II. Die Karolinger.

[1]Vgl. Brosien, Quellen Dagoberts S. 47 ff.[2]SS. Meroving. II, 341-348.[3]ib. 349-357.[4]Auctt. antt. IV, 2, 11-27.[5]Anal. Bolland. IX. fasc. 3.[6]Analecta Bolland. VII, 387, vgl. Krusch, NA. XVI, 225-234.[7]Labbe, Bibl. nova I, 699 u. App. vgl. Krusch, Forsch. XXII, 466.[8]D'Achery Spicil. V, 156. Hall. Diss. v. O. Reich, 1872. Uebers. im Auszug Geschichtschr. XI (VII, 2) S. 160-173.[9]Acta SS. Aug. IV, 805, vgl. NA. XII, 603. Verse zu einem Lobe von seinem Nachfolger Ansibert NA. XIV, 171.[10]Ueber das Bruchstück einer gleichzeitigen Vita, die Fälschungen des Ursinus, die Compilation des Anonymus aus beiden, Krusch, NA. XVI, 563-596. Die Vita metrica (nicht von Walahfrid) Poet. Lat. III, 1-37. Uebers. des Anon. Geschichtschr. XI (VII, 2) S. 141-156.[11]SS. Meroving. II, 475-508. Auszug Geschichtschr. XI (VII, 2) S. 157-159.[12]ib. S. 509-524.[13]Vgl. NA. XVII, 223.[14]Ueber ihn und seine Biographen Baudemund und Milo s. Rettberg I, 554. Brosien S. 49.[15]Eine seltsam sagenhafte Aufzeichnung in einem Leidener Cod. s. XII läßt die röm. Lehrer vor den Hunnen und andern Barbaren nach Irland flüchten, mitgeth. v. Luc. Müller, Neue Jahrbb. f. Philol. XCIII, 389.[16]Vgl. F. Keller, Bilder und Schriftzüge in den irischen Manuscripten der schweizerischen Bibliotheken (Mittheilungen der Antiquarischen Gesellsch. in Zürich VII, 3) 1851. Wattenbach, die Congregation der Schottenklöster in Deutschland, in der Archäologischen Zeitschrift von Otte und von Quast, Heft 1 und 2. Hauréau. Écoles d'Irlande, Singularités hist. (1861) p. 1 bis 36. Arbois de Jubainville, Introduction à l'étude de la litt. Celtique. Die seltsamen Ansichten Ebrards über die Culdeer in der Zeitschr. f. hist. Theol. XXXII u. XXXIII (Die Irische Missionskirche 1873. Bonifatius, der Zerstörer des Columbanischen Kirchenthums auf dem Festlande, 1882) kann ich nur erwähnen, um davor zu warnen. Hier ist Friedrichs Polemik durchaus zutreffend. Auch O. Reich bekämpft sie. Jetzt kann verwiesen werden auf Loofs, Antiquae Britonum Scotorumque ecclesiae quales fuerint mores etc. Lips. 1882. Keledei, verheirathete Anachoreten, kommen erst im 8. Jahrh. auf, nach R. Pauli's Anz. von Skene, Celtic Scotland II, GGA. 1878. S. 1015 ff.[17]Vgl. Rettberg II, 35. G. Hertel, Ueber des h. Columba (so schrieb er selbst seinen Namen) Leben u. Schriften, bes. über seine Klosterregel. Zeitschr. f. hist. Theol. 1875. III, 396-454. Hauck I, 240-276.Vita S. Columbani auct. Jona abb. Bobiensi, Mab. Actt. II, 5. Im Ausz. übers. von Abel, hinter Fredegar. Daran schließt sich als zweites Buch dieV. Attalae abb. Bob.(Mab. II, 123) undEustasii(S. 116); dieVita BurgundofaraeoderGesta in coenobio Ebroicensi(S. 439) undV. Bertulti abb. Bob.(S. 160). Ueber die aus der Vita Eustasii schöpfenden Biographen des Agilus und der Salaberga s. Büdinger, SB. der Wiener Akad. XXIII, 372-383. Brosien S. 51. Columbans Schüler, der Ire Deicolus, stiftete Lutra (Lure oder Saint-Diey), welches nach gänzlichem Verfall mit Otto's I Hülfe hergestellt wurde durch Baltram, dem sein Neffe Werdolf folgte (Dümmler Otto I S. 309). Dieser veranlaßte die Aufzeichnung derVita S. Deicoli, Acta SS. Jan. II, 199 bis 210. Mab. II, 102-116. Weil Lutra an Waldrada gekommen war, finden sich darin sagenhafte Nachrichten über Lothar II. —Versus de Bobuleno abbate, einen alphabetischen Rhythmus auf Bertulfs Nachfolger in Bobio, nicht gleichzeitig u. ohne viel Inhalt, hat Dümmler herausgegeben, NA. X, 334.[18]Im J. 590 nach G. Hertel, Anm. z. Gesch. Columba's, Zeitschr. f. Kirchengesch. III, 145-150. — Ueber C. Briefe s. Krusch, NA. X, 84-88; Gundlach ib. XV, 497-526; Seebass ib. XVII, 243-259 u. Entgegnung v. Gundlach S. 425-429. — E. Dümmler, NA. X, 190, wo er das RuderliedEn silvis caesaherausgiebt, vermuthet einen jüngeren irischen Dichter Columban, spätestens aus der ersten karoling. Zeit, der mit Horaz und Vergil vertraut war. Manitius, Gesch. d. christl. lat. Poesie, S. 390 für unsern Columban.[19]In dem Antiphonarium monasterii Benchorensis, ed. Muratori, Anecdota Bibl. Ambros. IV, 121-159 (Verbesserungen von A. Peyron, Ciceronis Orationum Fragmenta, 1824, Anhang S. 224-226). Vgl. Manitius S. 482. Bei demselben Antt. III, 817 der wichtige Catalog der Bob. Bibliothek saec. X. Sacramentarium Gallicanum aus Bobio in Halbuncialschrift saec. VII, ed. Mabillon, Mus. Ital. I, 2, 273-397. Von Luxeuil aus ist c. 657Corbiedurch die KöniginBalthildegestiftet, daher Notizen von dort im Calend. Corbeiense, gedr. NA. X, 91.[20]Möglich, daß Columban selbst noch die arianischen Schriften sammelte, um sie zu widerlegen, wie Krafft, De fontibus Ulfilae Arianismi p. 18-20 annimmt, weil alle gothischen Reste von da stammen. Ob man sie aber damals noch verstand? Nicht lange nachher begann man sicher zu rescribiren. Ebrard in der Zeitschr. f. hist. Theol. XXXII, 403 giebt die merkwürdige Inschrift des Cod. Erlang. von Hieron. de viris ill. (mit dem üblichen Lesefehlerquumst.quoniam), wonach es scheint, als sei unser Text durch Columban aus einer beschädigten Handschrift auszugsweise hergestellt.[21]Vita S. Johannis Reomensis.Nach Fr. Stöber, Wiener SB. CIX, 319-398 ist es die unvollständig erhaltene des cod. Fossatensis, die anderen Versionen jüngere Bearbeitungen. Das. S. 330 (gegen A. Jahn) der Nachweis, dass dieV. Romani abb. Jur.keine Fälschung, sondern echt und alt ist.[22]MG. SS. II, 1-21 von Ild. v. Arx nach der von ihm wieder aufgefundenen Handschrift zuerst herausgegeben. Daraus Acta SS. Oct. VII, 860. Vgl. Stälins Wirt. Gesch. II, 167, Rettberg II, 40. Uebersetzung von Potthast, Geschichtschr. 12 (VIII, 1) 1888. Neue Ausg. von G. Meyer v. Knonau, in den Mitth. z. vaterl. Gesch. (S. Gallen 1870) XII, 1-61. Nach einem älteren Irrthum von Arx ist S. 16 die Feldflascheascopamit der Reliquiencapsel verwechselt. Der metr. Prolog bei Dümmler, Poet. Carol. II, 476, cf. 701.[23]S. Weidmann, Gesch. d. Stiftsbibl. S. 485. Gust. Scherer, Verzeichniß der Handschriften S. 172-175.[24]Schon Jodocus Metzler vermuthete ihn, doch ohne einen Beweis dafür zu geben; vgl. auch Mab. Anal. IV, 640.[25]Mabillon, Acta SS. II, 511 aus Acta SS. Feb. III, 263.[26]Mit Arbogast, Theodat und Hildulf sollFlorentiuszu Dagoberts Zeit aus Irland gekommen und Bischof von Straßburg geworden sein, das Kloster Haslach gegründet haben. Die Namen sind nichts weniger als irisch, die Legende, deren Wunder von anderen bekannten copirt sind, sehr jung und völlig unbrauchbar. Neue Ausgabe der Vita Florentii bei Ch. Schmidt, Histoire du Chapitre de Saint-Thomas de Strasbourg (1860), p. 283. Vgl. Rettberg II, 65. — Ueber das ganz unbrauchbare Leben Trudperts s.Anm.→2auf S. 122.[27]Ich rechnete hierhin früher auchFridolin, glaube aber jetzt, daß dies ein fränkisch umgemodelter Schottenname ist, da es von Columban Verse an einenFedoliusgiebt, und auch Petrus Damiani Opp. II, 9 denFredelinusin Poitiers als Schotten bezeichnet. Die Legende (Mone, Quellens. I, 1-16, alte Uebers. 99-111) aber gewinnt dadurch wenig, sie soll vonBalther, einem Seckinger Mönch in einem unfindbaren Kloster Helera ad Musellam, auch einer Stiftung Fridolins zu Ehren des h. Hilarius, entdeckt und wegen Mangels an Pergament und Dinte auswendig gelernt, dann in Seckingen aufgeschrieben und mit einem zweiten Theil aus localer Tradition versehen sein. Ich kann darin nur eine Erfindung sehen, wie sie ähnlich auch sonst zur Einführung erdichteter Legenden vorkommen, und halte auch Balthers Namen und die Widmung an einen Notker für Fiction. Vgl. Rettberg II, 29. Stälin I, 166. — Von den Versuchen, die Legende ganz oder theilweise zu retten, erwähne ich Lütolf: Die Glaubensboten der Schweiz vor Gallus (Luc. 1871), S. 267 ff. Die Erwähnung einerVita Fredeliniin Poitiers bei Petrus Dam. Opp. II, 9, worauf hier Gewicht gelegt wird, ist merkwürdig; aber was von diesem gesagt wird, stimmt wenig zu unserer Legende. Seine Existenz und Herkunft sind allerdings jetzt besser festgestellt. Gegen G. Heer, der einen hist. Kern retten will (NA. XIV, 627), G. Meyer v. Knonau im Anz. f. Schw. Gesch. 1889, S. 377.[28]Vgl. S. Riezler: Ueber die Entstehungszeit der Lex Bajuwariorum, Forsch. XVI, 409-446.[29]Vgl. die Abhandlung von Blumberger: Ueber die Frage vom Zeitalter des heiligen Rupert, im Archiv der W. Ak. X, 329-368. Gegen die immer wiederholten Bemühungen, Rupert dem 6. Jahrh. zuzuweisen, habe ich mich in den Heidelb. Jahrbb. 1870 S. 24 ausgesprochen; mir zustimmend Riezler a. a. O. S. 418; auch Zillner, Streifzüge, in den Mitth. d. Ges. f. Salzb. Landeskunde 1878. Vgl. auch Hauck I, 337-342.[30]Die Nachricht aus irl. Annalen von einem Fergil oder Feirgil, genannt der Geometer, der Abt von Aghaboe gewesen war, und im 30. Jahre seiner Bischofswürde in Deutschland 789 gestorben, ist ungenau. Zimmer, NA. XVII, 211.[31]MG. SS. XI, 4. 5. Doch konnte ich dem von Büdinger Oest. Gesch. I, 101 geltend gemachten Grunde für die Abfassung des ersten Theils unter Virgil nicht beistimmen. Auch hat Blumberger: Ueber die Frage, ob der heilige Rupert das Apostelamt in Baiern bis an sein Lebensende geführt habe, im Archiv der Wiener Akademie XVI, 225-238, mich nicht von Ruperts Rückkehr nach Worms überzeugt, da es mir unglaublich ist, daß die Translation der Gebeine vergessen oder unerwähnt geblieben sein könnte. Andere Gründe dagegen bei Al. Huber: Das Grab des h. Rupert, Arch. d. W. A. XL, 275-321. — Unbrauchbar ist das nach der Elevation von 816 geschriebeneLeben Trudperts, den man wohl nur wegen der Aehnlichkeit des Namens zu einem Bruder Ruperts machte, bei Mone, Quellens. I, 19. Vgl. Stälin I, 167. Rettberg II, 48. Potthast S. 913. Facs. aus den Actis bei Herrgott, Geneal. I, p. XVIII.[32]Die Vita S. Hrodberti in älterer Gestalt. Arch. d. W. Ak. LXIII, 595 bis 608. Hauck II, 380 für Veranlassung dieser Vita durch Virgil.←[33]Münch. SB. 1883. S. 509-547.[34]So auch in dem aus Regensburg stammenden Veroneser Sacramentar (Saltisburgo). Delisle, Sacram. p. 194.[35]Acta SS. Sept. VI, 474. Vgl. Rettberg II, 189. Hauck I, 342. Nach Hugo Graf Walderdorff, Regensburg (3. Aufl.) S. 137, ist die ursprüngliche FormHeimraban, in einem Kalend. saec. VIII.Emhram. Vgl. Riezler, Forsch. XVIII, 528, über den Ort seines Todes. Neue Ausg. v. B. Sepp, Anal. Bolland. VIII, 211-240 u. Sep. Ausg. 1890. Nach Riezler muss es eine Ueberarbeitung sein.[36]Meichelbeck Hist. Fris. I, 2 p. 3. Acta SS. Sept. III, 281. Vgl. Rettberg II, 213, Hauck I, 345, und über beide M. Büdinger, Zur Kritik altbaier. Geschichte, Wiener SB. XXIII. Darin wird auch die früher herrschende Ansicht von der Anwesenheit des Eustasius und Agilus in Baiern bekämpft, welche jetzt G. Waitz, Gött. Nachr. 1869 S. 136, Friedrich, Münch. SB. 1874, I, 358, Riezler, Forsch. XVI, 417, wieder in Schutz nehmen. Büd. Oest. Gesch. I, 85, 94, und über Aribo S. 141. Aelteste Form der V. Corbiniani im Cod. Mus. Brit. 11880, her. von Riezler, Abh. d. Münch. Akad. III. Cl. XVIII, 1 (1888). Die Bearbeitung ist nach ihm wahrscheinlich vonHrotrohc, einem Mönch von Tegernsee, dem eine V. Corb. zugeschrieben wird, saec. IX. X. Vgl. auch Dr. David Schönherr: Ueber die Lage der angeblich verschütteten Römerstadt Maja, Innsbr. 1873. Corpus Inscr. Lat. III, 707. V, 543.[37]Er nennt sich auchCyrinusnach der Deutung des NamenCyrusalshaeresbei Hieronymus de nominibus Hebraeorum.[38]Canis III, 1, 180. Mab. II, 991. Acta SS. Jul. II, 612. Vgl. Stälin I, 167. Rettberg II, 303. Das älteste Zeugniß für Kilians Martyrium ist im Necrolog. Wirzib. s. IX. bei Eckhardt, Comm. de or. Francia I, 831. Dümmler, Forsch. VI, 116. 118. Piper, Karls d. Gr. Kalend. S. 26. Ueber die in Kilians Grab gefundene Bibel in Uncialschrift Eckhardt Franc. Or. I, 451, Schepss, Die ältesten Evangelienhss. der Univ.-Bibl. (1887) S. 6. Facsim. bei Zangemeister u. Wattenbach, Exempla tab. LVIII. Irische Handschriften in Würzburg: Archiv VII, 106; Catalogue of Manuscripts in the British Museum, New Series I. 1843 fol. Tab. 1, 3; Zeuß, Grammatica Celtica, p. XX.

[1]Vgl. Brosien, Quellen Dagoberts S. 47 ff.

[2]SS. Meroving. II, 341-348.

[3]ib. 349-357.

[4]Auctt. antt. IV, 2, 11-27.

[5]Anal. Bolland. IX. fasc. 3.

[6]Analecta Bolland. VII, 387, vgl. Krusch, NA. XVI, 225-234.

[7]Labbe, Bibl. nova I, 699 u. App. vgl. Krusch, Forsch. XXII, 466.

[8]D'Achery Spicil. V, 156. Hall. Diss. v. O. Reich, 1872. Uebers. im Auszug Geschichtschr. XI (VII, 2) S. 160-173.

[9]Acta SS. Aug. IV, 805, vgl. NA. XII, 603. Verse zu einem Lobe von seinem Nachfolger Ansibert NA. XIV, 171.

[10]Ueber das Bruchstück einer gleichzeitigen Vita, die Fälschungen des Ursinus, die Compilation des Anonymus aus beiden, Krusch, NA. XVI, 563-596. Die Vita metrica (nicht von Walahfrid) Poet. Lat. III, 1-37. Uebers. des Anon. Geschichtschr. XI (VII, 2) S. 141-156.

[11]SS. Meroving. II, 475-508. Auszug Geschichtschr. XI (VII, 2) S. 157-159.

[12]ib. S. 509-524.

[13]Vgl. NA. XVII, 223.

[14]Ueber ihn und seine Biographen Baudemund und Milo s. Rettberg I, 554. Brosien S. 49.

[15]Eine seltsam sagenhafte Aufzeichnung in einem Leidener Cod. s. XII läßt die röm. Lehrer vor den Hunnen und andern Barbaren nach Irland flüchten, mitgeth. v. Luc. Müller, Neue Jahrbb. f. Philol. XCIII, 389.

[16]Vgl. F. Keller, Bilder und Schriftzüge in den irischen Manuscripten der schweizerischen Bibliotheken (Mittheilungen der Antiquarischen Gesellsch. in Zürich VII, 3) 1851. Wattenbach, die Congregation der Schottenklöster in Deutschland, in der Archäologischen Zeitschrift von Otte und von Quast, Heft 1 und 2. Hauréau. Écoles d'Irlande, Singularités hist. (1861) p. 1 bis 36. Arbois de Jubainville, Introduction à l'étude de la litt. Celtique. Die seltsamen Ansichten Ebrards über die Culdeer in der Zeitschr. f. hist. Theol. XXXII u. XXXIII (Die Irische Missionskirche 1873. Bonifatius, der Zerstörer des Columbanischen Kirchenthums auf dem Festlande, 1882) kann ich nur erwähnen, um davor zu warnen. Hier ist Friedrichs Polemik durchaus zutreffend. Auch O. Reich bekämpft sie. Jetzt kann verwiesen werden auf Loofs, Antiquae Britonum Scotorumque ecclesiae quales fuerint mores etc. Lips. 1882. Keledei, verheirathete Anachoreten, kommen erst im 8. Jahrh. auf, nach R. Pauli's Anz. von Skene, Celtic Scotland II, GGA. 1878. S. 1015 ff.

[17]Vgl. Rettberg II, 35. G. Hertel, Ueber des h. Columba (so schrieb er selbst seinen Namen) Leben u. Schriften, bes. über seine Klosterregel. Zeitschr. f. hist. Theol. 1875. III, 396-454. Hauck I, 240-276.Vita S. Columbani auct. Jona abb. Bobiensi, Mab. Actt. II, 5. Im Ausz. übers. von Abel, hinter Fredegar. Daran schließt sich als zweites Buch dieV. Attalae abb. Bob.(Mab. II, 123) undEustasii(S. 116); dieVita BurgundofaraeoderGesta in coenobio Ebroicensi(S. 439) undV. Bertulti abb. Bob.(S. 160). Ueber die aus der Vita Eustasii schöpfenden Biographen des Agilus und der Salaberga s. Büdinger, SB. der Wiener Akad. XXIII, 372-383. Brosien S. 51. Columbans Schüler, der Ire Deicolus, stiftete Lutra (Lure oder Saint-Diey), welches nach gänzlichem Verfall mit Otto's I Hülfe hergestellt wurde durch Baltram, dem sein Neffe Werdolf folgte (Dümmler Otto I S. 309). Dieser veranlaßte die Aufzeichnung derVita S. Deicoli, Acta SS. Jan. II, 199 bis 210. Mab. II, 102-116. Weil Lutra an Waldrada gekommen war, finden sich darin sagenhafte Nachrichten über Lothar II. —Versus de Bobuleno abbate, einen alphabetischen Rhythmus auf Bertulfs Nachfolger in Bobio, nicht gleichzeitig u. ohne viel Inhalt, hat Dümmler herausgegeben, NA. X, 334.

[18]Im J. 590 nach G. Hertel, Anm. z. Gesch. Columba's, Zeitschr. f. Kirchengesch. III, 145-150. — Ueber C. Briefe s. Krusch, NA. X, 84-88; Gundlach ib. XV, 497-526; Seebass ib. XVII, 243-259 u. Entgegnung v. Gundlach S. 425-429. — E. Dümmler, NA. X, 190, wo er das RuderliedEn silvis caesaherausgiebt, vermuthet einen jüngeren irischen Dichter Columban, spätestens aus der ersten karoling. Zeit, der mit Horaz und Vergil vertraut war. Manitius, Gesch. d. christl. lat. Poesie, S. 390 für unsern Columban.

[19]In dem Antiphonarium monasterii Benchorensis, ed. Muratori, Anecdota Bibl. Ambros. IV, 121-159 (Verbesserungen von A. Peyron, Ciceronis Orationum Fragmenta, 1824, Anhang S. 224-226). Vgl. Manitius S. 482. Bei demselben Antt. III, 817 der wichtige Catalog der Bob. Bibliothek saec. X. Sacramentarium Gallicanum aus Bobio in Halbuncialschrift saec. VII, ed. Mabillon, Mus. Ital. I, 2, 273-397. Von Luxeuil aus ist c. 657Corbiedurch die KöniginBalthildegestiftet, daher Notizen von dort im Calend. Corbeiense, gedr. NA. X, 91.

[20]Möglich, daß Columban selbst noch die arianischen Schriften sammelte, um sie zu widerlegen, wie Krafft, De fontibus Ulfilae Arianismi p. 18-20 annimmt, weil alle gothischen Reste von da stammen. Ob man sie aber damals noch verstand? Nicht lange nachher begann man sicher zu rescribiren. Ebrard in der Zeitschr. f. hist. Theol. XXXII, 403 giebt die merkwürdige Inschrift des Cod. Erlang. von Hieron. de viris ill. (mit dem üblichen Lesefehlerquumst.quoniam), wonach es scheint, als sei unser Text durch Columban aus einer beschädigten Handschrift auszugsweise hergestellt.

[21]Vita S. Johannis Reomensis.Nach Fr. Stöber, Wiener SB. CIX, 319-398 ist es die unvollständig erhaltene des cod. Fossatensis, die anderen Versionen jüngere Bearbeitungen. Das. S. 330 (gegen A. Jahn) der Nachweis, dass dieV. Romani abb. Jur.keine Fälschung, sondern echt und alt ist.

[22]MG. SS. II, 1-21 von Ild. v. Arx nach der von ihm wieder aufgefundenen Handschrift zuerst herausgegeben. Daraus Acta SS. Oct. VII, 860. Vgl. Stälins Wirt. Gesch. II, 167, Rettberg II, 40. Uebersetzung von Potthast, Geschichtschr. 12 (VIII, 1) 1888. Neue Ausg. von G. Meyer v. Knonau, in den Mitth. z. vaterl. Gesch. (S. Gallen 1870) XII, 1-61. Nach einem älteren Irrthum von Arx ist S. 16 die Feldflascheascopamit der Reliquiencapsel verwechselt. Der metr. Prolog bei Dümmler, Poet. Carol. II, 476, cf. 701.

[23]S. Weidmann, Gesch. d. Stiftsbibl. S. 485. Gust. Scherer, Verzeichniß der Handschriften S. 172-175.

[24]Schon Jodocus Metzler vermuthete ihn, doch ohne einen Beweis dafür zu geben; vgl. auch Mab. Anal. IV, 640.

[25]Mabillon, Acta SS. II, 511 aus Acta SS. Feb. III, 263.

[26]Mit Arbogast, Theodat und Hildulf sollFlorentiuszu Dagoberts Zeit aus Irland gekommen und Bischof von Straßburg geworden sein, das Kloster Haslach gegründet haben. Die Namen sind nichts weniger als irisch, die Legende, deren Wunder von anderen bekannten copirt sind, sehr jung und völlig unbrauchbar. Neue Ausgabe der Vita Florentii bei Ch. Schmidt, Histoire du Chapitre de Saint-Thomas de Strasbourg (1860), p. 283. Vgl. Rettberg II, 65. — Ueber das ganz unbrauchbare Leben Trudperts s.Anm.→2auf S. 122.

[27]Ich rechnete hierhin früher auchFridolin, glaube aber jetzt, daß dies ein fränkisch umgemodelter Schottenname ist, da es von Columban Verse an einenFedoliusgiebt, und auch Petrus Damiani Opp. II, 9 denFredelinusin Poitiers als Schotten bezeichnet. Die Legende (Mone, Quellens. I, 1-16, alte Uebers. 99-111) aber gewinnt dadurch wenig, sie soll vonBalther, einem Seckinger Mönch in einem unfindbaren Kloster Helera ad Musellam, auch einer Stiftung Fridolins zu Ehren des h. Hilarius, entdeckt und wegen Mangels an Pergament und Dinte auswendig gelernt, dann in Seckingen aufgeschrieben und mit einem zweiten Theil aus localer Tradition versehen sein. Ich kann darin nur eine Erfindung sehen, wie sie ähnlich auch sonst zur Einführung erdichteter Legenden vorkommen, und halte auch Balthers Namen und die Widmung an einen Notker für Fiction. Vgl. Rettberg II, 29. Stälin I, 166. — Von den Versuchen, die Legende ganz oder theilweise zu retten, erwähne ich Lütolf: Die Glaubensboten der Schweiz vor Gallus (Luc. 1871), S. 267 ff. Die Erwähnung einerVita Fredeliniin Poitiers bei Petrus Dam. Opp. II, 9, worauf hier Gewicht gelegt wird, ist merkwürdig; aber was von diesem gesagt wird, stimmt wenig zu unserer Legende. Seine Existenz und Herkunft sind allerdings jetzt besser festgestellt. Gegen G. Heer, der einen hist. Kern retten will (NA. XIV, 627), G. Meyer v. Knonau im Anz. f. Schw. Gesch. 1889, S. 377.

[28]Vgl. S. Riezler: Ueber die Entstehungszeit der Lex Bajuwariorum, Forsch. XVI, 409-446.

[29]Vgl. die Abhandlung von Blumberger: Ueber die Frage vom Zeitalter des heiligen Rupert, im Archiv der W. Ak. X, 329-368. Gegen die immer wiederholten Bemühungen, Rupert dem 6. Jahrh. zuzuweisen, habe ich mich in den Heidelb. Jahrbb. 1870 S. 24 ausgesprochen; mir zustimmend Riezler a. a. O. S. 418; auch Zillner, Streifzüge, in den Mitth. d. Ges. f. Salzb. Landeskunde 1878. Vgl. auch Hauck I, 337-342.

[30]Die Nachricht aus irl. Annalen von einem Fergil oder Feirgil, genannt der Geometer, der Abt von Aghaboe gewesen war, und im 30. Jahre seiner Bischofswürde in Deutschland 789 gestorben, ist ungenau. Zimmer, NA. XVII, 211.

[31]MG. SS. XI, 4. 5. Doch konnte ich dem von Büdinger Oest. Gesch. I, 101 geltend gemachten Grunde für die Abfassung des ersten Theils unter Virgil nicht beistimmen. Auch hat Blumberger: Ueber die Frage, ob der heilige Rupert das Apostelamt in Baiern bis an sein Lebensende geführt habe, im Archiv der Wiener Akademie XVI, 225-238, mich nicht von Ruperts Rückkehr nach Worms überzeugt, da es mir unglaublich ist, daß die Translation der Gebeine vergessen oder unerwähnt geblieben sein könnte. Andere Gründe dagegen bei Al. Huber: Das Grab des h. Rupert, Arch. d. W. A. XL, 275-321. — Unbrauchbar ist das nach der Elevation von 816 geschriebeneLeben Trudperts, den man wohl nur wegen der Aehnlichkeit des Namens zu einem Bruder Ruperts machte, bei Mone, Quellens. I, 19. Vgl. Stälin I, 167. Rettberg II, 48. Potthast S. 913. Facs. aus den Actis bei Herrgott, Geneal. I, p. XVIII.

[32]Die Vita S. Hrodberti in älterer Gestalt. Arch. d. W. Ak. LXIII, 595 bis 608. Hauck II, 380 für Veranlassung dieser Vita durch Virgil.←

[33]Münch. SB. 1883. S. 509-547.

[34]So auch in dem aus Regensburg stammenden Veroneser Sacramentar (Saltisburgo). Delisle, Sacram. p. 194.

[35]Acta SS. Sept. VI, 474. Vgl. Rettberg II, 189. Hauck I, 342. Nach Hugo Graf Walderdorff, Regensburg (3. Aufl.) S. 137, ist die ursprüngliche FormHeimraban, in einem Kalend. saec. VIII.Emhram. Vgl. Riezler, Forsch. XVIII, 528, über den Ort seines Todes. Neue Ausg. v. B. Sepp, Anal. Bolland. VIII, 211-240 u. Sep. Ausg. 1890. Nach Riezler muss es eine Ueberarbeitung sein.

[36]Meichelbeck Hist. Fris. I, 2 p. 3. Acta SS. Sept. III, 281. Vgl. Rettberg II, 213, Hauck I, 345, und über beide M. Büdinger, Zur Kritik altbaier. Geschichte, Wiener SB. XXIII. Darin wird auch die früher herrschende Ansicht von der Anwesenheit des Eustasius und Agilus in Baiern bekämpft, welche jetzt G. Waitz, Gött. Nachr. 1869 S. 136, Friedrich, Münch. SB. 1874, I, 358, Riezler, Forsch. XVI, 417, wieder in Schutz nehmen. Büd. Oest. Gesch. I, 85, 94, und über Aribo S. 141. Aelteste Form der V. Corbiniani im Cod. Mus. Brit. 11880, her. von Riezler, Abh. d. Münch. Akad. III. Cl. XVIII, 1 (1888). Die Bearbeitung ist nach ihm wahrscheinlich vonHrotrohc, einem Mönch von Tegernsee, dem eine V. Corb. zugeschrieben wird, saec. IX. X. Vgl. auch Dr. David Schönherr: Ueber die Lage der angeblich verschütteten Römerstadt Maja, Innsbr. 1873. Corpus Inscr. Lat. III, 707. V, 543.

[37]Er nennt sich auchCyrinusnach der Deutung des NamenCyrusalshaeresbei Hieronymus de nominibus Hebraeorum.

[38]Canis III, 1, 180. Mab. II, 991. Acta SS. Jul. II, 612. Vgl. Stälin I, 167. Rettberg II, 303. Das älteste Zeugniß für Kilians Martyrium ist im Necrolog. Wirzib. s. IX. bei Eckhardt, Comm. de or. Francia I, 831. Dümmler, Forsch. VI, 116. 118. Piper, Karls d. Gr. Kalend. S. 26. Ueber die in Kilians Grab gefundene Bibel in Uncialschrift Eckhardt Franc. Or. I, 451, Schepss, Die ältesten Evangelienhss. der Univ.-Bibl. (1887) S. 6. Facsim. bei Zangemeister u. Wattenbach, Exempla tab. LVIII. Irische Handschriften in Würzburg: Archiv VII, 106; Catalogue of Manuscripts in the British Museum, New Series I. 1843 fol. Tab. 1, 3; Zeuß, Grammatica Celtica, p. XX.

Vom Anfang des achten bis zum Anfang des zehnten Jahrhunderts.

Ausgaben mit Fredegars Chronik. Uebersetzung von O. Abel ebend. und von 735 an bei Einhards Annalen; vereinigt u. nach der neuen Ausg. v. Krusch berichtigt 1888. — Cauer, De Carolo Martello, Berl. 1846. Breysig, De continuato Fredegarii scholastici chronico, Berl. 1849. Oelsner, De Pippino rege, Vratisl. 1853. p. 24-34 De Chronico Fredegarii continuato. Breysig, Karl Martell S. 112. Hahn, Einige Bemerkungen über Fredegar, Arch. XI, 805-840. G. Monod, Revue crit. 1873, I, 153. Br. Krusch, NA. VIII, 495-515.

Ausgaben mit Fredegars Chronik. Uebersetzung von O. Abel ebend. und von 735 an bei Einhards Annalen; vereinigt u. nach der neuen Ausg. v. Krusch berichtigt 1888. — Cauer, De Carolo Martello, Berl. 1846. Breysig, De continuato Fredegarii scholastici chronico, Berl. 1849. Oelsner, De Pippino rege, Vratisl. 1853. p. 24-34 De Chronico Fredegarii continuato. Breysig, Karl Martell S. 112. Hahn, Einige Bemerkungen über Fredegar, Arch. XI, 805-840. G. Monod, Revue crit. 1873, I, 153. Br. Krusch, NA. VIII, 495-515.

Das Haus der Karolinger bewies von Anfang an seine Berechtigung zur Herrschaft dadurch, daß es allein im Stande war, das Reich herzustellen, dem weit vorgeschrittenen Verfall Einhalt zu thun und auf neuen Grundlagen ein neues Zeitalter zu begründen. Auch das Wiedererwachen der Geschichtschreibung knüpft sich an sein Auftreten: mit dem Jahre 687, mit dem entscheidenden Siege Pippins, beginnen die Annalen von St. Amand.

Fredegars Chronik war in Burgund, das Buch von den Thaten der Franken in Neustrien geschrieben, in Austrasien fanden beide ihre letzte Bearbeitung und Fortsetzung. Viel ist über die Beschaffenheit dieser, über die Arbeit der verschiedenen dabei thätigen Personen geschrieben worden; ich halte mich jetzt an die Resultate von Br. Krusch, welcher genauer, als zuvor geschehen war, namentlich auch in Bezug auf die Sprache, die Prüfung durchgeführt hat.

Als unter Pippin das Frankenreich in seiner neuen Gestaltung glänzend befestigt war, unternahm es sein OheimChildebrand, auch für das dauernde Andenken dieser merkwürdigen Begebenheiten zu sorgen. Er ließ ein Exemplar der alten Chronik des Fredegar sorgfältig abschreiben, aber er oder der von ihm Beauftragte begnügte sich nicht mit einfacher Abschrift: er ließ den Liber generationis weg, und setzte an dessen Stelle den Hilarianus de cursu temporumein, welchen er in seiner Vorlage an anderm Orte fand, und erweiterte die Stammsage im Hieronymus durch ein Excerpt aus Dares Phrygius. An den Fredegar knüpfte er einen Auszug von cap. 43 bis 52 der Gesta Francorum nebst ihrer 736 geschriebenen Fortsetzung; recht mangelhaft gearbeitet und voll chronologischer Verwirrung, aber bereichert mit Zusätzen, welche das Haus der Arnulfinger hervorheben, während er manches wegließ, was das Haus der Merowinger betraf, das ihn nicht mehr kümmerte; anfangs dürftig, dann von erheblichem Werthe. Das ist die sog. erste Fortsetzung (cap. 1-17) bis zur Mitte von cap. 109, an welche bis cap. 117 incl. die zweite (cap. 18-33) sich reiht, innerhalb welcher stilistische Gründe einen Wechsel des Schreibers (nach cap. 109) annehmen lassen. So weit, bis 752, war unter Childebrands Leitung das Werk geführt, da übernahm dessen Sohn Nibelung[1]die weitere Fortsetzung (cap. 34-54), welche uns in noch schlechterem Latein einen schon ausführlicheren, nach Jahren genau geordneten und wohl theilweise gleichzeitig aufgezeichneten Bericht über die königliche Herrschaft Pippins darbietet.

Als vereinzelte sehr schätzbare Notiz reiht sich an diese Fortsetzer des Fredegar eine Aufzeichnung aus Saint-Denis über die Königsweihe Pippins und seiner Söhne (754) durch Pabst Stephan II[2], welche sich am Schluß einer Handschrift von Werken Gregors von Tours befindet, von anderer Hand mit blasserer Dinte geschrieben und offenbar aus einer älteren Handschrift herübergenommen, undClausula de Pippinogenannt wird[3].

So wie das ganze Reich von den Merowingern an die Karolinger überging, so wurde auch die einzige Chronik der Franken zu einer Familienchronik des karolingischen Hauses. Sie gewinnt dadurch gewissermaßen einen officiellen Charakter und damit eine gewisse Glaubwürdigkeit; andererseits leidet sie aber auch an den Mängeln solcher amtlicher Aufzeichnungen. Je näher die Verfasser den Karolingern standen, je besser sie unterrichtet waren, um so mehr hüteten sie sich auch etwas aufzunehmen, was den Machthabern unangenehm war. Es genügt in dieser Beziehung den einen Umstand hervorzuheben, daß die bedeutenden und gefährlichen Unruhen, welche Grifo, Karl Martels Sohn von der Swanhilde, nach des Vaters Tod erregte, und welche dem Verfasser doch unmöglich unbekannt geblieben sein konnten, hier mit gänzlichem Stillschweigen übergangen werden. Ebensowenig ist andererseits von der ganzen Wirksamkeit des Bonifatius und überhaupt von den kirchlichen Angelegenheiten die Rede. Eine vollständige und unparteiische Uebersicht der Begebenheiten darf man daher bei diesen Fortsetzern des Fredegar nicht suchen[4].

Ebenso wenig unparteiisch, zur Verherrlichung der Arnulfinger geschrieben und namentlich in den ältesten Theilen irreführend, übrigens aber aus guten Quellen geschöpft, reichhaltig auch über Grifo, ist die Geschichte von 687 bis 692, welche den Anfang derAnnales Mettensesbildet[5], wo bis 768 eine Compilation aus Fredegar u. a. Annalen sich anschließt. Früher gering geschätzt, ist sie von L. Ranke nachdrücklich in Schutz genommen und ihr Werth ins Licht gestellt[6]. Es kommt hinzu, daß dasFragmentum de Pippino duce[7], welches Bonnell für ein schlechtes Excerpt aus den Mettenser Annalen erklärt hatte, in dem Cod. Arundel. 375saec. XI. des Brit. Museum aufgefunden ist[8]und, da es nun als Quelle anerkannt ist, ein höheres Alter dieser Darstellung verbürgt.

Natürlich ist es, daß man bei fortschreitender litterarischer Bildung bald sowohl an der rohen Form des Fredegar und seiner Fortsetzer, als auch an dem dürftigen Inhalt dieser Aufzeichnungen Anstoß nahm. Zu Karls d. Gr. Zeit entstand eine Compilation, in welcher die Chronik des Beda verbunden ist mit Zusätzen aus Hieronymus, Orosius, Fredegar und seinen Fortsetzern, den Gestis Francorum und Jahrbüchern, die mit den Lorscher große Aehnlichkeit haben, bis 741. Wir werden auf dieses sowie auf andere ähnliche Arbeiten später zurückzukommen haben.

Mit dem kriegerischen Ruhme vereinigte das karolingische Haus, wie es zu einer hervorragenden Stellung damals fast unerläßlich war, auch den kirchlichen. Klosterstiftungen und klösterlich frommer Lebenswandel schmücken ihren Stammbaum mit Heiligen, wie Gertrud und Begga, und auch dem Ahnherrn, BischofArnulf von Metz, wurde mit gutem Recht die dankbare Verehrung der Nachkommen zu Theil. Sein Leben ist auch von einem Zeitgenossen beschrieben worden, und was hier über ihn berichtet wird, ist werthvoll, aber dem Verfasser[9], einem der Mönche, welche den h. Romarich nach Metz begleiteten, als er den weltmüden Bischof 629 nach seiner Einsiedelei in Remiremont abholte, hatte begreiflicher Weise wesentlich den Zweck und Gesichtspunkt, seine kirchlichen Tugenden zu preisen[10].

Als Werk eines Zeitgenossen und Augenzeugen schätzbar ist auch das Leben derh. Gertrud, Pippins I Tochter, der Stifterin des Klosters Nivelle, wo sie am 17. März 659 starb. Ganz ohne Grund von Bonnell verdächtigt, ist ihre Lebensbeschreibung von Friedrich in ihrem Werth erkannt, und von Krusch nach einer Handschrift des achten Jahrhunderts herausgegeben[11].

Einige gute Nachrichten enthält auch das noch zu König Pippins Lebzeiten geschriebene Leben des Stifters des Klosters Laubachoder Lobbes,Ermino(† 737) vom AbtAnso[12]. Die schon für diese Zeit nicht unwichtige Lütticher Litteratur werden wir später noch zu berühren Anlaß haben.

Ganz unverändert werden uns ausser diesen sehr wenige Legenden erhalten sein; dafür ist ihre Form zu glatt, zu abweichend von den authentischen Denkmälern. Zum Vorlesen bestimmt und gebraucht, mußten sie der zunehmenden Bildung angepaßt werden, und leicht verbanden sich damit Zusätze und Aenderungen, welche auch den Inhalt berührten.

[1]Cap. 117 (34): „Usque nunc inluster vir Childebrandus comes, avunculus praedicto rege Pippino, hanc historiam vel gesta Francorum diligentissime scribere procuravit. Abhinc ab inlustre viro Nibelungo, filium ipsius Childebrando itemque comite, succedat auctoritas.“[2]Auf dessen Reise „Roma salvanda“ starb m. Dec. ind. VII (753) der primicerius notariorum Ambrosius in Saint-Maurice; er wurde nach 6 Jahren in St. Peter bestattet mit einem rühmenden rhythmischen Epitaph. Rossi, L'inscription du tombeau d'Hadr. I (Mél. d'Archéol. et d'hist. VIII) p. 20.[3]Mab. Dipl. p. 384. SS. Meroving. I, 465 mit Schriftprobe. MG. SS. XV, 1 (vgl. p. 574a) alsDe unctione Pippini regis nota. Diese Nachricht wurde später mit der fabelhaftenRevelatio facta S. Stephano papaeverbunden, mit welcher sie von Regino abgeschrieben, und bei Sur. V. p. 658 (740 ed. II) zuerst gedruckt ist. Hierdurch habe ich mich früher verleiten lassen, die Clausula als unglaubwürdig zu bezeichnen. Vgl. Oelsner, K. Pippin S. 155. Das Schreiben Stephans II, welches B. Simson, Forsch. XIX, 180, als die Quelle betrachtet, ist in der neuen Ausg. von Jaffé's Reg. Pont. n. 2316 von P. Ewald mit Recht als unecht bezeichnet. Ebenso in der Ausgabe jenes, von Hilduin seinen Acta Dionysii angehängten Stückes von Waitz, SS. XV, 2. — Benutzt ist die Clausula in einem (unechten?) Breve Clemens II für Romainmôtier, NA. XI, 590.[4]Zu vergleichen ist für diese Zeit noch derLibellus de Majoribus domus, Bouq. II, 699 aus Du Chesne SS. II, 1, der nicht vor dem neunten Jahrhundert geschrieben ist, wie B. Simson bemerkt, nahe verwandt dem Chron. Adonis, vielleicht ein Auszug. Ferner das von Wilthem excerpirteFragmentum historicum ex libro aureo Epternacensiüber die Jahre 714 u. 715, aus unbekannter Quelle, herausgegeben von Reiffenberg im Bulletin de l'Académie de Bruxelles (1843) X, 2. 264, und Monuments de Namur etc. VII, 209; jetzt MG. SS. XXIII, 59. Rätselhaft ist derDionysius, welchen Gobelinus Persona als Chronisten von Prosper bis Einhard (455-741) anführt, vgl. Hagemann: Ueber die Quellen des G. P. (Diss. Hal. 1874) S. 32. Er ist aber nicht zusammenzubringen mit der Erwähnung der Cyclen des Dionysius Exiguus bei Regino z. J. 741, wo er nur von der Incongruenz der verschiedenen Berechnungen spricht; allerdings scheint er in seinem Exemplar eine annalistische Bemerkung zu 741 gehabt zu haben.[5]MG. SS. I, 316-321.[6]Weltgesch. V, 2, S. 294 ff.[7]Freher, Corpus SS. Franc. p. 168-170; am Schluss unvollständig.[8]Arch. VIII, 759.[9]Ueber die 4 von ihm verfaßten Vitae s. die Diss. von Dony in den von G. Kurth 1888 herausg. Dissertations académiques.[10]Neue Ausg. v. Krusch, SS. Merov. II, 426-446. Die Hs. schrieb Karl Martels neunjähr. Sohn Hieronymus ab. Uebers. Geschichtschr. XI (VII, 2) S. 131-140, nach Fredegar. Der angebl. Name des Vfs. der werthlosen 2. VitaUmnoist ein Lesefehler: „Exhortatione plurimorum commonitus Umno Dei gratia praeventus“ stattimmo.[11]Vita S. Geretrudis, SS. Meroving. II, 447-74 mit den noch im 8. Jh. hinzugefügten Wundern.[12]Mab. III, 1, 564.

[1]Cap. 117 (34): „Usque nunc inluster vir Childebrandus comes, avunculus praedicto rege Pippino, hanc historiam vel gesta Francorum diligentissime scribere procuravit. Abhinc ab inlustre viro Nibelungo, filium ipsius Childebrando itemque comite, succedat auctoritas.“

[2]Auf dessen Reise „Roma salvanda“ starb m. Dec. ind. VII (753) der primicerius notariorum Ambrosius in Saint-Maurice; er wurde nach 6 Jahren in St. Peter bestattet mit einem rühmenden rhythmischen Epitaph. Rossi, L'inscription du tombeau d'Hadr. I (Mél. d'Archéol. et d'hist. VIII) p. 20.

[3]Mab. Dipl. p. 384. SS. Meroving. I, 465 mit Schriftprobe. MG. SS. XV, 1 (vgl. p. 574a) alsDe unctione Pippini regis nota. Diese Nachricht wurde später mit der fabelhaftenRevelatio facta S. Stephano papaeverbunden, mit welcher sie von Regino abgeschrieben, und bei Sur. V. p. 658 (740 ed. II) zuerst gedruckt ist. Hierdurch habe ich mich früher verleiten lassen, die Clausula als unglaubwürdig zu bezeichnen. Vgl. Oelsner, K. Pippin S. 155. Das Schreiben Stephans II, welches B. Simson, Forsch. XIX, 180, als die Quelle betrachtet, ist in der neuen Ausg. von Jaffé's Reg. Pont. n. 2316 von P. Ewald mit Recht als unecht bezeichnet. Ebenso in der Ausgabe jenes, von Hilduin seinen Acta Dionysii angehängten Stückes von Waitz, SS. XV, 2. — Benutzt ist die Clausula in einem (unechten?) Breve Clemens II für Romainmôtier, NA. XI, 590.

[4]Zu vergleichen ist für diese Zeit noch derLibellus de Majoribus domus, Bouq. II, 699 aus Du Chesne SS. II, 1, der nicht vor dem neunten Jahrhundert geschrieben ist, wie B. Simson bemerkt, nahe verwandt dem Chron. Adonis, vielleicht ein Auszug. Ferner das von Wilthem excerpirteFragmentum historicum ex libro aureo Epternacensiüber die Jahre 714 u. 715, aus unbekannter Quelle, herausgegeben von Reiffenberg im Bulletin de l'Académie de Bruxelles (1843) X, 2. 264, und Monuments de Namur etc. VII, 209; jetzt MG. SS. XXIII, 59. Rätselhaft ist derDionysius, welchen Gobelinus Persona als Chronisten von Prosper bis Einhard (455-741) anführt, vgl. Hagemann: Ueber die Quellen des G. P. (Diss. Hal. 1874) S. 32. Er ist aber nicht zusammenzubringen mit der Erwähnung der Cyclen des Dionysius Exiguus bei Regino z. J. 741, wo er nur von der Incongruenz der verschiedenen Berechnungen spricht; allerdings scheint er in seinem Exemplar eine annalistische Bemerkung zu 741 gehabt zu haben.

[5]MG. SS. I, 316-321.

[6]Weltgesch. V, 2, S. 294 ff.

[7]Freher, Corpus SS. Franc. p. 168-170; am Schluss unvollständig.

[8]Arch. VIII, 759.

[9]Ueber die 4 von ihm verfaßten Vitae s. die Diss. von Dony in den von G. Kurth 1888 herausg. Dissertations académiques.

[10]Neue Ausg. v. Krusch, SS. Merov. II, 426-446. Die Hs. schrieb Karl Martels neunjähr. Sohn Hieronymus ab. Uebers. Geschichtschr. XI (VII, 2) S. 131-140, nach Fredegar. Der angebl. Name des Vfs. der werthlosen 2. VitaUmnoist ein Lesefehler: „Exhortatione plurimorum commonitus Umno Dei gratia praeventus“ stattimmo.

[11]Vita S. Geretrudis, SS. Meroving. II, 447-74 mit den noch im 8. Jh. hinzugefügten Wundern.

[12]Mab. III, 1, 564.

Die zahlreichen Missionen der irischen Mönche vermochten doch nichts dauerndes zu schaffen, und auch in der Heimath konnte diese alte vereinzelte Kirche sich der römisch-englischen Uebermacht nicht erwehren. Sie unterlag überall, aber nicht etwa der äußern Uebermacht allein; in jeder Weise wurden die Angelsachsen ihrer alten Lehrer Meister. In den großen Weltchroniken des Mittelalters finden wir kaum eine Erwähnung von Irland; die Reiche der Angelsachsen aber treten auffallend in den Vordergrund für lange Zeit. Das ist der Einfluß desBeda(† 735), dessen Schriften diese Angaben entnommen wurden. Einen Mann wie diesen Beda hat die gesammte irische Kirche nicht hervorgebracht; er war der Lehrer des ganzen Mittelalters. Durch mathematische Kenntnisse haben gerade die Schottenmönche sich ausgezeichnet, auf ihren Unterricht mag ein bedeutender Theil der Gelehrsamkeit Beda's sich, wenn auch nur mittelbar, zurückführen lassen, ihm aber war es vorbehalten, durch die Gediegenheit und Faßlichkeit seiner Lehrbücher für Jahrhunderte in jedem Kloster die Anleitung zu den nöthigen astronomischen Kenntnissen zu geben; wo man es verschmähte, tiefer einzudringen, benutzte man wenigstens seine Ostertafeln als unentbehrliches Hülfsmittel der kirchlichen Zeitrechnung, in welcher durch ihn die für leicht übersichtliche Chronologie so förderliche dionysische Era üblich wurde. Sein Martyrologium ist die Grundlage aller späteren Umarbeitungen; seine kleine Chronik von den sechs Weltaltern (bis 726) war überall bekannt, und die Kirchengeschichte Englands (bis 731) wurde um so eifriger gelesen, weil man hierin den Ursprung der eigenen Kirche erkannte, sowie sie andererseits das Bewußtsein dieserVerbindung wach erhielt[1]. Hatten die irischen Missionare nicht durch Frömmigkeit allein, sondern auch durch mancherlei Kenntnisse und Gelehrsamkeit die Bewunderung der Franken erregt, so überragten doch nun die Angelsachsen noch in weit höherem Maße alles, was man bis dahin gekannt hatte.

Ein älterer Zeitgenosse des Beda, ein Northumbrier aus dem Kloster Streoneshalch (Whitby), an Bildung und Wissen ihm weit nachstehend, hat seiner Verehrung für den Begründer des Christenthums in England, PabstGregor den Großen, ein merkwürdiges Denkmal gestiftet, indem er, so gut er es vermochte, eine Lebensbeschreibung desselben verfaßte, mit nicht unwichtigen Nachrichten über die Bekehrung seiner Heimath Wundergeschichten und den Preis der Werke Gregors verbindend. Dieses merkwürdige Werkchen ist erst durch P. Ewald in einer alten Sanctgaller Handschrift entdeckt, der wesentliche Inhalt mitgetheilt, und mit grossem Scharfsinn nachgewiesen, dass dieses die von Beda, Paulus Diaconus und Johannes Diaconus benutzte angelsächsische Legende ist[2].

Schon vor Beda hatte auch die angelsächsische Mission begonnen, welche sich hauptsächlich den stammverwandten Sachsen und Friesen zuwandte. Ein charakteristischer Unterschied dieser Mission von der irischen liegt in ihrem Verhältniß zum römischen Stuhl: seitdem S. Augustin, von Gregor dem Großen gesendet, die englische Kirche begründet hatte, war diese in der engsten Verbindung mit Rom geblieben, und von da aus geleitet, wurde die Kirchenverfassung fest und sicher organisirt. Dadurch gewann diese Mission einen ganz anderen Boden, und war nicht der Vereinzelung und der daraus folgenden Verwilderung ausgesetzt, welche den Erfolg der Schottenpredigt auf einzelne Klosterstiftungen beschränkte.

An zuverlässigen Lebensbeschreibungen der älteren unter diesenGlaubensboten fehlt es freilich auch, und ihre Wirksamkeit würde uns in nicht minder zweifelhaftem Dämmerlichte erscheinen, als die der Schottenmönche, wenn nicht die englische Kirche, von der sie ausgingen, in helleren Umrissen vor uns stände, und vor allem Beda uns so manche sichere Nachricht aufbewahrt hätte.

Augustin, der erste Erzbischof von Canterbury, starb um das Jahr 604. Schon sein SchülerLivinsoll in Friesland gepredigt haben, seine Lebensbeschreibung aber ist ein späteres betrügliches Machwerk. Da sie fälschlich dem Bonifatius zugeschrieben wird, findet sie sich in der Sammlung seiner Schriften[3].

AuchWilfrid, Erzbischof von York, der im J. 709 gestorben ist, hat unter den Friesen gepredigt, als er auf einer Reise nach Rom 678 an ihrer Küste landete, um den Nachstellungen des Hausmeiers Ebroin zu entgehen[4]. Besonderes Verdienst um die Mission erwarb sich aberEgbert, der Abt des Klosters Hy, in welchem er die bis dahin dort herrschende irische Weise durch die siegreiche römisch-englische verdrängte. Er entsandte zum Friesenfürsten Radbod denWigbert[5], und nach dessen Heimkehr im Jahre 690Willibrordmit elf Gefährten. Dieser, 695 in Rom zum Bischof geweiht, begründete 698 das Kloster Echternach, aber nicht allein als Stätte eines stillen beschaulichen Lebens, sondern als Ausgangspunkt für seine Thätigkeit, und mit Karl Martels Hülfe gelang ihm sodann auch die Stiftung des BisthumsUtrecht, wo er im Jahre 738 als erster Bischof verstorben ist. Sein Leben ist erst lange nach seinem Tode vonAlcuinaus fast ausschließlich erbaulichem Gesichtspunkt beschrieben worden[6]; die ältere Lebensbeschreibung, welcher ergewiss wesentlich folgte, von einem Schottenmönchrustico stiloverfaßt, wie die älteste Vita des h. Gallus, ist leider, wie diese verloren, aber sie wurde noch benutzt vonThiofrid, Abt von Echternach (1083-1110), dessen Werk deshalb nicht ohne Werth ist[7].

Gleichzeitig mit ihm predigte auchSuitbert, der Stifter von Kaiserswerth, von dem jedoch nur wenig bekannt ist. Als das merkwürdigste Andenken, welches er uns hinterlassen hat, sehr bezeichnend für die höhere und feinere Bildung, welche diese Angelsachsen in der Heimath pflegten und von da ins Frankenreich verpflanzten, galt bisher die schöne Handschrift des Livius, welche er mitgebracht haben sollte, und die jetzt zu den kostbarsten Schätzen der Wiener Hofbibliothek gehört. Doch wird die Inschrift jetzt richtiger anders gelesen, die Bedeutung der Handschrift aber ist nicht geringer, wenn sie aus der Utrechter Schule stammt[8]. Suitberts Biographie dagegen, angeblich von Liudgers Genossen Marchelm oder Marcellinus verfaßt, ist ein grober Betrug späterer Zeit[9].

Unter den Sachsen predigten der weiße und der schwarzeEwald, deren Lebensbeschreibung aus Beda entnommen, aber völlig sagenhaft ist[10]. Später folgte ihnenLiafwin, jedoch erst um 770, nachdem vielleicht schon mancher Glaubensbote vergeblich, und ohne das Andenken seines Namens zu hinterlassen, versucht hatte, das starre Heidenthum der alten Sachsen zu überwinden. Das LebenLiafwins, vonHucbaldvon St. Amand, ist nicht ohne Werth, aber doch erst in viel späterer Zeit, im zehnten Jahrhundert verfaßt[11].

In Franken finden wirBurchard, den Bonifaz zum ersten Bischof von Würzburg weihte, wo S. Kilian mit seinen Genossen den Boden bereitet hatte. Auch seine Lebensbeschreibung aber ist erst im 9. Jahrh. von einem Würzburger Cleriker verfaßt und völlig werthlos; die wenigen Thatsachen, welche darin berichtet werden, sind theils entstellt, theils mit oder ohne Absicht erfunden[12].

Die erste wirklich gleichzeitige Lebensbeschreibung besitzen wir vonWinfrid, dem Stifter der neuen fränkischen Kirche, der alle die einzelnen Pflanzungen seiner Vorgänger zusammenfaßte in eine mächtige Organisation, und ihnen dadurch die Kraft zum dauernden Bestehen gab, der zugleich die alte verfallene fränkische Landeskirche emporrichtete, und so im Verein mit den karolingischen Herrschern das gewaltige Gebäude aufführte, in dem die neu hervorsprießende geistige Bildung für viele Jahrhunderte eine gesicherte Stätte finden sollte, mitten unter allen Stürmen und Drangsalen der kampferfüllten Zeiten. Allein die Schilderung seines Lebens und seiner Wirksamkeit liegt unserer Aufgabe fern; wir müssen uns hier begnügen, auf die ausführliche Darstellung Rettbergs I, 331 ff. zu verweisen, wo auch genauere Nachweisungen über seine Biographen zu finden sind[13].

Sein kirchlicher Name warBonifatius, ohne Zweifel vonbonum fatumabzuleiten, aber nach einer richtigen Bemerkung von Loofs scheinen die Zeitgenossen den Namen vielmehr vonbonum farihergeleitet zu haben[14]. Er besaß eine für jene Zeit hervorragendeBildung, und wir besitzen noch von ihm eine Grammatik und Metrik[15], und nicht ohne Geschick und Gewandtheit verfaßte Gedichte mit der Vorliebe für Akrostichen und andere Spielereien, welche der Zeit und besonders seinen Landsleuten eigen ist[16].

Von weit größerem Werthe für uns ist die Sammlung von Bonifazens eigenen Briefen und den päbstlichen Schreiben an ihn[17]; aber auch die bald nach seinem Tode, vielleicht noch zu Pippins Lebzeiten[18], sicher vor 786 verfaßte Biographie enthält schätzbare Nachrichten, und erhebt sich weit über die früheren Leistungen der Art. Der Verfasser war ein Priester NamensWillibald, wohl ein Landsmann, der bei der Kirche St. Victor bei Mainz lebte, und auf Veranlassung der Bischöfe Lullus von Mainz und Megingoz von Würzburg seine Arbeit unternahm. Lullus besonders versah ihn mit Nachrichten, so wie auch andere Schüler Winfrids, den Willibald selbst nicht gekannt hatte. Dieser ist freilich hinter einer genügenden Behandlung seiner großen Aufgabe zurückgeblieben; anfangs sorgfältig und genau, scheint er bei der großartigen Entfaltung der Wirksamkeit seines Helden, bei den verwickelteren politischen Verhältnissen unter Pippins Regierung zu ermatten, er wird verwirrt und ungenau, übergeht gänzlich die wichtigsten Vorfälle und eilt weiter zu dem Märtyrertode des Bonifaz[19], bei welchem er infrommem Phrasenschwall verweilt. Aehnliche Erscheinungen sind auch in Biographien der späteren Zeit häufig; wo ein Bischof aus dem engen Kreise der Ascetik und bescheidener Pastoraltugenden heraustritt, wo er als Staatsmann zu schildern war, entzieht er sich dem Gesichtskreis seines Biographen. Hier aber ist der Abstand der §§ 30-32 von Anfang und Ende so auffallend, namentlich auch der Mangel aller bestimmten Angaben über Bonifatius Erhebung auf den Mainzer Stuhl, die plötzlich als fertige Thatsache erwähnt wird, sowie über die Stiftung des Klosters zu Fulda so unerklärlich, daß der Verdacht, Lullus Censurstriche möchten hier verwirrend und verstümmelnd eingewirkt haben, kaum abzuweisen ist[20]. Auch der Streit über die Beerdigung des Märtyrers in Mainz oder in Fulda ist mit keinem Wort berührt. Willibalds Sprache ist noch weit entfernt von der Reinheit der karolingischen Latinität, aber er bezeichnet doch schon den Anfang einer besseren Zeit; er hat in der Schule seine Classiker gelesen, und sein Hauptfehler besteht darin, daß er es zu gut machen will, daß er im Streben nach einem gewählten Stil in Verkünstelung verfällt, während er doch in den Grundregeln der Grammatik noch keineswegs sicher ist[21].

VonLullus, Bonifatius Schüler und Nachfolger, besitzen wir ebenfalls eine Biographie, in welcher kürzlich Holder-Egger ein Werk Lamberts erkannt hat, und welche deshalb als solche später zu erwähnen sein wird. Ihr geschichtlicher Werth ist unbedeutend[22].

Dagegen ist als ein merkwürdiges Denkmal dieser Zeit noch das Leben der beiden BrüderWillibaldundWynnebaldzu nennen[23], verfaßt von einer Nonne des Klosters Heidenheim, welches Wynnebald um 751 gestiftet hatte und bis zu seinem Tode (19. Dec. 761) leitete, während Willibald 741 von Bonifaz zum ersten Bischof von Eichstedt geweiht war. Wie diese Brüder, so stammte auch die Verfasserin, welche mit ihnen verwandt war, aus England, von wo sie erst nach Wynnebalds Tod nach Heidenheim kam. Ihr Werk zeigt uns, was auch aus Bonifatius Briefsammlung hervorgeht, wie sehr lebhaft dort auch die Nonnen an den gelehrten Studien Antheil nahmen. Freilich wurde auch sie, wie es leider so häufig vorkam, durch ihre Gelehrsamkeit zu einer sehr gezierten und schwülstigen Schreibart verleitet und vor fehlerhaftem Ausdruck nicht bewahrt; ja der Ausdruck ist, wie er in der neuen Ausgabe nach der ältesten Handschrift hergestellt ist, sogar in unglaublichem Maaße barbarisch, aber gelehrt barbarisch, d. h. mit griechischen und anderen seltsamen Worten beladen. Den Hauptinhalt und den werthvollsten Theil bildet in dem Leben Willibalds der Bericht über seine Pilgerfahrt nach dem gelobten Lande, welcher darin besonders hervortritt und den größten Raum einnimmt. Er ist offenbar nach den Mittheilungen Willibalds am 23. Juni 778 über seine Pilgerfahrten und die daran sich schließenden Umstände aufgezeichnet.

Nach Wynnebalds Tod übernahm seine SchwesterWaldburgadie Leitung des Klosters zu Heidenheim, von welcher nur im neunten Jahrhundert Wolfhard von Herrieden in dem Werk über ihre Wunder etwas berichtet[24].

Zu diesem Kreise gehören ferner nochWigbert, den Bonifaz in Fritzlar als Abt einsetzte,SualooderSolus, undLeobgythoderLioba, die Aebtissin von Bischofsheim[25], deren Biographen Lupus von Ferrières und Rudolf von Fulda später zu erwähnen sein werden.


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