Die Vorbedingungen der Taufe.

Die Vorbedingungen der Taufe.

Sahen wir im vorhergehenden, von wem und zu welcher Zeit die christliche Taufe eingesetzt wurde, so wollen wir in diesem Abschnitt zeigen, welches die Vorbedingungen waren, die man an solche Personen stellte, die da wünschten, getauft zu werden.

Hierbei wird es am besten sein, wenn wir alle Stellen des N. Testaments, die uns von einer Taufe berichten, einer genauen Untersuchung unterziehen. Die erste dieser Stellen wäre in Matth. 3, wo uns eine genaue Beschreibung von der Taufe des Johannes gegeben wird. Da lesen wir: „Zu der Zeit kam Johannes der Täufer und predigte in der Wüste des jüdischen Landes und sprach: Tut Buße, das Himmelreich ist nahe herbeikommen! Da ging zu ihm hinaus die Stadt Jerusalem und das ganze jüdische Land und alle Länder an dem Jordan und ließen sich taufen von ihm im Jordan und bekannten ihre Sünden.“[31]Johannes war ein Bote des Herrn, der dem Lamm Gottes den Weg bereiten sollte.[32]Er hatte die Aufgabe zu predigen und zu taufen.[33]Es ist aber beachtenswert, daß er von seinen Taufbewerbernvor ihrer Taufeetwas ganz Bestimmtes verlangte, nämlich „Buße“ (Sinnesänderung). „Johannes sagte dem Volk,“ so berichtet uns Paulus, „daß sie solltenglaubenan den, der nach ihm komme, das ist an Jesum, daß der Christus sei.“[34]Also Glaube an Christum und sein Evangelium sowie „rechtschaffene Frucht der Buße“ (Matth. 3, 8), d. h. lebendige, untrügliche Beweise wirklicher Sinnesänderung mußten der Taufe stets vorangehen. Johannes wies die Pharisäer und Sadduzäer von sich und taufte sie nicht, weil sie „Gottes Rat verachteten“ und diesen göttlichen Anforderungen nicht nachkamen.[35]Johannes taufte also niemand (ausgenommen Christum) als nur reuige und bußfertige Sünder.

Demgemäß bemerktDr.Erskine: „Die Taufe Johannes wurde dieTaufe der Bußeund die Taufe zur Buße genannt, weil er von allen, die er zur Taufe ließ, ein Bekenntnis der Buße verlangte und sie zu einem Leben ermahnte, welches die Wahrheit ihrer Buße beurkundete.“[36]

Ferner bemerktScottzu dieser Stelle: „Erwachsene Juden, welche Buße und Neigung bekannten, Untertanen des Reiches des Messias werden zu wollen, waren, soweit wir urteilen können, allein die Personen, welche Johannes zur Taufe zuließ.“[37]UndOrigenes, der alexandrinische Kirchenlehrer in der ersten Hälfte des 3. Jahrh., sagt: „Es ist sehr nötig zu bemerken, daß sowohl Matthäus als Markus sagen, das ganze jüdische Land und die von Jerusalem „bekannten ihre Sünden“ und wurden darauf getauft. Matthäus aber erwähnt noch der Pharisäer und Sadduzäer, die zu seiner Taufe kamen, aber nicht ihre Sünden bekannten und deshalb von Johannes Schlangen und Otterngezüchte genannt wurden.“

Johannes, der Bußprediger und Täufer.

Johannes, der Bußprediger und Täufer.

In demselben Kapitel, Matth. 3, 13–17, wird uns von der Taufe Jesu erzählt, wie er aus Galiläa an den Jordan zu Johannes kam und sich von ihm taufen ließ. Hier war kein Unterricht, keine Belehrung und Predigtnotwendig und keine Buße erforderlich. Hier hatte es Johannes mit keinem Sünder zu tun, es war der Herr der Herrlichkeit, das heilige, unschuldige und unbefleckte Gotteslamm selber. Als der Stifter der heiligen Taufe stieg er selbst in den Strom und ließ sich in seine Fluten senken, um allen seinen Nachfolgern ein Beispiel des Gehorsams zu geben. Als das Haupt seines Leibes und Vorbild seines Volkes rief er allen zu: „Also gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen“ (Matth. 3, 15); ja, es gebühret uns allen ohne Ausnahme, in Gottes Geboten und Ordnungen zu wandeln.

Bei seiner Taufe, mit himmlischer Kraft und dem Geiste Gottes erfüllt, trat Jesus das große, vom Vater ihm aufgetragene Werk an. Er kam, um das Verlorene zu suchen und selig zu machen.[38]Er kam, um der gottentfremdeten Menschheit den Willen des Vaters zu offenbaren und ihnen zu sagen, was sie zu tun hätten, um gerettet und Kinder des Allerhöchsten zu werden.[39]Er fing an, das Evangelium vom Reich zu predigen und sprach: „TutBußeundglaubtan das Evangelium.“[40]Wer nicht „von neuem geboren“ wird, der kann das Reich Gottes nicht sehen.[41]Welches Herz sich nun dieser Botschaft öffnete, Buße tat, seine Sünden bekannte und Jesum im Glauben aufnahm, wurde von den Jüngern des Heilands getauft.[42]Das beweist, daß auch Jesus „Glaube“ und „Buße“vorder Taufe forderte.

Die nächste Stelle wäre die in Matth. 28, 19. 20. Sie berichtet uns, wie Jesus seine Apostel vor der Himmelfahrt auf einem Berge Galiläas versammelte und ihnen den wichtigen Befehl gab, zu predigen und zu taufen.Aber der unfehlbare Gesetzgeber vergaß bei dieser Gelegenheit nicht, seinen Jüngern auch zugleich die Personen zu bezeichnen, an denen sie die heilige Verordnung vollziehen sollten. „Gehet hin,“ rief er in der Stunde seiner Verherrlichung den Aposteln zu, „gehet hin und lehret alle Völker, und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des hl. Geistes; und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe.“ „Wer daglaubetundgetauftwird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubet, der wird verdammt werden.“[43]Die Worte unseres Meisters sind so einfach und klar, daß sie nicht mißverstanden werden können. Den Menschen muß also nach Jesu Anordnung zuerst das Evangelium gepredigt werden, sie müssen zuvor belehrt werden, unter welchen Bedingungen sie Jünger Jesu werden können.[44]Wenn sie dann aufrichtig glauben, so sollen sie als Siegel die Taufe empfangen. „Das Evangelium hören, hilft nicht,“ sagtGoßner, „wenn zum Hören nicht der Glaube hinzukommt, wenn das Gehörte nicht im Glauben mit Zuversicht aufgefaßt und durch den Gehorsam des Glaubens angeeignet wird. Wer es aber so auffaßt und annimmt, als wäre es vom Himmel gefallen, — wer es so tief in sein Herz fallen läßt und festhält als den größten Schatz, für den er alles hingibt, — der soll getauft werden.“[45]

Lukas, der Verfasser der Apostelgeschichte, berichtet uns von der Ausbreitung des ewigen Evangeliums nach der Himmelfahrt des Heilandes und der Gründung von christlichen Gemeinden unter Juden und Heiden. Er erzählt uns von vielen Taufhandlungen, welche die Apostel und andere Diener des Herrn im Auftrage ihres Meisters ausführten.[46]Er begleitete Paulus von Troas aus auf seinerzweiten Missionsreise, wo er Augenzeuge von Taufen an Neubekehrten sein durfte.[47]Der Gedanke, der ihn bei der Abfassung dieses Geschichtswerkes beseelte, war, der Nachwelt einen „gewissen Grund“ (Bericht) von dem Anfang und der Ausbreitung des Christentums zu geben.[48]

Die Pfingstpredigt.

Die Pfingstpredigt.

Sehr auffallend ist es aber, mit welcher besonderen Genauigkeit er die Anforderung der Apostel, welche dieselben an ihre Taufkandidaten stellten, schildert. Das erste Beispiel davon finden wir in Apg. 2. Am Tage der Pfingsten, als die zwölf Apostel nach des Herrn Verheißung (Apg. 1, 8) die „Kraft des hl. Geistes“ empfingen, trat Petrus als der erste unter den Aposteln und der, welchen Christus selbst mit der Gründung seiner Gemeinde beauftragt hatte (Matth. 16, 18. 19; Joh. 21, 15–17), auf und predigte „Jesum von Nazareth, den Mann von Gott“, der sich durch viel Taten und Wunder unter Israel erwies. Er zeigte ihnen, wie die Propheten von ihm weissagten, daß er kommen und sterben sollte, und wie Gott ihn am dritten Tage von den Toten auferweckt habe und er schließlich zur Rechten Gottes erhöhet sei. Petrus schloß dann seine kraftvolle Rede mit den Worten: „So wisse nun das ganze Haus Israel gewiß, daß Gott diesen Jesum, den ihr gekreuziget habt, zu einem Herrn und Christ gemacht hat.“[49]Von dieser furchtbaren Schuld und Sünde überführt, daß sie als das hochbegnadigte und auserwählte Volk, ihren ihnen von Gott gesandten König verworfen und gekreuzigt hatten, entrang sich ihren Herzen die Frage: „Ihr Männer, lieben Brüder, was sollen wir tun?“ Petrus antwortete ihnen: „Tut Buße, und lasse sich ein jeglicher taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung der Sünden, so werdet ihr empfangen die Gabe des hl. Geistes.“ Apg. 2, 38. Allenun, die dieser Aufforderung des Apostels nachkamen, d. h. die Buße taten und das Wort gerne annahmen, wurden getauft und der Gemeinde hinzugetan.[50]

StadtpfarrerBossertbemerkt noch zu dieser Stelle (Apg. 2, 38): „Petrus forderte: Tut Buße und lasset euch taufen auf den Namen des Herrn Jesu Christi, in demselben Sinne, wie die Apostel sonst Buße und Glauben als die Heilsbedingungen hinstellten. Die Taufe erscheint hier als der Akt, mit welchem der Glaube in die Erscheinung tritt, nicht aber als eine Zeremonie, welche den Glauben überflüssig macht oder den Glauben ersetzen könnte, wo er fehlt. Aus diesen Bedingungen, welche die Apostel stellten, ergibt sich, daß sie die Taufe zunächst nur an Erwachsenen vornahmen, an die Kindertaufe noch gar nicht dachten, und daß unter den Kindern der Zuhörer, für welche die Verheißung nach Apg. 2, 39 bestimmt ist, nicht unmündige Kinder zu verstehen sind, sondern die künftige Generation, welche zur Teilnahme am messianischen Heile ebenso berufen werden wird wie die Fernwohnenden.“[51]

In Apg. 8, 5–13 haben wir einen weiteren Beweis, daß niemand getauft wurde, der nicht zuvor der Bedingung des Herrn nachkam: „Wer da glaubet.“ Philippus, einer der sieben Almosenpfleger der Gemeinde zu Jerusalem, kam durch die Verfolgung in eine Stadt in Samarien und begann, ihnen Christum zu predigen. „Das Volk aber hörte einmütiglich und fleißig zu, was Philippus sagte, und sahen die Zeichen, die er tat. Da sie aber des Philippus Predigtenglaubtenvon dem Reich Gottes und von dem Namen Jesu Christi, ließen sich taufen beide, Männer und Weiber. Da ward auch der Simongläubigund ließ sich taufen.“

Christus und Nikodemus.

Christus und Nikodemus.

Ferner ersehen wir aus Apg. 8, 26–40, wie Philippus auf göttliches Geheiß hin dem Kämmerer und Würdenträger der äthiopischen Königin Kandaze das Evangelium von Jesu predigte. Der Kämmerer wurde davon ergriffen und überzeugt und erklärte sich willig, dem Heiland in der Taufe zu folgen. Allein Philippus fordertezuvorein offenes Bekenntnis von ihm, indem er ihn fragte: „Glaubest du von ganzem Herzen?“ „Ichglaube,“ antwortete der überzeugte Eunuch, „daß Jesus Christus Gottes Sohn ist.“ „Und er hieß den Wagen halten, und stiegen hinab in das Wasser beide, Philippus und der Kämmerer, und er taufte ihn.“

Das Gleiche finden wir auch in Apg. 9, 1–19, wo uns die Bekehrung Pauli geschildert wird. Auch er mußte zuvor an Christum gläubig werden, ehe er getauft werden konnte.

In Apg. 10 lesen wir von Kornelius, wie er von Herzen verlangte, des Herrn Willen zu erfahren, um ihm völlig dienen zu können. Durch die Erscheinung eines Engels wurde er beauftragt, nach Petrus, dem Apostel, zu senden, der ihm zeigen würde, was er zu tun hätte. „Petrus kam,“ so sagt die göttliche Urkunde, „und fand ihrer viel, die zusammenkommen waren.“ Vers 27. Er predigte ihnen dasselbe wie der Menge auf dem Pfingstfest in Jerusalem. „Von diesem Jesu“, sprach er, „zeugen alle Propheten, daß durch seinen Namen alle, die an ihn glauben, Vergebung der Sünden empfahen sollen.“ Vers 43. Kornelius und alle, die der Botschaft Petri lauschten, glaubten an diesen sündenvergebenden Heiland und nahmen ihn in ihre Herzen auf. Als Beweis dafür fiel der hl. Geist auf sie, worauf Petrus den Befehl gab, daß man sie taufen sollte.[52]

Etwa 18 Jahre nach der Himmelfahrt des Herrn finden wir Paulus als das „auserwählte Rüstzeug“ auf seiner zweitenMissionsreise, begleitet von Silas, Lukas und Timotheus. Durch ein nächtliches Gesicht in Troas erhielt Paulus den Ruf von Gott, nach Europa hinüberzugehen. Er ging nach Philippi und begann hier, das Evangelium zu predigen. Die ersten Bekehrten waren hier die Lydia, der der Herr das Herz öffnete, sowie ihr ganzes Haus, welche daraufhin getauft wurden.[53]

In demselben Kapitel wird uns berichtet, daß Paulus durch die Heilung einer Wahrsagerin in den Kerker geworfen wurde. Durch die wunderbare Errettung wurde der Kerkermeister aufs tiefste erschüttert. Er war überzeugt, daß diese Menschen (Paulus und Silas) Knechte des Allerhöchsten seien. Zitternd fiel er zu ihren Füßen nieder und fragte: „Liebe Herrn, was soll ich tun, daß ich selig werde?“ Sie sprachen: „Glaubean den Herrn Jesum Christum, so wirst du und dein Haus selig! Und sagten ihm das Wort des Herrn und allen, die in seinem Hause waren.“ Nach diesem lesen wir: „Und er ließ sich taufen und alle die Seinen alsobald und freute sich mit seinem ganzen Hause, daß er an Gott gläubig worden war.“[54]

Von Philippi setzte Paulus seine Missionsreise weiter über Thessalonich und Athen nach Korinth fort, wo er ein Jahr und sechs Monate verweilte. In dieser bedeutendsten Handelsstadt Griechenlands, die den Weltverkehr zwischen dem Orient und dem Westen vermittelte, hatte Paulus die beste Gelegenheit, die Botschaft von dem Gekreuzigten zu verkündigen. „Der Synagogenvorsteher Krispus, mit seinem ganzen Hause und viele von den Korinthern, welche hörten,glaubtenund wurden getauft.“[55]Trotz großem Widerstand erblühte in kurzer Zeit eine große und lebendige Christengemeinde, eine Gemeinde reich an Gaben des hl. Geistes.[56]

Paulus und Silas im Hause des Kerkermeisters.

Paulus und Silas im Hause des Kerkermeisters.

Die letzte Stelle, welche für unsere Untersuchung ein wichtiges Zeugnis enthält, ist die in Apg. 19, 1–7. Hier wird uns erzählt, daß Paulus auf seiner dritten Missionsreise im Jahre 54 nach Ephesus kam, wo er etliche „Jünger“ fand, welche außer der Taufe des Johannes nochmals auf den Namen des Herrn getauft wurden. Also stellte auch Paulus an seine Täuflinge dieselbe Bedingung wie die andern Apostel des Herrn, nämlich Glaube und Sinnesänderung.

Hierzu bemerktHeitmüller: „Es bedarf ja kaum der Bemerkung, daß Paulus den Glauben bei dem Taufakt als vorhanden voraussetzt. Nur wer glaubte, ließ sich taufen.“[57]UndMosheim, aus der apostolischen Zeit berichtend, schreibt: „Es wurden keine anderen getauft als diejenigen, welche vorher in den Hauptwahrheiten der Religion sorgfältig waren unterwiesen worden und untrügliche Zeugnisse ihrer redlichen und heiligen Gemütsfassung abgelegt hatten.“[58]Ebenso bezeugt dies der GeschichtschreiberGottfried Arnold: „Gleicher Gestalt ging es bei der Taufe auch so ziemlich zu, daß man dem äußerlichen Werke nichts zuschrieb, und glaubte, es könnten alle Wasser keine einzige Sünde abwaschen, daher man die Neubekehrtenzuvor gründlich unterrichteteund sie von dem äußerlichen Werk, dafür die Vernunft zu fallen pflegt, auf einegründliche Veränderung des Lebensund inwendigeWiedergeburtweise.“[59]

Aus diesen vielen bestimmten biblischen Zeugnissen ersehen wir die unumstößliche Tatsache, daß während den Tagen Christi und der apostolischen Zeit die Taufe nie an unmündigen Kindern, die noch jedes Selbstbewußtsein entbehren, vollzogen wurde, sondern nur solche Personen getauftwurden, dievorherChristum und sein Evangelium im Glauben in ihren Herzen aufnahmen, die „Buße taten“, ihre „Sünden bekannten“ und die versprachen, Gott im Geist und in der Wahrheit zu dienen.

Wir lassen hier noch einige unparteiische Bibelforscher zu Worte kommen, die das bestätigen, was wir eben oben ausführten. ZuerstHieronymus(gest. 420), einer der gelehrtesten der lateinischen Kirchenväter. Er bemerkt in seinem Kommentar zu Matth. 28, 16–20: „Erst lehren sie alle Völker; dann tauchen sie die Belehrten ins Wasser ein, denn es ist unstatthaft, daß der Leib das Sakrament der Taufe empfange, wenn nicht die Seele vorher den wahren Glauben empfangen hat. Die Reihenfolge ist wichtig. Er befahl den Aposteln, daß sie zuerst alle Nationen unterrichten sollten und sie dann mit dem Sakrament des Glaubens taufen.“

Ebenso auch der berühmte und ehrwürdigeJohannes Goßner. Er sagt: „Der Glaube wird von dem Heilande der Taufe vorangestellt, weil seine Augen zuerst nach dem Glauben sahen und die, so getauft werden, vor allem an ihn glauben müssen; denn des Glaubens Siegel soll die Taufe sein, wie Abraham die Beschneidung empfing zum Siegel des Glaubens, den er schon vor der Beschneidung hatte. Darum darf sich kein Maulchrist auf seine Taufe verlassen ohne Glauben.“[60]

FernerDr.Olshausen: „Das Bekenntnis ist als Bedingung der Taufe zu denken. Wo daher das Bekenntnis fehlte, da fiel auch die Taufe aus.“[61]

Und StadtpfarrerBossertbezeugt: „Es ergibt sich, daß die Taufe in der Urgemeinde nur an solchen Personen vorgenommen wurde, welche zur Überzeugung geführt waren, daß Jesus der Messias ist, und welche bereit waren, alles auf sich zu nehmen, was für die Führung des Lebens sich aus diesem Glauben ergab.“[62]UndErnst Teichmannführt aus: „Die Taufe setzt den Glauben voraus. Wäre nicht zuerst der Glaube an Christum Jesum in dem Menschen vorhanden gewesen, so könnte die Taufe überhaupt nicht stattgefunden haben. Nur weil der Mensch gläubig geworden ist, wird er getauft und damit in die christliche Gemeinde aufgenommen.“[63]

ZuletztDr.Martin Lutherim Großen Katechismus: „Aufs dritte, weil wir den großen Nutzen und Kraft der Taufe haben, so laß nun weiter sehen, wer die Person sei, die solches empfange, was die Taufe gibt und nützet. Das ist abermals aufs feinste und klarste ausgedrückt eben mit den Worten: „Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig,“ das ist, derGlaube macht die Person allein würdig, das heilsame göttliche Wassernützlichzu empfangen. Denn weil solches allhier in den Worten bei und mit dem Wasser vorgetragen und verheißen wird, kann es nicht anders empfangen werden, denn daß wir solches von Herzen glauben; ohne Glauben ist es nichts nütze, ob es gleich in ihm selbst ein göttlicher, überschwenglicher Schatz ist. Darum vermag das alleinige Wort „wer da glaubt“ so viel, daß es ausschließet und zurücktreibt alle Werke, die wir tun können, der Meinung, als dadurch Seligkeit zu erlangen und verdienen. Denn es ist beschlossen, was nicht Glaube ist, das tut nichts dazu, empfängt auch nichts.“[64]

finden wir noch bis in das 4. Jahrh. hinein Spuren davon, daß Buße und Glaube als subjektive Bedingung der Taufe gefordert wurden.Justin der Märtyrer(gest. 166), der berühmteste unter den griechischen Apologeten, berichtet: „Nur die, welchewiedergeborenwerden wollen undBußetun, empfangen die Taufe.“[65]

InTertullian(gest. 230) besitzen wir einen weiteren Zeugen dafür, daß ein Unterricht der Taufe voranging und der Glaube an den Gekreuzigten zum Empfang derselben erforderlich war. Er bezeugt dies in klaren Worten in seinem Protest gegen die Idee der Kindertaufe, bei welcher Gelegenheit er auch gleichzeitig den Grund dafür angibt: „Sie sollen demnach auch kommen, wenn sie herangewachsen sind, wenn sie gelernt haben, wenn sie darüberbelehrtsind, wohin sie gehen sollen; sie mögen Christen werden, sobald sie imstande sind, Christum zu kennen. Sie mögen lernen, um ihr Seelenheil bitten, damit es den Anschein gewinne, daß man nur einem Bittenden gegeben habe.“[66]Ferner schreibt er: „Sobald der Glaube an Umfang gewonnen hatte durch den Glauben an Christi Geburt, sein Leiden und seine Auferstehung, so kam auch eine Erweiterung durch das Sakrament hinzu, die Besiegelung durch die Taufe als äußere Hülle für den Glauben... Das Predigen ist das frühere, das Taufen das spätere.“[67]Ebenso in seiner Schrift „Vom Kranze des Soldaten“, wo er sagt, daß sie erst dann die Taufe erhalten, wenn sie „vorherin der Kirche unter der Hand des Bischofs die Erklärung abgegeben, daß sie dem Teufel, seiner Pracht und seinen Engeln widersagen“.[68]Tertullian sah also in der Taufe garkeinen Wert, wenn sie an solchen Personen vollzogen wurde, denen das Selbstbewußtsein und der persönliche Glaube fehlte.

Prof.Dr.Probstführt zu diesem Punkt aus: „Jeder Ungläubige, der um Aufnahme in die Kirche bat, wurde mit Freuden aufgenommen, jedoch nicht sogleich zur Taufe, sondern vorerst zum Katechumenate zugelassen. In ihm fand die Vorbereitung auf den Empfang der Taufe, sowohl nach der intellektuellen als moralischen Seite statt. Wenn die Katechumenen das, was gelehrt wurde,glaubten und darnach zu lebenversprachen, erhielten sie das Sakrament, während man schlecht vorbereitete Katechumenen zurückstellte oder ganz abwies.“[69]Walfried Strabo, ein bedeutender theologischer Schriftsteller der ersten Hälfte des 9. Jahrh., schreibt in seinem BuchDe exordiis et incrementis rerum ecclesiasticarum: „Es ist bemerkt, daß in primitivem Alter die Gnade der Taufe nur denjenigen gegeben wurde, die in Körper und Verstand zu solcher Reife herangewachsen waren, daß sie die Wohltat, die durch die Taufe erlangt wird, verstehen und würdigen.“Salmasius(gest. 1653) undSuicerus(gest. 1684) erklären: „Die ersten zwei Jahrhunderte empfing keiner die Taufe, der nicht zuerst in dem Glauben und der Lehre Christi unterrichtet worden war.“[70]

Auch in der alexandrinischen Kirche, welche sich mit allen ihren theologischen und dogmatischen Begriffen von der nordafrikanischen wesentlich unterschied und wo die Lehre von der Notwendigkeit der Kindertaufe schon ziemlich vorherrschend war, finden wir noch die apostolische Einrichtung, der zufolge vom Täufling vor dem Empfang der Taufe rechtschaffene Früchte der Buße verlangt wurden, sowie ein offenes Bekenntnis seines Glaubens. Den Beweis dafür entnehmen wir den Schriften desOrigenes: „Ich flehe euch an,“ sagt er, „nur mit großer Behutsamkeit zur Taufezu kommen. ZeigetvorherFrüchte der rechtschaffenen Buße. Bringet einige Zeit mit göttlichem Gespräch zu, indem ihr euch vor allen Unreinigungen und allem Übel bewahrt, dann werdet ihr die Verzeihung der Sünde empfangen.“[71]„Laß ein jeder sich ins Gedächtnis zurückrufen, wie er zuerst zu dem Wasser der Taufe kam, als er die ersten Symbole des Glaubens empfing, und er sich dann dem Brunnen des Heils näherte, welche Worte er zu jener Zeit brauchte, wie er dem Teufel lossagte, daß er seine Gepränge nicht mehr brauchen würde, noch seine Worte, und daß er keinem seiner Dienste oder Vergnügungen nachkommen würde.“[72]Und in seiner Schrift gegen Celsus schreibt Origenes: „Wenn aber diejenigen unter den Ermahnten, die im Guten Fortschritte machen, zeigen, daß sie durch das Wort gereinigt worden sind und soviel als möglich ein besseres Leben geführt haben,dannladen wir sie ein, sich in unsere Gemeinschaft aufnehmen zu lassen.“[73]„Wenn wir aber zur Gnade der Taufe kommen,widersagenwir allen andern Göttern und Herrn und bekennen allein Gott den Vater und Sohn und hl. Geist.“ Hierzu bemerkt noch Prof.Dr.Probst: „Das Symbolum wurde aber vom Täufling nicht etwa auf gemachte Aufforderung vollständig hergesagt, sondern das Bekenntnis derselben geschah in der Form von Frage und Antwort.“[74]

Die Briefe Cyprians aus dem Ketzertaufstreite legen ebenfalls ein unzweideutiges Zeugnis dafür ab, daß das Glaubensbekenntnis vor der Taufe in Form von Frage und Antwort abgelegt wurde. Cyprian schreibt: „Es macht nun vielleicht jemand den Einwurf und sagt, Novatian halte sich mit der katholischen Kirche an dasselbe Gesetz, er taufe auf die gleiche Art wie wir, er anerkenne denselben Gott Vater, denselben Christus den Sohn, denselben hl. Geist und dürfe deshalb die Gewalt zu taufen in Anspruch nehmen, weil er in der Fragestellung bei der Taufe von uns nicht abzuweichen scheint. Wer immer nun diesen Einwand vorbringen zu müssen glaubt, der möge zuerst wissen, daß wir und die Schismatiker nicht dasselbe Glaubensbekenntnis bei der Taufe noch auch die nämliche Fragestellung haben. Denn wenn sie sagen: Glaubst du an den Sündennachlaß und an das ewige Leben durch die heilige Kirche? — so lügen sie mit dieser Frage, da sie keine Kirche haben.“[75]Ebenso schreibt Cyprian im Namen zahlreicher auf einem Konzil versammelter Bischöfe: „Aber auch die bei der Taufe gebräuchlicheFragestellunggibt der Wahrheit Zeugnis. Denn wenn wir sagen: Glaubst du an das ewige Leben und an die Vergebung der Sünden durch die heilige Kirche? so verstehen wir damit, daß nur in der Kirche Sündenvergebung erteilt werden könne.“[76]

Ein gleiches klares Zeugnis findet sich auch in den katechetischen Schriften desCyrill von Jerusalem(gest. 386). Nachdem der Täufling sich von Satan lossagte, wandte er sich gegen Sonnenaufgang und bekannte: „Ich glaube an den Vater und an den Sohn und an den hl. Geist und an eine Taufe der Buße.“[77]Dies bestätigt Cyrill in seiner zweiten mystagogischen Katechese, Kap. 4, indem er sagt: „Es wurde ein jedes gefragt, ob es glaube an den Namen des Vaters und des Sohnes und des hl. Geistes. Und er bekannte das heilbringende Bekenntnis.“

Es muß hier aber bemerkt werden, daß schon seit dem Anfang des 3. Jahrh. die Ablegung des Glaubensbekenntnisses vielfach nur noch etwas bloß Oberflächliches und Äußerliches war. Man gestaltete den Weg des Heils immer breiter und machte es den Heiden, die zur christlichenKirche übertraten, leicht und bequem. Und da man es für verdienstlich hielt, die Herde Christi schnell zu vermehren, so suchten sich die sogenannten Heidenapostel durch Massenbekehrungen Ruhm zu erwerben. Gründlichen Unterricht im Evangelium und wahre Herzensbekehrung sah man bald als hinderliche Dinge an. Man ließ sich von dem falschen Grundsatz leiten, daß, wenn der Heide nur einmal der christlichen Kirche angehöre, der Geist des Evangeliums und die Wirksamkeit ihrer Lehrer ihn stufenweise weiterführen könne.

Nach diesem Grundsatz suchteGregorius Thaumaturgos(gest. 270), Glieder für die Kirche Jesu Christi zu gewinnen.Neanderschreibt in seiner Kirchengeschichte von ihm: „Da er wahrnahm, daß viele aus dem Volke durch die Liebe zu ihren alten mit dem Heidentume verbundenen Lustbarkeiten an die väterliche Religion gefesselt blieben, so wollte er den Neubekehrten einenErsatzdafür geben. Nach der decianischen Verfolgung (250), welche viele in dieser Gegend dem Märtyrertode zugeführt hatte, stiftete er ein allgemeines Märtyrerfest und erlaubte der rohen Menge, dies mit ähnlichen Gastmählern wie bei den heidnischen Totenfeiern (Parentalia) und bei andern heidnischen Festen zu feiern. Er meinte, so werde ein Hindernis der Bekehrung hinwegfallen, und wenn sie einmal Mitglieder der christlichen Kirche wären, würden sie nach und nach von selbst, nachdem ihr Sinn durch das Christentum vergeistigt worden, die sinnlichen Vergnügungen fahren lassen. Aber er bedachte nicht, welche Vermischung heidnischer und christlicher Vorstellungen und Gebräuche aus dieser Anbequemung hervorgehen konnte, — was nachher wirklich geschah — wie schwer das Christentum im Leben recht durchdringen konnte, wenn es von Anfang an durch diese Vermischung getrübt wurde.“[78]

Wie weit aber damals schon der sittliche Verfall der Christenheit vorgeschritten war, ersehen wir aus folgendemZeugnisCyprians: „Alle ließen sich nur die Vermehrung ihres Vermögens angelegen sein und waren, vergessend, was die Gläubigen früher zu den Zeiten der Apostel getan hatten und immer tun sollten, voll unersättlicher Habgier nur darauf bedacht, ihre Schätze zu vermehren. Bei den Priestern fehlte es an frommer Gottesfurcht, bei den Kirchendienern an wahrem Glauben, in den Werken an Barmherzigkeit, in den Sitten an Zucht.“ „Durch schlauen Betrug hinterging man die Herzen der Einfältigen, durch listige Kunstgriffe suchte man die Brüder zu berücken. Mit Ungläubigen knüpfte man das Band der Ehe, gab Heiden die Glieder Christi preis. Man schwur nicht bloß leichtsinnig sondern auch falsch, die Vorsteher verachtete man in hochmütigem Dünkel, verleumdete einander mit giftigem Munde, war gegenseitig mit andauerndem Hasse entzweit. Viele Bischöfe, welche die andern ermahnen und ihnen zum Beispiele dienen sollten, ließen sich mit Vernachlässigung ihres göttlichen Amtes zur Verwaltung weltlicher Geschäfte herab, entfernten sich von ihrem Stuhle, ließen das Volk im Stich, schweiften in fremden Provinzen umher und besuchten die Jahrmärkte, um einträgliche Geschäfte zu machen.“[79]

Überschreiten wir das 4. Jahrh., so werden wir finden, daß die biblischen Vorbedingungen der Taufe immer seltener und schließlich gänzlich außer acht gelassen werden. Durch die in der Mitte des 3. Jahrh. aufgekommene Kindertaufe finden wir die stärksten Verschiebungen der einzelnen Akte. Der bußfertige Glaube, der, wie wir sahen, in den Tagen der Apostel und auch noch bis in die Zeit des Cyrill von Jerusalem als subjektive Bedingung der Taufe gefordert wurde, mußte wegfallen, und das Ablegen des Glaubensbekenntnisses und Gelübdes kann heute nicht mehr vor der Taufe sondern viele Jahre nachher, nämlich erst bei der Konfirmation, stattfinden.

Ende des Kapitels


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