Ununterbrochene Spuren der Taufpraxis durch Untertauchung.
Die Schriften des N. Testaments erbrachten uns den Beweis, daß im Laufe des 1. Jahrh. der Christengemeinde die Taufe nur durch Untertauchung vollzogen wurde, und daß dies die einzige richtige Art und Weise der Taufe ist; so darf es wohl für uns von größtem Interesse sein, zu sehen, wie lange man bei der von Christo befohlenen und von den Aposteln befolgten Form der Taufe blieb.
In diesem Zeitalter, das von der Geburt Christi datiert und fast einstimmig bis zum Untergang des weströmischen Reiches im Jahre 476 herabgeführt wird, lassen sich ohne große Mühe Spuren von der Taufpraxis durch Untertauchung finden.Tertullian(gest. 230), der große Apologet von Karthago (in Nordafrika), der erste bedeutende Kirchenlehrer des Abendlandes, ein Mann, der die ganze Kraft seines feurigen Geistes auf die Verfechtung der christlichen Lehre wandte, schreibt in seiner Schrift, die den Titel „De Baptismo“ (Über die Taufe) führt, welche er etwa im Jahre 206 n. Chr. verfaßte: „So wird denn auch die Erlangung des ewigen Lebens schon des Umstandes halber um so unglaublicher gehalten, weil der Mensch in so großer Einfachheit, ohne Pomp, ohne irgendwelche ungewöhnlichen Vorkehrungen, ohne Aufwandin das Wasser hinabsteigt, und unter dem Aussprechen vonein paar Wortenuntergetauchtwird.“[113]Und in Kap. 7 derselben Schrift sagt er: „In derselben Weise ist auch der körperliche Akt der Taufe selbst, der darin besteht, daß wirim Wasser eingetauchtwerden.“ Ebenso erwähnt er die Untertauchung bei der Taufe in seiner Schrift „Vom Kranze des Soldaten“, Kap. 3, welche er fünf Jahre später schrieb, doch mit dem Unterschiede, daß er hier die dreimalige Untertauchung ausdrücklich in Erwähnung bringt. Wir werden im Laufe unserer Untersuchung dieser Sitte (der dreimaligen Untertauchung) noch des öfteren begegnen; wir wollen aber mit der Entstehung und Geschichte derselben uns an dieser Stelle nicht beschäftigen, da wir es weiter unten in einem besonderen Abschnitte tun werden.
Der sogenannteBarnabas-Brief, der nach dem Urteil der besten Autoren erst am Ende des 2. Jahrh. geschrieben wurde, enthält ebenfalls ein Zeugnis für die Untertauchung. Es heißt in demselben: „Wir steigen hinab ins Wasser, beladen mit Sünden und Verderben, und steigen herauf, fruchtbar geworden, im Herzen die Furcht (gegen Gott) hegend und im Geiste die Hoffnung auf Jesum.“[114]Der Verfasser vom „Hirt des Hermas“ spricht des öfteren vom „Hinabsteigen in das Wasser“ und vom „Heraufsteigen“ aus demselben.
Gegen Ende des 4. Jahrh. berichtet unsCyrill von Jerusalem(gest. 386), daß nach Ablegung des Glaubensbekenntnisses die Katechumenenim Wasser untergetauchtwurden. Cyrill erwähnt diesen Taufmodus noch im 4. Kapitel seiner zweiten mystagogischen Katechese: „Dann wurdet ihr,“ sagt er, „zum Schwemmteich der heiligen Taufe geführt, wie Christus vom Kreuze zu dem nächst gelegenen Grabe. Und jeder wurde gefragt, ob er an den Namen des Vaters, des Sohnes und deshl. Geistes glaube? Und ihr bekanntet das heilsame Bekenntnis, und wurdet dreimal in das Wassergetaucht.“
AuchBasilius der Große, Erzbischof von Cäsarea in Kappadozien (gest. 379), führt in seinem Buch „Vom hl. Geist“, Kap. 27, hinsichtlich des Taufritus das Untertauchen an.[115]Dies geht auch klar aus seiner Ermahnung an seine Täuflinge hervor, indem er da ausführt: „Betest du den an, der für dich gestorben ist, nun wohlan, dann laß dich auch mit ihm in der Taufebegraben.“[116]Desselben Ausdrucks bedient er sich auch in Kap. 1 derselben Schrift. Der Bruder des Basilius,Gregor von Nyssa(gest. 395), schreibt an seine Schwester Makrina: „DasHinabsteigenaber ins Wasser undHineintauchendes Menschen enthält ein anderes Geheimnis.“[117]Ambrosius(gest. 397) sagt, indem er von den vielen Geheimnissen der Taufe spricht: „Das Wasser ist es, worin das Fleischversenktwird. Aller Frevel wird dortbegraben.... So bist du gleichsam in diesem irdischen Elementebegraben, jetzt tot der Sünde, aber auch wiedererstandenzum ewigen Leben.“[118]UndChrysostomus(gest. 407) spricht von dem Täufling als von einem, der „aus dem Wasser steigt“[119]und als von einem „Begraben unseres Leibes in dem Taufwasser“.[120]Das aus dem Wasser Steigen besagt aber vor allem ein Hineinsteigen in dasselbe, welches, um die Taufe in ihrer richtigen Art, d. h. durch Untertauchung, auszuführen, auch unbedingt nötig ist.
Die Schriften, die man als „apostolische Konstitutionen“ bezeichnet, deren Sammlung und Entstehung von den meisten Gelehrten ins 4. Jahrh. gesetzt wird,[121]bringen in Kap. 17 ebenfalls Beweise für das Untertauchen.Dr.Augustiübersetzt diese Stelle in seinen „Denkwürdigkeiten aus der christl. Archäologie“ VII, S. 88. 89, welche wir hier wörtlich wiedergeben: „Die Taufe“, heißt es da, „wird auf den Tod Jesu erteilet. Das Wasser ist statt des Grabes; das Öl statt des hl. Geistes; das Siegel statt des Kreuzes. Die Salbung ist die Bestätigung des Bekenntnisses. Die Erwähnung des Vaters erinnert an den Urheber und an den Aussender. Die Zuziehung des Geistes erinnert an den Zeugen; dasUntertauchenan dasMitsterben; dasAuftauchenan die Auferstehung.“
Ehe wir das Altertum verlassen, gedenken wir noch an dieBaptisterien(Taufkapellen), die ebenfalls für die in diesem Zeitalter noch herrschende Sitte der Untertauchung zeugen. Während man in der apostolischen Zeit und bis in die zweite Hälfte des 3. Jahrh. keinen bestimmten Taufort hatte sondern in jedem beliebigen Wasser taufte, kamen am Ende des 3. Jahrh. besonders aber seit Konstantins Übertritt zum Christentum eigene Taufhäuser, Baptisterien, in Gebrauch, die in der Nähe der bischöflichen Kirche errichtet waren, da in älterer Zeit nur die Bischöfe das Recht hatten, die Taufe zu vollziehen. Im Mittelpunkt dieser Baptisterien befand sich ein großer Wasserbehälter, in welchem der Täufling untergetaucht wurde. Eine nähere Beschreibung darüber finden wir vonDr.H. HolzmannundDr.R. Zöpffel: „Die Baptisterien waren rund, sechs- oder achteckig oder in Kreuzform gebaut und meist groß und geräumig. Das Innere oder Heilige derselben, wo die Taufe selbst erfolgte,enthielt eingroßes Bassin. Da die Taufe ursprünglich nur in der Hauptkirche vollzogen wurde, hatte nur diese ein Bassin; später wurden diese Anbauten auch bei andern Kirchen eingeführt. Noch später wurde nach gänzlichem Aufhören des Untertauchens der Taufakt in die Kirche selbst verlegt und am Taufstein, der an die Stelle jenes Bassins trat, vorgenommen. Dagegen haben die griechische und russische Kirche mit der Sitte des Untertauchens das Bassin beibehalten. Berühmte Baptisterien sind in Parma, Ravenna, Florenz erhalten.“[122]
Inneres des Baptisteriums von San Giovanni im Lateran.
Inneres des Baptisteriums von San Giovanni im Lateran.
Dazu berichtetDr.Augusti: „Die noch vorhandenen Baptisterien sind alle aus der alten Zeit, und die meisten derselben haben ein weit höheres Alter als die Kirchen. Je größer der Umfang derselben ist und je mehr Raum, Wölbung und Tiefe das Taufbecken oder der Taufbrunnen hat, desto höher kann das Alter angenommen werden. Die kleineren Becken und Brunnen rühren aus den Zeitaltern her, wo die Kindertaufe und der Aspersionsritus [das Besprengen] eingeführt war.“[123]
Ein berühmtes Baptisterium ist das von San Giovanni im Lateran. Es war ursprünglich das einzige für die ganze Stadt Rom. Anton de Waal schreibt darüber: „Dieses Baptisterium geht in seiner Gründung auf Konstantin zurück; die jetzige Form ist im wesentlichen diejenige, welche ihm Sixtus III. (432–440) gegeben hat. Die im Achteck um den Taufbrunnen gestellten Säulen aus Porphyr tragen ein Gesims von weißem Marmor, über welchem acht kleinere Säulen den Blick in die Kuppel emporleiten. Das Taufbassin selber war noch um mehrere Stufen tiefer, als es heute der Fall ist, da in alter Zeit die Taufe durch Untertauchen gespendet wurde.“[124]
In Salona, Dalmatien, hat vor nicht so langer Zeit eine Ausgrabungs-Expedition eine solche Taufkapelle bloßgelegt, welche noch aus der Zeit Diokletians (284–305), des grausamen Christenverfolgers, stammt, der in einem Edikt vom 24. Februar 303 die Niederreißung der Kirchen befahl.
Cyrill von Jerusalem(gest. 386) vollzieht die Taufe an seinen Neubekehrten in einer solchen Taufkapelle. Er erwähnt dies in seiner ersten mystagogischen Katechese, Kap. 2: „Zuerst ginget ihr in die Vorhalle desTaufhauses; dort standet ihr gegen Sonnenuntergang gewendet und horchtet auf; und es ward euch befohlen, die Hände auszustrecken und dem Satan, als wäre er gegenwärtig, zu widersagen.“ „Und ihr bekanntet,“ lesen wir in seiner zweiten Unterweisung, Kap. 4, „das heilsame Bekenntnis und wurdetin das Wasser getaucht.“ Das Baptisterium erwähnen noch Chrysostomus, Ambrosius, Augustin u. a. m.[125]
Einige dieser Taufkirchen waren so groß und geräumig, daß Synoden und Kirchenversammlungen in denselben gehalten werden konnten. „Man kann sich auch von ihrer Größe schon daraus eine Vorstellung machen,“ schreibtDr.Augusti, „wenn man weiß, daß an manchen Orten, wie z. B. in Antiochien, zuweilen in einer Vigilien 3000 Personen beiderlei Geschlechts die Taufe empfingen.“[126]Dr.Brennerführt aus: „Das Wasserbassin oder das eigentliche Baptisterium ist zuweilen vonbeträchtlichem Umfange und ansehnlicher Tiefe, in dem ein Knäbchen, welches jemand bei andringender Volksmenge in dasvon Papst Damasus (gest. 384) erbaute Baptisterium hatte fallen lassen, erstnach einer Stundeaufgefunden werden konnte.“[127]Der christliche DichterDante(1265–1321) erzählt in seiner „Hölle“ von einem ähnlichen Vorfall. Er rettete nämlich ein Kind, welches in das Baptisterium zu St. Johannes in Florenz gefallen war, vom Ertrinken.[128]
Ruine einer Taufkapelle zu Salona.
Ruine einer Taufkapelle zu Salona.
Falls heutzutage ein Kind das Unglück haben sollte, in einen modernen Taufbehälter zu fallen, welche, wie schon oben angeführt, nach gänzlichem Aufheben des Untertauchens an die Stelle jener tiefen und umfangreichen Baptisterien kamen, so würde es sicherlich nicht in Gefahr sein, sein Leben durch Ertrinken zu verlieren, und man würde auch wohl keine „ganze Stunde“ dazu nötig haben, um das „verunglückte“ Kindlein darin aufzufinden. Die Taufbecken, die man heute in den Kirchen vorfindet, sind eng und flach, und bei der Ausführung der Besprengung ist nur eine geringe Quantität Wasser darin vorhanden. Dies bestätigt auchDr.Brenner, indem er schreibt: „Jetzt sind die Taufbrunnen so flach und eng, daß man in denselben auch einem neugebornen Kinde die Taufe durch Untertauchen nicht mehr erteilen könnte. Nun haben die Taufbrunnen keine andere Umgebung als die Kirchenmauern; hölzerne oder metallene Deckel verschließen sie; niedere Geländer fassen sie ein, und in ihrer geringen Höhlung steht ein totes Wasser. Jetzt fordert und erhält jedermann die Erlaubnis, ohne alle Not, seine Stube als Kirche oder Oratorium und seine Schüssel als Baptisterium zu gebrauchen.“[129]
Selbst durch das dunkle Mittelalter, das ist die Zeit vom Untergang des weströmischen Reiches 476 biszum Beginn der Reformation im Jahre 1517, lassen sich die Spuren verfolgen, wo die Taufe, wenn auch nicht mehr ganz in ihrer biblischen Reinheit, so doch noch vielfach durch Untertauchen verrichtet wurde. So wird z. B. von Papst Gregor dem Großen (590–604) das Untertauchen ausdrücklich vorgeschrieben. Diese Anordnung Gregors zitiertDr.Brennerin seiner „Geschichte der Taufe“, S. 32.
Auch in der spanischen Kirche vollzog man die Taufe durch völliges Untertauchen; doch wich man von der in der Zeit schon herrschenden Sitte der dreimaligen Untertauchung, welche übrigens ja auch vollständig unbiblisch ist, ab und tauchte seit den Tagen Leanders, Bischof von Sevilla (gest. 597), den Täufling nur einmal unter, „um dadurch,“ wieDr.Brennerbemerkt, „seinen Abscheu gegen die Arianer an den Tag zu legen, welche die dreimalige Untertauchung dazu mißbrauchten, um die drei verschiedenen Naturen der drei Personen in der Gottheit auszudrücken. Dies einmalige Untertauchen wird von Papst Gregor dem Großen gutgeheißen.“[130]
Die abessinische Kirche vollzieht die Taufe bis auf den heutigen Tag durch Untertauchen.[131]
Das IV. Konzil von Toledo unter Papst Honorius I. im Jahre 633 erklärt, sich auf diese Entscheidung Gregors berufend: „Laßt uns an dem einmaligenUntertauchenbei der Taufe festhalten, damit nicht bei uns die, welche dreimal untertauchen, die Behauptung der Irrlehrer zu billigen scheinen, solange sie auch dem Brauche folgen.“[132]
Ein Taufbecken aus neuerer Zeit.
Ein Taufbecken aus neuerer Zeit.
Auf der englischen Synode zu Celchyt oder Calchut unter dem Vorsitz des Erzbischofs Wulfred von Canterbury am 27. Juli 816 wurde dasBegießen in Englandausdrücklichverboten, und man verordnete, „daß die Priester niemandem die Taufe verweigern, und den Täuflinguntertauchen, nicht bloß über die Köpfe der Kinder Wasser gießen sollen.“[133]Vierhundert Jahre später, auf der Synode zu London im Jahre 1200, Kanon 3, wird das Untertauchen noch erwähnt.[134]
Auch in Deutschland wurde im Mittelalter noch immer die Untertauchung beim Vollzug einer Taufe in Anwendung gebracht. So erklärte das Konzil zu Worms im Jahre 868 diesen Ritus als die richtige Art der Taufe.[135]
Der ehrwürdige BischofOtto von Bamberg(gest. 1139) hat sich durch seine erfolgreiche Einführung des Christentums in Pommern sehr verdient gemacht und sich einen bleibenden Namen in der Geschichte erworben. Mit Recht wird er als der „Apostel der Pommern“ gepriesen, und er verdient, hier erwähnt zu werden. Auf einen Brief hin, den Otto vom Herzog Boleslav von Polen erhielt, der ihn auf das dringlichste bat, zu kommen und den Pommern das Christentum zu bringen, machte sich Otto am 24. April 1124, von einem zahlreichen Gefolge begleitet, auf, um dem Rufe Folge zu leisten. Zu seinem Schutze begleitete ihn von Polen aus der Hauptmann Paulitzky mit einer bewaffneten Schar. Sie nahmen ihren Weg zunächst nach der Stadt Pyritz, unweit Stargard, wo sie auch nach einer beschwerlichen Reise zu Pfingsten des Jahres 1124 eintrafen. Gott segnete die Bemühungen dieses treuen Zeugen an diesem Orte besonders und krönte sie mit großem Erfolge. Er durfte nämlich in ganz kurzer Zeit nicht weniger als 7000, die den christlichen Glauben annahmen, taufen.
Was uns aber an dieser Stelle besonders interessiert, ist, zu wissen, wie dieser ehrwürdige Bischof die Taufe anseinen neubekehrten Pommern handhabte.Dr.Neander, der große deutsche Gelehrte, berichtet darüber: „Sieben Tage gebrauchte der Bischof zum Unterrichte, dann wurden drei Tage zur geistigen und leiblichen Vorbereitung für die Taufe angesetzt. Sie hielten ein Fasten und badeten sich, um gereinigt mit Anstand der heiligen Handlung sich unterziehen zu können. Große Fässer mit Wasser wurden in der Erde vergraben und mit einem Vorhange umgeben. Hinter demselben wurde die Taufe nach derdamals üblichen Weise, durchUntertauchung, verrichtet. Während ihres zwanzigtägigen Aufenthaltes in dieser Stadt wurden siebentausend getauft und die Getauften in den Gegenständen des Glaubenssymbols unterrichtet und über die bedeutendsten Handlungen des Kultus belehrt.“[136]Vor seiner Abreise von Pyritz hielt er an die Neugetauften eine ergreifende Abschiedsrede, worauf er die Stadt verließ, um nach Kammin zu reisen. Nach vierzigtägigem Aufenthalt hier setzte er seine Missionsreise fort und kam zunächst auf die Insel Wollin. Von hier aus besuchte er die Städte Stettin, Kolberg, Belgard, Usedom, Demmin, Wolgast, Gützkow u. a. m. Fast an allen Orten meldeten sich große Scharen zur Taufe, welche er stets durch Untertauchung vollzog.[137]
Der Ottobrunnen in Pyritz.
Der Ottobrunnen in Pyritz.
Etwas außerhalb von Pyritz liegt der wohlbekannte Ottobrunnen, den der Schreiber dieses gelegentlich selbst in Augenschein nahm. In dieser Quelle taufte Otto von Bamberg die ersten Christen in Pommern. König Friedrich Wilhelm III. und seine Söhne ließen im Jahre 1824, als man das siebenhundertjährige Jubiläum der Einführung des Christentums in Pommern feierte, an diesem Platze ein würdiges Denkmal errichten. Der Brunnen ist durch eine Einfassung von Granit umgeben. Ein hohes Kreuz, das aus der Mitte dieser Einfassung aus poliertemrotem Marmor emporragt, verkündet jedem Besucher die hohe Bedeutung dieses Ortes. Auf der erhöhten Hinterwand, welche einen Halbkreis bildet, ist in eingemeißelter Schrift zu lesen: „Bischof Otto von Bamberg taufte zuerst die Pommern aus dieser Quelle am 15. Juni 1124. Friedrich Wilhelm III. und seine Söhne...... errichteten dieses Denkmal zum Andenken jenes Tages am 15. Juni 1824.“ Vor dem Kreuz befindet sich ein Wasserbassin, welches durch dieselbe Quelle gespeist wird, die einst jene großen Fässer mit Wasser füllte, in denen Bischof Otto, wie schon oben erwähnt, die Taufe vornahm. Das Bassin ist so groß, daß man gut eine Taufe durch Untertauchung darin vornehmen könnte. An der Hinterwand des Wasserbassins steht eine lateinische Inschrift, die wir in der Übersetzung von R.Pelz[138]hier angeben. Sie lautet:
„Zum Quell des Lebens eilt, und wascht die Seele rein;Des sel’gen Lebens Tür wird Jesus Christus sein.“
„Zum Quell des Lebens eilt, und wascht die Seele rein;Des sel’gen Lebens Tür wird Jesus Christus sein.“
„Zum Quell des Lebens eilt, und wascht die Seele rein;Des sel’gen Lebens Tür wird Jesus Christus sein.“
„Zum Quell des Lebens eilt, und wascht die Seele rein;
Des sel’gen Lebens Tür wird Jesus Christus sein.“
Gehen wir in der Kirchengeschichte etwa 140 Jahre weiter voran, so finden wir, daß noch nach der Mitte des 13. Jahrh.Thomas von Aquin(gest. 1274), der von katholischer Seite als „eines der größten Lichter der Kirche, ein Engel im Fleische und ein Engel im Lehramte“[139]bezeichnet wird, sagt, „daß das Untertauchen allgemeiner Gebrauch, daher sicher sei“.[140]
UndDr.Brennerbezeugt: „Dreizehnhundert Jahre war das Taufen allgemein und ordentlich ein Untertauchen des Menschen unter das Wasser, und nur in außerordentlichen Fällen ein Besprengen oder Begießen mit Wasser; letzteres ward außerdem als Taufweise bezweifelt, ja sogar verboten.“[141]
„Das Konzil zu Utrecht im Jahre 1293 gestattet das Aufgießen nur dann, wenn bei dem Untertauchen der Tod zu befürchten ist.“[142]
Am Ende dieses, des 13. Jahrh., ist die Zeit, wo die allgemeine Sitte der Besprengung in der christlichen Kirche ihre Aufnahme fand. Es ist aber eine unrichtige Vorstellung, wenn man glaubt, daß von diesem Zeitpunkt ab der sonst gebräuchliche Ritus des Untertauchens gänzlich abgeschafft worden sei. Die Geschichte beweist vielmehr, daß das Untertauchen nie ganz aufgehoben wurde. In noch am Ende des 15. Jahrh. gedruckten liturgischen Büchern wird das Untertauchen anbefohlen.Dr.Brennerführt dies in seiner „Geschichte der Firmung“, S. 252, an, welches noch ein Nachtrag zu seiner zwei Jahre vorher erschienenen „Geschichte der Taufe“ sein soll. Er sagt: „Ein im Jahre 1487 durch Nikolaus De Franckorda zu Venedig gedrucktes Missale mit der Überschrift: „Incipit ordo missalis secundum consuetudinem romanae curiae“ stellt die Erteilung der Taufe noch ganz mit den Worten Papst Gregors des Großen dar.“
Auch in neuerer Zeit, d. h. von der Reformation des 16. Jahrh. bis auf die Gegenwart, finden wir bezeichnende Beweise für die Ausübung der Untertauchung.
Dr.M. Lutherschreibt: „Ich wünschte, daß solche, die getauft werden sollen, vollständig in Wasser getaucht würden, gemäß der Bedeutung des Wortes und dem Grundgedanken der heiligen Handlung; nicht weil ich es für nötig halte, sondern weil es schön wäre, wenn wir ein ganzes und vollkommenes Zeichen für eine so große Sache hätten; wie es auch ohne Zweifel von Christo eingesetzt wurde.“ Demgemäß gibt er auch in seinem „Taufbüchlein“ von1523 sowie auch in der neuen Umarbeitung desselben vom Jahre 1524 dem Geistlichen die Anweisung: „Da nehme er das Kind undtauchees in die Taufe.“[143]
An Heinrich Genesius, Pfarrer zu Ichtershausen, schrieb Luther 1530, wie eine Jüdin soll getauft werden, folgendes: „In Betreff der Taufe des jüdischen Mädchens bin ich mit euch derselben Meinung, daß es ganz mit Leintüchern bedeckt getauft werde, und zwar in der Weise, in welcher man sich in unsern Bädern der Leintücher bedienet, die man „Badetuch“ heißt. Darum wäre dies mein Rat, daß sie in einer großen, weiten Wanne voll Wasser stehend und mit einem Leintuch verhüllt, ehrbarlich mit Wasser übergossen würde, oder auch, wenn sie bis an den Hals im Wasser sitzend, mit demselben Tuch bekleidet, mit dem Haupte durch dreimalige Eintauchunguntergetauchtwürde.“[144]
Einen weiteren bezeichnenden Beweis finden wir in der mailändischen Kirche, trotzdem sie sich in Roms Nachbarschaft befand.Dr.Brennerführt darüber aus: „Es verdient daher als eine höchst merkwürdige Erscheinung in der liturgischen Welt erwähnt zu werden, daß noch am Ende dieser Periode (des 16. Jahrh.) der hl. Karl Borromeo (Erzbischof von Mailand, gest. 1584) das Untertauchen für die mailändische Kirche auf immer festsetzt.“[145]
In einer Schrift von dem berühmten ArztJohn Floyer, betitelt: „On cold bathing“ (vom kalten Bad) ist auf Seite 50 zu lesen: „Die englische Kirche hat das Untertauchen bis zum Anfang des 17. Jahrh. beibehalten, von der Zeit aber in die Besprengung (adspersion) verwandelt, weil man befürchtete,“ — man achte bitte hier auf den Grund der Abänderung der alten Taufweise — „das kalte Wasser sei der Gesundheit schädlich“.[146]Floyertritt dieser Annahme entschieden entgegen, indem er auf Seite 11 und 51 in seiner erwähnten Schrift bemerkt: „Wir müssen es für eine törichte Verweichlichung in unserem Zeitalter halten, daß man das Untertauchen und kalte Baden für einen gefährlichen Gebrauch hält. Wir müssen doch zugeben, daß der, der unsern Leib bereitet hat, niemals uns irgend etwas befehlen wird, was unserer Gesundheit schädlich wäre; sondern im Gegenteil am besten weiß, was der Erhaltung derselben am dienlichsten ist, und oft in einem Gebote für das Wohl unserer Seele sorgt.“Dr.Wallsetzt sogar fest, daß die englische Kirche den Gebrauch des Besprengens „erst nach dem Verfall des Papsttums annahm“.[147]
Diemorgenländische Kirchehat die alte ursprüngliche Sitte des Untertauchens unverändert bis auf den heutigen Tag beibehalten und erklärt sie für so wesentlich, „daß sie die nach abendländischer Weise (durch Besprengung) erteilte Taufe für keine gültige anerkennt und daher häufig den Taufakt wiederholen will. Man nennt die Abendländer spottweisebesprengte Christen, und verlangt die Wiedertaufe derselben, wenn sie zur orthodoxen Kirche übertreten wollen.“[148]
Ein Taufbassin aus dem Anfang des 17. Jahrh. in Rynsburg bei Leyden.
Ein Taufbassin aus dem Anfang des 17. Jahrh. in Rynsburg bei Leyden.
Hier mögen nochDr.Wallswichtige Ausführungen bezüglich dieses Punktes Platz finden: „Die griechische Kirche in allen ihren Zweigen tauft durch Untertauchen, und so tun alle andern Christen in der Welt außer den lateinischen. Alle christlichen Völker, welche vormals der Autorität des Bischofs von Rom sich unterworfen haben, taufen gewöhnlich ihre Kinder durch Begießen oder Besprengen... Alle andern Christen aber in der Welt, welche nie des Papstes angemaßte Herrschaft anerkannt haben, tauchen nach der ursprünglichen Weise unter. Und wenn wir die Erdenach ihren Hauptteilen betrachten, so gehören alle Christen in Asien, alle in Afrika und der dritte Teil derselben in Europa zu der letzteren Gattung, unter welchem dritten Teile die Christenheit in Griechenland, Bosnien, Serbien, Bulgarien, in der Walachei und Moldau, in Rußland usw. verstanden werden. Die Christen im letztgenannten Reiche möchten besonders, mehr als in irgend einem andern, wenn die Kälte eine Entschuldigung darböte, die Erlassung von diesem Gebrauche in Anspruch nehmen. Außerdem gibt es in Amerika allein 7000 christliche Gemeinden, die die Taufe nach dem Worte Gottes durch Untertauchen vollziehen.“[149]
Gleich im Anfang des 17. und den darauffolgenden Jahrhunderten traten in Deutschland, Holland, England, Nordamerika, Schweden, Norwegen, Dänemark, Frankreich, Rußland, Österreich-Ungarn, Italien und der Schweiz Männer auf, die durch Antrieb und Erleuchtung des Geistes Gottes die Bibel durchforschten und dadurch zu der Erkenntnis kamen, daß sich im Worte Gottes für die von der Kirche ausgeübte Sitte des Besprengens weder ein Gebot noch ein Beispiel vorfindet. Sie verwarfen deshalb die Taufe durch Begießung und Besprengung als schriftwidrig und erkannten, daß die Untertauchung die allein schriftgemäße Taufe sei. Der Ruhm, zu dieser Zeit diese alte von Christo befohlene Form der Taufe erkannt und zuerst eingeführt und verbreitet zu haben, gebührt unseres Wissens nach den Rynsburgern, einer im Jahre 1620 in Holland entstandenen christlichen Richtung, die man spottweise auf holländisch „Dompelaers“ (Eintaucher) nannte. In Rynsburg bei Leyden hatten sie ein großes Taufbassin, in dem sie tauften. Jahrhunderte hindurch stand es als Denkmal da und legte Zeugnis davon ab, was an dem Orte einst geschah. Erst vor nicht so langer Zeit wurde dieses wichtige historische Taufbassin abgebrochen.
Ebenso gab es unter der reformierenden Partei der englischen Kirche, den Puritanern, ernste und nach der reinen Lehre des Evangeliums suchende Christen. Viele unter ihnen erkannten die Taufe der Erwachsenen und machten sich durch die Verbreitung derselben, die trotz viel Widerstand und Verfolgung geschah, verdient. Darunter ist besondersRichard BlountundSamuel Blacklockzu nennen. Sie waren es nämlich, die zuerst in London wirkten, und wie von baptistischer Seite aus berichtet wird, bestanden bereits im Jahre 1643 daselbst sieben „Gemeinden getaufter Gläubigen“[150]; so nannten sie sich zu der Zeit. Heute ist diese Gemeinschaft unter dem Namen „Baptisten“ bekannt, und man findet sie schon in aller Herren Länder.
Auch wir, die wir uns nicht schämen, „Siebenten-Tags-Adventisten“ zu heißen, üben die Taufpraxis durch Untertauchung aus. Zu Hunderten senden wir unsere Missionare in alle Länder aus, um das Evangelium vom Reich, den vollen Ratschluß unseres Gottes, zu allen Sprachen, Zungen und Völkern bis zu den Enden der Erde zu tragen. Nicht nur in Deutschland allein, sondern in Nord-, Süd- und Mittelamerika, im fernen Australien, auf den Inseln des Stillen Ozeans, in Persien, in Syrien, im kalten Sibirien und Kleinasien, ebenso im Innern von China, in Korea, in Japan und Indien, ja selbst im Herzen von Afrika stehen unsere Missionare und verkünden die Heilsbotschaft von dem rettenden Sünderheiland, ihnen zu sagen, daß auch sie „alle Gerechtigkeit zu erfüllen“ haben, um gerettet zu werden. Tausende und Abertausende werden zu Gott, ihrem Heilande, bekehrt und lassen sich darauf willig in den Wasserfluten durch die Taufe begraben, als Zeichen, daß sie von nun an dieser Welt abgestorben sind und allein für Gott in einemneuen, ihm völlig geweihten und geheiligten Leben wandeln wollen.
Eine Taufszene in Afrika.
Eine Taufszene in Afrika.
Wir sind nun das Altertum, Mittelalter sowie die neuere Zeit bis auf die Gegenwart durchgegangen. Durch die Verhandlungen der Konzilien und Rituale waren wir imstande, unumstößliche Beweise zu erbringen, daß dreizehnhundert Jahre lang die Taufe fast durchweg auf die ursprüngliche Weise, d. h. durch Untertauchung verrichtet worden ist; ja selbst nach dem 13. Jahrh. lassen sich trotz der allgemeinen Einführung der Besprengung bis auf den heutigen Tag ununterbrochene Spuren nachweisen, daß es ganze Kirchen und verschiedene Gemeinschaften gab, die die Taufe nach Christi Gebot zur Ausführung brachten.
Ende des Kapitels