Die Konfirmation.

Die Konfirmation.

Die Konfirmation ist eine veränderte Einrichtung der römischen Firmung. In der katholischen Kirche gilt letztere als Sakrament, welche aberLutherbereits 1520 als solches strich und ließ sich nur zu dem Geständnis herbei: „Ich lasse zu, daß man firmle soferne, daß man wisse, daß Gott nichts davon gesagt hat, auch nichts darum wisse, und daß es erlogen sei, was die Bischöfe darinnen vorgeben.“[444]Gleich Luther sprechen sich die übrigen Führer der evangelischen Bewegung scharf gegen die römische Firmung aus. Man sah aber doch bald ein, daß, solange man die Kindertaufe beibehielt, eine derartige Einrichtung — wenn auch in einer anderen Gestalt — nötig sei, um die in der Kindertaufe versäumte und unmögliche und doch zur Wirkung der Taufe notwendige Bedingung, nämlich den eigenen Glauben des Täuflings, durch seine freie Willenserklärungnachzuholen.[445]Aus dieser Erkenntnis und Notwendigkeit entwickelte sich allmählich die Konfirmation, die aber erst in der zweiten Hälfte des 17. Jahrh. durchSpenersWirksamkeit völlig in der lutherischen Kirche durchgedrungen ist.

Obwohl die Konfirmation und die Taufe zeitlich weit auseinander liegen, so wird jene doch durch die dogmatische Bedeutung, die darin besteht, daß sie eine „Erneuerung des Taufbundes“ ist, mit dieser sehr eng verknüpft.Durch die Konfirmation soll dem Täufling, wie schon oben angedeutet, die Gelegenheit geboten werden, seinen Glauben zu bekunden und ein persönliches Bekenntnis und Gelübde abzulegen. Der herangewachsene Getaufte erneuert somit am Tage der Konfirmation die früher von seinen Eltern oder Paten in seinem Namen abgelegten Taufgelübde und macht sich von dem Zeitpunkt persönlich dafür verantwortlich. Mit Recht wirft daDr.Langedie Frage auf: „Wozu aber ein solches Surrogat [Ersatzmittel], da nichts im Wege steht, das Sakrament selbst, als wahren Verpflichtungsakt, zweckmäßig,nachdem die Kinder erwachsen und unterrichtet sind, zu vollziehen?“[446]

Die Lehre der alten Kirche ging hierin noch weiter und behauptete: Die Konfirmation verleiht dem Menschen Kraft und Tapferkeit zum neuen Leben und geistlichen Kampfe.[447]Wenn es nun an dem ist, daß die Konfirmation „Kraft zum neuen Leben und geistlichen Kampfe“ gibt, so sei uns hier gestattet, einige Fragen, die unserer Meinung nach ernst genug sind, um gründlich geprüft und erörtert zu werden, aufzuwerfen: Wie stimmt nun dies mit der leider zu traurigen Tatsache, daß viele von den am Vormittage in der Kirche konfirmierten Gliedern schon am Abend auf dem Tanzboden, im Wirtshause oder im elterlichen Hause bei berauschenden Getränken zu treffen sind, wobei sie oft des Guten zuviel genießen? Oder sind Zigarren und Tabakspfeife für den Konfirmanden passende Geschenke, die er zum „neuen Leben und geistlichen Kampfe“ benötigt, und kann er dadurch Jesu Aufforderung erfüllen: „Lasset euer Licht leuchten vor den Leuten, daß sie eure guten Werke sehen und den Vater im Himmel preisen!“? Und sind derartige Dinge erforderlich, um die Früchte eines neuen und in Gott geheiligten Lebens nach außen hin zu offenbaren?Als Beweis dafür, daß solche Präsente bei derartigen Gelegenheiten wirklich überreicht werden, sei hier Pfarrer Hebich angeführt, der nach der Konfirmation zu seinem Sohn Samuel sagte: „So, jetzt bist du ein Mann“ und schenkte ihm eine — Tabakspfeife.[448]Es sei aber bemerkt, daß wir damit nicht sagen wollen, daß alle Eltern ihren Konfirmanden derartige Geschenke überreichen. Wir wissen und sind glücklich darüber, daß wir unter den Konfirmationsgeschenken auch des öfteren die Bibel finden — den einzigen Wegweiser zum ewigen Leben — und daß es auch unter den Konfirmanden solche gibt, bei denen das Ablegen des Glaubensbekenntnisses am Konfirmationstage mehr ist als eine tote und leere Zeremonie.

Doch streng genommen ist und bleibt die Konfirmation ebensogut wie die Kindertaufe nur eine „Zwangseinrichtung“, mittels der man Glieder für die Kirche gewinnt. Dies geben auch ernste und unparteiische Theologen, die über diesen Punkt nachdachten und ihn an der Hand des Evangeliums prüften, frei und unverhohlen zu. So schreibt z. B.Dr.Gmelin in seiner Abhandlung „Die kirchl. Erziehung zum Christentum“, S. 16, nachdem er zunächst davon gesprochen hat, daß bei der Konfirmation nicht der eigentliche Wille des Konfirmanden, sondern in Wahrheit nur der Wille der Eltern zum Ausdruck kommt, die bedeutungsvollen Worte: „Damit ist dann aber tatsächlich die Zustimmung bezw. daß Versprechen dieser jungen Glieder, der Gemeinde Christi, wie sie in unserer evangelischen Kirche Gestalt gewonnen hat, anzugehören und treu bleiben zu wollen, mehrerschlichenals auf evangelisch würdige, sittliche Weise gewonnen worden. Einem derartigen Versprechen aber kann ein sittliches Recht nicht zukommen, daher auch seine Erfüllung, trotz dem feierlichen Gelübde, im Ernst von niemand verlangt wird. In unserer Kirche kommtdas hundert- und tausendfach jedes Jahr darin zum Ausdruck, daß die eben konfirmierten Glieder einige Wochen nachher, um von Jahren zu schweigen, oft den Eindruck machen, als hätten sie eher das Gegenteil, jede Art von Verhöhnung und Verachtung ihrer Kirche und deren Ordnungen und Dienern, versprochen, statt treue Anhänglichkeit und ernstlichen Wandel nach dem Bekenntnis, das sie vor dem Altare der christlichen Gemeinde hergesagt haben.“

Dies offene Zugeständnis zeigt so recht, wie nichtig, ja wie verderblich alle menschlichen Einrichtungen und Neuerungen in Sachen des Glaubens und der Religion sind. Wie segensreich wäre es aber andererseits für den einzelnen Menschen sowie auch für das gesamte innere und geistliche Leben der Kirche selbst, wenn man sich die hl. Schrift, in der allein der geoffenbarte Wille unseres Gottes klar und rein zum Ausdruck kommt, als einzige Richtschnur setzen würde und sie nach besten Kräften auszuleben suchte, um mit dem Psalmisten sagen zu können: „Ich habe Lust zu deinen Zeugnissen, sie sind meine Ratsleute. Lehre mich, Herr, den Weg deiner Gebote, und bewahren will ich sie bis ans Ende.“ Möchte doch ein jeder um seiner eigenen Seligkeit willen mit ganzem Ernst darnach trachten, sich gänzlich von Menschengeboten freizumachen, um dem Herrn allein im Geist und in der Wahrheit zu dienen, dann würde auch „unser Friede sein wie ein Wasserstrom und unsere Gerechtigkeit wie Meereswellen“. Darum:

„Prüfet alles, und das Gute behaltet!“

Ende des Kapitels


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