. dieVisio Barontivon 680 (Acta SS. Martii III, 570). Mit dieser ist in einer Petersb. Hs. verbunden dieVisio Rotcharii, viell. aus Fleury, worin Karl unter den Seligen erscheint, s. Anz. d. Germ. Mus. XXII, 73; Auszug bei Mabillon, Act. IV, 1, 667. Aehnlicher Art ist dieVisio Bernoldivon Hincmar, s. Ebert II, 256, der, wie Dümmler bemerkt, bei der Aufzählung der Visionen Alcuin de Sanctis Euboric. eccl. v. 875-1006 übersehen hat. — Inhaltsangaben bei C. Fritzsche, Die lat. Visionen des Mittelalters, in Vollmöllers Roman. Forsch. II.[31]Poet, Lat. II, 301-334.[32]Herausgegeben von Mommsen im Rhein. Museum 1854, IX, 299. Poet. Lat. I, 114.[33]Vgl. Dümmler, Ostfr. I, 322. Poet. Lat. II, 420.[34]S. über ihn Dümmler, NA. IV, 270-286. 580 und die gesammelten Gedichte Poet. Lat. II, 259-423. Ebert II, 145-166. Hauck II, 600 ff. Opera Migne CXIII. CXIV. Eine Anleitung zur Metrik mit Beispielen, v. Huemer, NA. X, 166-169. Der von ihm besungene Blaithmaic st. 827; es kamen flüchtige Mönche von Hy nach Reichenau. NA. XVII, 210. — Dümmler, NA. VII, 402, Zeumer ib. VIII, 496-507, über die Reichenauer Briefformeln, aus Erlebolds u. Walahfrids Zeit mit geschichtlich nicht unwichtigen Briefen. — Im Jahresbericht über die Erziehungsanstalt des Benedictinerstifts Maria-Einsiedeln 1856/7 ist ein Versuch gemacht, die Jugendgeschichte Walahfrids von ihm selbst schildern zu lassen, welcher zuweilen irregeführt hat, als ob ein Original von ihm zu Grunde liege. Eine angebl. Urk. von W. von 843 ist Fälschung d. 12. Jhs. Brandi, Die Reichenauer Urkundenfälschungen, Heidelb. 1890.[35]Poet. Lat. II, 350; eine andere, auch in Tatto's Namen, an den Landbischof Degan, S. 351.[36]Formulae ed. Zeumer p. 376 n. 25.[37]NA. XVII, 261-279.[38]Poet. Lat. II, 301-333.[39]Ad. Loth. v. 31. Zeitschr. f. D. Alt. XIX, 463. Poet. II, 414, und S. 259 weitere Belege für seine geringe Herkunft.[40]Versus de imagine Tetrici, Poet. Lat. II, 370-378. Früher von C. P. Bock in den Jahrbüchern des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinland V (1844), von Dümmler in d. Zeitschr. f. D. Alt, XII, 461-470, vgl. XIX, 466. Sehr gewagte Hypothesen von H. Grimm: Das Reiterstandbild des Th. zu Aachen und das Gedicht des W. darauf, Berlin 1869. Dagegen die lehrreiche Abh. von Bock im angef. Jahrbuch L (1871) S. 1-52. Wieder abweichend Jul. v. Schlosser, Wiener SB. CXXIII (1891) S. 164-175.[41]Bouq. VI, 269; vgl. B. Simson, Lud. d. Fr. II, 99. Dümmler, Hist. Zeitschr. XXXVII, 134; Poet. II, 388. Judith, hier Ioda genannt, schmückte für Ludwig ein Prachtgewand, welches Karl der Kahle der Röm. Paulskirche schenkte, seine Gemahlin Irmintrud vollendete mit gepriesener Kunstfertigkeit dieses und andere Gewänder, ähnlich Lothars Gemahlin Ermengarde, s. die von Dümmler mitgetheilten Verse, Zeitschr. f. D. Alt. XLX, 146-148.[42]Dümmler in d. Zeitschr. f. D. Alt. XXI, 82-86. Poet. II, 403. 355.[43]Dümmler in d. Zeitschr. f. D. Alt. XXI, 462-466. Poet. II, 413.[44]Dümmler im Anz. d. Germ. Mus. XXIII (1876) 177-188. Poet. II, 415.[45]Epitaphium ed. Dümmler, Zeitschr. f. D. Alt. XIX, 113. Poet. II, 423.[46]Das sprachlich interessante Cap. 7 theilt Dümmler in d. Zts. f. D. Alt. XXV, 99, berichtigt mit. Neue Ausg. v. Al. Knoepfler, München 1890, vgl. Dümmler, NA. XVII, 224. Eine andere wird für MG. Capitularia II vorbereitet.[47]Mab. Anal. p. 358. Hänel in Jahn und Seebode's Archiv, 5. Supplementband, S. 115. Mommsen in den Berichten über die Verhandlungen d. K. Sächs. G. d. W. Phil. Cl. 1850, IV, 287. Rhein. Museum 1854, IX, 296. Urlichs, Codex urbis Romae topographicus, Wirceb. 1871, S. 59-78. H. Jordan, Topogr. d. Stadt Rom II behandelt den topographischen Theil. De Rossi, Inscriptt. christt. II, 1. 1888.[48]Vgl. über ihn E. Dümmler: Ueber Ermenrich von Ellwangen u. seine Schriften, Forsch. XIII, 473-485. XIV, 403. 404. NA. IV, 321. Er schrieb den Stiftungsbrief Salomons für Wiesensteig nach Bossert, Württ. Vierteljahrshefte 1889, S. 142.[49]Als Hraban noch Abt war, also vor 842.Erm. Sermo de Vita S. Sualonis, ed. Holder-Egger SS. XV, 151-163. Im Anfang ist Sedulii Carmen paschale benutzt, nach Manitius, Wiener SB. CXXI, 6.[50]Dümmler, St. Gall. Denkm. S. 248. Gundram nennt ereximii ministerii conlevita.[51]Vita Hariolfied. Pertz, MG. SS. X, 11-15. Ermanrich u. Mahtolf, die Träger des Dialogs, sind beide im St. G. Verbrüderungsbuch ed. Piper, p. 44, col. 111. — Ausg. v. Giefel, Württ. Geschichtsqu. II. 1888.[52]Dieses erwähnt Ermenrich in dem Briefe mit folgenden Worten: „Adjunxi autem et huic operi breve opusculum, quod de inceptione nostri coenobii et fratrum ibidem Deo famulantium vita conscripsi ipsaque dicta viro per omnia doctissimo Gozbaldo episcopo vel approbanda seu refutanda commendavi.“ Diese Worte lassen kaum daran zweifeln, daß die Vita Hariolfi gemeint ist, obgleich von den Ellwanger Mönchen nur wenig darin vorkommt; es spricht auch, wie Dümmler bemerkt, dafür die Stelle der Vita l. c. p. 11: „quis primus hujus loci cum Deo inceptor fuerit, quantique viri Deo amabiles sub eo exstiterint“. Daß ein anderer Ermenrich aus Reichenau zu derselben Zeit eine Geschichte dieses Klosters verfaßt und ebenfalls an Gozbald gesandt haben sollte, ist unglaublich.[53]Das Sendschreiben ist vollständig zuerst herausgegeben von Dümmler im Haller Preisvertheilungsprogramm von 1873, und bes. Abdruck. Es ist voll von grammatischen Fehlern, die zum Theil vom Abschreiber herrühren mögen. Vgl. M. Haupt im Hermes I, 403 und Dümmler in d. Forsch. a. a. O.[54]Dümmler, Piligrim von Passau S. 144.[55]Mabillons treffliche Kritik ist bestätigt und ergänzt durch Rettberg II, 147-151, wo Plac. Brauns Versuch, den zweiten Theil zu retten, widerlegt ist. Für denselben sind neuerdings eingetreten Fr. Pfeiffer, Freie Forschung S. 295 aus Germania I, und Friedrich KG. II, 351-366. Das letzte Stück mit der Translationsgeschichte MG. SS. IV, 382. 425-427. Ueber eine jüngere Bearbeitung Archiv XI, 270. Nach einer Mittheilung von Baumann ist dessen Ansicht, daß man bei der Erhebung der Magnusreliquien um 851 im Kloster Füssen durch einen Ellwanger Mönch die Volksüberlieferung, wie sie bis dahin sich entwickelt hatte, niederschreiben ließ; in St. Gallen wollte man, als die Magnuskirche um 890 gebaut wurde, auch eine Legende haben, verwechselte ihn mit dem Maginold der Vita S. Galli und brachte so den Wechselbalg zu Stande.[56]Im Sanctgaller Catalog saec. IX bei Weidmann S. 385 erwähnt alsCommemoratio de miraculis S. Genesii.AlsEx Miraculis S. Genesiied. Waitz, SS. XV, 169-172.[57]Dieser wird, wie Dümmler bemerkt, bei Herrgott, Geneal. III, 832, als Wohlthäter von Reichenau erwähnt. Er erscheint im Verbrüderungsbuch S. 294, col. 466.[58]Miracula S. Marcibei Mone, Quellens. I, 62-67: im Auszug MG. SS. IV, 449-452. Vgl. auch Quellens. III, 135.[59]Mone, Quellens. I, 232 cf. Acta SS. Sept. VI, 787. Auf Fortunata und das Jahr 874 angewandt auch in der ersten Ausgabe dieses Buches S. 150 aus 2 Münchener Handschriften, da ich sie für ungedruckt hielt; vgl. Acta SS. Oct. VI, 456. Beide MG. SS. XV, 473, v. Holder-Egger.[60]Auszüge aus der gänzlich fabelhaftenVita Simeonis Achivied. Waitz MG. SS. IV, 459.Annales Aug. breviss.541-817 ib. III, 136 sind ohne Werth.[61]Vgl. darüber das schöne Werk des Prof. F. Adler: Baugeschichtliche Forschungen in Deutschland. I. Die Kloster-und Stiftskirchen auf der Insel Reichenau, Berlin 1870 folio. Marmor: Kurze Geschichte der kirchlichen Bauten und deren Kunstschätze auf der Insel Reichenau, Konstanz 1873. Der Text ist selbst für einen praktischen Arzt zu schlecht.[62]Vita Findanied. Holder-Egger, SS. XV, 502-506. Vgl. Zeuss, Gramm. Celt. ed. II, p. 1003.[63]Vita S. Meginratied. Holder-Egger, SS. XV, 444-448.[64]Edd. Ild. v. Arx et G. H. Pertz, MG. I. 63-66; ed. Henking, St. Gall. Mitth. XIX, 220-223. Local, aber sehr dürftig sind (MG. I, 69. 70), dieAnnales brevissimi Sangallenses768-889 (ed. Henking, ib. p. 206 bis 209; Vf. nach S. 208Albrich) und 814-961 (ib. S. 210-212), während die Fortsetzung derAnn. S. G. Baluzii(oben→ S. 141) 768-814 allgemeiner Art ist. Kurze Aufzeichnungen an Ostertafeln 690-856 ed. Dümmler, NA. V, 428.[65]S. die berichtigte Ausgabe von Jaffé, Bibl. III, 700-706.[66]Ecclesiae Colon. Codd. p. 127. Mit dieser beschäftigt sich W. Erben, NA. XVI, 613 ff.[67]S. unten IV § 8. Ueber Adalbero's Besuch in St. Gallen 908 und seine reichen Schenkungen s. das Verbrüderungsbuch S. 15. Jul. Hans, Beiträge zur Geschichte des Augsburger Schulwesens in der Zeitschrift des hist. Vereins f. Schwaben u. Neuburg II, 1 (1875) stellt die dürftigen Nachrichten darüber zusammen.[68]Translatio et Miracula S. Adelphied. L. v. Heinemann, SS. XV, 293-296, mit einem Wunder von 1198 aus der Fehde zwischen Heinrichs VI Bruder Otto u. B. Conrad v. Straßburg.
[1]Casus S. Gallied. Ild. v. Arx, MG. SS. II, 59-183 (bis zum Jahre 1233). Zwischen 833 und 890 ist ein Stück verloren, auf welches sich Ekkehard in seiner Fortsetzung MG. II, 83 mit den Worten bezieht:Kerhaldo(corr.Bernhardo)itaque abbate, ut alias in alio libro relatum est, deposito(890). In d. neuen Ausg. c. 11 S. 37 fehlen die Wortein alio libro. Nach G. Scherrer, Verz. S. 9 u. 166, hat Jod. Metzler († 1639) noch eine verlorene Quelle gehabt. —Ratperti Casus S. Gallinach obiger Ausgabe bei Migne CXXVI, 1055-1080. Neue Ausg. von G. Meyer von Knonau in den St. Galler Mittheilungen zur vaterl. Gesch. XIII. mit ausführl. Commentar u. Excursen. DesgleichenEkkeharti(IV)Casus S. Galliebenda XV. XVI. 1877. Mit den Vitis et miraculis Galli et Otmari auch besonders ausgegeben als St. Gall. Geschichtsquellen. —Catal. abb. S. Galli, Augiensium, epp. Constantt.MG. II, 34-39; ersterer neu herausgegeben u. bearbeitet von G. Meyer von Knonau, Mittheil. XI, 125-138; v. Holder-Egger SS. XIII, 326-330; Aug. ib. p. 331; Const. p. 324. — Mitth. XI, 1-124 St. Galler Todtenbuch und Verbrüderungen, von E. Dümmler und H. Wartmann; S. 6 über das um 817 angelegte Verbrüderungsbuch. Dieses ist jetzt von P. Piper herausgegeben, MG. Libri Confraternitatum, 1884, 4. Verz. d. Constanzer Domgeistlichkeit s. XI. NA. XI, 408.
[2]Th. Sickel, St. Gallen unter den ersten Karolingern, in den Mittheilungen zur vaterl. Gesch. IV. 1865. Daß die Bischöfe doch auch über ihre formelle Berechtigung hinaus sich, wie es fast immer geschah, Uebergriffe erlaubt haben mögen, hebt Monod zu Ratperts Gunsten hervor, Revue crit. 1873, II, 409-413.
[3]Verse von König Ludwig und von dem Schotten Dungal an Baldo hat Dümmler herausgegeben im Arch. d. W. Ak. XXII, 289, vgl. S. 283, u. (mit Froben) auf ihn bezogen, folgt jedoch Poet. Lat. I, 412 Foltz, Gesch. d. Salzb. Bibl. S. 13, welcher den Salzburger Lehrer Baldo unterscheidet; s. unten→ S. 292.
[4]F. Keller, Bauriß des Klosters St. Gallen vom Jahr 820. Zürich 1844. Von dem etwas späteren Bau Grimalds heißt es im cod. 397: Aula palatinis perfecta est ista magistris, Insula pictores transmiserat Augia clara.
[5]Sie sind nur in dieser Form vorhanden,V. S. OthmariMG. II, 41 bis 47, und von G. Meyer von Knonau Mitth. XII, 94-113. Uebers. v. Potthast mit Vita S. Galli.Miracula S. Galliib. 21-31 u. 62-93.
[6]Gedruckt bei Mabillon Act. II, 227-250. Neue Ausg. von R. Thuli, St. Gall. Mitth. XXIV (1890) S. 1-76. Daran knüpft sich eine Kritik in dem wunderlichen Dialog←, welcher Notker u. Hartmann in den Mund gelegt, aber viel jünger ist, höchst confus u. voll chronolog. Widersprüche, bei Weidmann, Gesch. d. Stiftsbibl. S. 483-493 (S. 486 l.strophastattscropha).
[7]Nur der Anfang MG. II, 31. Vollständig zuerst herausgegeben von Dümmler, Poet. Lat. II, 428-473, vgl. p. 266.
[8]Vgl. oben→ S. 222.Gegen Scherers einseitige Hervorhebung des Einflusses der Fulder Schule, s. Dümmler Ostfr. III, 655. Ein für Grimald scotice geschriebener Priscian bei F. Keller l. c. tab. XI, 2. Libri quos Gr. de suo dedicavit, bei Weidmann S. 396-400. Ein Recept de libro Grim. Zeitschr. f. D. Alt. XX, 214.
[9]Urkundlich in St. Gallen erwähnt von 852-868.
[10]Von 848-865 urkundlich erwähnt. Er war vorher Abt von Bangor in Ulster u. starb 871. NA. XVII, 211. — Sehr barbarische Verse vonDubduinzum Preise seiner Landsleute NA. X. 341.
[11]Ysonis de miraculis S. Othmari libri II, MG. SS. II, 47-54. Mitth. XII, 114-139 im Auszug. Ekkehards Erzählung von Iso's Wirksamkeit in Burgund bezweifelt Dümmler Denk. S. 260, weil er 868 noch in St. Gallen war. M. v. Knonau jedoch, der zum Ekkeh. S. 116-126 über Iso handelt, hält seine Thätigkeit in Moutier-Grandval für gesichert durch die Tradition, nur kann nicht Rudolf von Burgund ihn eingeladen haben, sondern der Bischof von Basel.
[12]S. über ihn Dümmler Denkm. S. 244 ff. 258 ff. NA. IV, 546. Meyer v. Kn. zu Ekk. S. 126 ff. und Der h. Notker v. St. Gallen, Neujahrsbl. 1877. Er starb 912. Autograph von ihm bei W. Arndt, Schrift. 15b.
[13]Dessen berühmtes Diptychon abgebildet in: Das Kloster St. Gallen I. Herausgegeben vom historischen Verein in St. Gallen, 1863, und bei Alwin Schultz: Tuotilo von St. Gallen in: R. Dohme, Kunst und Künstler des Mittelalters und der Neuzeit, I, 1877; doch vgl. dazu Rahn: Nachlese zur Gesch. der bildenden Künste in der Schweiz, S. 787-790. u. M. v. Knonau zu Ekkeh. S. 93 u. 129. Jul. v. Schlosser, Wiener SB. CXXIII, S. 180 bis 185.
[14]Erhalten ist nur ein Bruchstück, die Beschreibung der neuen Kirche und der Uebertragung von Reliquien der hh. Felix et Regula vom Großmünster nach Fraumünster, herausgegeben v. G. von Wyß, Geschichte der Abtei Zürich (Mittheil. VIII), Beilagen S. 11; vgl. Dümmler Denkm. S. 255. Ostfr. II, 427. G. Meyer von Knonau in d. Vorrede der Casus. Sein Lobgesang auf den heiligen Gallus in Ekkehards lat. Uebersetzung bei Müllenhoff und Scherer I, 217. II, 78. Vgl. Dümmler, NA. IV, 541. G. R. Zimmermann, Ratpert der erste Zürchergelehrte (Basel 1878) ohne wissensch. Werth nach Dümmler im Centralbl. Sp. 1314.
[15]Das Jahr des Todes ist wegen der vielen gleichnamigen Mönche ganz ungewiß.
[16]Hierhin gehören wohl die Verse von Ratpert, Hartmann, Notker Balbulus u. a., die sich vielleicht alle auf diese Gelegenheit beziehen, neu herausgegeben von Dümmler, Denkm. S. 218-221, vgl. 255 ff. und ein späteres vielleicht von 887 S. 221, vgl. 257. Das von Waldram verfaßteRex benedicteS. 220, ist aber Weihn. 911 an Konrad gerichtet, nach Heidemann S. 454, vgl. M. v. Knonau, Jahrbuch 1867 S. 129. Litanei aus König Konrads Zeit bei Dümmler, Denkm. S. 222, vgl. 258. NA. IV, 510. 551.
[17]MG. SS. II, 329. Uebers. bei dem Mönch von St. Gallen. Notkers Autorschaft nachgewiesen von B. Simson u. Zeumer, s. Waitz-Aufsätze S. 113; NA. XII, 428.
[18]Vgl. Meyer v. Knonau, Mitth. XIII, 60. XV, 161.
[19]Diese Ansicht Dümmlers bekämpft Dammert, Forsch. VIII, 327 bis 366 u. will vielmehr Roudker, den Ekkehard als Mentor Salomons bezeichnet, auch die Briefe zuschreiben. Meyer v. Knonau hat diese Ansicht S. 21 als chronologisch unmöglich widerlegt. Ebenso bekämpft er S. 4 auch Notker, aber hier ist die Chronologie ganz unsicher, und mir erscheinen die Gründe für Notker auch jetzt noch überwiegend, u. so auch Zeumer, NA. VIII, 513-517. — Ueber Salomons Familie s. Graf Zeppelin, Thurgauische Beitr. XXX, 42.
[20]FrüherFormulae Alsaticaegenannt. Zum ersten Mal kritisch und vollständig herausgegeben von Dümmler: Das Formelbuch des Bischofs Salomo III, Leipzig 1857. Verbesserungen St. Gallische Denkm. S. 261. Verse von Notker (?) an Salomo S. 225. Ueber Salomo Formelbuch 103 ff. Denkm. 262 ff. Eine populäre Schilderung in: Das Kloster St. Gallen, vom historischen Verein, II, 1864, mit schöner Abbildung seines grossen C in Sintrams Evangelium longum. Das Formelbuch nach der Münchener Handschrift ed. Rockinger, Quellen zur bayerischen und deutschen Geschichte VII, und in De Rozière's Sammlung. Vgl. auch Heidemann, Salomon III von Constanz vor Antritt des Bisthums, Forsch. VII, 425-462. Dammert ib. VIII, 327-366. Vorzüglich aber jetzt Zeumer, Formulae Salomonis, NA. VIII, 506-540, u. seine Ausgabe MG. Form. p. 390-437. Ein merkwürdiges Denkmal der St. Galler Gelehrsamkeit und Schreibkunst ist das Psalterium, welches Salomo 909 schreiben ließ, mit 3 lateinischen Versionen und dem griechischen Text in lateinischen Buchstaben, mit einem einleitenden Gedicht; dieses neu herausgegeben von Dümmler, Ostfr. (1. Ausg.) II, 681, von Hamann: Canticum Moysi ex psalterio quadruplici Salomonis III (Lips. 1874), p. 18. Frühzeitig ist eine um 6 Verse am Anfang verstümmelte Abschrift der Verse verbreitet, s. Bianchini, Vindiciae p. CCLI, Codd. Colon. p. 3. 4.
[21]Zeumer, Reichenauer Formeln, NA. VIII, 481-505. Daselbst S. 547 ff. Nachweis, daß Iso nur irrthümlich Formeln zugeschrieben sind.
[22]Nach Canis. (II, 3, 245) berichtigt nach der Handschrift von Dümmler, Denkm. S. 239, mit dem größtentheils aus Reminiscenzen von Venantius bestehenden Trostgedicht von Waldram, und anderen Gedichten desselben. Vgl. Scherrers Verz. 73 über den Cod. 197. NA. IV, 550-554.
[23]Bei Dümmler, Denkm. S. 230-239 (v. 9. l. iterare, v. 42: si domui conjuncta domus primordia sumpsit.); vgl. W. Giesebrecht, Geschichte der Kaiserzeit I, 174, Dümmler, Ostfr. III, 527. Ueber die Salomo zugeschriebene Encyclopädie (Glossae Salomonis) s. Stälin I, 404, Scherrers Verz. S. 321 bis 323. Sie ist von älterem Ursprung und die Benennung ungerechtfertigt, doch könnte S. vielleicht diese Sammlung veranlaßt haben. Als Ableitung eines älteren Glossars nachgewiesen von G. Götz: Der liber glossarum, Leipz. 1891 (Abh. d. philol.-hist. Cl. der K. Sächs. G. d. W. XIII).
[24]Die älteste Lebensbeschreibung des Stifters,S. Pirmin, mit der Gründungsgeschichte von Reichenau (um 724) zuerst gedr. von Mone, Quellens. I, 30-36, ist nach Mone im neunten Jahrhundert in Reichenau verfaßt; in den Nachträgen S. 528 verlegt jedoch derselbe den Ursprung nach Hornbach und trifft darin zusammen mit Rettberg (II, 51), welcher ihre geschichtliche Werthlosigkeit nachweist, Dümmler verweist auch auf Wal. Visio Wett. v. 30 für den Ursprung in Hornbach. Dafür auch Holder-Egger in der Ausg.Vita PirminiiI. et II. cum miraculis MG. SS. XV, 17-35; vgl. p. 574a. Vgl. O. Breitenbach im NA. II, 170-174 über die von Gallus Oehem benutzte Bearbeitung. Sehr merkw. Predigt von ihm bei Caspari, Kirchenhist. Anecdota (1883) S. 151-159 (Dicta Priminii).
[25]Neugart Ep. Const. I, 142 aus Oheims Chronik, und jetzt Gallus Oheims Chronik von Reichenau ed. Barack (1866) S. 43. Oheim muß über die Bereicherung der Bibliothek und eingetretene Mönche in dieser Zeit, von Waldo bis Rudhelm, eine jetzt verlorene Quelle gehabt haben, die bis c. 840 reichte und vielleicht von Reginbert herrührte, s. O. Breitenbach, NA. II, 201. Waldo hat danach eine Zeit lang auch das Bisthum Pavia verwaltet. In der Visio Wettini büßt er für die Sünde des Geizes. Das Diptychon aus Erlebalds Zeit NA. IV, 72, ist das von Piper herausgegebene Verbrüderungsbuch.
[26]S. den 821 begonnenen Catalog bei Neugart I, 536-552, vgl. S. 152 und Mommsen, Die Chronik des Cass. Senator S. 573-585 über die von ihm angelegte hist. mathematische Sammlung. Auch die Carlsruher Vita Bonif. stammt daher, s. d. Inschrift MG. II, 332, Jaffé Bibl. III, 425. Fragment des Liber sextus in Libri's Auctionscatalog (1859) S. 246 mit Facsimile. Die Verse, welche er in die Bücher eintrug, Poet. Lat. II, 424, vgl. NA. XIII, 665.
[27]Baluzii Capit. II, 1382. Reginbert wird von ihnenflos juvenum forma speciosus amoenagenannt. Das Buch nebst einem zweiten von denselben geschenkten im Catalog S. 550. Das Martyrologium ed. A. Holder, Röm. Quartalschrift III, S. 204-261. Oben→ S. 60.
[28]Herm. Contr. a. 811, vgl. über ihn Neugart I, 142-148, Rettberg II, 93-96, und die Reichenauer Inschriften bei Mone, Quellens. III, 133. Dümmler, NA. IV, 284. Poet. Lat. II, 425. O. Seebass vermuthet in ihm den Vf. der Statuta Murbacensia, Zts. f. Kirchengesch. XII, 322 (NA. XVI, 645). — Gleichzeitige Aufzeichnung darüber, daß am 21. Dez. 823 das Bisthum Basel Odalrich commendirt wurde, in Mone's Zeitschr. f. Gesch. d. Oberrheins II, 384; MG. SS. XIII, 374 cum catal. epp. Basil.
[29]Poet. Lat. II, 350. Ein Brief von Tatto Bibl. III, 323.
[30]Heitonis Visio Wettini, abgedr. mit dem früher hier mitgetheilten Prolog bei Dümmler, Poet. Lat. II, 267-275. Walahfrids Bearbeitung ist durch seine Zuthaten besonders wichtig für die Geschichte des Klosters. Vgl. über die Anspielungen auf Bedränger desselben, und über die Nachahmung des Prudentius, Bock im Jahrb. d. Alterthumsfr. im Rheinland L, (1871) S. 7. — Meistens mit dieser Vision verbunden, findet sich im Cod. S. Galli 573, Lambac. qu. 77, Monac. Lat. 536 u. 18 546, Brux. 10 687, Run. 51, folgende:VISIO CUIUSDAM PAUPERCULAE MULIERIS.Fuit namque in Laudonico pago quaedam mulier paupercula, quae in extasi rapta rediens multa ac miranda narravit. Ducebat autem illam, ut ipsa referebat, quidam homo in monachico habitu constitutus, ubi requiem sanctorum et poenam iniquorum cernebat, talem qualem Paulus apostolus in epistola sua scribit: quod oculus non vidit nec auris audivit nec in cor hominis ascendit. Ibi etiam videbat quendam principem Italiae (Karl d. Gr. ganz ähnlich wie in der Visio Wettini) in tormentis, multosque alios notos, quosdam in poena, quosdam in gloria. Interrogavit illa eundem ductorem illius, si ille ad aeternam ultra vitam redire debuisset. At ille: Utique debet. Nam si Hlodouuicus, inquit, imperator, natus ejus, septem agapes pro illo pleniter dispensat, resolutus est. Pichonem (al. Picconem) vero hujus regis qui quondam fuit amicus, supinum jacere in tormentis, taetrosque spiritus duos aurum liquefacere et in os ejus infundere dicentes: Hinc sitisti in saeculo nec saturari potuisti; modo bibe ad saturitatem! Irmingartam namque reginam aeque in tormentis, quae super se habebat cautes tres quasi molares, unum super caput, alterum super pectus, tertium super dorsum, qui semper eam in profundum mergebant. Mira namque dicturus sum. Clamavit namque ad istam dicendo: Vade et dominum meum roga imperatorem, ut me misellam adjuvare dignetur. Et da ei signum ut sciat a me missam te fore, istud quod meae depositionis (desponsationis?) tempestate sola cum ipso loquebar in uno pomerio, et hoc statim bene cognoscet, quia adhuc hodie cunctos latet eadem locutio nisi nos tantum. Cumqueinde pergerent, ostendit ei ductor illius murum cujus cacumen coelum usque tendebat, et post eum alterum qui totus scriptus erat aureis caracteribus. Interrogavitque illa quid hoc esset. Terrestris, inquit, paradisus est, ubi nullus intrabit nisi qui hic scriptus reperitur. Imperavitque illi ut legeret. At illa ait: Non didici litteras. Scio inquit, sed tamen lege. Legit namque illa, et invenit nomen Bernharti quondam regis tam luculentis litteris exaratum sicut nullius ibidem fuit. Postea Hlodouuici regis tam obscurum et oblitteratum, ut vix agnosci potuisset. At illa: Quid est, inquit, quod istud nomen tam oblitteratum est? Antequam, ait, in Bernhartum homicidium perpetrasset, nullius ibi nomen clarius erat. Illius interfectio istius oblitteratio fuit. Vade et cave diligenter, ne horum quid regem celaveris. Illa vero non ausa conticuit. Non post multum rursum ammonuit eam, que ut prius conticuit. Tertia vero vice venit et dixit: Quid est quod non gestis obsecundare verbo Domini? Quae respondit: Domine, vilis sum persona, et ista non audeo in medum proferre. Ex hoc ait illi: Luminum tuorum non gaudebis, donec ea coram rege exponis. Cujus ilico pupilla caligine obducta est. Post dies multos venit in praesentiam regis, cuncta tradidit, lumenque recepit.Diese Visio ist wieder abgedruckt bei Malfatti: Bernardo rè d'Italia, Firenze 1876 (Nuova Antologia). Irmgard st. den 3. October 818; ihr schreibt auch Andreas Berg. c. 8. Bernhards Tod zu, der in den Ann. Aug. 817 und im Necrol. zum 17. Apr. verzeichnet ist. Daß Irmgard sich zur Zeit ihres Todes mit Ludwig gerade in einem Baumgarten unterhalten habe, scheint mir kaum wahrscheinlich. Ueber Picho oder Bego s. B. Simson, Ludwig d. Fr. I, 11 Anm. 8. Nach freundl. Mittheilung des H. Prof. Sievers in Jena steht die Visio auch im cod. Aug. 111 (Carlsr. 185) saec. X mit dem Schluß:Hinc quedam que mihi narravit minus commoda supersedenda sunt, ut ea introducantur, unde tota oratio sumpsit exordium.Danach scheint es ein Bruchstück aus einem unbekannten Werk zu sein. Es folgt auch hier die Visio Wettini, im cod. Sangall. dieVisio Barontivon 680 (Acta SS. Martii III, 570). Mit dieser ist in einer Petersb. Hs. verbunden dieVisio Rotcharii, viell. aus Fleury, worin Karl unter den Seligen erscheint, s. Anz. d. Germ. Mus. XXII, 73; Auszug bei Mabillon, Act. IV, 1, 667. Aehnlicher Art ist dieVisio Bernoldivon Hincmar, s. Ebert II, 256, der, wie Dümmler bemerkt, bei der Aufzählung der Visionen Alcuin de Sanctis Euboric. eccl. v. 875-1006 übersehen hat. — Inhaltsangaben bei C. Fritzsche, Die lat. Visionen des Mittelalters, in Vollmöllers Roman. Forsch. II.
VISIO CUIUSDAM PAUPERCULAE MULIERIS.
Fuit namque in Laudonico pago quaedam mulier paupercula, quae in extasi rapta rediens multa ac miranda narravit. Ducebat autem illam, ut ipsa referebat, quidam homo in monachico habitu constitutus, ubi requiem sanctorum et poenam iniquorum cernebat, talem qualem Paulus apostolus in epistola sua scribit: quod oculus non vidit nec auris audivit nec in cor hominis ascendit. Ibi etiam videbat quendam principem Italiae (Karl d. Gr. ganz ähnlich wie in der Visio Wettini) in tormentis, multosque alios notos, quosdam in poena, quosdam in gloria. Interrogavit illa eundem ductorem illius, si ille ad aeternam ultra vitam redire debuisset. At ille: Utique debet. Nam si Hlodouuicus, inquit, imperator, natus ejus, septem agapes pro illo pleniter dispensat, resolutus est. Pichonem (al. Picconem) vero hujus regis qui quondam fuit amicus, supinum jacere in tormentis, taetrosque spiritus duos aurum liquefacere et in os ejus infundere dicentes: Hinc sitisti in saeculo nec saturari potuisti; modo bibe ad saturitatem! Irmingartam namque reginam aeque in tormentis, quae super se habebat cautes tres quasi molares, unum super caput, alterum super pectus, tertium super dorsum, qui semper eam in profundum mergebant. Mira namque dicturus sum. Clamavit namque ad istam dicendo: Vade et dominum meum roga imperatorem, ut me misellam adjuvare dignetur. Et da ei signum ut sciat a me missam te fore, istud quod meae depositionis (desponsationis?) tempestate sola cum ipso loquebar in uno pomerio, et hoc statim bene cognoscet, quia adhuc hodie cunctos latet eadem locutio nisi nos tantum. Cumqueinde pergerent, ostendit ei ductor illius murum cujus cacumen coelum usque tendebat, et post eum alterum qui totus scriptus erat aureis caracteribus. Interrogavitque illa quid hoc esset. Terrestris, inquit, paradisus est, ubi nullus intrabit nisi qui hic scriptus reperitur. Imperavitque illi ut legeret. At illa ait: Non didici litteras. Scio inquit, sed tamen lege. Legit namque illa, et invenit nomen Bernharti quondam regis tam luculentis litteris exaratum sicut nullius ibidem fuit. Postea Hlodouuici regis tam obscurum et oblitteratum, ut vix agnosci potuisset. At illa: Quid est, inquit, quod istud nomen tam oblitteratum est? Antequam, ait, in Bernhartum homicidium perpetrasset, nullius ibi nomen clarius erat. Illius interfectio istius oblitteratio fuit. Vade et cave diligenter, ne horum quid regem celaveris. Illa vero non ausa conticuit. Non post multum rursum ammonuit eam, que ut prius conticuit. Tertia vero vice venit et dixit: Quid est quod non gestis obsecundare verbo Domini? Quae respondit: Domine, vilis sum persona, et ista non audeo in medum proferre. Ex hoc ait illi: Luminum tuorum non gaudebis, donec ea coram rege exponis. Cujus ilico pupilla caligine obducta est. Post dies multos venit in praesentiam regis, cuncta tradidit, lumenque recepit.
Diese Visio ist wieder abgedruckt bei Malfatti: Bernardo rè d'Italia, Firenze 1876 (Nuova Antologia). Irmgard st. den 3. October 818; ihr schreibt auch Andreas Berg. c. 8. Bernhards Tod zu, der in den Ann. Aug. 817 und im Necrol. zum 17. Apr. verzeichnet ist. Daß Irmgard sich zur Zeit ihres Todes mit Ludwig gerade in einem Baumgarten unterhalten habe, scheint mir kaum wahrscheinlich. Ueber Picho oder Bego s. B. Simson, Ludwig d. Fr. I, 11 Anm. 8. Nach freundl. Mittheilung des H. Prof. Sievers in Jena steht die Visio auch im cod. Aug. 111 (Carlsr. 185) saec. X mit dem Schluß:Hinc quedam que mihi narravit minus commoda supersedenda sunt, ut ea introducantur, unde tota oratio sumpsit exordium.Danach scheint es ein Bruchstück aus einem unbekannten Werk zu sein. Es folgt auch hier die Visio Wettini, im cod. Sangall. dieVisio Barontivon 680 (Acta SS. Martii III, 570). Mit dieser ist in einer Petersb. Hs. verbunden dieVisio Rotcharii, viell. aus Fleury, worin Karl unter den Seligen erscheint, s. Anz. d. Germ. Mus. XXII, 73; Auszug bei Mabillon, Act. IV, 1, 667. Aehnlicher Art ist dieVisio Bernoldivon Hincmar, s. Ebert II, 256, der, wie Dümmler bemerkt, bei der Aufzählung der Visionen Alcuin de Sanctis Euboric. eccl. v. 875-1006 übersehen hat. — Inhaltsangaben bei C. Fritzsche, Die lat. Visionen des Mittelalters, in Vollmöllers Roman. Forsch. II.
[31]Poet, Lat. II, 301-334.
[32]Herausgegeben von Mommsen im Rhein. Museum 1854, IX, 299. Poet. Lat. I, 114.
[33]Vgl. Dümmler, Ostfr. I, 322. Poet. Lat. II, 420.
[34]S. über ihn Dümmler, NA. IV, 270-286. 580 und die gesammelten Gedichte Poet. Lat. II, 259-423. Ebert II, 145-166. Hauck II, 600 ff. Opera Migne CXIII. CXIV. Eine Anleitung zur Metrik mit Beispielen, v. Huemer, NA. X, 166-169. Der von ihm besungene Blaithmaic st. 827; es kamen flüchtige Mönche von Hy nach Reichenau. NA. XVII, 210. — Dümmler, NA. VII, 402, Zeumer ib. VIII, 496-507, über die Reichenauer Briefformeln, aus Erlebolds u. Walahfrids Zeit mit geschichtlich nicht unwichtigen Briefen. — Im Jahresbericht über die Erziehungsanstalt des Benedictinerstifts Maria-Einsiedeln 1856/7 ist ein Versuch gemacht, die Jugendgeschichte Walahfrids von ihm selbst schildern zu lassen, welcher zuweilen irregeführt hat, als ob ein Original von ihm zu Grunde liege. Eine angebl. Urk. von W. von 843 ist Fälschung d. 12. Jhs. Brandi, Die Reichenauer Urkundenfälschungen, Heidelb. 1890.
[35]Poet. Lat. II, 350; eine andere, auch in Tatto's Namen, an den Landbischof Degan, S. 351.
[36]Formulae ed. Zeumer p. 376 n. 25.
[37]NA. XVII, 261-279.
[38]Poet. Lat. II, 301-333.
[39]Ad. Loth. v. 31. Zeitschr. f. D. Alt. XIX, 463. Poet. II, 414, und S. 259 weitere Belege für seine geringe Herkunft.
[40]Versus de imagine Tetrici, Poet. Lat. II, 370-378. Früher von C. P. Bock in den Jahrbüchern des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinland V (1844), von Dümmler in d. Zeitschr. f. D. Alt, XII, 461-470, vgl. XIX, 466. Sehr gewagte Hypothesen von H. Grimm: Das Reiterstandbild des Th. zu Aachen und das Gedicht des W. darauf, Berlin 1869. Dagegen die lehrreiche Abh. von Bock im angef. Jahrbuch L (1871) S. 1-52. Wieder abweichend Jul. v. Schlosser, Wiener SB. CXXIII (1891) S. 164-175.
[41]Bouq. VI, 269; vgl. B. Simson, Lud. d. Fr. II, 99. Dümmler, Hist. Zeitschr. XXXVII, 134; Poet. II, 388. Judith, hier Ioda genannt, schmückte für Ludwig ein Prachtgewand, welches Karl der Kahle der Röm. Paulskirche schenkte, seine Gemahlin Irmintrud vollendete mit gepriesener Kunstfertigkeit dieses und andere Gewänder, ähnlich Lothars Gemahlin Ermengarde, s. die von Dümmler mitgetheilten Verse, Zeitschr. f. D. Alt. XLX, 146-148.
[42]Dümmler in d. Zeitschr. f. D. Alt. XXI, 82-86. Poet. II, 403. 355.
[43]Dümmler in d. Zeitschr. f. D. Alt. XXI, 462-466. Poet. II, 413.
[44]Dümmler im Anz. d. Germ. Mus. XXIII (1876) 177-188. Poet. II, 415.
[45]Epitaphium ed. Dümmler, Zeitschr. f. D. Alt. XIX, 113. Poet. II, 423.
[46]Das sprachlich interessante Cap. 7 theilt Dümmler in d. Zts. f. D. Alt. XXV, 99, berichtigt mit. Neue Ausg. v. Al. Knoepfler, München 1890, vgl. Dümmler, NA. XVII, 224. Eine andere wird für MG. Capitularia II vorbereitet.
[47]Mab. Anal. p. 358. Hänel in Jahn und Seebode's Archiv, 5. Supplementband, S. 115. Mommsen in den Berichten über die Verhandlungen d. K. Sächs. G. d. W. Phil. Cl. 1850, IV, 287. Rhein. Museum 1854, IX, 296. Urlichs, Codex urbis Romae topographicus, Wirceb. 1871, S. 59-78. H. Jordan, Topogr. d. Stadt Rom II behandelt den topographischen Theil. De Rossi, Inscriptt. christt. II, 1. 1888.
[48]Vgl. über ihn E. Dümmler: Ueber Ermenrich von Ellwangen u. seine Schriften, Forsch. XIII, 473-485. XIV, 403. 404. NA. IV, 321. Er schrieb den Stiftungsbrief Salomons für Wiesensteig nach Bossert, Württ. Vierteljahrshefte 1889, S. 142.
[49]Als Hraban noch Abt war, also vor 842.Erm. Sermo de Vita S. Sualonis, ed. Holder-Egger SS. XV, 151-163. Im Anfang ist Sedulii Carmen paschale benutzt, nach Manitius, Wiener SB. CXXI, 6.
[50]Dümmler, St. Gall. Denkm. S. 248. Gundram nennt ereximii ministerii conlevita.
[51]Vita Hariolfied. Pertz, MG. SS. X, 11-15. Ermanrich u. Mahtolf, die Träger des Dialogs, sind beide im St. G. Verbrüderungsbuch ed. Piper, p. 44, col. 111. — Ausg. v. Giefel, Württ. Geschichtsqu. II. 1888.
[52]Dieses erwähnt Ermenrich in dem Briefe mit folgenden Worten: „Adjunxi autem et huic operi breve opusculum, quod de inceptione nostri coenobii et fratrum ibidem Deo famulantium vita conscripsi ipsaque dicta viro per omnia doctissimo Gozbaldo episcopo vel approbanda seu refutanda commendavi.“ Diese Worte lassen kaum daran zweifeln, daß die Vita Hariolfi gemeint ist, obgleich von den Ellwanger Mönchen nur wenig darin vorkommt; es spricht auch, wie Dümmler bemerkt, dafür die Stelle der Vita l. c. p. 11: „quis primus hujus loci cum Deo inceptor fuerit, quantique viri Deo amabiles sub eo exstiterint“. Daß ein anderer Ermenrich aus Reichenau zu derselben Zeit eine Geschichte dieses Klosters verfaßt und ebenfalls an Gozbald gesandt haben sollte, ist unglaublich.
[53]Das Sendschreiben ist vollständig zuerst herausgegeben von Dümmler im Haller Preisvertheilungsprogramm von 1873, und bes. Abdruck. Es ist voll von grammatischen Fehlern, die zum Theil vom Abschreiber herrühren mögen. Vgl. M. Haupt im Hermes I, 403 und Dümmler in d. Forsch. a. a. O.
[54]Dümmler, Piligrim von Passau S. 144.
[55]Mabillons treffliche Kritik ist bestätigt und ergänzt durch Rettberg II, 147-151, wo Plac. Brauns Versuch, den zweiten Theil zu retten, widerlegt ist. Für denselben sind neuerdings eingetreten Fr. Pfeiffer, Freie Forschung S. 295 aus Germania I, und Friedrich KG. II, 351-366. Das letzte Stück mit der Translationsgeschichte MG. SS. IV, 382. 425-427. Ueber eine jüngere Bearbeitung Archiv XI, 270. Nach einer Mittheilung von Baumann ist dessen Ansicht, daß man bei der Erhebung der Magnusreliquien um 851 im Kloster Füssen durch einen Ellwanger Mönch die Volksüberlieferung, wie sie bis dahin sich entwickelt hatte, niederschreiben ließ; in St. Gallen wollte man, als die Magnuskirche um 890 gebaut wurde, auch eine Legende haben, verwechselte ihn mit dem Maginold der Vita S. Galli und brachte so den Wechselbalg zu Stande.
[56]Im Sanctgaller Catalog saec. IX bei Weidmann S. 385 erwähnt alsCommemoratio de miraculis S. Genesii.AlsEx Miraculis S. Genesiied. Waitz, SS. XV, 169-172.
[57]Dieser wird, wie Dümmler bemerkt, bei Herrgott, Geneal. III, 832, als Wohlthäter von Reichenau erwähnt. Er erscheint im Verbrüderungsbuch S. 294, col. 466.
[58]Miracula S. Marcibei Mone, Quellens. I, 62-67: im Auszug MG. SS. IV, 449-452. Vgl. auch Quellens. III, 135.
[59]Mone, Quellens. I, 232 cf. Acta SS. Sept. VI, 787. Auf Fortunata und das Jahr 874 angewandt auch in der ersten Ausgabe dieses Buches S. 150 aus 2 Münchener Handschriften, da ich sie für ungedruckt hielt; vgl. Acta SS. Oct. VI, 456. Beide MG. SS. XV, 473, v. Holder-Egger.
[60]Auszüge aus der gänzlich fabelhaftenVita Simeonis Achivied. Waitz MG. SS. IV, 459.Annales Aug. breviss.541-817 ib. III, 136 sind ohne Werth.
[61]Vgl. darüber das schöne Werk des Prof. F. Adler: Baugeschichtliche Forschungen in Deutschland. I. Die Kloster-und Stiftskirchen auf der Insel Reichenau, Berlin 1870 folio. Marmor: Kurze Geschichte der kirchlichen Bauten und deren Kunstschätze auf der Insel Reichenau, Konstanz 1873. Der Text ist selbst für einen praktischen Arzt zu schlecht.
[62]Vita Findanied. Holder-Egger, SS. XV, 502-506. Vgl. Zeuss, Gramm. Celt. ed. II, p. 1003.
[63]Vita S. Meginratied. Holder-Egger, SS. XV, 444-448.
[64]Edd. Ild. v. Arx et G. H. Pertz, MG. I. 63-66; ed. Henking, St. Gall. Mitth. XIX, 220-223. Local, aber sehr dürftig sind (MG. I, 69. 70), dieAnnales brevissimi Sangallenses768-889 (ed. Henking, ib. p. 206 bis 209; Vf. nach S. 208Albrich) und 814-961 (ib. S. 210-212), während die Fortsetzung derAnn. S. G. Baluzii(oben→ S. 141) 768-814 allgemeiner Art ist. Kurze Aufzeichnungen an Ostertafeln 690-856 ed. Dümmler, NA. V, 428.
[65]S. die berichtigte Ausgabe von Jaffé, Bibl. III, 700-706.
[66]Ecclesiae Colon. Codd. p. 127. Mit dieser beschäftigt sich W. Erben, NA. XVI, 613 ff.
[67]S. unten IV § 8. Ueber Adalbero's Besuch in St. Gallen 908 und seine reichen Schenkungen s. das Verbrüderungsbuch S. 15. Jul. Hans, Beiträge zur Geschichte des Augsburger Schulwesens in der Zeitschrift des hist. Vereins f. Schwaben u. Neuburg II, 1 (1875) stellt die dürftigen Nachrichten darüber zusammen.
[68]Translatio et Miracula S. Adelphied. L. v. Heinemann, SS. XV, 293-296, mit einem Wunder von 1198 aus der Fehde zwischen Heinrichs VI Bruder Otto u. B. Conrad v. Straßburg.